[nach oben]  Zum übergeordneten Thema
 
  Zusammengestellt von Oskar Fuhlrott, ©  
->Letzte Meldung(en), ->Eigenkapital, ->Rating

Quellen zur Bankenpolitik

Abkürzungen: CDS = credit default swaps (Kredit­ausfall-Aufschläge), EFSF = Euro­pean Finan­cial Stabi­lity Faci­lity (vorläu­figer Rettungs­schirm des Europä­ischen Stabi­litäts­mecha­nismus ESM), EU = Europä­ische Union, EZB = Europä­ische Zentral­bank, IMF = Interna­tional Mone­tary Fund (IWF = Inter­natio­naler Währungs­fonds), OECD = Orga­nisa­tion für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Entwick­lung

 
• Bankenkrise • Eigenkapital • Rating • Trennbankensystem • Transaktionssteuer • Geldpolitik • Sonstiges • Autoren

Gefahr einer Bankenkrise, auch durch die Schuldenkrise  

[HTML] WikipediA: Eurozone: umfasst dieje­nigen Mitglied­staaten der EU, die den € als Währung einge­führt haben. Besteht 2011 aus 17 EU-Staaten und wird deswegen auch als Euro-17 bezeichnet. de.wikipedia.org, 2011.
LandMitglied seit dem
1. Januar …
Umtauschbe­schränkung für alte Währung (►Umtausch)
Belgien1999Münzen nur bis 31.12.2004
Deutschland1999(unbegrenzt)
Finnland1999Münzen nur bis 28.02.2012, Banknoten nur bis 28.02.2012
Frankreich1999Münzen nur bis 17.02.2005, Banknoten nur bis 17.02.2012
Irland1999(unbegrenzt)
Italien1999Münzen und Banknoten nur bis 28.02.2012
Luxemburg1999Münzen nur bis 31.12.2004
Niederlande1999Münzen nur bis 01.01.2007, Banknoten nur bis 01.01.2012
Österreich1999(unbegrenzt)
Portugal1999Münzen nur bis 31.12.2002, Banknoten nur bis 01.01.2022
Spanien1999(unbegrenzt)
Griechenland2001Münzen nur bis 28.02.2004, Banknoten nur bis 28.02.2012
Slowenien2007Münzen nur bis 31.12.2016
Malta2008Münzen nur bis 31.12.2009, Banknoten nur bis 31.12.2017
Zypern2008Münzen nur bis 31.12.2009, Banknoten nur bis 31.12.2017
Slowakei2009Münzen nur bis 31.12.2013
Estland2011Münzen und Banknoten nur bis 31.12.2011
Kroatienbeschlossen:
ab 1.7.2013
?
[HTML] Staatsverschuldung in der Eurozone. Staatsverschuldung.de / Eurostat, 26.4.2011.
Land Gesamtverschuldung
in % des BIP Ende 2010
Haushalts-Defizit / -Überschuss 2010
Griechenland 142,8% -10,5%
Italien 119,0% -4,6%
Belgien 96,8% -4,1%
Irland 96,2% -32,4%
Portugal 93,0% -9,1%
Deutschland 83,2% -3,3%
Frankreich 81,7% -7,0%
Österreich 72,3% -4,6%
Malta 68,0% -3,6%
Niederlande 62,7% -5,4%
Zypern 60,8% -5,3%
Spanien 60,1% -9,2%
Finnland 48,4% -2,5%
Slowakei 41,0% -7,9%
Slowenien 38,0% -5,6%
Luxemburg 18,4% -1,7%
Estland 6,6% +1,1%
Maastrichtschwelle:60,0%
Schuldengrenze verfehlt /
Schuldenlimit eingehalten
-3,0% Maastricht-erlaubtes Defizit:   

[HTML] Staatsverschuldung in anderen Ländern. IMF / CIA Factbook / Staatsverschuldung.de / Eurostat, 2010–2011.
Land Gesamtverschuldung
in % des BIP Ende 2010
Haushalts-Defizit / -Überschuss 2010 EU
Simbabwe 234,1% -8,6%
Indonesien 200,1% -0,6%
Japan 197,5% -9,9%
Libanon 133,8% ca.-11,1%
Eritrea 129,7% ca.-20,3%
Jamaika 126,5% -7,1%
Island 126,1% -7,8%
Singapur 105,8% +0,2%
Südafrika 99,0% -3,9%
USA 94,4% -10,0%
Sudan 92,6% -2,1%
Kanada 84,0% -5,3%
Ungarn 80,2% -4,2%
Großbritannien 80,0% -10,4%
Israel 74,5% -4,1%
Brasilien 66,8% -2,9%
Indien 64,1% -6,7%
Kroatien 58,0% ca.-4,0%
Vietnam 57,1% -5,9%
Polen 55,0% -3,6%
Argentinien 52,2% +0,2%
Philippinen 47,3% -3,7%
Lettland 45,0% -7,7%
Norwegen 45,0% +10,5%
Mexiko ca.44,9% ca.-4,3%
Dänemark 44,0% ca.-2,0%
Montenegro 43,5% -3,4%
Türkei 43,4% -3,0%
Irak 42,2% -9,1%
Südkorea 41.5% +1,7%
Serbien 40,5% -3,4%
Schweden 40,0% ±0,0%
Schweiz 39,5% -2,1%
Tschechische Republik 39,0% -4,7%
Litauen 38,0% -7,1%
Rumänien 31,0% -6,4%
Mazedonien 24,9% -2,5%
China 18,9% ca.-2,8%
Bulgarien 18,0% -1,7%
Australien ca.17,6% ca.-3,9%
Nigeria 14,3% -4,8%
Russland 9,0% -7,5%
Maastricht-Kriterium (< 60%) verfehlt / eingehalten  Maastricht-erlaubtes Defizit:  3%  
Quellen: International Monetary Fund Debt data and IMF staff estimates, IMF, 2011;  CIA World Factbook Public Debt, CIA, 2011;  Grafik Staatsverschul­dung in Europa, Wikipedia, 2011;  AHK Deutsche Auslandshandels­kam­mern: Wirtschaftsdaten der GERMANY Trade & Invest (GTAI), 2011
 
  
  
 
 
Stand
Mitglied der EU
Mitgliedschaft zum 1.7.2013 beschlossen
Beitrittskandidat (Antrag angenommen)
Beitrittsantrag gestellt (noch nicht angen.)
Beitrittsantrag eingefroren
 Dezember 2011

[HTML] WikipediA: Staatsverschuldung: die zusam­menge­fassten Schulden eines Staates an Dritte, brutto betrachtet (also nicht saldiert mit den Forde­rungen des Staates). de.wikipedia.org, 2011. • die Staats­verschul­dung wird indi­rekt auch als Verschul­dung der Steuer­zahler ange­sehen • die Bewer­tung der Staats­verschul­dung ist in den Wirt­schafts­wissen­schaften kontro­vers: die Klas­siker sehen sie als Geißel, die Keyne­sianer tempo­rär als Mittel zur Ankur­belung der Konjunktur • der reale Verschul­dungs­grad läuft gegen einen Grenz­wert, da sich ab einem bestimmten Verschul­dungs­grad (bzw. Zins­last­quote) die Inves­toren und Gläu­biger an der Rück­zahlungs­fähig­keit des Staates zu zwei­feln beginnen (sinkende Boni­tät) • durch Betä­tigung der Noten­presse kann der Staat seine Staats­schulden scheinbar aufkaufen lassen, aber er wird im Endef­fekt dadurch nur die "nomi­nellen" Staats­schulden theore­tisch ins Uner­mess­liche stei­gern • Barro-Ricardo-Äqui­valenz­propo­sition: die Haus­halte werden die zukünf­tigen Steuer­zahlungen, die durch die gegen­wärtige Verschul­dung bedingt sind, schon in der Gegen­wart durch Sparen antizi­pieren • die keyne­siani­schen Kritiker: eine Steuer­senkung kann durchaus nach­frage­wirksam sein, da sie die Liqui­ditäts­beschrän­kung vieler Haus­halte entschärft • empi­rische Befunde: die Barro-Ricardo-Äqui­valenz kann nicht uneinge­schränkt gültig sein • Ratio­nali­täten­falle: die Indi­vidu­alra­tiona­lität (Sparen vermin­dert Schulden) steht somit im Konflikt zur Kollek­tivra­tiona­lität (wenn alle sparen kann dies keine posi­tiven Auswir­kungen auf den Staats­haus­halt haben) • A. Alesina, K.S. Rogoff, N.G. Mankiw und R.J. Barro wider­sprechen P. Krugman durch empiri­sche Befunde, die einen nega­tiven Zusam­menhang zwischen stei­gender Staats­verschul­dung und Wirt­schafts­wachstum belegen, während Steuer­senkungen zu echtem Wirt­schafts­wachstum führen
[HTML] WikipediA: Staatsschuldenkrise im Euroraum: Verschul­dungs­krisen einiger Mitglied­staaten der Euro­zone, die den Zahlungs­verpflich­tungen aus ihrer Verschul­dung ohne Unter­stüt­zung von dritter Seite nicht mehr nach­kommen konnten. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] J. Koopmann: Grundlagen und Instrumente der Geldpolitik: Dimensionen der Geldpolitik und Transmissionsansätze.[!] www.koopiworld.de, ?
[HTML] WikipediA: Transmissionsmechanismus:[wichtig!] Prozess, mittels dessen sich geld­politi­sche Entschei­dungen auf die Wirt­schaft auswirken. de.wikipedia.org, 2011. • Man unter­scheidet je nach Trans­missions­kanal zwischen Zins­kanal, Wechsel­kurs­kanal, Vermö­gens­kanal, Kredit­kanal • Schwer­punkt Keynesia­nismus: Fiskal­politik→BIP • Schwer­punkt Moneta­rismus: Geldpo­litik→Preis­niveau • Zins­kanal: Zinsset­zungen der Zentral­bank → Anpas­sungen bei Kapital­kosten, Substi­tutions­effekte im Port­folio • Wechsel­kurs­kanal: stei­gende Zinsen → mehr Kapi­talim­porte → Aufwer­tung → Preis­ände­rungen • Vermö­gens­kanal: expan­sive Geldpo­litik → Senkung der Zins­sätze → stei­gende Aktien­nach­frage, sinkende Immo­bilien­preise • Kredit­kanal: bei restrik­tiver Geldpo­litik die realen Wirkungen stärker als aufgrund einer nur mäßigen Verän­derung der Markt­zinsen zu erwarten • Strom­größen orien­tiert: Kredit-theore­tisch, Keynesi­anisch • Bestands­größen orien­tiert: mone­taris­tisch, Post­keynesi­anisch • Mone­tärer Trans­missions­mecha­nismus: Geldpo­litik der Noten­bank → Geld­menge → Preis­niveau, Finan­zierungs­bedin­gungen, Konjunktur- und Infla­tions­erwar­tungen → Wechsel­kurs, Güter- und Vermö­gens­preise • Substi­tutions­vorgänge inner­halb des Vermö­gens bilden den Kern der moneta­risti­schen Theorie • Post­keynesi­anischer Trans­missions­mecha­nismus (Tobin­sche Trans­missi­onsthe­orie): Wirt­schafts­subjekte erstreben ideale Vertei­lung ihres Finanz- und Sach­vermö­gens • nicht nur die Rendite­erwar­tungen (wie bei den Moneta­risten), sondern vielmehr die Risi­koab­schät­zungen spielen eine entschei­dende Rolle → Diver­sifika­tion des Vermö­gens • beim Finanz­vermögen nur das reine Nettover­mögen beachtet, Art der Inves­titions­entschei­dung bedeutsam, Vernach­lässi­gung der Konsum­güter­nach­frage • die als Ange­bots­preis des Kapi­tals bezeich­nete Rendite ist der Mindest­wert, den ein Unter­nehmer aus einer bereits getä­tigten Inves­tition erzielen will • für Tobin ist die Erzeu­gung eines Zins- bzw. Risi­koge­fälles zwischen Finanz­aktiva und Sachver­mögen entschei­dend
[HTML] WikipediA: Zins ist der Preis der Nutzung eines überla­ssenen Sach­guts oder Finanz­instru­ments für einen bestimmten Zeit­raum. de.wikipedia.org, 2011. Funk­tionen des Zinses sind: a) Entgelt für Geld als Kredit, b) Absi­cherung des Rück­zahlungs­risikos (Risiko­prämie), c) Pauschale als Scha­dens­ersatz (Verzugs­zins), d) Ausgleich für Kauf­kraft­verlust (Infla­tionsaus­gleich), e) Ersatz für entgan­gene Wirt­schafts­nutzung (Oppor­tunitäts­kosten)
Zins­theorien: • klas­sisch/neoklas­sische Zins­theorie: wich­tige Funk­tion als Allo­kations­mecha­nismus (Entschei­dungs­hilfe bei Inves­titi­onen, Rendi­teni­veau als Indi­kator für Knapp­heit) • Eugen von Böhm-Bawerk: Ausgleich für im Lebens­lauf anstei­gendes Einkommen, Kompen­sation für Gegen­warts­präfe­renz • marxis­tische Zins­theorie: der Zins ist Teil des Mehr­werts des Kapita­listen aus der Ausbeu­tung der Arbeiter • Ludwig von Mises: Menschen ziehen eine unmit­telbare Befrie­digung einer künf­tigen Befrie­digung vor, Gleich­setzung einer Menge heutiger Güter mit einer (um den Zins) größeren Menge künf­tiger Güter • Zins­theorie nach John Maynard Keynes: alle Wirt­schafts­teil­nehmer haben eine Liqui­ditäts­präfe­renz: 1) für die Über­brückung zwischen Einnahme und Ausgabe des Einkom­mens (Einkom­mens­motiv) bzw. Einkauf und Verkauf einer Ware (Geschäfts­motiv) (beide zusam­men: Umsatz­motiv); 2) als Vorsorge für bevor­stehende und unvor­herseh­bare Aufgaben (Vorsichts­motiv); 3) aus der Erwar­tung günsti­gerer Gelegen­heiten zur Geld­verwen­dung (Speku­lations­motiv) • der Besitz von Geld ist ein Vorteil (Liqui­dität) • der Zins ist der Preis dafür, dass der Kredit­geber während der Lauf­zeit des Kredits nicht über das Geld verfügen kann • der Kredit­nehmer ist umge­kehrt bereit, für den Vorteil des Geldbe­sitzes diesen Zins zu bezahlen • da Geld beim Behalten keine Durch­halte­kosten verlangt, lässt der Kredit­anbieter das Geld horten, solange ihm der Zins nicht hoch genug erscheint: er hält eine „Speku­lations­kasse” • da diese Zurück­haltung die Wirt­schaft schädigt, schlug Keynes eine stän­dige maßvolle Geld­entwer­tung vor, gerde so hoch, dass sie die Geld­hortung kost­spielig machen würde
[HTML] Alle wichtigen Zinsen im Überblick.[!] OnVista, 2011
[PDF] H.-W. Sinn, T. Wollmershäuser: Target-Kredite, Leis­tungs­bilanz­salden und Kapi­talver­kehr: Der Rettungs­schirm der EZB. ifo Working Paper No. 105, 24.06.2011
[Web-Link][PDF] M. Bloss, D. Ernst, J. Häcker, N. Eil: Von der Subprime-Krise zur Finanzkrise.[wichtig!] Immobilienblase: Ursachen, Auswirkungen, Handlungsempfehlungen. Oldenbourg Verlag München, ISBN 978-3-486-58873-6, 2008. Volks­wirt­schaft­liche Begrün­dung der Subprime-Krise mittels Hayek­scher Konjunk­turthe­orie • Konjunk­turthe­orie von Fried­rich August von Hayek, basie­rend auf dem Zins als rela­tiver Preis zur Steue­rung des gesamt­wirt­schaft­lichen Produk­tions­aufbaus: • 1) aus höherer Inves­titions­bereit­schaft folgt eine stär­kere Nach­frage nach Kapital • 2) die Banken bedienen diese zusätz­liche Nach­frage zu gleich­blei­benden Zins­sätzen („perverse Elasti­zität des Kredit­ange­bots”) • 3) der zu nied­rige Kapital­preis führt zu einem verzerrten Produk­tions­aufbau • 4) im Konjunk­turauf­schwung mit anzie­hendem Zins wird der fehl­gelei­tete Produk­tions­aufbau offenbar • 5) die Berei­nigung der Produk­tions­struktur bewirkt eine sich verschär­fende Konjunktur­krise • nach dem Absturz der Börsen­kurse im Jahr 2000 haben die Zentral­banken den Refi­nanzie­rungs­zins auf ein zu nied­riges Niveau gesetztdie nied­rigen Zins­sätze für Hypo­theken­kredite und die Erwar­tung stetig stei­gender Immobi­lien­preise in den USA ließen die Zahl der Haus­eigen­tümer steigen — viele davon „Subprime”-Kredit­nehmer, d.h. zweit­klassig mit schlechter Bonität • als die Zins­sätze stiegen, konnten viele Kredit­nehmer aufgrund der risi­korei­chen Hypothe­kenkre­dite in Verbin­dung mit vari­abler Verzin­sung ihre Zahlungen nicht nehr leisten • durch die Bünde­lung und Verbrie­fung der Subprime-Hypo­theken­kredite konnten diese am Kapital­markt verkauft werden • Invest­ment­banken kauften sich Kredite von regio­nalen Banken und Hypo­theken­banken zusammen und verpackten sie zu neuen Anlagen („Verbrie­fung”) • Mort­gage Backed Securi­ties (MBS) = verbriefte Hypo­theken­kredite • aus den MBS wurden Fonds gebildet: Colla­tera­lized Mort­gage Obli­gations (CMO) • diese wurden welt­weit verkauft, vor allem an Invest­ment­fonds, Hedge­fonds, Versiche­rungen und Pensions­fonds • geschätzte 20% oder mehr der Subprime-Hypo­theken­kredite enden mit dem Verlust der Immo­bilie, d.h. sie werden zwangs­verstei­gert • über den massiven Rück­gang des Konsums bei den Kredit­nehmern wird die Real­wirt­schaft betroffen, mit welt­weiten Auswir­kungen auf die Produk­tion bis zur Gefahr der Rezes­sion • die Erwar­tung stetig stei­gender Immobi­lien­preise haben auch z.B. in Groß­britan­nien und Spanien zu Immo­bilien­blasen geführt • zur Absiche­rung gegen Risiken war „Basel II” geschaffen worden; eine inter­natio­nale Vorschrift zur Sicher­stel­lung einer angemes­senen Eigen­kapital-Ausstat­tung der Finanz­insti­tute und Schaf­fung glei­cher Wettbe­werbs­bedin­gungen • danach müssen die Banken „risi­koge­wich­tete” Kredite mit Eigen­kapital unter­legen • die Banken wichen aber dem Zwang zur Bindung von Eigen­kapital aus, indem sie bei der Verbrie­fung der Hypothe­kenkre­dite Zweck­gesell­schaften grün­deten und damit die Risiken auf den Kapital­markt über­trugen • gegen eine Risiko­prämie über­nahmen dort Kredit­nehmer die Bankri­siken • indem die Banken also kein Eigen­kapital mehr hinter­legen mussten, wurde die Grund­idee von Basel II umgangen • aber es gab ja noch eine Sicher­heitskon­trolle: die Bewer­tung durch die Rating-Agen­turen • auch diese versagten: die Krise entstand durch Wertpa­piere, die ein erst­klas­siges Rating hatten und so als sicher galten, sich aber aus risi­korei­chen Hypo­theken zusammen­setzten • die erst­klas­sigen Ratings von den Rating-Agen­turen basierten auf der Vermu­tung, dass es als unwahr­schein­lich betrachtet wurde, dass der größte Teil der Kredite gleich­zeitig ausfiel • für die Inves­toren verspra­chen die Pakete als „hohe Renditen in Verbin­dung mit geringen Risiken” • Erklärungs­versuche des hohen Ratings entgegen wirt­schaft­licher Vernunft: Inter­essen­konflikte, mangelnder Wett­bewerb und fehlende Haftung der Rating-Agen­turen • die falsche Erwar­tung stetig stei­gender Immo­bilien­preise spielte auch hier eine zentrale Rolle • fehler­haftes Verhalten der US-Zentral­bank (Fed): eine Senkung der Leit­zinsen sollte die Banken in die Lage versetzen, die Real­wirt­schaft mit Liqui­dität zu güns­tigsten Kondi­tionen zu versorgen • statt­dessen wurde durch die Über­versor­gung mit Liqui­dität die Lenkungs­funktion des Zinses außer Kraft gesetzt und so die Immobi­lien­blase und weitere Blasen geför­dert • während die Fed mit einer expan­siven Geldpo­litik reagierte, konzen­trierte sich die Europä­ische Zentral­bank (EZB) auf die Geld­wert­stabi­lität • trotz des daraufhin stei­genden Zins­drucks reagierte die Fed mit weiteren Zinssen­kungen und der US-Kongress mit Steu­erkür­zungen und Extrazah­lungen an Gering­verdiener • im Gegen­satz zu 2001 senkte die EZB diesmal nicht die Zinsen • die welt­weit etwa 9000 Hedge-Fonds verwalten ein Vermögen von ca. 1,5 Billionen US-$ • wegen ihrer Markt­macht und fehlender Regulie­rung arbeiten die Hedge-Fonds mit hohen Risiken: mit ihrer gestie­genen Bedeu­tung besteht die Gefahr, dass die Schief­lage von Hedge-Fonds das inter­natio­nale Finanz­system insge­samt beein­träch­tigen könnte • die alten Indus­triena­tionen zeigen Krisen­merk­male im Finanz­sektor und in der Real­wirt­schaft, während die Emer­ging Markets nur wenig betroffen sind • die EZB hält Zinssen­kungen bei plat­zenden Blasen für Nähr­böden von Infla­tion und neuen Blasen • in den USA gewichtet man Wachstum und Finanz­markt­stabi­lität stärker als Preis­stabi­lität • bislang ist es noch nicht gelungen, die ordnungs­politi­schen Rahmen­bedin­gungen für ein globales Wachstum auf funk­tionie­renden Märkten zu schaffen
[HTML] D. Wermuth: Herdentrieb: Reden wir über Bilanzrezessionen! Blog ZEIT ONLINE, 19.2.2009. Richard Koo's neues Buch 'The Holy Grail of Macro­econo­mics' ist eine erwei­terte und aktuali­sierte Version seiner Studie über die 'Bilanz­rezes­sion' vom Februar 2003 • seine Analysen haben sich als außer­ordent­lich wert­voll erwiesen, schon weil es so wenig Vergleich­bares über die Prozesse nach dem Platzen von Asset Price-Blasen gibt • Koo studierte nicht nur die Depres­sion der 30-er Jahre, sondern eben­falls die lange japani­sche Rezes­sion und Defla­tion der letzten beiden Jahr­zehnte • für Koo waren die „verlo­renen 15 Jahre” Japans keineswegs verlo­rene Zeit • als die Vermö­gensan­lagen-Blasen Anfang der 90er Jahre platzten, kam es insge­samt zu Vermö­gensver­lusten von 1.500 Billi­onen (Milli­arden?) Yen, also das 3-fache des nomi­nalen japani­schen Sozi­alpro­dukts — die Ameri­kaner hatten während der 30er Jahre „nur” einen Verlust von 1 jähr­lichem Sozial­produkt erlitten • aber während das reale Sozial­produkt der USA in der Depres­sion in 4 Jahren um insge­samt 46% einbrach und die Arbeits­losen­quote auf 25% anstieg, war die durch­schnitt­liche Wachs­tums­rate Japans von etwas unter 2% pro Jahr eine rich­tige Erfolgs­story — wie auch die Tatsache, dass die Arbeits­losen­quote in diesen langen Jahren unter 5,5% gehalten werden konnte • das Haupt­problem der Wirt­schafts­poli­tiker war das stän­dige Bestreben von Haus­halten, Banken und anderen Unter­nehmen, ihre Schulden abzu­bauen • als die Blasen platzten, waren sie alle auf einmal finan­ziell unter Wasser — die Schulden waren höher als der Wert der Aktien und Immobi­lien, die sie damit finan­ziert hatten • sowohl die Haus­halte als auch der Staat hatten im Übrigen noch 1990 gewal­tige Finan­zierungs­über­schüsse (10% und 2% des BIP) gehabt • die Haus­halte waren nach dem Crash der Vermö­gens­preise aller­dings gezwungen, ihre Ersparnis zurück­zufahren • Koo: nied­rige Zinsen können die Nach­frage und damit die Konjunktur nicht stimu­lieren, wenn alle bestrebt sind, erst einmal ihre Schulden­berge abzu­tragen • was eine Kata­strophe in Japan verhin­dert hat, war die Bereit­schaft des Staates, Budget­defi­zite gewal­tigen Ausmaßes hinzu­nehmen, ebenso wie die Absicht der Privaten, es mit dem Sparen nicht zu über­treiben • die Lehre daraus: wenn die Nach­frage nach Gütern und Dienst­leis­tungen wegbricht, weil sowohl die Unter­nehmen als auch die Haus­halte nur noch ihre indi­vidu­ellen Bilanzen in Ordnung bringen wollen, muss der Staat ran — ohne einen verschul­dungs­willigen Staat geht es nicht • wenn der Staat nicht ener­gisch einge­griffen hätte, wäre es auch in Japan zu einer Depres­sion gekommen • alles das hat bisher trotzdem nicht dazu geführt, dass die Infla­tions­erwar­tungen und mit ihnen die Renditen der Regie­rungsan­leihen in die Höhe gegangen sind — die japani­schen Schuld­verschrei­bungen der öffent­lichen Hand gelten sogar als die sicher­sten Geldan­lagen über­haupt • auch Euro­land als Ganzes steht sehr gut da und hat Spiel­raum für eine deut­lich expan­sivere Finanz­politik
[HTML] V. Csizi: Wirtschaftskrise: Staatsanleihen bringen hohe Zinsen.[!] Die Staatshaushalte sind erschöpft. Wer den verschiedenen Staaten jetzt Geld leiht, kann mit hohen Renditen rechnen. Vor allem osteuropäische Staaten belohnen Anleger derzeit mit bis zu zehn Prozent Rendite. Deutsche Anleihen hingegen werfen nur magere Zinsen ab. DER TAGESSPIEGEL, 7.5.2009;  [JPEG-Grafik] Hochverzinste Staatsanleihen 2009
[PDF] M. Schreyer: Weltwirtschaftskrise 2009: Notwendige wirtschaftspolitische Schritte zur Überwindung einer Bilanzrezession.[!] Die inter­natio­nale Finanz­krise ist auf dem besten Wege, sich zu einer welt­weiten Wirt­schafts­krise zu entwi­ckeln. Bei dem sich abzeich­nenden schweren Abschwung handelt es sich nicht um eine gewöhn­liche Rezes­sion, sondern um eine Bilanz­rezes­sion. In dieser stößt eine expan­sive Geldpo­litik schnell an ihre Grenzen. Nur eine nach­haltige Stabi­lisie­rung des Finanz­sektors durch eine Entlas­tung der Bank­bilanzen von Problem­aktiva kann die Krise rasch über­winden. Komple­mentär dazu bedarf es einer möglichst inter­natio­nal abge­stimmten expan­siven Finanz­politik, um den wirt­schaft­lichen Abschwung­prozess zu durch­brechen.. WISO direkt, März 2009.  FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG, 2009. • Nach dem Platzen der Speku­lations­blase an den Hypo­theken- und Kredit­märkten haben sinkende Vermö­gens­werte, hohe Abschrei­bungen und Eigen­kapi­talver­luste zu einer restrik­tiveren Kredit­vergabe und einem Einbruch der gesamt­wirt­schaft­lichen Produk­tion und Güter­nach­frage geführt • es droht eine Abwärts­spirale mit stark stei­genden Unter­nehmens­pleiten und Arbeits­losen­zahlen • es handelt sich diesmal um eine Bilanz­rezes­sion, bei der viele Markt­teil­nehmer in vielen Staaten gleich­zeitig versu­chen, die in den letzten Jahren durch die exzes­sive Kredit­vergabe aufge­baute Verschul­dung zurück­zuführen • der Entschul­dungs­prozess (Delever­aging) kann nicht für das ganze Banken­system oder den gesamten privaten Sektor zeit­gleich verfolgt werden • durch selbst­verstär­kende Prozesse kommt es zum Gegen­teil dessen, was ursprüg­lich beab­sich­tigt war • die Zentral­banken insbe­sondere in den USA und Groß­britan­nien haben als erste schnell und substan­ziell auf den syste­mischen Vertrau­ensver­lust reagiert, indem die Zentral­bank­zinsen auf ein histo­risch nied­riges Niveau gesenkt wurden • als „Lender-of-last-resort” haben sie zudem länger­fris­tige Liqui­dität in schwin­delnder Höhe einer immer größeren Zahl von Finanz­markt­akteuren zur Verfü­gung gestellt und dabei immer schlech­tere Sicher­heiten akzep­tiert • diese Liqui­dität wurde aber nicht als zusätz­liche Kredite an den realen Sektor weiter­gereicht • dieses schein­bare Versagen der Geldpo­litik liegt daran, dass sie nur indi­rekt auf die Kredit­vergabe der Banken einwirken kann • das zentrale Problem liegt am hohen Bestand an „toxi­schen” Wertpa­pieren und damit einem hohen Kredit­ausfall­risiko • Abschrei­bungen lassen das Eigen­kapital der Banken immer weiter schrumpfen und führt zu einer gerin­geren Kredit­vergabe — ebenso wie die Stra­tegie der Banken zur Bilanz­verkür­zung • die Banken erweisen sich so trotz staat­licher Kapital­zufüh­rungen als Fass ohne Boden • solange die Bankbi­lanzen von den Wertpa­pieren nicht entlastet sind, die viel Eigen­kapital binden und somit das Neukre­ditge­schäft einschränken, wird sich die Abwärts­spirale weiter fort­setzen • aus den Erfah­rungen in Japan, wo die Solvenz­probleme im Banken- und Finanzen­sektor erst nach 7 Krisen­jahren durch die Grün­dung einer „Bad Bank” gelöst wurden, kann die Lehre gezogen werden: ohne staat­liche Eingriffe und Unter­stüt­zungsmaß­nahmen geht es nicht • die notwen­dige Reka­pitali­sierung der Banken wird den Staat noch­mals viel Geld kosten • im Gegenzug sollte er sich auch zum läger­fris­tigen Schutz der Steuer­zahler Aktien der unter­stützten Banken sichern • an einer zeitwei­ligen (Teil-)Verstaat­lichung einzelner Insti­tute wird kein Weg vorbei­führen • ohne einen fiska­lischen Impuls würde auch die Entlas­tung der Banken nicht nach­haltig sein, da der welt­weite konjunk­turelle Abschwung weitere Kredit­ausfälle bewirkt • mit einer expan­siven Fiskal­politik muss die private Nach­frage schnell und zielge­richtet gestützt werden, um die Abwärts­spirale aus Einkom­mens-, Produk­tions- und Beschäf­tigungs­einbußen zu durchbre­chen • es wird nicht ohne weitere Staats­verschul­dung gehen • der Budget­saldo des öffent­lichen Sektors muss sich zwangs­läufig entgegen­gesetzt zum privaten Sektor entwi­ckeln • eine möglichst effi­ziente Verwen­dung der kredit­finan­zierten Staats­ausgaben bevor­zugt Maßnahmen mit hohen Multi­plika­toref­fekten
[HTML] WikipediA: Schuldenbremse: konsti­tutio­nelle Selbst­bindung soll einer­seits die Möglich­keit nehmen, im Übermaß Verschul­dungen einzu­gehen sowie auch die Verpflich­tung aufer­legen, even­tuell beste­hende über­mäßige Verschul­dungen zurück­zufahren. de.wikipedia.org, 2011
[PDF] P. Bofinger, G. Horn, 60 weitere ProfessorInnen und 150 weitere WissenschaftlerInnen: Die Schuldenbremse gefährdet die gesamt­wirt­schaft­liche Stabi­lität und die Zukunft unserer Kinder.[nicht ausdruckbar] 25.5.2009
[HTML] G. Horn: Euro-Krise: Schuldenbremsen führen nicht ins ökonomische Paradies. Wird die Welt besser, wenn alle Euro-Länder Verschul­dungs­regeln einfüh­ren? Von wegen, schreibt Gustav Horn im Gast­beitrag. Es käme zu erbit­terten Vertei­lungs­kämpfen. ZEIT ONLINE, 15.9.2011. • Als Heil­mittel gegen die Schulden­krise wird von vielen Politi­kern eine Schulden­bremse empfohlen, wie sie im deut­schen Grund­gesetz steht • lang­fristig soll der Schulden­stand unter realis­tischen Annahmen nur noch rund 10% des BIP betragen (derzeit rund 80%) • wäre überall eine solche Schulden­bremse einge­führt und die Staats­verschul­dung betrüge aller­orten nur noch jene 10%, dann lebten wir im verspro­chenen „Para­dies” mit schlechten Schulen und erbit­terten Vertei­lungs­kämpfen, da der Staat in einer solchen Welt prinzi­piell nur ausgeben kann, was er einnimmt • gemessen an heute könnte der Staat entweder deut­lich weniger ausgaben­wirk­same Aufgaben wahr­nehmen oder es gäbe erheb­lich höhere Steuern und Abgaben • bei dieser Beschrän­kung wird ein fortwäh­render Kampf zwischen jenen statt­finden, die eine stän­dige Rück­führung staat­licher Aufgaben einfor­dern, um niedri­gere Steuern zu zahlen, und jenen, die dem Staat mehr Aufgaben zuschreiben wollen, auch um den Preis höherer Steuern • das Ergebnis wäre je nach Stand­punkt ein schlanker oder ein schwacher Staat • auch in der Welt der Schulden­bremsen müssen staat­liche Inves­titi­onen durch Steuern finan­ziert sein • unter der Unsi­cher­heit über die Erträge dieser Inves­titi­onen ist auf Druck der Steuer­zahler tenden­ziell eine zurück­haltende Inves­titions­tätig­keit der öffent­lichen Hand zu erwarten • eine solche Unter­inves­tition führt aber auf Dauer zu einem niedri­geren Wachs­tums­pfad und mithin zu gerin­gerem Wachstum und höherer Arbeits­losig­keit • Schulden­bremsen verän­dern auch die Finanz­märkte: das Angebot an Staats­anleihen schrumpft, und gleich­zeitig vermin­dern sich die Möglich­keiten relativ sicherer Anlagen • das macht beispiels­weise auch die kapi­talge­deckte Alters­versor­gung unsi­cherer • der Staat wird seine Aufgaben mehr schlecht als recht erfüllen können — und das vor dem Hinter­grund von Klima­wandel, Energie­wende und Bildungs­notstand • zu befürchten ist, dass die wirt­schaft­liche Dynamik nied­riger und die Rente unsi­cherer ist
[HTML] WikipediA: Theorie optimaler Währungsräume, OCA, beschäf­tigt sich mit der ökono­misch sinn­vollen Größe von Währungs­räumen. de.wikipedia.org, 2011. • Es ist für bestimmte Länder vorteil­haft, einen gemein­samen Währungs­raum zu bilden, wenn anhand bestimmter Vari­ablen die Nutzen der Währungs­union deren Kosten über­steigen • unter­sucht wurden Faktor­mobi­lität, Flexibi­lität der Kapital­ströme, Offen­heits­grad ihrer Mitglieder, Anteil schock­empfind­licher Bran­chen an der natio­nalen Wert­schöp­fung, Ähnlich­keit der Präfe­renz­struk­turen, Konver­genz natio­naler Wirt­schafts­poli­tiken, Art und Weise der Finan­zierung von Staats­ausgaben, Struktur der natio­nalen Finanz­märkte, Ähnlich­keit von Arbeits­markt­insti­tuti­onen • der Euro­raum erfüllt die meisten Krite­rien nur zum Teil — aber genauso die USA • die EU-Konver­genz­krite­rien gelten als Krite­rien zur Über­prüfung der Optima­lität des Währungs­raumes • die briti­sche Regie­rung legte 5 eigene Krite­rien fest als Voraus­setzung einer Volks­befra­gung über den Euro
[HTML] R. von Heusinger: Kommentar: Das Casino lebt. Frankfurter Rundschau, 25.9.2009
[HTML] T. Kaiser: Interview mit Richard Koo: Staatsdefizit: Ökonom preist japanische Schulden als vorbildlich.[wichtig!] Japan hat die höchste Staats­verschul­dung der Welt. Nach Ansicht des renom­mierten Volks­wirtes Richard Koo sind die hohen Ausgaben aber ohne Alter­native — ein zu harter Spar­kurs würde eine Defla­tions­spirale in Gang setzen. Er empfiehlt den USA und Groß­britan­nien einen ähnli­chen Kurs. Auch für Deutsch­land hat er einen Tipp. WELT ONLINE, 27.05.2010. • Richard Koo (Chef­volks­wirt der japani­schen Bank Nomura): Rezes­sionen, die dem Bersten großer Spekula­tions­hypes folgen, sind anders als andere Konjunk­turrück­gänge • die japani­sche Staats­verschul­dung liegt bei 250% der Wirt­schafts­leis­tung — aber der Staat muss weiter inves­tieren und konsu­mieren und für den privaten Sektor einspringen, denn Unter­nehmen und private Haus­halte in Japan zahlen noch immer ihre Schulden ab und nehmen kein neues Geld für Inves­titi­onen auf • würde die Regie­rung das Gleiche tun, würden die Preise fallen und eine Defla­tions­spirale drohen • obwohl das Land die höchsten Staats­schulden der Welt hat, darf es noch nicht seine Schulden abbauen • die Ausgaben dürfen nur zurück­geführt werden, wenn man absolut sicher sein kann, dass private Inves­toren diese Lücke füllen • sonst bricht alles zusammen, sobald die Regie­rung aufhört, sich Geld zu leihen • was ist wirk­lich passiert in Japan: als 1989 die Immobi­lien­blase und die Aktien­blase geplatzt sind, haben die Menschen 87% ihrer Vermö­gens­werte verloren — und trotzdem hat es die Regie­rung geschafft, die Arbeits­losen­quote bei 5,5% zu halten • es ist die erfolg­reichste Wirt­schafts­politik der Geschichte: das BIP lag zu keinem Zeit­punkt unter dem Niveau, das es auf der Spitze der Blase hatte • es gab keine andere Wahl, da der private Sektor nach dem Platzen der beiden Blasen eine Kehrt­wende machte und von Gewinn­maximie­rung auf Schulden­minimie­rung umschwenkte • 10% der Wirt­schafts­leis­tung sind auf Spar­konten und in die Banken geflossen und nicht in den Wirt­schafts­kreis­lauf • in allen Ländern in Nord-Ost-Asien, die konfuzi­anisch geprägt sind, gibt es so hohe Spar­raten: in Japan, China, Taiwan und Südkorea • zur Dauer einer solchen Krise: in Amerika dauerte es nach der Welt­wirt­schafts­krise 30 Jahre, bis sich die wirt­schaft­liche Situa­tion wieder stabili­siert hatte • erst 1959 waren die Zinsen wieder auf einem normalen Niveau • das Phänomen Bilanz-Rezes­sion: während es in einer normalen Rezes­sion irgend­wann wieder aufwärts geht, wollen die Menschen in derar­tiger Rezes­sion um jeden Preis ihre Schulden abbauen und auf gar keinen Fall Kredite aufnehmen, egal wie niedrig die Zinsen sind • der Staat muss einspringen und die über­schüs­sigen Erspar­nisse von Unter­nehmen und Haus­halten aufkaufen und zurück in den Wirt­schafts­kreis­lauf schleusen • eine Locke­rung der Geldpo­litik oder alles andere funkti­oniert in solch einer Situa­tion nicht • deut­sche Unter­nehmen waren nach dem Platzen der Tele­kom-Blase zwar auch darauf aus, ihre Schulden zu redu­zieren, aber in den vergan­genen 10 Jahren haben die Unter­nehmen ihre Bilanzen in Ordnung gebracht • Italien ist auch nicht in der Situa­tion, aber Frankreich, Spanien, Portugal, die USA und Groß­britan­nien sind in einer ähnli­chen Situa­tion wie Japan vor 20 Jahren • staat­liche Geldpo­litik bringt hier nichts, wenn die Menschen einfach ihre Schulden zurück­zahlen wollen • all die Milli­arden, die Noten­banken in die Volks­wirt­schaften pumpen, sind mehr oder weniger nutzlos • in dieser Situa­tion muss der Staat Konjunk­turpro­gramme auflegen und Schulden machen • die Ausgab­enpro­gramme müssen so lange laufen, bis der private Sektor wieder Geld ausgibt — das kann sehr lange dauern • wenn Japan diesen Mecha­nismus verstanden hätte, hätte die Rezes­sion nur 7 oder 8 Jahre gedauert und nicht 15 Jahre • statt­dessen hat der Staat bei den ersten Erho­lungs­signalen aufge­hört, damit ging es dann wieder runter • alle Länder bis auf China riskieren den glei­chen Fehler — China versteht, wie man mit einer Bilanz-Rezes­sion umgehen muss • wenn die USA und andere Länder unseren Fehler wieder­holen und die Staats­ausgaben vorzeitig zurück­fahren, könnten sie eben­falls ein verlo­renes Jahr­zehnt erleben
[HTML] H. Schumann, N. Thomma: Interview mit Ex-Investmentbanker Sony Kapoor: "Man könnte einen Affen an den Computer setzen".[wichtig!] DER TAGESSPIEGEL, 25.6.2010. • Sony Kapoor war früher Invest­ment­banker bei Lehman Brothers und anderen Finanz­firmen, arbeitet seit 2005 für gemein­nützige Orga­nisa­tionen und Regie­rungen • er ging mit einem Stipen­dium an die London School of Econo­mics und erhielt sofort mehrere Joban­gebote aus der Finanz­branche • die Finanz­branche zieht die besten Talente aus vielen Berufen an • bei Lehman's bekam er schon nach 2 Monaten den Bonus und ein Gehalt zusätz­lich zu seinem Stipen­dium • die Praxis zeigte ihm die morali­sche Skrupel­losig­keit der Branche • Analysten, die Aktien bewerten und den Anle­gern empfehlen, standen trotz Verbots mit jenen Kollegen in Kontakt, die in diese Firmen inves­tieren oder deren Verkauf einfä­deln sollten • diese Verstöße sind von außen prak­tisch nicht nach­weisbar • fast alle Deals mit Deri­vaten wurden zwar in London abge­schlossen, doch gebucht auf den Bermudas und ähnli­chen Steuer­oasen • es gab Kollegen, die ohne Bedenken auf Risiko spielten: „Ziel war immer 25% Rendite — und wenn’s nicht aufging, dann wurde mal eben das 5- oder 6-fache des Eigen­kapi­tals an zusätz­lich gelie­henem Geld in ein Geschäft inves­tiert.” • die finan­ziellen Anreize sind das Problem: „mein Bonus ist direkt mit den Gewinnen verknüpft, die auf mein Konto gehen” • je mehr Risiko, desto höher ist der mögliche Gewinn • „Mein Beitrag zum Gesamt­risiko der Bank ist viel­leicht 1% — aber der Gewinn, den ich mache, bestimmt 90% meines Gehal­tes.” • das Problem mit den meisten Finanz­experten aus der Wissen­schaft ist, dass sie alle Bera­terver­träge mit Finanz­firmen haben • „der Kapita­lismus und auch die Finanz­indus­trie werden gebraucht, um den Menschen Wohl­stand zu bringen” • doch die Finanz­indus­trie hat ihren ursprüng­lichen Zweck verloren, als Dienst­leister die Entwick­lung der realen Wirt­schaft voranzu­bringen • die Branche allein kassierte vor dem Crash bis zu 40% aller Unter­nehmens­gewinne • das Geld aus den geschätzten Verlusten von 1000 Mrd. $ im Immobi­lienge­schäft ist bei den Verkäu­fern der über­teuerten Grund­stücke und Häuser und dann vor allem bei den Invest­ment­banken gelandet • ameri­kani­sche Pensions­fonds erwarten eine Jahres­rendite von 8% — aber wenn die Wirt­schaft als Ganzes nur um 3% wächst, ist das für alle großen Fonds zusammen unrea­listisch und geht nur in einer Blase, die irgend­wann platzt • im Boom steigen die Renditen dort am schnellsten, wo die meisten inves­tieren — das führt zu Herden­ver­halten • das System ist so intrans­parent, dass nicht nur die Aufseher die wahren Risiken nicht kannten, sondern auch die Marktak­teure selbst • der Finanz­sektor ist sehr vernetzt: alles ist mit allem verbunden • die entstan­dene Krise hat nach Schät­zung der Bank of England jetzt schon 60 Billi­onen $ Schaden ange­richtet, so viel wie die jähr­liche Wirt­schafts­leis­tung der ganzen Welt • zur europä­ischen Schulden­krise: „Es war ein Fehler der Politik, Handels­strate­gien, mit denen die Zins­last der Staaten absicht­lich in die Höhe getrieben wird, nicht gleich zu unter­binden.” • eine geord­nete Insol­venz hätte für die Anlei­hebe­sitzer viel­leicht 20% Verlust gebracht, aber die Grie­chen hätten neu anfangen können • die Gläu­biger, vor allem Banken und Versi­cherungen in Frank­reich und Deutsch­land, werden nun wieder freige­kauft • viele europä­ische Banken haben ihre wahren Verluste noch nicht bilan­ziert und abge­schrieben • Schul­dener­lass wäre eine Alter­native, weil im Fall Grie­chen­land bei einem geord­neten Verfahren die Verluste noch tragbar gewesen wären • „Wir brauchen sofort ein Morato­rium für alle Gewinn­auszah­lungen, bis die Kapital­decke wieder reicht.” • man braucht keine hohen Boni, um beste Talente an sich zu binden • „In Boom-Phasen könnte man einen Affen an den Computer setzen, und es gäbe eine 50-Prozent-Chance, dass er am Abend Milli­onen­gewinne gemacht hat.” • „Derzeit können die Banken bei den Noten­banken für 1% leihen und für 5 bis 10% verleihen. Das kann jeder Trottel.” • die Höchst­grenze für Boni sollte bei 20% des Grund­gehalts liegen — das ist „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Frage über­haupt” • die Anreize müssen sich ändern, sonst ist die nächste Krise program­miert • die Deut­sche Bank, die Société Géné­rale oder Barclays müssten zumindest nach Funktions­berei­chen aufge­teilt werden • die Größe verschafft den Mega­banken einen unfairen Wettbe­werbs­vorteil (jenseits einer Bilanz­summe von 100 Mrd. $ gibt es keine betriebs­wirt­schaft­lichen Größen­vorteile — das ist ein Zehntel der Deut­schen Bank) • in Europa, speziell in Groß­britan­nien und der Schweiz, sind die Bankbi­lanzen sogar um ein Viel­faches größer als das ganze Brutto­inlands­produkt • Susanne Schmidt: das größte Problem der Politik sei, dass sie das Geldge­schäft nicht verstehe und darum auf den Rat genau jener Experten ange­wiesen sei, die kein Inter­esse an Regulie­rung haben • Kapoor hat den Think­tank „Re-Define” gegründet, der Parla­mente, EU-Kommis­sion und auch mehrere G-20-Regie­rungen berät • Rat an die Bürger: das Geld aus den Groß­banken abziehen und bei Genossen­schafts­banken oder anderen anlegen, die nichts zur Krise beige­tragen haben! • „Wenn niemand mehr in neue Geschäfte inves­tiert, bricht die Wirt­schaft auch zusam­men.”
[HTML] S. Kaufmann: Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Für die Krise zahlen alle. Frankfurter Rundschau, 21.2.2011
[HTML] Michael Kemmer im Gespräch mit Dirk Müller: "Die Zinsen dürften steigen".[wichtig!] Michael Kemmer erwartet ein sanftes Ansteigen der Zinsen: Die Rezes­sion sei vorbei. Zwar würden Kredite teurer, aber ange­legtes Geld werde höher verzinst. Die viel kriti­sierte Anlage­bera­tung der Banken sieht Kemmer auf gutem Weg. dradio.de Deutschlandfunk , 30.3.2011
[PDF] EU-Kommission, OECD: [nicht druckbar] Öffentliche Verschuldung: Europa, USA und Japan, 2002–2012.[wichtig!] WKO, Mai 2011
[HTML] M. Kaczmarek: Bedingung für Euro-Hilfsmilliarden: Merkel zu Griechen: Urlaub runter, Rentenalter rauf. Bundes­kanz­lerin Angela Merkel hat von den Krisen­ländern Südeu­ropas mehr Anstren­gungen einge­fordert. Grie­chen, Spanier und Portu­giesen sollten weniger Urlaub machen und später in Rente gehen. Merkel spricht nun offen aus, was Guido Wester­welle (FDP) vor Monaten erklärt hatte und die EU-Kommis­sion seit Jahren voran­treibt. €urActiv.de, 18.5.2011
[HTML] Griechenland: Kohl gibt Schröder Schuld an der Euro-Krise. Gerhard Schröder und Joschka Fischer haben den Stabi­litäts­pakt aufge­weicht, sagt Helmut Kohl. „Die macht mir mein Europa kaputt“ soll der Altkanzler aber auch über Bundes­kanz­lerin Merkel gesagt haben.  Handelsblatt , 17.7.2011
[HTML] B. Kranz, S. Preißler: Experten befürchten eine neue Bankenkrise. Hamburger Abendblatt, 23.9.2011
[HTML] R. Benders: Interview mit Joachim Faber, Jay Ralph: „Die Achterbahnfahrt wird noch Monate anhalten”.[wichtig!] Hedge-Fonds als Sünden­böcke, Regie­rungen als Krisen­gewinner: Im Inter­view erklären Joachim Faber und Jay Ralph von der Allianz, welche Rolle Speku­lanten in der Schulden­krise spielen und wie es an den Märkten weiter­geht.  Handelsblatt , 7.10.2011. • Diese Achter­bahn­fahrt wird nicht enden, bis der Weg absehbar ist, der zu einer Fiskal­union Europas führt • Ralph: „ … man braucht zumin­dest eine europä­ische Eini­gung darauf, wie man die Ausgaben kontrol­liert.” • erst wenn sich das abzeichnet, wird es ruhiger werden • nicht die Märkte haben die Probleme geschaffen • Hedge-Fonds gelten immer schnell als Sünden­böcke, haben aber ledig­lich ein Markt­volumen von 2 Bill. $ • vor allem die Eigen­handels­abtei­lungen der Banken mit ihren Geschäften an den Deri­vate­märkten tragen zu den Schwan­kungen bei • das Prinzip, in Stärke zu inves­tieren und Schwäche zu verkaufen, ist aber absolut in Ordnung • wenn es schwache Regie­rungen gibt, die schlechte Entschei­dungen treffen, werden die Märkte das bestrafen • es wird eine möglichst geord­nete Restruk­turie­rung der Schulden Grie­chen­lands geben • man muss auch Irland, Portugal und Italien vor einer Anste­ckung bewahren • wir brau­chen eine Art Marshall-Plan für Grie­chen­land und Portugal, damit diese wieder wachsen können • das wird Billi­onen kosten, aber wie schon bei den Rettungs­programmen 2008/2009 für die Banken wird mit den großen Summen viel Lärm produ­ziert, um die Wähler zu beein­drucken • in der Realität haben die Regie­rungen rund um den Globus mit diesen Rettungs­programmen Gewinne gemacht • und in den Fonds der EU für struktur­schwache Gebiete im Süden ist eine Menge Geld, das nur umge­leitet werden muss • wir müssen jetzt die schmerz­haften Schritte zur Lösung der über einen langen Zeit­raum produ­zierten Probleme einleiten • die Märkte werden folgen, wenn es einen vernünf­tigen Plan gibt
[HTML] Europa stemmt sich gegen die Schuldenkrise. Frankfurter Rundschau, 13.10.2011
[HTML] S. Kaufmann: Schuldenkrise: Banken zur Kasse. Frankfurter Rundschau, 14.10.2011
[HTML] Banken-Rekapitalisierung: Schäuble beharrt auf staatlichen Finanzhilfen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 14.10.2011
[HTML] Euro-Krise: Bankenrettung soll Banken wehtun. RP ONLINE, 15.10.2011
[HTML] G. Braunberger: Kreditvergabe: Die Pyramiden europäischer Banken. Diese Banken haben groß­zügigere Kredite vergeben als ameri­kanische Banken. Eine Redu­zierung dieses Geschäfts bedroht auch Schwellen­länder. FAZ.NET, 15.10.2011
[HTML] G20-Partner machen den Euro-Ländern Druck. REUTERS DEUTSCHLAND, 15.10.2011. • Die wich­tigsten Indus­trie- und Schwellen­länder der G20 haben ihre europä­ischen Partner unter massiven Druck gesetzt • umstritten ist, ob Banken mit Blick auf die Folgen eines Schulden­schnitts Grie­chen­lands nicht nur selbst, sondern auch gege­benen­falls zwangs­weise von Staaten weiter mit Kapital gestärkt werden sollen • von den Gläu­biger­banken kommen auch Signale, dass sie eine höhere Betei­ligung an einer Rettung Grie­chen­lands als bislang verein­bart nicht akzep­tieren wollen • strittig ist auch, ob zudem der IWF mit zusätz­lichem Kapital versehen werden soll • seitens einiger Schwellen­länder ist von zusätz­lichem Kapital für den IWF von bis zu 350 Mrd. € die Rede • G20 für marktba­sierte Wechsel­kurse, die im Einklang mit den wirt­schaft­lichen Funda­mental­daten stehen sollten • Warnung vor schäd­lichen Auswir­kungen exzes­siver, ungeord­neter Schwan­kungen an den Devisen­märkten • auch Entschlos­senheit, beim Kampf gegen wirt­schaft­liche Ungleich­gewichte voranzu­kommen: • Maßnahmen für Länder mit Leis­tungs­bilanz­uuml;ber­schüssen wie Deutsch­land, um ihre Binnen­nach­frage anzu­regen • stär­kerer Spar- und Konso­lidie­rungs­kurs für Defizit­länder
[HTML] C. Schubert: G-20-Treffen: Schäuble für europäische Fiskalunion. Wie die G-20-Länder die Euro-Krise bewäl­tigen wollen. Inter­natio­nale Groß­banken sollen mehr Kapital hinter­legen, der Inter­natio­nale Währungs­fonds soll gestärkt werden. FAZ.NET, 15.10.2011. • Deut­sches Ziel: Ände­rungen der EU-Ver­träge, die in Rich­tung Fiskal­union gehen • bis 23. Oktober in enger Abstim­mung mit Frank­reich Vorschläge zur Verbes­serung der politi­schen Führungs­struk­turen in der Europä­ischen Union und im Euro­raum • Druck der nicht­europä­ischen Regie­rungen, die Euro­krise aufgrund ihrer welt­weiten Auswir­kungen endlich wirksam zu bekämpfen • die Instru­mente des europä­ischen Rettungs­fonds EFSF sollen „effek­tiver” ausge­staltet werden • sie sollen auch „prä­ventiv” zur Bekämp­fung von Anste­ckungs­gefahren genutzt werden können • franzö­sischer Plan: die europä­ischen Banken sollen ihre Kern­kapital­quote im kommenden Jahr auf 9% stei­gern • Vorschlag des Finan­cial Stabi­lity Boards (FSB): die welt­weit agie­renden und system­rele­vanten Banken sollen von 2016 an zwischen 1% und 2,5% mehr Kapital vorhalten als die übrigen Banken • Eini­gung mit dem Basler Ausschuss für Banken­auf­sicht auf ein umfas­sendes Paket • bald auch beson­dere Rege­lungen für Versiche­rungen und andere Akteure • auch Regeln zur „Abwick­lung” system­rele­vanter Insti­tute im Krisen­fall • auch Schatten­banken und Hedge­fonds würden einbe­zogen • die IWF-Geschäfts­führerin Christine Lagarde konnte diesmal ihre Forde­rung nach notfalls staat­licher Kapital­aufsto­ckung durch­setzen • die Überwa­chung der natio­nalen Wirt­schafts­poli­tiken durch den IWF wird künftig verstärkt • noch Wider­stand gegen eine Erhö­hung der IWF-Mittel • deut­sche Vorstel­lungen für eine Reform des Währungs­systems • die lokalen Anleihe- und Kapital­märkte müssten für die Schwellen- und Entwick­lungs­länder ausge­baut werden, um sie von den Schwan­kungen der inter­natio­nalen Märkte unabhän­giger zu machen
[HTML] J. Hildebrand, T. Vitzthum: Wolfgang Schäuble bricht mit "Fiskalunion"-Tabu. Mit dem Vorstoß für eine "Fiskal­union" löst Finanz­minister Schäuble in der schwarz-gelben Koali­tion eine Vertrau­enskrise aus. Die EU-Partner verlangen konkrete Ergeb­nisse. WELT ONLINE, 17.10.2011. • Schäuble sagte beim Treffen der Finanz­minister der G20, man werde die Euro-Zone in „Rich­tung einer Fiskal­union entwi­ckeln” • Gerda Hassel­feldt (Vorsit­zende der CSU-Landes­gruppe): „Eine dauer­hafte Fiskal­union und Verge­mein­schaf­tung der Schulden lehne ich ab” • alle jetzigen und zukünf­tigen Maßnahmen müssten der ziel­gerich­teten Krisen­hilfe dienen • die CSU begreift „Fiskal­union” als wesent­lichen Schritt zur Verwirk­lichung von Euro-Bonds und das löst damit in der Koali­tion eine Vertrau­enskrise aus • Hassel­feldt: „Wir brauchen mehr Koor­dina­tion und mehr Durch­griffs­rechte, ohne die Kern­kompe­tenzen der Nati­onal­staaten zu beschneiden” • im Nürn­berger Leit­antrag der CSU wurde ein europä­ischer Finanz­minister expressis verbis abge­lehnt • Seehofer betonte, Deutsch­land habe beim Vorgehen gegen die Euro-Schul­den­krise genug Bürg­schaften und Garan­tien abge­geben • obwohl der Rettungs­schirm erst kürz­lich auf bis zu 440 Mrd. € vergrö­szlig;ert wurde, warnen Experten, dass das nicht reichen wird • Schäuble schlägt Einsatz eines Kredit­hebels vor, um die Mittel der EFSF „effi­zient” zu nutzen • Versiche­rungs­lösung: die EFSF nutzt ihre Mittel als Garantie­summe für Banken, Versiche­rungen und Fonds, welche die Staats­anleihen mit einer Garantie der EFSF von 20% kaufen • so könnte die EFSF mit 100 Mrd. € Garan­tien am Kapital­markt 500 Mrd. € bewegen • Thomas Silber­horn (CSU) dazu: „Damit zocken wir selbst mit” • Solms (FDP): „Das Haftungs­volumen für die deut­schen Steuer­zahler darf weder direkt noch indirekt ausge­weitet werden” • aber formal würde Deutsch­land bei der Versiche­rungs­lösung nur mit 211 Mrd. € bei der EFSF bürgen • durch einen Kredit­hebel könnte aber das Ausfall­risiko steigen
[HTML] rtr/dap: Warentermingeschäfte: Die USA zügeln Spekulation mit Rohstoffen. Die USA haben auf dem Markt für Terminge­schäfte durchge­griffen und so das Speku­lieren im großen Stil schwie­riger gemacht. Die Spiel­regeln für den Handel mit Rohstoffen könnte das revo­lutio­nieren.  Handelsblatt , 18.10.2011. • Entwurf der Börsen­aufsicht CFTC zur Regu­lierung des Handels mit Öl, Metallen und Getreide • umstrit­tener Kern­punkt ist, zur Beruhi­gung der Preis­entwick­lung die Zahl der von einem Händler gehal­tenen Kontrakte zu begrenzen • weite Teile der Branche drohen daraufhin, nach Übersee auf weniger streng regu­lierte Märkte abzu­wandern • Befür­worter härterer Vorgaben: Speku­lanten tragen viel zur Verteu­erung von Rohöl oder anderen Rohstoffen bei • Kritiker: „Die Zahl der Kontrakte zu begrenzen, ist wie das Verbot von Leerver­käufen.” • das sei kontrapro­duktiv • Nachweis eines Zusam­menhangs zwischen spekula­tiven Geschäften und einem Anstieg der Preise bleibt schwierig • der Entwurf ist Teil der Umset­zung des Dodd-Frank-Gesetzes, mit dem die USA die Lehren aus der Finanz­krise ziehen wollen • auch die G20 wollen Anfang November zur Regulie­rung der Rohstoff­märkte Vorgaben für eine größere Trans­parenz des Handels und einen Rahmen­entwurf für eine bessere Aufsicht beschließen • in den USA wären Banken wie Morgan Stanley und Agrar­händler wie Cargill gezwungen, einen wichtigen Geschäfts­zweig zurück­zufahren • auch der Zufluss von Inves­toren­kapital und das Enga­gement von Hedge­fonds ließen nach • Luft­fahrt­gesell­schaften und Land­wirt­schaft hoffen dagegen auf einen besseren Schutz vor einer Erhö­hung ihrer Kosten • Entwick­lungs­helfer und Ernäh­rungs­lobby­isten werfen den Speku­lanten seit langem vor, Hunger und Not in der Welt zu vergrö­szlig;ern
[HTML] mg/dpa-afx: Ex-Deutsche-Bank-Chef Kopper: "Kapitalistische Fehler müssen auch kapitalistisch bestraft werden".  manager magazin , 18.10.2011. • Der frühere Deut­sche-Bank-Chef hat sich ausdrück­lich gegen eine Rettung der Banken durch den Staat ausge­sprochen: „Kapita­listi­sche Fehler müssen auch kapi­talis­tisch bestraft werden” • man hätte den Banken „die Aktien wegnehmen und dem Staat geben sollen. Dann hätte der Steuer­zahler an der Krise verdient und nicht dafür zahlen müssen” • er warnte auch vor einer Pleite Italiens: „Wenn das passiert, fällt der Elefant auf uns drauf und wir sind tot
[HTML] J. Hackhausen: Dirk Müller im Interview, Teil 1: „Wir sind in der Endphase”.[wichtig!] Das Finanz­system steht am Abgrund. Nur ein Neustart kann helfen, meint Dirk Müller, Börsen­makler und Best­seller-Autor. Im Inter­view erklärt er, warum der Fehler im System liegt und der Euro nicht funktio­niert.  Handelsblatt , 18.10.2011. • Wir kommen aus der Krise nur wieder heraus, indem wir ganz von vorn anfangen • nach einer Immo­bilien­krise, einer Banken­krise, und jetzt einer Staats­schulden­krise ist unser Finanz­system am Ende • die Gesamtver­schuldung der Bürger, des Staates und der Indus­trie in den USA beträgt bereits 400% des BIP • so fließt ein großer Teil dessen, was die Bürger erwirt­schaften, für Zins­dienste ab • diese Zinsen werden in der Regel nicht wieder in die Wirt­schaft inves­tiert, sondern stapeln sich bei denjenigen, die bereits sehr viel besitzen • unser Finanz­system muss daher alle paar Jahr­zehnte neu gestartet werden • grund­legender Fehler: alles Geld, das wir erzeugen, ist Schuld­geld — es entsteht, indem jemand einen Kredit aufnimmt • allem Geld, das im Umlauf ist, steht auf der anderen Seite Kredit gegen­uuml;ber • wenn die Staaten extrem hohe Schulden haben, dann muss auf der anderen Seite jemand sein, der genau diese Summe an Vermögen hat • das Geld sammelt sich bei immer weniger Menschen an, während die Masse immer weniger davon hat • der Bürger zahlt am Ende immer: er zahlt seine eigenen Schulden sowieso, die des Staates über die Steuern, und die der Unter­nehmen über die Produkte, die er kauft, weil da die Zinsen in die Preise einge­rechnet sind • von den 5 Bill. € Vermögen der privaten Haus­halte in Deutsch­land hat die Hälfte der Bevöl­kerung davon nur 4%, und die obersten 10% besitzen fast zwei Drittel dieses Vermögens • das geht so lange gut, bis die Masse die Zins­last nicht mehr tragen kann, den Gürtel nicht mehr enger schnallen und der Staat keine Leis­tungen mehr strei­chen kann • wenn früher einer der Staaten zusam­menge­brochen ist, hat das nicht gleich die anderen mitge­rissen — das ist mit der Globa­lisie­rung anders • deshalb hat die aktuelle Krise eine ganz andere Dimen­sion als frühere • es wird — wie alle paar Jahr­zehnte — zu einem ‚Reset’ kommen • dann wird es zu einer Umver­teilung von oben nach unten kommen — inner­halb weniger Monate oder über 1, 2 Jahre • denje­nigen, die Ansprüche an den Staat haben, wird etwas wegge­nommen, die meisten aber werden entlastet • zwar wird das einen riesigen Aufschrei geben, aber lang­fristig werden die Bürger entlastet und müssen weniger Abgaben zahlen • nach einem solchen ‚Reset’ ist es in der Vergan­genheit meist zu einem deut­lichen Wirt­schafts­auf­schwung gekommen • den einen etwas wegnehmen, den anderen etwas geben — das kann zum Beispiel über eine große Infla­tion passieren • denkbar ist auch eine fiska­lische Lösung, etwa durch brutal hohe Spitzen­steuer­sätze • oder es kommt zu einem Schulden­schnitt • der kardi­nale Fehler mit dem Euro war, dass wir die Währungs­union ange­fangen haben mit Staaten, die völlig unter­schied­liche Voraus­setzungen mitge­bracht haben • der Euro ist viel zu stark ist für die Griechen • der Euro ist aufgrund der Ungleich­gewichte eine Gefahr für die europä­ische Eini­gung • es ist ein Reihen­folge­problem: wir müssten erst eine politi­sche Einheit schaffen, die Steuer­gesetze und Finanz­politik verein­heit­lichen, demo­krati­sche Strukturen schaffen, dann würde eine Währungs­union Sinn ergeben • vor allem die Export­wirt­schaft profi­tiert vom Euro, weil sie Wett­bewerbs­vorteile durch den weichen Euro genießt • die Bürger merken wenig davon, weil sie in einer für ihre Leis­tung zu schwachen Währung bezahlt werden — ihre Kauf­kraft und letzt­lich die Binnen­nach­frage sinkt • ich fordere aber gar nicht unbe­dingt eine Rück­kehr zur D-Mark, eher einen Euro der starken Kern­länder Europas;  [HTML] Dirk Müller im Interview, Teil 2: „Die Schweinehunde bestimmen, wo es langgeht”. Der Börsen­makler und Best­seller­autor Dirk Müller wettert gegen die Banken. Im zweiten Teil des Inter­views erklärt er, was schief läuft, warum Banken nicht gerettet werden dürfen und worauf sich Anleger einstellen müssen.  Handelsblatt , 19.10.2011. • Eine Rettung der Wackel­kandi­daten unter den europä­ischen Banken „grenzt … an Verun­treuung von Steuer­geldern” • bereits vor 1½ Jahren hätte man Grie­chen­land in die geord­nete Insol­venz gehen lassen müssen, das wäre billiger geworden • Banken können pleite­gehen — sie wussten doch, auf was sie sich einlassen • sie haben griechi­sche Bonds gekauft, weil sie dabei etwas mehr Rendite als bei Bundes­anleihen bekamen • der Staat kann sich an den Banken betei­ligen, aber nur an dem Teil, der für die Real­wirt­schaft wichtig ist und wo die Konten der Bürger liegen (Geschäft­sbank) • dann soll der Staat auch hinterher am Gewinn betei­ligt werden (nicht durch Bilanz­tricks verfälscht wie bei der Commerz­bank) • die Banken sind offen­kundig gar nicht mehr in der Lage, ihre Funk­tion für die Real­wirt­schaft zu erfüllen • mittler­weile liegt der Groß­teil des Geschäfts im spekula­tiven Bereichdass jetzt der Steuer­zahler einspringen soll ist nicht in Ordnung • die Politik ist in der Verant­wortung, Grenzen zu ziehen • die meisten Politiker haben über­haupt keine Ahnung, was passiert, und diese sollen dann mit einem Acker­mann die Finanz­krise disku­tieren! • da spielen Leicht­matrosen mit Konter­admi­rälen Schiffe versenken • in die riesigen Minis­terien muss endlich das Know-how hin • die Proteste gehen gerade erst los, sie sind noch zaghaft, aber das kann sich schnell ändern • dass die Welt von Goldman Sachs beherrscht wird, stimmt ziem­lich • ich spreche für den anstän­digen, ehrli­chen Teil der Finanz­welt • nur leider bestimmen die Schweine­hunde, wo es an den Märkten lang­geht • für Anleger, die ihr Geld in Sicher­heit bringen wollen: reale Werte kaufen (Aktien mit abgesi­cherten Positi­onen; kein Papier­geld) • da die Märkte jeder­zeit einbre­chen können, sollte man auf dem Weg nach unten nach und nach Gewinne aus den Verkaufs­options­scheinen mitnehmen und dafür mehr Aktien kaufen, denn irgend­wann steigen die Aktien wieder • wenn die Menschen ihre Kauf­kraft erhalten können, ist in der jetzigen Situa­tion schon viel gewonnen
[HTML] A. Rexer: Schuldenkrise: Investoren ziehen Geld aus europäischen Banken ab. Inter­natio­nale Inves­toren miss­trauen Europas Banken und schichten ihre Anlagen um. Auch griechi­sche Sparer bringen ihr Geld in Sicher­heit. WELT ONLINE, 19.10.2011. • Wie eine Studie der Rating­agentur Fitch zeigt, haben US-Geld­markt­fonds (die in kurz­fristig laufende Wertpa­piere inves­tieren) von Mai bis August in großem Stil Gelder bei europäi­schen Banken abge­zogen • es sind vor allem fran­zösi­sche Banken betroffen — aber auch deut­sche Insti­tute (Rück­gang 22,6%), u.a. die Commerz­bank • die „Bad Bank” der Hypo Real Estate konnte hingegen leicht zulegen • Insti­tute, die mit Geldab­fluss zu kämpfen haben, sind genau jene, die stark in den Euro-Wackel­staaten Grie­chen­land, Portugal, Spanien, Irland und Italien enga­giert sind • diese werden wohl noch höhere Abschrei­bungen verzeichnen, wenn sich die Schulden­krise weiter zuspitzt • Robert Halver (Baader­bank): „Einige Banken der Euro-Peri­pherie werden von der EZB notver­sorgt” • in Grie­chen­land sind seit Anfang 2010 mindes­tens 46 Mrd. $ abge­flossen • ohne dieses Geld sind die griechi­schen Banken kaum noch über­lebens­fähig
[HTML] Chronologie: Krise bei Banken, Finanzmarkt und Euro. Die Banken­krise hatte ihren Ursprung am US-Immo­bilien­markt und wurde zur schwersten Wirt­schafts­krise der Nach­kriegs­zeit. In Europa belasten zudem die Finanz­probleme diverser Staaten den Euro stark. Nach Banken-Rettungs­paketen folgte der Euro-Rettungs­schirm. Eine Chrono­logie. stern.de +++NACHRICHTEN-TICKER+++, 20.10.2011
[HTML] U. Ulfkotte: Pleite-Griechen: Bürger als Laborratten der Banken.[!]  KOPP ONLINE, 20.10.2011. • Wer als Grieche KFZ-Steuer­schulden oder kein Geld für die Beglei­chung der Sonder­abgaben auf Wohn­flächen hat, seine Einkom­mens­steuer oder Gewerbe­steuer nicht zahlen kann, dem helfen jetzt griechi­sche Banken mit ungesi­cherten Krediten • man zahlt nach Angaben der Zeitung Vrydyni Schulden jetzt einfach mit neuen Schulden mit einer Lauf­zeit von 10 Jahren zurück • solche Kredite vergeben die Attica-Bank, die Piräus-Bank, die Athener Euro­bank, die Marfin Egnati Bank und die Empo­riki Bank • für die Inan­spruch­nahme solcher ungesi­cherter Kredite zahlungs­unfähiger Schuldner zahlen die Banken auch noch Guthaben von 3% der Schulden­summe aus, ü,ber das er dann sofort zusätz­lich verfügen kann • die Geschäfts­idee dahinter: wer als griechi­scher Steuer­schuldner seine Verbind­lich­keiten sofort und ohne Abzüge bezahlt, dem werden 5% der Steuer­schulden nachge­lassengibt die Bank ihm einen (ungesi­cherten) Kredit für 6%, dann zahlt der Steuer­schuldner im 1. Jahr nur 1% Zinsen • die Banken wissen ja, dass ihnen von den inter­natio­nalen Gläubi­gern der Groß­teil der Schulden erlassen werden wird — warum also sparen? • der Staat kommt so zu seinem Geld, die Banken machen neue Geschäfte und die Schuldner sind ihre Schulden erst einmal für einige Monate los • so verschiebt sich der Crash einfach um einige Monate — am Ende steht der finale Exitus vieler Griechen • sie sind auch weiterhin verschuldet, während den Banken die Schulden einfach gestri­chen werden
[HTML] dapd: Deutsche Banken gegen Ausschluss Griechenlands aus dem Euro.[!]  YAHOO!Nachrichten , 20.10.2011. • Michael Kemmer (Haupt­geschäfts­führer Bundes­verband der deut­schen Banken) ist gegen einen Ausschluss Grie­chen­lands aus dem Euro: das würde die Probleme massiv vergrö­szlig;ern • Grie­chen­land aus der Euro­zone auszu­schließen sei „brand­gefähr­lich” und hätte „große Anste­ckungs­effekte” für Italien und Spanien • dort würden die Bürger ihr Geld aus den Banken abziehendie Hebe­lung des Rettungs­schirmes beim EU-Gipfel am Wochen­ende werde die Märkte dagegen mittel­fristig beru­higen
[HTML] K. Röbisch, L. Klimm: Zwangskapitalisierung der Banken: Instrumente gegen den Staat. Die europä­ischen Banken meiden Zwangs­kapital wie Teufel das Weih­wasser. Statt­dessen reizen sie alle anderen Opti­onen aus — von Kapital­erhö­hungen bis zur Bilanz­schrump­fung. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.10.2011
[HTML] N. Blome: BILD-Interview mit Commerzbank-Chef Martin Blessing: Erster deutscher Top-Banker fordert Griechenlands Pleite! Bild.de, 21.10.2011. • Blessing: „Grie­chen­land braucht einen Schulden­schnitt. Es reicht nicht, nur Abschrei­bungen in den Bankbi­lanzen vorzu­nehmen. Da kommt nicht genug in Grie­chen­land an. Ohne echte Restruk­turie­rung der griechi­schen Staats­schulden und Wieder­aufbau-Programm ist Grie­chen­land nicht geholfen und wird sich der Markt nicht beru­higen.” • „Das geht … nur, indem Grie­chen­land selbst seine Zahlungs­unfähig­keit erklärt.” • „Es muss klar werden, dass Staaten nur 2 Möglich­keiten haben: Entweder sie bedienen ihre Schulden wie verein­bart oder sie erklären sich für insolvent mit allen harten Konse­quenzen.” • die Banken brauchen dafür wohl mehr Eigen­kapital, damit das Vertrauen nicht verloren geht • „Dazu muss der Staat klare Vorgaben machen” und zwar schnell • jede Bank sollte zunächst selbst versuchen, Kapital aufzu­nehmen • „wenn man Banken 18 Monate Zeit gibt, eine bestimmte Kapital­quote zu errei­chen, dann werden sie versu­chen, dies durch Abbau von Geschäft zu schaffen”, das erschwert die Kredit­vergabe an Unter­nehmen • alle würden versu­chen, ihre Staats­anleihen zu verkaufen, anstatt Kapital aufzu­nehmen — was die Krise noch verschärft
[HTML] Deutsche Banken rechnen mit höherem Schuldenschnitt. Deut­sche Kredit­insti­tute stellen sich auf einen höheren Schulden­erlass für Grie­chen­land ein. „Das Land wird um einen angemes­senen Schulden­schnitt nicht herum­kommen”. stern.de +++NACHRICHTEN-TICKER+++, 21.10.2011
[HTML] S. Biskamp: Aufstand der Schwellenländer: Genervtes Warten auf die Euro-Strategen.[wichtig!] Die Schwellen­länder wundern sich so sehr über Europa wie die Deut­schen über die Grie­chen. Worauf wartet ihr noch, fragen sie: Banker rechnen doch längst mit der Grie­chen­land-Pleite!  manager magazin , 21.10.2011. • Guido Mantega (Brasi­liens Finanz­minister): „Die Euro­päer präsen­tieren Lösungen immer zu spät. Und wenn sie sie endlich präsen­tieren, dann verspäten sie sich mit der Umset­zung.” • Guillermo Nielsen (hatte als argen­tini­scher Finanz­staats­sekretär nach der Staats­pleite von 2001 den Schulden­schnitt Argen­tiniens ausge­handelt): „Die Politik in Europa glaubt immer noch, dass sie Entschei­dungen vertagen kann und sich die Krise auf magi­sche Weise von selbst löst.” • bei Poli­tikern der soge­nannten Bric-Staaten (Brasi­lien, Russ­land, China und Indien) herrscht nur noch blankes Entsetzen über die Schulden­misere in den USA, aber vor allem über die hilf­losen Rettungs­versuche Europas • in den Schwel­lenlän­dern macht sich Angst breit, da das Hin und Her in Europa inzwi­schen aufgrund fallender Rohstoff­preise auch dort die Wachs­tums­prognosen drückt • Mitar­beiter in den argen­tini­schen Nieder­lassungen inter­natio­naler Groß­banken berichten, dass ihre europä­ischen Kollegen fest mit einem Bank­rott Grie­chen­lands rechnen • argen­tini­scher Rat ist gefragt: Argen­tiniens Erfah­rung mit der Staats­pleite zählt nun • ein argen­tini­scher Regierungsberater sagt über den deutsch-fran­zösi­schen Streit um Rettungs­fonds und Rating­agen­turen: „Ich fasse es nicht: sie verstehen einfach nicht, wie die Märkte funktio­nieren.” • die Finanz­märkte hätten Grie­chen­land doch schon vor Monaten für bank­rott erklärt, und die Ratings im Krisen­fall auszu­setzen, erhöhe nur die Unsi­cher­heit der Inves­toren • die latein­ameri­kani­schen Länder, die 2 Jahr­zehnte mit Über­schul­dung und Hyper­infla­tion gekämpft haben, fragen sich nun, warum die Euro­päer nicht aus den Erfah­rungen ihres Konti­nents lernen wollen, und am meisten fragen sich das die Argen­tinier, denn ihre Pleite ähnelt der griechi­schen • Nielsen: das Gegen­steuern — in Konfron­tation mit den auf Bedie­nung der Schuld­zinsen abzie­lenden Spar­direk­tiven des IWF — sei der Schlüssel für den folgenden wirt­schaft­lichen Aufstieg Argen­tiniens gewesen • „Im Nach­hinein ist das Krisen­manage­ment in Argen­tinien 2001 und 2002 ein Beispiel dafür, wie man eine chaoti­sche finan­zielle, wirt­schaft­liche und soziale Situa­tion mit entschlos­senem Handeln stabi­lisiert.” • ein Kernele­ment war, Zwangs­konvertie­rungen von Spargut­haben durch freiwil­ligen Umtausch zu ersetzen — „gegen den erbit­terten Wider­stand des IWF.” • der IWF fürch­tete damals nur um die Stabi­lität der Banken, Regie­rungs­mit­glieder aber um die hunger­geplagte Bevöl­kerung • die südame­rikani­schen Länder haben die Rezepte, wie sich die Märkte bän­digen lassen, bereits auspro­biert: Kapi­talver­kehrskon­trollen, Trans­aktions­steuern, höhere Mindest­reserven und Zwangs­kapita­lisie­rung von Banken, Schulden­schnitte • die Länder im Süden beob­achten im Norden und Westen ein quälendes Drama in Zeit­lupe • während Deutsch­lands Staats­ver­schuldung schon Ende 2010 bei mehr als 80% des BIP lag, fiel im latein­ameri­kani­schen Schnitt die Staats­ver­schuldung seit 2003 von 53% auf 32% im Jahre 2008
[HTML] J.U. Heuser: Occupy-Proteste: Das Volk will andere Banken. Erst wenn die Staaten mit neuen Regeln eine neue Finanz­indus­trie schaffen, kann die Krise über­wunden werden. ZEIT ONLINE, 21.10.2011
[HTML] S. Schultz: Unverhoffter Geldsegen: Occupy Frankfurt streitet über Linkspartei-Spenden. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 22.10.2011
[HTML] J. Dams, J. Hildebrand: Euro-Krise: So ringen Merkel und Sarkozy um den großen Wurf. Berliner Morgenpost, 22.10.2011. • Der Streit zwischen Deutsch­land und Frank­reich dreht sich auch um die Frage, wie viel die privaten Gläubiger zur Rettung Grie­chen­lands in einem zweiten Hilfs­paket beitragen sollen • beim Euro-Gipfel am 21. Juli hatten Politik und Banken im 2. Grie­chen­land-Rettungs­paket beschlossen, dass die Branche zu einem Schulden­schnitt von 21% in einem Teil ihrer Grie­chen-Engage­ments bereit ist • inzwi­schen ist man vor allem in Berlin zu der Einsicht gelangt, dass die Verein­barung nicht ausreicht • Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble (CDU) drängt darauf, das 2. Hilfs­paket für Grie­chen­land aufzu­schnüren • Bundes­regie­rung: „Schäuble will eine Gläu­biger­betei­ligung, die Athens Schulden­stand auf 120% der Wirt­schafts­leis­tung (BIP) herunter­bringt” • die Märkte sollen sehen, dass man Athen die Chance zu einem Neuan­fang gibt • Commerz­bank-Chef Blessing will, dass die EU Athen die nächste Hilfs­tranche nicht mehr zahlt, dann ist das Land zur Umschul­dung gezwungen • andere Staaten, die hoffen, mit einem Schulden­schnitt billig davon zu kommen, würden abge­schreckt • in Frank­reich hält man von dieser Idee wenig, da die Groß­banken des Nachbar­landes sehr viel stärker in Grie­chen­land enga­giert sind • Sarkozy sei zwar bereit, über einen freiwil­ligen Schulden­schnitt von 35% mit ihnen zu verhan­deln, aber nicht weiter • die Troika aus IWF, EZB und EU berichtet aber über eine sich verschlech­ternde Schulden­trag­fähig­keit Grie­chen­lands • so müssten die Banken frei­willig auf mehr Geld verzichten, oder der Steuer­zahler über­nimmt die Diffe­renz • ersteres ist in Frank­reich bis jetzt kaum vorstellbar, letz­teres in Deutsch­land nicht • Michael Meister (CDU-Finanz­experte): „Ein zweiter Gipfel ist besser als die Aufgabe zentraler deut­scher Posi­tionen” • heiß disku­tiert wird auch die Frage, wie man die 440 Mrd. € an Kredit­volumen durch finanz­technische Tricks auf ein anderes Niveau „hebeln” kann • viel disku­tiert wird vor allem eine Absiche­rungs­lösung, eine Art von Pfand­briefen: ein Hilfs­empfänger­land würde sich Geld vom EFSF borgen und sich damit EFSF-Anleihen kaufen, mit denen es einen Teil (z.B. 20%) seiner eigenen Bonds besichert • vorher wollen Frank­reich und Deutsch­land aber von Ländern wie Italien Zusagen zu weiteren Wirt­schafts­reformen und Sparmaß­nahmen
[HTML] dpa/cat: Eurostat: Schuldenberg in Griechenland höher als befürchtet. Grie­chen­land will härter sparen, doch das Staats­defizit steigt schneller als gedacht. Und damit ist das Land in der Euro-Zone aller­dings nicht allein. Berliner Morgenpost, 22.10.2011. • Die Europä­ische Statis­tikbe­hörde Eurostat revi­dierte die Zahlen über die finan­zielle Lage der Euro-Länder • nach neuesten Zahlen lag der griechi­sche Fehl­betrag 2010 bei 10,6 statt 10,5% vom BIP • Portugal: 9,8 statt 9,1% • die Statis­tiker senkten das irische Defizit von 32,4 auf 31,3% • der Maas­tricht-Vertrag erlaubt höchs­tens 3%
[HTML] Bsirske: Verstaatlichung von Banken reicht nicht. nt" net tribune, 22.10.2011. • Der ver.di-Vorsit­zende Frank Bsirske hält eine Verstaat­lichung von Banken wie von den Linken vorge­schlagen für nicht ausrei­chend • wenn der Staat in die Verant­wortung gehe und Banken rette und schütze, dann müsse er auch auf die Geschäfts­politik Einfluss nehmen • es gebe auch Banken, die zu groß geworden seien, um fallen zu dürfen • hier bestehe drin­gender Hand­lungs­bedarf im Sinne einer Zerle­gung der Banken in Invest­ment- und Geschäfts­banken • in Berlin demon­strieren am 2. Samstag in Folge erneut Hunderte Menschen gegen die Macht der Banken • aller­dings gingen weit weniger Menschen auf die Straße als vor einer Woche (zunächst nur 200 Teil­nehmer — vor einer Woche waren es rund 10.000 Menschen)
[HTML] P. Ehrlich: Schuldenkrise: Eurogruppe schnürt neuen Finanzplan für Griechenland.[!] Private Banken und Versiche­rungen sollen ihre Grie­chen­land-Anleihen zu 60 Prozent abschreiben. Nur so lässt sich eine gewaltige Steige­rung der öffent­lichen Hilfen für Grie­chen­land vermeiden. Es zeichnen sich Details des neuen Rettungs­plans ab. FTD Mobil, 22.10.2011. • Jetzt hat die Troika aus EU-Kommis­sion, Europä­ischer Zentral­bank (EZB) und Inter­natio­nalem Währungs­fonds (IWF) ihren Bericht über die Trag­fähig­keit der griechi­schen Schulden vorgelegt: sie sind ein Desaster • bei unverän­dertem Plan müssten die Euro-Länder und der IWF statt 109 Mrd. € bis 2014 bis zum Jahr 2020 252 Mrd. € aufwenden • die Wirt­schaft des Landes wird nämlich 2020 deut­lich kleiner sein (um über 7 Punkte des BIP) als bisher ange­nommen • im schlimmsten Fall beträgt die Finanz­lücke sogar 444 Mrd. € bis 2030 • am Freitag­abend beschloss die Euro­gruppe daher, den Banken mindes­tens 50% Abschrei­bung vorzu­schlagen • dann würde der Aufwand für den öffent­lichen Sektor und damit die europä­ischen Steuer­zahler schlag­artig von 252 auf 114 Mrd. € sinken • die Gesamt­verschul­dung Grie­chen­lands fiele von derzeit rund 160% bei der 50%-Abschrei­bung auf 120% im Jahr 2020; bei einer 60%-Abschrei­bung sogar auf 110% • die öffent­lichen Kredite etwa der deut­schen KfW Bank oder die von der EZB gekauften Anleihen können dabei nicht redu­ziert werden • da die Aktion offi­ziell weiter frei­willig bleibt, dürften bestimmte Risiko­inves­toren ihre Anleihen wohl behalten • dennoch muss der Rettungs­fonds EFSF die geplante Umtausch­aktion in sehr lange laufende Anleihen mit viel Geld mitfi­nanzieren • etwa 35 Mrd. € sind nötig, um über einen Sonder­fonds das verblei­bende Risiko der Banken abzu­decken • weitere 20 Mrd. € werden aufge­wendet, damit Grie­chen­land Anleihen am Markt zurück­kaufen kann • außerdem muss der Rettungs­fonds für die griechi­schen Banken um weitere 10 auf 30 Mrd. € aufge­stockt werden
[HTML] Griechenland-Krise: Eurozone nähert sich höherem Schulden­schnitt an.  manager magazin , 22.10.2011. • Juncker: die Euro­zone habe sich auf eine „erheb­liche Anhe­bung” des Banken­bei­trags geei­nigt: disku­tiert wird ein Forde­rungs­verzicht von 60% • Schul­denana­lyse der Troika: wenn der griechi­sche Schulden­stand bis 2020 auf 110% der Jahres­wirt­schafts­leistung gedrückt werden sollte, wäre ein Forde­rungs­verzicht von 60% notwendig • es bedarf mit 252 Mrd. € fast 150 Mrd. € mehr als noch im Juli berechnet • Maria Fekter (Finanz­minis­terin Öster­reich): es wurden schon konkrete Mandate ausfor­muliert, mit denen der Chef des EU-Wirt­schafts- und Finanz­aus­schusses, Vittorio Grilli, die Verhand­lungen mit den Banken starten soll • die Banken in Europa müssen ihr Kapital um rund 100 Mrd. € erhöhen • die Regie­rungen sollen erst einspringen, wenn es den Banken nicht gelingt, Kapital von privaten Investoren zu beschaffen • den Regie­rungen würde der Euro-Rettungs­fonds EFSF helfen, falls sie dazu nicht in der Lage sind • 2 Vari­anten für den Hebel für den EFSF im Gespräch: 1) Staats­fonds von außer­halb des Währungs­gebietes, oder 2) eine Versiche­rungs­lösung (Nutzung der EFSF-Millli­arden zur Absiche­rung neuer Staats­anleihen) • beide Modelle wären auch kombi­nierbar • der briti­sche Finanz­minister George Osborne übte beißende Kritik am plan­losen Vorgehen der Euro-Partner
[HTML] F. König, dpa: „Raus aus der Eurozone”: Bank- und Finanzexperten fordern Austritt Griechenlands.  tagblatt.de , 22.10.2011. • Michael Hüther (Direktor des Insti­tuts der deut­schen Wirt­schaft) rät von dem fran­zösi­schen Vorschlag einer Hebe­lung des Euro-Rettungs­schirms EFSF über eine Bank­lizenz ab, „weil dies die Geldpo­litik ins Spiel bringt” • Otmar Issing (früherer Chef­volks­wirt der EZB) fordert das Ausscheiden Grie­chen­lands aus der Euro-Zone • das Land könne im kommenden Jahr die Schulden­last von 160% des Brutto­inlands­produkts „schlicht und einfach nicht mehr leisten” • ein Verzicht von Gläubi­gern auf ihr Geld müsse mindes­tens 50% betragen — das gehe nicht inner­halb der Währungs­union • Issing warnte: eine Anste­ckung anderer Euro­länder durch die aktu­elle Krise müsse verhin­dert werden • z.B. Italien sei „viel zu groß, um von anderen gerettet zu werden” — in einem solchen Falle könne das ganze Finanz­system zusam­menbre­chen • Martin Blessing (Vorstands­chef der Commerz­bank) fordert auch eine Bank­rott­erklä­rung und damit einen Schulden­schnitt für Grie­chen­land • Abschrei­bungen in den Banken­bilanzen allein reichten nicht aus, und frei­willig würden die Banken einen solchen Schritt wohl nicht akzep­tieren • Hans-Peter Burghof (Bank­wissen­schaftler von der Uni Hohen­heim) meint, je früher die Pleite Grie­chen­lands kommt, desto besser und desto billiger • „Wenn die Grie­chen Pleite gehen wollen, haben wir uns nicht einzu­mischen.” • Zwang von deut­scher Seite zerstöre Europa • den Staaten werde signa­lisiert: jeder der Schulden abbaut, ist der Dumme • am Ende stehe ein „gigan­tischer Vermö­gens­transfer” von den Sparern zu den Schulden­machern • die stän­dige Aufsto­ckung der Rettungs­schirme vertieft Span­nungen, die Europa even­tuell nicht mehr aushält • Länder mit geringer Finanz­diszi­plin „brau­chen drin­gend einen hohen Zins”
[HTML] dpa: Banken: Bunte Plakate gegen Banken: Protest erfasst den Norden. Lübecker Nachrichten, 23.10.2011
[HTML] Europäische Schuldenkrise: Bundesbank-Chef warnt vor deutscher Überforderung. Bundes­bank-Präsi­dent Weid­mann betont Deutsch­lands Rolle als Stabi­litäts­anker in Europa. Beim EU-Gipfel sprechen Merkel und Sarkozy von Fort­schritten. WELT ONLINE, 23.10.2011. • Die EU-Staats- und Regie­rungs­chefs feilen seit Freitag bei ihrem Gipfel­treffen unter Hoch­druck an Notmaß­nahmen zur Abwehr der gefähr­lichen Schulden­krise • „Es gibt Fort­schritte”, sagte Sarkozy am späten Samstag­abend • in der Nacht zum Sonntag saßen auch Barroso, Herman Van Rompuy (EU-Gipfel­chef), Jean-Claude Juncker (Euro-Gruppen­chef) und Jean-Claude Trichet (Präsident der EZB) sowie Chris­tine Lagarde (IWF) am Tisch • am Nach­mittag wollen die Chefs der 17 Euro­staaten verhan­deln — es wird mit einer Nacht­sitzung gerechnet • Giorgos Papan­dreou forderte am Vorabend „histo­rische” Entschei­dungen • es gehe nicht nur um Grie­chen­land, „sondern um die Zukunft von Europa” • Bundes­bank­präsi­dent Jens Weid­mann sagte: „… der bishe­rige Ansatz zur Lösung der Krise kann eben nicht nur an Grenzen der politi­schen Akzep­tanz stoßen, sondern auch an finan­zielle Grenzen. Deutsch­lands Rolle als Stabi­litäts­anker der Währungs­union darf nicht gefährdet werden.”
[HTML] Parlamente müssen mitwirken: Finnland: Zustimmung zu EFSF-Änderung unwahrscheinlich. Während sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zuver­sicht­lich über einen mögli­chen „Durch­bruch” beim EU-Gipfel äußern, kündigen die Finnen an: Jede Ände­rung des EFSF muss durch die natio­nalen Parla­mente. Sie halten eine Zustim­mung Finn­lands für unwahr­schein­lich. Deutsche Mittel­stands­Nach­richten, 23.10.2011
[HTML] P. Ehrlich, W. Proissl, M. Schrörs, F. Ladleif: Euro-Rettung: Europa feilscht mit seinen Banken. Die Geld­häuser sollen einen größeren Beitrag zur Rettung Grie­chen­lands leisten. Nach FTD-Infor­mati­onen bieten sie einen Forde­rungs­verzicht von 40 Prozent — die Regie­rungen wollen aber einen Schulden­schnitt von 60 Prozent. Der Streit zeigt, wie schwierig die Lage ist. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 24.10.2011. • Heftiger Streit beim EU-Krisen­gipfel zwischen den Euro-Ländern und den Banken über die Höhe des Forde­rungs­ver­zichts der Insti­tuteBankenver­treter boten einen Verlust von 40% an, während die Regie­rungen einen Schulden­schnitt von 60% forderten • die tatsäch­liche Diffe­renz ist sogar noch größer, da die Banken den Verlust auf lange Zeit strecken wollen • die Banken­vertreter forderten auch noch Sicher­heiten über 55 Mrd. € mit der Bestbo­nitäts­note „AAA” — die Euro-Länder wollen aber nur einen Fonds mit 35 Mrd. € einplanen • die Juli-Verein­barung hätte eine Abschrei­bung von 13,5 Mrd. € bedeutet, jetzt verlangt die Euro-Gruppe bis zu 80 Mrd. € • das Gesamt­paket soll auch eine Reka­pita­lisie­rung europä­ischer Banken und verstärkte Einsatz­möglich­keiten für den Euro-Ret­tungs­fonds EFSF umfassen • die 27 EU-Staaten einigten sich grund­sätz­lich darauf, dass als syste­misch geltende Banken sich bis Mitte 2012 rund 100 Mrd. € frisches Kapital beschaffen sollen • das soll für neues Vertrauen in die Banken sorgen und die Kredit­versor­gung der Wirt­schaft sichern • Merkel, Sarkozy und Van Rompuy setzten Italiens Regie­rungs­chef Berlus­coni massiv unter Druck, endlich den Schulden­berg abzu­bauen, Reformen zur Wachs­tums­förde­rung einzu­leiten und dafür einen Zeit­plan vorzu­legen • die Staaten fürchten, dass Italien, die dritt­größte Volks­wirt­schaft der Euro-Zone, ins Zentrum speku­lativer Atta­cken gerät
[HTML] dpa: Banken: Nach dem Gipfel: Euro-Paket im Bundestag. Stuttgarter Zeitung, 24.10.2011. • Vor dem näch­sten Gipfel muss der Haus­halts­ausschuss grünes Licht für die Pläne zur Stabi­lisie­rung der Euro-Zone geben • an diesem Montag oder Dienstag sind Sonder­sitzungen der Haus­halts­poli­tiker geplant • es geht auch um das 2. Rettungs­paket für Grie­chen­land mit einer stär­keren Betei­ligung der privaten Banken und Versi­cherer • Fort­schritte gab es nach einem dreitä­gigen Verhand­lungs­mara­thon nur für einen größeren Kapital­puffer der europä­ischen Banken: 100 bis 110 Mrd. € zusätz­liches Kapital, zu beschaffen vorzugs­weise am Markt • für die am Mitt­woch ange­strebten Beschlüsse zum Rettungs­schirm benö­tigt die Kanz­lerin die Zustim­mung des Haus­haltsaus­schusses des Bundes­tages
[HTML] J. Lanta: Europa stürzt ab — Deutschland auch.  KOPP ONLINE, 24.10.2011
[HTML] dpa: Noyer: Französische Banken benötigen rund zehn Milliarden Euro.  europe▇online magazine, 24.10.2011. • Frank­reichs Banken können die gefor­derte 9% Kernka­pital­quote leicht errei­chen • Chris­tian Noyer (Präs­ident der Banque de France): „Das Volumen liegt bei weniger als 10 Mrd. € und das können die Banken ohne jegliche Staats­hilfe selbst absor­bieren” • die Probleme Grie­chen­lands seien zwar lange unter­schätzt worden, aber die fran­zösi­schen Banken seien der Heraus­forde­rung gewachsen • Fédéric Oudéa (Chef des natio­nalen Banken­ver­bands) liegt auf der glei­chen Linie: „Das Risiko durch die griechi­schen Staats­schulden macht für fran­zösi­sche Banken 8 Mrd. € aus, also 0,1% aller ihrer Kredite.” • die Gewinne der Branche fürs erste Halbjahr 2011 seien weit größer
[HTML] G. Bläske: Fragiles Bankensystem: Frankreich steht das Wasser bis zum Hals. wiwo.de, 24.10.2011. • Die Engage­ments fran­zösi­scher Finanz­insti­tute in Grie­chen­land hält JP Morgan für beherrschbar: es drohten Verluste von maximal 11 Mrd. € • drama­tischer sind die hohen Engage­ments in Italien • die BNP Paribas beherrscht die sechst­größte Bank des Landes, die Banca Nazio­nale del Lavoro und hält für mehr als 20 Mrd. € Staatsan­leihen des Landes • der Crédit Agri­cole besitzt dort die Land­wirt­schafts­bank Cari­parma mit mehr als 900 Geschäfts­stellen • einige fran­zösi­sche Banken sind auch in osteuropä­ischen Krisen­ländern wie Rumä­nien, Bulga­rien oder der Ukraine und in Nord­afrika stark expo­niert • beson­ders starke Posi­tionen haben sie in risi­korei­chen Segmenten des Corpo­rate- und Invest­ment­bankings • sie wollen nun ihre Bilanz­summen durch Verkäufe im Invest­ment­banking dras­tisch redu­zieren und ziehen sich insbe­sondere aus Finanzie­rungen für Flug­zeuge oder Kraft­werke zurück — doch eine Reka­pita­lisie­rung ist nicht zu vermeiden • Horror­szenario der Regie­rung: Herab­stufung der Bonität Frank­reichs ausge­rechnet im Wahl­kampf • das würde auch die Refi­nanzie­rungs­kosten Frank­reichs erhöhen mit der vermut­lichen Folge, dass auch der EFSF sein Triple-A-Rating verlöre • die Regie­rung befindet sich in einer Art Schock­starre und verweist auf angeb­liche Erfolge wie die beschei­dene Renten­reform, doch schon ab 2018 gibt es neue Löcher in den Renten­kassen • die Regie­rung hat Angst vor der Straße, und nötige Reformen entfalten erst in 2, 3 Jahren ihre Wirkung • selbst von der EU aufge­zwungene Marktöff­nungen werden nur zögernd, partiell oder gar nicht umge­setzt • schon kleinste Korrek­turen an lieb gewor­denen Besitz­ständen oder an einer der Zigtau­send Steuer­nischen treiben Lobby­isten auf die Barri­kaden
[HTML] H. Fromme: Ringen um den Euro: Aufseher fürchten Krise bei Versicherern.[!] Die Probleme der Banken strahlen auf das gesamte Finanz­system aus. Die BaFin über­prüft Kapi­talan­lagen der Asseku­ranz in Bankan­leihen und Pfand­briefen. Die Sorge vor einer Anste­ckung ist groß. FTD Mobil, 24.10.2011. • Die BaFin befürchtet eine Anste­ckung der Versiche­rungs­wirt­schaft durch die Banken­krise und hat die großen in Deutsch­land tätigen Versi­cherer aufge­fordert, ihr die genaue Höhe ihrer Geldan­lagen bei Banken mitzu­teilen (alle Formen der Kapi­talan­lage bei Geld­insti­tuten bezif­fern, mit Angabe, ob unbesi­cherte oder besi­cherte Anleihen) • zu den besi­cherten Papieren gehören Pfand­briefe • so strahlen die Probleme der Banken auf das gesamte Finanz­system aus • eine ähnliche Umfrage im Früh­jahr ergab, dass die 10 größten Versi­cherer bis zu 55% ihrer Geldan­lagen bei Banken inves­tiert haben • Rolf Wenzel (Minis­teri­aldi­rektor im Bundes­finanz­minis­terium): „Es gibt eine Anste­ckungs­gefahr” • Befürch­tungen in der Branche, dass die BaFin die Gesell­schaften auffor­dern wird, ihre Auslei­hungen und Beteili­gungen an Banken deut­lich zurück­zufahren • das würde den Kredit­insti­tuten die Refi­nanzie­rung zusätz­lich erschweren — aber die BaFin wiegelt ab • neue EU-Eigen­kapi­talre­geln (Solvency II): für die Betei­ligung an einer Bank müssen Versi­cherer im Stan­dard-Risi­komo­dell 100% als Eigen­mittel unter­legen • bei Staatsan­leihen von Euro-Ländern ist die Unter­legung dagegen null Prozent • ein hochran­giger Versiche­rungs­manager: "Offenbar will die Finanz­aufsicht dafür sorgen, dass wir noch mehr in Staatsan­leihen inves­tieren.” • die Kapi­talan­lagen der deut­schen Versi­cherer betragen insge­samt 1250 Mrd. €, zusammen mit denen der Rück­versi­cherer sind es knapp 1400 Mrd. € • größere Befürch­tungen der BaFin um Staatsan­leihen Italiens, Portu­gals und Spaniens • allein Markt­führer Allianz ist mit 29 Mrd. € in italie­nischen Papieren enga­giert, die Gene­rali Deusch­land mit 5 Mrd. € • nach Angaben des Gesamt­verbandes der Deut­schen Versiche­rungs­wirt­schaft fließen 15% der Kapi­talan­lagen oder knapp 190 Mrd. € an Banken zur dire­kten Refi­nanzie­rung in Form von Darlehen und Schuld­schein­darlehen • dazu kommen Pfand­briefe, die 24% oder 300 Mrd. € ausma­chen • außerdem sind die Versi­cherer (allein die Lebens­versi­cherer mit rund 60% ihrer Kapi­talan­lagen) direkt an zahl­reichen Banken betei­ligt
[HTML] M. Frühauf: Banken in der Staatsschuldenkrise: Deutsche Bank will auf Staatshilfe verzichten. Zuver­sicht bei der Deut­schen Bank: Acker­mann möchte seinen Nach­folgern eine Bank ohne Staats­geld über­geben. Härtere Kapi­talre­geln stellen eine Hürde dar. FAZ.NET, 24.10.2011
[HTML] Übersetzung eines Artikels von Tyler Durden: Zukunft Europa: EU-Gipfel: „Europa steht vor einem verlorenen Jahrzehnt”.[wichtig!] Die EU-Finanz­minister verkünden, dass sie 108 Mrd. € von den Banken wollen. Das ist aller­dings viel zu wenig. Denn das wahre Problem ist der Kreis­lauf von Staats­schulden und Banken-Finan­zierung: Europa muss in den kommenden 3 Jahren 1,7 Bill. € auftreiben. Diese Aufgabe gilt als unlösbar. Deutsche Mittel­stands­Nach­richten, 24.10.2011. • Die EU-Kommis­sion hatte zu Recht darauf gedrängt, dass die europä­ische Staats­schulden­krise nur als Paket zu lösen sei • Staats­schulden­krise, Reka­pita­lisie­rung der Banken und Liqui­dität der Banken hängen untrennbar zusammen: jede Verände­rung in einem Feld hat direkte Auswir­kungen auf die anderen • die gegen­wärtig genannten Zahlen sind nur Durch­halte­parolen • Europa braucht in den kommenden 3 Jahren nämlich 1,7 Bill. € zur Bedie­nung seiner aufge­laufenen Schulden (sämt­liche bege­benen Staatsan­leihen, die in den kommenden 3 Jahren fällig werden) • können die Staaten nicht zahlen, müssen sie Umschul­dungen vornehmen • zum Zurück­zahlen fehlt das Geld, zum Umschulden die Inves­toren (dieser Markt gilt jetzt als hoch­riskant) • Europa braucht 2 Bill. €, um die kommenden 3 Jahre zu über­stehen • Portugal, Italien und Spanien werden die Kosten für die Banken­rettung unaus­weich­lich in ihren eigenen Haus­halten wieder­finden • mit jeder Milli­arde für eine Banken­rettung müssen die Bürger um denselben Betrag plus Zins und Zinses­zins sparen (Todes­spirale) • logi­scher­weise sind kleine Staaten mit gesunden Haus­halten wie Finn­land oder die Nieder­lande nicht zur Banken­kapita­lisie­rung bereit • weshalb Deutsch­land das Spiel mitmacht: Deutsch­land selbst hat die größte Schulden­last in Europa und ist damit Teil der großen Probleme • Deutsch­land profi­tiert kurz­fristig von jedem Kompro­miss, der sie danach sicher in den Abgrund reißt • Simon Tilford (Chef­volks­wirt des Center for European Reform): „Europa geht auf ein verlo­renes Jahr­zehnt zu.” • Jahre der wirt­schaft­lichen Stagna­tion und die stän­dige Angst vor Staats­pleiten und Banken-Crashs werden die Euro­päer begleiten — mit Auswir­kungen auch auf die Welt­wirt­schaft
[HTML] D. Baumann, J. Schlandt: 147 Unternehmen kontrollieren die Welt.[!] Eine Schweizer Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ledig­lich 147 Konzerne die Welt­wirt­schaft kontrol­lieren. Beson­ders Banken und Renten­fonds stehen mit ihrem Einfluss ganz weit vorne. Frankfurter Rundschau, 25.10.2011. • Nach einer Studie der ETH Zürich haben 147 Konzerne, gemessen an ihrer Größe, über­propor­tional viel Einfluss auf große Teile der Welt­wirt­schaft • beson­ders domi­nant sind darin Unter­nehmen aus dem Finanz­bereich, also Banken und Renten­fonds • einfluss­reichstes Unter­nehmen der Welt ist die Barclays Bank • das Forscher­team stützt sich auf Daten von Orbis aus dem Jahr 2007 mit Infor­mati­onen über 37 Mio. Unter­nehmen und Inves­toren welt­weit • es wurden insgesamt 43.000 inter­natio­nale Unter­nehmen iden­tifi­ziert • inner­halb dieser großen Gruppe übten einige wenige großen Einfluss aus • 1318 Konzerne waren an mindes­tens 2 anderen Unter­nehmen betei­ligt; im Durch­schnitt waren sie mit 20 weiteren Unter­nehmen verbunden • obwohl diese Unter­nehmen selbst nur ein Fünftel der globalen Umsätze ausma­chen, kontrol­lieren sie insge­samt 4 Fünftel der Umsätze von inter­natio­nalen Konzernen • inner­halb dieser Struk­turen gibt es eine Super-Ein­heit von 147 Unter­nehmen, die beson­ders mächtig sind — ein in sich geschlos­senes System • obwohl diese 147 Unter­nehmen weniger als 1% der Firmen ausma­chen, kontrol­lieren sie mehr als 40% der 43.000 betrach­teten inter­natio­nalen Unter­nehmen • der Kreis der 50 mäch­tigsten Unter­nehmen ist ein fast exklu­siver Club von Banken, Fonds­gesell­schaften und Versi­che­rungen (¾ sind Finanz­firmen) • nur die China Petro­chemical Group schaffte es in diesen kleinen Kreis • einer der Autoren, James B. Glatt­felder, hält diese starke Konzen­tration von Macht für proble­matisch: wie die Finanz­krise 2008 gezeigt habe, genügt es, wenn ein Unter­nehmen wie damals Lehman Brothers unter Druck kommt, um das ganze System zu desta­bili­sieren • diese Konzen­tration könne auch wett­bewerbs­schäd­lich sein • Gregory Jackson (FU Berlin) rät zur Vorsicht bei der Inter­preta­tion der Studie: es sei nicht klar, ob der innere Zirkel beson­ders stark verfloch­tener Unter­nehmen sein Verhalten koordi­niert • Yaneer Bar-Yam (NECSI) warnte davor, den Besitz von Unter­nehmen automa­tisch mit Kontrolle gleichzu­setzen • Jackson: ein solches System lasse sich kaum noch aufbre­chen, weil der zentrale Kreis einfluss­reicher Unter­nehmen von externer Kontrolle quasi abge­schottet sei • Jutta Sunder­mann (Attac Deutsch­land): die Schwäche der kontrol­lierenden Institu­tionen der Staaten stelle die Demo­kratie in Frage, weil der Wille der Mehr­heit nicht mehr durch­gesetzt werden könne
[HTML] bet: Investoren flüchten aus griechischen Banken. Erwar­tete Reka­pita­lisie­rung hilft nur den übrigen Finanz­titeln der Euro-Zone. NZZOnline, 25.10.2011. • Die gefor­derte höhere Betei­ligung des Banken­sektors am Schulden­schnitt hat die Aktien der wich­tigsten europä­ischen Finanz­institute in die Höhe getrieben, während die Aktien der stärker in Grie­chen­land enga­gierten Finanz­insti­tute abstürztender griechi­sche Banken­index FTSE / Athex Banks, in dem alle Insti­tute des Landes vertreten sind, büsste am Montag 16,9% ein — der grösste Tages­verlust seiner Geschichte • damit hat er sich sowohl schlechter entwi­ckelt als der breite griechi­sche Leit­index ASE als auch das Bran­chen­baro­meter der Euro-Zone, Euro-Stoxx Banks • eine „frei­willige” Betei­ligung des Privat­sektors an einer griechi­schen Umschul­dung, die mit einem Forde­rungs­verzicht von rund 21% auf alle Anleihen bis 2020 einher­ginge, halten inzwischen selbst die inter­natio­nalen Geld­geber für nicht ausrei­chend, um dem Land einen nachhal­tigen Schulden­abbau zu ermög­lichen • eine höhere Restruk­turie­rung von 40% oder 50% würde beson­ders die helleni­schen Insti­tute belasten • griechi­sche Banken halten Staats­anleihen ihres Landes im Nenn­wert von rund 48 Mrd. €europä­ische Banken sind mit 28 Mrd. € enga­giert, europä­ische Versi­cherer hingegen nur mit rund 6 Mrd. € • um die Banken gegen Abschrei­bungen und Zweit­runden­effekte einer Umschul­dung zu wappnen, sollen sie mehr Eigen­kapital vorhalten • die Aussicht auf eine dickere Kapital­decke ließ den Leit­index Euro-Stoxx Banks um 1,2% zulegen • Spitzen­reiter waren die Société Géné­rale, die Commerz­bank, die Crédit Agri­cole und die Deut­sche Bank
[HTML] H. Bentzien (Dow Jones Newswires): UPDATE: Liquiditätsnachfrage der Euroraum-Banken sinkt weiter. Märkische Allgemeine, 25.10.2011
[HTML] I. Steiner-Gashi: Der Vatikan gegen das Primat der Banken. Unge­wöhn­liche Verbün­dete in der Krise: Der Vatikan mahnt — wie die "Occupy"-Bewe­gung — mehr Regeln für Banken an. KURIER, 25.10.2011. • Der Päpst­liche Rat für Gerech­tigkeit und Frieden des Vatikan hat jetzt einen 40-sei­tigen Forde­rungs­katalog vorge­legt, der den radi­kalen Wünschen der Protest­bewe­gung in ihrer Radika­lität kaum nach­steht • Bischof Mario Toso: wir machen nur weniger Lärm • das ganze inter­natio­nale Finanz­system müsse grund­legend refor­miert werden • es müsse wieder das Primat von Ethik und Politik herr­schen • als einen der Haupt­gründe für die derzei­tige Finanz­krise nennt der Vatikan das unver­hältnis­mäßige Wachstum der Finanz­märkte im Gegen­satz zum geschrumpften Wirt­schafts­wachstum • in dem Doku­ment wird eine „Glo­bale Zentral­bank” einge­fordert, die gegen „unkon­trol­lier­bare Schatten­märkte” vorgehen und für die „Einhal­tung ethi­scher Mindest­stan­dards” sorgen soll • eine Finanz­trans­aktions­steuer müsse ebenso einge­führt werden wie eine bessere Kapital-Ausstat­tung der Banken • „Auf diese Weise können waghal­sige Finanz­geschäfte verhin­dert und die Entwick­lung der realen Wirt­schaft geför­dert werden” • gefor­dert wird auch ein Vorgehen gegen Steuer­oasen und Off-Shore-Handels­plätze • Leiter Kardinal Turkson aus Ghana und seine Mitau­toren beziehen sich ausdrück­lich auf die 3. Enzyklika des Papstes „Caritas in veri­tatae” • darin hieß es: „Die Finanz­makler müssen die eigent­liche ethi­sche Grund­lage ihrer Tätig­keit wieder­entde­cken, um nicht jene hoch entwi­ckelten Instru­mente zu miss­brau­chen, die dazu dienen können, die Sparer zu betrügen”
[HTML] C. Paris, A. Kißler, B. Preuschoff, F. Robinson, M. Stevis, A. Busch-Steinfort: Erwartungen an EU-Gipfel nehmen ab. FinanzNachrichten.de, 25.10.2011. • Die Erwar­tungen an das Gipfel­treffen sind ange­sichts anhal­tender Meinungs­verschie­den­heiten gesunken • Insider: voraus­sicht­lich werde es weder eine Eini­gung auf das Volumen des Euro-Rettungs­fonds EFSF, noch auf den Reka­pita­lisie­rungs­bedarf der europä­ischen Banken geben • denkbar sei, dass die Höhe des Forde­rungs­ver­zichts privater Gläu­biger gegen­uuml;ber Grie­chen­land bekannt gegeben werde • der deut­sche Wider­stand gegen künf­tige Staats­anleihe­käufe der EZB verstärke sich dagegen • verhan­delt wird weiterhin über 2 EFSF-Modelle, von denen das eine eine Teil­absiche­rung von Staats­anleihe­emis­sionen aus EFSF-Mitteln vorsieht und das andere eine Invest­ment-Zweckge­sellschaft für öffent­liches und privates Kapital (beide kombi­nierbar) • man habe sich prinzi­piell darauf geeinigt, eine harte Eigen­kapital­quote von 9% einzu­führen und zu deren Berech­nung die so genannte „Basel 2.5”-Methode zu benutzen • auch werde noch disku­tiert, die Bestände an Euro­zone-Staatsan­leihen nach Markt­preisen zu bewerten • aber Frank­reich, Spanien und Italien würden nur zustimmen, wenn die Refi­nanzie­rung der Banken abgesi­chert sei, z.B.durch einen ausrei­chend schlag­kräf­tigen EFSF • die durch­gesi­ckerte Zahl eines Reka­pita­lisie­rungs­bedarfs der Banken von bis zu 108 Mrd. € über­steigt den bisher angedeu­teten Mittel-Bedarf beträcht­lich: griechi­sche Banken brau­chen wohl 45 Mrd. €, fran­zösi­sche 10 Mrd. € und deut­sche 5,5 Mrd. € • Zahlen aus Italien, Spanien oder Irland liegen bisher nicht vor • beim Schulden­schnitt für Grie­chen­land kommt auf die Geschäfts­banken wohl ein Forde­rungs­verzicht von 60% zu
[HTML] R. Minde: Wie werden Staatsanleihen emittiert?.[!] boerse.ARD.de 27.1.2011. • Grund­sätz­lich kann ein Staat Anleihen auf 2 Arten begeben: mittels Aukti­onsver­fahren oder mittels Syndi­zierungs­verfahren • beim Aukti­onsver­fahren ist das Finanz­minis­terium oder die jewei­lige staat­liche Finanz­agentur zuständig für die Abwick­lung der Refi­nanzie­rung • diese muss in einem ersten Schritt zunächst abklären, zu welchen Kondi­tionen poten­zielle Inves­toren bereit wären, eine Staats­anleihe zu kaufen • da kommen die Banken ins Spiel, die eigene, spezi­elle Abtei­lungen für dieses wich­tige Geschäft unter­halten • sie werden im Auftrag der Finanz­agentur bei ihren Kunden tätig und erfragen dabei deren Vorstel­lungen • je höher das Ausfall­risiko eines Emit­tenten beur­teilt wird, desto höher der zu bietende Zins • auch Lauf­zeit, Art und Währung der Anleihe spielen eine Rolle • sobald sich die Finanz­agentur einen solchen Über­blick verschafft hat, gibt sie die Daten der Anleihe bekannt, insbe­sondere das Emis­sions­volumen, die Preis­spanne und den Nominal­zins und holt die von den Banken im Kunden­auftrag über­mittelten Gebote ein • im folgenden Bieter­verfahren bildet sich der Ausgabe­preis (und damit die Rendite) • anschlie­szlig;end teilt die Finanz­agentur die Papiere zu, wobei sie sich jeweils an den höchsten gebo­tenen Kursen orien­tiert • die Bundes­repu­blik Deutsch­land begibt ihre Staats­anleihen fast ausschließ­lich im Aukti­onsver­fahren • sie stützt sich auf die gute Bonität, die hohe Trans­parenz und die Verläss­lich­keit des deut­schen Staates • diese gründet sich auch darauf, dass die Bundes­repu­blik bereits früh­zeitig bekannt gibt, wie viel Geld sie aufnehmen will ;  [HTML] Das Syndizierungsverfahren. boerse.ARD.de 27.1.2011. • Hier treten Banken nicht als reiner Vermittler auf, sondern gehen selbst ins Risiko, indem sie die angebo­tenen Papiere zunächst in ihre eigenen Bücher nehmen • dazu müssen sich die Kredit­insti­tute sicher sein, die Papiere auf eigene Rech­nung bei ihren Kunden plat­zieren zu können • für das höhere Risiko berechnen sie eine höhere Provi­sion • Emit­tenten mit schwa­cher Bonität entscheiden sich daher für das Syndi­zierungs­verfahren • das Syndi­zierungs­verfahren wird gerne auch dann genutzt, wenn neuar­tige Produkte begeben werden, mit denen der Emit­tent noch keine Erfah­rung hat • für die Finanz­agentur des Bundes kommt das Verfahren eigent­lich kaum in Betracht, denn deut­sche Anleihen sind bestens bewertet und hochbe­gehrt • nur bei der seltenen Emis­sion völlig neuer Währungs­anlei­hepro­dukte oder infla­tions­inde­xierter Anleihen nutzt auch die Finanz­agentur des Bundes die Platzie­rungs­kraft der Banken
[HTML] Schulden der Staaten.[!]
StaatSchulden in %
des BIP 2010¹
Schulden in %
des BIP 2020²
Japan 197%246%
Italien 127%131%
Griechenland 123%171%
USA 92%133%
Frankreich 92%114%
Portugal 91%132%
Ungarn 90%97%
Indien 89%52%
Großbritannien 83%124%
Deutschland 82%97%
Irland 81%118%
Spanien 68%93%
Polen 63%77%
VR China 46%34%
Südafrika 39%?
Mexiko 24%13%
Luxemburg 18%?
Russland 10%0%
Estland 6%?
Laut Analyse¹ (und Prognose²) Deutsche Bank
Frankfurter Rundschau, Oktober 2011
[HTML] Familienunternehmer: Wirtschaftsverband ruft zum Widerstand gegen Euro-Schirm auf. Beim erneuten EU-Krisen­gipfel werden wegwei­sende Entschei­dungen zur Lösung der Schulden­krise erwartet. Merkel hofft zuvor auf breiten Rück­halt ihrer Koali­tion.  Handelsblatt , 25.10.2011
[PDF] Bundestags-Drucksache 17/7457: Entschließungsantrag der Fraktion der SPD zu der Abgabe einer Regie­rungs­erklä­rung durch die Bundes­kanz­lerin zum Europä­ischen Rat und zum Euro­gipfel am 26. Oktober 2011 in Brüssel (elek­troni­sche Vorab­fassung). 26.10.2011. • Die Konso­lidie­rung des griechi­schen Haus­halts ist Grund­voraus­setzung • eine Konso­lidie­rung der Staats­haus­halte kann nur durch einen intelli­genten Drei­klang aus mehr Wachstum, Einnah­mesteige­rungen und Ausga­benkü­rzungen zugleich gelingen • es besteht die Gefahr, dass die Staats­schulden­krise zur Banken­krise wird • die Rettung der Banken ist ohne deren Regulie­rung und Kontrolle weder sinn­voll noch vermit­telbar • Deutsch­land muss sich seinem wirt­schaft­lichen Gewicht entspre­chend an den gemein­samen Anstren­gungen zur Stabi­lisie­rung des Euro-Raums betei­ligen • die Bundes­regie­rung soll sich für folgende Ziele einsetzen: • eine Wachs­tums­stra­tegie für die von der Refi­nanzie­rungs­krise betrof­fenen Länder • einen Schulden­schnitt für Grie­chen­land mit substan­ziellem Beitrag der privaten Gläu­biger • eine verpflich­tende Reka­pita­lisie­rung der europä­ischen Banken • schnellst­mögliche Einfüh­rung der Finanz­trans­aktions­steuer • Regu­lierung der Finanz­märkte: höhere Eigen­kapital­quoten, Tren­nung von Invest­ment- und Commer­cial­banking, Verbot hoch­speku­lativer Geschäfte • Vorziehen des Stabi­litäts­mecha­nismus ESM • Ausbau der Währungs­union zu einer umfas­senden Wirt­schafts- und Fiskal­union • Koordi­nation der Unter­nehmens­besteu­erung • ein europä­isches Wachs­tums­programm • eine parla­menta­risch kontrol­lierte, demokra­tisch legiti­mierte Koor­dinie­rung der Wirt­schafts- und Finanz­poli­tiken
[HTML] EFSF-Abstimmung im Bundestag: Merkel kann auf Mehrheit für Rettungs-Hebel hoffen. Im Bundestag zeichnet sich bei der Entschei­dung über den Rettungs­schirm EFSF heute eine klare Mehr­heit für den Antrag der Regie­rung ab. Nur der Abgeord­nete Bosbach bleibt bei seinem Nein. SPD und Grüne signali­sieren Zustim­mung. Frag­lich ist eine Kanzler­mehr­heit. Frankfurter Rundschau, 26.10.2011.
[HTML] dpa: Finanzen: Kanzlermehrheit für Euro-Schirm im Bundestag Abendzeitung, 26.10.2011 16:28. • Für den Brüs­seler Gipfel erhielt die Kanz­lerin breite Rücken­deckung des Bundestags für einen Schutz­wall für den Euro und härtere Regeln für notori­sche Schulden­sünder • für den Antrag stimmten 503 der 596 anwe­senden Abgeord­neten, 89 waren dagegen, 4 enthielten sich • Merkel bekam mit 311 Ja-Stimmen aus den eigenen Reihen sogar „haar­scharf” die symbo­lisch wichtige Kanzler­mehr­heit • die Staats- und Regie­rungs­chefs der EU und der Euro­zone wollen in Brüssel über schär­fere Kapi­talvor­gaben für Groß­banken sowie über ein 2. Grie­chen­land-Rettungs­paket beraten • endgül­tige Modelle und Details sowie der Umfang der „Hebel”-Wir­kung für einen effi­zien­teren Rettungs­fonds EFSF folgen später • das Hilfs­volumen für Krisen­länder könnte mit Hilfe weiterer Inves­toren auf 1 Billion € oder mehr „gehe­belt” werden • Merkel: nach inten­siver Prüfung aller Vorschläge liege ihr eine bessere, vernünf­tigere Alter­native nicht vor • nach einem Schulden­schnitt müsse eine Anste­ckung anderer Euro-Länder unbe­dingt verhin­dert werden • die Kanz­lerin räumte Konstruk­tions­fehler in den EU-Verträgen ein
[HTML] S. Schultz: Riskanter Finanzkniff: Spekulanten könnten Rettungsfonds sprengen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 28.10.2011
[HTML] Arbeitsorganisation warnt vor sozialen Unruhen in Europa.[!] AFP / Google. 30.10.2011. • Die Inter­natio­nale Arbeits­orga­nisa­tion (ILO) warnt vor sozi­alen Unruhen in den Euro-Staaten • in den nächsten Monaten müsse es gelingen, einen dramati­schen Rück­gang der Beschäf­tigung und verschärfte soziale Unruhen zu vermeiden • ohne Gegenmaß­nahmen drohe in den entwi­ckelten westli­chen Volks­wirt­schaften eine Rezes­sion, die 1 Jahr­zehnt anhalten könne • das Problem sei dabei, dass viele Regie­rungen wegen anhal­tenden Spar­drucks kaum Hand­lungs­spiel­räume hätten • die wirt­schaft­liche Abschwä­chung drohe vor allem in Grie­chen­land, Portugal, Spanien, Estland, Frank­reich, Slowe­nien und Irland • rund 60% der Grie­chen und Portu­giesen gäben an, ihr Lebens­stan­dard sei gesunken • in Spanien und Slowe­nien seien es etwa 50% • dagegen seien in der Bundes­repu­blik wegen anhal­tend großer Nach­frage nach Arbeits­kräften Lohn­erhö­hungen zu empfehlen, um den Konsum zu stärken
[HTML] Strenge Vorschriften: G-20-Staaten sagen Finanzmärkten den Kampf an.[!] Es soll Schluss sein mit Gezocke und absurd hohen Bonuszah­lungen: Die Indus­trie- und Schwellen­länder wehren sich gegen die Macht der Geld­häuser und Börsen­plätze. Bei ihrem Treffen in Cannes wollen die G20 nach SPIEGEL-Infor­mati­onen umfas­sende Reformen für die Finanz­märkte beschließen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 30.10.2011. • Nach dem EU-Gipfel in Brüssel legen die G20 nach, wie aus dem Entwurf des Gipfel-Kommu­niqués hervor geht • die Staats- und Regie­rungs­chefs wollen z.B. sicher­stellen, dass „künftig keine Finanz­firma mehr zu groß für eine Pleite” sei • müsse eine solche Insti­tution dennoch abge­wickelt werden, „sollten Steuer­zahler nicht für die Kosten aufkommen” • geplant sind neue inter­natio­nale Stan­dards, nach denen Banken und andere Finanz­insti­tute abge­wickelt werden können, eine inten­sivere Aufsicht, und Handel mit komplexen Produkten (wie Deri­vaten) nur noch an (besser über­wach­baren) Handels­plätzen und auf elek­troni­schen Platt­formen • es soll auch gegen Exzesse bei Gehäl­tern und Bonuszah­lungen im Finanz­sektor vorge­gangen werden • Kampf gegen die Schatten­banken, also vor allem Hedge­fonds • Schaf­fung von mehr Trans­parenz auf Termin­märkten für Rohstoffe und Waren — auch z.B. gegen Speku­lation um die Preise von Nahrungs­mitteln • Finanz­insti­tuti­onen und staat­liche Stellen sollen künftig auch weniger von den Urteilen der Rating-Agen­turen abhängig werden: Strei­chung der Verpflich­tung für viele Pensions­fonds, Staats­anleihen abzu­stoßen, wenn diese von den Rating-Agen­turen herab­gestuft werden (was den Kurs­verfall beschleu­nigt)
[HTML] G-20-Plan: Banken sollen nicht mehr zu groß für eine Pleite sein. Ende der System­rele­vanz. Die Zeiten der garan­tierten Rettung für große Banken soll auslaufen. Die G-20-Staaten wollen eine Abwick­lung der Geld­häuser regeln. WELT ONLINE, 31.10.2011
[HTML] Chinas Schattenbanken taumeln. Hohe Zinsen, schlep­pende Konjunktur, kriselnde Banken — Europa und die USA kämpfen mit der Schulden­krise. Doch selbst das reiche China ist keine Insel der Seligen. Im Gegen­teil: Peking versucht derzeit verzwei­felt, einen Flächen­brand auf dem Finanz­markt zu verhin­dern. ⋅⋅T⋅⋅ Online / SPIEGELONLINE, 31.10.2011. • Auch ein autori­täres System kann ein Finanz­system nicht besser kontrol­lieren als eine Demo­kratie • in den Staats­medien stellen Kommen­tatoren schon warnende Vergleiche mit der amerika­nischen Hypo­theken­krise von 2008 an • die Führung sucht nach Lösungen, um die großen Risiken im Finanz­system sowie deren Gefahren durch ein langsa­meres Wachstum zu bändigen • aufgetürmt haben sich durch das milli­arden­schwere Konjunk­turpro­gramm ein Berg fauler Kredite sowie hohe Schulden der einzelnen Provinzen • alar­miert ist die Regie­rung auch über die Zahl der Schatten­banken, die seit 2 Jahren explo­sions­artig und unkon­trol­liert aus dem Boden wachsen • zwischen 10 und 20% aller neuen Kredite stammen aus diesem undurch­sich­tigen Geflecht von Unter­nehmen, Inves­toren, ille­galen Geld­verlei­hern und skrupel­losen Kredit­haien • für dieje­nigen Privat­firmen, die von den großen Banken keine Kredite bekommen, bot der graue Markt schon lange effek­tive Finan­zierungs­hilfen — gegen höhere Zinsen • die Regie­rung will nun scharf vorgehen gegen Zins­wucher und ille­gale Kapi­talbe­schaf­fung • eine Blase platzt jetzt: das Export­wachstum flaut ab, die ohnehin geringen Gewinn­margen sinken weiter, die Verluste steigen • viele Speku­lati­onen auch auf dem Immo­bilien­markt gehen nicht mehr auf • eine nachlas­sende Nach­frage aus dem Ausland bremste den Export­welt­meister ebenso wie höhere Zinsen • die Zahl der Pleiten nimmt zu, und Bosse ergreifen sogar die Flucht ins Ausland • Barclays warnt, der Ausfall einiger Projekte könnte eine Welle von Kredit­kündi­gungen auslösen • welcher Funke in China einen Steppen­brand auslösen könnte, weiß niemand, da das chine­sische Finanz­wesen mit seinen Staats­banken, Kapi­talkon­trollen, hohen Sparein­lagen und der geringen Trans­parenz anders funkti­oniert als ein westli­ches Banken­system • durch staat­lich festge­legte, nied­rige Zinsen subven­tionieren Privat­haus­halte schon massiv die Banken, während ihr Geld durch hohe Infla­tion an Wert verliert • Rating-Agentur Fitch: heute gene­riert jeder Yuan neuer Kredite nur noch halb so viel Wachstum wie vor 5 Jahren • das Indus­trie­minis­terium prüft eine Stimulus-Politik für die Unter­nehmen, um auf den globalen Abschwung zu reagieren
[HTML] Griechenland: Das Volk soll über das Hilfspaket abstimmen. Die Griechen sollen nach dem Willen von Regie­rungs­chef Gior­gios Papan­dreou über die Beschlüsse des Euro-Gipfels in Brüssel abstimmen. Damit steht das Rettungs­programm auf dem Spiel. Die Oppo­sition reagiert fassungslos.  Handelsblatt , 31.10.2011. • Papan­dreou hat überra­schend eine Volks­abstim­mung über ein neues inter­natio­nales Rettungs­paket ange­kündigt und will zudem im Parlament die Vertrau­ensfrage stellen • Papan­dreou: „Wir vertrauen den Bürgern. Wir glauben an ihr Urteils­vermögen.” • Reak­tion der Opposi­tion: „Herr Papan­dreou ist gefähr­lich. Er schnippt die griechi­sche EU-Mit­glied­schaft wie eine Münze in die Luft.” • Papan­dreou: das Refe­rendum werde in einigen Wochen abge­halten, wenn Einzel­heiten des Rettungs­pakets über 130 Mrd € bekannt seien • Bundes­regie­rung: bei den Plänen für ein Refe­rendum handele es sich um eine innen­politi­sche Entschei­dung Grie­chen­lands • ob ein Refe­rendum über wirt­schaft­liche Themen recht­mäßig ist, wird ange­zwei­felt
[HTML] G. Braunberger, M. Hock: Volksabstimmung geplant: Athen stürzt die Märkte in Verzweiflung . Nur kurz währte die Erleich­terung: Der Plan einer Volks­abstim­mung in Grie­chen­land lässt die Anlei­heren­diten aus Südeuropa wieder steigen und die Aktien­kurse fallen. FAZ.NET, 31.10.2011. • Rück­kehr der Risiko­scheu an den Finanz­märkten: fallende Aktien­kurse, rück­läufige Renditen für Staats­anleihen aus Deutsch­land und der Schweiz sowie stei­gende Renditen für Staats­anleihen aus der südeu­ropä­ischen Peri­pherie • es gibt wach­sende Zweifel an einer ausrei­chenden Nach­frage für Anleihen des EFSF sowie an der Reform­bereit­schaft Italiens • der iTraxx-Western-Europe-Sovereign (ein Index für Kredit­ausfall­deri­vate) legte wieder zu • nachdem nun Papan­dreou ein Refe­rendum über die neuen Hilfs­zusagen ange­kündigt hat, rutschte der Euro deut­lich ab (unter 1,38$) • in den USA schloss der Dow Jones Indus­trial mit einem Minus von mehr als 2% • auch in Japan setzten sich die Kursver­luste fort • die Volks­abstim­mung in Grie­chen­land wird als Abstim­mung über die Mitglied­schaft des Landes in der Euro-Zone aufge­fasst • Rainer Brüderle (FDP) sprach von einem „merkwür­digen” Verhalten • auch gegen­uuml;ber Italien gab es ernste Warn­zeichen: 2-jäh­rige itali­eni­sche Anleihen erhalten eine Rendite von rund 5%, 5-jäh­rige von knapp 6% und 10-jäh­rige von gut 6% • Termin­kontrakte auf Bundes­anleihen gewinnen stark dazu • Volker Brokel­mann (Anlei­hen­experte der HSH Nord­bank) spricht von der Angst, die umgeht: ein Refe­rendum brächte für die Finanz­märkte weitere Unsi­cher­heiten • während die Ankün­digung die Märkte jetzt wie ein Bomben­einschlag trifft, bedeutet sie Monate der Unsi­cher­heit und drohenden Still­stand • Folker Hell­meyer (Bremer Landes­bank): sollte die Bevöl­kerung gegen das geplante Refe­rendum stimmen, würde Grie­chen­land ins Chaos gestürzt, und mangels Hilfs­zahlung und Unter­stüt­zung der EZB drohe der totale Kollaps der griechi­schen Wirt­schaft • eine Staats­pleite hätte auch weitrei­chende Konse­quenzen für die Euro­zone, das Welt­finanz­system und die Welt­wirt­schaft
[HTML] Volksabstimmung über Hilfspaket: Papandreou brüskiert Griechenland-Retter.[!] Volks­abstim­mung über das neue Hilfs­paket: Regie­rungs­chef Papan­dreou sorgt mit seiner Ankün­digung für Wirbel — und gefährdet die Rettung Grie­chen­lands. Der Euro reagierte bereits. stern.de, 1.11.2011. • Papan­dreou hat mit seiner Ankün­digung einer Volks­abstim­mung über das neue milli­arden­schwere Hilfs­paket inter­natio­naler Geld­geber Erstaunen und Protest ausge­löst • ein Sprecher der konser­vativen griechi­schen Opposi­tions­partei Neue Demo­kratie: „Er schnippt die griechi­sche EU-Mit­glied­schaft wie eine Münze in die Luft.” • Alexander Stubb (finni­scher Euro­pami­nister): das Refe­rendum ist gleich­zeitig ein Votum über die Mitglied­schaft Athens in der Euro­zone • die Bundes­regie­rung reagierte über­rascht: es handle sich um eine „innen­politi­sche Entwick­lung in Grie­chen­land, über welche die Bundes­regie­rung bisher keine offizi­ellen Infor­mati­onen” habe • sie sprach aber von klaren Erwar­tungen, dass das 2. Hilfs­paket für Grie­chen­land bis Ende dieses Jahres stehen soll • mit dem Refe­rendum ist ein großes Risiko verbunden — in einer am Samstag veröf­fent­lichten Umfrage hatten fast 60% der Grie­chen das Programm als „negativ” oder „wahr­schein­lich negativ” bewertet • sollte das Rettungs­paket mit dem Refe­rendum abge­lehnt werden, hätte das unabseh­bare Folgen für den Euro und die Staaten der Euro­zone • am Dienstag­morgen rutschte der Euro unter die Marke von 1,38$ (zuletzt 1,3794$) • am Devisen­markt ist die Euphorie über die Gipfel-Beschlüsse wieder verflogen • Papan­dreou: lehne das Volk die neue Verein­barung mit der EU ab, „wird sie nicht verab­schiedet.” • Evan­gelos Veni­zelos (Finanz­minister): die Volks­abstim­mung soll erst abge­halten werden, wenn die Einzel­heiten des Schulden­deals ausge­handelt sind — wahr­schein­lich Anfang 2012
[HTML] S. Clausen: Volksabstimmung zum Sparpaket: Starkes Signal aus Athen. Die Grie­chen werden in einer Volks­abstim­mung über das Spar­paket abstimmen — ein höchst riskantes Unter­fangen. Dennoch ist es richtig: Die Abstim­mung könnte den Durch­bruch in der Schulden­krise bringen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 1.11.2011. • Den Euro-Gipfeln der vergan­genen Monate fehlte das „starke Signal”, um die Inves­toren endlich davon zu über­zeugen, dass Europas Schulden sicher sind • sie alle: Merkel, Sarkozy, Trichet, Draghi — vermochten kein über­zeugend starkes Signal zu senden • die Schulden­krise löst nur, wer glaub­haft macht, dass er die Schulden dauer­haft senken will: durch ein politi­sches Mandat vom Souverän • die Ankün­digung von Papan­dreou über eine Abstim­mung ist daher intel­ligent: stimmen die Grie­chen zu und geben Papan­dreou damit das Mandat zur Sanie­rung des Landes, haben die Inves­toren keinen wirk­lichen Grund mehr zum Zweifel • dann könnten sich auch in anderen Schulden­staaten, vor allem Italien, fähige Poli­tiker an die Sanie­rung ihres Haus­halts machen • trotz des hohen Risikos hat Papan­dreou keine andere Wahl: die Proteste schlagen zuneh­mend in Gewalt um • Papan­dreou knüpft mit seiner Volks­abstim­mung geschickt an die groß­artige demo­krati­sche Tradi­tion an
[HTML] Griechenlands Referendum: Deutsche Banken vertagen Zustimmung zu Schuldenschnitt. Der mühsam ausge­han­delte Deal zum Schulden­schnitt für Grie­chen­land könnte platzen: Der Bundes­verband deut­scher Banken hat ange­kündigt, seine Zustim­mung von der geplanten Volks­abstim­mung abhängig machen zu wollen. Das Refe­rendum der Grie­chen soll auf Dezember vorge­zogen werden. SPIEGELONLINE POLITIK, 2.11.2011
[HTML] Referendum zum Rettungspaket: Griechischer Finanzminister will nicht über Euro abstimmen lassen. Die Konse­quenzen des geplanten Refe­rendums entzweien Grie­chen­land und seine europä­ischen Partner. Athens Minis­terrat kommt am Vormittag zu einer Krisen­sitzung zusammen. ZEIT ONLINE, 3.11.2011. • Veni­zelos lehnt grund­sätz­lich ein Refe­rendum zur Schulden­krise in Grie­chen­land ab • das sei genau das, was das Land jetzt nicht benötige • damit wider­sprach er den Äuße­rungen Papan­dreous • Kostas Skanda­lidis (Land­wirt­schafts­minister): ein Refe­rendum über den Verbleib des Landes im Euro­land habe „keinen Sinn”
[HTML] M. Morcinek: Exit-Szenarien für Europa: Was passiert, wenn Athen austritt.[!] n-tv, 3.11.2011. Was passiert wirk­lich, wenn die Euro­zone durch Papan­dreous Plan, ein Refe­rendum abzu­halten, Grie­chen­land verliert? • was für Grie­chen­land innen­poli­tisch zwar riskant, aber richtig sein kann, erscheint außen­poli­tisch als Kata­strophe • Sarkozy und Merkel: die Grie­chen haben die Wahl zwischen Euro-Rettung mit allen Härten — oder einem Austritt aus der Euro­zone • am härtesten träfe ein ”Nein„ zum Rettungs­paket die Grie­chen selbst • die Euro­zone müsste alle Hilfszah­lungen einstellen, die Bürg­schaften zurück­ziehen und die Unter­stüt­zung Grie­chen­lands aufgeben: es käme zum unkon­trol­lierten Staats­bank­rott • das hiesse: keine Rente mehr für Rentner, keine Gehälter für Staats­bediens­tete, keine Sozi­alleis­tungen mehr für Schwache und Hilfs­bedürf­tige — die Verwal­tung bräche zusammen und das griechi­sche Banken­system wäre am Ende • im Fall einer ungeord­neten Insol­venz müssten die Staaten umge­hend neue Steuer­gelder zur Stüt­zung der Banken aufbringen — bräche auch nur ein einziges großes Haus zusammen, stünde die Welt aufgrund der globalen Verflech­tungen vor extremen Schwierig­keiten • Frank­reich müsste noch mehr Milli­arden in den Schulden­dienst stecken und verlöre wohl auch seine Top-Note „AAA” • es wären wohl auch große Abschrei­bungen in der EZB-Bilanz nötig — die Mitglieds­staaten müssten mit Steuer­geldern oder neuen Krediten nach­schießen • weitaus härter dürfte es Irland, Portugal und Spanien treffen: die Refi­nanzie­rung über die übli­chen Kanäle wäre erschwert; es bestünde große Anste­ckungs­gefahr • die Währungs­gemein­schaft müsste ihre Rettungs­fonds umge­hend und in glaub­würdigen Ausmaßen aufstocken — kaum vorstellbar, dass sich für einen solchen Kurs nach einem Absturz Grie­chen­lands in den Parla­menten noch Mehr­heiten gewinnen ließen • Problem­fall Italien: es muss schon jetzt um das Vertrauen der Gläu­biger und Geld­geber kämpfen und kann keine zusätz­lichen Zweifel vertragen • in der Welt­wirt­schaft fiele Europa als Wachs­tums­motor bis auf weiteres aus • Europa stünde vor den Trüm­mern des großen Traums von gemein­samem Wohl­stand und Sicher­heit
[HTML] Schuldenkrise: Italien zunehmend handlungsunfähig. Bei der Bekämp­fung der Schulden­krise kommt Italien kaum voran. Nach einer Sonder­sitzung gab es keine nennens­werten Ergebnisse — Regie­rungs­chef Berlus­coni reiste mit leeren Händen zum G20-Gipfel. FAZ.NET, 3.11.2011
[HTML] Bericht des griechischen Staatsfernsehens: Papandreou stimmt Bildung einer Übergangsregierung zu.[wichtig!] Der griechi­sche Minis­terprä­sident Giorgos Papan­dreou gerät weiter unter Druck: Nachdem sich Finanz­minister Veni­zelos gegen das geplante Refe­rendum aussprach, ist nun Papan­dreou offenbar zur Bildung einer Über­gangs­regie­rung bereit. FAZ.NET, 3.11.2011. • Minis­terprä­sident Giorgos Papan­dreou stand unter starkem Druck, der Bildung einer Experten­regie­rung zuzu­stim­men, die (mit Unter­stüt­zung der Konser­vativen) das Land über­gangs­weise führen soll • die bürger­liche Oppo­sitions­partei hat sich nach Infor­mati­onen von dpa mit einer Über­gangs­regie­rung einver­standen erklärt • „Diese Regie­rung wird das Land nur solange führen, bis das Hilfs­paket unter Dach und Fach ist.” • anschlie­szlig;ende Neuwahlen könnten schon im Dezember statt­finden, hieß es • zuvor hatten 2 weitere Abgeord­nete der Sozia­listen angekündigt, Papan­dreou am Freitag nicht das Vertrauen ausspre­chen zu wollen • Finanz­minister Evangelos Veni­zelos hatte sich am Donnerstag von den Plänen zu einem Refe­rendum distan­ziert • die Posi­tion des Landes in der Euro­zone sei „eine histo­rische Errungen­schaft des Landes und kann nicht infrage gestellt werden” • das Hilfs­programm müsse so schnell wie möglich in die Tat umge­setzt werden
[HTML] Griechenland: Papandreou zu Verzicht auf Referendum bereit.[!] Nachdem die konser­vative Oppo­sition dem inter­natio­nalen Hilfs­paket für Grie­chen­land zuge­stimmt hat, ist Minister­präsi­dent Papan­dreou bereit, auf ein Refe­rendum zu verzichten. Zuvor hatte er nach Medi­enbe­richten schon der Bildung einer Über­gangs­regie­rung zuge­stimmt. FAZ.NET, 3.11.2011
[HTML] F. Bremser, B. Schäder: Stellenabbau: Der große Kahlschlag bei den Banken. Die europä­ische Schulden­krise lässt die Gewinne der Geld­häuser welt­weit schrumpfen. Viele Insti­tute reagieren und strei­chen massen­weise Jobs. FTD.de gibt einen Über­blick. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 4.11.2011. • Deutsch­land: Deut­sche Bank, Hypo­vereins­bank, HSH Nord­bank, WestLB • Frank­reich: BNP Paribas, Societé Géné­rale, Crédit Agri­cole • Nieder­lande: ING, ABN Amro • Schweiz: Crédit Suisse, UBS, Julius Bär • Groß­britan­nien: HSBC, Lloyds, Royal Bank of Scot­land, Barclays • USA: JP Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America • Dänemark: Danske Bank • Japan: Nomura
[HTML] H. Mortsiefer, M. Schlegel: Zurück zur Drachme: Was, wenn Griechenland den Euro aufgibt?[wichtig!] Auch wenn es in Grie­chen­land kein Refe­rendum über das Euro-Rettungs­paket gibt, kann es dort zum Staats­bank­rott kommen. Oder zum Austritt aus dem Euro. Die Wirkung reichte weit über die Grenzen von Hellas hinaus. CiceroONLINE, 4.11.2011. • Seit Angela Merkel und Nicolas Sarkozy klarge­macht haben, dass ein Nein zum Hilfs­paket den Ausstieg Grie­chen­lands aus dem Euro bedeuten würde, erscheint dies Szenario nicht mehr unmög­lich • die Frage, was ein Austritt des Landes aus dem Euro-System bedeuten würde, ist damit weiter aktuell • die G-20 in Cannes rechnen die Kosten einer Staats­pleite Grie­chen­lands schon mal durch • in den EU-Ver­trägen gibt es keine Rege­lung für einen Austritt • eine Spre­cherin der EU-Kom­mis­sion: nach der gültigen Rechts­lage könne ein Land nur aus der Euro-Zone ausscheiden, wenn es auch die EU verlässt • andere Experten argumen­tieren prak­tischer: man könne doch keine Truppen nach Grie­chen­land schicken, wenn das Land von heute auf morgen den Euro abschaffe und zur Drachme zurück­kehre • kommt das Sanie­rungs­programm von IWF und EU in Grie­chen­land nicht zum Zuge, wäre der Staat binnen kurzer Zeit zahlungs­unfähig • Verbind­lich­keiten der Griechen von fast 360 Mrd. € wären prak­tisch verloren • eine wieder einge­führte Drachme würde um mindes­tens 50% zum Euro abge­wertet • Grie­chen­land bekäme kurz­fristig geld- und fiskal­politi­schen Spiel­raum zum Bezahlen von Löhnen und Renten, auch mit Hilfe der eigenen Noten­presse • auch würde sich die Wettbe­werbs­fähig­keit der Wirt­schaft schlag­artig verbes­sern, weil sich griechi­sche Produkte im Ausland massiv verbil­ligen würden, trotz geringer Produk­tivität • prak­tisch würde aber schon die Ankün­digung, sich vom Euro verab­schieden zu wollen, zu einer massiven Vertrau­enskrise und wirt­schaft­lichen Depres­sion führen und das Banken­system kolla­bieren lassen, weil die Grie­chen ihre Bankein­lagen abziehen und statt­dessen Euro-Bar­geld halten würden oder Bankgut­haben im Ausland • es käme zu Kapi­talver­kehrsbe­schrän­kungen • inter­natio­nale Zocker würden sich auf die Drachme stürzen und gegen die griechi­sche Wirt­schaft speku­lieren • mögliches Horror-Szenario: während die Rating­agen­turen nach und nach die Bonitäts­noten von Portugal, Spanien, Italien oder Frank­reich (womög­lich auch Deutsch­land) senken, wetten potente inter­natio­nale Speku­lanten auf weitere Pleiten im Euro-Raum, und die Geld­häuser müssten einen Run der Kunden auf ihre Konten fürchten • kritisch wird der Refi­nanzie­rungs­bedarf für Italien und Spanien, über den gesamten Zeit­raum 2012 bis 2014 für Italien 956 Mrd. €, für Spanien 453 Mrd. € • Jean Leonetti (franzö­sischer Euro­pami­nister): eine „Explo­sion” des griechi­schen Finanz­systems würde in ganz Europa und welt­weit für Erschüt­terungen bei weiteren Gläubi­gern sorgen • einen Ausfall nur der griechi­schen Anleihen würden die Banken im Euro-Raum wohl verkraften, wenn auch mit einem Sinken der Kern­kapital­quote auf 8,6% • es könnte aber einen europa­weiten Domi­noef­fekt geben • die deut­sche Volks­wirt­schaft als stärkste Europas müsste als Garant für die Stabi­lität des Euro gerade­stehen • eine Erosion des europä­ischen Währungs­raums und milli­arden­schwere Belas­tungen für die soliden Länder in „Kern-Europa“ würden eine Rezes­sion in Europa auslösen und hätten zwangs­läufig Folgen für die Welt­wirt­schaft
[HTML] Schuldenland Griechenland: Venizelos: Griechenland braucht im Februar 80 Mrd EUR. finanzennet, 4.11.2011
[HTML] Papandreou übersteht Vertrauensabstimmung. Regie­rungs­krise in Grie­chen­land noch nicht beige­legt — Über­gangs­regie­rung ange­strebt. NZZOnline, 5.11.2011. • Nach einer Zitter­partie sprach die Mehr­heit des Parla­ments Papan­dreou das Vertrauen aus: von 298 anwe­senden Abgeord­neten stimmten 153 für ihn • es scheint aber auf eine Zusam­menar­beit mit der Oppo­sition hinaus zu laufen, die zuvor seinen Rück­tritt verlangt hatte • in einer enga­gierten Rede forderte er, Grie­chen­land brauche jetzt einen breiten politi­schen Konsens • ohne die 8 Mrd. € starke nächste Hilfs­tranche der inter­natio­nalen Geld­geber drohe dem Land im Dezember die Pleite • am Samstag werde er den Staats­präsi­denten besu­chen und ihn infor­mieren, dass er bereit sei zu Gesprä­chen mit den anderen Partei­chefs über eine gemein­same Regie­rungs­bildung zu sprechen • die Beschlüsse des EU-Krisen­gipfels mit den neuen Hilfs­zusagen über weitere 100 Mrd. € seien die „letzte Chance” • Finanz­minister Evan­gelos Veni­zelos forderte die Bildung einer neuen Über­gangs­regie­rung bis zum kommenden Montag, die bis zu Neuwahlen Ende Februar agieren solle • er gilt als möglicher Minis­terprä­sident einer solchen Über­gangs­regie­rung • Papan­dreou: schnelle Neuwahlen würden einer Kata­strophe gleich­kommen, weil Grie­chen­land drin­gend die verein­barten finan­ziellen Hilfen bekommen müsse • die Opposi­tion hatte den sofor­tigen Rück­tritt Papan­dreous und die Bildung einer Exper­tenregie­rung für wenige Wochen gefor­dert; dann sollten vorge­zogene Wahlen folgen • Druck auf Athen von Angela Merkel: „Für uns zählen Taten, nichts anderes” • die 6. Hilfs­zahlung in Höhe von 8 Mrd. € könne erst fliessen, wenn Grie­chen­land zu seinen Verpflich­tungen stehe • Anfang 2012 sollten nach dem ursprüng­lichen Plan alte gegen neue griechi­sche Anleihen getauscht werden
[HTML] Beim Zeus! Wer erlöst uns endlich von dem Pleite-Land?: Warum die Griechen raus aus dem Euro müssen. Europa hat gekämpft um Grie­chen­land, gebürgt für Grie­chen­land, gezahlt für Grie­chen­land. Doch nach zwei Jahren lähmender Krise ist es Zeit zuzu­geben: Beim Zeus, Europa kann und will nicht mehr! Bild.de, 5.11.2011
[HTML] J. Diehl: Athener Abstimmungskrimi: Papandreou regiert noch ein bisschen länger. Aufer­stehung eines Totge­sagten: Die Athener Abgeord­neten haben dem griechi­schen Premier­minister ihr Vertrauen ausge­sprochen. Nun erwarten einige von ihnen, dass er trotzdem zurück­tritt. Doch wird Geor­gios Papan­dreou das tun? SPIEGELONLINE POLITIK, 5.11.2011
[HTML] J. Diehl, F. Batzoglou: Griechische Regierungskrise: Papandreou pokert sich zurück an die Macht. Geor­gios Papan­dreou ist wieder im Spiel. Mit Schläue und Dreistig­keit hat sich der griechi­sche Premier aus der Schuss­linie manöv­riert, plötz­lich sind die Konser­vativen in der Defen­sive. Es scheint, als bliebe Papan­dreou im Amt — und gewönne gar neue Partner hinzu. Chronik eines Coups. SPIEGELONLINE POLITIK, 5.11.2011
[HTML] Gerhard Schröder: "Die Konservativen handeln unverantwortlich". Der frühere Bundes­kanzler Gerhard Schröder vertei­digt den griechi­schen Minis­terprä­sidenten Giorgos Papan­dreou und seinen Spar­kurs. Im Inter­view plädiert er für eine europä­ische Wirt­schafts­regie­rung.  Handelsblatt , 5.11.2011
[HTML] Griechenland-Krise: Bankenkontrolle wird verschärft. Die 20 führenden Indus­trie- und Schwellen­länder (G-20) stemmen sich gemeinsam gegen eine Auswei­tung der Euro-Krise und einen Einbruch des welt­weiten Wirt­schafts­wachs­tums. De facto stand das Treffen der mächtig­sten Regie­rungs­chefs der Welt ganz unter dem Eindruck der drama­tischen Ereig­nisse in Athen. news ORF.at, 5.11.2011. • Aber sie alle fanden keinen Ausweg aus der immer gefähr­licher werdenden Situ­ation • der IWF erhält als Kredit­geber und Finanz­kontrol­leur eine stär­kere Rolle in der europä­ischen Schulden­krise • er soll nicht nur Krisen­länder (z.B. Italien) über­wachen, sondern künftig auch zusätz­liche Kredite an europä­ische Wackel­kandi­daten vergeben können • Italien könnte rund 45 Mrd. € erhalten, falls es kurz­fristig in Zahlungs­schwierig­keiten kommt • die frei­willigen Einlagen von Ländern beim IWF sollen erhöht werden • in einem Aktions­plan zur Stär­kung der Welt­wirt­schaft verpflichten sich Defizit­länder zum Schulden­abbau und Export­mächte wie China oder Deutsch­land zur Stär­kung ihrer Inlands­nach­frage • gegen Speku­lations­geschäfte und Steuer­sünder müssen Schatten­banken (wie z.B. Hedge­fonds) mit Auflagen und Aufsicht rechnen — dazu werden 11 Finanz­plätze ins Visier genommen • 29 Finanz­häuser werden als „systemrelevante“ Banken einge­stuft und müssen nun ihr Eigen­kapital erhöhen • aufgrund US-ameri­kani­schem und briti­schem Neins sind die Pläne für die Einfüh­rung einer globalen Banken­abgabe auf Finanz­geschäfte geschei­tert • Probleme wie der Hunger in der Welt sind wegen der Euro-Krise ganz in den Hinter­grund gerückt
[HTML] Rückkehr zur Drachme: Experte empfiehlt Athen Euro-Austritt an Weihnachten. Währungs­experte Neumann rät Grie­chen­land, eine Rück­kehr zur Drachme heim­lich vorzu­bereiten. Für den Schritt müsste das ganze Land abge­schottet werden. WELT ONLINE, 5.11.2011. • Hans-Werner Sinn (Präsi­dent des Münchner Ifo-Insti­tuts) sieht keinen Nutzen mehr in einem Verbleib Grie­chen­lands in der Euro-Zone • dort könnten sie nicht wettbe­werbs­fähig werden: sie müssten ihre Löhne um die Hälfte senken, was nur durch Austritt und Abwer­tung geht • Manfred Neumann (Währungs­experte Univer­sität Bonn): „Am besten führt man die Währungs­reform an den Weih­nachts­feier­tagen durch” um das panik­artige Abräumen der Euro-Gut­haben bei Banken zu vermeiden • zur Abschot­tung des Landes müssten die Grenzen geschlossen werden (einschließ­lich Flug- und Bahn­verkehr), und Bank­uuml;berwei­sungen wären verboten • „Um die neuen Scheine zu drucken, braucht man etwa drei Tage.” — daher empfehlen sich die Weih­nachts­feier­tage • Minis­terprä­sident Papan­dreou will nun eine Regie­rung der natio­nalen Einheit bilden, um den Bank­rott abzu­wenden • unklar bleibt noch, wie sich die wichtigste Opposi­tions­partei Nea Dimo­kratia (ND) verhält • die klei­neren Parteien (die Kommu­nisten, das Bündnis der Linken und die ultra­konser­vative Völki­sche Ortho­doxe Gesamt­bewe­gung) sperren sich genauso gegen eine Koope­ration mit den Sozia­listen oder äußern sich nicht klar dazu
[HTML] J. Dams, J. Hildebrand: Reserve der Notenbank: Euro-Retter schielen auf Goldschatz der Bundesbank. Um den Rettungs­schirm EFSF zu stützen, sollen die Reserven der Noten­banken herhalten. Auch der Gold­schatz der Bundes­bank könnte angezapft werden. WELT ONLINE, 5.11.2011
[HTML] S. Schnyder: «Griechenland funktioniert wie seinerzeit die Sowjetunion».[!] Der Grieche Harris Dellas lehrt an der Univer­sität Bern Volks­wirt­schaft. Seine Analyse der Lage in Grie­chen­land ist ernüch­ternd. Das Land benö­tige zwei drin­gende Reformen. BaslerZeitung, 5.11.2011. • Sarkozy und Merkel sind es, die Grie­chen­land eine Rettungs­leine zuge­worfen haben • die Opposi­tions­partei Neue Demo­kratie ist genau so populis­tisch wie die Regie­rungs­partei und fährt eben­falls einen Konfron­tations­kurs • ein Austritt Grie­chen­lands aus der Euro­zone hätte verhältnis­mässig geringe Konse­quenzen für die Euro­zone, aber wäre für Grie­chen­land eine Kata­strophe: Hyper­infla­tion, soziale Unruhen und ein Reform­stopp wären die Folgen • die Haus­halte und der griechi­sche Staat haben über Jahre weit über ihre Verhält­nisse gelebt • die meisten Poli­tiker sind inkom­petent und korrupt und verdienen kein Vertrauen • „Das Problem der griechi­schen Poli­tiker besteht darin, dass sie nicht verstehen, wie eine Volks­wirt­schaft funkti­oniert, über geringe Manage­ment­quali­täten verfügen und keine Visi­onen haben.” • Grie­chen­land funkti­oniert wie ein geschlos­senes System: der Aufstieg ist nur möglich, wenn man über politi­sche Bezie­hungen verfügt • die Gesell­schaft fällt ausein­ander und die Mittel­klasse droht zu verschwinden • die Leute werden immer zyni­scher, und die Gewalt nimmt zu • typi­sches Merkmal des griechi­schen Charak­ters: es muss für alles einen Sünden­bock geben — so muss man nie Verant­wortung über­nehmen • in Grie­chen­land zahlt vor allem nur die untere Mittel­klasse Steuern • dabei haben viele das Gefühl, dass ihre Steuern im Staats­apparat nutzlos versi­ckern • es wäre heute einfach, eine funk­tionie­rende Steuer­verwal­tung aufzubauen, doch die Poli­tiker haben kein Inter­esse daran • es gibt eine Partei, die einen Neube­ginn verlangt: die Aktions­partei, doch sie erhält nur 1% der Stimmen • die Griechen ziehen es vor, popu­listi­schen Parteien ihre Stimme zu geben • die europä­ischen Banken waren eigent­lich gewarnt: bis vor 2 Jahren wuchs die griechi­sche Wirt­schaft stark, doch gleich­zeitig stieg das Staats­defizit • sie dachten: die Deut­schen als „Wächter des Euro-Stabi­litäts­pakts” werden die Grie­chen schon in die Schranken weisen • Grie­chen­land funktio­niert wie seiner­zeit die Sowjet­union: die Staats­unter­nehmen sorgen für den Gross­teil der Wirt­schafts­leis­tung und die Privat­wirt­schaft ist stark regu­liert • die Grie­chen miss­trauen dem Markt zutiefst, und die kommu­nisti­sche und die stali­nisti­sche Partei haben zusammen einen Stim­menan­teil von 10% • Agenda: Grie­chen­land muss sich vom Krebs des zu grossen Staats­sektors befreien, d.h. zuerst die Unter­nehmen in Staats­besitz privati­sieren • die Jugend­arbeits­losig­keit beträgt 40% • nötig wären auch Wett­bewerbs­regeln, um die Kartelle zu zerschlagen • die Verwal­tung müsste profes­siona­lisiert werden • auf diese Weise ließen sich die Steuer­einnahmen verdop­peln oder gar verdrei­fachen
[HTML] Bankkunden-Krise: Nach HSBC: Systemcrash auch bei der Royal Bank of Scotland. Nach der HSBC gab es am Samstag auch bei der Royal Bank of Scot­land einen totalen System­ausfall. Ausge­rechnet am „Bank Transfer Day“, einem Protesttag, an dem Kunden angekün­digt hatten, ihre Konton zu verlegen. Deutsche Mittel­stands­Nach­richten, 6.11.2011
[HTML] Griechenland: Papandreou ruft zur Einheit auf — Opposition schert aus. Die Vertrau­ensfrage hat er über­standen, nun macht sich Grie­chen­lands Premier Papan­dreou an die nächste schwie­rige Aufgabe: In Athen bereitet er die Bildung einer natio­nalen Einheits­regie­rung vor. Doch Opposi­tions­führer Samaras torpe­diert die Verhand­lungen. Seine Blocka­dehal­tung nervt inzwi­schen auch Europas Konser­vative. sueddeutsche.de, 5.11.2011
[HTML] W. Hankel: Deutschland: Diktatur auf leisen Sohlen. JUNGE FREIHEIT, 6.11.2011. • Das Euro-Ret­tungs­theater wird spätes­tens dann geschlossen, wenn sich die „zusam­menge­hebelte“ Euro-Ret­tungs­fonds-Billion als unzurei­chend erweist, um aus den Schulden der Krisen­länder in letzter Instanz deut­sche zu machen • zu den Sanie­rungs­kandi­daten Grie­chen­land, Portugal und Irland werden Schwer­gewichte wie Italien und Spanien dazu­kommen, mit Sicher­heit Belgien und viel­leicht sogar Frank­reich • auch dem Publikum ist klar, daß der Euro so nicht gerettet werden kann, denn selten hat eine Poli­tiker­genera­tion weniger Klar­sicht und mehr Konzep­tions- und Ratlo­sigkeit gezeigt • die Sparer werden ihr Geld bei den Banken abheben, um es in „Real­werten“ anzu­legen: Immobi­lien, Rohstoffen, Gold und Aktien • zurück bleiben vor dem Konkurs stehende Staaten und Banken • es gibt in der Geschichte des Geldes keinen einzigen Fall, in dem eine Währung an Staats­schulden oder Bank­pleiten geschei­tert wäre • die Währungs­union hätte eine Fiskal­union zwangs­läufig nach sich ziehen müssen • die deut­sche Kanzlerin bleibt unbe­lehrbar, indem sie Finanz­märkte, Rating­agen­turen und angeb­liche Machen­schaften profit­gieriger Speku­lanten verteu­felt • mit dem Kredit-Risiko stei­gende Zinsen und Kurs­siche­rungs­kosten zeigen nur die reale Gefah­renlage an, schützen Anleger und Inves­toren vor Verlusten und ermög­lichen den Rettern, rasch und richtig zu handeln • mit ihren Budget-Dik­taten besei­tigen die Euro-Retter in den Schulden­staaten die Demo­kratie • die bislang noch der Krise trot­zenden Nord-Staaten der EU können weder mit gren­zenlos eskalie­renden Staats­schulden noch der offenen Entwer­tung des Euro leben • dieser Wahn­sinn muss gestoppt werden!
[HTML] mrs: Reiseveranstalter rüsten sich für den Währungswechsel. Wirt­schafts­experten raten Grie­chen­land zu einer Rück­kehr zur Drachme. Europä­ische Reise­unter­nehmen sichern sich nun vertrag­lich gegen den Währungs­wechsel ab. So auch ein erster Anbieter in der Schweiz. Tages-Anzeiger, 6.11.2011
[HTML] T. Schmitt, M. Detering: Krise für Versicherer ist schlimmer als 2008. Eiopa-Chef Bernar­dino warnt vor großem Druck auf die Branche, falls sich die Krise ausweitet. Einen mögli­chen Schulden­schnitt auf griechi­sche Anleihen von 50 Prozent hält er bisher aller­dings für „mana­gebar”.  Handelsblatt , 6.11.2011
[HTML] Deutsche-Bank-Chef im "Bericht aus Berlin": "Wir müssen Griechenland im Euro behalten". tagesschau.de, 6.11.2011. • Josef Acker­mann (Deut­sche-Bank-Chef): nach dem Schulden­schnitt müsse Grie­chen­land geholfen werden, seine Wirt­schaft wieder auf Wachs­tums­kurs zu bringen: „eine Art Marshall-Plan für Grie­chen­land” • an einen Austritt des Landes aus dem Euro mochte er gar nicht denken: „Das wäre ein ganz drama­tisches Ergeb­nis” • am gefähr­lichsten sei die Gefahr einer Anste­ckung auf andere Länder — vor allem Italien • das Land müsse endlich seinen Haus­halt in Ordnung bringen • die Finanz­kraft des Rettungs­fonds müsse deut­lich gestärkt werden — aber ohne die Goldre­serven der Bundes­bank dafür anzu­zapfen • er verwies auf die Vorteile der nun gefun­denen Versi­cherungs­lösung: damit über­nimmt der Rettungs­fonds zum Teil das Ausfall­risiko von Staats­anleihen einiger Euro-Länder • die Deut­sche Bank werde ihre Eigen­kapital­quote schnell auf 9% ihrer Bilanz­risiken aufsto­cken
[HTML] cte/Reuters/dpa: Italien: Anleger zweifeln an Berlusconis Sparversprechen. Es sollte ein Befrei­ungs­schlag sein, doch die Anleger trauen Italien wenig zu: Die Regie­rung von Silvio Berlus­coni lässt sich künftig vom Inter­natio­nalen Währungs­fonds über­wachen. Die Zinsen für Staats­anleihen sind dennoch gestiegen — und errei­chen neue Rekord­werte. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 7.11.2011. • Das Abstoßen von italie­nischen Staats­anleihen durch viele Inves­toren trieb die Renditen auf den höchsten Stand seit 1997 • die Risi­koauf­schläge waren damit so hoch wie noch nie seit Einfü­hrung des Euro • mit Schulden in Höhe von 120% der Wirt­schafts­leis­tung gehört Italien zu den Sorgen­kindern der Euro-Zone • die Berlus­coni-Regie­rung setzt die verspro­chenen Sparmaß­nahmen nur zögernd um • künftig soll der IWF Berlus­conis Sparpo­litik über­wachen • José Manuel Gonzalez-Paramo (EZB-Direk­tori­umsmit­glied) warnte: „Die italie­nischen Probleme sind aber zunächst Sache der Itali­ener, und nur sie werden sie lösen.” • Beob­achter: Berlus­coni wird bei einer zentralen Haus­halts­abstim­mung am Dienstag im Parlament in Rom keine Mehr­heit mehr bekommen • weiteres Zeichen: die gestie­genen Einlagen der Banken bei der EZB • diese Einlagen gelten als Indi­kator für das Miss­trauen der Insti­tute unter­einander • der direkte Handel zwischen den Banken ist ins Stocken geraten
[HTML] A. Reimann, H. Schwerdtfeger: Die Folgen einer Griechen-Pleite für Anleger. Falls Grie­chen­land die Euro-Zone verlässt, wäre der Bank­rott die Folge. Was bedeutet das für die verschie­denen Anlage­formen, was machen Großan­leger in dieser Situa­tion? wiwo.de, 7.11.2011
[HTML] M. Fischer: Lucas Papademos: Ein Priester für das Volk. Lucas Papa­demos könnte der Chef der neuen griechi­schen Über­gangs­regie­rung werden. Wer ist der neue starke Mann in Athen? wiwo.de, 7.11.2011
[HTML] M. Kreutzfeld: Schulden vergemeinschaften: Wirtschaftsweise fordern Euro-Fonds. Die Sachverständigen plädieren für einen „Schuldentilgungsfonds” — ein Modell, das der Idee der Eurobonds ähnelt. Kanzlerin Merkel ist skeptisch. taz.de, 9.11.2011
[HTML] dpa: Vorschlag des Sachverständigenrats: Merkel gegen „Schuldentilgungspakt“. Die Wirt­schafts­weisen haben für eine „glaub­hafte Sanie­rung“ der Staats­finanzen in der Euro-Zone einen „Schulden­tilgungs­pakt“ vorge­schlagen. Angela Merkel winkt ab. Der Plan sei „auf gar keinen Fall möglich”. FAZ.NET, 9.11.2011
[HTML] I. Narat: Paul Krugman: „Die EZB muss sehr radikale Dinge tun”.[!] Die Euro-Krise ist eine "Extrem­lage", der sich auch die EZB nicht entziehen kann, ist Nobel­preis­träger Krugman über­zeugt. Deshalb muss sie sich vom Primat der Preis­stabi­lität lösen und Staats­finan­zierer werden.  Handelsblatt , 11.11.2011
[HTML] R. Strassburg: Die Übersetzung des Interviews mit James Galbraith.[!] NachDenkSeiten, 11.11.2011. • Galbraith berichtet über eine 2-tägige Konfe­renz an der Univer­sität Texas in Austin mit einer Gruppe von 20 Spezia­listen (u.a. Yanis Varou­fakis und Heiner Flass­beck) über die Krise in der Euro­zone • zunächst stimmten alle darin überein, dass es sich primär um eine Bankenkrise, also eine Krise des Finanzsystems handelt • die Krise zerstört die Wirt­schaften an der europä­ischen Peri­pherie, während sie sich bisher relativ wenig auf das europä­ische Zentrum auswirkt • sie hat sich aus den Unzu­läng­lich­keiten der europä­ischen Archi­tektur und der dahinter stehenden, während der Schaf­fung der Euro­zone herr­schenden Ideo­logie entwi­ckelt, die sich offen­kundig als unzu­läng­lich erwiesen hat im Umgang mit den Schuldner-Gläu­biger-Bezie­hungen, die in Europa heute exis­tieren • wenn zwischen 2 Part­nern länger­fris­tige Verschul­dungs­bezie­hungen entstehen, gibt es nur 2 Wege, damit umzu­gehen: 1) dass sich einer der Partner konti­nuier­lich refinan­ziert (z.B. die USA bei China), oder 2) dass der Gläu­biger die Schuld abschreibt • Europa hat sich beiden Wegen verwei­gert, mit dem Ergebnis, dass der Versuch, die Schulden abzu­zahlen, die Wirt­schaften in der Schuld­nerzone zerstört • wie Heiner Flass­beck und von Jörg Bibow zeigten, hat Deutsch­land seit der Schaf­fung des Euro eine Politik von Null-Lohn­wachstum verfolgt und damit Handels­ungleich­gewichte zwischen Deutsch­land und anderen Ländern heraufbe­schworen • mit einem enormen Anstieg sowohl der deut­schen Wettbe­werbs­fähig­keit als auch des deut­schen (Außen-)Handels­über­schusses gingen korres­pondie­rend Haus­halts­defi­zite und anstei­gende Verschul­dung in den anderen Ländern einher • diese Ungleich­gewichte haben irgend­wann das Problem herbei­geführt • die europä­ischen Struktur­fonds erwiesen sich als völlig unzurei­chend, um den dann einge­tretenen Grad der Konzen­tration von Aktivi­täten im Zentrum Europas zu kompen­sieren • es werden also mehr ausglei­chende Finanz­ströme benö­tigt • das Problem entsteht, wenn der finan­zielle Ausgleich zu Bedin­gungen erfolgt (kommer­zieller Kredit, Zinszah­lungen und Aussicht auf eine Rück­­zahlung), zu denen eine Rück­zahlung nicht geleistet werden kann, weil die Zustände sich nicht ändern werden • es muss gesi­cherte, routi­nenmä­ßige finan­zielle Flüsse geben, z.b. durch eine Transfer­union • der Prozess zur Umwand­lung einer nicht funk­tionie­renden bi-regio­nalen Wirt­schaft in eine einzige, kohä­rente natio­nale Einheit, wie es ihn beim Zusammen­wachsen inner­halb der USA (und beim Aufbau Deutsch­lands nach 1871) gegeben hat, ist in Europa noch nicht abge­schlossen • zur aktu­ellen Krise haben Yanis Varou­fakis und Stuart Holland einen Vorschlag ausgear­beitet, die Maas­tricht-konformen Verbind­lich­keiten der Länder der Euro­zone (60% des BIP) in Verbind­lich­keiten der EZB zu konver­tieren, auf gemein­samer Basis und bei einer gemein­samen nied­rigen Zins­rate heraus­gegeben — aber durch die einzelnen Regie­rungen bedient • das kann den Druck der Kredit­märkte auf die Länder der Euro­zone erheb­lich redu­zieren und in sehr weitem Umfang voll­ständig elimi­nieren • zudem sollte das Banken­system auf europä­ischer Ebene rekapi­tali­siert werden • außerdem sollte die Europä­ische Inves­titions­bank als Quelle für ein Inves­titions- und Entwick­lungs­programm genutzt werden • das ergäbe eine Art minimal ausrei­chende Heran­gehens­weise zur Lösung der unmittel­baren finanziellen Krise • Banker sollten eigent­lich nur Spezia­listen sein, die darauf trai­niert sind, Geschäfts­risiken und Profit­poten­tiale zu evalu­ieren und dezen­trali­siert mitein­ander im Wett­bewerb zu stehen • das Problem mit dem gegen­wärtigen Banken­system ist: es handelt sich um eine Ansamm­lung an Ausnut­zern von Regulie­rungs­unter­schieden, Umge­hern von Steuern, von Verpa­ckern und Verkäu­fern von zweifel­haften, in vielen Fällen betrüge­rischen Instru­menten, von Zombie-Insti­tuti­onen, deren Funktion darin besteht, bei Null-Zinsen von der Zentral­bank Geld zu leihen und es an die Regie­rungen zu wesent­lich höheren Zinsen weiter­zugeben und die Diffe­renz einzu­streichen • dann befinden sie sich natür­lich in einer Posi­tion, in der sie gerettet werden müssen, wenn die Anleihe­preise fallen • die USA haben den größten finan­ziellen Betrug der Geschichte, die Entwick­lung des Häuser­finan­zierungs­markts, zuge­lassen und es erlaubt, dass gefälschte Hypo­theken gewa­schen und an vorwie­gend europä­ische Inves­toren abge­setzt wurden • wenn man sich aber ansieht, was in Irland geschehen ist, war ein in quali­tativer Hinsicht durchaus vergleich­barer Grad von Verant­wortungs­losig­keit auf Seiten der Geld­geber vorhanden • der Häuser­boom in Spanien wies, zumin­dest in makro­ökono­mischer Hinsicht, ähnliche Charak­teris­tika auf • es ist wohl fair zu sagen, dass es bei jedem Kredit-Boom eine inhä­rente Krise in der einen oder anderen Form gibt und in allen Fällen die Verant­wortung zwischen den Schuld­nern und den Gläu­bigern zu verteilen ist — das ist die zu erwar­tende Konse­quenz von kredit­getrie­bener Expan­sion • „eine unhalt­bare Verschul­dung ist nun einmal unhaltbar, die Frage ist nur, wer dafür bezahlt.” • wie sollte ein Schnitt bei den griechi­schen Schulden eine tatsäch­liche Erleich­terung für die griechi­sche Wirt­schaft bewirken können? • ein Schnitt kann jedoch die Menge redu­zieren, die die Deut­schen und die Fran­zosen durch Grie­chen­land leiten müssen, um die Eigen­tümer der Grie­chen­landan­leihen zu bezahlen • die Verlierer des Haircut sind die griechi­schen Pensions­fonds und die griechi­schen Banken, die die Anlagen über Wert gekauft haben • die griechi­sche Wirt­schaft braucht aber Reformen und Geld — nur mit einer Kürzungs­politik wird es noch schlimmer • Maßnahmen, die nur der griechi­schen Regie­rung Geld verschaffen, bleiben eine einma­lige Ange­legen­heit — sie werden der griechi­schen Bevöl­kerung kaum Vorteile bringen • über die Qualität des Beratungs­gremiums der Bundes­bank möchte ich mich nicht in einer Weise äußern, die zitiert werden könnte;  [Film] James K. Galbraith im NachDenkSeiten-Interview. NachDenkSeiten, 8.11.2011
[HTML] A. Frachon: Schuldenkrise: Das Zauberwort lautet „Geld drucken”.[!] Der Weg aus der Euro­krise ist eigent­lich ganz einfach: Wenn nichts mehr geht, dann soll die Europä­ische Zentral­bank den Staaten zu Hilfe kommen. Aber diese von vielen Wirt­schafts­experten empfoh­lene Lösung stößt bei der Bank auf Wider­stand. Ein rein ideo­logi­scher Starr­sinn. presseurop / Le Monde (aus dem Franzö­sischen von Martina Ziegert), 14.11.2011. • Wirtschaftsexperten: um die Eurokrise einzudämmen, würde es reichen, wenn die EZB deutlich sagen würde, dass sie als letzen Ausweg die Rolle des Kreditgebers für die am höchsten verschuldeten Mitgliedsländer der Währungsunion übernehmen würde • die Märkte könnten in Schach gehalten werden, und es wäre völlig egal, was die Rating-Agenturen erzählen • man könnte die Daumenschraube der Sparpolitik ein wenig lockern, damit das Wachstum fördern, und damit den Abbau der Schulden erleichterndie EZB hat beim Geld unbegrenzte Ressourcen — was die Spekulation abschrecken würde, die Märkte stabilisieren und die Zinssätze begrenzen würde • bei der genannten Zusicherung der EZB würden Aufkäufe durch die Bank die Zinssätze auf ein vernünftiges Niveau sinken lassen • außerhalb der Eurozone, beispielsweise in den USA, in Großbritannien oder Japan, würde die Zentralbank keine Sekunde zögern • die EZB jedoch ist an die Doktrin der Gewaltenteilung gebunden: die Bank kümmert sich um das Geld, die Regierung um den Haushalt (die Bank garantiert die Währungsstabilität, die Regierung kümmert sich um ihre Schulden) • Jean-Paul Fitoussi (Forschungsleiter am Pariser Wirtschaftsforschungsinstitut OFCE): dass die EZB dem Staatshaushalt nicht unter die Arme greifen darf, „Das ist pure Ideologie” • Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman, Jeffrey Sachs oder Kenneth Rogoff sagen alle das gleiche: „Wenn die EZB die europäischen Schulden übernehmen würde, wäre die Krise in den Griff zu bekommen.” • für die Verfechter der Gewaltenteilung gilt: direkter Kauf der Schulden eines Staates durch die Zentralbank = Einschalten der Notenpresse = Inflation mit ständiger Geldabwertung • sie fürchten auch, dass die laxe Haushaltsführung noch gefördert wird, wenn man schon im Vorfeld die Schulden unverantwortlich handelnder Regierungen garantiert • Jean-Paul Fitoussi und Paul Krugman glauben aber nicht an eine drastische Inflation im europäischen Wirtschaftsraum • um zu verhindern, dass eine Lockerung der Währungsdoktrin der EZB zur Verschuldung einlädt, muss sie nur von einer strikten Haushaltdisziplin begleitet werden • Paul Krugman: die Europäer haben hoch entwickelte Gesellschaften auferstehen lassen, die heute gefährdet sind, „nur weil die europäische Elite […] den Kontinent an ein Währungssystem fesselt, das vor Starrheit trotzt […]”
[HTML] W. Münchau: Schuldenkrise: Der fatale Euro-Dominoeffekt.[!] SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 16.11.2011. • Der Grund dafür, dass schon bald ein Staat nach dem anderen kippen könnte, ist das kata­stro­phale Krisen­manage­ment in Europa • bei uns hat kein Politiker und kein Berater sich die Mühe gemacht, aus der argen­tini­schen oder asia­tischen Schulden­krise zu lernen — bei uns lernt nicht einmal jemand aus seinen eigenen Fehlern • man unter­schätzt die Konse­quenzen eines Austritts Grie­chen­lands • folge­rich­tiger Schluss der Inves­toren: auf diesen Euro-Gipfeln wird grund­sätz­lich gelogen • Fazit: wenn sich die wirt­schaft­liche Lage Grie­chen­lands und die politi­sche Stim­mung Deutsch­lands ändern, werden auch die Besitzer portu­giesi­scher und italie­nischer Staats­anleihen zur Kasse gebeten — schon werden in ganz Südeu­ropa die Guthaben von den Banken abge­zogen • wirk­liches Problem: wenn Grie­chen­land den Euro-Raum verlässt, dann verlieren die Anleger in griechi­sche Staats­anleihen ihre gesamten Inves­titi­onen • welcher Investor kauft dann noch portu­giesi­sche, spani­sche oder italie­nische Anlei­hen? • es ist eine Frage mathe­mati­scher Unaus­weich­lich­keit, dass Italien seine Schulden nicht bedienen kann, wenn die Zinsen nicht sinken • bei der Kata­strophe eines griechi­schen Austritts aus dem Euro gibt es keinen Plan, wie man dann um den Rest des Euro-Raums eine Schutz­mauer ziehen kann • dann kippt auch Portugal, und das Domino­spiel geht weiter • dann sind die unge­liebten Euro-Bonds und die noch unbe­lieb­tere Preisga­rantie durch die EZB ohne Alter­native • wichtigste Lektion der Krisen­politik in Argen­tinien war: man muss die Krise früh­zeitig und entschlossen lösen • aber Angela Merkel und ihre Kollegen handeln immer erst dann, wenn die Märkte in Panik ausbre­chen • kippt erst einmal der letzte Domino, dann ist es aus mit dem Euro
[HTML] dab/dpa-AFX/Reuters/dapd: Deutschlands Schulden: Juncker lästert über Merkels Minus. Deutsch­land präsen­tiert sich in der Schulden­krise als Muster­schüler. Doch so toll wirt­schaften Merkel und Co. nicht, rügt Euro-Gruppen-Chef Juncker. Berlins Verbind­lich­keiten seien zu hoch — und die Deut­schen sollten sich mit guten Ratschlägen zurück­halten. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 16.11.2011
[HTML] M. Frühauf, S. Ruhkamp: Schuldenkrise: Geschäft der Banken bedroht.[!] Die Erfah­rung, dass der Staat nicht immer ein sicherer Schuldner ist, versetzt die Banken in Aufruhr. Ohne die Fiktion der „risiko­losen Anlage” müssen die Banken umdenken. FAZ.NET, 16.11.2011. • Die mit dem Ausein­ander­driften der Risi­koprä­mien für Euro-Staats­anleihen verbun­denen Kursver­luste bringen manche Bank an den Rand des Abgrunds • mancher an Unter­nehmen verge­bene Kredit wird dadurch zum Verlust­bringer, dass die Risi­koprä­mien für viele Banken schon über denen von Indus­trie­unter­nehmen liegen • Joseph Acker­mann: das Prinzip der Risiko­frei­heit von Staats­anleihen ist gebro­chen • so sei es frag­lich, was Geschäfts­partner künftig noch als ausrei­chende Sicher­heit akzep­tieren würden • Wolf Schu­macher, Vorstands­chef der Aareal Bank: Versi­cherer, Banken und Alters­vorsor­geein­rich­tungen bräuchten risiko­arme Anlage­klassen • umge­kehrt benö­tigten die Regie­rungen drin­gend private Geld­geber zur Finan­zierung ihrer Staats­haus­halte • da die Banken es gewohnt sind, Wertpa­piere als Sicher­heit zu verwenden, ist das Vorhan­densein einer risiko­losen Anlage­klasse von zentraler Bedeu­tung • wenn der Wert der Sicher­heit keine feste Größe mehr ist, bedeutet das höhere Kosten • auch sind die Banken von den staat­lichen Aufsichts­behörden verpflichtet, eine Liqui­ditäts­reserve zu halten: das können zwar auch Bargeld oder Zentral­bankgut­haben sein, doch galten Staats­anleihen für Gene­rati­onen von Bankma­nagern als lukra­tivere Form der liquiden Anlage • für die Banken haben sich Risiken in der Bilanz stark erhöht • ein Bankma­nager: „Jede Kurser­holung italienischer Staats­anleihen wird gegen­wärtig genutzt, das Engage­ment weiter zu redu­zieren” • Oliver Bäte (Control­lingvor­stand der Allianz) schlägt die Unter­teilung in unter­schied­liche Risiko­klassen vor • bis zu einem Anteil der Staats­verschul­dung an der jähr­lichen Wirt­schafts­leis­tung von 70% oder 80% könne ein Land seine Anleihen dann als voll­ständig abge­sichert dekla­rieren
[HTML] J. Dams, M. Greive, H. Zschäpitz: Die Welt: Barroso dringt auf Euro-Bonds. EU-Kommis­sion bringt alte Idee ins Spiel. Brüssel bezwei­felt, dass der Rettungs­schirm EFSF in der Realität funktio­nieren wird. Italiens Banken geraten immer stärker unter Druck und bitten bei der EZB um leich­teren Zugang zu Liqui­dität. WELT ONLINE, 17.11.2011. • Mit der Ankunft der Euro-Krise in der Wirt­schaft suchen Europas Banken mittler­weile stär­kere Hilfe bei der EZB • Italiens Groß­banken möchten, dass die EZB den Rahmen an Wertpa­pieren erwei­tert, den die Banken im Gegenzug für Kredite als Sicher­heit hinter­legen müssen • in Brüssel wird daher erneut die Idee der gemein­samen europä­ischen Staats­anleihen, Euro-Bonds, disku­tiert, die Deutsch­land und Frank­reich ablehnen • die Über­nacht-Einlagen der Banken bei der EZB stiegen zwischen Freitag und Dienstag von 122 auf 189 Mrd. € an (55% mehr!) • diese Einlagen werden mit 0,5% nur sehr gering verzinst • die Kredit­insti­tute strei­chen auch in großem Ausmaß Stellen • die italie­nische UniCredit musste einen Riesen­verlust von fast 11 Mrd. € im 3. Quartal verbu­chen und muss nun um ihr "A2"-Rating fürchten • eine weitere Gefahr geht von den Kredit­ausfall­versi­cherungen (CDS) aus • EU-Kommis­sions­präsi­dent Barroso denkt an die Neuauf­lage des Themas Euro-Bonds • Gefühl in Brüssel, dass der erwei­terte Krisen­fonds EFSF in der Realität nicht funktio­nieren wird • er hat schon jetzt Probleme, Kapital am Markt aufzu­nehmen • wenn er erst einmal gehe­belt ist, dürfte es noch schwieriger werden
[HTML] L. Knappmann: Wege aus der Schuldenkrise: Merkel gegen den Rest Europas. Euro-Bonds? Nein! Ein stär­keres Eingreifen der Europä­ischen Zentral­bank? Auch nicht! Kanz­lerin Merkel wider­spricht allen, die in der EZB den letzten Rettungs­anker sehen. Statt­dessen wirbt sie bei den EU-Mit­glieds­staaten dafür, die europä­ischen Verträge zu ändern. sueddeutsche.de, 17.11.2011. • Kommis­sions­präsi­dent Barroso war noch einmal nach­drück­lich für Euro-Bonds und eine europä­ische Wirt­schafts­regie­rung einge­treten, um die „syste­mische Krise” zu beheben • Merkels Antwort: eine über­stürzte Verei­nigung in Europa würde die Märkte zwar kurz­fristig beru­higen, aber auch die Wett­bewerbs­fähig­keit Europas massiv beein­träch­tigen • statt­dessen verlangt sie eine Verän­derung der EU-Verträge dahin­gehend, dass die europä­ischen Insti­tuti­onen Durch­griffs­rechte auf die natio­nalen Haus­halte erhalten und ein Klage­recht gegen die Verlet­zung des Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakts einge­räumt wird • Beatrice Weder di Mauro (Wirt­schafts­weise) dazu: die erforder­liche Zeit für solche politi­schen Prozesse werden die Finanz­märkte wohl kaum gewähren • Wirt­schafts­minister Philipp Rösler unter­stützt Merkel dagegen: auch er ist für Sank­tions­möglich­keiten gegen Schulden­sünder und für Ände­rungen an den europä­ischen Verträgen — dabei hatte er Merkels Rede zuvor gar nicht zuge­hört • die Regie­rungs­chefin betont, die Dramatik der Krise in Grie­chen­land sei ein abso­luter Ausnah­mefall in Europa — ein Schulden­schnitt in anderen Ländern also ausge­schlossen
[HTML] cte/Reuters: Banken unter Druck: Schäuble warnt vor Ansteckungsgefahr für Firmen. Bislang halten sich die Folgen der Schulden­krise für die deut­sche Wirt­schaft in Grenzen. Doch nun warnt Finanz­minister Schäuble, dass die Probleme der Banken bald auch die Unter­nehmen treffen könnten. „Die Anzei­chen sind leider gegeben”, sagte er. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 17.11.2011
[HTML] S. Kaiser: Schuldenkrise: Das Märchen vom deutschen Sparweltmeister.[!] Die Bundes­regie­rung verkauft Deutsch­land in der Krise als Hort der Stabi­lität — und die Finanz­märkte glauben ihr das sogar. Doch in Wahr­heit stehen wir kaum besser da als die meisten anderen Länder. Die öffent­liche Zucht­meister­rolle ist arro­gant und gefährlich. SPIEGELONLINE POLITIK, 17.11.2011. • Die Finanz­markt­inves­toren und die deut­schen Poli­tiker gemeinsam sehen die deut­sche Finanz­politik als solide und als Vorbild für alle südeuro­päischen Schluder­länder • Mantra von Angela Merkel: wenn nur alle so toll sparen würden wie wir, gäbe es keine Probleme • die Inves­toren an den Finanz­märkten jeden­falls scheinen ihr zu glauben • die Fakten sehen ganz anders aus: die Prognose der EU-Kommis­sion für Deutsch­land 2011 mit einer Schulden­quote von 81,7% des BIP ist deut­lich höher als die 60%, die der europä­ische Stabi­litäts­pakt als Schulden­ober­grenze vorgibt • das Krisen­land Spanien ist mit einer Schulden­quote von 69,6% deut­lich näher dran • auch die Nieder­länder (64,2%) oder die Finnen (49,1%) stehen besser da • für Deutsch­land spricht nur die relativ geringe Defizit­quote, also die Neuver­schul­dung im Verhä,ltnis zur Wirt­schafts­leistung • Deutsch­land spart nicht — jetzt sind die Ausgaben im Bundes­haus­halt sogar gestiegen und werden in den kommenden Jahren bei etwa gut 300 Mrd. € liegen • dass die hiesige Wirt­schaft so glän­zend dasteht, liegt nicht an der Spar­kultur, sondern deren Gegen­teil: die dama­lige Große Koali­tion nahm 2009 Geld in die Hand, um mit Kurz­arbeit und Konjunk­turpro­gramm den Nach­frage­schock abzu­federn • in Europa werden die Deut­schen inzwi­schen als arro­gante Zucht­meister wahrge­nommen, die anderen erklären wollen, wie sie zu leben und zu arbeiten haben
[HTML] Rekordzinsen: Schuldenkrise: Spanien fordert Eingriff der EU. Spaniens Minis­terprä­sident José Luis Rodrí­guez Zapa­tero hat ange­sichts der drama­tischen Verschär­fung der Schulden­krise eine Inter­vention der Europä­ischen Union und der Europä­ischen Zentral­bank (EZB) gefor­dert. finanzennet, 17.11.2011
[HTML]dapd/Reuters/tat: Schuldenkrise: Griechische Wirtschaft schrumpft um 5,5 Prozent. Düstere Prognose für Grie­chen­land: Die heimi­sche Wirt­schaft schrumpft erneut, und auch die Arbeits­losig­keit wird deut­lich steigen. WELT ONLINE, 18.11.2011. • Haus­halts­entwurf von Evan­gelos Veni­zelos: die Arbeits­losig­keit wird dieses Jahr auf 15,4% steigen, im nächsten Jahr sogar auf 17,1% • durch den Schulden­schnitt und Priva­tisie­rungs­erlöse wird im nächsten Jahr das Haus­halts­defizit auf 5,4% der Wirt­schafts­leis­tung gesenkt — ohne den teil­weisen Forde­rungs­verzicht privater Gläu­biger würden es 6,7% sein • durch die Priva­tisie­rung von Staats­unter­nehmen sollen 2012 rund 9,3 Mrd. € einge­nommen werden • der Schulden­stand wird von 161,7% der Wirt­schafts­leis­tung 2011 auf 145,5% in 2012 fallen
[HTML] T. Schmoll: Schuldenkrise: Deutschlands Kampf gegen die Bazooka. Spätes­tens seit Spanien nach der EZB als Retter in der Finanznot gerufen hat, ist klar: Der Kampf um die Zentral­bank ist voll entbrannt. Kanz­lerin Merkel hat einen wich­tigen Verbündeten: Mario Draghi. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 18.11.2011
[HTML] Schuldenkrise: Briten drosseln Geldfluss in Euro-Krisenländer. Die Insu­laner beginnen offenbar den finan­ziellen Rückzug aus der Euro-Zone. Während die Noten­bank die Finan­zierung der eigenen Insti­tute sichert, ziehen die sich langsam aus den Krisen­ländern zurück. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 18.11.2011
[HTML] Schuldenkrise: Draghi, Weidmann und Ackermann reißt der Geduldsfaden. Große Namen, große Vorwürfe: Die drei Banker rechnen mit den Poli­tikern der Euro-Zone ab. Den dreien zufolge ist der Ruf nach der EZB-Ba­zooka überzogen — die lang­same Umset­zung der beschlos­senen Schritte mache die Lage gefähr­lich. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 18.11.2011
[HTML] Kapitalflucht: Nun erschüttert die Schuldenkrise auch Osteuropa. An den Börsen in Warschau, Prag und Buda­pest geht das große Zittern um. Mehrere Aktien­indizes sind bis zu einem Drittel abge­stürzt. WELT ONLINE, 18.11.2011. • Während die West­euro­päer versu­chen, das Schulden-Domino zu stoppen, flackern in Osteu­ropa neue Krisen­herde auf — vor allem in Ungarn • die ungari­sche Landes­währung Forint stürzte vorüber­gehend auf einen Kurs von 318 zum Euro ab — das gleiche nied­rige Niveau wie 2009 • zum Wochen­schluss erholten sich Forint und Aktien in Buda­pest dank Gesprächen mit IWF und EU über Finanz­hilfen • Ungarn gilt wegen einer Staats­verschul­dung von 76% als das finan­ziell anfäl­ligste Land in Osteu­ropa • das Problem sind auch Firmen und Private, die in der Kreide stehen bei Toch­terge­sell­schaften west­europä­ischer Banken, die jetzt ihr Geschäft zurück­führen müssen • für Ungarn stellt auch die private Verschul­dung in Fremdwäh­rungen eine Gefahr dar — in gerin­gerem Maße auch in Polen, Kroatien und Rumä­nien • die ungari­sche Regie­rung erließ ein drasti­sches Gesetz, das den Bürgern eine vorzei­tige Tilgung der Fremd­währungs­kredite zu einem deut­lich günsti­geren Wechsel­kurs erlaubt — zu Lasten der auslän­dischen Banken • Polen (Schulden­quote 56%) und Tsche­chien (Schulden­quote 44%) sollen aber nach wie vor auf solidem wirt­schaft­lichen Funda­ment stehen • da die Region wirt­schaft­lich eng mit dem Westen verbunden ist, hätte ein länger­fris­tiger Abschwung in den Kern­ländern der EU dennoch ernste Folgen • wegen der nied­rigen Lohn­stück­kosten sind osteu­ropä­ische Staaten für west­liche Firmen weiterhin attrak­tive Produk­tions­stand­orte • Gefahr: eine allge­meine Risiko­flucht würde wohl im großen Stil zum Abzug von Kapital aus den jungen Markt­wirt­schaften führen
[HTML] C. Kahlweit: Schuldenkrise in Ungarn: Kehrtwende in Budapest. Brüsk hatte Ungarn wieder­holt die Hilfs­ange­bote des Inter­natio­nalen Währungs­fonds zurück­gewiesen. Jetzt bittet Ungarn doch um Unterstüt­zung — wehrt sich aber weiterhin gegen die harten Auflagen des IWF. sueddeutsche.de, 18.11.2011. • Nachdem die 3 großen Rating-Agen­turen Ungarns Bonität auf 1 Stufe über Ramsch-Niveau zurück­gestuft hatten, hatte die ungari­sche Regie­rung zunächst noch Gedanken an eine neue Hilfe des IWF zurück­gewiesen • am Donnerstag nun kündigte die Regie­rung an, man werde neue Verhand­lungen mit dem IWF aufnehmen • aller­dings solle Ungarns Unab­hängig­keit nicht berührt werden • 2008 hatte das Land rund 20 Mrd. € an Hilfs­krediten aufnehmen müssen • Premier Viktor Órban hatte sich aber immer wieder über die Vorgaben des IWF erregt und die Zusam­menar­beit mit dem Fonds aufge­kündigt • viele seiner angekün­digten Sparmaß­nahmen wurden nicht umge­setzt oder griffen nicht • die Staats­verschul­dung ist allein im 3. Quartal von 75% auf 82% der Wirt­schafts­leis­tung gestiegen • Experten rätseln, was genau sich diese Regie­rung vorstellt • Irina Ivaschenko (Vertre­terin des IWF in Buda­pest): derzeit prüfe zwar eine IWF-Dele­gation die Lage in Ungarn, dies sei aber (mangels einer entspre­chenden Anfrage) keine Dele­gation, die über Kredit­linien verhan­deln könne • die regie­rende Fidesz-Partei setzt auch immer noch auf Hilfe aus dem Osten • mit Peking wurde über den Ankauf ungari­scher Staats­anleihen verhan­delt • Tamas Fellegi (Minister für Natio­nale Entwick­lung): man habe sich mit China auf Inves­titi­onen in ungari­sche Infra­struk­turpro­jekte geeinigt • Ungarn hat seit Jahren Inves­toren verschreckt: ein Gesetz, das es Ungarn erlaubt, seine Fremd­währungs­kredite in Forint umzu­wandeln und mit 25% Abschlag zurück­zuzahlen, führte zu einem Aufschrei • der Haus­halt für 2012 ist nun in jedem Fall Maku­latur
[HTML] Gemeinsam an Lösung der Schuldenkrise arbeiten. Deutsch­land und Groß­britan­nien arbeiten trotz beste­hender Diffe­renzen gemeinsam an einer Lösung der Schulden­krise. Bundes­kanz­lerin Angela Merkel sagte bei einer Presse­konfe­renz mit dem briti­schen Premier­minister David Cameron, beide Länder stünden für ein wett­bewerbs­starkes Europa.     Die Bundesregierung, 18.11.2011
[HTML] dapd: Wachstum: Ackermann sieht noch jahrelange Folgen der Schuldenkrise. Deutsch­lands Wirt­schaft wird die Folgen der Schulden­krise nicht so schnell verdauen. Sowohl der Chef der Deut­schen Bank, Acker­mann, als auch SPD-Mann Stein­brück zeichnen ein düsteres Zukunfts­bild. Nicht einig sind sie sich beim Thema Kredit­klemme. DERWESTEN, 19.11.2011. • Acker­mann sieht die Versor­gung deut­scher Unter­nehmen mit Geld trotz des auf Jahre verlang­samten Wirt­schafts­wachs­tums als gesi­chert an: „Die Kredit­klemme gab es nicht und wird es in Deutsch­land auch in Zukunft nicht geben” • da Staaten und Banken nun aber Schulden abbauen müssten, werde die Real­wirt­schaft leiden • auch Ex-Fi­nanzmi­nister Peer Stein­brück zeichnet ein düsteres Bild von der wirt­schaft­lichen Zukunft Deutsch­lands • die Schulden­krise werde aber auch dazu führen, dass die Banken weniger Kredite ausgäben • in den nächsten 4, 5 Jahren bekäme Deutsch­land die Kredit­klemme beson­ders zu spüren, weil es stark von Exporten abhängig sei • wenn die Banken ihre gegen­wärtigen Kredite im Umfang von 30 Billi­onen € wegen eigener Wertbe­richti­gungen und Abschrei­bungen verrin­gerten, hätte dies unmittel­bare Folgen für die Real­wirt­schaft
[HTML] APA: Schuldenkrise: Deutsche Regierung dringt auf schnelle Reform der Eurozone. Merkel: Verstöße gegen Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakt ahnden — Finanz­minister Schäuble fordert Fiskal­union der Euro-Länder. derStandard.at, 19.11.2011. • Merkel: nur konse­quentes Ahnden von Verstößen gegen den Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakt bringe verlo­renes Vertrauen zurück • wer immer wieder die Stabi­litäts­krite­rien verletze, müsse auch vor dem Europä­ischen Gerichtshof zur Verant­wortung gezogen werden können • Schäuble forderte Ergän­zung der Währungs­union um Teile einer Fiskal­union mit Abtre­tung einiger Rechte ihrer Haus­halts­politik an Brüssel • Schäuble wandte sich gegen ein Recht der EZB, Staats­anleihen auch aus erster Hand bei Schulden­staaten zu erwerben: „Die Noten­bank ist nicht dafür da, Staats­schulden zu finan­zieren. Wir haben vertrag­liche Rege­lungen.” • Bundes­bank-Präsi­dent Weid­mann warnte vor einer weiteren Ausdeh­nung der Staats­anleihen-Käufe durch die EZB • im Gegen­satz dazu drängt der Wirt­schafts­forscher Thomas Straub­haar (HWWI) zu einem verstärkten Einschreiten der EZB als „Geld-Feuer­wehr” • der drama­tische Substanz­verlust in der Euro-Zone sei nicht mehr mit traditi­onellen Haus­mitteln zu bekämpfen • es drohe der Kollaps, den nur die EZB noch verhin­dern könne • auch Altkanzler Gerhard Schröder wandte sich gegen das dogma­tische Verständnis in der deut­schen Politik und plädierte dafür, der EZB notfalls einen unbe­grenzten Ankauf von Staats­anleihen der Schuldner­länder zu erlauben
[HTML] D. Grass, S. Schaaf, T. Schröder: Börsenausblick: Anleger wappnen sich für Abkühlung. In Europa sorgen sich die Inves­toren um die Refi­nanzie­rung der Staaten, und auch in den USA rückt die immense Staats­verschul­dung wieder in den Fokus. Machen sich neue Sorgen breit, könnte der Markt­trend der kommenden Woche nach unten weisen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 19.11.2011
[HTML] Schelte für Europas Mächtige: Herr zu Guttenberg schimpft auf die Politik. Ex-Ver­teidi­gungs­minister Karl-Theodor zu Gutten­berg wagt sich wieder ins Rampen­licht — und startet in Kanada einen Rundum­schlag gegen Europas Poli­tiker. Sie seien unfähig, die Krise zu lösen und die Menschen zu errei­chen. sueddeutsche.de, 19.11.2011. • Karl-Theodor zu Gutten­berg trat 8 Monate nach seinem Rück­tritt als Bundes­vertei­digungs­minister auf einer Veran­stal­tung in Kanada auf • die Poli­tiker in Europa hätten die derzei­tige Krise nicht im Griff und versäumten es, auf die Menschen zuzu­gehen • „Es ist nicht nur eine Euro­krise oder eine Schulden­krise. Es ist vor allem eine Krise des Verständ­nisses und eine Krise der poli­tischen Füh­rung.” • „Die Deut­schen haben keine Vorstel­lung davon, wie die Europä­ische Union funkti­oniert, wie es zu dieser Krise gekommen ist und was sie bedeu­tet.” • das läge an den Poli­tikern, die die Öffent­lich­keit und die Menschen nicht mehr errei­chen • er kriti­sierte vor allem, dass es keine lang­fris­tigen Konzepte gegen die Krise gebe: „Wir stol­pern von einer Ad-hoc-Lösung in die nächste.” • Entschei­dungen würden „panisch” getroffen • es gebe keine Idee davon, wie die Europä­ische Union in vielen Jahren aussehen könne, und es fehle der Enthusi­asmus • in Washington sitzt sein neuer Arbeit­geber: das Zentrum für Strate­gische und Inter­natio­nale Studien CSIS, wo er die trans­atlan­tische Zusam­menar­beit voran­bringen soll
[HTML] J. Gaugele, T. Vitzthum: Schuldenkrise in Europa: "Aufpassen, dass Deutschland nicht infiziert wird". CSU-Gene­ralse­kretär Alexander Dobrindt erkennt im neuen EZB-Präsi­denten Mario Draghi ein Infla­tions­risiko und fordert, Kompe­tenzen aus Brüssel zurück­zuholen. WELT ONLINE, 20.11.2011. • Alexander Dobrindt (CSU-Gene­ralse­kretär): „Europa muss die Sprache der Stabi­lität sprechen. Nur so kann der Euro gerettet werden.” • die deutsche Stabi­litäts­kultur sei Vorbild für Europa • die Antwort der Kanz­lerin auf die Schulden­krise lautet: mehr Europa — das hieße auch: weniger Deutsch­land • doch die europä­ischen Insti­tuti­onen und ihre führenden Vertreter spielen bei der Krisen­bewäl­tigung kaum noch eine Rolle • Europa braucht auch in Zukunft starke Nati­onal­staaten, vor allem die Achse Deutsch­land-Frank­reich • „Wir haben eine Grenze erreicht, was die Verla­gerung von Kompe­tenzen nach Brüssel angeht.” • die Wirt­schafts- und Finanz­politik müssten auf der natio­nalen Ebene bleiben — und wir müssen Kompe­tenzen zurück­verlagern • vieles gelinge auf natio­naler oder regio­naler Ebene besser • „Europa … hat zugelassen, dass ein paar Dolce-Vita-Länder über­bordend Verschul­dung betrei­ben.” • auf den Einwurf, Deutsch­land sei da nicht viel besser, wie Luxem­burgs Premier Juncker kriti­siert: „So eine Logik bekommt man wahr­schein­lich, wenn man zu oft in Brüssel ist.” • die Vorstel­lung von den Verei­nigten Staaten von Europa sei weit von der Realität entfernt • „Vor jedem weiteren Versuch, Macht nach Brüssel zu verla­gern, muss es eine Volks­abstim­mung geben.” • damit Deutsch­land nicht auch noch infi­ziert wird, müssten wir uns wieder auf den Grund­satz besinnen, dass jedes Land selbst für seine Schulden verant­wort­lich ist • der Itali­ener Draghi habe einen hoch proble­mati­schen Einstand als EZB-Präsi­dent hinge­legt, indem er den Ankauf von Schul­denti­teln aus Krisen­staaten dras­tisch beschleu­nigt hat • „Er könnte der teuerste EZB-Präsi­dent aller Zeiten werden. ” • Deutsch­land müsste bei seinem 30%-igen Anteil an der finan­ziellen Verant­wortung größeres Stimm­gewicht in der EZB erhalten • „Die schlimmste Entwick­lung, die man sich in einer Währungs­zone vorstellen kann, ist eine starke Infla­tion.”
[HTML] AFP: SPD tritt für europäischen Schuldentilgungsfonds ein. Die SPD fordert zur Beile­gung der Euro-Krise die Schaf­fung eines europä­ischen Schulden­tilgungs­fonds. „Wir brau­chen ein starkes Signal an die Märkte, dass Europa sich nicht ausein­ander­treiben lässt”, heißt es in einem Initia­tivan­trag, der am Sonntag auf dem Berliner Parteitag der Sozial­demo­kraten fast einstimmig beschlossen wurde. In ihn sollen die europä­ischen Staaten einen Teil ihrer Schulden über­führen können. Das Modell sieht vor, dass dies mit jenen Schulden geschieht, die 60% des Brutto­inlands­produkts über­steigen. Für diese soll es dann eine gemein­same europä­ische Haftung geben.  YAHOO!Nachrichten , 4.12.2011
[HTML] H. Schumann: Interview mit Weltbank-Chefökonom Justin Yifu Lin: „Auch China muss auf die Bremse treten”. Welt­bank-Chef­ouml;konom Justin Yifu Lin über die Folgen der Schulden­krise für die Welt­wirt­schaft, Chinas Reserven und die Flexibi­lität der Kommu­nisten. DER TAGESSPIEGEL, 20.11.2011. • Justin Y. Lin (Chef­ouml;konom der Welt­bank): wenn in Europa das Wachstum ausbleibe, bremse das auch alle anderen Volks­wirt­schaften • ein Ausgleich ist nicht mehr möglich: die Märkte in den aufstei­genden Ländern folgten diesmal dem glei­chen Muster wie in den Indus­trie­staaten • beim letzten Mal hat allein China mit seinem Konjunk­turpro­gramm für fast eine Billion Dollar zusätz­liche Nach­frage geschaffen • wegen ihrer hohen Staats­verschul­dung könnten jetzt auch Länder wie China, Indien oder Brasi­lien keine großen Konjunk­turpro­gramme mehr auflegen, und zugleich haben auch die Inflationsraten zugelegt • auch in China gibt es eine ganze Anzahl von Fehlinvestitionen, aber die gefährden nicht die Stabilität des Finanzsystems, und es gibt kein systemisches Problem • Die Welt­bank fürchtet anders als bei der letzten Rezes­sion Auswir­kungen auf die gesamte Welt­wirt­schaftdie Schwellen­länder könnten sich nicht mehr abkop­peln vom dem, was in Europa und den USA geschieht
[HTML] Weltbank: China nicht für Rezession in Europa gewappnet. AFP / Google. 20.11.2011. • Die Welt­bank fürchtet anders als bei der letzten Rezes­sion Auswir­kungen auf die gesamte Welt­wirt­schaft • Justin Lin (Chef­ouml;konom der Welt­bank): wenn in Europa das Wachstum ausbleibe, bremse das auch alle anderen Volks­wirt­schaften • die Schwellen­länder könnten sich nicht mehr abkop­peln vom dem, was in Europa und den USA geschieht • wegen ihrer hohen Staats­verschul­dung könnten auch Länder wie China, Indien oder Brasi­lien keine großen Konjunk­turpro­gramme mehr auflegen
[HTML] HWWI-Experte: In Österreich drohe ein Kollaps: Union, FDP sehen durch EZB-Vorgehen wachsende Inflationsgefahr. Der drama­tische Substanz­verlust in der Euro-Zone sei nicht mehr mit traditi­onellen Haus­mitteln zu bekämpfen. In Italien, Spanien und jetzt auch in Frank­reich und Öster­reich drohe der Kollaps, den nur die EZB noch verhin­dern könne… Wiener · Zeitung.at. 20.11.2011
[HTML] dpa/woz: Sicherungspaket: Ungarn bittet um Milliarden für Finanzpölsterchen. Zur Absiche­rung der weiteren Entwick­lung bittet Ungarn die EU und den IWF um vier Milli­arden Euro. Denn Buda­pest fürchtet eine Kredit­klemme in der Schulden­krise. WELT ONLINE, 21.11.2011. • Nachdem Ungarn vor wenigen Tage überra­schend um Hilfe gebeten hatte, prüfen IWF und EU diese Bitte • György Matolcsy (Ungarns Wirt­schafts­minister): Ungarn brauche von IWF und EU ein „finan­zielles Schutz­netz” zur Absiche­rung des zu erwar­tenden Wachs­tums • Ungarn habe sich in den letzten andert­halb Jahren mit Krediten vom freien Markt finan­ziert und wolle dies weiter tun • als so genanntes precautionary agreement würde das Geld nicht automa­tisch in die ungari­sche Staats­kasse fließen, sondern nur für den Abruf im äußersten Notfall bereit­stehen • Christine Lagarde (IWF-Direk­torin): das z.Zt. in Buda­pest weilende IWF-Team „wird nun für Bera­tungen mit dem IWF-Mana­gement und dem Exeku­tivrat nach Washington zurück­kehren” • IWF und EU hatten zuletzt 2008 mit einem Notkre­ditpaket von 20 Mrd. € Ungarn vor dem Staats­bank­rott gerettet • EU-Kommis­sionsex­perten waren bereits in den vergan­genen beiden Wochen in Buda­pest, um routine­mäßig Auswir­kungen des ersten Hilfspro­gramms für Ungarn zu über­prüfen
[HTML] rtr: Euro-Krise: Polen fordert Intervention der EZB.[!] EZB soll es richten: Die Brand­mauer gegen die Anste­ckungs­gefahr aus Grie­chen­land — der Euro-Rettungs­fonds — werde nicht schnell genug hochge­zogen, moniert der polni­sche Finanz­minister. Er fordert umfas­sende EZB-Inte­rventi­onen gegen die Schulden­krise in Europa. Frankfurter Rundschau, 22.11.2011. • Jacek Rostowski (polni­scher Finanz­minister): „In der Reihe der Scheußlich­keiten heißt die Alter­native: entweder eine massive Inter­vention der EZB oder die Kata­strophe.” • der EFSF als Brand­mauer sei inzwi­schen über­holt • an die EZB: „Die Bank hat die Aufgabe, die Stabi­lität der Euro-Zone zu bewahren.” • Angela Merkel lehnt eine noch stär­kere Rolle der EZB bei der Krisen­bekämp­fung ab • Jens Weid­mann (Bundes­bank-Präsi­dent): eine Gefahr für die Unab­hängig­keit der Zentral­bank und ihre Haupt­aufgabe, den Kampf gegen Infla­tionsge­fahren • Rostowski: ein Ausein­ander­brechen der Euro-Zone würde Folgen für die gesamte EU haben, die der Garant für Frieden auf dem Konti­nent sei • Rostowski: „Außerdem wären die Kosten unge­heuer. Wir würden einen gewal­tigen Teil unserer Wirt­schafts­leis­tung einbü­szlig;en.” • Rostowski: 1 Billion € für die Bekämp­fung der Schulden­krise im Euro-Raum ist „viel zu wenig”: „die Summen, die wir brau­chen, um” die Anste­ckungs­gefahr „zu stoppen, sind gewachsen, weil wir nicht schnell genug gehan­delt haben.” • das polni­sche Volk davon zu über­zeugen, dem Euro-Raum in abseh­barer Zeit beizu­treten, sei derzeit „so gut wie unmög­lich”
[HTML] DPA/Reuters: Schuldenkrise: EU-Währungskommissar wirbt in Berlin für Eurobonds. Euro­bonds heißen jetzt „Stabi­litäts-Anleihen”. Die Bundes­regie­rung bleibt skep­tisch. Doch EU-Wäh­rungs­kommissar Olli Rehn will sie weiter zum Umdenken bewegen. Ifo-Präsi­dent Hans-Werner Sinn nennt den Plan einen „Weg ins Verderben Europas”. FAZ.NET, 22.11.2011. • Olli Rehn ist zuver­sicht­lich, dass die Bundes­regie­rung bei den Euro­bonds noch umdenkt, denn damit könne mehr Stabi­lität erreicht werden • die Euro­bonds müssten mit einer strengen Fiskal­politik im Euro­raum verknüpft werden • es seien jetzt drin­gend „syste­mati­sche Antwor­ten” auf die Krise erfor­derlich • die EU will die Aufsicht über die Staats­haus­halte für die Euro-Länder erheb­lich ausweiten und Etat­pläne ggfs. vorab prüfen • es gibt mehrere Opti­onen: zum einen die Ausgabe von gemein­samen Schuld­scheinen, für die jedes Land anteilig haften soll, zum anderen ein Verbleib eines Teils der Anleihen in natio­naler Verant­wortung • Rehn will darüber eine „ratio­nale Debatte” in den Euro-Län­dern • die Bundes­regie­rung reagierte bislang reser­viert; Poli­tiker von Union und FDP wiesen sie als unan­nehmbar zurück • Rehn: auf Dauer sei die hohe Zins­diffe­renz für Italien nicht verkraftbar • Jean-Claude Juncker (Luxem­burgs Regie­rungs­chef): „Alle Seiten müssen über diese Vorschläge ohne jene Vorur­teile medi­tieren, die man haben könnte, wenn man diese Frage sehr systema­tisch betrach­tet.” • Juncker wandte sich gegen Speku­lati­onen über eine mögliche Rating-Herab­stufung für franzö­sische Staats­anleihen • Ifo-Präsi­dent Hans-Werner Sinn lehnt die Pläne der EU-Kommis­sion zur Einfüh­rung von Euro­bonds rund­heraus ab: „Dies ist der Weg ins Verderben Europas. Wir müssen alles tun, um die Kontroll­funktion der Kapital­märkte zu erhal­ten.” • er forderte, die Krisen­lä,nder sollten auch zukünftig selbst die Folgen ihrer falschen Budget- und Finanz­politik ausbaden • für Deutsch­land könnte der Weg über Euro­bonds nach seinen Worten jähr­liche Zusatz­lasten von bis zu 50 Mrd. € bedeuten • damit schüfe man allen­falls eine kurz­fris­tige Beruhi­gung der Kapital­märkte — auf Kosten lang­fristig riesiger Lasten • dann versinke Europa im Schulden­sumpf • besser sei ein Ausscheiden Grie­chen­lands aus der Euro-Zone • Michael Hüther (Chef des Insti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft) dagegen: ein Ausscheiden Grie­chen­lands aus der Euro-Zone könnte unab­sehbare Kolla­teral­schäden mit sich bringen • Grie­chen­lands Probleme ließen sich auch in der Währungs­zone lösen
[HTML] M. Fischer, A. Kunz: Schuldenkrise: Dem Euro hilft nur noch Plan B. Die Länder der Währungs­union driften immer stärker ausein­ander, auch der Streit um den rich­tigen Kurs in der Euro-Rettung spitzt sich zu. Ein Zerbre­chen der Währungs­union ist nicht mehr auszu­schließen. Die Rück­kehr zu natio­nalen Währungen oder die Bildung einer Kern­union wäre die beste Lösung. wiwo.de, 22.11.2011. • Selbst in der Bundes­regie­rung denkt man laut über einen Austritt Grie­chen­lands nach • Wolf­gang Schäuble: die Bundes­regie­rung wäre eine „graus­lige Regie­rung, wenn sie nicht auch darüber nach­denken würde, was sie macht, wenn es schief­geht.” • Horst Seehofer: es sei ein Märchen, „dass der Euro oder gar die Europä­ische Union nicht mehr weiter­leben würden, wenn sich ein Land wie Grie­chen­land für den Austritt entscheiden würde.” • die Krise hat längst auf Italien, Spanien und selbst Frank­reich überge­griffen: die Risi­koprä­mien für deren Staats­anleihen klet­terten auf über bzw. knapp unter 7% • das Miss­trauen ist so groß, dass selbst der Euro-Ret­tungs­fonds EFSF keinen Investor findet • für ihre Anleihen musste die EFSF mit 3,6% doppelt so viel Zinsen zahlen wie die Bundes­regie­rung für ihre 10-jäh­rigen Anleihen • Banker­kreise: selbst die Emis­sion gemein­schaft­lich verbürgter Euro-Bonds könnte die Märkte nicht mehr beru­higen • Hans-Joachim Voth (Wirt­schafts­histo­riker): jetzt müsste nachge­dacht werden, wie ein Rückbau des Euro so ausge­staltet werden kann, dass es nicht noch teurer wird • dass die Euro-Krise sich dermaßen beschleu­nigt, hat selbst ihn über­rascht • die Währungs­union als politi­sche Utopie, der das ökono­mische Funda­ment fehlt; der Euro nur als Vehikel, um die politi­sche Eini­gung voranzu­treiben • die Ökonomen hatten schon in den 60er Jahren Krite­rien entwi­ckelt, um die Sinn­haftig­keit einer Währungs­union zu beur­teilen: entschei­dend sei, dass die Löhne flexibel und die Arbeits­kräfte mobil sind (nur so kann das wegfal­lende Wechsel­kurs­schar­nier ausge­glichen werden) und Güter­handel und Kapi­talver­kehr der Länder müssten eng mitein­ander verflochten sein (damit sich der Wegfall des Wechsel­kursri­sikos als Vorteil erweist) • essen­ziell sei, dass die betei­ligten Länder die gleiche wirt­schafts­politi­sche Stra­tegie verfolgen • Voth: „Wo mensch­liche Arbeits­kraft nicht mehr wie Tomaten gehan­delt wird, kommen Volks­wirt­schaften nicht ohne den Anpas­sungs­mecha­nismus Wechsel­kurs aus.” • außerdem über­fordern mono­struktu­rierte Länder eine Währungs­union • vor allem aber fehlt es den Ländern der Währungs­union an einem gemein­samen Konsens in der Wirt­schafts­politik • die südeuro­päischen Länder waren es gewöhnt, ihre Vertei­lungskon­flikte durch stei­gende Staats­ausgaben, kräf­tige Lohn­erhö­hungen, Infla­tion und Abwer­tung zu lösen • in den nord­europä­ischen Län­dern domi­nierte dagegen eine Stabi­litäts­philo­sophie (ausgegli­chener Staats­haus­halt, nied­rige Infla­tion und mode­rate Lohnzu­wächse) • wozu die EZB sich auch entschließt: den Euro wird sie nicht mehr retten könnenverwei­gert sie den Kauf von Staats­anleihen in großem Stil, erhalten die Krisen­länder nicht das nötige frische Geld, und die Währungs­union endet im kollek­tiven Staats­bank­rott • die Euro-Länder müssen dann eilig zu natio­nalen Währungen zurück­kehren und sich über­gangs­weise mit abge­stem­pelten Euro-Scheinen behelfen, bis neue Münzen und Scheine fabri­ziert sind • das dürfte die Finanz­märkte ins Chaos stürzen, Banken brächen zusammen und die Welt­wirt­schaft stürzte in die Rezes­sion • um die Kapital­flucht aus den Weich­währungs­ländern zu stoppen, wären umfang­reiche Kapi­talver­kehrskon­trollen nötig • knickt die EZB dagegen ein und kauft Staats­anleihen der Krisen­länder in großem Stil, würden die nach unten gedrückten Zinsen die Sparan­stren­gungen der Krisen­länder erlahmen lassen — es dürfte ihr nicht mehr gelingen, die großen Volu­mina an Zentral­bank­geld abzu­schöpfen, die sie in den Banken­sektor pumpt • diese Liqui­dität treibt die Verbrau­cher­preise spätes­tens im nächsten Aufschwung in die Höhe • um einen Run auf die Banken zu verhin­dern, müsste eine Kern­union durch Geheim­verhand­lungen aller betei­ligten Staaten vorbe­reitet werden • Voth: „Bevöl­kerung und Märkte müssen von der Entschei­dung über­rascht werden, dafür bieten sich Wochen­enden oder Feier­tage wie das Weihnachts­fest an.” • um den Krisen­ländern des Südens die Schei­dung vom Euro schmack­haft zu machen, müsste man ihnen anbieten, ihre Banken mit Hilfs­geldern zu rekapi­tali­sieren — bei gleich­zeitiger Einfüh­rung des Trenn­banken­systems • die Sorge, mit dem Platzen des Euro stünde die gesamte europä­ische Eini­gung und Inte­gration auf dem Spiel, halten Experten für unbe­gründet • die wahre Gefahr für die europä­ische Inte­gration gehe vom krampf­haften Fest­halten der Regie­rungen an der fehl­konstru­ierten Währungs­union aus
[HTML] A. Reimann: Kapitalanlagen: Das Bankenrisiko der Lebensversicherer.[!] 747 Milli­arden Euro haben Lebens­versi­cherer ange­legt, 50 Prozent davon bei Banken. Wie sicher ist das Geld? wiwo.de, 23.11.2011. Auf ½ der Bankpa­piere der Versi­cherer könnten sie im Pleite­fall direkt zugreifen (rund 182 Mrd. € Pfand­briefe) • gut ¼ ist über den Einla­gensi­cherungs­fonds mehr schlecht als recht abge­sichert (geschätzt: über 100 Mrd.) • knapp ¼ ist ohne Siche­rung (geschätzt: weit mehr als 67 Mrd.) • Pfand­briefe sind besi­cherte und verbriefte Kredite (Hypo­theken­pfand­briefe, öffent­liche Pfand­briefe) • 7% davon waren zuletzt mit Forde­rungen an Portugal, Italien, Irland, Grie­chen­land und Spanien besi­chert • aller­dings muss jeder Pfand­brief zu 102% mit Forde­rungen gedeckt sein (bei öffent­lichen waren es zuletzt 120%) • die EZB kaufte bis Oktober für 40 Mrd. € (vor allem südeuro­päische) Pfand­briefe • diese künst­liche Nach­frage lässt Kurse steigen und Renditen sinken — so profi­tieren die Versi­cherer • hinter den Bankkre­diten verbergen sich vor allem Schuld­schein­darlehen (Kredit der Versi­cherer an Banken — durch den Einla­gensi­cherungs­fonds gesi­chert) und Namens­schuld­verschrei­bungen (von Spar­kassen und Genos­senschafts­banken auf den Namen des Käufers ausge­stellt und auch vom Einla­gensi­cherungs­fonds gesi­chert) • da diese Darlehen mit einem Verspre­chen statt mit Sach­werten besi­chert sind, sind sie relativ unsi­cher • lauten Schuld­verschrei­bungen von Banken in Fonds nicht auf den Namen der Versi­cherung, gelten sie als Wertpa­piere und sind nicht besi­chert • börsen­notierte Schuld­verschrei­bungen sind Wertpa­piere und eben­falls nicht besi­chert • Nach­rangka­pital: geht eine Bank pleite, müssen sich Gläu­biger, die eine Nach­rangan­leihe halten, hinten anstellen: ihr Kapital wird aus der Konkurs­masse zurück­gezahlt, wenn alle anderen bedient wurden • solange alles gut läuft, gibt es zur Entschä­digung höhere Zinsen • bei einigen Formen des nachran­gigen Kapitals (z.B. Genuss­scheine) entfallen selbst die Zinsen, wenn die Bank keinen Gewinn macht
[HTML] M. Hock: Bundesanleihen: Die Schuldenkrise erreicht Deutschland.[wichtig!] Deutsch­land gerät weiter in den Strudel der Schulden­krise: Hatten sich in den vergan­genen Wochen die Anleger um deut­sche Staats­anleihen gerissen, wollten die neue Bundes­anleihe nur wenige Anleger zeichnen. FAZ.NET, 23.11.2011. • Die sich abzeich­nende Ausbrei­tung der Euro­krise auf die starken Staaten des Währungs­verbundes hat nach Öster­reich, Finn­land und den Nieder­landen jetzt auch Deutsch­land erreicht • am Mitt­woch von der deut­schen Bundes­finanz­agentur ange­botene 10-jährige Bundes­anleihen fanden am Markt kaum Inter­esse • zum geplanten Volumen von 6 Mrd. € gaben Inves­toren ledig­lich Gebote für 3,889 Mrd. € ab • der 2%-Kupon war der bislang nied­rigste für 10-jährige Papiere • Ralf Umlauf (Helaba-Analyst): „Es ist besorg­niser­regend, dass die beste Bonität Europas sich nicht im geplanten Umfang refinan­zieren konnte. Wir werten das als Miss­trauens­votum gegen die Euro-Zone.” • Jens Peter Sorensen (Analyst der Danske Bank) spricht von tiefem Miss­trauen gegen­uuml;ber dem Euro-Projekt, und das bedeute, dass die Euro-Schulden­krise auf den innersten Kern der Euro-Zone über­springe • die Kosten zur Absi­cherung gegen einen Zahlungs­ausfall bei Staats­anleihen aus dem Euro­raum stiegen nach der Auktion auf Rekord­hochs: der Markit iTraxx SovX Western Europe Index erreichte ein Allzeit­hoch von 370 Basis­punkten • Ian Stan­nard (Morgan Stanley) sieht Beweise, dass die Inves­toren auf breiter Front aus der Euro­zone aussteigen • der Euro fiel auf 1,34 $ und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober • schei­tert der Euro, so wird dies alle Länder treffen — auch Deutsch­land • können einige Länder ihre Schulden nicht bezahlen, muss Deutsch­land über Garan­tien dafür aufkommen • Umlauf: „Die letzte Bastion der Euro-Zone wird in Frage gestellt.” • Michael Krautz­berger (Leiter des europä­ischen Renten­fonds­teams der Black­rock) wiegelt dagegen ab, dass sich Banken in den vergan­genen Wochen schon so fleißig mit deut­schen Staats­anleihen einge­deckt haben, dass sie einfach eine Pause einlegen wollten • die Bundes­finanz­agentur versuchte sich in Schadens­begren­zung: „Das Ergebnis der heutigen Auktion spiegelt das äußerst nervöse Markt­umfeld.” • es gebe keinen Engpass bei der Refi­nanzie­rung für den Bundes­haus­halt • sicher ist, dass das Tauziehen in der Euro­zone dem Euro und den Staaten am meisten schadet • einige Inves­toren kriti­sieren vor allem die Politik der Bundes­regie­rung, die nur für eine bessere Über­wachung der Euro-Stabi­litäts­regeln plädiert, während die EU-Kommis­sion mit einer ange­strebten Verschär­fung der Wirt­schafts- und Haus­halts­aufsicht in der EU einen Schritt weiter gehen will • mit seiner kriti­schen Haltung gegen­uuml;ber einer stär­keren Fiskal­union und einer expan­siven Geldpo­litik gerät Deutsch­land zuneh­mend in die Kritik • Jim Leaviss (Renten-Abtei­lung des briti­schen Vermö­gensver­walters M&G): Deutsch­land verfolgt gegen­uuml;ber Grie­chen­land eine ähnlich unan­gemes­sene Politik wie Frank­reich gegen­uuml;ber Deutsch­land nach dem 1. Welt­krieg
[HTML] Schuldenkrise: Die Eurobonds-Modelle der EU. Teufels­zeug oder Wunder­mittel? Für Kanz­lerin Merkel ist der Vorstoß von EU-Kommis­sions­chef Barroso in Sachen Euro­bonds eine Provo­kation. Es kracht zwischen Berlin und Brüssel. Ein Über­blick. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 23.11.2011. • Vari­ante 1: künftig nur noch Euro­bonds • Vari­ante 2: Bonds mit Schulden­deckel • Vari­ante 3: Bonds nach EFSF-Vorbild
[HTML] R. Hachfeld: Eurozone: Eurobonds werden unsere Rettung sein! Die Kommis­sion hat sie offi­ziell vorge­schlagen und die Euro­bonds werden auch von den Krisen­ländern als DIE Lösung in der Schulden­krise ange­sehen. Jetzt muss nur noch Deutsch­land davon über­zeugt werden und wird hoffent­lich bald einlenken, hofft El Mundo. presseurop, 24.11.2011. • Seit dem 23. November nehmen sich die Inves­toren nun auch vor den nur noch gering­fügig rentablen 10-jäh­rigen Bundesanleihen in Acht (Deutsch­land wurde gerade mal 62% der insge­samt geplanten Emis­sionen los) • da sich die Ereig­nisse über­schlagen, scheint eine Bünde­lung der Schulden der Euro­zonen-Länder unver­meidbar • wenn jeden­falls die EU nicht alle Kräfte darauf verwendet, Euro­bonds zu schaffen, muss der Euro ganz neu über­dacht werden • die Bundes­kanz­lerin: die Europä­ische Kommis­sion vermit­tele den Eindruck, die Schulden­last könnte geteilt werden • Tatsache ist: zwar würden mit einer Bünde­lung der Schulden die säumigen Staaten unter den gegen­wärtigen Umständen belohnt — frag­lich ist aber vor allem, wie lange die Euro­zone unter den gegen­wärtigen Bedin­gungen noch durch­halten kann • war es vor gerade mal 2 Jahren allein Grie­chen­land, sind es nun schon 3 Länder, die vor der Pleite gerettet werden müssen, und 2 weitere befinden sich auf Messers Schneide — alle anderen sitzen auch tief im Schulden­schla­massel • in einer solchen Situa­tion kann niemand vorher­sagen, was in den nächsten 3 Monaten geschehen wird • die Kommis­sion hat mit ihrem Euro­bond-Projekt geschickt die Emis­sionen mit mehr Kontrolle gepaart • EU-Kommis­sions­präsi­dent José Manuel Barroso und EU-Währungs­kommissar Olli Rehn würden gern durch­setzen, dass Brüssel die Haus­halts­entwürfe der EU-Staaten vorab prüft • wider­spens­tige Länder sollten bestraft werden • Kommenta­toren: der EU fehlt es jetzt an der notwen­digen Zeit • der einzige Ausweg aus dieser Krise: mehr europä­ische Integra­tion • bis dahin bleibt nichts anderes übrig, als auf Euro­bonds zu setzen;  [JPEG-Grafik] Karikatur (R. Hachfeld): Wird José Manuel Barroso es schaffen, Angela Merkel von den "Eurobonds" zu überzeugen?
[HTML] Haushalt 2012 verabschiedet: Deutschland nimmt 26 Milliarden Euro neue Schulden auf. Der Bundestag hat mit der Mehr­heit der Regie­rungsp­arteien den Haus­halt 2012 verab­schiedet. Trotz Schulden­krise und spru­delnder Steuer­einnahmen will sich Schwarz-Gelb im kommenden Jahr mehr frisches Geld borgen als 2011. sueddeutsche.de, 25.11.2011
[HTML] dapd: Nachrichten: Schäuble sieht Deutschland als "Stabilitätsanker" in Europa. Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble hat versi­chert, dass die Bundes­regie­rung auf Konso­lidie­rungs­kurs bleiben will. In der Schluss­runde der Haus­halts­woche im Bundestag sagte er am Freitag, die Verschul­dung werde in den nächsten Jahren zurück­geführt. Die Oppo­siti­onspar­teien verur­teilten den Haus­halt dagegen als Dokument des Versa­gens und der Hoff­nungs­losig­keit. DERWESTEN, 25.11.2011
[HTML] M. Schäfers: Haushalt 2012: 26 Milliarden Euro neue Schulden. Der Bundestag hat den Bundes­haus­halt 2012 beschlossen. Trotz Schulden­krise und spru­delnder Steuer­einnahmen will sich die Bundes­regie­rung im kommenden Jahr wieder mehr frisches Geld borgen als 2011. FAZ.NET, 25.11.2011;  [JPEG-Grafik] Grafik: Bundeshaushalt 2012, Ausgabenverteilung.[wichtig!];  [JPEG-Grafik] Grafik: Ausgaben und Einnahmen 2012.[!]
[HTML] C. Schubert: Frankreich: Warnungen vor deutscher Hegemonie. Unter fran­zösi­schen Poli­tikern wächst die Furcht vor deut­scher Hege­monie. Die Bürger beklagen aber vor allem die hohen Schulden des Landes. FAZ.NET, 25.11.2011. • Ein Berater von Sarkozy: „Wir sind über­zeugt, dass die EZB keine andere Wahl hat als zu interve­nieren.” • die franzö­sische Führung will weiterhin eine unbe­grenzte Inter­vention der EZB (zumin­dest deren Ankün­digung), und Deutsch­land ist dagegen • der franzö­sische Präsi­dent gerät in seiner Heimat zuneh­mend unter Druck • die Warnungen vor einer deut­schen Hege­monie in Europa nehmen zu: „Die Deut­schen domi­nieren alles.” • Pierre Moscovic (Kampag­nenleiter des Sozia­listen François Hollande): „Aber die EU-Ver­träge nur unter dem Maßstab der Budget­kürzungen zu ändern, ist keine Perspek­tive.” • Jacques Myard (Abgeord­neter der Regie­rungs­partei UMP): „Das Schei­tern der deut­schen Geldpo­litik ist program­miert.” • die einsei­tige Fixie­rung der Deut­schen auf den Schulden­abbau stürze Europa in die Rezes­sion • Jean-Louis Bour­langes (zum Zentrum gerech­neter Poli­tiker): „Die Deut­schen empfehlen auf neuro­tische Weise Maßnahmen, die nicht die erhofften Ergeb­nisse bringen werden.” • sie „werden zu einem Tod durch Ersti­cken führen.” • das franzö­sische Volk dagegen: nach einer Umfrage unter jeweils 800 Deut­schen und Fran­zosen haben die Bürger beider Länder ähnlich viel Angst vor den Staats­schulden • 39% der Fran­zosen glauben, dass die Unfä­higkeit ihrer Regie­rung zur Ausga­bensen­kung der wich­tigste Grund für die Schulden ist • ⅔ der Fran­zosen wollen künftig eine engere Koor­dinie­rung der Wirt­schafts­politik im Euro­raum, bei den Deut­schen nur 59% • Unter­schiede: die Fran­zosen wollen mehr­heit­lich eine protek­tionis­tische Handels­politik, die Deut­schen favori­sieren die Infla­tionsbe­kämp­fung
[HTML] Der Musterschüler der Schuldenkrise. Irland hält eisern am Spar­kurs fest und erntet Lob von seinen Kontrol­leuren. Alles redet von Grie­chen­land oder Italien. Doch um Irland, das als erstes Land unter den Rettungs­schirm der EU musste, ist es erstaun­lich still geworden. Dank einer wahren Rosskur kommt für die Iren das Licht am Ende des Tunnels zumin­dest in Sicht. NZZOnline, 25.11.2011. • In Form eines Länder­berichtes der OECD wurde Irland ausdrück­lich beschei­nigt, sich in zahl­reichen wichtigen Berei­chen positiv entwi­ckelt zu haben • bis 2015 werde das jähr­liche Haus­halts­defizit auf nur noch 3% des BIP absinken • Irland, das sich als erstes Land unter den Schutz des EU-Ret­tungs­schirms mit rund 85 Mrd € begeben hatte, könnte als erstes wieder aus der Schulden-Misere heraus­kommen • es war ein harter Weg: Schrump­fung des BIP um 18%, Anstieg der Arbeits­losen­rate um 4,6%, Sturz der Häuser­preise um durch­schnitt­lich 43% • der irische Staat hat so stark gespart, dass die Staats­quote um 16% redu­ziert worden ist (wie in keinem anderem Land bisher!) • nun ist die irische Wirt­schaft nach 3 Jahren 2011 erst­mals wieder gewachsen — mit der zweit­höchsten Wachs­tums­rate der EU! • Irland unter­scheidet sich durch gute Wettbe­werbs­fähig­keit, einen brum­menden Export­sektor, und den Standort­vorteil der englisch­spra­chigen und gut ausge­bildeten Bevöl­kerung • für die Umstruk­turie­rung des irischen Bank­wesens werden nur 18 Mrd. € statt der vorge­sehenen 35 Mrd. € Hilfs­gelder gebraucht werden • schon 2013 will das Land wieder auf ordent­lichen Finanz­märkten Geld aufnehmen • aller­dings profi­tierten in erster Linie die Banken, während die gebeu­telte Mittel­schicht rigo­rosen Konsum­verzicht üben muss • mehr als 10% der irischen Privat­hypo­theken sind entweder im Verzug oder bereits restruk­turiert • aber sollte sich die globale Konjunktur und insbe­sondere das Wirt­schafts­klima in den USA wieder stärker eintrüben, würde die irische Wirt­schaft dies sogleich schmerz­haft spüren
[HTML] M. Gatzke: Schuldenkrise: Der Euro kippelt, aber er fällt nicht. Die Schulden­krise musste erst den Kern Europas errei­chen, bevor die Politik begriffen hat, was zu tun ist. Aber noch ist es nicht zu spät. ZEIT ONLINE, 25.11.2011
[HTML] Schuldenkrise: Euro-Zone vor neuer Schockwelle. Grie­chen­land fordert überra­schend ein höheres Zuge­ständnis der Privat­wirt­schaft. Zugleich entbrennt ein Streit über den stän­digen Rettungs­schirm der Währungs­union. Standard&Poor's ärgert Belgien — und um Spanien gibt es neue Krisen­gerüchte. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 25.11.2011. • Athen fordert von den privaten Gläu­bigern Nach­lässe von 75% • die Banken bestehen auf den verein­barten 50% • Streit unter den Euro-Staaten über die Betei­ligung privater Gläu­biger an der Entschul­dung von Krisen­ländern im Rahmen des Rettungs­fonds ESM • Stan­dard&Poor's schockte Belgien, das zum Kern­gebiet der Euro-Zone gehört, durch die Herab­stufung der Kredit­würdig­keit von zuletzt "AA+" auf "AA" (immer noch die dritt­beste Note) • nach Angaben aus dem Umfeld der künf­tigen Regie­rungs­partei Spaniens deutet sich an, dass das Land Rettungs­hilfen entweder beim EFSF oder beim IWF bean­tragen könnte • wenn man diesen Weg gehe, sei es poli­tisch klug, sich dazu schnell und unabhängig durchzu­ringen, anstatt erst auf den Druck der Finanz­märkte zu reagieren • Italien musste für frisches Geld Zinsen in Rekord­höhe zahlen • José Manuel Barroso nannte die Lage in Europa „sehr besorgniserregend” • ohne weitere Integra­tion könne der Euro auf lange Sicht nicht stabili­siert werden • Währungs­kommissar Olli Rehn: die Schulden­krise breitet sich vom Rand der Euro-Zone zu ihrem Kern aus • da trotz wochen­langer Verhand­lungen mit dem IIF noch immer kein konkretes Umtausch­angebot vorliegt, will Grie­chen­land jetzt direkt mit den einzelnen Banken verhan­deln • kommt es zu keiner Eini­gung, ist das Land pleite • Zweifel, dass eine ausrei­chend große Zahl von Geld­häusern für den Umtausch gewonnen würde • da die alten Papiere nach griechi­schem Recht ausge­stellt sind, darf die Regie­rung nach­träg­lich die Kondi­tionen ändern • Markt­teil­nehmer rechnen mit einer hohen Annahme­quote • ein Insider: „wenn ich ein Investor bin, muss ich wohl einsehen, dass ich allmäh­lich die Verluste reali­sieren sollte, denn viel mehr Geld fließt aus Europa nicht mehr in das Land.” • für ihre Vorschläge zu EU-Vertrags­auml;nde­rungen streben Deutsch­land und Frank­reich die Unter­stüt­zung Italiens an • am Dienstag wird entschieden, ob die nächste anste­hende Hilfe von 8 Mrd. € an Grie­chen­land freige­geben wird • Streit über die Krisen­instru­mente: Frank­reich, Spanien, Italien sowie einige kleinere Länder (also die Mehr­heit der Euro-Staaten) wollen die Option zur Gläu­biger­betei­ligung beim ESM kippen, während Deutsch­land, Finn­land, die Nieder­lande und Öster­reich dagegen sind • auch eine Verab­redung über Euro-Bonds als Ziel und die Möglich­keit der EZB zu massi­veren Anleihe­käufen seien im Gespräch • EU-Währungs­kommissar Rehn: große Anstren­gungen seien noch nötig • Finanz­minister Wolf­gang Schäuble: die Euro-Zone müsse sich in Rich­tung einer Fiskal­union entwi­ckeln
[HTML] Euro-Schuldenkrise verschärft sich. Berliner Morgenpost, 25.10.2011. • Die Schulden­krise hat sich nach einer Woche voller schlechter Nach­richten weiter verschärft • Jens Weid­mann (Bundes­bank-Präsi­dent) sieht in der jüngsten Eskala­tion noch keinen Grund zu Panik • Kritik aus der EU-Kommis­sion an Deutsch­lands zöger­licher Rolle bei der Euro-Rettung • Wolf­gang Schäuble (Bundes­finanz­minister) zu den Diskus­sionen in Brüssel: „… im Augen­blick sind wir dabei, uns darauf zu konzen­trieren, die aktu­elle Krise zu lösen.” • Deutsch­land, Finn­land und die Nieder­lande fordern zur Eindäm­mung der Euro-Schulden­krise Sanie­rungs­anstren­gungen der betrof­fenen Länder und stren­gere Kontrollen der Stabili­tätsre­geln • Luc Coene (Chef der belgi­schen Noten­bank, EZB-Ratsmit­glied): es wäre keine gute Lösung, dass die Noten­bank in großem Stil Staats­anleihen der Schulden­länder kauft • Jens Weid­mann nimmt die stei­genden Renditen der Staats­titel (z.B. stieg die Rendite für Zwei­jahres­papiere Italiens auf 7,7%) eher gelassen • auch deut­sche Staats­titel nach der schwa­chen Nach­frage bei einer Neuemis­sion weiter unter Druck (die Rendite der zehn­jährigen Bundes­anleihe stieg auf 2,235%) • der Euro-Kurs rutschte auf 1,3282 $ • Viviane Reding (Vize-Chefin der EU-Kommis­sion) kriti­sierte Deutsch­lands zöger­liche Haltung in der Krise: „Ich sehe immer wieder, dass Deutsch­land als Reak­tion immer ein Nein hat, und dann fängt man erst mit der Diskus­sion an.” • Rehn schloss sich an: „Deutsch­land ist ganz sicher ein sehr wich­tiger Mitglieds­staat, … entscheidet aber nicht allein.”
[HTML] M. Beise: Lösungen für die Schuldenkrise: Endspiel um den Euro.[wichtig!] Die Schulden­krise eska­liert, die Politik muss verstehen: Sie hat nur noch einen Schuss frei, um die Krise zu bewäl­tigen. Wenn Merkel & Co. in den nächsten Tagen kein Vertrauen schaffen, steht im kommenden Jahr das Finanz­system still — mit drama­tischen Folgen für die Real­wirt­schaft und das tägliche Leben. Auch im reichen Deutsch­land. sueddeutsche.de, 25.11.2011. • Im finalen Stadium des Ringens um den Euro geht es nicht mehr um Grie­chen­land oder Italien oder wie teuer die Staats­schulden­krise für Deutsch­land wird • jetzt geht es darum, ob der Euro insge­samt über­lebt • erste Händler ziehen ihr Geld aus der ganzen Euro­zone ab — auch aus Deutsch­land • London und Wall Street planen schon für eine Welt ohne Euro • zwar geht dann die Welt noch nicht unter, aber es sind Turbu­lenzen mit schwersten wirt­schaft­lichen und politi­schen Folgen zu erwarten, und auch der europä­ische Eini­gungs­prozess kommt zum Still­stand • ein Ende des Projekts Euro sollte sich also besser niemand wünschen • gemäß dieser Analyse darf die Politik jetzt keinen Fehler mehr machen • in der Euro-Krise hängt mittler­weile alles an Deutsch­land • Angela Merkel hat gemeinsam mit den Euro-Part­nern genau 3 Möglich­keiten: • 1) Vertrauen auf das große Liquidi­tätsver­sprechen der EZB, Aufkauf von Anleihen, die am Markt niemand mehr will, Noten­presse, Infla­tion • 2) Einfüh­rung von Euro-Bonds, Verge­mein­schaf­tung der Schulden, nega­tive Anreize für Schuldner­staaten, Verla­gerung der Probleme in die Zukunft • 3) konse­quent erst sparen, dann retten: Vertrags- und Verfas­sungs­auml;nde­rungen für eine stabi­litäts­orien­tierte Euro-Gruppe mit hartem Sanktions­mecha­nismus • die Entschei­dung für Alter­native 3 heißt: die Bedin­gungen diktieren, denn für Zurück­haltung fehlt die Zeit • insge­samt 800 Mrd. € müssen 2012 im Euro-Raum neu finan­ziert werden • ohne rasche Bildung von Vertrauen steht irgend­wann im kommenden Jahr das Finanz­system still, mit drama­tischen Folgen für Real­wirt­schaft und tägli­ches Leben (auch im reichen Deutsch­land)
[HTML] Deutsche Wirtschaftsweise sprechen sich gegen Euro-Bonds aus. Die deut­sche Kanz­lerin Angela Merkel hat bei ihrem strikten »Nein« zu gemein­samen europä­ischen Anleihen die Rücken­deckung der »Wirt­schafts­weisen« ihres Landes. Tages-Anzeiger, 26.11.2011
[HTML] J. Dams, F. Eder: Schuldenkrise: Kulissen-Kampf um den Euro und die letzte rote Linie.[!] Offi­ziell sind Euro-Bonds für Merkel genauso wenig ein Thema wie der Anlei­henkauf der EZB. Hinter den Kulissen aber scheint nichts mehr ausge­schlossen. WELT ONLINE, 26.11.2011. • Aus Verhand­lungs­kreisen in Straß­burg: „Die Bundes­kanz­lerin hat in den Abgrund geschaut.” • eine Anleihe Deutsch­lands hatte am Markt gefloppt und Italien bekam prak­tisch kein Geld mehr von den Inves­toren • den 3 Regie­rungs­chefs musste klar sein, dass die Euro-Zone auf eine Liqui­ditäts­krise zu steuert, die kaum noch beherrschbar scheint • das „Führungsduo” Merkel und Sarkozy sucht nach einem Weg, der das Schlimmste, den Zerfall des Euro, verhin­dern kann • auch keiner der wenigen Berater weiß, ob der nächste Schritt richtig oder falsch ist • die europä­ische Politik sieht neben Merkels Lieb­lings­lösung eines harten Sparre­gimes auf dem ganzen Konti­nent noch 2 Optionen, mit denen sich die Krise möglicher­weise noch eindämmen ließe • Frank­reich vertritt die Vari­ante EZB: Stützung der Krisen­staaten, indem die EZB ihnen ihre Staats­anleihen direkt abkauft oder zumin­dest indi­rekt • das hieße Staats­finan­zierung per Noten­presse, womit Deutsch­land histo­risch schlechte Erfah­rungen gemacht hat • die Europä­ische Kommis­sion vertritt die Vari­ante Euro-Bonds, also gemein­same Anleihen aller Euro-Staaten — was Deutsch­land zu teuer ist • Merkel: Euro-Bonds würden den Schuld­nern jeden Anreiz nehmen, zu sparen und ihre in der Krise begon­nenen Reform­projekte weiter­zuführen • ein EU-Diplomat: „Alle wissen doch, was jetzt helfen kann: ein Engage­ment der EZB oder Euro-Bonds. Alles auf einmal käme wohl dem schweren Geschütz nahe, auf das die Märkte warten.” • die Bundes­bank schließt die Auflage von Euro-Bonds inzwi­schen nicht mehr aus • Jens Weid­mann verlangt dazu eine engere finanz­politi­sche Integra­tion der Euro-Staaten: „Das bedeutet gemein­schaft­liche Kontrolle über die Haus­halte der Mitglieds­länder, inklu­sive Durch­griffs­rechten, sollten einzelne Länder die verein­barten Regeln verletzen.” • aber erst am Ende eines Integra­tionspro­zesses sollte die Politik darüber nach­denken, ob Euro-Bonds einge­führt würden • die Kanz­lerin könnte beim Gipfel der Staats- und Regie­rungs­chefs am Ende der ersten Dezember­woche einen Deal aushan­deln: Zustim­mung zu Euro-Bonds oder einem stär­keren Engage­ment der EZB — gegen nach­halti­geres Wirt­schaften in Europa • Merkel steht zuneh­mend allein da, und selbst die treu­esten Alli­ierten gehen ihr von der Fahne, wie die finni­sche Finanz­minis­terin Jutta Urpi­lainen und der nieder­ländi­sche Finanz­minister Jan Kees de Jager: „In einer Krise sollte nichts von vorn­herein ausge­schlossen werden. Am Ende muss etwas passieren.” • Werner Langen (Vorsit­zender der CDU/CSU-Gruppe im Europa­parla­ment): „Die EZB … hat die Aufgabe, die Preis­stabi­lität zu wahren. Sie muss aber auch die Geld­versor­gung sicher­stellen.” • Markus Ferber (europä­ischer CSU-Spitzen­mann) will der EZB erlauben, sich auf den Sekundär­märkten zu verhalten wie ein Investor • Elmar Brok (Euro­paab­geord­neter und Europa- und Außen­experte der CDU): „Einen Teil der Diskus­sion in Deutsch­land über die Rolle der EZB verstehe ich nicht.” • die EZB habe erst 3% der europä­ischen Staats­anleihen in ihrem Port­folio, die Bank of England aber 20% der briti­schen Bonds und die ameri­kani­sche Fed 13% der US-Papiere • José Manuel Barroso benannte die Euro-Bonds um in „Stabi­litäts­bonds”, in 3 von ihm präsen­tierten Versi­onen • jedoch die CSU samt allen ihren Expo­nenten schließt die Bonds katego­risch aus • die Kanz­lerin will auf dem nächsten Gipfel der Staats- und Regie­rungs­chefs sanfte Vertrags­auml;nde­rungen vorschlagen mit der Möglich­keit, Schulden­länder vor dem Europä­ischen Gerichtshof zu verklagen • Jean Assel­born (luxem­burgi­scher Außen­minister) warnt: „Es ist utopisch zu glauben, dass nur die ange­peilten Artikel zur Revision stünden.” • Vertrags­auml;nde­rungen würden auch Volks­abstim­mungen etwa in Frank­reich oder Irland nötig machen • Angela Merkel hätte dann womög­lich einem Deal zuge­stimmt, bei dem ihr der Souverän die Gegen­leis­tung verwei­gert
[HTML] Pawel: Wie kam es zur Schuldenkrise? Die Welt­wirt­schaft scheint am Abgrund zu stehen. Die Gefahr einer großen Depres­sion, die viel verhee­render sein wird als die von 1929, rückt immer näher. Banken, Firmen, Kommunen, Regi­onen, gar Staaten werden heute in den Bank­rott getrieben. Die Medien reden fast nur von der „Schuldenkrise”. LINKE ZEITUNG, 26.11.2011. • Aus der Grafik der Entwick­lung der welt­weiten Verschul­dung (welt­weite Gesamt­verschul­dung, d.h. die Schulden der Haus­halte, Firmen und Staaten aller Länder) geht hervor, dass die Schulden­quote 1960 100% des BIP betrug, 2008 aber auf das 2½-fache gestiegen war (auf 250%) • dieser spekta­kuläre Trend kann auch anhand der Grafik der öffent­lichen Verschul­dung der USA bestä­tigt werden • deut­lich wird die soge­nannte „Schulden­mauer”, auf die der Kapita­lismus jetzt mit voller Wucht aufprallt • warum haben fast alle Regie­rungen die Kredit­bedin­gungen immer mehr erleich­tert und die Defi­zite immer mehr anwachsen lassen? • Antwort: sie hatten keine andere Wahl, sonst hätte die jetzt drohende Rezes­sion schon in den 1960er Jahren ange­fangen • der Kapita­lismus über­lebt seit Jahr­zehnten mit Hilfe von Krediten • der Kapita­lismus leidet von Anfang an an Über­produk­tion (es folgt eine Darstel­lung der Über­produk­tions­theorie und aus ihr folgend der Zwang, immer­fort äußere Märkte zu finden) • „die Verschuld­ung stellt für den Kapita­lismus das dar, was Morphin für den Todge­weihten ist.” — jeden Tag nimmt die Abhän­gigkeit zu, immer höhere Dosen werden einge­setzt • die Welt­wirt­schaft hängt seit den 1960er Jahren am Topf der Kredite, aber die Schulden stecken überall • immer mehr Banken, Firmen, Kommunen, Staaten können ihre Schulden nicht mehr zurück­zahlen und keine Zinszah­lungen mehr leisten • das Problem besteht im Kapita­lismus selbst: das ganze System ist bank­rott
[HTML] Zerfall der Eurozone für irischen Finanzminister unwahrscheinlich. Der irische Finanz­minister Michael Noonan hält die Wahr­schein­lich­keit des Zusam­menbru­ches der Euro­zone für «sehr gering». BaslerZeitung, 26.11.2011. • Der Euro habe sich als „starke Währung gezeigt und den EU-Binnen­handel ange­regt” • Unter­schei­dung zwischen der Währung, die stark sei, und dem Schulden­problem, das gelöst werden müsse • diese Lösung sollte „unter­halb der Schwelle neuer Verträge” liegen • eine Ände­rung der EU-Verträge verlangt nach irischer Verfas­sung ein (derzeit nicht sehr aussichts­reiches) Refe­rendum • aber 95% der ange­strebten Ände­rungen lägen inner­halb der beste­henden Verträge
[HTML] Anleger lechzen nach Lösung der Schuldenkrise. Der Aktien­markt dümpelt weiter in unru­higem Fahr­wasser: Börsi­aner fürchten sich vor einem Über­greifen der Krise auf starke Euro-Länder und hoffen auf den Master­plan der Politik. Auch US-Daten rücken in den Fokus. msn MONEY, 26.11.2011
[HTML] ler/flo/dpa/AFP: EFSF-Rettungsschirm: Euro-Hebel verfehlt die Billion deutlich. Aus der geplanten Reserve von einer Billion Euro wird wohl nichts. Nach SPIEGEL-Infor­mati­onen fällt der EFSF-Ret­tungs­schirm viel kleiner aus. Grund: die Zurück­haltung der Geld­geber. Paris und Berlin arbeiten in Sachen Krise inzwi­schen an einem neuen Euro-Vertrag. SPIEGELONLINE POLITIK, 26.11.2011
[HTML] C. Siedenbiedel: Chefvolkswirt Jürgen Stark im Gespräch: „Der politische Druck auf die EZB ist enorm”.[!] Chef­volks­wirt Jürgen Stark verlässt die Europä­ische Zentral­bank. Er sieht ihre Unab­hängig­keit gefährdet und warnt in einem Abschieds­inter­view vor der Gefahr der Infla­tion. FAZ.NET, 26.11.2011. • „… ich bleibe dem Projekt der gemein­samen europä­ischen Währung verbunden. Immerhin habe ich dafür fast ein Viertel­jahr­hundert gear­beitet.” • im Augen­blick ist die Mehr­heitsent­scheidung des EZB-Rates zum Aufkauf von Staats­anleihen zu respek­tieren, solange die EZB regel­mäßig die Liqui­dität wieder abschöpft • proble­mati­scher ist, dass das Zins­niveau für Staats­anleihen dadurch beein­flusst wird und somit einen fiskal­politi­schen Effekt hat: wir beein­flussen die Bedin­gungen, zu denen Regie­rungen sich verschulden können • es liegt aber in der Verant­wort­ung der Regie­rungen, für angemes­sene Bedin­gungen zur Finan­zierung ihrer Staats­ausgaben zu sorgen • es ist nicht die Aufgabe der Noten­bank, die Reak­tion der Märkte auf die hohe Verschul­dung der Staaten zu korri­gieren • wenn eine Zentral­bank in großem Stil Staaten finan­ziert hat, endete das früher oder später in Infla­tion • die welt­weit extrem expan­sive Geldpo­litik führt derzeit noch nicht zu Infla­tion, weil die Banken in der Krise das Geld nur sehr verhalten als Kredite weiter­reichen • Noten­banker sagen: „Liqui­dität findet immer ihren Weg” • entweder steigen die Verbrau­cher­preise — oder die Vermö­gens­preise • die üppig verfüg­bare Liqui­dität führt bereits auf den globalen Märkten zu höheren Infla­tions­raten in den Schwellen­ländern — und zu Preis­steige­rungen von über 5% in England und mehr als 3% in den Verei­nigten Staaten • die Unter­schei­dung zwischen Retter­staaten und zu rettenden Staaten geht fehl: wenn große Volks­wirt­schaften wie Frank­reich ein Haus­halts­defizit von mehr als 5% haben, die Verschul­dung weiter steigt und die Politik nur zöger­lich handelt, werden die Märkte reagieren und die Zinsen steigen • die EZB wird es nicht zulassen, dass die "Noten­presse" für den Abbau von Staats­schulden benutzt wird • Euro-Bonds lösen die struktu­rellen Haus­halts­probleme einiger Länder am allerwe­nigsten — sie führen aber zu einer Haftungs- oder Schulden­union • erst bei Verwirk­lichung einer politi­schen Union könnten am Ende auch gemein­same Anleihen stehen • der Kampf gegen die öffent­liche Verschul­dung verlangt die Durch­führung von Struktur­reformen zur Verbes­serung der Wettbe­werbs­fähig­keit und Stär­kung des Wachs­tums­poten­zials • viele Verwer­fungen in der Finanz­krise sind auf eine Politik des billigen Geldes zurück­zuführen • die Direkto­riumsmit­glieder der EZB müssen die Unabhän­gigkeit der EZB mit allen Mitteln vertei­digen • in Zukunft müssen wir die Lehren ziehen und die Erfül­lung der Konver­genzkri­terien durch poten­zielle Beitritts­kandi­daten inten­siver und kriti­scher prüfen
[HTML] Ex-Finanzminister Waigel verteidigt Aufkauf von Staatsanleihen. business press, 27.11.2011. • Theo Waigel (CSU, ehema­liger Bundes­finanz­minister): „Das stän­dige Gerede, die EZB sei wegen ihrer Ankäufe von Staats­anleihen zu einer "Bad Bank" geworden, ist so falsch wie fahr­lässig.” • die EZB redu­ziere die durch den Ankauf von Anleihen auf dem Sekundär­markt entste­hende Liqui­dität, indem sie die Geld­menge unter Kontrolle hält • „In der gegen­wärtigen schwie­rigen Situa­tion sollten alle ein Inter­esse an der Stär­kung des Vertrauens in die EZB haben.” • Präsi­dent Sarkozys klares Bekenntnis zur Unab­hängig­keit der EZB breche mit der unseligen Tradition in Paris, die Geld­wert­stabi­lität politi­schen und am Ende wahl­takti­schen Wünschen unterzu­ordnen
[HTML] J. Dams, J. Hildebrand: Geheimverhandlung: Merkel und Sarkozy gründen Klub der Super-Europäer.[wichtig] Deutsch­land und Frank­reich wollen nicht mehr auf eine Eini­gung aller Länder warten: Notfalls würden sie mit einem neuen Stabi­litäts­pakt inner­halb der Währungs­zone vorpre­schen. WELT ONLINE, 27.11.2011. • Griff zu drasti­schen Mitteln: Deutsch­land und Fran­kreich wollen nicht mehr auf eine Eini­gung aller EU-Länder warten • sie wären notfalls bereit, mit einigen Ländern voran­zugehen und (inner­halb der Währungs­zone) eine Art Klub der Super-Euro­päer mit strengen Sparauf­lagen zu gründen • Regie­rungs­kreise: dieser Krisen­bekämp­fungs­plan könnte in der kommenden Woche verkündet werden • der Inhalt der Geheim­verhand­lungen geht weit über Vorschläge für eine Ände­rung der europä­ischen Verträge hinaus • die Euro-Staaten sollen unter­einander zusätz­lich einen neuen Stabi­litäts­pakt beschließen • geplante Umset­zung mit Sonder­regeln für einige Staaten inner­halb der EU: bereits bis Anfang kommenden Jahres • für diese „Koali­tion der Spar­willigen” vorge­sehen sind strenge Defi­zitauf­lagen und Kontroll­rechte für natio­nale Haus­halte • bei aller Unab­hängig­keit der EZB wird doch von ihr erwartet, dass sie verstärkt als Krisenbe­kämpfer auch durch den Kauf von Staats­anleihen auftreten soll • in Berlin hieß es: „Nach diesen Maßnahmen dürfte es inner­halb der EZB eine Mehrheit geben, die zu stär­keren Interven­tionen am Kapital­markt bereit ist.” • neue Berech­nung des ifo-Insti­tuts: die Bundes­repu­blik steht nun mit einer Summe im Feuer, die das Volumen des gerade verab­schie­deten Bundes­haus­halts 2012 (306 Mrd. €) um mehr als 80% über­steigt • bei einem Zahlungs­ausfall von Grie­chen­land, Irland, Italien, Portugal und Spanien käme auf Deutsch­land die Summe von bis zu 560 Mrd. € • grund­sätz­liche Einwände hierzu­lande: eine mone­täre Staats­finan­zierung sei mit der deut­schen Stabi­litäts­kultur nicht vereinbar • neben Frank­reich und vielen südeuro­päischen Staaten forderten auch Groß­britan­nien und die USA den Einsatz der Zentral­bank • die Regie­rung ist auch deshalb unter Druck, weil die Finanz­märkte den Euro­päern wohl nicht mehr viel Zeit gewähren: die Anlei­hever­käufe der EU-Staaten liefen die ganze Woche über desa­strös • die in den kommenden Wochen anste­henden großen Anlei­hever­käufe vieler Euro-Staaten drohten zu platzen • Merkel sieht sich gezwungen, schnell zu reagieren • eine Ände­rung der EU-Verträge würde hingegen mindes­tens ein Jahr dauern — doch daran soll parallel festge­halten werden • Hoff­nung auf eine relativ zügige Umset­zung einer begrenzten Vertrags­auml;nde­rung über eine Ände­rung des Proto­kolls Nr. 14, gültig für alle europä­ischen Staaten • das vermeidet die Gefahr, dass der Währungs­raum in 2 Teile zerfällt
[HTML] rei/reuters: Börsenausblick: Das Nervenflattern findet kein Ende. Das Vertrauen der Inves­toren in die Politik ist erschüt­tert, dabei wünschen sie sich nichts so sehr wie eine Lösung der Schulden­krise. Die ist trotz der heiß disku­tierten Euro-Bonds aber noch längst nicht in Sicht. Der Abwärts­trend im Dax könnte anhalten, fürchten Stra­tegen.  manager magazin , 27.11.2011. • Auf ein umfas­sendes Lösungs­paket zur Bekämp­fung der ausu­fernden Schulden in den Krisen­staaten warten die Anleger weiter verge­bens • der schlei­chende Abwärts­trend in den letzten Wochen verheißt nichts Gutes (Dax -5,3% in der letzten Woche, rund -11% im letzten Monat) • der Vertrau­ensver­lust droht zuneh­mend auch auf die starken Länder Europas überzu­greifen • Jörg Rahn (Anla­gestra­tege vom Vermö­gensver­walter Marcard, Stein & Co.): nur noch die EZB hat die Macht, dem Negativ­trend entge­genzu­wirken, indem sie Bonds aus den europä­ischen Kern­staaten inklu­sive Italien und Spanien ab einem bestimmten Zins­satz ohne Mengen­beschrän­kung ankauft • die wieder aufge­flammte Diskus­sion über die Einfüh­rung von Euro-Bonds hielte er nur bei einer flankie­renden Verein­heitli­chung und Kontrolle der Fiskal­politik für ziel­führend • die Anleger lechzen nach irgend­einer Lösung für die Schulden­krise • etwas mehr Klar­heit ergibt sich viel­leicht nach der Entschei­dung der Finanz­minister am Dienstag, ob Grie­chen­land die letzte Tranche aus dem ersten Hilfs­paket über­wiesen bekommt • auch auf der Agenda steht das Fest­zurren der Hebe­lungs­modelle des EFSF • die Inves­toren haben auch die monat­lichen US-Arbeits­markt­daten am Freitag im Blick • Chris­toph Balz (Commerz­bank-Experte): „Während die Wirt­schaft im Euro­raum auf eine Rezes­sion zusteuert, hält sich die US-Konjunktur wacker.”
[HTML] 600 Millionen Euro: IWF schnürt Rettungspaket für Italien. Der Inter­natio­nale Währungs­fonds will dem hoch verschul­deten Italien einen umfang­reichen Kredit gewähren. Für die Zinsen kann das Land aber wohl nicht voll­ständig aufkommen — weitere Hilfe von außen ist nötig.  Handelsblatt , 27.11.2011
[HTML] Schuldenkrise: Zügige Änderungen der Euro-Verträge geplant. Berlin und Paris machen Druck, um Vertrags­auml;nde­rungen zur Stabi­lisie­rung des Euro zu beschleu­nigen. Die Euro-Finanz­minister wollen EFSF-Hebe­lung auf 1 Billion Euro. FAZ.NET, 27.11.2011
[HTML] APA: Irland und Großbritannien sind die wahren Schuldensünder. Gesamt­schulden. Nicht Grie­chen­land und Italien rangieren an der Spitze, sondern Irland und Groß­britan­nien. Wirtschafts Blatt, 27.11.2011. • Die Staats­schulden sind nur ein Teil des Schla­massels: auch die Unter­nehmen, Banken und privaten Haus­halte haben sich hohe Verbind­lich­keiten aufge­laden • also muss man man die gesamten Schulden aller Sektoren (Staat, Banken, Unter­nehmen und Private) zusammen­rechnen • die Zahlen des Inter­natio­nalen Währungs­fonds belegen: Irland und Groß­britan­nien führen die Rang­liste der Schulden­staaten an • verant­wort­lich für die hohe Gesamt­verschul­dung Irlands ist in erster Linie der riesige Banken­sektor, der während der Finanz­krise vor dem Kollaps stand: Schulden in Höhe von fast 700% der Wirt­schafts­leis­tung des Landes • Groß­britan­nien hat ähnliche Probleme: auch hier domi­niert der Finanz­sektor die lokale Volks­wirt­schaft • die Gesamt­verschul­dung Grie­chen­lands ist übri­gens ähnlich hoch wie jene von Deutsch­land • den deut­schen Privat­schulden stehen im Unter­schied aber auch hohe Vermö­gens­werte gegen­uuml;ber • Öster­reich — bei den Staats­schulden mit 72% deut­lich unter dem deut­schen Wert — fällt durch beson­ders hohe Bank­schulden auf (250% des BIP nach Recher­chen des Wirt­schafts­Blatt) • die Austro-Banken haben durch ihr starkes Enga­gement in Osteu­ropa eine über­propor­tional hohe Bedeu­tung für die öster­reichi­sche Wirt­schaft • Franz Hahn (Wifo-Wirt­schafts­forscher): „Die Bonität Öster­reichs ist eng mit den Banken verknüpft.”
[HTML] J. Erling, C. Putsch, S. Mühlmann, S. Weiss, E. Steiner: Schuldenkrise: Werden die Schwellenländer den Europäern helfen? Lange profi­tierte Europa von güns­tigen Importen aus den Schwellen­ländern. In der Schulden­krise braucht nun der alte Konti­nent ihre Hilfe. WELT ONLINE, 28.11.2011. • Europa steckt in einer tiefen Verschul­dungskrise, während viele aufstre­bende Mächte auf Geld­bergen sitzen • helfen diese nun der alten Welt? • die Antwort ist meist: ja, aber nicht ohne Gegen­leis­tung • China hat das Vertrauen in Europa verloren und glaubt nicht mehr, dass die Schulden­krise schnell gelöst werden kann • man will abwarten und verhin­dern, dass die Krise auf Chinas Banken oder die Real­wirt­schaft über­greift • die „Kantoner Tages­zeitung” warnt: „Manche Experten sehen stabile europä­ische Währungs­verhält­nisse erst in 15 Jahren.” • die Krise bekomme ihren Höhe­punkt im nächsten ½ Jahr • die „China Economic Times” warnt vor dem Ankauf europä­ischer Staats­anleihen • Ding Zhijie (Leiter des Finanz­insti­tuts an Chinas Außen­handels­univer­sität): „Europa steht an einer Kreu­zung.” • verschie­dene Staaten, Regie­rungen, Märkte und Inter­essen­gruppen rängen mitein­ander • der Ausgang sei ungewiß • sie werden am Ende gezwungen sein, von der monetären Union zur Fiskal­union und schließ­lich zur wirt­schaft­lichen und politi­schen Union zu gelangen • es hat sich bis Peking herum­gespro­chen, dass in Europa die Nervo­sität über die Lage sehr groß sei • vor dem Hinter­grund von Schwäche­zeichen der chine­sischen Volks­wirt­schaft nimmt die Vorsicht Chinas zu, sich in Europa zu enga­gieren • man rechnet mit einer Wachs­tums­delle, verstärkt durch die Auswir­kungen der Euro­krise • Welt­bank: nach 10,4% 2010 und 9,1% 2011 werde sich das Wachstum 2012 auf 8,4% abkühlen • andere rechnen bereits mit weniger als 8% • Europa müsse erst seine Hausauf­gaben machen, ehe Länder wie China in seine Währung inves­tierten • Li Daokui (Mitglied des geld­politi­schen Berater­gremiums der Zentral­bank): man erwarte einen „prakti­kablen und effizi­enten Euro-­Ret­tungs­plan” vorge­legt zu bekommen und Mitsprache- und Kontrol­lrecht über seine Anlagen zu erhalten • Zeit­schrift „Shenghuo Zhoukan”: „Wenn Peking mithilft, die Stabi­lität des Euro zu erhalten, hilft es sich selbst.” • die EU-Länder kauften 2010 in China für 282 Mrd. € ein — 18,9% mehr als 2009 • chine­sische Lehre aus der Euro­krise: man dürfe nicht zulassen, dass die produk­tive Real­wirt­schaft zugunsten des Finanz­sektors zu schnell verschwindet, und man könne sich kein hoch­ent­wi­ckeltes Sozial- und Wohl­fahrts­wesen auf der Grund­lage von Schulden leisten • Indien erwägt, der schul­denge­plagten Euro-Zone finan­ziell unter die Arme zu greifen, aller­dings an strenge Bedin­gungen geknüpft • Pranab Mukherjee (Finanz­minister): „Es ist wichtig, dass die schweren Entschei­dungen zu den wirt­schaft­lichen Heraus­forde­rungen zügig getroffen werden.” • danach könnten ergän­zende indi­sche Finanzie­rungen erwogen werden • schon jetzt ist das Wachstum in Indien auf den tiefsten Stand seit 1½ Jahren gesunken und werde durch die Schulden­krise weiter gebremst werden • die Wachs­tums­prognose für das Finanz­jahr 2011/12 wurde von ursprünglich 8% bereits auf 7,6% gesenkt • Manmohan Singh (Premier­minister): „Indien wünscht sich eine florie­rende Euro-Zone, denn in Europas Wohl­stand liegt auch unserer eigener Wohl­stand.” • viele Konzerne aus Deutsch­land und anderen europä­ischen Ländern sehen auf dem Subkon­tinent nach ihrer Expan­sion in China das nächste wichtige Land und inves­tieren dort • Sorge herrscht über die schlep­penden politi­schen Initi­ativen ange­sichts der Euro-Krise • vor 10 Jahren noch musste der IWF Brasi­lien unter die Arme greifen, als Luiz Inácio „Lula” da Silva Präsi­dent wurde • inzwi­schen hat Brasi­lien gesunde Staats­finanzen, 350 Mrd. $ Devi­senre­serven und ist vom Schuldner zum Gläubiger des IWF avan­ciert • es fehlt aber am politi­schen Willen zur Hilfe für Europa • für die Brasi­lianer bringt die Krise Europas Vorteile: die schlei­chende Abwer­tung des über­bewer­teten Real • die Krise gibt auch die Chance, den finanz­politi­schen Einfluss in der Welt auszu­weiten: mehr Einlagen gleich mehr Stimmen im IWF — zu Lasten der Euro­päer • Russ­land, das 2009 von der ersten Krisen­welle empfind­lich getroffen wurde, leugnet noch schlicht den drohenden Abschwung und geht in seiner Budget­planung von viel zu opti­misti­schen Daten aus • bricht der Ölpreis ein, klafft aufgrund der Abhängig­keit vom Rohstoff­export ein tiefes Loch im Staats­haus­halt • solch ein taumelnder Riese wird kaum eine große Hilfe für Europa sein • bei der Welt­wirt­schafts­krise 2009 gingen in Süda­frika beinahe 1 Million Arbeits­plätze verloren • die Euro-Krise wird daher nervös beob­achtet — der wichtigste Handels­partner bleibt die EU • Jacob Zuma (Präsi­dent): eine Flut komme auf das Land zu • Süda­frika kriti­sierte mehr­fach die Untä­tigkeit der EU und wies auf welt­weite Auswir­kungen dieser Passi­vität hin • für direkte Hilfe fehlen ihm zwar die Ressourcen, es trägt aber die Posi­tion der BRICS-Staaten mit, Hilfen für die Euro-Krisen­länder über den IWF laufen zu lassen
[HTML] APA/AFP: China will massiv in Europa investieren. Chinesi­scher Staats­fonds will in Infra­struktur in Europa inves­tieren. Bisher viel Geld in US- und europä­ische Staats­anleihen geflossen. Wirtschafts Blatt, 28.11.2011. • Der billi­onen­schwere chine­sische Staats­fonds CIC will künftig in die europä­ische und US-Infra­struktur inves­tieren • Lou Jiwei (CIC-Chef): „Die Infra­struktur in Europa und den USA benötigt dringend Inves­titi­onen.” • der chine­sische Staats­fonds wurde im Jahr 2007 zur Verwal­tung der hohen Währungs­reserven der Volks­repu­blik gegründet • Ende September 2011 umfasste er 2.419 Mrd. € • die auslän­dischen Staats­anleihen, in die der CIC bisher inves­tiert hatte, galten zwar als vergleichs­weise wenig gewinn­brin­gende, aber dafür sichere Anlagen • ange­sichts der Schulden­krise in den USA und Europa suchen die CIC-Manager nun auch nach anderen Anla­gemög­lich­keiten — trotz ihrer früheren Verluste bei riskan­teren Inves­titi­onen während der voran­gegan­genen Finanz­krise
[HTML] S. Wettach: Schuldenkrise: Wochen der Entscheidung für den Euro. Kredit­aufnahme, Inves­toren­suche und Gipfel­treffen: In dieser und der kommenden Woche wird sich entscheiden, ob die Euro­zone noch eine Zukunft hat. wiwo.de, 28.11.2011. • José Manuel Barroso: die Lage sei „sehr ernst” • in den kommenden Tagen werden wir erfahren, in welchem Maße sich Inves­toren noch für die Staats­anleihen interes­sieren • Belgien, Italien und Spanien wollen bis Freitag Papiere im Wert von 15 Mrd. € platzieren • Klaus Regling (Chef des Rettungs­fonds EFSF) wird den Finanz­minis­tern am Dienstag abend schlechte Nach­richten über­bringen: der Hebel des Rettungs­fonds wird wesent­lich kleiner ausfallen, als vor etwa 1 Monat ange­peilt wurde • außer­europä­ische Inves­toren haben kaum Inter­esse — und die Versiche­rungs­lösung des EFSF wird kaum ange­nommen • die italie­nische „La Stamap” fälsch­lich: der IWF bereite ein Rettungs­paket über 600 Mrd. € für Italien vor • angeb­liche Hilfsan­suchen Spaniens erwiesen sich als Gerücht • Italien versucht, der breiten Bevöl­kerung den Kauf von Staats­anleihen nahezu­legen • die italie­nische Staats­kanzlei am letzten Freitag: „Ein Zusammen­bruch Italiens wäre das unaus­weich­liche Ende des Euros.” • die ange­spannte Lage an den Anleihe­märkten hat den Hand­lungs­druck für die Politik erheb­lich erhöht • Angela Merkel will beim kommenden Gipfel die Grund­lagen für eine „Stabi­litäts­union” legen • ihr schwebt nun vor, dass willige Länder voran­gehen, ähnlich wie seiner­zeit bei der Grün­dung der Schengen-Zone • doch der finni­sche Minis­terprä­sident Jyrki Katainen hat die Methode bereits kriti­siert • er zweifelt, dass es dafür „eine brei­tere Unter­stüt­zung” gebe
[HTML] Beton-Gold statt Konfetti-Geld.[!] Der Point of no Return im Euro-Desaster ist über­schritten. Für den Anleger heißt das: Take the money and run! Aktien sind erste Wahl, insbe­sondere Immobi­lien-Aktien. ⋅⋅T⋅⋅ Online / DER☻AKTIONÄR, 28.11.2011. • Das europä­ische Schulden­desaster spitzt sich zu, und viele Experten flüs­tern, dass der 'Point of no Return' für den Anleger schon über­schritten ist: take the money and run! • aber wohin rennen? • weg von Staats­anleihen — hin zu wirk­lich realen Sach­werten, die einem Super-Finanz-Hurrikan halb­wegs trotzen können • Italien und die meisten Euro­länder werden auf kurz oder lang einfach nicht mehr genug Anleihe­käufer finden, weil eine funda­mentale Neube­wertung des Risi­kopro­fils der Euro­zone längst stattge­funden hat • und die Über­alterung im westli­chen Europa sorgt dafür, dass viele Lebens­versi­cherer ihre Auszah­lungen an Kunden zukünftig weiter erhöhen, ohne in gleichem Umfang neue Anleihen zu kaufen • logi­sche Folge: ein Para­digmen­wechsel hin zu direkten Beteili­gungen an führenden Unter­nehmen durch Aktien­invest­ments • viele deut­sche Städte erleben seit Monaten einen immensen Anstieg der Nach­frage nach Wohn­immobi­lien • das betrifft nicht nur die Klas­siker wie München, Hamburg und Berlin, sondern auch pros­perie­rende Städte aus der 2. Reihe wie Kiel, Darm­stadt, Karls­ruhe und Nürn­berg • liquide Aktien von Immobi­lien­firmen mit einem erfah­renen Manage­ment und einem wertsta­bilen Bestand in guten deut­schen Lagen sind jetzt ange­raten • viele gibt es jetzt zum Discount-Preis: Conwert Immobi­lien, Kommu­nale Wohnen und Youniq • bei Büro- und Retail-Immobi­lien sind Unter­nehmen gefragt, die für ihre Nach­haltig­keit zertifi­zierte Projekte an den rich­tigen Stand­orten haben: CA Immo, IFM oder S Immo • bei Gewerbe- und Logis­tikim­mobi­lien: VIB Vermögen • 'Beton-Gold' über­zeugt jetzt durch stei­gende Gewinne und Divi­denden
[HTML] C.B. Schiltz: Elite-Bonds: Sechs Euro-Länder sollen für Europa haften. Seit Wochen wird ein Plan beraten: EU-Länder mit höchster Bonität nehmen gemeinsam Anleihen auf — um Wackel­kandi­daten zu stützen. Die Bundes­regie­rung demen­tiert. WELT ONLINE, 28.11.2011. • Die Bundes­regie­rung soll an konkreten Plänen für stren­gere Haus­halts­regeln und die Einfüh­rung von „Elite-Bonds” arbeiten • das Thema wird seit mehreren Wochen beraten, auch gemeinsam mit Finnland und den Niederlanden, sowie mit Großbritannien • die 6 Länder mit der höchsten Bonität sollen künftig gemeinsam Anleihen begeben, deren Zins­satz im güns­tigsten Fall zwischen 2,0% und 2,5% liegen soll • damit sollen nicht nur die eigenen Schulden der Triple-A-Länder finan­ziert werden, sondern auch Hilfen für Wackel­kandi­daten wie Italien und Spanien • dieser ganze Bericht wurde aber von der Bundes­regie­rung dementiert • ein Sprecher: „Es gibt keine Planungen für 'Triple A'-Bonds oder 'Elite-Bonds'.” • statt­dessen werde an einer „Stabi­litäts­union” und den entspre­chenden Vertrags­auml;nde­rungen gear­beitet • es soll aber auch denkbar sein, dass die Finanz­agentur des Bundes, ergänzt um Experten anderer Triple-A-Länder, Anleihen von Krisen­staaten aufkauft — aber nur gegen harte Auflagen • Ziel: Stabi­lisie­rung der Triple-A-Länder und Errich­tung eines glaub­würdigen Schutz­walls, der „die Finanz­märkte beruhigt” • diese Anleihen werden intern auch „Elite-Bonds” genannt • statt einem Sonder­vertrag der Triple-A-Länder einschließ­lich der „Elite-Bonds” wäre auch denkbar, dass es zur Anwen­dung von Artikel 352 des EU-Vertrags (der soge­nannten Notstands­klausel) kommt — Vorteil: der ”Schutz­wall” für Krisen­länder wäre schneller errichtet, und es gäbe keine faktische Verklei­nerung der Währungs­union • parallel dazu hofft Merkel immer noch darauf, eine Vertrags­auml;nde­rung für strikte Haus­halts­regeln und eine gemein­same Fiskal­politik zu errei­chen, der alle 27 EU-Länder zustimmen
[HTML] APA: Spaniens Regionen schnallen sich den Gürtel enger. Die sich in Spanien drama­tisch zuspit­zende Schulden­krise zwingt die hoch verschul­deten Regi­onen im kommenden Jahr zu empfind­lichen Budget­kürzungen. Wirtschafts Blatt, 28.11.2011. • Dies betrifft 2012 vor allem den Infra­struk­turbe­reich, mit Kürzungen von durch­schnitt­lich bis zu 13,6% entspre­chend rund 1,7 Mrd. € weniger staat­licher Inves­titi­onen in Infra­struk­turpro­jekte • dabei herrscht jetzt schon eine Arbeits­losen­quote von 21,5%, die laut OECD 2012 auf 23% steigen dürfte • die Bale­aren wollen die Ausgaben für staat­lich geför­derte Infra­struk­turpro­jekte 2012 sogar um 37% kürzen, die Mittel­meer­region Valencia um 36% und die südspa­nische Region Murcia um 20% • die meisten Einrich­tungen im staat­lichen Gesund­heits­bereich, im Schul­wesen sowie in öffent­lichen Dienst­leis­tungen werden gekürzt werden müssen • zum Ausgleich wird gerade eine von extrem hoher Arbeits­losig­keit betroffene Region wie Anda­lusien mit Steuer­erhö­hungen im kommenden Jahr bis zu 225 Mio. € Mehrein­nahmen erzielen müssen • die meisten spani­schen Regionen werden mit Blick auf die demnächst gesetz­lich vorge­schriebene Schulden­grenze, die Spaniens zukünf­tiger Minister­präsident Mariano Rajoy von der konser­vativen Volks­partei (PP) einführen will, große Etatkür­zungen vornehmen • er hatte erklärt, er wolle den mit Brüssel ausgehan­delten Plan einhalten, das spani­sche Budget­defizit im kommenden Jahr auf 4,3% zu senken • das ist nur umzu­setzen, wenn vor allem die hoch verschul­deten Regionen ihre Neuver­schul­dung im Rahmen halten
[HTML] APA/Reuters: Weltgrößtes Brokerhaus lässt Ende der Eurozone durchspielen. Der welt­größte Devisen- und Staats­anleihen-Händler ICAP hat seine elek­troni­schen Systeme den Zusammen­bruch der Euro­zone und die Wieder­bele­bung natio­naler Währungen durch­spielen lassen. Wirtschafts Blatt, 28.11.2011. • Ange­sichts wach­sender Sorgen über ein Ende der Währungs­union ist die Wieder­einfüh­rung der griechi­schen Drachme durchge­rechnet worden • ein ICAP-Sprecher: „Wir haben für den mögli­chen Fall die griechi­sche Drachme im Vergleich zum Euro und dem US-Dollar getestet.” — 6 Monate lang • sowohl die Drachme als auch jede andere Währung könne bei einem Austritt aus der Euro­zone gehan­delt werden
[HTML] APA/Reuters: Deutscher Bundestagsausschuss ebnet Weg für EFSF-Hebelung. Der Haus­haltsaus­schuss des deut­schen Bundes­tages hat am Vorabend des Finanz­minister­treffens der Euro-Staaten den Weg frei gemacht für eine Erhö­hung der Schlag­kraft des Rettungs­fonds EFSF. Wirtschafts Blatt, 28.11.2011. • Vorge­sehen ist, dass der EFSF mit Hilfe von privaten Inves­titi­onen kräftig verstärkt wird • in- und außer­halb der Euro­zone wird ange­sichts der wach­senden Finan­zierungs­probleme von EU-Län­dern eine massive Verstär­kung des EFSF gefor­dert • Jacek Rostowski (Polens Finanz­minister und amtie­render EU-Rats­vorsit­zender): eine Schlag­kraft von bis zu 3 Billionen € über den Fonds ist nötig, um wirksam als „Brand­mauer” gegen die Schulden­krise agieren zu können • auch die OECD empfiehlt eine Erhö­hung • Steffen Seibert (deut­scher Regie­rungs­spre­cher) dagegen: „Wir können in Europa keine Finanz­kraft vorspie­geln, die wir nicht haben.” • Klaus Regling (EFSF-Chef): der Fonds kann im aktu­ellen Markt­umfeld mit Hilfe von privaten Inves­toren­geldern wohl nicht so verstärkt werden wie zuvor erhofft • es gibt wach­sende Finan­zierungs­probleme europäi­scher Staaten, die der EFSF abfe­dern sollte • die Rating­agentur Moody's sieht durch die Eska­lation der Schulden­krise und die Finan­zierungs­probleme der Banken inzwi­schen die Bonität aller europä­ischer Länder bedroht • Bundes­tagsaus­schuss: das Absiche­rungs­volumen für private Inves­toren durch den EFSF in dem einen Hebel­modell soll im Korridor von 20% bis 30% liegen • die Parla­menta­rier machen deut­lich, dass der Versiche­rungs­fall, ab dem die Absiche­rung eintritt, „mindes­tens inter­natio­nalen Stan­dards” entspricht • werden diese beiden Maßgaben in Brüssel nicht umge­setzt, darf Schäuble nicht zustimmen • die Bundes­regie­rung demen­tierte, sie erwäge gemein­same Anleihen mit den anderen boni­täts­starken Ländern der Euro-Zone • Christian Lindner (FDP-Gene­ralse­kretär): „Wir werden der Bege­bung von Euro-Bonds — egal ob sie jetzt rote Euro-Bonds oder blaue Euro-Bonds sind oder Elite-Bonds oder 'James Bonds' sind — egal in welcher Konstruk­tion nicht zustim­men.” • Regie­rung: wir konzen­trieren uns weiterhin darauf, über Vertrags­auml;nde­rungen in Europa in möglichst über­schau­barer Zeit eine Stabi­litäts­union der Euro-Staaten zu begründen
[HTML] EU-Krisentreffen in Brüssel: Euro-Lokomotive Deutschland vor Billionen-Deal. Nächste Eskalationsstufe der Schuldenkrise: Die Euro-Finanzchefs sollen den EFSF-Krisenfonds heute durch Finanztricks so aufmöbeln, dass er noch mehr Milliarden stemmen kann. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat bereits grünes Licht gegeben. Europa appelliert an Deutschland, Ja zu sagen.  manager magazin , 29.11.2011. • Treffen der Euro-Finanz­minister in Brüssel: wird die nächste Tranche der Grie­chen­land-Notkre­dite nicht freige­geben, droht Athen der Bank­rott • da mittler­weile selbst Italien bedroh­lich hohe Zinsen für seine Kredite zahlen muss, muss ein Befrei­ungs­schlag her • Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble hat bishe­rige Rufe nach einer Kredit­garantie durch die EZB oder nach Euro-Bonds zurück­gewiesen und will weiter für Vertrags­auml;nde­rungen werben • doch der Druck auf Deutsch­land nimmt zu: die Rating­agentur Stan­dard & Poor's hat Frank­reich mit dem Verlust der Top­schuldner-Bo­nität ('AAA') gedroht • daher hat der Haus­halts­ausschuss des Bundestags am Vorabend in einer geheimen Sitzung eine Vorlage gebil­ligt, die als Basis der Gespräche in Brüssel dienen soll und auch eine Hebe­lung des Schirms vorsieht • ein Ruf für eine Erhö­hung kam von der OECD • der Ruf danach kam auch von Jacek Rostowski (Polens Finanz­minister): eine Schlag­kraft von bis zu 3 Billi­onen € über den Fonds sei nötig • Radoslaw Sikorski (Polens Außen­minister) dramati­sierte ange­sichts der deut­schen Zurück­haltung: „Ich habe weniger Angst vor deut­scher Macht, als ich anfange, mich vor deut­scher Inakti­vität zu fürchten.” • er sprach sich für eine wesent­lich größere Rolle der Europä­ischen Zentral­bank wie auch für die von Deutsch­land gefor­derten EU-Ver­trags­auml;nde­rungen aus • der Haus­haltsaus­schuss gab Finanz­minister Schäuble 2 Maßgaben mit: das Absiche­rungs­volumen für private Inves­toren durch den EFSF soll in dem einen Hebel­modell im Korridor von 20% bis 30% liegen, und der Versiche­rungs­fall, ab dem die Absiche­rung eintritt, „mindes­tens inter­natio­nalen Stan­dards” entspre­chen • Schäuble: nötig seien „zunächst einmal Schritte, die das verloren gegan­gene Vertrauen der Finanz­märkte zurück­gewinnen.” • alle Mitglieds­staaten der Euro-Zone sollten sich verpflichten, ihre Schulden, die 60% des BIP über­schreiten, viel­leicht in einem eigenen Fonds zu verwalten, der durch eigene Einnahmen dauer­haft belegt wird
[HTML] S. Ulrich: Europäsche Schuldenkrise: Furcht vor dem deutschen Gespenst. Bewun­derung schlägt um in Kritik: Lange haben die Fran­zosen versucht, Deutsch­land in der Schulden­krise nachzu­ahmen. Jetzt bezich­tigen sie Berlin, durch Spar­diktate die Euro-Krise zu verschärfen und Europa zu gefährden. Auch vor einer stär­keren Zentral­regie­rung in Brüssel fürchten sie sich — Trost spendet ledig­lich die Bevöl­kerungs­entwick­lung. sueddeutsche.de, 29.11.2011. • Nicolas Dupont-Aignan (gaullis­tischer Abgeord­neter): „Ich möchte nicht mit ansehen, dass sich mein Frank­reich in ein deut­sches Bundes­land verwan­delt.” • Jacques Attali (früherer Präsi­denten­berater): „Berlin hält mal wieder die Waffe zum kollek­tiven Selbst­mord des Konti­nents in der Hand.” • Titel­blatt des Magazins Challenge: „L'Europe alle­mande” • lange hatte beson­ders die deut­sche Wirt­schaft mit ihren Produkten ein sehr posi­tives Image in Frank­reich • nun scheint die Stim­mung zu kippen: Deutsch­land wird vorge­worfen, es gängele Frank­reich und treibe den ganzen Konti­nent mit seinen Infla­tions­auml;ngsten und Spardik­taten in den Unter­gang • die Wirt­schafts­zeitung La Tribune vergleicht Deutsch­land mit einem Feuer­wehr­mann, der ein Haus tatenlos nieder­brennen lasse, um den Kindern vorzu­führen, wie gefähr­lich es sei, mit Zünd­hölzern zu spielen • bis weit ins Regie­rungs­lager reicht der Unmut über ein angeb­lich besser­wisseri­sches und von Infla­tions­shy;neurosen befal­lenes Deutsch­land • der „germano­phile” Bruno Le Maire (Land­wirt­schafts­minister): „Deutsch­land sendet kein einziges posi­tives Signal aus.” • das macht es Sarkozy schwerer, Kompro­misse einzu­gehen • eine Mehr­heit der Fran­zosen will auch nichts davon hören, mehr Souverä­nität an die Organe in Brüssel abzu­geben: von solchen Reformen profi­tiere doch nur das bevöl­kerungs­reiche Deutsch­land • dazu Hans Stark (Gene­ralse­kretär des Studien­komi­tees für deutsch-franzö­sische Bezie­hungen): „Ein biss­chen Germano­phobie gibt es in Europa immer, damit müssen wir leben.” • Deutsch­land bestimme nun mal jeden­falls „die Wirt­schafts­politik der verschul­deten Staaten heute mit” • dagegen domi­niere Frank­reich z.B. in der Vertei­digungs­politik • Trost von Attali: „2060 wird es weniger Deut­sche als Fran­zosen geben.”
[HTML] R. Lebert: Schuldenkrise erreicht Kommunen. Capital  Mobil, 29.11.2011
[HTML] dab/suc/dapd/Reuters/dpa: Schuldenkrise in Europa: Polen drängt Deutschland zu schneller Hilfe. Die Schulden­krise verschärft sich. In Brüssel verhan­deln die Euro-Finanz­minister über einen Hebel für den Rettungs­fonds EFSF. Vor dem Treffen ergehen drama­tische Appelle an die Bundes­regie­rung:  Deutsch­land müsse den Euro-Kollaps stoppen, verlangt Polens Außen­minister Sikorski. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 29.11.2011. • Radoslaw Sikorski: Deutsch­land sei der größte Profi­teur des Euro und kein unschul­diges Opfer der derzei­tigen Schul­denkrise, und als wich­tigste Wirt­schafts­macht müsse sie auch den größten Beitrag für den Erhalt der Euro-Zone leisten • auch Deutsch­land müsse verstehen, dass die Bedro­hung durch einen Zusammen­bruch der Euro-Zone derzeit größer sei als die Gefahr einer Infla­tion • es sei nicht sicher, ob der EU-Binnen­markt ohne den Euro über­lebe • Jay Carney (Regie­rungs­spre­cher der USA): der Kampf gegen die Verschul­dung verlange „politi­schen Willen sowie die finan­ziell erfor­derli­chen Ressour­cen” • „Es ist entschei­dend für Europa, jetzt mit Macht und Entschlos­senheit vorzu­gehen.” • Obama fordert von den Euro­päern seit Monaten zupa­ckendes Handeln und bemän­gelt die zähen Entschei­dungspro­zesse in der EU • auch die OECD hatte vor den Folgen der Schulden­krise gewarnt und vor den „absolut kata­stro­phalen Resul­taten” für den Fall, dass Ameri­kaner und Euro­päer ihre Schulden­krisen nicht in den Griff bekommen • welt­weit müssten sich Politiker aufs Schlimmste vorbe­reiten • die Rating-Agentur Stan­dard & Poor's könnte in den kommenden 10 Tagen den Ausblick für die Spitzen­bonität Frank­reichs auf 'negativ' senken • auch die beiden S&P-Konkur­renten Fitch und Moody's haben Frank­reich bereits gewarnt, dass es sein AAA-Rating im Sog der Schulden­krise verlieren könne • düstere Aussichten für Frank­reich: die Arbeits­losen­zahl stieg mit 2,815 Mio. Arbeits­losen auf den höchsten Stand seit Januar 2000 • die seit 2 Jahren anhal­tende wirt­schaft­liche Erho­lung ist zum Erliegen gekommen
[HTML] fdi/dpa/Reuters: Streit um Posten bei Euro-Zentralbank: Frankreich brüskiert Deutschland. Mitten in der heißen Phase der Währungs­krise liefern sich die beiden wichtigsten Länder einen Macht­kampf um die Ausrich­tung der Euro-Zentral­bank: Deutsch­land und Frankreich erheben Anspruch auf den Posten des Chef­volks­wirts — dabei galt ein deut­scher Kandidat als gesetzt. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 29.11.2011
[HTML] Bundesdruckerei muss gerettet werden. Hilfe­schrei der Bundes­druckerei: Der Staat muss mit 260 Mio. € stützen. Sonst drohen Ausfälle bei der Herstel­lung von Pässen und Bank­noten. Welche Bank­noten aller­dings gemeint sind, darüber gab es keine Auskunft. mmnews, 29.11.2011
[HTML] H. Flassbeck: Schuldenkrise: Das gefährliche Spiel mit dem Euro.[wichtig] Dr. Heiner Flass­beck, Chef­ouml;konom der Uno-Orga­nisa­tion für Welt­handel und Entwick­lung in Genf, schreibt exklusiv über die Euro-Krise. Hamburger Abendblatt, 29.11.2011. • Die meisten deut­schen Medien haben eine entschei­dende Weichen­stel­lung in der Euro-Krise über­sehen • in Brüssel wurden nämlich schon läger nicht nur die Defi­zite der Staats­haus­halte als Problem disku­tiert, sondern auch die Ungleich­gewichte in den Leis­tungsbi­lanzen, wobei Deutsch­land mit seinem extrem hohen Über­schuss der Exporte über die Importe eine besonders üble Rolle spielte • Deutsch­land hat nun seine Macht­politik auf die Spitze getrieben, indem es von der EU-Kommission verlangt, dass sie bei der Beurtei­lung von makro­ouml;kono­mischen Ungleich­gewichten auf die kriti­sche Evalu­ierung von Über­schuss­ländern verzichtet und den Wert der Wettbe­werbs­fähig­keit nicht in Frage stellt • man soll die Verhält­nisse zwischen Ländern mit eigener Währung nicht einfach auf das Verhältnis von Ländern mit einer gemein­samen Währung über­tragen • der Gewinn des einen Landes an Wettbe­werbs­fähig­keit bedeutet immer den entspre­chenden Verlust eines anderen • außerdem verstößt Deutsch­land mit seiner deflati­onären Lohnpo­litik klar gegen das von der Europä­ischen Zentral­bank gesetzte Infla­tions­ziel von 2% • Deutsch­land ist damit verant­wort­lich dafür, dass das Ziel der Preis­stabi­lität in der Euro-Zone nicht mehr erreicht werden kann, und es werden gleich­zeitig Infla­tionsge­fahren herauf­beschwört • weil man den Verlie­rern in Europa keine Chance gibt, jemals Gewinner zu sein, müssen sie früher oder später aus der Euro-Zone ausscheiden • diese Länder werden ihre neuen Währungen dras­tisch abwerten, Über­schüsse im Außen­handel erzielen und so ihre Wettbe­werbs­fähig­keit gegen­uuml;ber Deutsch­land wieder­gewinnen • in der Konse­quenz werden sie zur wirkli­chen Bedro­hung für Deutsch­lands mittler­weile extrem export­abhän­gige Wirt­schaft • auf Kosten Deutsch­lands bauen sie dann ihre Verschul­dung ab
[HTML] Schuldenkrise: Griechenland erhält acht Milliarden Notkredit. Die Euro­gruppe hat die nächsten Notkre­dite von acht Milli­arden Euro für Grie­chen­land freige­geben. Ohne das Geld wäre Athen noch im Dezember in den Bank­rott gestürzt. FAZ.NET, 29.11.2011
[HTML] C. Volkery: Schuldenkrise: Euro-Minister hoffen auf den IWF.[!] Die Euro-Finanz­minister haben bei ihrem Treffen in Brüssel den EFSF-Hebel beschlossen, er tritt zum Jahres­anfang in Kraft. Doch die tatsäch­liche Feuer­kraft des Fonds bleibt unklar. Die Poli­tiker suchen längst nach anderen Wegen der Euro-Rettung — eine Hoff­nung ist der IWF. SPIEGELONLINE POLITIK, 30.11.2011. • Die 17 Euro-Finanz­minister haben pflicht­gemäß den Euro-Ret­tungs­fonds EFS mit 2 Kredit­hebeln versehen, um ein Viel­faches seines Volumens von 250 Mrd. € mobili­sieren zu können • der Beschluss der Euro­gruppe besagt, dass der EFSF künftig Staats­anleihen­käufe zu 20% bis 30% versi­chern kann • ein 2. Hebel öffnet den Fonds für Inves­toren von außer­halb der Euro­zone • wie groß die Hebel­wirkung am Ende sein wird, bleibt jedoch unklar • die beschlos­senen Leit­linien sehen eine Hebe­lung um das 3- bis 5-fache vor — groß genug, um auch Länder wie Italien und Spanien im Notfall eine Weile finan­zieren zu können • frag­lich bleibt, ob diese Summen über­haupt erreicht werden • das Inter­esse der inter­natio­nalen Privat­anleger fiel geringer aus als erwartet • die chinesi­sche Führung will wohl eher europä­ische Infra­struktur aufkaufen • Diplo­maten erwarten daher maximal eine 3-fache Hebe­lung • Kees de Jager (nieder­ländi­scher Finanz­minister) sprach sogar nur von einer Doppe­lung • Klaus Regling (EFSF-Chef) bat um Geduld: das Werben um Inves­toren sei ein „langer Prozess”, doch viele Anleger in der ganzen Welt seien inter­essiert • da es aber an Zeit mangelt, wollen die Finanz­minister auch die Ressourcen des IWF über bila­terale Kredite der Mitglieds­länder oder über neue Sonder­ziehungs­rechte aufstocken • eine höhere Finanz­kraft des IWF sei notwendig, damit dieser dem EFSF weiter zur Seite stehen könne • die Risi­koauf­schläge mehrerer europä­ischer Staats­anleihen sind seit Wochen derart hoch, dass sie auf Dauer zu Staats­pleiten führen müssen • man sucht daher nach Mitteln, um die Zins­sätze zu drücken • die viel­disku­tierten Euro-Bonds würden keine schnelle Abhilfe schaffen — sie kämen eher lang­fristig in Frage • kurz­fristig würde nur ein massives Eingreifen der EZB Entlas­tung bringen • im Laufe der vergan­genen 18 Monate hat sie schon Anleihen in 3-stel­liger Milli­arden­höhe gekauft — das könnte auch noch ausgebaut werden • diese Forde­rung wird von Deutsch­land jedoch abge­lehnt • die Entschei­dung liegt aber allein beim Führungs­gremium der EZB
[HTML] Brüssel: EFSF-Hebelung auf €1 Bil doch nicht möglich. BoerseGo.de, 30.11.2011. • Kees de Jager (nieder­ländi­scher Finanz­minister) nach den Verhand­lungen vergan­gene Nacht: womöglich sei nur eine Verdop­pelung der Fonds-Schlag­kraft durch Hebel­wirkung möglich • erhofft war eine Verdrei- bis Verfünf­fachung • aber derzeit stünden dem Fonds nur noch 250 Mrd. € zur Verfü­gung, was zu wenig sei, um im Notfall auch großen Ländern wie Italien helfen zu können • Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble (CDU) sowie EFSF-Chef Klaus Regling: eine genau bezif­ferte Voraus­schät­zung sei nicht möglich • Jean-Claude Juncker (luxem­burgi­scher Regie­rungs­chef): man wolle dem IWF mehr Geld zur Verfü­gung stellen, damit dieser gemeinsam mit dem EFSF „jenen Euro­staaten, die Hilfe benö­tigen” zur Seite stehen könne
[HTML] DPA: Schuldenkrise: Euro-Rettung: Richter kritisieren Kungelrunde. Zwei SPD-Par­lamen­tarier hatten gegen ein Sonder­gremium geklagt. Eine Entschei­dung könnte noch vor Weih­nachten getroffen werden. NWZ ONLINE, 30.11.2011. • Bundes­verfas­sungs­gericht: Skepsis gegen die Über­tragung der Bundes­tagsent­schei­dung auf nur wenige Abge­ordnete • 2 Bundes­tagsabge­ordnete der SPD sehen durch das „Neuner-Gremium” ihre Rechte als Abge­ordnete verletzt • Wolf­gang Schäuble (CDU, Bundes­finanz­minister) vertei­digte die Beteili­gungs­regeln mit den außer­gewöhn­lichen Schwie­rigkeiten in der europä­ischen Schulden­krise: „Wenn Märkte reagieren, reagieren sie über­zogen. Dann kommt Panik.” • ohne Vertrau­lich­keit würde der Rettungs­fonds EFSF in manchen Berei­chen hand­lungs­unfähig • Andreas Voßkuhle (Gerichts­präsi­dent): die verfas­sungs­recht­lichen Spiel­regeln müssten „gerade auch in schwie­rigen Zeiten einge­halten werden.” • auch scheinen die Vorausset­zungen für eine Entschei­dung des Gremiums nicht eindeutig gefasst • das Gesetz erwähnt z.B. den undefi­nierten Begriff der „Anste­ckungs­gefahr”
[HTML] APA/Reuters: Erholung von Euro-Schuldenkrise dauert laut Pimco Jahre. Wirtschafts Blatt, 30.11.2011. • Bill Gross (führender Fonds­manager des welt­größten Staats­anleihen­händlers Pimco): Europa wird Jahre brauchen für die Erho­lung von der Schulden­krise • eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht • Inves­toren sollten sich besser den Schwellen­ländern zuwenden • es werde Jahre dauern, bis Europa und andere Indus­trie­nati­onen sich aus der Zwangs­jacke der Verschul­dung befreien dürften • ein auf Pump finan­ziertes Wachstum sei ein mangel­haftes Geschäfts­modell, wofür die Länder jetzt zu bezahlen hätten • das welt­weite Wachstum werde kümmer­lich bleiben — mit künst­lich nied­rigen Zinsen und enttäuschten Inves­toren
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Notenbanken machen das Geld weltweit billiger.[wichtig!] Auf allen Konti­nenten fürchten Staaten eine Rezes­sion, weil Europa sein Schul­dende­saster nicht in den Griff bekommt. Fed-Präsi­dent Bernanke und EZB-Chef Draghi reagieren. Sie öffnen die Schleusen am Geld­markt. Der DAX steigt um mehr als fünf Prozent. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 30.11.2011. • In der Welt gehen die Noten­banker in die Offen­sive • eine konzer­tierte Aktion der EZB, der Fed, sowie der Noten­banken Groß­britan­niens, Japans, Kanadas und der Schweiz, um die Banken und andere Wirt­schafts­bereiche mit ausrei­chend frischem Geld zu versorgen • den Geschäfts­banken soll der Zugang zu Fremd­währungs­krediten erleich­tert werden • Ziel sei es, durch mehr Liqui­dität die Span­nungen an den Märkten zu redu­zieren und damit auch die Real­wirt­schaft zu unter­stützen • der Euro stieg nach der Ankün­digung um 2 US-¢ und über­sprang kurz­zeitig die Marke von 1,35 $ • der DAX klet­terte zeit­weise um mehr als 5%, und der Euro Stoxx 50 legte mehr als 4% zu • auch die Kurse europä­ischer Staats­anleihen zogen an (wobei die Renditen sanken) • der Zugang zu Dollars ist für viele europä­ische Banken in den vergan­genen Monaten schwierig geworden • aber die Finan­zierung von Schiffen, Flug­zeugen oder US-Immo­bilien erfolgt in der Regel in $ • viele europä­ische Banken haben auch kaum Kunden­einlagen in $ • Analysten begrüßten das konzer­tierte Vorgehen einmütig • bereits Mitte September hatten die EZB, die Fed und die Noten­banken in Groß­britan­nien, Japan und der Schweiz die Bereit­stel­lung langlau­fender Dollar-Kredite ange­kündigt • Basis dafür sind soge­nannte Swap-Geschäfte unter den Noten­banken, bei denen z.B. EZB und Fed ihre jewei­ligen Währungen unter­einander austau­schen • Chris­tian Schulz (Analyst der Beren­berg-Bank): die koordi­nierte Aktion der Noten­banken „drückt die Kosten der Finan­zierung in US-Dollars oder anderen Währungen. Dies wird die Profi­tabi­lität der Banken erhöhen und verschafft ihnen eine bessere Chance, ihre Kapital­quoten zu erhöhen.” • Rainer Sarto­rius (HSBC Trinkaus) gab aber zu bedenken, dass viele Probleme damit noch nicht gelöst werden. • Giuseppe Amato (Wert­papier­handels­haus Lang & Schwarz): „Dies ist nur ein Herum­labo­rieren am Symptom, funda­mental ändert sich nichts. Die Poli­tiker müssen jetzt liefern. Das Zeit­fenster schließt sich immer schneller. Bislang wurde kaum etwas von dem umge­setzt, was ange­kündigt worden war.”
[HTML] Leitartikel: Intervention: Zu früh für Jubelsprünge. Die Zentral­banken bekämpfen die Krise mit einer gemein­samen Aktion — und Börsi­aner sind begeis­tert. Zu Unrecht. Es wurde, wenn über­haupt, nur ein Neben­geschwür der Schulden­krise besei­tigt. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 30.11.2011. • Nach der konzer­tierten Aktion der Noten­banken steigen die Aktien­kurse in Europa steil an • die massive Inter­vention ist ein schrilles Warn­signal: das Banken­system stand wohl kurz vor dem Kollaps • die Gefahr, dass einige Banken in Europa illi­quide oder insol­vent werden, war offenbar groß • aber es wurde damit nur ein Nebenge­schwür der Finanz- und Schulden­krise besei­tigt, nicht der Krebs­herd an den Staats­anleihe­märkten • solch geballtes Vorgehen der Noten­banken könnte aber ein psycho­logisch wichtiges Signal sein
[HTML] F. Eder: Euro-Rettung: Schuldenkrise: Europas Finanzminister rufen um Hilfe.[!] Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fürchtet, die Schuldenkrise nicht aus eigener Kraft lösen zu können. Der IWF soll helfen. Hamburger Abendblatt, 1.12.2011. • Die Finanz­minister der Euro-Zone haben keine Hoff­nung mehr, die akuten Probleme der Staats­schulden­krise auf dem Konti­nent aus eigener Kraft lösen zu können • Wolf­gang Schäuble (CDU): „Wir sind bereit, dem IWF noch mehr Mittel zu geben, und sind froh, dass er sich enga­giert.” • von den Noten­banken der Mitglied­staaten sollen insge­samt 50 Mrd. € kommen • Bloom­berg: allein das hoch verschul­dete Italien hat bis Ende 2012 einen Refi­nanzie­rungs­bedarf von 307 Mrd. € — weit vor der Zeit, zu der die ange­strebten europä­ischen Vertrags­auml;nde­rungen in Kraft treten könnten • der Rettungs­schirm zusammen mit dem IWF könnte aber den Zugang der Staaten zu Kapital auf dem Primär­markt sicher­stellen • Schäuble: „… wir haben die Instru­mente — für eine begrenzte Summe. Aber wir wissen, wie hoch der Bedarf ist.” • zur Not könnte auch die EZB mithelfen • Anders Borg (Schwe­dens Finanz­minister): die Zentral­bank habe noch Spiel­raum für den Kauf von Staats­anleihen auf dem Sekundär­markt • befür­wortet wird von den meisten Euro-Län­dern eine Ände­rung der Verträge dahin­gehend, dass der EZB auch der direkte Kauf von Staats­anleihen erlaubt werden soll — nur Deutsch­land ist strikt dagegen • dass die wichtig­sten Noten­banken in einer gemein­samen Aktion beschlossen, Banken welt­weit zu günstigen Zinsen kurz­fris­tige Dollar­kredite zur Verfü­gung zu stellen, lindert ie Span­nungen an den Finanz­märkten • Schäuble bedauert, dass die derzei­tigen europä­ischen Hilfs­mittel nicht die erhoffte Feuer­kraft errei­chen • die Wirkung des Rettungs­fonds EFSF reicht nicht aus, und die Hebe­lung wird nicht so groß sein wie geplant • Jean-Claude Juncker (Chef der Euro-Gruppe): das Ziel der Wirkung von einer Billion € könne „wahr­schein­lich nicht” erreicht werden • Ziel des Hilfs­fonds EFSF sollte es sein, dass Euro-Länder Kredite zu trag­baren Zinsen aufnehmen können • das welt­weite Werben um Inves­toren brachte bisher nicht den gewünschten Erfolg
[HTML] Wie ist die Schuldenkrise noch zu meistern? Die OÖNach­richten haben sich unter Ökonomen, Mana­gern und Inter­essen­vertre­tern zur Schulden­krise umge­hört, wie sie die Chancen einschätzen und welche Maßnahmen sie empfehlen. nachrichtenat, 1.12.2011.
Experte Bewäl­tigt Europa die Krise? Vordring­liche Maßnah­men? Welche Auswir­kungen?
Prof. Erich W. Streissler Wahr­schein­lich ja; Unsi­cher­heit wegen US-Spe­kula­tion und Unfähig­keit der Poli­tiker Budget möglichst sofort und dras­tisch sanieren, erheb­liche Erhö­hung von Massen­steuern Nettoein­kommen werden mindes­tens 5 Jahre sinken
Stefan Pierer, Cross Indus­tries Bin zuver­sicht­lich: der Druck ist groß genug Wir haben Verbes­serungs­poten­ziale: Renten­alter, Büro­kratie, Arbeits­steuern und Kapi­talaus­stat­tung Die verfüg­baren Einkommen werden sinken, der Wohl­stand wird schrumpfen
Willi­bald Cernko, Bank-Austria Ja, mit einer Kraftan­stren­gung bei den Staats­haus­halten und den Finan­zierungs­instru­menten Schulden­bremse konse­quent umsetzen, Verwal­tungs-, Pensions- und Gesund­heits­reform Lang­fris­tige Vorteile aus den notwen­digen Inves­titi­onen
Franz Grad, Trans­port­unter­nehmer Es wird uns nichts anderes übrig bleiben Sparen ist vordring­lich, auch Steuer­erhö­hungen „Vom Kinder­garten bis zur Kranken­bahre gratis” können wir uns nicht mehr leisten, nur eine Basis­absi­cherung für alle
Rainer Reichl, Agentur Ja, wenn alle ihre Hausauf­gaben machen Sich von Beteili­gungen und Sach­werten in größem Ausmaß trennen wieder mehr Geld für alle, die real­wirt­schaft­liche Leis­tungen erbringen
Peter Unter­sperger, Lenzing AG Ganz sicher — sonst würde es keinen Euro mehr geben Die Schulden­bremse muss kommen, eine Verwal­tungs-, eine Pensions-, eine Sozial­reform Es gibt weniger Sozial­leis­tungen, Aufträge vom Staat werden fehlen, es wird weniger konsu­miert
Gundi Wendtner, Unter­nehmens­bera­terin Kann das irgend­jemand beant­worten? Haus in Ordnung bringen, große Struktur­reformen, Sparmaßnahmen Steuern und Gebühren werden wohl erhöht — dann fehlt den Menschen das Geld, um die Konjunktur zu stabili­sieren
Stefan Ederer, Wirt­schafts­forschungs­institut Wir stehen an der Kippe, jedes Szenario ist denkbar Öster­reichs Stimme in die Waag­schale werfen Mit den rich­tigen Maßnahmen kommt die Wirt­schaft in Schwung und kostet die Bürger gar nichts
Prof. Heimo Losbichler Mit Sicher­heit Haus­halt in Ordnung bringen, in guten Jahren Über­schüsse machen, die in schlech­teren Zeiten als Rück­lagen zur Verfü­gung stehen Beiträge von allen — etwa bei einer Erhö­hung des Pensions­antritts­alters oder einer Verwal­tungs­reform
Ernst Haiden­thaler, Wirt­schafts­prüfer Ja, aber unter großen Schmerzen Die Hausauf­gaben machen: erst die Ausgaben senken, dann ideo­logi­sche Beiträge über Steuern Die öffent­lichen Leis­tungen werden sinken, bei Gesund­heits­system, Verkehr und Pensi­onen — länger arbeiten und auch mehr arbeiten
Christoph Leitl, Wirt­schafts­kammer Ja, über eine gemein­same Wirt­schafts- und Steuer­politik — und Euro-Bonds Ausgaben um 5% senken durch mehr Effi­zienz und Besei­tigung von Büro­kratie — und das Wachstum ankurbeln Weniger Büro­kratie hat noch keinem geschadet
Prof. Joseph Francois Möglich, aber derzeit noch völlig offen Wenn nur einzelne Länder einzelne Maßnahmen ergreifen, wird das nicht funktio­nieren — Lösungen müssen von ganz Europa getragen werden Die europäischen Steuer­zahler werden belastet, aber ein Ende des Euro hätte gravie­rendere Auswir­kungen
Markus Marter­bauer, Arbeiter­kammer Ja, die Finanz­kraft ist vorhanden Die Finanz­märkte in den Griff bekommen, nicht durch Spar­pakete in eine Krise hinein­sparen Kürzungen des Sozial­staats spürt jeder, aber Besteu­erung der obersten 10% tut nicht weh
[HTML] D. Mascher: Der Countdown für die Eurozone. nachrichtenat, 1.12.2011. • Olli Rehn (Währungs­kommissar): 10 Tage haben wir Zeit, die rich­tigen Maßnahmen zur Bewälti­gung der Schulden­krise zu treffen • das beschlos­sene wechsel­seitige Geld­drucken der Noten­banken ist eine drasti­sche Maßnahme, um die Banken flüssig zu halten • die Maßnahme gibt den Staaten noch etwas Zeit, zu reagieren und den Count­down für den Euro zu stoppen • ohne Schmerzen wird man aus der Misere nicht heraus­kommen
[HTML] Korruptionsindex: Transparency: Schuldenkrise „zum Teil” auf Korruption zurückzuführen. Die Anti­korrup­tions­organi­sation Transpa­rency Inter­national (TI) hat auf die enge Verbin­dung zwischen der lang­jährigen Korrup­tion und der Finanz­krise in einigen europä­ischen Staaten aufmerksam gemacht.. Tiroler Tageszeitung, 1.12.2011. • Die Anti­korrup­tions­orga­nisa­tion Trans­parency Inter­national: die Finanz­krise in einigen europäi­schen Staaten sei „zum Teil” darauf zurück­zuführen, dass die Regie­rungen dieser Länder darin geschei­tert seien, Beste­chung und Steuer­flucht zu bekämpfen • der von Trans­parency jähr­lich erstellte Korrup­tions­wahrneh­mungs­index vergibt Ländern Werte zwischen 0 (hoch korrupt) und 10 (unver­dächtig) • Cobus de Swardt (Südafri­ka, TI-Geschäfts­führer): durch jahr­zehnte­lange Korrup­tion würden die Volks­wirt­schaften selbst und der Glaube an die öffent­lichen Institu­tionen unter­graben • ohne Eindämmung von Korrup­tion und Steuer­flucht gingen zum einen Milli­arden­beträge verloren, zum anderen erhielten die Bürger den Eindruck, dass es „normal” sei, den Arzt und den Finanz­beamten zu „schmieren” • nach einem vor 3 Jahren erstellten TI-Bericht zur Korrup­tion in Grie­chen­land zahlt dort eine Durch­schnitts­familie jähr­lich 1.450 € an Schmier­geldern • unter den EU-Ländern rangieren jene Staaten der Euro­zone am unteren Ende der Skala, die auch wegen Fehl­schlägen im Kampf gegen Korrup­tion und Steuer­hinter­ziehung von der Schulden­krise beson­ders getroffen wurden • Italien und Grie­chen­land werden in Europa nur noch unter­boten von Bulga­rien
[HTML] AWP Finanznachrichten AG: EUROKRISE/EZB-Chef Draghi: Krisenmassnahmen können "nur begrenzt sein". Der Präsi­dent der Europä­ischen Zentral­bank (EZB), Mario Draghi, hat einer unbe­grenzten Fort­setzung der „ausser­gewöhn­lichen Mass­nahmen” der Noten­bank im Kampf gegen die Schulden­krise eine Absage erteilt. Zu den ausser­gewöhn­lichen Mass­nahmen zählen unter anderem die umstrit­tenen Anleihe­käufe der EZB. Die Mass­nahmen durch die EZB „können nur begrenzt” durch­geführt werden, sagte Draghi in einer Rede vor dem Europä­ischen Parla­ment. NZZOnline, 1.12.2011. • Zu den ausser­gewöhn­lichen Maßnahmen zählen unter anderem die umstrit­tenen Anleihe­käufe der EZBGrund laut Draghi: Rekord­renditen für Staats­anleihen einzelner Euro­länder im Zuge der Schulden­krise hätten die Wirkung der Geldpo­litik verhin­dert • die EZB kaufte Staats­anleihen im Volumen von insge­samt 203,5 Mrd. € • nach Einschät­zung des EZB-Chefs schlägt die Schulden­krise immer stärker auf die Wirt­schaft der Euro­zone durch: er sehe derzeit „gestie­gene Abwärts­risiken für die Konjunk­tur” • die Geldpo­litik der EZB ziele weiter auf Preis­stabi­lität ab
[HTML] Schuldenkrise: Regierung erklärt Euro-Bonds für nicht verhandelbar. Die Koali­tions­spitzen haben sich geei­nigt: Die Bundes­regie­rung wird sich laut Vize­kanzler Rösler kein Ja zu gemein­samen Staats­anleihen abringen lassen — auch nicht im Gegenzug für die gewünschten EU-Vertrags­auml;nde­rungen. SPIEGELONLINE POLITIK, 1.12.2011
[HTML] Devisenmarkt: Capital Economics rechnet 2012 mit Euro-Ausstieg Griechenlands.[!] Die Schulden­krise unter­zieht den Euro einer schweren Prü­fung. Beim Research-In­stitut Capital Economics befürchtet man als Resultat dieser Prü­fung eine Aufspal­tung der Euro-Zone. FAZ.NET, 1.12.2011. • Während Umfragen zufolge die deut­schen Privat­anleger davon ausgehen, dass es den Euro auch noch in 10 Jahren in Deutsch­land geben wird, speku­lieren die Finanz­märkte darüber, wie es mit dem Euro weiter­gehen wird • wie lange kann das System den Druck noch aushalten? • die Analysten vom banken­unabhän­gigen Research-Institut Capital Econo­mics sind davon über­zeugt, dass es irgend­wann zu einer Spal­tung der Euro-Zone kommen wird • Jona­than Loynes (Analyst): Ausstieg von Grie­chen­land 2012, noch mindes­tens ein weiteres Land 2013 • die fiska­lischen Spar­maßnahmen hätten sich bisher größten­teils als nicht erfolg­reich erwiesen • 3 Ereig­nisse hätten die Wahr­schein­lich­keit für eine Aufspal­tung noch einmal erhöht: 1) die Lage in Grie­chen­land konnte nicht entspannt werden, 2) die Krise habe auch auf andere südeuro­päische Staaten überge­griffen, und 3) hätten auch Poli­tiker bereits einge­standen, dass es zu Austritten aus dem Euro kommen könnte • die Verant­wortli­chen dürften zwar alle Mittel einsetzen, um die Euro-Zone zusam­menzu­halten • aber Loynes hält es für unwahr­schein­lich, dass Deutsch­land und andere Kern­länder jemals zu den riesigen Fiskal-Trans­fers bereit sein werden, welche der zentrale Lösungs­vorschlag letzt­lich nach sich ziehen würde • zwar sei unsi­cher, wie sich die Situa­tion entwi­ckeln werde, aber haus­intern gehe man von irgend­einer Form der Aufspal­tung aus • solch eine Entwick­lung könnte sich lang­fristig sogar als wirt­schaft­lich positiv erweisen, kurz­fristig hätte das aber ernste nega­tive wirt­schaft­liche und finan­zielle Konse­quenzen • Capital Economis schätzt deshalb die Entwick­lung des BIP in der Euro-Zone für 2012 und 2013 auf minus 1% bzw. minus 2,5% • bei einer noch größeren Aufspal­tung könnte ein noch größerer wirt­schaft­licher Schaden entstehen
[HTML] P. Löpfe: Die Verfassung ändern — innert wenigen Tagen.[wichtig!] Bis zum 9. Dezember müssen die europä­ischen Staats­ober­häupter eine Lösung für die Euro­krise finden. Wohl mit einer Verfas­sungs­ände­rung. Wie kann das gelin­gen? Die Lösung könnte ein Vorgehen wie bei Schengen sein. Tages-Anzeiger, 1.12.2011. • Anstatt mit dem gehe­belten Rettungs­schirm die Feuer­kraft des EFSF um 4- bis 5-mal zu erhöhen, kann sie im besten Fall verdop­pelt werden • das reicht nicht als Schutz für die Schwer­gewichte Italien und Spanien • bei der Suche nach Alter­nativen wird der IWF ins Spiel gebracht, der aber nur rund 440 Mrd. $ zur Verfü­gung hat • er müsste gewaltig aufge­stockt werden, und dann würde sich der IWF absurder­weise einen grossen Teil dieses Geldes bei der EZB holen und es dann wieder zurück in bedrohte Euro­länder fliessen lassen • inzwi­schen geht es längst nicht mehr bloss um Ökonomie, sondern auch um Politik und Vertrauen • die Inves­toren trauen allen Euro­ländern nicht mehr, auch nicht Deutsch­land • selbst die konzer­tierte Dollar-Aktion der Noten­banken gestern liefert höchs­tens etwas Zeit, und auch die läuft ab • Olli Rehn (EU-Währungs­kommissar): „Jetzt beginnen zehn kriti­sche Tage, in denen wir Antwort auf die Schulden­krise in der EU zum Abschluss bringen und beschliessen müssen.” • gelingt es den Staats­ober­häuptern am 9.12. nicht, endlich eine überzeu­gende Lösung zu präsen­tieren, gerät die Situ­ation ausser Kontrolle • Barry Eichen­green (Prof. der Univer­sity of Cali­fornia in Berkeley, welt­weit aner­kann­tester Währungs­spezia­list): „Nur die EZB kann das Desaster abwenden.” • „Das Banken­system steht vor dem Kollaps, und die Wirt­schaft ist am Rand der schlimm­sten Wirt­schafts­krise, die man in den letzten 100 Jahren gesehen hat.” • die EZB muss zur Kredit­geberin der letzten Instanz ausge­baut werden und es müssen gemein­same Staats­anleihen für die Euro­zone (Euro­bonds) geschaffen werdenaus ökono­mischer Igno­ranz ist Deutsch­land dagegen, wird sich aber beim Ernst der Lage zu einer Aufwer­tung der EZB bereit finden müssen • viel­leicht kann Deutsch­land eine Bedin­gung durch­setzen: es muss verbind­liche Regeln und Sanktionen dafür geben, dass sich einzelne Länder nicht mehr auf Kosten der anderen verschulden • die EU könnte dann viel stärker als bisher in die natio­nale Souverä­nität eingreifen • das bedeutet, dass Europa eine Ände­rung der Verfas­sung braucht, die jedoch in 10 Tagen stehen muss, während die letzte Verfas­sungsän­derung 10 Jahre gedauert hat • die Lösung könnte sich an Schengen orien­tieren: erst ein gemein­samer Beschluss um den Kern Deutsch­land/Frank­reich, dann sanften Druck auf die anderen, es ihnen gleich­zutun • da es keine andere Option gibt, sind Diskus­sionen über die Unab­hängig­keit der EZB oder Infla­tions­gefahr zwecklos geworden • Barry Eichen­green: „Was ist der Zweck der Unab­hängig­keit einer Noten­bank, deren Währung verschwin­det?
[HTML] dpa: "Besser Gläubiger als Schuldner": Brasilien will Europa helfen. Die jahr­zehnte­lange Praxis, Wirt­schafts­wachstum in den Indus­trie­staaten über eine nahezu ungezü­gelte Kredit­aufnahme zu finan­zieren, verän­dert nun die macht­politi­sche Welt­karte. Auf Bitten des Inter­natio­nalen Währungs­fonds erklärt sich die neue Wirt­schafts­macht Brasi­lien zu erwei­terten Kredit­hilfen für Europa bereit. IWF-Chefin Lagarde fühlt sich „ermu­tigt”. n-tv, 2.12.2011. • Brasi­lien ist grund­sätz­lich bereit, dem IWF im Kampf gegen die europä­ische Schulden­krise beizu­stehen, sicherte der brasi­liani­sche Finanz­minister Guido Mantega der IWF-Chefin Chris­tine Lagarde zu • Mantega: „Diesmal ist der IWF nicht wie in der Vergan­genheit gekommen, um Geld zu bringen, sondern um Brasi­lien zu fragen, ob es Geld leiht. Ich ziehe es vor, Gläu­biger zu sein als Schuld­ner.” • die genaue Summe solle in Gesprä­chen inner­halb der soge­nannten BRICS-Gruppe fest­gelegt werden • Lagarde: Brasi­lien sei durch seine derzei­tige Finanz­lage „ziem­lich immun und geschützt gegen die inter­natio­nale Krise.”
[HTML] AWP: Merkel: Schuldenkrise wird Jahre andauern. Bundes­kanz­lerin Angela Merkel hat Erwar­tungen einer raschen Lösung der Euro-Schulden­krise gedämpft. Die Krise sei nicht mit einem Befrei­ungs­schlag über Nacht zu lösen. cash, 2.12.2011. • In ihrer Regie­rungs­erklä­rung vor dem Bundestag bekräf­tigte sie das Ziel, die Wirt­schafts- und Währungs­union zu stärken • jetzt stehe eine Stabi­litäts­union auf der Tagungs­ordnung, und die Notwen­digkeit einer Fiskal­union sei inzwi­schen aner­kannt • Merkel und Frankreichs Präsi­dent Nicolas Sarkozy wollen am Montag in Paris ein Konzept für eine Reform der Währung­sunion vorlegen • es soll eine soge­nannte Stabi­litäts­union der 17 Euro-Länder mit schär­feren Sankti­onen gegen Haus­halts­sünder und einer stren­geren Aufsicht über die Etat­pläne einzelner Euro-Länder geschaffen werden • dazu sollen die europä­ischen Verträge geän­dert werden
[HTML] yes/dpa/dapd: Schuldenkrise: Merkel und Sarkozy hecken Euro-Masterplan aus. Stren­gere Haus­halts­diszi­plin und schär­fere Kontrollen der Euro-Staaten: Angela Merkel und Frank­reichs Präsi­dent Sarkozy wollen beim EU-Gipfel eine Reform der Währungs­union durch­setzen. Im Gegenzug könnte die Kanz­lerin ihre harte Linie lockern, die CSU soll sich schon auf den Kurs­wechsel vorbe­reiten. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 2.12.2011. • Bis zum EU-Gipfel nächste Woche muss Angela Merkel ihren Plan zur Rettung der Währungsunion festgezurrt haben • vorher will sie dem Bundestag an diesem Freitag ihr grobes Konzept erläutern • Kern sind: 1) eine tiefgreifende Reform der Währungsunion mit scharfen Stabilitätskriterien für die Mitgliedsländer und 2) eine besser kontrollierte Finanzpolitik der Staaten, damit ungehindertes Schuldenmachen künftig ausgeschlossen werde • Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend: Europa müsse neu überdacht werden • es gilt als wahrscheinlich, dass Sarkozy Merkels harte Euro-Haltung abschwächen wird • er könnte er ein stärkeres Engagement der Europäischen Zentralbank fordern • Merkel soll sogar bereit sein, weitere Staatsanleihekäufe der EZB zu tolerieren • Sarkozy: an einem starken Euro führe kein Weg vorbei • die CSU beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: sie fürchtet, dass Merkel den Weg für die Einführung europäischer Staatsanleihen oder den dauerhaften Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB frei machen muss • Merkel könnte zu Kompromissen gezwungen werden, die den Beschlüssen der CS entgegen stünden • dabei will die EZB von ihrer Rolle als langfristiger Krisenretter gar nichts wissen, wie EZB-Präsident Mario Draghi erklärte • Philipp Rösler (FDP, Bundeswirtschaftsminister): die EZB müsse in eigener Kompetenz entscheiden, was sie für richtig halte
[HTML] Regierungserklärung im Bundestag: Merkel erteilt Eurobonds abermals eine klare Absage. Bundes­kanz­lerin Merkel hat Europas Poli­tiker aufge­fordert, verlo­rene Glaub­würdig­keit zurück­zuge­winnen. Merkel sagte in einer Regie­rungser­klärung vor dem Bundestag, man sei bei der Über­windung der Schulden­krise schon „extrem weit vorange­kommen”. FAZ.NET, 2.12.2011. • In Merkels Regie­rungser­klärung über die bishe­rigen Schritte der EU zur Lösung der Schulden­krise: „Wir reden nicht mehr nur über eine Fiskal­union, sondern fangen an sie zu schaffen.” • die europä­ische Schulden­krise könne aber nicht über Nacht gelöst werden • Merkel warb für Vertrags­auml;nde­rungen, um eine Fiskal­union mit Durch­griffs­rechten zumin­dest in der Euro-Zone zu schaffen • die europä­ische Banken­aufsicht solle schnell ihre Entschei­dungen zur Refi­nanzie­rung von Banken verkünden • sie warnte davor, den neuen Euro-Ret­tungs­fonds EFSF schlecht zu reden und seine Möglich­keiten zu unter­schätzen • die Glaub­würdig­keit und Vertrau­enswürdig­keit der Gerichte und der Noten­banken müsse unbe­dingt geschützt werden • relativ einfache Regeln seien zu beachten: verant­wortungs­volles natio­nales Handeln müsse Hand in Hand gehen mit europä­ischer Solida­rität • gemein­same Staats­anleihen und damit gemein­same Haftung für die Schulden anderer seien nicht denkbar • Ziel der Bundes­regie­rung für den EU-Gipfel sei es, zur Schaf­fung einer Fiskal­union auf EU-Ebene zu kommen • Verträge inner­halb der Euro­gruppe zu schließen, wäre nur „die zweit­beste Lösung” • SPD-Frak­tions­vorsit­zender Frank-Walter Stein­meier warf ihr Wankelmut vor — ihr Zaudern verschärfe die Krise • den Bürgern müsse man bei allen Schritten klar­machen: „Wir Deut­schen retten nicht die Grie­chen oder Itali­ener, sondern vor allem uns selbst”, nämlich die deut­sche Export­wirt­schaft und deut­sche Arbeits­plätze • wir hätten selbst wohlmei­nende europä­ische Nach­barn gegen uns aufge­bracht: „Wer Lehr­meister sein will, wer andere zum Sparen auffor­dert, der muss wenigstens sein eigenes Haus in Ordnung halten.” • und Schwarz-Gelb plane trotz hoher Verschul­dung Ausgaben für Steuer­senkungen und Betreu­ungs­geld • daneben warnte er vor weiteren Eingriffen der Noten­banken in den Geld­kreis­lauf, da dies lang­fristig die Infla­tions­gefahr stei­gere
[HTML] Afrikanische Minister: Euro-Schuldenkrise schädigt Schwellenländer. Zwei afri­kani­sche Top-Poli­tiker haben in dieser Woche Europas Umgang mit der Euro-Schulden­krise scharf kriti­siert. Die Probleme in den reichen Indus­trie­nati­onen seien „schädi­gend” für die Schwellen­länder auf dem afri­kani­schen Konti­nent, erklärte der südafri­kani­sche Finanz­minister Pravin Gordhan. Saarbrücker Zeitung, 2.12.2011
[HTML] ots: ZEIT KONFERENZ Deutsches Wirtschaftsforum mit Helmut Schmidt, Josef Ackermann und René Obermann. Pressemappe DIE ZEIT, 2.12.2011;  [PDF] Programm ZEIT-KONFERENZ: Deutsches Wirtschaftsforum 2011. CONVENT.de, 2.12.2011
[HTML] dpa/dpad: Euro-Schuldenkrise: Ackermann macht Politik für Krisen-Eskalation verantwortlich.[!] Merkel steht im Kreuz­feuer der Kritik: Nicht nur die Opposi­tion geißelt ihren zöger­lichen Euro-Ret­tungs­kurs. Auch Deut­sche-Bank-Chef Acker­mann keilt gegen die Kanz­lerin. Und er zeigt Wege zur Lösung der Krise auf.  Handelsblatt , 2.12.2011. • Deut­sche-Bank-Chef Acker­mann bei einer Konfe­renz der Wochen­zeitung „Die Zeit”: „Alles in allem waren es vor allem politi­sche Entschei­dungen, die zu dieser Eskala­tion der Lage geführt haben.” • es habe vorher politi­sche Signale gegeben, „dass das Ausscheiden eines Landes aus der Europä­ischen Währungs­union nicht mehr undenkbar war. Seitdem müssen Besitzer von Staats­anleihen nicht mehr nur die Möglich­keit eines Schulden­schnitts, sondern einer Währungs­reform einkalku­lieren.” • Acker­mann: Stabi­lität auf der Ebene aller Mitglied­staaten erfor­dere einen gewissen Gleich­klang der natio­nalen Wirt­schafts- und Finanz­poli­tiken wie auch eine wirk­same Beschrän­kung der Schulden­aufnahme • „Zwischen­staat­liche Verein­barungen wie der Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakt reichen dafür, wie wir heute wissen, nicht aus.” • nötig sei neben einer engen Überwa­chung und Regel­durch­setzung auf europä­ischer Ebene ein auto­mati­scher, harter Sank­tions­mecha­nismus • auf die Dauer brauche es auch eine hinrei­chende demo­krati­sche Mitwir­kung • aber politi­sche Hand­lungs­fähig­keit dürfe nicht auf dem Altar ökono­mischer Frei­heit geop­fert werden • vor allem müsse die europä­ische Integra­tion vorange­trieben werden, wobei jeder Rück­schritt bei der europä­ischen Integra­tion Deutsch­land ein Mehr­faches dessen koste, was heute für die Bewah­rung der EU und des Euro in Rede steht • Alt-Bundes­kanzler Helmut Schmidt (SPD) sieht Deutsch­land wegen seines Manage­ments in der Euro-Schulden­krise zuneh­mend allein • er verglich das Auftreten der Bundes­regie­rung mit der Zeit vor dem 1. Welt­krieg • er befürchte eine starke Infla­tion, wenn es nicht zur Auflage gemein­samer Staats­anleihen (soge­nannter Euro­bonds) komme • „Ent­weder man verschuldet sich gemeinsam oder man zwingt die Europä­ische Zentral­bank, die faulen Anleihen aufzu­kaufen.” • der gemein­same Währungs­raum müsse durch einen gemein­samen Raum der Finanz­politik unter­mauert werden • Olaf Scholz (SPD, Hamburgs Erster Bürger­meister) sprach sich für eine strenge Haus­halts­diszi­plin aus • man müsse „die Schulden­bremse im Grund­gesetz endlich greifen lassen” • auch im europä­ischen Rahmen müsse eine Schulden­bremse verbind­lich gemacht werden
[HTML] Experte gibt dem Euro noch sechs Monate.[wichtig!] Ein Ökonom hört schon die Toten­glocken für die europä­ische Einheits­währung läuten: Nach Einschät­zung des Direk­tors des gewerk­schafts­nahen Insti­tuts für Makro­ökonomie und Konjunk­turfor­schung (IMK), Gustav Horn, hat der Euro nur noch ein halbes Jahr — maximal. Auch andere Experten warnen — über den rich­tigen Weg zur Rettung streiten sich die Geister. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 2.12.2011. • Gustav Horn: „Ich gebe dem Euro noch 3 bis 6 Monate, wenn nichts geschieht.” • es gebe aber durchaus Möglich­keiten, ihn zu retten und die Euro-Schulden­krise zu bewäl­tigen • zunächst müsse die EZB das Zins­niveau für die Anleihen der Krisen­länder auf ein durch­halt­bares Niveau zurück­führen • „Dies … ruft unter den gegen­wärtigen Umständen keine Infla­tions­gefahren hervor.” • als 2. Möglich­keit sieht Horn ein stär­keres Enga­gement des Inter­natio­nalen Währungs­fonds • dies käme aber dem Einge­ständnis des Euro-Raums gleich, seine Probleme nicht mehr selbst lösen zu können • auch Hans-Peter Grüner (früherer Berater der EZB) machte sich für Interven­tionen der EZB stark • er ist über­zeugt, dass Italien und Spanien genug Zeit hätten, um weitere glaub­hafte Konso­lidie­rungs­signale zu senden, wenn die Mittel des Euroret­tungs­fonds EFSF über eine Hebe­lung verdrei­facht würden • es wäre auch sinn­voll, wenn der IWF beim EFSF einsteige • ganz anders Thorsten Polleit (Deutsch­land-Chef­volks­wirt bei Barc­lays Capital): „Die bishe­rige Wertent­wick­lung der EFSF-Anleihen sollte zur Vorsicht mahnen, dass der Schlüssel zur Krisen­lösung ein gemein­sames Schul­tern der Schulden­lasten ist.” • die dadurch befeu­erte Infla­tion sei ein „sozi­ales Übel und mit volks­wirt­schaft­lich sehr hohen Kosten verbun­den.” • in der Krise gehe kein Weg an einer strikten Haus­halts­konso­lidie­rung vorbei
[HTML] R. Benders: Jürgen Stark: „EU-Institution soll Macht der Nationalstaaten einschränken”. Der schei­dende EZB-Chef­volks­wirt Jürgen Stark wirft der Politik in Europa Illu­sionen vor. Er fordert den Aufbau einer EU-Insti­tution, die in Entschei­dungen der Nati­onal­staaten eingreifen kann.  Handelsblatt , 2.12.2011
[HTML] S. Böll (Kommentar): Euro-Krise: Merkel zockt am Abgrund. Das Vertrauen der Märkte in die Euro-Staaten schwindet, sogar zahlungs­fähige Länder bekommen kaum noch Geld. Setzt sich die Abwärts­spirale fort, ist die Währungs­union bald Geschichte. Doch die Bundes­regie­rung verwei­gert sich weiter allen Lösungen — und wird damit zum größten Risiko des Euro. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 2.12.2011. • Eine der riskan­testen Verhand­lungs­strate­gien wird in der Spiel­theorie Brink­manship genannt („Zocken am Rande des Abgrunds”) • auf diese Weise versuchte der ehema­lige US-Außen­minister John Foster Dulles, den Expan­sions­drang der Sowjet­union mit der Andro­hung eines Atom­schlags zu bremsen • Dulles: „"Die notwen­dige Kunst besteht darin, bis zur äußersten Grenze zu gehen, ohne in einen Krieg verwi­ckelt zu werden. Wer sie nicht beherrscht, schlit­tert in den Krieg. Wer versucht, davor davonzu­laufen (&hellip), der ist verlo­ren.” • dazu muss der Zocker genau wissen, wo der Abgrund verläuft • es sind Zweifel angebracht, ob Angela Merkel und ihre Mitstreiter genau wissen, wann der „point of no return” erreicht ist, der Euro also wirk­lich nicht mehr zu retten ist • das Vertrauen der Märkte in die Staaten der europä­ischen Währungs­union und die Krisen­banken schwindet zuse­hends • Fragen, die verdeut­lichen, dass die Euro-Zone am Abgrund wandelt: • warum sollte ein privater Investor einem kriselnden Euro-Land noch Geld leihen, wenn Staaten doch pleite gehen können? • weshalb sollten die Schwellen­länder in europä­ische Staats­anleihen inves­tieren, wenn sie damit rechnen müssen, für ihre beste­henden Euro-Devi­senre­serven bald Pesetas, Lire oder gar nichts mehr zurückzu­bekommen? • wieso sollte eine Bank einer anderen noch Geld leihen, wenn sie fürchten muss, dass deren Staatsanleihen-Portfolio ein Verlustbringer ist? • wieso sollten Klein­sparer ange­sichts dieser Unsi­cher­heit ihr Geld weiter einem Finanz­institut anver­trauen? • wer Geld hat, legt es deshalb besser nicht in der Euro-Zone an, und sonst zieht er seine Anlagen möglichst ab • setzt sich diese Abwärts­spirale fort, ist der Kollaps von Staaten und Banken nur noch eine Frage von Wochen oder Monaten
[HTML] B. Spinelli: Eurokrise: Tu, was die Dame sagt. Europa muss lernen, mit Deutsch­land zusam­menzuar­beiten, sagt Italiens Vorzeige-Journa­listin Barbara Spinelli. Trotz seines strengen Rufs ist das deut­sche Modell die einzig lebbare Alter­native zum chinesi­schen. presseurop, 3.12.2011. • Ulrich Beck (Sozio­loge): Angela Merkel hat die Regeln der Demo­kratie vergessen, ist arro­gant und somit „eine europä­ische Version des D-Mark-Nationa­lismus”, wenn sie ihre Stabi­litäts­kultur zum europä­ischen Dogma macht • Angela Merkel lehnt hart­näckig Vorschläge zur Unter­stüt­zung der Krisen­länder durch die EZB ab, trotz des Wider­standes in ihrer eigenen Partei, der Opposi­tion, im Sachver­ständi­genrat • in der Politik ist es nicht leicht, neue politi­sche Aben­teuer wie die Verwirk­lichung der politi­schen Union zu beginnen, wenn ein veräng­stigtes Volk sich von der beschwich­tigenden Kraft von Lehr­meinungen und Lokal­patrio­tismus beru­higen lässt • die deut­sche Stabi­litäts­kultur ist kein Monster, sondern eine Kultur, die Deutsch­land zur einzigen Alter­native zum chines­ischen und ameri­kani­schen Modell macht, die nicht über­streng ist • Merkels lang­sames Handeln in Sachen Grie­chen­land war sehr unglück­lich — die verlo­renen 1½ Jahre haben das heutige Chaos ausge­löst • Deutsch­lands Problem ist die Willen­losig­keit • viel­leicht bewegt sich in der deut­schen Posi­tion doch noch etwas, denn wenn der Euro fällt, schei­tert auch Deutsch­land • will man heute einen wir­lich starken Rettungs­schirm, muss man Deutsch­land die Garantie geben, dass dieser keinerlei Nach­lässig­keit dulden wird • zum Thema Wider­stand gegen die Rolle der EZB als Kredit­geber letzter Instanz: die EZB ist Kredit­geber letzter Instanz gegen­über den Banken, nicht den Staatender Zerfall der Union ist näher als je zuvor, wenn Deutsch­land von einem kleinen Kreis von Sparer­ländern träumt • eine solche verhee­rende Lösung würde die Euro-Länder ins Chaos stürzen • Deutsch­land wird beherrscht von einer „hypo­chondri­schen Angst vor dem Neuen ” (Helmut Schmidt 1996): die Furcht vor dem Moral Hazard, dem morali­schen Risiko, dass die Verschwender sich zu diszipli­nieren aufhören, weil sie unter­stützt werden • es gilt zu beweisen, dass dieses Risiko geringer wird, wenn neben der Stabi­litäts­kultur das Klima eines dauer­haften gegen­seitigen Vertrauens entsteht
[HTML] Z. Zacharakis: ein Interview mit James Galbraith.  Schuldenkrise: „Die Angst vor einer Inflation ist Nonsens”.[wichtig!] An der Krise in Europa sind vor allem die Banken schuld, sagt US-Ökonom James Galbraith im Inter­view. Sie haben zu leicht­fertig Kredite vergeben. Jetzt muss die EZB Europa retten.  Handelsblatt , 3.12.2011. • Die Aussichten für die Zukunft des Euro sind tatsäch­lich ziem­lich düster • es wäre aber unklug, über ein Ende des Euro zu spekulieren: die Folgen wären drama­tisch, denn in der Euro-Zone käme es zu einem Sturm auf die Banken • mit dem notwen­digen politi­schen Willen wäre es schnell möglich, den Teufels­kreis aus stei­genden Zinsen und wach­sender Unsi­cher­heit zu durch­brechendie EZB verfügt über genü­gend Instru­mente, mit denen die Krise sofort zu lindern ist • sie soll noch mehr Staats­anleihen kaufen, damit die Zinsen für Staats­anleihen drücken und so den Krisen­staaten Zeit erkaufen • das würde die Panik am Markt beru­higen, die Europas Politik nämlich selbst ausge­löst hat, indem sie die Banken vor die Wahl gestellt hat, entweder ihr Kapital zu erhöhen oder eben Vermögen abzu­stoßen • daraufhin haben die Banken natür­lich eines gemacht: sie verkauften die Staats­anleihen der verschul­deten Länder • es waren also keine neuen Erkennt­nisse über Italiens Schulden­quote der Anlass, denn die war lange bekannt und hat sich nicht geän­dert • nach dem Zusammen­bruch von Lehman Brothers haben die Geld­insti­tute Staats­anleihen der südeu­ropä­ischen Länder abge­stoßen und dafür die stabi­leren Anleihen aus Nord­europa gekauft, um ihr Risiko zu mindern • das hat die Zinsen für die betrof­fenen Länder hoch gepuscht und so die Schulden für einige Länder untragbar gemacht • die Banken haben nicht auf einmal Staats­defi­zite entdeckt, sondern die Zeit der billigen Kredite war einfach vorbei • es ist also eine Banken­krise — keine Staats­schulden­krise — und die gesamten Hilfs­gelder der EU gehen direkt oder über Umwege an die Banken und nicht an die betrof­fenen Länder • der Schulden­erlass um 60% für Grie­chen­land macht weniger aus als immer behauptet wird: gerechnet auf das griechi­sche BIP sinken die Schulden nur von 160% auf 140% (über neue Schulden zu finan­zieren) • das ist für die griechi­sche Bevöl­kerung keine Entlas­tung • Kanz­lerin Merkels Argu­menta­tion, dass der Druck zum Sparen sinke, wenn die EZB die Schulden der Euro-Länder aufkauft, muss umge­dreht werden: im vergan­genen Jahr­zehnt haben Banken aus Deutsch­land massiv Geld etwa an Grie­chen­land zu einem extrem nied­rigen Zins­satz verliehen (die deut­sche Banken­aufsicht hat wegge­schaut) und deren Regie­rung zur Sorg­losig­keit verführt • die Politik der EZB erhöht auch nicht das Infla­tions­risiko — Japan macht das seit mehr als 10 Jahren, die USA seit 3 Jahren — ohne Infla­tions­schub • der Grund: es gibt keine Abnehmer für Kredite, keine Kunden, die verstärkt nach Geld fragen würden • man kann nicht das Wirt­schafts­wachstum in der Euro-Zone fördern, wenn überall hart gespart werden muss • die Verant­wort­lichen in Europa müssen begreifen, dass die bishe­rigen Lösungs­ansätze falsch sind und nicht funktio­nieren • bishe­rige Priori­täten: die Banken schützen, an der Macht bleiben und den Euro am Leben erhalten • richtig wäre konzen­trierte Förde­rung des Wirt­schafts­wachs­tums in der Euro-Zone — statt der harten Sparauf­lagen
[HTML] rub: So könnte das Ende des Euro aussehen.[!] Höchst unwahr­schein­lich oder unmit­telbar bevorstehend? Finanz­experten in ganz Europa malen sich bereits den Zusam­menbruch des Euro aus. Tages-Anzeiger, 3.12.2011. • Die meisten Bank­experten: unwahr­schein­lich • Jacques Attali (früherer fran­zösi­sche Präsi­denten­berater): der Euro werde „Weih­nachten nicht über­leben” • fiktives Szenario der „Finan­cial Times Deutsch­land”: der Euro-Gipfel am 9.12. brächte keine grossen Würfe wie eine Entschei­dung für Euro­bonds oder eine Zustim­mung zu unbe­schränkten Anleihen­käufen der EZB, die Märkte reagieren daraufhin negativ, die Zinsen für italie­nische und spani­sche Staats­papiere würden über 8% und später über 9% klettern, Anleger flüchten aus der Euro-Zone, Inves­toren­streik, die griechi­sche Regie­rung zerbricht zuerst, weil nicht genü­gend Inves­toren „frei­willig” auf 50% des Werts ihrer Anleihen verzichten wollen, einzelne Banken machen pleite, zuneh­mende Kapital­flucht, Italien und Spanien bean­tragen weitere Hilfen beim EFSF und IWF, das italie­nische Parla­ment verwei­gert Premier­minister Mario Monti die Zustim­mung zu weiteren Spar­schnitten, die Zinsen für Anleihen des Landes klettern auf über 10%, Grie­chen­land und Portugal erklären ihren Austritt aus dem Euro, nun brechen Banken und andere Firmen zusammen, die EU setzt die Europä­ischen Verträge aus, die EZB wird mit der Rück­über­tragung ihrer Zuständig­keiten auf die natio­nalen Zentral­banken beauf­tragt • Mark Cliffe (Chef der Forschungs­abtei­lung der Bank ING): bei einem solchen Ausein­ander­brechen des Euro würde der Wert eines Euro gegen­über dem Dollar von heute 1,34 auf nur noch 0,85 Dollar fallen • setzt man dann den Wert einer neuen Deut­schen Mark auf 1,0, kämen das Irische Pfund und die Italie­nische Lira auf 0,75, die Spani­sche Peseta auf 0,50 und die Griechi­sche Drachme auf 0,20 • nach einer anderen Studie (Bank of America) würden Austritte selbst von Italien oder Spanien nur margi­nale Auswir­kungen auf den Euro-Kurs haben
[HTML] sf/buev: Wirtschaft: «An einen Euro-Kollaps glaube ich nicht». Am Donnerstag beginnt der Euro-Gipfel «der letzten Chance». Es brauche nun eine radi­kale Lösung der EU-Schulden­krise, sagt Jan-Egbert Sturm von der Konjunk­turfor­schungs­stelle im Inter­view mit «tages­schau.sf.tv». Einen Kollaps der europä­ischen Währung befürchtet er jedoch nicht. SF SCHWEIZER FERNSEHEN, 3.11.2011. • Auf dem EU-Gipfel in der kommenden Woche will Deutsch­land die Verträge ändern und eine Fiskal-Union bilden • andere EU-Länder erhoffen vom Europä­ischen Stabi­litäts­fonds (EFSF), dass er die Schulden der Länder tilge • wieder andere hoffen auf die Euro­bonds, damit sie die Schulden­last in Europa verteilen • die Zeit drängt, und auch Jan-Egbert Sturm, Insti­tuts­leiter der Konjunk­turfor­schungs­stelle der ETH Zürich, hofft auf eine rasche Lösung • denn die Krise schreitet auch in der Schweiz voran, die Stim­mung ist getrübt, und die Schweizer geben weniger aus • noch sind die Auftrags­bücher in der Schweiz gefüllt — das wird sich ändern • Sturm hofft auf eine radi­kale Lösung beim EU-Gipfel, denn die Märkte werden immer nervöser • die südli­chen Länder wollen Euro­bonds, die nörd­lichen Stabi­litäts­fonds • wenn keine Lösung gefunden wird, verschärfe sich die Situ­ation, und wir werden in Rich­tung Rezes­sion gehen • das Szenario eines Kollaps hält er für über­trieben • die Nati­onal­banken haben das Signal gesetzt, dass sie keine system­rele­vanten Banken kolla­bieren lassen werden • ein grosses Problem bleibt die Staatsver­schuldung der EU-Länder • das Wachstum verlang­samt sich viel stärker als ange­nommen • die Situa­tion ist beäng­stigend und wird vermut­lich noch jahre­lang einen möglichen Aufschwung in der Schweiz bremsen
[HTML] B. Kupilas: SPD-Parteitag: „Europa braucht ein mitfühlendes Herz” In einer fesselnden Rede hat Helmut Schmidt den Sozial­demo­kraten auf dem Parteitag sein euro­papo­liti­sches Vermächtnis mitge­geben und sich für Euro-Bonds stark gemacht. Die Deut­schen müssten Solida­rität zeigen.  Handelsblatt , 4.12.2011. • 1 Stunde und 10 Minuten hat er geredet, Hunderte haben keinen Platz gefunden im über­füllten Saal und applau­dieren stehend, erst rhyth­misch und dann frene­tisch, einem alten Kämpfer für Europa • Helmut Schmidt zeigt die langen Linien auf: Europa darf nie wieder Angst vor Deutsch­land haben und darf keinen Platz geben für Natio­nalismus • vom 30-jäh­rigen Krieg bis 1945 sei Europas Geschichte eine Geschichte des Kampfes zwischen dem deut­schen Zentrum und der Peri­pherie gewesen • die europä­ische Eini­gung entspringe der Erkenntnis, dass dieser Kampf ein für allemal beendet werden sollte • „Wenn aber ein Deutsch­natio­naler zu verstehen gibt, heute und künftig werde in Europa Deutsch gespro­chen; wenn ein deut­scher Außen­minister meint, Fernseh-geeig­nete Auftritte in Tripolis, in Kairo oder in Kabul seien wich­tiger als politi­sche Kontakte mit Lissabon, mit Madrid (…); wenn ein anderer meint, eine europä­ische Transfer-Union verhüten zu müssen — dann ist das alles bloß schäd­liche deutsch­natio­nale Kraft­meierei.” • „Wenn wir Deut­schen uns verführen ließen, gestützt auf unsere ökono­mische Stärke, eine politi­sche Führungs­rolle in Europa zu bean­spruchen oder doch wenig­stens den Primus inter pares zu spielen, so würde eine zuneh­mende Mehr­heit unserer Nach­barn sich wirksam dagegen wehren.” • Europa brauche nicht nur Vernunft, „son­dern ebenso ein mitfüh­lendes Herz gegen­über unseren Nach­barn. Und das gilt insbe­sondere für Grie­chen­land.” • bezahlen müssten die Deut­schen ohnehin, und wir „haben es seit Adenauers Zeiten getan.” • er plädiert dann für Euro-Bonds: „Zwangs­läufig wird auch eine gemein­same Verschul­dung unver­meidbar werden.” • die europä­ische Integra­tion sei prak­tisch alterna­tivlosdie europä­ischen Insti­tuti­onen seien leider alle­samt schwach, ebenso das Europä­ische Parla­ment • er spricht vom Feld der völlig unzurei­chend beauf­sich­tigten „Banken, Börsen und deren Finanz­instru­menten” agiere eine „Herde hochin­telli­genter, zugleich psychose-anfäl­liger Finanz­manager.” • er fordert mehrere europa­weit nötige Regulie­rungen: Tren­nung zwischen Geschäfts- und Invest­ment­banken, Verbot von Leerver­käufen, Verbot des Handels mit unbe­aufsich­tigten Deri­vaten und nicht beauf­sich­tigte Rating­agen­turen • es gelte es zu arbeiten und zu kämpfen, „dass die histo­risch einmalige Europä­ische Union aus ihrer gegen­wärtigen Schwäche stand­fest und selbst­bewusst hervor­geht.”
[HTML] SPD-Parteitag: Sozialdemokraten fordern EU-Schuldenfonds. Die SPD will Europa stärken. Die EU soll Staats­haus­halte stärker kontrol­lieren können, ein europä­ischer Fonds die Schulden tilgen. Auch für Euro-Bonds und eine Finanz­trans­aktions­steuer spricht sich die SPD aus.  Handelsblatt , 4.12.2011. • Als Weg aus der Vertrau­enskrise plädiert die SPD für eine Verge­mein­schaf­tung von Altschulden in der Euro-Zone • Frak­tions­chef Frank-Walter Stein­meier warb für einen „europäi­schen Schul­dentil­gungs­fonds” als „Herz­stück” aller Rettungs­bemü­hungen • Signal vom Parteitag: „Wir sind die deut­sche Europa­partei” • er warf Merkel eine unehr­liche Schul­meis­terei in der Euro­papo­litik vor: während sie Schulden­staaten einen rigiden Spar­kurs empfehle, erhöhe sie in Deutsch­land die Neuver­schuldung • die Euro­krise als Chance für die politi­sche Eini­gung Europas mit Umfor­mung der unfer­tigen Währungs­union in eine stabi­litäts- und wachs­tums­orien­tierte Wirt­schafts­union • während die Verteu­felung der Euro-Bonds durch die schwarz-gelbe Koali­tion „verlogen” sei, verlange gemein­schaft­liche Haftung aber eine gemein­schaft­liche Kontrolle • als „intelli­gente Rege­lung” für die Altschulden der EU-Staaten fordert die SPD einen europä­ischen Schul­dentil­gungs­fonds • durch Einfüh­rung einer Finanz­trans­aktions­steuer sei der Finanz­sektor an den Kosten der Finanz­krise zu betei­ligen • gebraucht werde auch ein europä­isches Aufbau­programm mit Vorrang für Inves­titi­onen in die Real­wirt­schaft • Martin Schulz (Vorsit­zender der Sozial­demo­krati­schen Fraktion im Europa­parla­ment): „Unsere Aufgabe ist es, die EU zu verän­dern, damit Europa gerettet wird.”
[HTML] H. Schumann: Euro-Krise: Am deutschen Wesen könnte die Währungsunion scheitern.[!] Der geld­politi­sche Dogma­tismus der Merkel-Regie­rung und ihr Programm zur Schrump­fung der Staats­haus­halte zeugen von Igno­ranz und Heuchelei. Sie gefährdet damit den Euro — und mehr. DER TAGESSPIEGEL, 4.12.2011. • Rado­slav Sikorski (Außen­minister Polens): würde die Währungs­union zerfallen, wären die Folgen von „apoka­lypti­scher Größen­ordnung” • es sind aber die deutsche Regie­rung und die deut­schen Notenbanker, die in blinder Selbst­gerech­tigkeit die Währungs­union gera­dewegs ins Unglück steuern • Angela Merkel: es sollen „Schulden­sünder automa­tisch bestraft” und vor dem Europä­ischen Gerichtshof verklagt werden • Philipp Rösler brand­markt die von führenden Ökonomen in aller Welt gefor­derte Deckung des Euro-Rettungs­fonds EFSF durch die EZB als „Weg in die Infla­tion” • Jens Weid­mann (neuer Bundes­bank­präsi­dent) erklärt die nötige Auswei­tung der EZB-Käufe von Staats­anleihen zum „Rechts­bruch” • Hans-Peter Keitel (Indus­trie­präsi­dent): „einzig die Politik” — mit Ausnahme der Kanz­lerin — sei schuld an der Misere, deren Opfer jetzt die private Wirt­schaft sei • Botschaft der deut­schen Euro­päer: wenn doch nur alle Euro-Staaten den Deut­schen mit eisernem Spar­willen folgen und die Geld­schöp­fung zur Staats­finan­zierung verbieten würden! • es ist genau umge­kehrt: wenn die Merkel-Regie­rung das Programm aus fortge­setzter Schrump­fung der Staats­haus­halte und geld­politi­schem Dogma­tismus europa­weit durch­setzt, wird die Währungs­union bald zerfallen • liegt die Krise an der Korrup­tion der Einwohner der Schulden­staaten? • aber gerade die deut­sche Indus­trie hat über Jahr­zehnte hemmungslos besto­chen, insbe­sondere in Grie­che­nland, wo mit Siemens, MAN, Daimler und Thyssen/HDW gleich 4 deut­sche Konzerne Korrup­tionsge­schichte geschrieben haben • wir haben Grie­chen­land mit Rüstungs­gütern in einem Ausmaß belie­fert, die sich das Land mit dem — relativ zur Bevöl­kerungs­zahl — größten Wehr­etat aller NATO-Staaten nie leisten konnte • im Krisen­jahr 2010, als die Ermitt­lungen schon begonnen hatten, haben wir den Verkauf von 2 zusätz­lichen U-Booten an Grie­chen­land für fast 1 Mrd. € beför­dert • zu beachten ist auch, dass Irland und Spanien bei der Führung ihrer Staats­haus­halte diszipli­nierter waren als die Deut­schen • Merkel und ihre Strategen verwei­gern sich der Forde­rung, dass die EZB dem Vorbild der Noten­banken in den USA, Japan und Großbritannien folgt und als „Kredit­geber der letzten Instanz” für die Staaten der Euro­zone fungieren soll • mittels ihrer Geld­schöp­fung könnte die EZB dagegen Staats­anleihen in belie­biger Menge über den EFSF kaufen lassen • wenn Spanien, Italien und Belgien sich nur noch zu Zinsen von 7% und mehr refinan­zieren können, werden sie zwangs­läufig insol­vent • die EZB-Garantie ist auch für die Banken dieser Länder unver­zichtbar, weil sie in großem Umfang Anleihen ihrer Heimat­staaten halten und ihre Kunden bei anhal­tendem Wert­verlust Geld abziehen • können die Kredit­insti­tute nicht mehr ausrei­chend private Inves­titi­onen finan­zieren, geht bald in der Wirt­schaft gar nichts mehr • Nobel­preis­ökonom Paul Krugman, Finanz­markt­veteran George Soros, Wirt­schafts­weiser Peter Bofinger und der Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank, Thomas Mayer: die Euro­zone ohne eine EZB-Garantie für Staats­anleihen wird nicht über­leben • die Ertei­lung einer Bank­lizenz für den EFSF wäre der einfachste Weg, denn dann könnte er sich bei der EZB Geld leihen und damit Anleihen der Krisen­staaten kaufen, poli­tisch kontrol­liert vom Minis­terrat und von den Parla­menten • ja, das wäre eine „Lizenz zum Geld drucken” — denn das tun die privaten Banken schon immer • das deut­sche Mantra aber lautet unbe­irrt: eine poli­tisch gewollte Geld­vermeh­rung führe zwangs­läufig in die Infla­tion • wenn das frisch geschöpfte Geld wie in Japan, den USA und Groß­britan­nien ledig­lich die infolge der Rezes­sion ausblei­benden Steu­erein­nahmen kompen­siert, verhin­dert es nur den Absturz und führt nicht zur Infla­tion • alle Krisen­länder in- und außer­halb der Euro­zone sind weit von einer Auslas­tung ihrer Produk­tions­kapazi­täten entfernt • wenn die Konjunktur anspringen sollte, kann immer noch die Zins­schraube ange­zogen werden • dabei haben deut­sche Geld­poli­tiker wie der zurück­getre­tene EZB-Chef­ökonom Jürgen Stark und sein Vorgänger Otmar Issing in den 7 Jahren vor der Finanz­krise tatenlos die Banken die Geld­menge fast verdop­peln lassen, indem sie die Kredit­vergabe drama­tisch auswei­teten, was zur verhäng­nisvollen Infla­tionie­rung der Preise für Immobi­lien und andere Vermö­gens­werte führte • indem Merkel, EU-Kommis­sion und EZB in den Schulden­staaten fast ausschließ­lich die Kürzung der Staats­ausgaben betreiben, unter­graben sie die Kredit­fähig­keit der Staaten weiter • wenn sowohl die privaten Haus­halte und Unter­nehmen als auch der Staat gleich­zeitig sparen, dann sinken zwangs­läufig die Nach­frage sowie die Wirt­schafts­leis­tung und alle gemeinsam werden ärmer, während die Verschul­dung ansteigt und sich ihre Lage verschlech­tert • des einen Schulden sind immer eines anderen Vermögen — diese unge­heuren Vermögen müssen heran­gezogen werden, um die Schulden­berge abzu­tragen • 3 Milli­onen Euro­päer vereinen lt. Merrill Lynch mehr als 10 Billi­onen $ auf sich • in Deutsch­land liegen sogar (den Immo­bilien­besitz einge­schlossen) mehr als 4000 Mrd. € bei nur 10% der Bevöl­kerung — das entspricht dem Doppelten der Staats­verschul­dung • zur Euro-Ret­tung gäbe es viele Instru­mente: (der frühere Vize­präsi­dent der Osteu­ropa­bank EBRD, Joachim Jahnke:) zins­lose Zwangs­anleihen, eine jähr­liche Abgabe von 2% auf Vermögen von mehr als ½ Million € allein zur Schul­dentil­gung, (Unter­nehmens­bera­tung Boston Consul­ting:) eine einma­lige 30-prozen­tige europa­weite Vermö­gens­abgabe (dies entspreche ledig­lich einer realis­tischen Bewer­tung der Anlagen) zur hinrei­chenden Minde­rung der Über­schul­dung • Fazit: die Krise der Währungs­union ist aufs Engste mit der Vertei­lung von Einkommen und Vermögen verbunden und kann nicht allein mit „Sparen” aufge­halten werden • es müssen also erst mit Hilfe der EZB der Kapital­markt stabi­lisiert und anschlie­ßend die Geldvermögen zur Schuldentilgung herangezogen werden — sonst schei­tert Europa
[HTML] CSU: Gegen den Finanz-Kommunismus. Euro-Bonds kommen der CSU nicht in die Tüte. Der Partei­vorstand wird erneut sein striktes Nein verkünden. Für den Fall, dass die Kanz­lerin einknickt, hat die CSU offenbar bereits ein Krisen­szenario entworfen. BR BAYERISCHES FERNSEHEN, 5.12.2011
[HTML] Euro-Krise: Spezialfonds des IWF soll Euro-Krisenländer stützen. Vor dem heutigen Treffen von Bundes­kanz­lerin Merkel und Frank­reichs Präsi­dent Sarkozy werden die Pläne zur Euro-Rettung immer konkreter. Eine Schlüssel­rolle soll dabei offenbar der Inter­natio­nale Währungs­fonds spielen.  Handelsblatt , 5.12.2011. • Die US-Noten­bank Federal Reserve will zusammen mit den 17 Zentral­banken der Euro-Zone dem IWF Geld für krisen­geschüt­telte Euro-Länder zur Verfü­gung stellen • demnach sollen die Zentral­banken der Euro-Zone einen 3-stel­ligen Milli­arden­betrag in einen Spezial­fonds einzahlen, aus dem dann Programme für Krisen­länder finan­ziert würden • die Fed erwäge, einen Teil der Kosten zu finan­zieren • Tim Geithner (US-Finanz­minister) soll dazu diese Woche zu Bespre­chungen nach Europa kommen • ein solcher Rettungs­fonds gehört zu den Pläänen, die Bundes­kanz­lerin Angela Merkel (CDU) und Frank­reichs Präsi­dent Nicolas Sarkozy am Montag in Paris besprechen wollen • in Brüssel wird darüber beraten, wie Zentral­banken der Euro­zone dem IWF dafür Kredite zur Verfü­gung stellen können • ein stär­keres Enga­gement des IWF wird in Erwä­gung gezogen — dafür sollen Zentral­banken der Währungs­gemein­schaft dem Fonds weitere Darlehen gewähren • gestärkt durch dieses Geld soll der IWF einspringen können, falls Italien und Spanien kein Geld mehr an den Finanz­märkten erhalten • in den Schwellen­ländern wächst inzwi­schen der Unmut gegen noch mehr Hilfe für die reiche Euro-Zone, denn der IWF ist bisher schon mit ⅓ an laufenden Rettungs­paketen betei­ligt
[HTML] DJG/DJN/hab: OECD/Gurria fordert stärkeren Einsatz der EZB in Schuldenkrise.[!] FinanzNachrichten.de, 5.12.2011. • Angel Gurria (Chef der Orga­nisa­tion für wirt­schaft­liche Zusammen­arbeit und Entwick­lung) fordert die EZB zur stär­keren Betei­ligung an der Bekämp­fung der Staats­schulden­krise auf • mit der EZB gebe es Instru­mente für die Bekämp­fung der Krise • „Wenn wir sie nicht benutzen, wozu haben wir sie dann?”
[HTML] Reuters/red: Merkel und Sarkozy wollen neue Verträge: EU-Vertragsänderungen notfalls nur für die 17 Euro-Staaten. Merkel und Sarkozy wollen Defizit­sünder automa­tisch bestrafen, den Rettungs­schirm ESM vorziehen und keine Euro­bonds einführen. derStandard.at, 5.12.2011. • Für die gemein­samen Vorschläge von Merkel und Sarkozy muss es Ände­rungen der EU-Verträge geben — sollte dies inner­halb der EU nicht möglich sein, müsse es notfalls Ände­rungen unter den 17 Euro-Staaten geben • bis März sollten die Verhand­lungen darüber abge­schlossen sein • der Euro-Rettungs­schirm ESM soll statt 2013 möglichst schon Ende 2012 beschlossen werden • aber Euro-Bonds würden abge­lehnt: eine gemein­same Haftung für Schulden solle es nicht geben — der frei­willige Schulden­schnitt bei Grie­chen­land sei ein „Sonder­fall” gewesen • vor dem EU-Gipfel in Brüssel wird das deutsch-französische Konzept dem EU-Rats­präsi­denten Herman Van Rompuy vorge­legt
[HTML] S. Kornelius (Kommentar): Schuldenkrise in Europa: Das Modell Monti. Europas Poli­tiker wären gut beraten, wenn sie es alle dem neuen italie­nischen Minis­terpräsi­denten Mario Monti gleichtun würden: Planen, Handeln, Schweigen. Denn nur so wird die eigent­liche Währung stabili­siert, die Europa in diesen Tagen braucht: Vertrauen. sueddeutsche.de, 5.12.2011
[HTML] T. Fricker: BZ-Interview: Regierungschefs aus Estland und Lettland sprechen über die Schuldenkrise. „Wenn Strafen nötig sind, okay!” Ein Inter­view mit Andrus Ansip und Valdis Dombrov­skis, Minister­präsi­denten von Estland und Lett­land, über den Umgang mit der Schulden­krise. Badische  \  Zeitung, 6.11.2011. • Beide Länder haben in den vergan­genen Jahren drama­tische Wirt­schafts­krisen durch­gemacht • in Lett­land war eine enorme Grund­stücks­blase enstanden, in Estland ging die Krise von der Baubranche aus • Reaktion in Estland: schnell handeln, Kürzung der öffent­lichen Ausgaben, Struk­turre­formen • Reaktion in Lett­land: Einsicht der Bevöl­kerung, Beibe­haltung der Programme für sozial Schwache, ein Arbeits­beschaf­fungs­programm • in Estland war es möglich, die Neuver­schul­dung inner­halb eines Jahres von fast 20% des BIP auf 2,5% zurück­zufahren • eine Fiskal­union mit Stabi­litäts­verspre­chen ist für Estland in Ordnung • manche Länder werden 10, 20 Jahre benö­tigen, um endgültig aus dem Tief zu kommen • Lett­land hält am Ziel des Beitritts zur Währungs­union 2014 fest • Estland glaubt an den Euro und hält ihn für eine ausge­zeich­nete Idee
[HTML] P. Ehrlich: Krisengipfel: Euro-Regierungen basteln an Dreifach-Megaschirm. Vertreter der Euro-Länder erwägen einen doppelten Rettungs­fonds für den Euro, bei dem 2 Siche­rungs­systeme gleich­zeitig greifen. Ziel ist eine 3-fach gesi­cherte Brand­mauer. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 7.12.2011. • Die Euro-Länder arbeiten an einer massiven Auswei­tung der geplanten Rettungs­schirme • den europä­ischen Stabi­lisie­rungs­fonds EFSF will man weiter­laufen lassen, wenn Mitte 2012 der dauer­hafte Euro-Ret­tungs­schirm ESM in Kraft tritt • damit wäre die Feuer­kraft der Euro-Ret­tungs­versuche nahezu verdop­pelt: zu den 440 Mrd. € des EFSF kämen die 500 Mrd. € des künftigen ESM-Rettungs­fonds • die Befür­worter des Doppel­schirms glauben aber, dass damit eine 3-fach gesi­cherte Brand­mauer zur Euro-Rettung geschaffen werden kann: neben der paral­lelen Siche­rung durch EFSF und ESM werden Zahlungen aus dem IWF erwartet • Mario Draghi (EZB-Chef) hatte einen glaub­würdigen Mecha­nismus zur Bedin­gung dafür gemacht, stärker in die Euro-Ret­tung einzu­greifen
[HTML] Britischer Premier stellt Bedingungen: Cameron droht mit Nein zu neuem EU-Vertrag. Bedin­gungen für ein Ja zum neuen EU-Vertrag: Der briti­sche Premier David Cameron will Ände­rungen an den Grund­lagen der EU nur zustimmen, wenn Groß­britan­nien Absiche­rungen erhält. Aber müssen die Verträge über­haupt ange­tastet werden? EU-Ratsprä­sident Herman Van Rompuy bezwei­felt das. sueddeutsche.de, 7.12.2011
[HTML] C. Kade, T. Pache: Schuldenkrise in Europa: Merkel beerdigt die Gläubigerbeteiligung. Die Banken sollten mitbluten. Diese Idee hielt die Koali­tion zusammen. Doch die Betei­ligung privater Gläu­biger wird aufge­weicht. Sie war eine der letzten Grund­satz­positi­onen der Kanz­lerin in der Euro-Krise — viele sind nicht mehr übrig. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 7.12.2011. • Angela Merkel hat gerade im Pariser Élysée-Palast eines ihrer aller­letzten Grund­prinzi­pien beer­digt und die Betei­ligung privater Gläu­biger beim Schulden­schnitt im dauer­haften Euro-Rettungs­fonds ESM auf Mini­malmaß zusam­menge­schrumpft • dass die Banken mitbluten sollten, war die verbin­dende Idee in der schwarz-gelben Koali­tion gewesen • diese Idee, die monate­lang als geeig­netes Mittel galt, um die Lasten zwischen Steuer­zahlern und Banken zu verteilen, ist jetzt geschei­tert • sie hat sich nämlich als Krisenver­schärfer heraus­gestellt, denn die Furcht vor einer Betei­ligung beim Schulden­schnitt schreckt viele Anleger inzwi­schen vom Kauf von Staats­anleihen ab • die Idee war also ein Irrtum — und viel­leicht nicht der letzte • dabei hatten Ökonomen, Banken und private Inves­toren schon Anfang 2010 verlangt, die Gläu­biger müssten zur Sanie­rung Grie­chen­lands beitragen • als sich im April die Frak­tions­spitzen von Union und FDP diesen Forde­rungen von SPD und Grünen anschlossen, warnte Finanz­minister Wolfgang Schäuble (CDU), die Finanz­märkte dürften nicht weiter verun­sichert werden • doch im Sommer 2010 brachte Schäuble selbst eine geord­nete Insol­venz von Euro-Staaten mit angemes­sener Betei­ligung der Banken ins Spiel • im Artikel 12 des ersten Entwurfs zum ESM-Rah­menver­trag hieß es noch, die Länder müssten in jedem Fall eine Reduzie­rung ihrer Schulden­last durch­setzen • nun heißt es, es bleibe bei einer „Von Fall zu Fall”-Lösung • Hermann Otto Solms (FDP-Finanz­poli­tiker) heute: „Aus meiner Erfah­rung weiß ich: Jeder Fall ist anders.”
[HTML] R. Birnbaum, P. Flueckiger, M. Thibaut: Schuldenkrise: Kommt ein Alleingang der Euro-Länder? Ob alle EU-Staaten Vertrags­ände­rungen akzep­tieren werden, ist unklar. Bundes­kanz­lerin Merkel bleibt eisen­hart. DER TAGESSPIEGEL, 7.12.2011. • Ein deut­scher Regie­rungsver­treter vor dem Euro-Gipfel: „Wir machen keine Kompro­misse!” • die Bundes­kanz­lerin sieht diesen Euro-Gipfel als entschei­dend für den Fortbe­stand der gemein­samen Währung, sogar des ganzen Projekts Europa • Problem: manche aus dem Kreis der 27 EU-Staaten verstehen unter einem großen Wurf etwas anderes als das, was die Kanz­lerin mit Sarkozy verein­bart hat und was EU-Ratsprä­sident Herman Van Rompuy weiter­geschickt hat: im Kern ein Euro-Europa, eine Stabi­litäts­union, in der Haus­halts­diszi­plin nicht mehr Verhand­lungs­sache ist • alle Mitglieds­länder müssen sich selbst eine Schulden­bremse nach einheit­lichen Maßstäben verordnen • die EU-Kommis­sion über­wacht, ob die Umset­zung in natio­nales Recht mit diesen Vorgaben überein­stimmt • der Europä­ische Gerichtshof soll Mitglied­staaten zum Nachbes­sern zwingen könnenSankti­onen sollen halb­automa­tisch greifen — mit Zwei­drittel­mehr­heit sollen die Regie­rungs­chefs den Straf­mecha­nismus stoppen dürfen • Sarkozy: die Politik und nicht eine EU-Verwal­tung muss das letzte Wort haben • deut­sche Diplo­maten: am Kern dieser Vorschläge werde es keine Kompro­misse geben • auch müssten die neuen Regeln völker­recht­lich verein­bart werden, als Signal der Entschlos­senheit • damit scheiden bloße Ände­rungen irgend­welcher Zusatz­proto­kolle zum Lissabon-Vertrag aus • komme es nicht zur Eini­gung der 27, dann sei ein Vertrag wenig­stens für die Euro-Zone „unver­zichtbar” • andere interes­sierte Länder sollen mitma­chen können • David Cameron (briti­scher Premier) spricht sich klar dagegen aus • er redet von einer „Briten­garantie” und „Regeln, damit der einheit­liche Markt fair und offen bleibt für briti­sche Schlüs­selindu­strien, einschließ­lich der Finanz­dienst­leis­tungen.” • der Finanz­markt in der Londoner City erwirt­schaftet 11% des briti­schen Steuer­aufkom­mens • weil die Euro-Krise ihre Wirt­schaft stark belastet, ist die briti­sche Regie­rung grund­sätz­lich an einer Eini­gung der 27 interes­siert und nicht an einem Euro-Sepa­ratver­trag • die Euro-Skep­tiker in London wollen bei Vertrags­verhand­lungen die Bezie­hung Groß­britan­niens mit der EU grund­legend neu defi­nieren • Polen dagegen hat Unter­stüt­zung zuge­sagt • auch Länder, die den Euro noch nicht einge­führt hätten, sollten bei der künf­tigen EU-Fi­nanzpo­litik ein gewich­tiges Wort haben • Polens Außen­minister Rado­slaw Sikorski: sein Land fühle große Solida­rität mit Deutsch­land • so wie bisher könne es doch mit dem Stabi­litäts­pakt nicht weiter­gehen
[HTML] mg/dpa-afx: Euro-Schuldenkrise: Worüber auf dem EU-Gipfel debattiert wird. Der Euro steht am Abgrund. Auf ihrem Krisen­treffen in Brüssel müssen die Staats- und Regie­rungs­chefs der 27 EU-Länder umfas­sende Reformen verein­baren, um die Währungs­union zu retten. Ein Über­blick über die wichtig­sten Themen des EU-Gipfels.  manager magazin , 8.12.2011. • Auf dem Tisch liegen Vorschläge des EU-Gipfel­chefs Herman Van Rompuy sowie ein gemein­sames Papier von Kanz­lerin Angela Merkel und Frank­reichs Staats­präsi­dent Nicolas Sarkozy • Elemente in der Brüsseler Debatte: • mehr Haus­halts­diszi­plin: am 13. Dezember das Gesetzes­paket zur Verschär­fung des Stabi­litäts­paktes mit der Verpflich­tung zum Schulden­abbau in Kraft; wobei Deutsch­land und Frank­reich zusätz­lich auto­mati­sche Sankti­onen ab einem Defizit von mehr als 3% des BIP und eine gericht­lich über­prüf­bare Schulden­bremse in allen 17 Euro-Staaten fordern • Vertrags­ände­rung: nach den deutsch-fran­zösi­schen Vorschlägen ist eine Vertrags­ände­rung (dauert mindes­tens 1 Jahr) notwendig, während Van Rompuy offen lässt, ob evtl. eine Mini-Ände­rung eines Vertrags­proto­kolls ausreicht • Hebe­lung des Krisen­fonds EFSF: da der Krisen­fonds nicht ausreicht, sollen seine Rest­mittel von 250 Mrd. € mittels eines Kredit­hebels auf mindes­tens 750 Mrd. € vermehrt werden • ESM: er soll Mitte 2013 den Rettungs­fonds EFSF ablösen, aber Deutsch­land und Frank­reich sprechen sich für einen vorge­zogenen Start bereits Ende 2012 aus • EZB: Deutsch­land ist gegen, Frank­reich für eine akti­vere Rolle der EZB, während der neue EZB-Präsi­dent Mario Draghi einen verbind­lichen Schulden­pakt fordert, ehe die EZB massiver eingreifen könne • IWF: der Währungs­fonds IWF soll stärker bei der Rettung einbe­zogen werden auch dadurch, dass die natio­nalen Noten­banken der Euro-Länder Geld in einen Topf einzahlen, aus dem dann Programme für Krisen­länder finan­ziert werden • Euro-Bonds: gemein­same Staats­anleihen aller Euro-Staaten sind umstritten — die EU-Kommis­sion hat einen Vorschlag mit 3 Vari­anten präsen­tiert • 2. Grie­chen­land-Paket: das im Oktober beschlos­sene Paket über 100 Mrd. € soll bis Jahres­ende ausver­handelt sein
[HTML] Mehrere EU-Staatschefs warnen vor Spaltung der Union. Vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel streiten sich die EU-Länder über die von Frank­reich und Deutschland ange­strebten Vertrags­ände­rungen. DerBund, 8.12.2011. • Mark Rutte (nieder­ländi­scher Minister­präsi­dent) warnte vor einer Spal­tung der EU: die EU müsse sehen, dass sie als Union von 27 Staaten zusammen­bleiben • Traian Basescu (rumäni­scher Regie­rungs­chef): „Rumä­nien kann ein Europa mit 2 Kate­gorien von Mitglie­dern nicht akzep­tieren.” • Donald Tusk (polni­scher Regie­rungs­chef) wehrte sich gegen ein „Europa mehrerer Geschwin­digkeiten”: wenn Europa sich von den 27 Mitglied­staaten entferne, nagle es sich seinen eigenen Sarg • David Cameron (briti­scher Premier­minister) will beim EU-Gipfel zur Zukunft des Euro „ohne Zögern” die Inter­essen seines Landes durch­setzen, notfalls per Veto-Recht • Elio Di Rupo (neuer belgi­scher Premier­minister) betonte, es müssten Lösungen „für alle europä­ischen Bürger” gefunden werden
[HTML] P. Faigle, F. Ghelli: Finanzkrise: "Diese Geldpolitik ist verrückt".[!] Der italie­nische Ökonom Franco Bruni kriti­siert die Geldpo­litik der Zentral­banken. Die Probleme Europas, sagt er im Inter­view, lassen sich nicht mit mehr Geld lösen. ZEIT ONLINE, 8.12.2011. • „Es ist offen­sicht­lich, dass durch die Anleihe­käufe der EZB mehr Liqui­dität entsteht, die zu mehr Infla­tion führen kann.” • wir sind aber in einer Notlage, in der die EZB auch dafür sorgen muss, dass das Vertrauen der Anleger durch ihr Enga­gement zurück­kehrt — doch es sollte von kurzer Dauer sein • die EZB sollte also helfen, aber die Reform­anstren­gungen in den Krisen­ländern nicht entmutigen • mein Haupt­vorwurf ist, dass wir die Regeln, die Italien in den 80er und 90er Jahren wieder zur Stabi­lität geführt hatten, nicht durchge­halten haben • seit der Japan-Krise Anfang der 90er irren wir mit dem Glauben, dass wir mit dauer­haft nied­rigen Zinsen die Wirt­schaft ankur­beln können • diese Geldpo­litik ist verrückt, weil viele Staaten struktu­relle Probleme haben, die sich nicht mit mehr Geld lösen lassen • man kann den Konsum (wegen der Infla­tions­erwar­tungen) auch nicht beliebig anheizen, indem man die Zinsen de facto unter Null setzt • der Konsum hängt von vielen Dingen ab — auch vom Sicher­heitsemp­finden der Konsu­menten • seit den 90er Jahren wächst die Geld­menge weit schneller als das BIP • bald werden wir ständig exzes­sive Booms finan­zieren • nicht nur die Infla­tions­gefahr ist daran gefähr­lich, sondern nied­rige Zinsen verleiten z.B. Inves­toren dazu, sich zu verschulden, auch wenn es keinen realis­tischen Rückzah­lungs­plan gibt • die ökono­mische Forschung lernt langsam, dass die Risi­kobe­reit­schaft der Anleger über ein gesundes Maß steigt, wenn mehr Geld im Markt ist • die Zinsen sind welt­weit schon seit Jahren zu niedrig • Zinsen sollten zumin­dest real positiv sein — sonst werden die Entschei­dungen zu stark verzerrt • wenn wir weiterhin real nega­tive Zinsen haben, legen wir die Saat für die nächste Krise • die Geldpo­litiker dürfen nicht nur auf die Preis­entwick­lung, sondern müssen auch auf die Entwick­lung der Vermö­gens­preise schauen — über eine bessere Analyse der Geld­mengen • wir müssen schon jetzt Regeln dafür aufstellen, wie wir mit der nächsten Krise umgehen, die kommen wird: welche Rolle sollen dann die Zentral­banken spielen, welche die Regie­rungen? • weil Italien in den vergan­genen Jahren skan­dalös schlecht regiert wurde, gibt es mittler­weile auch in der Bevöl­kerung die Einsicht, dass sich die Probleme nur mit Struk­turre­formen lösen lassen — nicht mit mehr Geld
[HTML] mbe: Studie beleuchtet implizite Staatsverschuldung: Die „wahren” Sünder in der Euro-Zone. Berück­sich­tigt man auch die unge­deckten Verpflich­tungen der Staaten der Euro-Zone, ergibt sich eine überra­schende Reihen­folge der Schulden­sünder. Die impli­zite über­trifft die expli­zite Staats­verschul­dung meist um ein Viel­faches. NZZOnline, 8.12.2011. • Berück­sich­tigt man zusätz­lich die impli­zite Staats­verschul­dung (die unge­deckten Verpflich­tungen des Staates in der Zukunft), so ergibt sich eine uner­wartete Rang­folge der europä­ischen Staaten • eine aktu­elle Aufstel­lung für die 12 Grün­dungsmit­glieder der Euro-Zone ergibt: Italien steht gut da, während Luxem­burg schlecht abschneidet • eine nied­rige impli­zite Verschul­dung weisen vor allem jene Staaten aus, die ihr Renten- und Gesund­heits­system bereits refor­miert haben • Deutsch­land z.B. konnte den Stand der impli­ziten Verschul­dung in den vergan­genen Jahren deut­lich redu­zieren • auch Italiens Renten­system ist für künf­tige Heraus­forde­rungen gut gerüstet • Staaten wie Luxem­burg, Grie­chen­land oder Spanien haben mit einem starken Anstieg der alters­abhän­gigen Ausgaben zu rechnen • die Stif­tung Markt­wirt­schaft fordert, dass in die Maas­tricht-Krite­rien zur Staats­verschul­dung künftig auch die impli­zite Verschul­dung aufge­nommen werden soll • nach der Studie müssten etwa die grössten Schulden­sünder Grie­chen­land, Luxem­burg und Irland ihre Staats­ausgaben dauer­haft um über 10% des BIP senken, um zu einer dauer­haft trag­baren Schulden­situa­tion zu kommen • die Poli­tiker stemmen sich aller­dings dagegen, denn der errech­nete Schulden­stand vari­iert beträcht­lich je nach Annahme bestim­mender Größen • auch ist das Geld für künf­tige Verpflich­tungen — anders als bei der expli­ziten Verschul­dung — noch nicht ausge­geben;  [JPEG-Bild] Verschuldung
[HTML] W. Mussler: EU-Gipfel: Mehr Haushaltsaufsicht für 26 EU-Länder. Ein Über­blick über die wichtig­sten Gipfel-Ergeb­nisse. Die „Brand­mauer”, mit denen gefähr­dete Euro-Staaten geschützt werden sollen, wird ein wenig gestärkt. Die von den Märkten gefor­derte „Bazooka” bleibt aber im Schrank — und etliche Fragen bleiben offen. FAZ.NET, 9.12.2011. • Nur Groß­britan­nien will sich nicht auf eine Fiskal­union einlassen — alle anderen wollen eine stren­gere Haus­halts­aufsicht akzep­tieren • der EU-Vertrag wird nicht exakt nach deut­schen Vorstel­lungen geän­dert, aber so ähnlich • Einfüh­rung der Schulden­bremse: das jähr­liche struk­turelle (d.h. konjunk­turbe­reinigte) Staats­defizit darf 0,5% des BIP nicht über­steigen • erreicht ein Land dieses Ziel nicht, soll ein „auto­mati­scher Korrek­turmecha­nismus” ausge­löst werden — über­wacht durch den Europä­ischen Gerichtshof • die EU-Kommis­sion beauf­sich­tigt die Einhal­tung fort­laufend und erhält dazu mehr Durch­griffs­rechte in der Haus­halts­aufsicht • in einem zwischen­staat­lichen Vertrag verpflichten sich die Euro-Staaten (und weitere Länder), dass der Inhalt von Artikel 126 des Vertrags über die Arbeits­weise der EU (AEU) für die Euro-Staaten geän­dert wird — ohne den eigent­lichen Vertrag selbst zu ändern — dass auf allen Stufen eines Defizit­verfah­rens „auto­mati­sche Konse­quenzen” gezogen werden • damit kann der Minis­terrat ein Vorgehen der Kommis­sion gegen den vom Verfahren betrof­fenen Staat nur mit ⅔-Mehr­heit verhin­dern • die Staats- und Regie­rungs­chefs aller anderen Nicht-Euro-Staaten außer Groß­britan­nien haben unter dem Vorbe­halt der Zustim­mung ihrer Parla­mente signali­siert, den zwischen­staat­lichen Vertrag eben­falls zu unter­zeichnen • es wurde aber nur eine politi­sche Willens­erklä­rung abge­geben — der zwischen­staat­liche Vertrag muss noch ausgear­beitet werden • der ESM soll seine Arbeit schon im Juli 2012 (also ein Jahr früher als geplant) aufnehmen • es soll zu jedem Zeit­punkt ein Kredit­volumen von 500 Mrd. € sicher­gestellt werden • die Rolle der EZB wurde nur für die techni­sche Bera­tung des EFSF bei Markt­trans­akti­onen erwei­tert • eine Bank­lizenz für den ESM, die direkt auf eine mone­täre Staats­finan­zierung hinaus­gelaufen wäre, ist vorläufig vom Tisch • eine erheb­liche Betei­ligung der privaten Gläu­biger wird es nicht mehr geben • über Hilfsak­tionen des ESM entscheidet die Euro­gruppe künftig mit einer qualifi­zierten Mehr­heit von 85% • Grund­lage für den Stimmen­anteil sind die Anteile am EZB-Ka­pital • prak­tisch behalten damit Deutsch­land, Frank­reich und Italien ein Vetorecht;  [JPEG-Bild] Pakt gegen Schulden.[!] Dezember 2011
[HTML] Continent gives Cameron the cold shoulder. YORKSHIRE POST, 9.12.2011. None of the Franco-German propo­sals would apply to the UK, which is 1 of 10 EU states outside the euro­zone • Alexander Stubb (Finland’s Euro­pean affairs minister) said Britain was "not, to be very frank, a central player in this game right now" • Martin Schulz (German, leader of the Socia­list Group in the Euro­pean Parlia­ment): "If there is too much insis­tence on treaty change there is a danger of back­room deals and trade-offs, which we do not want to see. I want clarity and trans­parency. I under­stand those who refuse to engage in horse-trading with a non-euro country. But we cannot allow the divi­sion of Europe into a 17-10 struc­ture. Maybe, we should think about a 26-1 solution." • chan­cellor George Osborne issued a chil­ling warning of the "enor­mous damage" which the collapse of the euro would inflict on the British economy • "It would do huge damage to the British economy, and I think those who say we’d have 1 year or 2 of hard­ship and then bounce back out of it, may be some­what opti­mistic. There have been studies that suggest a very signi­ficant drop in UK GDP were the euro to fall apart."
[HTML] I. Traynor, N. Watt, D. Gow, P. Wintour: David Cameron blocks EU treaty with veto, casting Britain adrift in Europe. EU leaders poised to line up 26-1 in support of Franco-German blue­print, but PM had appa­rent bles­sing of Nick Clegg. theguardian, 9.12.2011
[HTML] Press Association Ltd.: Cameron EU veto 'bad for Scotland'. scotsman . com , 10.12.2011. • The SNP MEP Alyn Smith predicted that in 6 months the UK will be sinking "a lot faster than the euro­zone" • at least 23 of the 27 member states are going ahead with their own new treaty to restore single-market credi­bility and stabi­lity • Mr Smith about the Prime Minister: "He's done this in a vain, selfish, self-indul­gent and down­right bone­headed way." • he said it is "not the case" that the UK posi­tion would be worse if it was in the euro • "the UK is going to be impacted by this even worse than the euro­zone countries are." • "David Cameron was more inter­ested in a hypo­thetical threat to the bankers than the British national interest." • he said: "Give it six months and I think you will find the UK sinking a lot faster than the euro­zone is. The euro­zone is getting its act together."
[HTML] B. Bartsch: Interview mit Richard Koo: Schuldenkrise: „Europa hat die japanische Krankheit”.[wichtig!] Star­ökonom Richard Koo spricht über das Wesen der Schulden­krise, die Rettung des Euros und deut­sche Luxus­probleme. Frankfurter Rundschau, 10.12.2011. Richard Koo (Jahrgang 1954, Chef­ökonom des Nomura Research Insti­tute in Tokio) gilt als einer der führenden Experten für Rezes­sionen • nach der japani­schen Krise entwi­ckelte er 2003 das Konzept der „Bilanz­rezes­sion: nach dem Platzen einer Blase versu­chen Unter­nehmen nicht mehr, ihre Profite zu maxi­mieren, sondern nur noch ihre Schulden zu mini­mieren • bei kollek­tivem solchen Handeln führt das einen schnellen Konjunk­turab­sturz herbei • Koo: Regie­rungen müssen in einer solchen Situa­tion die Wirt­schaft so lange durch hohe Staats­ausgaben am Laufen halten, bis die Privat­wirt­schaft wieder zum Wachstum beiträgt • Frage: können Europas Regie­rungs­chefs mit den gegen­wärtigen Rettungs­plänen die Probleme der Euro­krise lösen? • in Europa scheint vielen nicht bewusst zu sein, mit welchen Problemen sie es eigent­lich genau zu tun haben • Antwort: Europa und die USA haben sich die japani­sche Krank­heit einge­fangen (Stag­nation bei Infla­tion: „Stag­flation”) • wenn die Politik nicht die rich­tigen Lehren aus den japani­schen Erfah­rungen zieht und entspre­chende Maßnahmen einleitet, droht Europa ein „verlo­renes Jahr­zehnt • die japani­sche Krank­heit wird dadurch ausge­löst, dass eine landes­weite Preis­blase platzt, wie 2008 nach dem Lehman-Schock • dann brechen die Preise ein, etwa von Immo­bilien, aber die damit verbun­denen Schulden bleiben bestehenUnter­nehmen wie Privat­haus­halte stecken plötz­lich tief im Minus und versuchen um jeden Preis, ihre Schulden abzu­bauen: das erscheint auf den 1. Blick vernünftig, aber kollektiv ist das genau das Falsche • alle sparen Geld, niemand gibt mehr Geld aus, die Volks­wirt­schaft schrumpft, weil das Geld im Banken­system fest­steckt • Lösung: der Staat muss sich dieses Geld leihen und wieder in Umlauf bringen • er muss diesen Stimulus so lange aufrecht erhalten, bis die Unter­nehmen und Haus­halte ihre Schulden abge­baut haben und sich selbst wieder Geld zu leihen beginnen • eine Regie­rung darf in dieser Phase auf keinen Fall selbst sparen! • genau das aber ist derzeit das erklärte Ziel der europä­ischen Regie­rungen • nachdem Japans Regie­rung das Anfang der 90er Jahre zunächst richtig gemacht und viel Geld in Umlauf gebracht hatte, stabili­sierte sich die Konjunktur • aber dann wurde sie unge­duldig und hat 1997 eine große Haus­halts­konso­lidie­rung einge­leitet — im Rekord­tempo brach die Wirt­schaft zusammen • Japan hat danach die schlimmste Rezes­sion der Nach­kriegs­zeit erlebt • in Europa haben die Unter­nehmen und Haus­halte noch immer viele Schulden in ihren Bilanzen: wenn der Staat jetzt spart, dann könnte die nächste Große Depres­sion doch kommen • die aktu­elle Schulden­krise ist ein spezi­elles Problem der Euro­zone, während anderswo die Märkte die Regie­rungen anbet­teln, sich doch bitte Geld zu leihen • die Krux in Europa ist, dass Spanier, Iren und Portu­giesen sparen, sich für ihr Erspartes aber nicht heimi­sche Staats­anleihen kaufen, sondern deut­sche, nieder­ländi­sche oder finni­sche • diese Geldab­flüsse müssen gestoppt werden • in der Euro­zone sollte daher die Regel einge­führt werden, dass die einzelnen Mitglieds­staaten ihre Staats­anleihen nur noch an ihr eigenes Volk verkaufen dürfen • die Euro­länder brauchen sich dann auch nicht mehr über ihre Haus­haltsde­fizite und die 3%-Klausel zu streiten • wer vom eigenen Volk viel Geld geliehen bekommt, kann auch ein hohes Defizit haben • wer wie die Grie­chen keine Erspar­nisse hat, muss eben sparen • mit dieser Regel wären alle Probleme gelöst • die Euro­staaten könnten dann zwar keine Anleihen mehr an Chinesen oder Japaner verkaufen; aber wenn eine Regie­rung ihr eigenes Volk nicht davon über­zeugen kann, ihr Geld zu leihen, warum sollten es dann die Chinesen oder Japaner tun? • dass es der deut­schen Wirt­schaft sehr gut geht, liegt daran, dass die deut­schen Unter­nehmen ihre Bilanz­bereini­gungen schon hinter sich gebracht haben — als vor 10 Jahren die Telekom­blase geplatzt ist • daher verwei­gern sich die Deut­schen wich­tigen Maßnahmen, die aber für den Rest Europas wichtig wären • für Europa als Ganzes ist die Infla­tions­gefahr nicht groß • und selbst wenn es in Deutsch­land doch ein biss­chen Infla­tion geben würde, wäre das ein Preis, den die Deut­schen zahlen sollten, um die Euro­krise zu beenden
[HTML] A. Kühnlenz, I. Gomez, K. Bode, L. Brüchle: Marktausblick: Das Zittern um den Euro geht weiter. Der Gipfel zur Rettung der Gemein­schafts­währung ist vorbei — doch das ist noch lange kein Grund zum Aufatmen: Viele Probleme der Euro-Staaten sind nach wie vor unge­löst. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 10.12.2011. • Rainer Gunter­mann (Anlei­heana­lyst der Commerz­bank): „Entschei­dend für die Stim­mung an den Renten­märkten in den kommenden Wochen dürfte sein, wie die EZB und die Rating­agen­turen die Ergeb­nisse des Gipfels interpre­tieren.” • die Markt­teil­nehmer am Freitag zeigten sich zunächst eher verhalten • es spricht vieles dafür, dass die große Entspan­nung auch in der nächsten Woche ausbleiben wird und beson­ders der Euro noch bis Jahres­ende unter Druck geraten könnte • das Auf und Ab am Aktien­markt dürfte weiter­gehen • viele Markt­teil­nehmer hoffen darauf, dass die Noten­banker even­tuell doch mit größeren Anleihe­käufen die Renditen der Länder stärker drücken werden • es steht weiterhin die Drohung der Rating­agentur Stan­dard & Poor's im Raum, die Bonität fast aller Euro-Staaten herabzu­stufen
[HTML] dpa: Statistiker: Euro ist kein Teuro.[!] Allen Unken­rufen zum Trotz: Der Euro ist nach Berech­nungen des Statis­tischen Bundes­amtes kein Teuro. Seit der Einfüh­rung des Euro-Bar­geldes Anfang 2002 bis zum November 2011 lag die Preis­steige­rung bei durch­schnitt­lich 1,6 Prozent im Jahr. Zu Zeiten der D-Mark waren es dagegen im Schnitt 2,6 Prozent, wie die Statis­tiker mitteilten. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 16.12.2011. • Da vor allem häufig gekaufte Waren wie Heizöl und Sprit (die beson­ders rasant gestiegen sind) und zum Teil auch Lebens­mittel teurer wurden, haben viele Verbrau­cher das Gefühl, der Euro sei weniger wert • auch die Strom­preise legten im gleichen Zeit­raum um rund 66% zu • kräftig gestiegen sind aufgrund der welt­weit wach­senden Nach­frage die Nahrungs­mittel­preise (aber erst ab 2007) • Mieten, die einen hohen Anteil an den Konsum­ausgaben der Haus­halte haben, erhöhten sich dagegen nur um insge­samt 12% • hatte es Anfang der 90er-Jahre im Zuge der Wieder­verei­nigung noch hohe Infla­tions­raten von zeit­weise 4% gegeben, stiegen die Lebens­haltungs­kosten in den letzten 6 Jahren der DM nur noch um 1,4% jähr­lich
[HTML] OECD-Studie: Industrieländer brauchen gewaltige Kredite.[!] 2012 müssen sich die OECD-Staaten acht Billi­onen Euro leihen. Die Wirt­schafts­orga­nisa­tion warnt vor Kredit­engpässen und sieht die Stabi­lität vieler Regie­rungen in Gefahr. ZEIT ONLINE, 12.12.2011. • Berech­nungen der OECD belegen: die Indus­trie­staaten müssen sich im kommenden Jahr 10,5 Billionen $ (rund 8 Billionen €) leihen — etwa 100 Mrd. $ mehr als in diesem Jahr • es werde für viele Staaten eine „große Heraus­forde­rung”, hohe Summen bei privaten Anle­gern einzu­sammeln • dies könnte die Stabi­lität vieler Regie­rungen und Volks­wirt­schaften gefährden • benö­tigt werde das Geld, um auslau­fende Kredite zurück­zuzahlen, Zinsen zu zahlen und Haus­halts­defi­zite zu decken • allein auf die Bundes­repu­blik entfielen etwa 280 Mrd. € • verschärft werde das Problem noch durch die wegen der Euro-Krise hohen Kosten für Kredite — das erhöht die Kosten für die Staaten enorm und erschwert die Haus­halts­sanie­rung
[HTML] E. Wurzel: Denkfabrik: OECD: Euro-Rettung nur mit politischer Strukturreform.[wichtig!] Milli­arden­schwere Rettungs­pakete allein reichen nicht aus, um die Märkte zu über­zeugen und die Krise der Europä­ischen Währungs­union in den Griff zu bekommen. Notwendig sind nach­haltige Struk­turre­formen in der Staats­verwal­tung und an den Arbeits- und Güter­märkten vieler Euro-Staaten. wiwo.de, 10.12.2011. • Das Vertrauen der Märkte in die Ange­messen­heit der europä­ischen Finanz- und Wirt­schafts­politik ist gesunken • es droht eine Abwärts­spirale aus Über­schul­dung, desta­bilisie­renden Erwar­tungen der Markt­akteure und schrump­fender ökono­mischer Akti­vität • es wird notwendig, erheb­liche Inter­ventions­kapazi­täten auf europä­ischer Ebene bereitzu­stellen, um auf syste­mische, sich über das Kredit­wesen verbrei­tende Risiken reagieren zu können • aber Inter­venti­onen auf den Anleihe­märkten können nicht die Kurse und Zinsen von Staats­papieren auf Dauer stabili­sieren • Inter­venti­onen bei Devisen­kursen oder Preisen bleiben erfah­rungs­gemäß ohne Erfolg, wenn sie nicht mit der real­wirt­schaft­lichen Realität zusammen­passen, also nicht durch funda­mentale Faktoren unter­mauert werden • der Ursprung der europä­ischen Wirt­schafts­krise liegt in volks­wirt­schaft­lichen Ungleich­gewichten, die sich im Laufe der Jahre in und zwischen den Ländern der Euro-Zone aufge­baut haben • bei den meisten spielen mangelnde Wettbe­werbs­fähig­keit, der Verlust an Export­anteilen und dauer­hafte Leis­tungs­bilanz­defi­zite eine wich­tige Rolle — auch die schwache Inves­titi­onsnei­gung in Ländern mit Leis­tungs­bilanz­über­schüssen sowie regu­latori­sche Mängel in der Währungs­union • so konnten eine hohe Verschul­dung von Staaten und nicht akzep­table Risi­kopo­siti­onen im Banken­sektor aufge­baut werden (dies ist in Irland sogar der einzige Grund) • milli­arden­schwere Rettungs­schirme und Kredite reichen nicht mehr aus — nach­haltige (und damit glaub­würdige) struk­turelle Reformen (wie Büro­kratie­abbau) sind unver­zichtbar • Finanz­politik allein reicht nicht aus: erfor­derlich sind gestei­gerte außen­wirt­schaft­liche Wettbe­werbs­fähig­keit, Auslo­tung des Wachs­tums­poten­zials durch Reformen auf über­regu­lierten Arbeits- und Güter­märkten, Abbau außen­wirt­schaf­tlicher Ungleich­gewichte in Ländern mit chroni­schen Leis­tungs­bilanz­über­schüssen (etwa durch Besei­tigung von Marktzu­tritts­barri­eren) • es muss in einer Währungs­union vor allem effek­tive Mecha­nismen geben, um eine solide Haus­halts­politik der Mitglied­staaten durchzu­setzen • dazu sollte die staat­liche Banken­auf­sicht und -regu­lierung auf die europä­ische Ebene über­tragen werden • nötig sind auch allge­mein­verbind­liche Regeln für den Umgang mit privaten Kapi­talge­bern bei Zahlungs­unfähig­keit staat­licher Kredit­nehmer • der Versuch, private Gläu­biger bei der Restruk­turie­rung der griechi­schen Staats­schuld auf freiwil­liger Basis zu betei­ligen, musste ohne solche Regeln mißlingen • mit der griechi­schen Restruk­turie­rung verbun­dene Rechts­unsi­cher­heiten verstärkten die Vertrau­enskrise • dabei hatte Deutsch­land schon nach der Wieder­verei­nigung erfahren, dass makro­ökono­mische Anpas­sungs­prozesse sehr lange dauern können • Einlei­tung der notwen­digen Struk­turre­formen in Europa würde ein kraft­volles Signal an die Finanz­märkte senden
[HTML] dpa/AFX: APA ots news: Wirtschaftsentwicklung im Zeichen der Schuldenkrise. Die europäische Wirtschaftspolitik diskutiert anhaltend, durch welche Maßnahmen das Vertrauen der Finanzmärkte in die Kreditwürdigkeit der Länder mit hoher Staatsverschuldung zurückgewonnen werden kann. Auch für Staaten mit relativ geringer Verschuldung sind die Finanzierungskosten mittlerweile gestiegen. Die Dynamik der Realwirtschaft lässt weiter nach, jedoch ist nach wie vor kein Einbruch der Wirtschaftsleistung zu erkennen. wallstreet:online, 12.12.2011
[HTML] Schuldenkrise: EZB fährt Anleihekäufe drastisch zurück. In einer großen Inter­vention der Zentral­bank sehen viele Experten die letzte Hoff­nung zur Lösung der Euro-Krise. Doch die Währungs­hüter hielten sich beim Kauf von Staats­anleihen zuletzt zurück. Das könnte sich aber schon bald ändern. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.12.2011
[HTML] A. Kühnlenz Kommentar: Schuldenkrise: Euro-Zone muss Italien-Virus fürchten. Die Verzin­sung der Staats­anleihen des Landes steigt wieder in Rich­tung sieben Prozent. Zwar kann Rom dieses Niveau wohl noch Monate verkraften. Doch die Euro-Zone muss sich auf einen turbu­lenten Start ins neue Jahr einstellen — und braucht Euro­bonds. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.12.2011
[HTML] Unterhaus: Cameron verteidigt britische EU-Mitgliedschaft. Der briti­sche Premier recht­fertigt im Parla­ment sein Nein auf dem EU-Gipfel. Er reagiert auf eine wütende Opposi­tion — und auf Ausstiegs­befür­worter im eigenen Lager. ZEIT ONLINE, 12.12.2011
[HTML] S. Wettach: Pro Schuldenbremse: Nüchtern, aber effektiv. Im Ideal­fall senkt die Schulden­bremse die Risiko­auf­schläge für Staats­anleihen — und drückt so die künf­tige Schulden­last. wiwo.de, 12.12.2011. • Die Euro-Krise ist in Wirklichkeit eine Schuldenkrise • Ökonomen halten jeden Wert der Staatsschulden über 80% des BIP nicht für langfristig tragbar • mittel- und langfristig sorgt die Schuldenbremse dafür, dass groß Löcher in den Staatsfinanzen gar nicht erst entstehen • mit einer Schuldenbremse wird es für Politiker künftig leichter, Wählern unangenehme Entscheidungen zu präsentieren • im Zweifel können sie auf den europäischen Sparzwang verweisen • eine Schuldenbremse wird auch die Versuchung verringern, der eigenen Klientel zu einem kleinen Wahlgeschenk zu verhelfen • eine Vereinheitlichung ist darüber sinnvoll, wie genau das Instrument funktionieren soll • im Idealfall vermindert die Schuldenbremse die Risikoaufschläge für unsichere Staatsanleihen und damit die künftige Schuldenlast
[HTML] M. Fischer: Contra Schuldenbremse: So ist der Euro nicht zu retten.[!] Poli­tiker werfen alle Regeln über Bord, wenn es ihnen opportun erscheint. Nur der Markt kann Regie­rungen diszipli­nieren. wiwo.de, 12.12.2011. • Die Euro-Krise ist im Kern eine Zahlungs­bilanz­krise, deren Wurzeln auf die Einfüh­rung der Gemein­schafts­währung zurück­reichen • damals sanken die Zinsen in den Südlän­dern auf das deut­sche Niveau, und das löste einen kredit­finan­zierten Boom aus • der Verlust an preis­licher Wettbe­werbs­fähig­keit durch die dadurch in die Höhe geschos­senen die Lohn­stück­kosten trieb die Leis­tungsbi­lanzen der Krisen­länder in die roten Zahlen • sie werden erst dann wieder wettbe­werbs­fähig, wenn sie ihre Löhne und Preise senken, ihre Steuer­quellen wieder spru­deln und die Löcher im Staats­haus­halt verschwinden • während die Regie­rungen der Euro-Zone bei der Haus­halts­konso­lidie­rung in erster Linie auf höhere Steuern setzen, haben Untersu­chungen des Harvard-Ökonomen Alberto Alesina gezeigt, dass die Sanie­rung des Staats­haus­halts nur gelingt, wenn die Regie­rungen die Ausgaben senken und dies mit mode­raten Steu­ersen­kungen verknüpfen • Poli­tiker und Noten­banker nehmen sogar Rechts­brüche in Kauf, wie der Verstoß gegen das No-Bail-out-Verbot des EU-Vertrags zeigt — so wird es auch der Schulden­bremse ergehen • kein Land wird sich vorschreiben lassen, wie es seinen Haus­halt zu sanieren hat • diszipli­nieren lassen sich die Regie­rungen nur durch den Markt — über Anpas­sungen des Zinsni­veaus, welche die Rettungs­pakete eindämmen wollen!
[HTML] dpa: Schuldenkrise: Portugal erreicht Defizitziel schon 2011. Schulden­sünder Portugal erzielt bei der Sanie­rung der maroden Staats­finanzen nach eigenen Angaben uner­wartete Erfolge. HNA.DE, 13.12.2011
[HTML] dpa-AFX: UBS Themendienst: 'Gewichte im Rentenbereich verschieben sich'. 6 Fragen an: Dr. Detlev Kleis, Port­folio­manager der Fonds UBS Rent-Euro und UBS Rent-Inter­nati­onal. FinanzNachrichten.de, 14.12.2011. • Detlev Kleis, Port­folio­manager bei UBS Global Asset Manage­ment, geht hier der Frage nach, wo die Verände­rungen von Teilen des Finanz­marktes am stärk­sten spürbar sind, und welchen Einfluss die Schulden­krise auf die Asset-Klassen Anleihen und Währungen hat • da die Zentral­banken derzeit den Markt mit Geld fluten und der Ölpreis sich seinen Rekord­ständen nähert — wie ist vor diesem Hinter­grund das Infla­tions­risiko zu bewerten? • die Zentral­banken stellen zwar durch die Niedrig­zinspo­litik enorme Mengen an Liqui­dität zur Verfü­gung, die aber im aktu­ellen Umfeld nicht in den Wirt­schafts­kreis­lauf gelangen, da die Banken die Kredit­vergabe an die Privat­wirt­schaft nicht ausweiten • mittel­fristig könnten Infla­tions­risiken entstehen, falls die Zentral­banken die Über­schuss­liqui­dität nicht recht­zeitig abschöpfen • solange der Ölpreis das aktu­elle Niveau nicht wesent­lich über­steigt, wirkt er nicht inflati­onär • wir befinden uns in einer Phase konjunk­tureller Abschwä­chung, die eben­falls infla­tions­dämp­fend wirkt • wie ist das Segment europä­ischer Staats­anleihen heute zu bewerten? • noch vor wenigen Jahren galten Euro-Staats­anleihen als risiko­armes Basis­invest­ment, bei dem kaum zwischen den einzelnen Ländern unter­schieden wurde • die Schulden­krise und der politi­sche Prozess zu deren Bewäl­tigung haben die Schwach­punkte der europä­ischen Währungs­union offen­gelegt — eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht • durch Maßnahmen wie Struk­turre­formen auf EU-Ebene bis hin zu weiteren Staats­anleihe­käufen durch die EZB könnte das Vertrauen der Anleger zurück­gewonnen werden und der Euro weiterhin Bestand haben • in den USA bleiben die hohen Staats­schulden, während sich der private Sektor allmäh­lich entschuldet — die US-Kon­junktur stabili­siert sich • US-Staats­anleihen werden als sicherer Hafen und liquide Anlage weiter stark nachge­fragt • verlieren Staats­anleihen auf Dauer ihre Sicher­heits­funk­tion? • die Gewichts­verschie­bung findet vor allem inner­halb des Renten­segments statt: bestimmte Staats­anleihen werden nun als Kredit­risiko und nicht mehr als risi­kolos wahrge­nommen oder fallen allein wegen verschlech­terter Ratings für bestimmte Inves­toren­gruppen weg • für deut­sche Anleger sind Bundes­anleihen 1. Wahl auf der Suche nach dem gering­sten Kredit­risiko • da die USA den mit Abstand größten Kapital­markt der Welt haben, bleibt der US-Dollar auf abseh­bare Zeit die globale Leit­währung mit Sonder­status • das Briti­sche Pfund sollte aufgrund der hohen Infla­tion in England und der lockeren Geldpo­litik der Zentral­bank weiter abwerten • entschei­dend für die Beur­teilung von Währungen sind neben der Verschul­dung einer Volks­wirt­schaft Krite­rien wie zum Beispiel die wirt­schaft­liche Wettbe­werbs­fähig­keit, die Geldpo­litik der Noten­bank, sonstige Ressourcen wie Boden­schätze sowie auch die politi­sche Stabi­lität des jewei­ligen Landes • da schneiden der Schweizer Franken, der Austra­lische Dollar oder der Kanadi­sche Dollar beson­ders gut ab, haben jedoch gegen­über Euro und US-Dollar in den vergan­genen Jahren bereits massiv aufge­wertet
[HTML] M. Brost, K. Rudzio: Schuldenkrise: Unsere Griechenländer. Deutsch­land fordert harte Sank­tionen für Schulden­sünder in Europa. Doch gegen­über den eigenen Bundes­ländern ist so viel Härte tabu. ZEIT ONLINE, 14.12.2011. • In der Währungs­union sollen bald ähnliche Haus­halts­regeln gelten wie in Deutsch­land • soll es überall so stabil zugehen wie in der Bundes­repu­blik? • Ulla Schwarze (Minis­terial­rätin für „Inner­staat­liche Umset­zung des Natio­nalen Stabi­litäts­pakts”): Bremen, Berlin, das Saar­land und Schleswig-Holstein stehen ganz offi­ziell vor der Pleite • bei ihnen wurde amtlich „Haus­halts­notlage” festge­stellt: sie leben seit Jahr­zehnten auf Pump • mit der im Grund­gesetz festge­schrie­benen Schulden­bremse sollen die Bundes­länder von 2020 an ohne neue Schulden auskommen • der Stabili­tätsrat, ein gemein­sames Gremium der Länder­finanz­minister und des Bundes­finanz­minis­ters, über­wacht die Haus­halts­lage der Länder und des Bundes • die Verschul­dung der 4 Länder reicht für eine 4-köpfige Familie von 113.000 € (Bremen) bis 40.000 € (Schleswig-Holstein) • ihre Schulden steigen weiter an: jeder 5. Euro, den Bremen in diesem Jahr ausgibt, wird über neue Kredite finan­ziert — im Saar­land ist es jeder 7. Euro • Anfang der 90er Jahre erklärten sich Bremen und das Saar­land bereits für prak­tisch pleite • aber der Stabili­tätsrat darf zwar rote Zahlen aufschreiben und Warnungen ausspre­chen, nur sanktio­nieren und durch­greifen darf er nicht • der Berliner Finanz­senator Ulrich Nußbaum geht sanfter vor als sein Vorgänger Thilo Sarrazin: er hat das geplante Ausgaben­wachstum auf 0,3% im Jahr begrenzt • da die Einnahmen schneller zulegen, soll Berlin ab 2016 ohne neue Schulden auskommen • das Bundes­verfas­sungs­gericht: in einer „extremen Haus­halts­notlage” hätte ein Bundes­land Anspruch auf Hilfe • alle Bundes­länder, selbst die hoch verschul­deten, profi­tieren dabei von der Topbo­nität des Bundes • Clemens Fuest (jetzt Ökonom an der Univer­sität Oxford) — einst im wissen­schaft­lichen Beirat heftiger Befürworter der Schulden­bremse — meint: an der „völlig unmög­lichen Situa­tion” würden auch der Stabili­tätsrat und die Schulden­bremse nur wenig ändern: es fehlt an Sank­tionen • eine Studie des Rheinisch-Westfä­lischen Insti­tuts für Wirt­schafts­forschung: von den 16 Bundes­ländern haben bisher nur Sachsen und das Saar­land ausrei­chende Schritte zum Abbau der Verschul­dung unter­nommen • Nußbaum: wir bräuchten einen Schulden­schnitt, denn allein „durch Sparen kommt man von diesem Schulden­berg nie wieder herunter.” • im Entschei­dungs­jahr 2020 gibt es dann entweder eine neue Finanz­stütze — oder Bremen und möglicher­weise das Saar­land gelten als nicht mehr über­lebens­fähig • dann brau­chen wir eine neue Schulden­regel, oder es wird Länder­fusi­onen geben müssen
[HTML] M. Schieritz: Notenbanker Bini Smaghi: "Wir erzeugen keine Inflation".[!] Wie sich die Europä­ische Zentral­bank an der Euro-Rettung betei­ligen will. Ein Gespräch mit Direktor Lorenzo Bini Smaghi. ZEIT ONLINE, 15.12.2011. • Der insti­tutio­nelle Rahmen der Euro-Zone wurde in den vergan­genen 18 Monaten sehr grund­legend refor­miert, aber jedesmal spät und unter dem Druck der Märkte • es war wichtig, dass Europa jetzt Regeln für die Staats­etats hat — aber es ist nicht ausrei­chend • wenn die neuen Regeln schon früher gegolten hätten, dann hätte man die Probleme in Grie­chen­land verhin­dern können, nicht aber in Irland oder Spanien: beide Länder hatten nied­rige Schulden­quoten, die stiegen, weil Immobi­lien­blasen platzten und die Banken gestützt wurden • auch gegen solche Fehl­entwick­lungen brau­chen wir Regeln • es muss etwas getan werden gegen die hohen Refi­nanzie­rungs­kosten, denn wenn sie trotz drasti­scher Einspa­rungen für die Staaten weiter so hoch bleiben, kann das zu sich selbst verstär­kenden Desta­bilisie­rungspro­zessen führen • mit Hilfen für die Krisen­länder muss man zwar aufpassen, dass es keine Fehlan­reize gibt, aber es kann die Kosten in die Höhe treiben, wenn Maßnahmen zu lange hinaus­gezö­gert werden • die Märkte wirken nicht diszi­plinie­rend: sie haben vor der Krise die Kredit­risiken in den verschie­denen Ländern des Währungs­raums unter­schätzt, jetzt über­schätzen sie diese: einige Euro-Staaten gelten heute als riskanter als viele Schwellen­länder • es ist nach Brüs­seler Gipfel nun eine große Summe Geld auf dem Tisch, aber die Frage ist, ob das aus Sicht der Märkte genug istdie EZB hat immer so gehan­delt, wie es der Situa­tion ange­messen war und ihrem Mandat entspricht — sie versorgt die Banken groß­zügig mit Liqui­dität, denn sie haben einen hohen Refi­nanzie­rungs­bedarf und müssen in der Lage sein, die Wirt­schaft weiter mit Kredit zu versorgen • schließ­lich sind die Banken auch wich­tige Käufer von Staats­papieren • es kann keine einheit­liche Geldpo­litik geben, wenn die Zinsen — nicht nur für Staaten, sondern auch für Unter­nehmen und Haus­halte — in einigen Ländern außer Kontrolle geraten • es besteht kein Zweifel, dass die Märkte in der aktu­ellen Krise nicht richtig funkti­onieren — deshalb hat die EZB das Anlei­hepro­gramm aufge­legt • die deut­sche Angst, dass die EZB die Infla­tion herauf­beschwört, ist falsch: Infla­tion entsteht, wenn die Zentral­bank zulässt, dass Staats­ausgaben und Löhne zu einer höheren Nach­frage führen, mit der das Angebot an Gütern nicht mehr Schritt halten kann • Inves­toren wollen Liqui­dität halten, weil sie Angst vor der Zukunft haben: sie dient der Vorsorge und erzeugt keine Infla­tion • stellt die Zentral­bank diese nicht bereit, verkaufen die Banken ihre Vermö­gens­werte, schaden damit der Wirt­schaft und erschweren es, Preis­stabi­lität zu errei­chen • Italien kann sich selbst retten und muss es auch, wobei die zu hohen Staats­ausgaben sinken müssen • es ist wichtig, Wachstum zu fördern — etwa durch eine Libera­lisie­rung der Arbeits- und Produkt­märkte
[HTML] B. Ulrich: Schuldenkrise: Stärker, besser, mehr. Die Europä­ische Union hat die Schulden­krise noch nicht bewäl­tigt — und dennoch Geschichte gemacht. ZEIT ONLINE, 16.12.2011. • Einer­seits: bei der Wucht, mit der sich Großbritan­nien jetzt vom Konti­nent abge­stoßen hat — das hätten sie nicht für nichts getan • anderer­seits: in dem Moment, da die Euro-Zone in ihrem größten Schla­massel steckt, wollen weitere 6 Länder dazu­stoßen • es sieht danach aus, dass ein europä­ischer Macht­raum entsteht, ein weltpo­liti­sches Schwer­gewicht: von Skan­dina­vien bis nach Nord­afrika, von Portugal bis Weiß­russ­land, von Frank­reich bis zur Türkei • 26 europä­ische Staaten haben beschlossen, sich poli­tisch und ökono­misch enger zusam­menzu­schließen, um Wachstum und Wohl­stand nicht mehr auf Kosten der Künf­tigen zu reali­sieren • auch bei der Klima­konfe­renz in Durban spielten diesmal die Euro­päer zusammen mit den armen Ländern eine Führungs­rolle • Europa verfügt über eine flexible Staat­lich­keit, kann sich in einer rapide ändernden Welt ständig anpassen • Fragen bleiben: werden alle Staaten die neuen Spar­auf­lagen bei sich ratifi­ziert bekommen, oder die Grie­chen doch noch pleite­gehen? • der Plan zur Rettung südli­cher Länder ist in Wahr­heit auch ein Plan zur Rettung nörd­licher Banken • die Mitver­ursa­cher der Krise werden gegen jeden Gerech­tigkeits­sinn verschont und die Bürger werden die Kosten der Krise zu spüren bekommen • Mensch­heits­frage: wie lässt sich mehr Gerech­tigkeit mit weniger Schulden herstel­len?
[HTML] dpa/AFP/Reuters: Weltwirtschaft: Lagarde warnt vor Rezession wie in den dreißiger Jahren.[!] Frank­reichs Wirt­schaft schrumpft, die Kredit­würdig­keit europä­ischer Banken wurde erneut herab­gestuft. Die Chefin des Währungs­fonds sieht eine schwere Krise herauf­ziehen. ZEIT ONLINE, 16.12.2011. • Christine Lagarde (IWF-Chefin): keine Volkswirtschaft, egal ob arm oder reich, sei momentan immun gegen einen Niedergang, wenn sie sich isoliere • fast überall bestehe Gefahr, dass sich das Wachstum verlangsame und die öffentlichen Haushalte ins Schwanken gerieten • sie verglich die Situation mit den 1930er Jahren, als Rückzug, Protektionismus und Isolation die internationale Politik bestimmt hätten • die Wirtschaftsprobleme müssten wir durch Zusammenarbeit in den Griff bekommen • die Euro-Zone sei eine „Währungsunion, die nicht richtig in einer ökonomischen und haushaltspolitischen Union vollendet wurde” • die Finanzmärkte müssten jetzt Geduld beweisen, während die europäischen Staats- und Regierungschefs ihre „gewaltigen” Herausforderungen bewältigen • Frankreich ist bereits in eine Rezession gerutscht: die Wirtschaftsleistung im 4. Quartal wird um 0,2% schrumpfen und in den ersten 3 Monaten des kommenden Jahres um 0,1% zurückgehen • diese Wirtschaftsentwicklung wird sich laut Insee-Prognose auch auf den Arbeitsmarkt auswirken: in den ersten 6 Monaten des kommenden Jahres könnten 61.000 Jobs verloren gehen • die Gefahr eines deutlichen Abschwungs ist auch in Deutschland akut • die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit (neben der zahlreicher europäischer und US-amerikanischer Banken) der Deutschen Bank von AA- auf A+ herabgestuft, die zwar mit Sicherheit eine der führenden Banken bleiben werde, aber nicht ganz so gut kapitalisiert sei wie andere Wettbewerber • Yves Mersch (EZB-Ratsmitglied): die Kapital-Probleme im Bankensektor können rasch auf die Realwirtschaft in Europa übergreifen • die Banken seien derzeit mit Rekapitalisierung und Regulierung doppelt belastet • Mersch befürchtet zudem eine Dominanz der praktisch mit einem Vetorecht ausgestatteten großen europäischen Staaten Deutschland und Frankreich beim künftigen ESM — Entscheidungen verlangen dort eine Mehrheit von 85% des gezeichneten Kapitals • von den beabsichtigten Reformschritten in Europa seien die Märkte nur halbwegs überzeugt, da die Erwartungen (Schaffung entsprechender neuer europäischer Institutionen) noch nicht erfüllt seien
[HTML] Schuldenkrise: Beck fordert "Marshall-Plan" für Euro-Krisenländer. Mit einem Hilfs­plan will Kurt Beck die Euro-Krisen-Länder stabili­sieren. Der Ex-SPD-Chef pocht auf konse­quente Spar­haus­halte in der Euro­zone. WELT ONLINE, 17.12.2011. • Der Rhein­land-Pfälzi­sche Minister­präsi­dent Kurt Beck forderte, wir müssten den Euro-Krisen­ländern „wieder auf die Beine helfen, indem wir ein Aufbau­programm finan­zieren europa­weit” • so könnten wir Grie­chen­land, Italien, Portugal und Spanien helfen, ihre Schulden zu bezahlen und dauer­haftes Wachstum zu gene­rieren • er hält außerdem einen strikten Spar­kurs und eine stär­kere Regulie­rung der Finanz­märkte für nötig • die Banken seien neu aufzu­stellen, damit die Speku­lations­teile der Banken eigen­ständig werden und nicht immer die Bürger an der Zockerei leiden müssen • er sei zuver­sicht­lich, dass die Euro-Schulden­krise mit diesen Anstren­gungen abge­federt werden kann
[HTML] dapd: Bundesbankpräsident Weidmann glaubt an deutsches Spitzenrating. Bundes­bank­präsi­dent Jens Weid­mann gibt sich sicher, dass Deutsch­land seine Spitzen­bonität trotz der Drohungen der Rating­agentur Stan­dard & Poor's behalten wird. Er halte es für sehr unwahr­schein­lich, dass die Bewer­tung deut­scher Staats­schulden mit der Höchst­note AAA fallen werde, sagte Weid­mann der fran­zösi­schen Wirt­schafts­zeitung "Les Echos". DERWESTEN, 19.12.2011
[HTML] M. Gärtner: Schuldenkrise: Europas Macht im Welthandel versickert.[wichtig!] Gefähr­liche Folgen der Euro-Krise: Europas Direkt­inves­titi­onen in die globalen Wachs­tums­märkte sinken. Viele Euro­land-Banken ziehen sich aus Osteu­ropa zurück. Börsen­debüts werden abge­blasen. So droht Europa von den Kraft­feldern der globalen Konjunktur abge­koppelt zu werden — mit Folgen.  manager magazin , 19.12.2011. • Das Finanz­desaster in Europa bremst Brasi­liens Aufschwung aus, führt zu stockenden Krediten in Asien, zu neuer Rezes­sions­angst in Kanada und zur Furcht vor einem 2. Lehman-De­bakel in den USA • doch Europa schadet sich vor allem selbst, insbe­sondere seiner Position und Rolle in der globalen Wirt­schaft • um stren­gere Kapi­talvor­schriften zu erfüllen, trennen sich Europas Banken von profi­tablen Beteili­gungen vor allem aus dem zukunfts­träch­tigen Wachs­tums­markt Osteu­ropa • die europä­ischen Geld­häuser verlieren außerdem wich­tige Marktan­teile im inter­natio­nalen Kredit­geschäft (vor allem in Asien) • ihre Bedeu­tung bei der Finan­zierung von Handels­geschäften in Schwellen­märkten schwindet • es gibt prak­tisch keine Börsen­gänge junger Unter­nehmen mehr in Europa, die sich Kapital besorgen wollen, um zu wachsen — anders als an einigen asiati­schen Finanz­plätzen • indem auch Europas Anteil am Welt­handel sinkt, wird Europas Posi­tion in der Welt­wirt­schaft unter­graben • und Europas Banken verkaufen für den Rückzug schließ­lich auch noch ihre profi­tabel­sten Assets • nach Angaben von Bloom­berg wollen europä­ische Banken in den kommenden 2 Jahren welt­weit Beteili­gungen für 950 Mrd. € abstoßen • die italie­nische Unicredit ist fast verzwei­felt auf der Suche nach Kapital • die belgische KBC verkauft ihren Versi­cherer in Polen • die fran­zö­sische Crédit Agri­cole zieht sich aus 21 von 53 Ländern zurück • Portu­gals Banco Espi­rito Santo verkaufte Beteili­gungen in Brasi­lien und Däne­mark • die ING aus den Nieder­landen trennt sich im Umfang von 2,6 Mrd. € von seinem latein­ameri­kani­schen Versi­cherungs­geschäft • die Folgen: für unzäh­lige Mittel­ständler, die sich in den Ländern ihrer Kunden enga­giert haben, dienten lokale Präsenzen europä­ischer Banken als wich­tigste Quelle für die lokale Fremd­finan­zierung • Azad Zangana (Schroders in London): „das ganze Geschäfts­modell kann leiden, wenn man als Bank nur noch in ange­stammten Märkten Geld ausleiht, die durch tiefe Rezes­sionen gehen.” • Huw van Steenis (Morgan-Stanley-Analyst): der mögliche Schaden für die Profi­tabi­lität beträgt bei der Deut­schen Bank 1 Prozent­punkt weniger bei der Verzin­sung des Eigen­kapi­tals • in Osteu­ropa nimmt der Rückzug schon enorme Ausmaße an — zugunsten lokaler Konkur­renten und russi­scher Banken • auch die Indus­trie ist betroffen: welt­weit sind die Erlöse aus Börsen­debüts um 45% zurück­gegangen • Expan­sionen von Firmen, die zu Europas Wachstum und Wohl­stand beitragen, wurden vertagt • in China ist der Import auslän­dischen Inves­tivka­pitals erst­mals seit 28 Monaten gesunken • die indus­trielle Konkur­renz aus asia­tischen Nach­barlän­dern von China macht Euro­päern und Ameri­kanern immer mehr Geschäft streitig — auch Asiens Finanz­plätze profi­tieren • China ist es leid, sich mit Anleihen aus Europa und den USA die Finger zu verbrennen und will seine Über­schüsse nun stärker in Indus­triebe­teili­gungen, Infra­struktur und andere Anlagen inves­tieren
[HTML] Schuldenkrise: Rajoy verordnet Spanien Milliarden-Sparkurs. Spaniens Regie­rungs­chef hat Reform­pläne präsen­tiert, mit denen er das Land aus der Krise holen will. Einstel­lungs­stopp und nied­rigere Unter­nehmens­steuern gehören dazu. ZEIT ONLINE, 19.12.2011. • Für 2012 kündigte der neue spani­sche Minis­terprä­sident Mariano Rajoy Einspa­rungen von 16,5 Mrd. € an, um die von der EU gefor­derte Senkung des Budget­defi­zits auf 4,4% des BIP zu erfüllen • die Renten jedoch sollen um die Infla­tions­rate ange­hoben werden — in allen anderen Berei­chen soll gespart werden • die Lage auf dem Arbeits­markt bezeich­nete der PP-Partei­chef als drama­tisch: 5,4 Mio. Arbeits­lose und eine Arbeits­losen­rate von 23% • die freien „Brücken­tage” zwischen Feier­tagen und Wochen­enden sollen abge­schafft werden • mehr Firmen sollen in den Genuss des ernied­rigten Steuer­satzes von 20% kommen • dem Öffent­lichen Dienst soll — mit Ausnahme der Sicher­heits­kräfte und anderer wich­tiger Behörden — ein Einstel­lungs­stopp verordnet werden • der Gesamt­staat, die Regi­onen und die Kommunen sollen per Gesetz Haus­halts­diszi­plin wahren müssen
[HTML] M. Döbler: Schuldenkrise: „Die Schluderei geht hemmungslos weiter”.[wichtig!] Es ist falsch, dass der Steuer­zahler für die Schulden­staaten haftet, sagt Invest­ment­banker Hans-Jörg Rudloff im Inter­view. Er fürchtet eine „gewal­tige Kredit­klemme”. ZEIT ONLINE, 19.12.2011. • Der 71jäh­rige Hans-Jörg Rudloff ist nach einem Leben als Aktien­händler heute Verwal­tungs­rats­präsi­dent der Barclays Capital • auf dem letzten Krisen­gipfel haben die Euro­päer einen ernst­haften Versuch unter­nommen, die Rich­tung vorzu­geben und auto­mati­sche Sank­tionen zu verab­reden • ein Erfolg ist es, alle Mitglieder der Euro-Zone und fast alle Mitglieder der EU hinter die Vorschläge zu bringen • jetzt geht es darum, das verlo­rene Vertrauen wieder herzu­stellen • auch wenn es nur diesen beschlos­senen Weg gibt, wird es noch schwierig, die Umset­zung auch zum Laufen zu bringen • man kann nicht mit einem Zauber­stab eine Fiskal­union erschaffen — das geht nur mit härte­ster Arbeit, Milli­meter um Milli­meter • der Vorgang, dass im Fall Grie­chen­land die Inves­toren mit in die Verant­wortung genommen wurden, hat bei Inves­toren zu Argwohn gegen­über allen Wackel­staaten in Europa geführt • indem die Bundes­regie­rung diese Linie aufge­geben hat, gibt sie eine impli­zite Garantie des Steuer­zahlers für alle europä­ischen Schulden • proble­matisch: der private Sektor wird selbst dann nicht einge­bunden, wenn die EU einspringen muss • das Problem: jetzt können die Anleger wieder blind inves­tieren — jede Pensions­kasse, jede Versi­cherung, jede Bank kann Anleihen auch der verrot­tetsten Staaten kaufen • „Wir machen fröh­lich dort weiter, wo wir vor einem Jahr aufge­hört haben. Das Signal führt nicht zu den notwen­digen Reformen, die ganze Schlu­derei geht hemmungslos weiter.” • das war der Preis dafür, dass der Rest von Europa die ziem­lich harten deut­schen Mecha­nismen akzep­tierte, und Deutsch­land musste etwas hergeben • man hat Angela Merkel wohl einge­redet, dass die Einbin­dung des Privat­sektors ein Fehler war, weil das Vertrauen gekostet hat (das stimmt) • „Aber das war doch auch der Zweck der Übung! Wir wollten doch einen Kapital­markt haben, in dem der Investor das Risiko sorg­fältig bewertet.” • durch die Nicht-Einbin­dung des Privat­sektors setzt man auch Markt­automa­tismen außer KraftEuro-Bonds fördern genauso die Verant­wortungs­losig­keit • man darf nicht alle Länder über einen Kamm scheren — wenn man Politi­kern die Möglich­keit gibt, ohne nega­tive Konse­quenzen Schulden aufzu­nehmen, werden sie Schulden aufnehmen • deswegen sind Automa­tismen absolut richtig • die Verschul­dung der Staaten und die Probleme der Banken hängen zu 100% zusammen: der EU-Gipfel hat die impli­zite Garantie für die Staats­anleihen beschlossen, nur um die Bilanzen der Banken zu stabili­sieren • es war das klei­nere Übel gegen­über der Alter­native, die Europä­ische Zentral­bank mit unbe­grenzten Mitteln als letzte Instanz mobili­sieren zu müssen • die andere Seite des Banken­problems: die erhöhten Eigen­kapi­talvor­gaben für die Banken ersti­cken jegli­ches Wirt­schafts­wachstum im Keim • „Europa geht offenen Auges in eine gewal­tige Kredit­klemme, ohne zu ahnen, wie einschnei­dend sie wird. Das ist nicht mehr zu verhin­dern.” • das läuft so ab: bis Ende Juni müssen die größten europä­ischen Banken 115 Mrd. € an neuem Kapital aufnehmen, um eine Kern­kapital­quote von 9% zu errei­chen • dazu gibt es 2 Wege: entweder finden sie neue Kapital­geber (z.Zt. unwahr­schein­lich) oder sie verkürzen die Bilanzen (Abstoßen von Fremd­kapital) • erschre­ckende Zahlen: die Schät­zungen reichen von 1,3 Billi­onen € (Barclays) bis 2,5 Billi­onen € (andere Invest­ment­banken) • bei einem totalen Kredit­volumen in Europa von 28–30 Billi­onen € heißt das: die Kredite werden nur wegen der Eigen­kapi­talvor­gaben um 5% bis 10% zurück­gefahren • aufgrund der inzwi­schen gewach­senen Vorsicht schlägt das Pendel auch noch von bisher leicht­fertiger Speku­lation um zu ganz konser­vativem Verhalten • da muss die Politik unbe­dingt den Fuß von der Bremse nehmen und den Banken 2–3 Jahre mehr Zeit geben, um die neuen Kapi­talan­forde­rungen zu erfüllen • die Kredit­klemme wird vor allem die mittel­stän­dischen Unter­nehmen treffen • der Gipfel gab eine starke politi­sche Willens­erklä­rung zum Euro ab • aber die weiter beste­henden Schulden belasten einzelne Länder, bestimmen die Politik und schaffen wirt­schaft­liche Ungleich­gewichte • zum Über­leben des Euro muss Konver­genz geschaffen werden, die europä­ische Führung in Brüssel sich verän­dern, das Streben nach Effi­zienz über die politi­schen Ambiti­onen gestellt werden, und es braucht die Kompe­tenz dazu • solange die Skepsis im Markt über­wiegt, muss die EZB vorerst das System liquide halten, um das Über­leben des Euro zu sichern
[HTML] Schuldenkrise: EZB fürchtet das Lehman-Gespenst.[!] Die Zentral­bank warnt als Folge des Euro-Desas­ters vor Zuständen wie nach der Subprime-Krise. Ihr Präsi­dent Draghi prophe­zeit zuneh­mende Kredit­knau­serei. Seine Insti­tution rechnet Szena­rien nach einem „AAA”-Verlust diverser Staaten durch. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 19.12.2011. • EZB: die Finanz­stabi­lität im Euro­raum ist so stark gefährdet wie nie seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 • während die Probleme der Geschäfts­banken fortbe­stünden, hätten sich nun die Span­nungen auf dem Markt für Staats­anleihen so sehr verstärkt, „dass sie Dimen­sionen einer systemi­schen Krise annahmen, wie sie seit dem Zusam­men­bruch von Lehman Brothers vor 3 Jahren nicht zu beob­achten war.” • die Turbu­lenzen um verschul­dete Euro-Staaten griffen zuneh­mend auf Geschäfts­banken über, die schon zu Beginn des kommenden Jahres in schwie­riges Fahr­wasser geraten werden, wenn es bei der Refi­nan­zierung eng wird, und die Wahr­schein­lich­keit eines Zusammen­bruchs von Groß­banken sei gestiegen • deshalb seien die Maßnahmen der EZB jetzt darauf ausge­richtet, eine Kredit­klemme zu verhin­dern, die in eine Rezes­sion münden könne • EZB-Chef Mario Draghi wehrte Begehr­lich­keiten ab, entgegen den EU-Verträgen die Schleusen für den unbe­grenzten Kauf von Staats­anleihen der Euro-Krisen­länder zu öffnen: „die Glaub­würdig­keit der Insti­tution darf nicht geschwächt werden.” • die Schwan­kungen an den Märkten und der Rückzug vieler US-Geld­markt­fonds aus Europa (mit Folgen für die Dollar-Versor­gung) machten der Refi­nanzie­rungs­lage vieler Insti­tute zu schaffen • der EZB-Rat hatte zuletzt eine massive Auswei­tung seiner Liqui­ditäts­hilfen für die Geld­häuser beschlossen und kappte die Mindest­reserve­pflicht um die Hälfte auf 1% der Einlagen — was sofort gut 100 Mrd. € zusätz­lich zur Verfü­gung stellte • Vitor Constancio (EZB-Vize­präsi­dent): sein Haus stelle den Banken die Liqui­dität zur Verfü­gung, damit diese das Geld an die Real­wirt­schaft weiter leiteten und „keine Entschul­digung” hätten für zu wenig Kredit • die Noten­banker hielten der Politik vor, durch lang­same und zöger­liche Antworten auf die Krise die Probleme noch verschlim­mert zu haben • die Gefahr, dass die 3.- und 4.-größte Volks­wirt­schaft Europas (Italien und Spanien) Hilfe der Euro-Partner und des IWF benö­tigen, ist nicht gebannt • „Die rasche und voll­stän­dige Umset­zung der (poli­tisch beschlos­senen) Maßnahmen würde das Risiko (einiger Euro-Länder, ihre Schulden zu refinan­zieren) deut­lich entschärfen.” • seit Mai 2010 hat die EZB Bonds von klammen Euro-Staaten im Gesamt­wert von 211 Mrd. € aufge­kauft • ein baldiges Ausein­ander­brechen der Euro-Zone halten die Zentral­banker für unwahr­schein­lich • die EZB arbeitet an Szena­rien, wie sich Herabstu­fungen auf den Rettungs­schirm EFSF auswirken könnten • die Topnote des EFSF wackelt, falls Frank­reich als 2.-größte Volks­wirt­schaft der Euro-Zone sein „AAA” verliert • auch die Schweize­rische Natio­nalbank (SNB) ist fest vom Weiter­bestand des Euro über­zeugt • aber die Rück­kehr zu stabilen Verhält­nissen werde ein langer und harter Weg sein
[HTML] Bundesbank sieht Export durch Schuldenkrise gefährdet. Konjunk­turpro­gnose unter Vorbe­halt: Die wirt­schaft­lichen Aussichten der Export­nation Deutsch­land hängen nach Einschät­zung der Bundes­bank entschei­dend von der weiteren Entwick­lung in der Euro-Schulden­krise ab. Nach einer Zunahme der Wirt­schafts­leis­tung um 3,0 Prozent im laufenden Jahr erwartet die Noten­bank für 2012 wegen der anhal­tenden Verun­siche­rung ein deut­lich gerin­geres Wachstum von 0,6 Prozent. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 19.12.2011. • Voraus­setzung ist, „dass es zu keiner weiteren signifi­kanten Verschär­fung der Staats­schulden­krise kommt” • wird sich die Verun­siche­rung von Inves­toren und Konsu­menten allmäh­lich etwas verrin­gern, „könnte die deut­sche Wirt­schaft, gestützt durch eine weiterhin expan­sive Geldpo­litik und eine wieder stärker wach­sende Welt­wirt­schaft, bereits im Verlauf des näch­sten Jahres auf einen soliden Wachs­tums­pfad zurück­kehren” • für die Verbrau­cher dürfte sich die Lage an der Preis­front mittel­fristig entspannen • Erwar­tung für 2011: „Im Jahres­durch­schnitt dürfte sich die Lebens­haltung im Vergleich zum Vorjahr um 2,5% verteu­ern.” • für die beiden Folge­jahre wird mit deut­lich niedri­geren Preis­steige­rungs­raten von 1,8% bezie­hungs­weise 1,5% gerechnet • dazu trägt die gerin­gere Verteu­erung von Import­waren bei — insbe­sondere von Energie
[HTML] S. Wettach: Euro-Krise: Den Euro-Rettern droht das nächste Debakel. Der Euro-Schutz­wall fällt offenbar kleiner aus als erhofft. Inves­toren haben kaum Inter­esse am Rettungs­schirm, zudem tobt ein politi­scher Streit um dessen Aufsto­ckung. wiwo.de, 19.12.2011
[HTML] P. Ehrlich: Schuldenkrise: Euro-Zone stärkt ihre Notfallpläne. Vor Europa liegen turbu­lente Zeiten. Die EU-Fi­nanzmi­nister setzten mit neuen Milli­arden für IWF und ESM ein Signal, dass die Politik gegen weitere Krisen an den Märkten gewappnet ist. Nur Groß­britan­nien bremst. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 20.12.2011. • Die Finanz­minister der EU wollen die Rettungs­schirme für den Euro mit rund 170 Mrd. € zusätz­lichen Krediten an den IWF stärken • der IWF soll so den Rettungs­fonds EFSF der Euro-Zone unter­stützen können • durch Barein­zahlung Mitte 2012 soll auch der künftige dauer­hafte Euro-Rettungs­mecha­nismus ESM mit mehr Kapital ausge­stattet werden • die Finanz­minister signali­sieren so, dass die Politik gegen neue Krisen­entwick­lungen an den Märkten gewappnet ist • im ersten Quartal haben die Staaten, Banken und Privat­unter­nehmen der Euro-Zone einen beson­ders hohen Refi­nanzie­rungs­bedarf • den Bedarf der Geld­insti­tute will die EZB mit einer neuen 3jäh­rigen Kredit­linie befrie­digen • falls Staaten wie Italien oder Spanien bei der Ausgabe neuer Anleihen Probleme bekommen, stehen EFSF und IWF bereit • Jean-Claude Juncker (Euro-Gruppen-Chef): an den Krediten für den IWF betei­ligen sich die Euro-Staaten mit 150 Mrd. € • den größten Teil trägt die Bundes­bank mit 45 Mrd. € • auch die Nicht-Euro-Staaten Polen, Schweden, Dänemark und Tschechien wollen einzahlen, während Großbritannien seinen Beitrag Anfang 2012 fest­legen wird • unter den G20-Staten verwei­gern die USA und Kanada ihre Hilfe, aber Russland macht mit — Japan und China prüfen es • wird die EFSF in größerem Maßstab gebraucht, wollen die Euro-Staaten im März eine Aufsto­ckung der bisher auf 500 Mrd. € begrenzten Gesamt­ausleih­summe von EFSF und ESM prüfen • der ESM soll nun durch einge­zahltes Kapital unabhän­giger von den Rating­agen­turen werden: steigt seine Geldaus­stat­tung, wird seine Kredit­würdig­keit bewertet — nicht die der Geld­geber
[HTML] Schuldenkrise: Großbritannien verweigert Milliardenkredit an IWF. Die auf dem EU-Gipfel verein­barte Stär­kung des IWF fällt geringer aus als geplant: Etwa 170 Milli­arden Euro stehen zur Verfü­gung. Groß­britan­nien hält seinen Anteil zurück. ZEIT ONLINE, 20.12.2011
[HTML] M. Greive: Interview mit Joachim Nagel: Bundesbank-Vorstand: „Die Bazooka-Lösung ist ein Rohrkrepierer”. Vorstand Nagel verteidigt die Haltung der Bundesbank zu den IWF-Kreditlinien. Auch 2012 sei die Finanzkrise noch nicht ausgestanden. WELT ONLINE, 20.12.2011. • Wegen ihres Hangs zum Über­schwang betrachtet Bundes­bank-Vorstands­mitglied Joachim Nagel die Börsen mit einer gewissen Skepsis • aber in Bezug auf die Währungs­union ist er optimis­tisch: Europa hat „in der Geschichte schon oft gezeigt, dass es in schwierigen Situa­tionen zusam­mensteht.” • in der gegen­wärtig sehr ange­spannten Lage auf den Märkten ist Vertrauen in die Euro-Zone sehr wichtig • der Beschluss des EU-Gipfels, die Währungs­union zu einer nachhal­tigen Fiskal­union auszuge­stalten, entspricht dem Kurs der Bundes­bank • die Politik darf nicht den Fehler machen, sich zu sehr von den Stim­mungen der Märkte treiben zu lassen • der IWF kann nur über eine breite inter­natio­nale Betei­ligung aufge­stockt werden • würde die EZB unbe­grenzt Staats­anleihen aufkaufen, würden die Märkte nach kurzem Jubel wegen zu großen Risiken die Glaub­würdig­keit der EZB anzwei­feln • Geldpo­litik ist nicht die Lösung der Krise — die Noten­bank darf sich nicht dauer­haft in eine Rolle hinein bewegen, in der sie falsche Anreize setzt • sowohl die groß­zügige Liqui­ditäts­versor­gung für Banken als auch die Staats­anleihen-Aufkäufe sind nur befris­tete Maßnahmen, die noch einige Zeit dauern werden • die Bundes­bank kann nicht für Maßnahmen eintreten, von denen sie glaubt, dass sie lang­fristig das Funda­ment der Währungs­union erodieren lassen
[HTML] dpa-AFX: IMK: Deutsche Wirtschaft wird 2012 wegen Schuldenkrise leicht schrumpfen. FinanzNachrichten.de, 20.12.2011. • Nach Einschät­zung des IMK wird das BIP 2012 „um 0,1% im Jahres­durch­schnitt schrump­fen” • die Haupt­ursache für „die dras­tische wirt­schaft­liche Abküh­lung” liege in der „nach wie vor unge­lösten Vertrau­enskrise im Euro­raum sowie den ausge­prägten Sparpro­grammen in immer mehr Ländern der Währungs­union und der EU.” • die Krise werde aber die übrigen Länder der Euro­zone wesent­lich härter treffen als Deutsch­land und insge­samt „in eine Rezes­sion führen” • für die Wirt­schaft in der gesamten Euro­zone werde im Jahres­durch­schnitt 2012 eine Schrump­fung um 0,6% erwartet • IMK-Chef Gustav Horn: „Wir werden im kommenden Jahr erleben, welche Folgen ein harter Spar­kurs bei unseren wichtig­sten Handels­part­nern im Euro­raum hat” • Horn machte dafür in erster Linie die Bundes­regie­rung verant­wort­lich: die auf Druck der Berliner Regie­rung in der EU umzuset­zenden Sparmaß­nahmen seien keine Stra­tegie zur Krisen­bewäl­tigung, sondern würden die Vertrau­enskrise im Euro­raum viel­mehr verschärfen • breche das Wachstum ein, seien sogar die anvi­sierten Spar­ziele in Frage gestellt
[HTML] Schuldenkrise: Finanzhändler erwarten ein Abdriften des Euro. Der Euro liegt etwa acht Prozent über seinem Durch­schnitts­wert seit Beginn des Handels im Jahr 1999. Doch Experten sehen reich­lich Spiel­raum nach unten. WELT ONLINE, 20.12.2011. • Händler erwarten für den Euro weitere Kursver­luste, weil am Markt das Vertrauen in die Poli­tiker verloren gegangen ist • die Mess­instru­mente am Deri­vate­markt (von der künftigen Volati­lität, wie sie in den Options­preisen zum Ausdruck kommt, über die Kosten für eine Absi­cherung gegen Kursver­luste beim Euro bis hin zur extrem hohen Anzahl der Wetten der Spekulation auf Kursein­brüche) signali­sieren, dass die Händler keine Eindäm­mung der Kursver­luste erwarten • die Finan­zierungs­kosten von Italien und Spanien am Bond­markt haben Niveaus erreicht, die Grie­chen­land, Irland und Portugal um Rettungs­pakete ersuchen ließen • einige europä­ische Unter­nehmen bereiten sich schon darauf vor, dass einige Länder die Europä­ische Währungs­union verlassen werden und dass es zu Banken­zusam­menbrü­chen kommt • Fredrik Nerbrand (welt­weiter Leiter Asset Allo­cation bei HSBC Holdings in London): „Die Dinge sind bei Weitem noch nicht abge­schlossen. Zum größten Teil ging es in der jüng­sten Debatte der Poli­tiker um Haus­halts­fragen, nicht um das zugrunde liegende Problem, den Mangel an Wirt­schafts­wachstum.” • die Poli­tiker versuchen, die Symptome einer Krank­heit zu behan­deln und nicht die Ursache • doch selbst mit den jüng­sten Kursver­lusten (letzte Woche -2,5% gegen­über dem Dollar) hat sich der Euro dieses Jahr insge­samt nur 1,3% gegen­über der US-Währung verbil­ligt — die bisher geringste jähr­liche Verän­derung • Volks­wirte von Barclays: in Europa hat schon eine Rezes­sion begonnen • das BIP der Euro-Zone werde im laufenden Quartal um 1,4% schrumpfen, im 1. Quartal 2012 um weitere 0,6%, dann bis Ende Juni stag­nieren und erst danach wieder zu wachsen beginnen • David Woo (welt­weiter Leiter Zinsen und Währungen bei der Bank of America/Merrill Lynch in New York): „Mit der Ausbrei­tung der Staats­schulden­krise auf Italien kann das Risiko eines Ausein­ander­brechens des Euro jetzt nicht mehr länger als hypothe­tisch bezeichnet werden.” • im November waren die itali­enischen Renditen auf über 7% geklet­tert — bei diesem Niveau hatten Grie­chen­land, Irland und Portugal um Rettungs­pakete ersuchen müssen • Jose Wynne (Leiter Devi­senana­lyse Nord­amerika im Invest­ment­banking bei Barclays in New York): die mögli­chen Szena­rien für Europa seien einfach nur schwarz oder weiß • „Entweder sie lösen das Problem oder es gibt Schere­reien. Wenn es mehr Probleme gibt, wird der gesamte europä­ische Banken­sektor den Stress zu spüren bekommen.”
[HTML] Schuldenkrise: Aufseher sehen Gefahr für Versicherer. Schulden­krise und nied­rige Zinsen bringen Europas Versi­cherer nach Einschät­zung der Aufsichts­behörde EIOPA in Gefahr. In einem Stress-Szenario reiche die Kapi­tal­ausstat­tung etlicher Versi­cherer nicht, so die Aufsicht.  Handelsblatt , 20.12.2011. • Bericht der Bran­chenauf­seher EIOPA: nied­rige Zinsen und die unge­löste Schulden­krise sind 2012 die größten Gefahren für Europas Versi­cherer • die Asseku­ranzen könnten in ernst­hafte Schwierig­keiten kommen • 8 von 82 Versi­cherern fielen in einem Stress-Szenario mit einer langen Phase nied­riger Zinsen unter die regu­lato­risch vorge­gebene Mindest­kapi­talaus­stat­tung • die Namen der Konzerne wurden nicht genannt • nied­rige Zinsen führen zu schwa­chen Kapi­talan­lage­ergeb­nissen — und das in Zeiten mit hohen Belas­tungen durch Natur­kata­stro­phen
[HTML] J. Mallien: Schuldenkrise: Euro-Rettung? Ohne uns! Die Euro-Länder hatten bei ihren Rettungs­bemü­hungen auf Unter­stüt­zung ihrer Partner gesetzt. Die USA und Groß­britan­nien sollten helfen, ebenso die EZB und die Bundes­bank. Doch nun stehen die Euro-Länder fast alleine da.  Handelsblatt , 20.12.2011
[HTML] S. Ruhkamp: Interview mit Holger Schmieding: Schuldenkrise: „Die EZB hat denkbar ungeschickt interveniert”.[wichtig!] Die Europä­ische Zentral­bank solle auf dem Markt für Staats­anleihen eingreifen, sagt Holger Schmie­ding, Chef­volks­wirt der Beren­berg Bank. Nur so ließe sich die Abwärts­spirale stoppen. FAZ.NET Wirtschaft, 20.12.2011. • Da es die Aufgabe der Zentral­bank ist, das Preis­niveau stabil zu halten, muss sie nicht nur inflati­onäre, sondern auch deflati­onäre Tendenzen verhin­dern< • trotz der aktu­ellen Infla­tions­rate von immer noch 3% muss die EZB voraus­schauend handeln • Ende Juli wurde eine Abwärts­spirale ange­stoßen: die Euro­zone ist bereits in eine Rezes­sion geschlit­tert, was wiederum alle Schulden­probleme verschärft • da sich in der aktu­ellen Krise die verschreckten Anleger der Welt panik­artig selbst aus jenen Euro­ländern zurück­ziehen, die ihren Haus­halt straffen und echte Reformen durch­ziehen, verpufft die Zinspo­litik nahezu wirkungslos • die Vertrau­enskrise kann die EZB aber nur beenden, indem sie ebenso entschlos­sen handelt wie die Schweizer Natio­nalbank • einem Sicher­heits­netz für alle Euro­länder könnte der IWF beschei­nigen, dass sie solvent sind, weil sie sich einem Reform­programm nach dem Vorbild der deut­schen 2010-Agenda unter­werfen • die EZB sollte dann ankün­digen, dass sie die Staats­anleihen dieser Länder ab einem Rendi­teauf­schlag zu deut­schen Titeln von (sagen wir) 5,5 Prozent­punkten notfalls unbe­grenzt kaufen würde • der Gesamt­zins­satz von etwa 7,6% für 10-jährige Titel läge über dem heutigen Niveau von italienischen Staats­anleihen • das ist auch kein Rechts­bruch der EZB, der die direkte Staats­finan­zierung verboten ist • wenn die EZB nicht das geeig­nete Instru­ment einsetzt, um eine Defla­tion abzu­wehren, verletzt sie sogar ihr Mandat • auf dem Sekundär­markt für Staats­anleihen darf sie nämlich eingreifen • ohne Eingriff droht uns eine Massen­panik der Anleger, die Italien, Frank­reich und Österreich in den Staats­bank­rott treiben kann • bald danach wäre auch Deutsch­land in einer Depres­sion mit Über­gang in eine Defla­tion • die europä­ische Eini­gung wäre damit zerstört • die EZB müsste nur ein überzeu­gendes Sicher­heits­netz knüpfen, das die Anleger der Welt wissen lässt, dass alle nach­weis­lich solventen Länder unbe­dingt im Euro gehalten werden • vermut­lich besässe die EZB in einem Jahr dann weniger Staats­anleihen als heute • das Schweizer Beispiel zeigt: wer glaub­würdig abschreckt, muss seine Waffen kaum jemals einsetzen • dass EZB-Ein­griffe wieder­holt enttäuscht haben, liegt daran, dass die EZB hat bisher denkbar unge­schickt inter­veniert hat • wenn die EZB vorab verkündet, nur begrenzt, zeit­weise und mit geringen Summen einzu­greifen, sehen Anleger dies als Einla­dung, noch schnell Anleihen abzu­stoßen, bevor die EZB es sich wieder anders über­legt • man muss die Eingriffs­schwelle so wählen, dass das Kurs­niveau unat­traktiv ist • in der Schweiz sollte die Inter­vention nur das Abrut­schen auf absurd nied­rige Kurse verhin­dern • die Zentral­bank muss gemeinsam mit dem IWF Bedin­gungen (z.B. härtere Stabi­litäts­regeln) stellen für ihren Einsatz als Feuer­wehr • statt­dessen versu­chen wir erst alle anderen Opti­onen: betteln gehen in China, den Stabi­lisie­rungs­fonds EFSF hebeln, einen Umweg über den IWF wählen • erst wenn all das schei­tert, wird die EZB wohl ernst­haft eingreifensonst könnten erst der Euro und dann auch die deut­sche Wirt­schaft zusam­menbre­chen • „Als Land der Mitte Europas können wir Deut­schen nur gemeinsam mit und nie ohne unsere Nach­barn unseren Wohl­stand sichern.”
[HTML] A.M. Kraushaar: Bad Liebenzell: Abgeordneter legt Zusammenhänge der Schuldenkrise offen. schwarzwaelder-bote.de, 21.12.2011. • In die allge­meine Verwir­rung um Summen, Finanz­produkte und Geld­ströme versuchte Peter Simon (SPD, Europa-Union, Mitglied des Europä­ischen Parla­ments und Mitglied im Ausschuss für Wirt­schaft und Währung) etwas Licht ins Dunkle zu bringen • Sorgen der Bürger wurden geäu­ßert, die all die Rettungs­maßnahmen als ein Fass ohne Boden sehen • in Simons Augen hat die Bundes­regie­rung den Fehler der kleinen Schritte gemacht, statt eine starke Brand­mauer hoch zu ziehen • deshalb „wurde die Politik von den Märkten getrie­ben.” • mit den Rating-Agen­turen hätten wir uns an Dinge wie die Versi­cherung gegen den Ausfall eines Schuld­ners gewöhnt, als Beginn einer verhäng­nisvollen Entwick­lung, die uns Vertrauen in diese Agenturen fassen ließ, die dann maßgeb­lich am Rad von Finanz-, Wirt­schafts-, Schulden und Staaten­krise mit ­drehten • Simon sprach sich für eine Finanz­trans­aktions­steuer auf Speku­lati­onen und Handel mit Deri­vaten aus • für ihn muss Grie­chen­land ein Sonder­fall bleiben — zu mögli­chen Lösungen „gehört auch ein vernünf­tiges Sparen”
[HTML] Schuldenkrise in Europa: Reiches Norwegen bietet IWF Milliarden-Kredit an. Norwe­gens Minister­präsi­dent Stolten­berg will den IWF in der Euro-Krise unter­stützen. Das Land stellt einen Kredit von mehr als sieben Milli­arden Euro bereit. WELT ONLINE, 21.12.2012. • Das reich gewor­dene Norwegen will zur Stabi­lisie­rung der europä­ischen Wirt­schaft eigene Finanz­reserven in Höhe von 55 Mrd. Kronen (7,1 Mrd. €) einsetzen • Minister­präsi­dent Jens Stolten­berg: „Viele von Norwe­gens Handels­part­nern sind in einer schwie­rigen Lage. Wir haben ein starkes Inter­esse an inter­natio­naler wirt­schaft­licher und finan­zieller Stabi­lität.” • in der letzten Finanz­krise hatten die Skan­dina­vier dem IWF 2009 einen Kredit über 30 Mrd. Kronen gewährt • das Land verfügt über einen gigan­tischen „Spar­strumpf”: gut 3 Billi­onen Kronen (knapp 400 Mrd. €) zur Siche­rung von Renten­zahlungen für kommende Gene­rati­onen • durch Kredite aus der EU (außer Groß­britan­nien) würden insge­samt rund 175 Mrd. € (von geplanten 200 Mrd. €) zur Verfü­gung stehen, um ange­schla­genen Euro-Staaten im Notfall besser unter die Arme greifen zu können
[HTML] D. Snower: Die Lösung der Euro-Schuldenkrise.[wichtig!] Mit ihren zahl­reichen und oft wider­sprüch­lichen Rettungs­akti­onen haben die EU-Regie­rungen keine Stabi­lität erreicht. Im Folgenden schlägt der Autor Regeln vor, die seiner Meinung nach zu einer Lösung des Euro-Problems führen sollten. NZZOnline, 21.12.2011. • Dennis Snower ist Präsi­dent des Insti­tuts für Welt­wirt­schaft in Kiel • im Jahr 2011 als Jahr der „histori­schen” EU-Gipfel­treffen wollte jeder Gipfel die Euro-Schulden­krise schon „gelöst” haben • Frank­reichs Präsi­dent Nicolas Sarkozy sagte über das Zusammen­treffen in Brüssel am 8./9. Dezember, es werde „in die Geschichte eingehen” • inzwi­schen hat die Realität die Finanz­märkte wieder einge­holt und jeder fragt sich, ob der Euro noch gerettet werden kann • dabei waren die dortigen Entschei­dungen teils sinn­volle, teils aber sinn­lose Vorschläge • man muss dazu verstehen, dass die Euro-Schulden­krise von 5 inein­ander­grei­fenden Problemen verur­sacht wurde: • 1) fiskal­poli­tische Kurz­sichtig­keit und stei­gende Staats­schulden • 2) wacke­lige Banken (die zu gross zum Schei­tern sind) haben immense Risiken über­nommen, die untragbar geworden sind • weil diese Insti­tute aber system­rele­vant sind, haben die Regie­rungen ihre Schulden über­nommen, was wiederum die Staats­schulden erhöht hat • 3) Panik und sich selbst erfül­lende Prophe­zeiungen: • wenn die Finanz­märkte zwei­feln, dass gefähr­dete Länder ihre Schulden zurück­zahlen können, verlangen sie höhere Zinsen zur Kompen­sation • die höheren Zinsen erschweren den Ländern wiederum die Rück­zahlung ihrer Schulden (sich selbst erfül­lende Prophe­zeiung) • 4) die Gefahr finan­zieller Anste­ckung, weil die Länder vonein­ander abhängen • 5) Spar­kurs und Schulden­falle: die gefähr­deten Länder mussten sich zu massiven Spar- und Steuer­erhö­hungspro­grammen verpflichten, wenn sie Finanz­hilfen erhalten wollten • die daraufhin verschärften Rezes­sionen in den betrof­fenen Staaten führten wiederum zu gerin­geren Steuer­einnahmen und höheren Staats­ausgaben • das ist die Schulden­falle: ihre Verbind­lich­keiten steigen, während die Fähig­keit, sie zurück­zuzahlen, weiter abnimmt • die Krise könnte ganz einfach gelöst werden, wenn alle Euro-Mit­glied­staaten ihre Haus­halte kombi­nieren und die Finanz­politik zentra­lisieren würden • dies würde aber auch hohe, lang­fris­tige Trans­ferzah­lungen finanz­starker Länder wie Deutsch­land an finanz­schwache Staaten wie Grie­chen­land nach sich ziehen • für die Unter­stüt­zung dieser Lösung fehlt es aber an europä­ischer Iden­tität • die Euro-Schulden­krise konnte bisher nicht gelöst werden, weil die Politik daran geschei­tert ist, alle diese Probleme gleich­zeitig zu lösen • jeder „Arzt” schlägt eine Therapie für eine der „Krank­heiten” vor — doch sie reden anein­ander vorbei • dabei ist es gar nicht schwer, die Krise zu lösen, sobald man die zugrunde liegenden Probleme erkannt hat • jedes zu rettende Euro-Land sollte 4 Bedin­gungen erfüllen: • 1. eine Fiskal­regel muss fest­schreiben, wie hoch die lang­fristige Schulden­quote des Landes sein soll und wie schnell diese erreicht werden soll und wie antizyk­lisch die Finanz­politik während­dessen sein darf, um eine Stimu­lierung der Wirt­schaft in Rezes­sions­zeiten zu ermög­lichen • 2. die Fiskal­regel muss über einen Verfas­sungs­zusatz verbind­lich werden mit Über­schuss- und Defi­zitvor­gaben für jede Phase des Wirt­schafts­zyklus • sie muss gewähr­leisten, dass lang­fristig die vorge­gebene Schulden­quote von 60% erreicht wird • 3. die EZB muss transpa­rente Krite­rien entwi­ckeln, um die Solvenz eines Landes festzu­stellen • insol­vente Länder müssen sich einem transpa­renten Insol­venzver­fahren unter­ziehen, das einen Schulden­schnitt umfasst • gleich­zeitig müssen sich Banken ihr Geld zu Markt­preisen leihen statt zu künst­lich nied­rigen Raten bei der Zentral­bank • 4. es muss verhin­dert werden, dass system­rele­vante Finanz­insti­tuti­onen die staat­liche Solvenz gefährden • sie müssen daher ihre Schulden in Form von „solvency conver­tible bonds” (Anleihen, die in Eigen­kapital umge­wandelt werden, sobald mini­male Eigen­kapital­forde­rungen nicht mehr erfüllt werden) aufnehmen • das würde dazu führen, dass Insti­tuti­onen, die zu gross zum Schei­tern sind, wirk­lich nicht schei­tern könnten • durch die Umwand­lung in Eigen­kapital wären die Eigen­kapi­talan­forde­rungen sofort wieder erfüllt • damit fielen die Kosten der Schulden auf die Aktio­näre und nicht auf die Steuer­zahler • Ländern mit lang­fris­tigen Leis­tungs­bilanz­defi­ziten sollte durch die EU-Kommis­sion mittels Struktur­fonds u.ä. zu höherem Wachstum verholfen werden • Stärken dieses Plans: weil jede Regie­rung ihre eigene Fiskal­regel formu­liert und per Verfas­sungs­zusatz entspre­chend umsetzt, behält sie ihre finanz­politi­sche Souverä­nität • die Fiskal­regel schafft wieder Vertrauen und ermög­licht eine anti­zykli­sche Finanz­politik • die EZB könnte auch Geld verleihen — schliess­lich sind solvente Staaten immer fähig, ihre Schulden zurück­zuzahlen • die Politik muss eine „große Verein­barung” für die Euro-Zone ins Leben rufen, für den Sinn und Unsinn der Brüs­seler Beschlüsse vom 9. Dezember zu trennen sind • obwohl Fiskal­regeln nütz­lich sind, wäre eine Nach­ahmung der deut­schen Schulden­bremse der falsche Weg • die Schulden­bremse enthält 3 schwere Konstruk­tions­fehler: • a) sie setzt voraus, dass die Staats­schulden nahezu konstant bleiben, während das Sozi­alpro­dukt zunimmt — damit sinkt die Schulden­quote, während Staaten ein konstantes Verhältnis von Schulden zum BIP benö­tigen • b) sie defi­niert nicht, wann eine Rezes­sion schwer genug ist, um höhere Staats­schulden zu recht­fertigen — entweder wird es unmög­lich, heftige wirt­schaft­liche Abschwünge fiskal­poli­tisch abzu­federn, oder diese Einrich­tung nach mehreren größeren Rezes­sionen unglaub­würdig • c) sie verhin­dert die flexible Bekämp­fung von Rezes­sionen mit fiskal­poli­tischen Instru­menten: da jedes Land in einer Rezes­sion den Staats­haushalt kürzen muss, würden sich Länder in einer tiefen Rezes­sion kaputt­sparen • auf dem Gipfel wurde auch eine Kontrolle der natio­nalen Haus­halte durch die EU-Kommis­sion verein­bart • Vorteil dieser Rege­lung ist es, dass jedes Budget unab­hängig über­prüft wird • Nach­teil ist, dass die EU-Kommis­sion stärker an der Aufstel­lung der natio­nalen Haus­halte betei­ligt wird • es ist unklar, wie die EU-Kommis­sion etwas errei­chen will, was die Verfas­sung nicht schafft • statt um die Staats­finanzen sollte sich die EU-Kommis­sion um Struk­turpo­litik und Wett­bewerbs­fähig­keit der Länder kümmern • der verab­redete Sank­tions­mecha­nismus ist nicht glaub­würdig, weil er die Probleme der Schulden­sünder nur verschärfen würde • seine Abschre­ckungs­funk­tion wirkt „wie eine Auto­versi­cherung, die einen Versi­cherten, der sich eine Beule ins Auto gefahren hat, damit bestraft, das Auto noch mehr zu verbeu­len” • laut den Gipfelbe­schlüssen soll der Rettungs­schirm ESM ausge­weitet und mithilfe eines Versi­cherungs- und Kredit­hebels vergrö­ßert werden • Probleme: der Hebel erhöht auch das Risiko, weil er einen bestimmten Prozent­satz aller Verluste automa­tisch aufnimmt, und das kann das Rating der Staaten beein­trächtigen • wenn aber eine Fiskal­regel in der Verfas­sung ausreicht, um staat­liche Solvenz zu gewähr­leisten, dann braucht man keinen Euro-Rettungs­schirm • Fazit dieser Erwä­gungen: die Einfüh­rung von Fiskal­regeln ist notwendig, damit die EZB Ländern mit tempo­rären Liqui­ditäts­problemen mittels güns­tiger Kredite aus der Klemme helfen darf • diese Fiskal­regeln sollten auf eine konstante Schulden­quote abzielen, nicht auf eine fallende • und sie sollten die Möglich­keit bieten, Rezes­sionen mittels expan­siver Finanz­politik zu bekämpfen • Sankti­onen gegen Schulden­sünder sollte es nicht geben, weil diese kontrapro­duktiv wirken würden • die EU-Kommis­sion sollte sich darauf beschränken, Wettbe­werbs­fähig­keit und „rich­tige” Struk­turpo­litik sicherzu­stellen, statt natio­nale Haus­halte zu geneh­migen • danach wird der Euro-Rettungs­schirm unnötig
[HTML] B. Losse, M. Fischer, K. Handschuch, A. Kunz: Schuldenkrise: IW-Chef Hüther glaubt an Euro-Zukunft. Die Krise der Europä­ischen Währungs­union wird sich laut Michael Hüther, dem Direktor des Insti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft (IW) in Köln, im kommenden Jahr entschärfen. Er ist sicher: „Den Euro haben wir auch in fünf Jahren noch.”. wiwo.de, 22.12.2011. • Michael Hüther: „2012 wird ein Jahr der Entspan­nung. Ich gehe davon aus, dass die neuen Regie­rungen in Grie­chen­land, Portugal, Italien und Spanien ihre Hausauf­gaben machen” • zum Signal von den jüng­sten EU-Gip­felbe­schlüssen: „Dass die Staats­haus­halte künftig von Brüssel über­wacht werden, ist im Vergleich zur bishe­rigen Qualität der europä­ischen Fiskal­integra­tion ein qualita­tiver Sprung.” • konjunk­turell gebe es „keinen Absturz wie 2009” und auch keine Kredit­klemme • viele Unter­nehmen könnten Inves­titi­onen aus eigener Tasche bezahlen, denn „die Eigen­kapital­quote der Unter­nehmen liegt im Schnitt bei rund 30 Prozent” • „Viele Betriebe haben sich seit 2009 vorsorg­lich mit Liqui­dität vollge­sogen.”
[HTML] B. Losse, K. Handschuch, M. Fischer, A. Kunz: Schuldenkrise: Bofinger hat Zweifel an der Rettung des Euro. Der Wirt­schafts­weise Peter Bofinger glaubt, dass sich die Zukunft des Euro in den kommenden sechs Monaten entscheidet. „Bleibt die Bundes­regie­rung bei ihrer bishe­rigen Stra­tegie, hat der Euro keine Zukunft”, sagt er. wiwo.de, 22.12.2011. • Peter Bofinger (Prof. an der Univer­sität Würz­burg, Mitglied des Sachver­stän­digen­rats): um den Euro zu retten, müssten jetzt die Finanz­märkte stabi­lisiert und eine konjunk­turelle Abwärts­spirale verhin­dert werden • „Bei beiden Zielen hilft das Maßnah­menpaket der Politik nicht weiter. Es wird frühes­tens in ein bis zwei Jahren in Kraft treten können. Die Zukunft der Währungs­union entscheidet sich aber in den näch­sten sechs Monaten.” • um einen Bank­rott von Italien und Spanien zu vermeiden, sieht er die EZB in der Pflicht, die künftig für die Langfrist­zinsen Italiens und Spaniens eine Ober­grenze von 4–5% fest­legen und durch Anleihe­käufe absi­chern soll • das sei „ein Niveau, das diese Staaten stemmen können.” • er fordert zudem die Einfüh­rung von Euro-Bonds: „Für die hoch verschul­deten Euro-Länder wären gemein­same Anleihen aller Euro-Staaten ein Segen. Wenn es gelingt, wirk­same Fiskal­regeln in der Euro-Zone zu etablieren, spricht nichts gegen eine gemein­same Haftung.” • viele Bundes­bürger würden davon sogar profi­tieren • „Die derzei­tigen Micker­zinsen sind eine Enteig­nung der deut­schen Sparer zugunsten des Staates.” • einen Ausstieg Deutsch­lands aus der Währungs­union lehnt er rigoros ab: „Eine neue D-Mark würde sofort um 30 bis 40 Prozent aufwerten und die Exporte abstürzen lassen. Wir bekämen Defla­tion. Alle Wettbe­werbsvor­teile, die wir uns in den vergan­genen Jahren mühe­voll erar­beitet haben, würden über Nacht wegge­blasen.”
[HTML] Euro-Krise: Griechen und Spanier fliehen nach Deutschland. Die Schulden­krise führt zu einer neuen Europä­ischen Völker­wande­rung: Vor allem junge Griechen und Spanier flüchten vor dem Wirt­schafts­crash in ihren Heimat­ländern. Ihr bevor­zugtes Ziel: Deutsch­land.  Handelsblatt , 22.12.2011
[HTML] K. Dämon: Schuldenkrise: IWF schaut Italien auf die Finger. Anfang 2012 beginnen die Kontrol­leure des IWF ihre Italien­reise: Sie werden der Monti-Regie­rung auf die Finger schauen. Ausge­rechnet jetzt schrumpft Italiens Wirt­schaft. wiwo.de, 22.12.2011
[HTML] ssu/Reuters: Euro-Krise: Top-EZB-Mann rät zu neuer Geldflut. Gerade erst päppelte die Europä­ische Zentral­bank die Finanz­insti­tute mit einer halben Billion Euro — da erwägt einer ihrer Top-Leute schon neue Schritte. In einem Inter­view empfiehlt EZB-Rat Bini Smaghi, die Geld­schleusen notfalls noch weiter zu öffnen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 23.12.2011;  [JPEG-Grafik] Entwicklung der Zinsen 10-jähriger Staatsanleihen[!];  [JPEG-Grafik] Staatsschulden der Euro-Länder 2011;  [JPEG-Grafik] Euro-Wackelkandidaten
[HTML] L. Gerken: Essay: Schuldenkrise: ...und alle Fragen offen. Dem Gipfel der EU-Staats- und Regie­rungs­chefs vorver­gangene Woche in Brüssel werden noch viele Treffen folgen müssen, um die Schulden­krise im Euroraum in den Griff zu bekommen. finanzennet, 23.12.2011. • Die Ansicht, mit den Brüsseler Beschlüssen sei der Schlüssel zur Rettung unserer Gemein­schafts­währung gefunden, erweist sich immer mehr als vorschnell • den Beschlüssen hin zu einem soge­nannten Fiskal­pakt werden sich recht­­liche Hürden in den Weg stellen, von denen man noch über­haupt nicht weiß, wie diese über­wunden werden können • nach Ansicht nicht weniger Juristen verstößt die Automa­tisie­rung des Defi­zitver­fahrens gegen Länder mit übermä­ßiger Verschul­dung gegen geltendes Recht • der geplante völker­recht­liche Vertrag steht in einem poten­ziellen Konflikt zu den europä­ischen Verträgen, die nach Auffas­sung vieler Staats­rechtler Vorrang vor einem völker­recht­lichen Vertrag haben • auch für die vorge­sehene Schulden­bremse ist noch völlig ungewiss, wie genau sie umge­setzt werden soll • es zeigt sich, dass bei den Beschlüssen des jüng­sten Gipfels der Teufel im Detail steckt • die Stabili­tätsbe­schlüsse lösen noch nicht einmal den Kern des Problems • die Verschul­dung der Staaten ist nur eines der vielen Probleme dieser Volks­wirt­schaften — sie ist auf jahre­lange Leis­tungs­bilanz­defi­zite zurück­zuführenUrsache dafür ist die mangelnde Wettbe­werbsfä­higkeit, die sich in immer höheren Lohn­stück­kosten im Vergleich zu Nord­europa manifes­tiert • erst eine Lösung dieses Problems wird lang­fristig die Gemein­schafts­währung sta­bili­sieren können
[HTML] H. Steltzner: Schuldenkrise: Sorge ums Geld. Der Staats­schulden­krise wird der Griff nach dem Vermögen der Privat­leute folgen. Die Angst ums Geld ist nicht erst morgen real. FAZ.NET Wirtschaft, 23.12.2011. • Jeder versteht unter Fiska­lunion etwas anderes: ein verschärfter Stabi­litäts­pakt, oder eine Haftungs­union durch Verge­mein­schaf­tung natio­naler Schulden • Einig­keit besteht darüber, dass der Vertrag von Lissabon nicht geän­dert werden soll, nach dem auch künftig souve­räne Nati­onal­staaten für ihre Schulden, Haus­halte sowie Steuer- und Sozi­alge­setze zuständig sind • indem das Gesetz auf dem Weg zwischen­staat­licher Verträge umge­deutet werden soll, könnte so durch die Hintertür die Steuer-, Sozial- und Arbeits­gesetz­gebung in der EU zentra­lisiert und zugleich der Wett­bewerb zwischen Staaten ausge­schaltet werden • dabei sind die Weichen in Rich­tung Haftungs­union bereits gestellt • über den auto­mati­schen Zahlungs­ausgleich des EZB-Systems (Target) klet­tern die Kredite des Nordens für den Süden unauf­haltsam in Rich­tung 1 Billion €, und die Noten­banken entziehen sich der Debatte über diese Kredit­ersatz­salden und verweisen tech­nisch auf den Zahlungs­verkehrs­ausgleich • der Griff nach dem Vermögen der Privat­leute kann auf unter­schied­liche Weise erfolgen: Anhe­bung der Einkommen­steuer, Einfüh­rung einer Vermögen- oder Luxus­steuer, höhere Abgaben auf Grund­besitz, Entwer­tung des Geldes über die Zeit • der Staat kann seinen Schulden­dienst erleich­tern, indem die Noten­bank über lüngere Zeit für einen Zins nahe Null sorgt, während die Teue­rung bei 3% liegt: so halbiert sich der reale Wert eines Spar­plans für die Alters­vorsorge eben­falls • Spiel­arten finan­zieller Repres­sion in der Wirt­schaftsge­schichte: Zwangs­anleihe, Zwangs­hypothek, Abgabe von Edel­metall, Kapi­talver­kehrskon­trollen, Zwangs­kauf von Staats­anleihen für Ver­siche­rungen durch gesetz­liche Anla­gevor­schriften
[HTML] Wirtschaftsforschungsinstitute besorgt über Euro-Schuldenkrise. nt" net tribune, 25.12.2011. • Wirt­schafts­forschungs­insti­tute: noch keine Entwar­nung bei der Euro-Schulden­krise • Thomas Straub­haar (Direktor des Hambur­gischen Welt­wirt­schafts­insti­tuts): die Krise sei „noch lange nicht ausge­standen” • Chris­toph M. Schmidt (Präsi­dent des Rhei­nisch-West­fäli­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­forschung RWI) forderte eine zügige Umset­zung der Beschlüsse des jüng­sten EU-Gipfels, die aber nur „die lang­fris­tigen Rahmen­bedin­gungen verbes­sern” • die akuten Probleme mancher Staaten seien damit nicht gelöst — aber dazu hatte der Sach­verstän­digenrat „mit dem Schul­dentil­gungs­fonds ein Instru­ment vorge­schlagen”, dem die Politik bisher nicht gefolgt sei • außerdem müsse die Bundes­regie­rung den europä­ischen Partnern "über­zeugend signali­sieren, dass ihr Beharren auf Prinzi­pien nicht das ganze europä­ische Projekt in Gefahr bringt” • Ulrich Blum (Präsi­dent des Insti­tuts für Wirt­schafts­forschung Halle IWH) forderte einen deutli­cheren Spar­kurs, denn Deutsch­land sei „kein Vorbild” für andere Euro-Länder, „denn die Sanie­rung Europas über die Verschul­dung ist der einzige saubere Weg.” • Straub­haar: man sollte „in Deutsch­land Euro-Bonds nicht aus ideo­logi­schen Gründen verteu­feln”, denn es werde „auch in einer Fiskal­union eine gemein­same Kasse geben” müssen • er sieht „die Politik vor dem Zielkon­flikt, gleich­zeitig zu konsoli­dieren und die Konjunktur nicht abzu­würgen”
[HTML] Düstere Prognose: IWF-Chefin Lagarde sieht Weltwirtschaft in Gefahr.[!] Christine Lagarde fordert die EU-Staaten auf, in der Krise schnell zu handeln und mit einer Stimme zu sprechen. Große Prin­zipien würden nicht beein­drucken. WELT ONLINE, 25.12.2010. • Christine Lagarde (IWF-Chefin) sieht die Welt­wirt­schaft „in einer gefähr­lichen Lage” und ruft die europä­ischen Staaten zur Geschlos­senheit auf • die Wachs­tums­prognose des IWF (derzeit 4%) könne gesenkt werden • die Schulden­krise sei eine Krise des Vertrauens in die Staats­schulden und die Soli­dität des Finanz­systems • bei ihrem Gipfel am 9. Dezember seien die EU-Staats- und Regie­rungs­chefs nicht weit genug ins Detail gegangen • das Ergebnis sei in den Grund­prinzi­pien zu kompli­ziert • „Die Inves­toren warten darauf”, dass „die Euro­päer mit einer Stimme sprächen und einen einfachen und detail­lierten Zeit­plan in Aussicht stell­ten” • „Große Prinzi­pien beein­drucken nicht."”
[HTML] Schuldenkrise: Deutsche Bank erklärt Italien zur Euro-Schicksalsfrage.[!] Chef­volks­wirt Thomas Mayer ist sich sicher: Wenn das Land nicht die Wende schafft, zerfällt die Euro-Zone. „Die Griechen müssten eigenes Geld drucken, um ihre Rech­nungen zu bezahlen.”. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 25.12.2011. • Thomas Mayer (Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank): Italien hat die Schlüssel­rolle für den Fortbe­stand oder Zerfall der Euro-Zone • mit Jahres­beginn werde Italien in eine tiefe Rezes­sion fallen • „Wenn es dem Land gelingt, da vor den Wahlen im Mai 2013 wieder heraus­zukommen (…), dann kann Italien ein Vorbild für alle südeu­ropä­ischen Staaten werden. Anson­sten wird die Euro-Zone ausein­ander­brechen.” • es müsse auch mit dem Austritt eines Landes aus dem Währungs­gebiet gerechnet werden, insbe­sondere Grie­chen­lands • es könne dort nach den 2012 geplanten Neuwahlen eine Regie­rung ans Ruder kommen, die nicht willens oder nicht fähig sei, den Spar­kurs weiter­zutragen • „Dann würden vermut­lich die Hilfspro­gramme einge­stellt. Und die Grie­chen müssten eigenes Geld drucken” • Italien rutschte im Sommer in eine Rezes­sion, die nach Ansicht von Ökonomen gut 1 Jahr dauern wirdItaliens Banken halfen sich in der Schulden­krise mit einem Trick: alle Insti­tute, die sich bei der Noten­bank Geld leihen wollen, müssen ein Pfand hinter­legen: dazu brachten 14 italie­nische Geld­häuser eigene Anleihen für fast 40 Mrd. € heraus, um sie als Sicher­heit bei der EZB zu hinter­legen • da die EZB keine unbesi­cherten Anleihen als Pfand akzep­tiert, die vom Kredit­nehmer selbst ausge­geben wurden, wurden sie von Rom mit einer staat­lichen Bürg­schaft versehen • Ignazio Visco (Italiens Noten­bank­chef): wegen der angekün­digten Sparmaß­nahmen habe der Druck der Finanz­märkte auf das Land nachge­lassen, und der Trend zu immer höheren Risi­koauf­schlägen sei gestoppt • er warnte aber: das Vertrauen der Märkte könne schnell wieder nach­lassen • Analysten: der Euro-Zone könnten im näch­sten Jahr noch große Probleme bevor­stehen • Mayer: im Winter werde die deut­sche Wirt­schaft zwar 2 Quar­tale in Folge schrumpfen und im 1. Halb­jahr 2012 werde es schlimmer als erwartet • „Aber im zweiten Halb­jahr wird die starke Entwick­lung in China und den anderen Schwel­lenlän­dern sowie die erstaun­lich solide Entwick­lung in den Verei­nigten Staaten die deut­sche Wirt­schaft wieder raus­reißen.” • Deutsch­land werde wohl sein Spitzen­rating behalten • Frank­reich werde wohl herab­gestuft werden • die Schulden­berge können letzt­endlich wohl nur über einen Anstieg der Preise abge­tragen werden • die EZB werde wohl wie die amerika­nische Noten­bank Fed vorgehen: „Sie wird einen Teil der Schulden über die Jahre wegin­flatio­nieren.” • im neuen Jahr werde sich der Preis­anstieg aller­dings erst einmal abschwä­chen, und die Zinsen werden sinken • mit dem näch­sten Aufschwung werde aber auch die Infla­tion zurück­kehren • „Die Finanz­krise wird weiter nega­tive Auswir­kungen auf die Stab­ilität der Banken haben. Und zwar (…) im ganzen Jahr­zehnt” • Thomas Straub­haar (Direktor des HWWI) sagte, die Krise könne noch eska­lieren • Christoph M. Schmidt (Präsi­dent des RWI): es seien die akuten Probleme mancher Staaten noch nicht gelöst • die Mehr­heit der Ökonomen sei sich einig, „dass Euro­bonds aufgrund der mit ihnen verbun­denen nega­tiven Anreize schäd­lich wären” • es sei richtig gewesen, für vertrag­liche Regeln zur besseren Kontrolle der Finanz­politik der einzelnen Euro-Länder einzu­treten • „Stehen solche Regeln, wird es für die Regie­rung viel­leicht auch einfa­cher, zum Beispiel die Aufkäufe von Staats­papieren durch die EZB als kurz­fris­tige Notmaß­nahmen zu akzep­tieren” • doch die Bundes­regie­rung müsse den europä­ischen Part­nern drin­gend „signali­sieren, dass ihr Beharren auf Prinzi­pien nicht das ganze europä­ische Projekt in Gefahr bringt”
[HTML] dapd: Seehofer mahnt zu Eile beim Vorgehen gegen Euro-Schuldenkrise AZ NÜRNBERG Abendzeitung, 26.10.2011. • Horst Seehofer (bayeri­scher Minis­terprä­sident, CSU-Chef): die Haus­halts­konso­lidie­rung der „Schulden­sünder” müsse „spürbar und sichtbar voran­schreiten. Nur so fassen die Märkte Vertrauen.” • es gelte, „die Maßnahmen so zu justieren, dass die Geld­wert­stabi­lität nicht in Gefahr gerät und die Versor­gung der Real­wirt­schaft mit Krediten sicher­gestellt bleibt” • in keinem anderen Bundes­land hänge die wirt­schaft­liche Entwick­lung so stark vom Export ab wie in Bayern • „Über der wirt­schaft­lichen Entwick­lung und über der Entwick­lung des Arbeits­markts hängt auch im Frei­staat das Damok­lesschwert der Euro-Schulden­krise.”
[HTML] M. Wissmann: Exportüberschüsse: Will Europa der Mittelmäßigkeit huldigen? Industriepolitische Giftspritze aus Brüssel: Wer fleißig ist und erfolgreich exportiert, soll nach einer neuen EU-Verordnung auf einer Stufe stehen mit denjenigen, die sich zurücklehnen. FAZ.NET, 26.12.2011. • Brüssel hat ein Gesetzes­paket zur früheren Erken­nung wirt­schaft­licher Ungleich­gewichte beschlossen • nach der Verord­nung können in Zukunft EU-Staaten mit Sank­tionen belegt werden, die zu hohe Leis­tungs­bilanz­über­schüsse aufweisen • in der Begrün­dung heißt es, „dass auch Länder wie Deutsch­land oder die Nieder­lande der Grund für Insta­bilität in Europa sein können” • ähnlich hieß schon vor 1½ Jahren von der dama­ligen fran­zösi­schen Wirt­schafts- und Finanz­minis­terin, Christine Lagarde: die Deut­schen über­trieben es einfach mit Lohn­zurück­haltung und Export und schadeten damit ihren Nach­barn • ab einem Leis­tungs­bilanz­über­schuss von 6% des BIPs drohen Sankti­onen • Groß­britan­nien kämpft heute mit dem höch­sten Leis­tungs­bilanz­defizit in der EU — doch die Briten machen dafür nicht andere verant­wort­lich, sondern wollen wieder indus­trielle Wert­schöp­fung fördern • Kern der EU-Kritik an Deutsch­land: es sei einseitig auf Export ausge­richtet, und mit seiner Wirt­schafts- und Lohnpo­litik schade es seinen Nach­barn und bringe sie über kurz oder lang an den Bettel­stab
[HTML] Deutsche Konjunktur vor der Vollbremsung. Die meisten Forschungs­insti­tute sind sich darüber einig, dass die Wirt­schafts­leis­tung im kommenden Jahr kaum noch zulegen wird — und auch die Bundes­regie­rung wird einem Maga­zinbe­richt zufolge im Januar einen skepti­scheren Ausblick als bislang präsen­tieren. Die Unter­nehmen bleiben aller­dings weiter zuver­sicht­lich. Wirtschafts Blatt, 26.12.2011. • Während die Bundes­regie­rung einen skepti­scheren Ausblick als bislang präsen­tieren will, sieht IWF-Chefin Lagarde wegen der Schulden­krise bereits die gesamte Welt­wirt­schaft in Gefahr • dennoch verbreiten deut­sche Wirt­schafts­verbände Zuver­sicht • zahl­reiche Wirt­schafts­forscher (u.a. Ifo, IMK) hatten in den vergan­genen Wochen vor allem wegen der Folgen der Schulden­krise bereits ihre Prognosen gesenkt • die Präsi­denten der führenden Wirt­schafts­verbände (BDI, ZDH, DIHK, BGA): die andau­ernde Schulden­krise im Euro-Raum werde den Wachs­tumszug zwar fühlbar verlang­samen, nicht aber entgleisen lassen • auch nach Ansicht von Thomas Mayer (Chef­ökonom der Deut­schen Bank) wird Deut­schland im europä­ischen Vergleich relativ glimpf­lich davon­kommen: zwar zunächst ½ Jahr schrumpfen — danach geht es aber wieder aufwärts
[HTML] F. Batzoglou: Übergangsregierung: Griechenlands Reformversager.[!] Grie­chen­land bricht die Verspre­chen an seine Geld­geber: Die Über­gangs­regie­rung unter Loukas Papa­demos hat ihren Vertrau­ensvor­schuss auch in der Bevöl­kerung in kürze­ster Zeit verspielt. Dauer­zwist lähmt das Kabi­nett. Selbst die drin­gend­sten Reformen sind ins Stocken geraten. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 26.12.2011. • Dimi­tris Daskalo­poulos (Präsi­dent der Unter­nehmens- und Indus­triel­lenver­eini­gung SEV) mahnte sein nach Athen gela­denes Publikum: „Jetzt geht es schlicht darum, ob wir in Europa bleiben oder nicht. (…) Wenn diese Regie­rung nicht recht­zeitig die Kurve kriegt, wird Grie­chen­land hun­gern.” • sein Appell verhallte unge­hört • bei einer Kabi­netts­sitzung über einen Gesetz­entwurf zur Beschleu­nigung von gütli­chen Schei­dungen flogen die Fetzen • das Athener Parla­ment hat den Staats­haus­halt 2012 verab­schiedet — doch seitdem sind die mit den Geld­gebern bindend verein­barten Reformen, Sparmaß­nahmen und Programme entweder nicht in Angriff genommen worden oder ins Stocken geraten • der Staat muss sich laut EU-Gipfelbe­schluss noch bis Ende des Jahres mit den privaten Gläu­bigern einigen, damit die Anleihen Anfang 2012 getauscht werden können • dieser Zeit­rahmen wird wohl gesprengt werden • strittig sind die Höhe der Zinsen, die Grie­chen­land für die neuen Anleihen bezahlt, und der Umfang des Schulden­schnitts • selbst nach einer Eini­gung ist frag­lich, ob sich alle privaten Gläu­biger daran halten oder höhere Anteile einklagen werden • schei­tert der Anleihen­tausch, ist der Haus­halt für 2012 Maku­latur • den Grie­chen wurde ein drin­gend benö­tigter weiterer Mega­kredit in Höhe von insgesamt 130 Mrd. € verspro­chen —gegen strikte Auflagen mit immensem politi­schem Spreng­stoff • kein Poli­tiker will den Kopf für weitere unpopu­läre aber unver­meid­bare Maßnahmen hinhalten • an vielen Stellen wird deut­lich, wie sehr das Reform­tempo unter Papa­demos erlahmt ist • viel wird wohl vor der geplanten Parla­ments­wahl im Früh­jahr auch nicht mehr möglich sein • einer aktu­ellen Umfrage zufolge liegt die konser­vative ND bei 30,5% und hat damit 12,5 Prozent­punkte Vorsprung vor der sozi­alde­mokra­tischen PASOK
[HTML] Wirtschaftsweiser: Deutschland bleibt eine Rezession erspart. business press, 26.12.2011. • Wolf­gang Franz (Chef des Sachver­ständi­genrates) blickt trotz der Euro-Schulden­krise und des welt­weiten Konjunk­turab­schwungs zuver­sicht­lich in das neue Jahr • die deut­sche Wirt­schaft werde 2012 zwar wohl nur um 0,5% wachsen — „Aber eine Rezes­sion befürchte ich nicht” • der neue Bundes­bank-Chef „Jens Weid­mann müsste Vorschläge für einen Plan B machen” für den Fall, dass sich die Finanz­märkte selbst von sinn­vollen und hinrei­chenden Maßnahmen in den Problem­ländern nicht über­zeugen ließen • Franz kriti­sierte, dass Axel Weber und Jürgen Stark ihre Posten in der EZB aufge­geben haben
[HTML] M. Kaelble: Weltkonjunktur: Kling Kasse, klingelingeling. Das Weih­nachtsge­schäft zeigte, in welchen Ländern die Wirt­schaft brummt — und in welchen nicht. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 27.12.2011
[HTML] Vertrauenskrise im Kreditgeschäft: Banken parken Milliarden bei der EZB. Die Banken scheuen das Risiko. Fast ½Billion € haben sich große Finanz­häuser zuletzt bei der Europä­ischen Zentral­bank geliehen. Jetzt wird klar: Anders als erhofft, geben sie das Geld nicht für Inves­titi­onen an Unter­nehmen weiter, sondern legen große Summen wiederum bei der EZB an. 411 Mrd. € haben sie dort mittler­weile geparkt — zu Mini-Zinsen. sueddeutsche.de, 27.12.2011
[HTML] M. Beise, H. Einecke: Reaktionen von Banken und Unternehmen auf die Schuldenkrise: Zwischen Panik und Gelassenheit. Unter­schied­licher könnte die Wahr­nehmung kaum sein: In der Schulden­krise verfallen die Banken in Panik und lagern ihr Geld lieber für Mini-Zinsen bei der EZB, als es unter­einander zu verleihen. Die Real­wirt­schaft hingegen bleibt gelassen. Unter­nehmen und Verbände sehen bislang keine Anzei­chen für eine Rezes­sion. Dabei könnte die Verun­siche­rung der Banken auch sie treffen. sueddeutsche.de, 27.12.2011
[HTML] Schuldenkrise: „Asien kann sich nicht von Europa abkoppeln”. Die Schulden­krise trifft die asiati­schen Staaten. Davor warnt die Ex-Wirt­schafts­bera­terin des US-Präsi­denten, Laura Tyson, in einem Gast­beitrag für das Handels­blatt. Welche Volks­wirt­schaften beson­ders unter Druck geraten.  Handelsblatt , 27.12.2011
[HTML] Finanzen: Die Schuldenkrise, die gar keine Euro-Krise ist. Bundes­finanz­minister Schäuble und Euro-Gruppen-Chef Juncker sehen keine Euro-Krise. Staats­schulden müssten dennoch abge­baut werden. Hamburger Abendblatt, 28.12.2011. • Finanz­minister Wolf­gang Schäuble: der Euro sei stabil • es gebe eine Schulden­krise einzelner Staaten — mit Anste­ckungs­gefahr • auch der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, bestreitet, dass es eine Euro-Krise gebe • er ist auch der Auffas­sung, dass die Schulden­krise ohne Ände­rungen der EU-Verträge gelöst werden könne • dagegen fordert SPD-Chef Sigmar Gabriel die Bildung einer europä­ischen politi­schen Union • Schäuble: Deutsch­land werde den Weg des Schulden­abbaus konse­quent fort­setzen • er werde dieses Jahr mit einer Neuver­schul­dung unter 20 Mrd. € abschlie­ßen • Juncker: es reiche es nicht, neue Regeln festzu­legen und neue Verträge zu verein­baren • die EU-Verträge hätten schon immer genü­gend Instru­mente gehabt, ihre Vorgaben durchzu­setzen — es seien die Regie­rungen gewesen, die sich nicht an diese Auflagen gehalten hätten • Gabriel dagegen: Europa müsse von einer „Konföde­ration zur Föde­ration entwi­ckelt werden. (…) Wir brau­chen eine Fiskal­union, zu der Haus­halts­stabi­lität gehört, aber auch eine gemein­same Steuer- und Finanz­politik.” • auch der frühere Bundes­finanz­minister Hans Eichel sprach sich für eine stär­kere Zusam­menar­beit in der europä­ischen Wirt­schafts-, Finanz- und Sozi­alpo­litik aus • der noch frühere Bundes­finanz­minister Oskar Lafon­taine forderte sogar eine gemein­same Wirt­schafts-, Finanz- und Sozi­alpo­litik in Europa • ohne Koor­dinie­rung der Lohnpo­litik habe Deutsch­land andere Länder in die Verschul­dung treiben können • dürfe die EZB direkt Kredite an die Staaten vergeben, würden auf Knopf­druck „der ganze Finanz­markt und die ganzen Rating­agen­turen lahm­gelegt.” • Schäuble zu Gabriels Vorschlag: "Wir wollen keinen europä­ischen Super­staat, aber wir brau­chen gemein­same Regeln” in der Haus­haltspo­litik
[HTML] Schuldenkrise: Griechen melden ihre Autos ab. Die drastischen Sparmaßnahmen ihrer Regierung zwingen die Griechen zu Einschnitten in ihrem Privatleben: Nachdem sie in diesem Jahr kaum Weihnachtsgeschenke gekauft haben, melden jetzt immer mehr Autobesitzer ihre Wagen ab. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 28.12.2011. • Mehr als 250.000 Wagenbesitzer werden ihr Fahrzeug wegen der schwierigen Finanzsituation bis Jahresende abgemeldet haben (2010: 170.000) • Grund ist (auch) eine Erhöhung der Kfz-Steuer • der Verkauf von Schuhen und Kleidung ist um 40% eingebrochen — der Konsum nur um 15% • Athen führt derzeit intensive Verhandlungen mit der Schweizer Regierung über griechische Geldanlagen in der Schweiz • ein Ministeriumsmitarbeiter: „viele Griechen werden sich wundern”
[HTML] R. Berschens: Schuldenkrise: Der Euro-Fiskalpakt soll bis Ende Januar stehen.[!] Neben Groß­britan­nien bleiben wahr­schein­lich auch Schweden und Tsche­chien außen vor. Die Euro-Zone streitet noch über Inhalt und Form des Vertrags.  Handelsblatt , 28.12.2011. • Schweden und Tschechen meldeten Vorbehalte an, Großbritannien bleibt auf jeden Fall außen vor • da es den Briten nicht gefällt, dass die Euro-Zone nun ohne ihre Beteiligung einen neuen Vertrag schließen will, mühen sie sich, das Projekt zu torpedieren • sie wollten der Verhandlungsrunde noch nicht einmal einen Raum zugestehen: dieser Vertrag könne nicht in einem EU-Gebäude verhandelt werden • die Verhandlungsrunde will sich spätestens am 20. Januar auf einen unterschriftsreifen Vertragsentwurf verständigen • bis auf die (schon beschlossenen) 2 Kernpunkte gibt es noch viel Kritik an der vorliegenden Vertragsversion • 1) das Haushaltsdefizit eines Euro-Staates darf den Referenzwert von 0,5% des nominalen Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten • 2) sobald das Haushaltsdefizit eines Euro-Staates den EU-Grenzwert von 3% vom BIP überschreitet, wird automatisch ein EU-Strafverfahren gegen ihn eröffnet • gültig wird der Vertrag erst, wenn die nationalen Parlamente ihn ratifiziert haben • in Irland könnte auch noch eine Volksabstimmung nötig werden • Deutschland will den politischen Druck aufrechterhalten: „Wer den ESM haben will, muss den Fiskalpakt ratifiziert haben.” • dagegen regt sich besonders in Italien bereits Widerstand • Frankreich ist mit den neuen Vorschriften zur Haushaltsdisziplin noch nicht zufrieden: es will auch mehr Einheit in der Wirtschafts- und Sozialpolitik • die Süeuropäer wollen Wirtschaftwachstum und sozialen Zusammenhalt als Ziele im Vertrag • dagegen wolle Polen den neuen EU-Vertrag so schlank wie möglich gestalten • zum Ratifizierungskriterium („9 Staaten”) meint der Europaparlamentarier Elmar Brok: er Vertrag dürfe erst dann wirksam werden, wenn alle 17 Euro-Staaten ihn ratifiziert hätten • Europaparlament und EU-Kommission: spätestens 2020 müsse überprüft werden, ob der neue Vertrag in den für alle gültigen EU-Vertrag von Lissabon integriert werden könne
[HTML] Schuldenkrise: Ifo-Chef Sinn fürchtet "größere Eruptionen" beim Euro. Hans-Werner Sinn, Präsi­dent des Ifo-Insti­tuts, sieht den Euro in einer existen­ziellen Krise. Das könne auch politi­sche Folgen haben. WELT ONLINE, 28.12.2011. • Sinn rechnet nicht mit einer schnellen Lösung der Schulden­krise: „Es kann sein, dass im näch­sten Jahr größere Erup­tionen statt­finden” • er wage gar nicht, sich die politi­schen Folgen auszu­malen • diejenigen Länder, die mit billigen Krediten infla­tionär über­hitzt worden sind, „hängen da jetzt mit viel zu hohen Löhnen und Preisen, haben ihre Wettbe­werbs­fähig­keit verloren, riesige Außen­handels­defizite, die finan­ziert werden müssen” • „Um wieder ins Lot zu kommen, müssten sie jetzt billiger werden oder wir müssten teurer werden. Wir wollen aber nicht inflatio­nieren und die wollen nicht deflatio­nieren.” • den Ankauf südli­cher Staats­anleihen durch nörd­liche Länder hält er für „eine Schein­lösung, die im Moment Ruhe schafft und auf Dauer unseren Kindern die Rück­zahlungs­lasten aufer­legt.”
[HTML] O.N. Hishow: Standpunkt: Schuldenbremsen in der EU: Lösen sie die Schuldenkrise?[wichtig!] In einem weiteren Versuch, das Über­schul­dungs­problem in zahl­reichen Euro-Ländern in den Griff zu bekommen, wurde beim EU-Gipfel Anfang Dezember auch die Einfü­hrung einer Schulden­bremse verein­bart. Der Ökonom Ognian N. Hishow (SWP) erläu­tert in einem Stand­punkt auf EurActiv.de, was genau ein solcher defi­zitpo­liti­scher Mecha­nismus ist und stellt die wesent­lichen Schwä­chen der deut­schen Schulden­bremse dar. €urActiv.de, 28.12.2011. • Dr. Ognian N. Hishow (Stif­tung Wissen­schaft und Politik Berlin, SWP) ist Senior Research Associate an der Forschungs­gruppe EU-Inte­gration • am 8. und 9. Dezember wurden beim EU-Gipfel „Regeln für einen ausgegli­chenen Haus­halt durch jeden Mitglieds­staat der Euro­zone, welche die Ziele und Anforde­rungen des Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakts in die natio­nale Gesetz­gebung über­tragen, auf Ebene der Verfas­sung oder auf einer gleich­wertigen Ebene aufzu­nehmen” verein­bart • dahinter verbirgt sich ein defi­zitpo­liti­scher Mecha­nismus wie die 2009 in die Verfas­sung der Bundes­repu­blik aufge­nommene deut­sche Schulden­bremse • sie ist eine „automa­tisch” bestimmte Ober­grenze für das öffent­liche Haus­halts­defizit in einem gege­benen Haus­halts­jahr • konse­quent ange­wandte Schulden­bremsen können eine nach­haltige Finanz­politik herbei­führen • Schulden­bremsen arbeiten konjunk­turab­hängig und erlauben daher in Rezes­sions­phasen auch Haus­halts­defizite • dieses Instru­ment kann im Aufschwung Defi­zite aus der Abschwung­periode kompen­sieren • lang­fristig wird die Netto­neuver­schul­dung gering gehalten oder verschwindet ganz • sie ist der Drei­prozent­regel des Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakts (Maas­tricht) über­legen, die nämlich Haus­halts­defi­zite bis 3% des BIP auch im Aufschwung zulässt • die deut­sche Schulden­bremse lässt auch kleine struktu­relle Defi­zite zu, die nicht konjunk­turell bedingt sind • Spanien, Italien und Portugal kündigten die Einfüh­rung einer Schulden­bremse an oder über­legen sie • der poten­zielle Erfolg dieses Mecha­nismus kann nur mit Hilfe von Simu­lati­onen geschätzt werden • die deut­sche Schulden­bremse birgt die Gefahr, dass sie im Abschwung bzw. bei verhal­tenem Wachstum prozyk­lisch wirken könnte • Der Schulden­bremsen-Mecha­nismus verlangt, dass struktu­relle Defi­zite größer als 1% des BIP auf ein sogen. Ausgleichs­konto über­tragen werden • sie sind dann über eine gerin­gere Netto­kredit­aufnahme abzu­bauen • für die Rück­führung der struktu­rellen Mehraus­gaben müssen zusätz­liche fiska­lische Einschnitte gemacht werden, die dann prozyk­lisch wirken können • nach den Erfah­rungen im Beispiel­jahr 2009 würde die Bremse massive fiska­lische Konso­lidie­rungs­anstren­gungen erfor­derlich machen • Budget­konso­lidie­rungen sind aber in Zeiten schwa­chen Wachstums und stei­gender Arbeits­losig­keit poli­tisch beson­ders schwierig • dies sind die wesent­lichen Schwä­chen der deut­schen Schulden­bremse: • 1. ihre mathema­tische Formel ist sehr komplex • 2. rasche Über­nahme der deut­schen Schulden­bremse ist nur in Mitglieds­staaten mit geringen struktu­rellen Defi­ziten sinn­voll • 3. die deut­sche Schulden­bremse dürfte in Peri­oden mäßigen Wachs­tums erheb­liche Konso­lidie­rungs­anstren­gungen erzwingen • die Schulden­bremse bewirkt u.U. eine Schwä­chung der Gesamt­nach­frage und damit des Wachs­tumsjede einge­sparte Defi­zitmil­liarde würde (je nach Einkom­mens­multi­plikator des Mitglieds­staats) 2 bis 2,5 Milli­arden an BIP-Verlust bedeuten, der wiederum Minder­einnahmen bedeuten würde — ein Teufels­kreis • 4. öffent­liche Schulden­bremsen sind nicht geeignet, plötz­liche Verschul­dungs­schübe (z. B. aus einer Krise in syste­misch wich­tigen Sektoren) zu verhin­dern • eine allge­meine Schulden­bremse hätte nicht den Schul­denan­stieg ab 2009 verhin­dern können • es muss betont werden, dass die (deut­sche) Schulden­bremse nicht geeignet ist, die über­schul­deten Mitglieds­staaten auf einen fiska­lischen Nach­haltig­keits­pfad zu angemes­senen volks­wirt­schaft­lichen Kosten zu führen • solange der Schulden­dienst in Prozent des BIP die Summe aus BIP-Wachs­tums­rate in Prozent und den Primär­über­schüssen in Prozent des BIP über­schreitet, ist die Wirkung der Schuldenbremse kontraproduktiv • bei schwa­chem Wachstum ist der Haus­halt — wie z.B. in Grie­chen­land, Irland und Portugal — im Defizit und kann nicht mit Über­schüssen abschließen • würden diese Länder eine Schulden­bremse jetzt implemen­tieren, müssten sie Defi­zitkür­zungen erzielen, welche die Leis­tungs­kraft ihrer Wirt­schaft bei weitem über­fordern würde (Defi­zitkür­zungen bis zu 8% ihres BIP) • befür­wortet wird statt­dessen a) für Länder mit Stabi­litäts­kultur: Rück­lagen bilden; b) für andere Länder: Schulden­bremsen — nach einer langen Über­gangs­phase • diese Länder sollten auch nach und nach von den ständig stabilen Ländern wie Schweden, Finn­land, Däne­mark und fast allen neuen Mitglieds­staaten (ausge­nommen Ungarn) lernen
[HTML] Schuldenkrise: Droht Europa der totale Kollaps?[!] www.ce.cn, 28.12.2011. • Ein Ende ist der nun schon fast 2 Jahre dauernden Schulden­krise in Europa ist noch immer nicht absehbar • die EZB musste im großen Stil Staats­anleihen Italiens und Spaniens kaufen • 15 Länder der Europä­ischen Union müssen mit einer Herab­stufung ihrer Bonität rechnen • die Wurzel liegt darin, dass Europa eine einheit­liche Währung, nicht aber eine einheit­liche Finanz­politik hat • hinzu kommt noch die mangel­hafte Finanz­aufsicht einiger Länder
• der fran­zösi­sche Ökonom Charles Gave sieht eine ganz andere Ursache: „Wir müssen nicht die Schulden­krise bekämpfen. Es gibt eigent­lich gar keine Schulden­krise. Wir müssen nur die wirt­schaft­liche Wettbe­werbs­fähig­keit einiger Länder verbes­sern. Die Wirt­schaft dieser Länder kann wegen ihrer fehlenden Konkur­renz­fähig­keit nicht wachsen. Als die Steu­erein­nahmen zurück­gingen, mussten diese Länder Schulden schreiben. Auf diese Weise kam es zu diesem Schulden­problem.”
• bei einem Zusam­menbruch der Euro­zone würde der Inte­grati­onspro­zess in Europa zum totalen Still­stand kommen • Yves-Thibault de Silguy (ehema­liger EU-Kom­missar für Wirt­schafts- und Währungs­ange­legen­heiten): „Meiner Meinung nach gibt es im Moment zwei Heraus­forde­rungen: (…) Die Finanz- und Wirt­schafts­politik aller EU-Mit­glieder muss noch besser koordi­niert werden. Jede Regie­rung muss ihrer Verant­wortung nach­kommen. (…) Im inter­natio­nalen Handel müssen wir noch vermehrter den Euro benutzen.” • auf ihrem Gipfel Anfang Dezember haben sich die EU-Regie­rungen auf eine einheit­liche Bekämp­fung der Schulden­krise mit gemein­samen Schuld­scheinen und lockerer Währungs­politik geei­nigt • mittel- und lang­fristig wollen sie einen „Finanz­vertrag” unter­zeichnen • daraus soll später eine echte Finanz­union entstehen • die Errich­tung einer Finanz­union ist jedoch bei den unter­schied­lichen Inter­essen äußerst unwahr­schein­lich • kommt der „Finanz­vertrag” nicht bis März zustande, droht der Zusammen­bruch der Euro­zone
[HTML] Z. Darvas: A tale of three countries: recovery after banking crises.[wichtig!] Three small, open Euro­pean econo­mies — Iceland, Ireland and Latvia — experi­enced serious trouble during the global finan­cial crisis. Behind their problems were rapid credit growth and expan­sion of other banking acti­vities in the years leading up to the crisis, largely financed by inter­national borrowing. The crisis hit Latvia harder than any other country, and Ireland also suffered heavily, while Iceland exited the crisis with the smal­lest fall in employ­ment, despite the greatest shock to the finan­cial system. bruegel, 29.12.2011. • … Schluss­folge­rungen: • alle 3 erfuhren vor der Krise ähnliche Entwick­lungen: vor allem eine schnelle Auswei­tung der Bankbi­lanzen und Expan­sion des Bauge­werbes • aber es traf sie unter­schied­lich • Lett­land war das welt­weit am härte­sten getrof­fene Land bezüg­lich Einbrechen des BIP • die Beschäf­tigung litt auch massiv (-17%) — mehr als in jedem anderen Euro­stat-Land • das gegen­wärtige Beschäf­tigungs­niveau ist nur etwas oberhalb des Niveaus in 2000 • das ohnehin schon hohe Armuts­niveau stieg noch weiter • Irland war das am fünft-schwer­sten betrof­fene Land bezüg­lich seines BIP von 2007 bis 2010 (-10%) • Island, das am siebt-schwer­sten betrof­fene Land bezüg­lich des BIP-Rück­gangs (-9%), aber mit dem gering­sten Sinken der Beschäf­tigung unter den 3 Ländern, obwohl es den größten Schock ihres Finanz­systems zu erleiden hatte • am Ende der Krise gibt es ermuti­gende Signale für alle 3 Länder: • die Erho­lung hat in allen Dreien einge­setzt (am stärk­sten in Lett­land) — obwohl sie noch nicht viele neue Jobs mit sich gebracht hat • in allen 3 Ländern steigen die Exporte, wiederum am stäk­sten in Lett­land, wo die Exporte in der 1. Phase der Krise am meisten einge­brochen waren • die reale effek­tive Austausch­rate wurde in allen 3 Ländern signi­fikant abge­wertet • die verschie­denen Ziele fiska­lischer oder struktu­reller Art oder im Banken­sektor liegen bei allen wieder in der Spur • es war ein großer Erfolg, dass Island wie Lett­land im Juni 2011 den inter­natio­nalen Bond-Markt anzapfen konnten und ihre 5-Jahres-CDS-Spreads gesunken sind • ein Erfolg ist auch, dass irische CDS-Spreads von ihrem Spitzen­wert im Juni 2011 bis zum November gefallen sind — trotz der sich verstär­kenden Euro-Schulden- und Banken-Krise • dazu gehört auch das Einschießen privaten Kapi­tals in die Bank of Ireland • in der Krise gab es aber auch einige länder­spezi­fische Elemente: • in Island gab es keine andere Wahl, als Banken pleite gehen und die Währung abwerten zu lassen • in Irland durften keine Banken pleite gehen, aber die Regie­rung über­nahm die meisten Bank­verluste — jenseits von Kapi­talver­nich­tung und der Einbe­ziehung der Halter von Banken-Bonds, welche Verluste von unge­fähr 10% des BIP erlitten • Lett­land konnte seinen Wechsel­kurs zum Euro halten • da etwa 60% der Bankpa­piere Toch­terge­sell­schaften auslän­discher Banken gehörten, wurde wohl ein bedeu­tender Anteil der Bankver­luste von deren Mutter­orga­nisa­tionen getragen • die Einspa­rungen im Haus­halt waren in Lett­land am radi­kalsten • die Wirkung jedes einzelnen Elements im Politik-Mix auf die Krisen­antwort und die Erho­lungsge­schwin­digkeit kann nicht zuge­ordnet werden, aber es können einige Erkennt­nisse gewonnen werden: • das islän­dische Beispiel der Nachwir­kungen des Wechsel­kurs-Zusam­men­bruchs zeigt, dass die Befürch­tungen letti­scher Poli­tiker, einen ähnli­chen Zusam­men­bruch zu erleiden, unbe­gründet waren • Island hatte weit höhere Brutto- und Netto-Auslands­schulden als Lett­land, und der Schock in Island war wirk­lich enorm • der Banken­sektor in Island erlebte eine Kern­schmelze, und auslän­dische Banken­gläu­biger erlitten massive Verluste • dennoch waren die Auswir­kungen in Island weitaus milder als in Lett­land • interne Abwer­tung — ein Weg, den Irland gehen musste und den Lett­land frei­willig ging, funktio­nierte nicht wirk­lich zusammen mit Lohnkür­zungen • in Lett­land waren die Lohnkür­zungen im öffent­lichen Sektor dras­tisch (-26%), aber nicht nennens­wert im privaten Sektor • in Irland fielen die Löhne etwas, aber ihr Beitrag zur Senkung der Lohn­stück­kosten war auch sehr gering • gleich­zeitig schnellte die Arbeits­losig­keit in beiden Ländern in die Höhe • hier wäre es besser gewesen, eine Anpas­sung durch nied­tigere Löhne statt durch Entlas­sungen vorzu­nehmen • die deut­lichen Produk­tivi­täts­steige­rungen in beiden Ländern waren das Resultat eines signifi­kanten Produk­tions­rück­gangs bei gleich­zeitigem noch signifi­kanterem Rück­gang der Beschäf­tigung • die Erfah­rung mit dem Kollaps des gigan­tischen islän­dischen Banken­systems legt nahe, dass das Fallen­lassen von Banken mit einem falsch gelau­fenen Geschäfts­modell die rich­tige Entschei­dung sein kann • Irland dagegen ließ seine Banken nicht fallen, soziali­sierte einen Großteil von deren Verlusten, und beschenkte damit andere Länder • das hat deut­lich zur Explo­sion der irischen Staats­schulden beige­tragen • das Errei­chen der Programm­ziele in fiska­lischer Anpas­sung und struktu­rellen Reformen legt nahe, dass iimer wenn ein Programm gut entworfen und der poli­tische Wille, öffent­liche Unter­stüt­zung und ausrei­chend effek­tive Insti­tuti­onen vorhanden sind, sehr grroße Anpas­sungen möglich sind • dies könnte auch eine Lektion für die südeu­ropä­ischen Länder sein
[HTML] Schuldenkrise: Wirtschaftsweise hält Euro-Ende 2012 für möglich. Ange­sichts der Span­nungen im Euro-Raum will Beatrice Weder di Mauro ein Ausein­ander­brechen der Euro-Zone nicht mehr ausschließen. WELT ONLINE, 29.12.2011. • Beatrice Weder di Mauro (Mitglied im Sach­verstän­digenrat): ein Ausein­ander­brechen des Euro „wäre für alle Betei­ligten schlimm — aber nicht mehr ganz auszu­schließen.” • die Politik versuche seit fast 2 Jahren, die Krise durch „Brand­schutz­mauern” einzu­dämmen, und das reiche immer noch nicht aus • die Kosten seien unkalku­lierbar • zur Rettung schlug sie einen 3-Klang vor: • „Über­schul­dete Euro-Staaten müssen sich lang­fristig einer Insol­venz­regel unter­werfen. Die anderen müssen sich verpflichten, die Schulden abzu­bauen und die Staats­haus­halte zu sanieren” • die Schulden­quoten müssten „mit einem Schul­dentil­gungs­pakt in 20 Jahren übe­rall unter 60% fallen” • die Zinsen müssten kurz­fristig durch gegen­seitige Garan­tien auf ein realis­tisches Niveau gedrückt werden • die deut­sche Wirt­schaft werde 2012 nur noch um rund 0,4% wachsen, und das nur, wenn die Regie­rungs­chefs die Krise schnell in den Griff bekommen • „Sollte die Krise aber zu Null­wachstum im Welt­handel führen, ist auch ein Schrumpfen der Wirt­schaft um 0,5% möglich.” • derzeit geht der Sach­verstän­digenrat von einer Steige­rung des BIPs um 0,5% im kommenden Jahr aus — das Wachstum also nur etwa halb so stark aus wie noch im November vorher­gesagt • aber solange die Schulden­krise nicht eska­liert, rechnen Bran­chenver­bände, Regie­rung und die meisten Experten nicht mit einer Rezes­sion
[HTML] Italien strampelt vergeblich gegen Sog der Euro-Krise. REUTERS DEUTSCHLAND, 29.12.2011
[HTML] fdi/Reuters: Negative Zinsen für neue Schulden: Investoren schenken Dänemark Geld. Italien dürfte neidisch nach Däne­mark blicken: Inves­toren haben dem Nicht-Euro-Mitglied frisches Geld geliehen — und wollen nur einen Teil zurück. Selbst für das als sicherer Schuldner geltende Land war eine solche Anlei­heauk­tion einzig­artig: Der Zins war negativ. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 29.12.2011
[HTML] Schuldenkrise: Griechen wollen mit EU-Geld 150.000 Jobs schaffen. Die grie­chische Über­gangs­regie­rung will inner­halb der nächsten 3 Monate 150.000 neue Arbeits­plätze schaffen und die Sozial­leis­tungen stärken. Wie das Beschäf­tigungs­programm genau aussehen soll, ist unklar. Der größte Geld­geber hingegen steht schon fest. FAZ.NET, 29.12.2011
[HTML] D. Riedel, S. Afhüppe:Zukunft des Euro: Schäuble schließt ein Zerbrechen der Euro-Zone aus. Bundes­finanz­minister Schäuble rechnet damit, dass die Euro-Länder die Schulden­krise im kommenden Jahr in den Griff kriegen. Eine Signal­wirkung habe dabei die schnelle Kapi­talaus­stat­tung des Euro-Rettungs­fonds ESM.  Handelsblatt , 30.12.2011
[HTML] Schäuble: "Perspektive einer echten Stabilitätsunion". Der Euro habe sich bewährt, sagt Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble in einem Inter­view im Handels­blatt. Er sei eine stabile Währung, nach innen und nach außen.     Die Bundesregierung, 30.12.2011
[HTML] Schuldenkrise: Durststrecke für den Euro und kein Ende absehbar. Die Gemein­schafts­währung ist seit Beginn der Schulden­krise um zehn Prozent gefallen. Die Aussichten für das nächste Jahr sind trübe: Weiten Teilen Europas droht eine Rezes­sion. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 30.12.2011. • Nach 2 Jahren Euro-Krise hat der Euro rund 10% seines Werts gegen­über dem Dollar einge­büßt
[HTML] Euro verbucht 2011 trotz Schuldenkrise nur kleines Minus. REUTERS DEUTSCHLAND, 30.12.2011. • Der Euro hat 2011 ein Minus von gut 3% verzeichnet und damit das zweite Jahr in Folge einen Verlust
[HTML] ac/a/m: Globale Märkte — Schuldenkrise erfasst nun auch Realwirtschaft. AKTIEN √ CHECK, 30.12.2011. • Peter Brezin­schek (Chef­analyst der Raiff­eisen Bank Inter­nati­onal AG RBI): „Seit Mai 2010 jagt ein Schulden­gipfel den anderen, mit dem Ziel die immer mehr Euro­zone-Staaten erfas­sende Schulden­krise zu stoppen. Doch eine klare Lösung für das Problem fehlt nach wie vor — und das spie­gelt sich eindeutig auf den globalen Märkten wider” • das 1. Quartal 2012 müsse eine Beschleu­nigung des Krisen­manage­ments in Rich­tung Verfas­sungs­ände­rung bringen • eine Schlüs­selrolle falle aber auch der Entwick­lung und Sanie­rung Italiens zu • Helge Rech­berger (Leiter der RBI-Aktien­markt­analyse) erwartet daher, dass vor allem die Aktien­märkte in den ersten Monaten 2012 von fallenden Kursen geprägt sein würden • die Turbul­enzen auf den Finanz­märkten sowie die politi­schen Querelen auf gesamt­europä­ischer Ebene hätten nunmehr die Real­wirt­schaft erreicht: vor allem deut­liche Zurück­haltung der Unter­nehmen bei Neuin­vesti­tionen und sich eintrü­bende Exportaus­sichten • Brezin­schek rechnet mit einer spür­baren Rezes­sion bis Jahres­mitte 2012 • für die Euro­zone wird ein BIP-Rück­gang von -1,0% erwartet, bei einer Infla­tions­rate von 3% • Preis­treiber seien dabei die Bereiche Energie, Nahrungs­mittel, Trans­port, Wohnen, usw. • es wird aber ein rasches Abebben des Preisauf­triebs aus den Energie­kosten erwartet • die Lohn­entwick­lung erscheine nicht als Kosten­treiber, aber Steuer­erhö­hungen werden das Preis­niveau heben • die nega­tiven Real­zinsen in der Euro­zone und den USA würden beibe­halten
[HTML] A. Kühnlenz: Schuldenkrise: Athens Gläubigern droht noch mehr Verlust. Gleich zu Jahres­beginn könnte sich die Schulden­krise in Europa verschärfen: Denn offenbar drängt Grie­chen­lands Regie­rung Banken und Versi­cherer dazu, auf weitere Forde­rungen zu verzichten. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 01.01.2012
[HTML] F. Bremser: Schuldenkrise: Für griechische Notenbank wäre Euro-Austritt die "Hölle". Das Land kämpft gegen die Pleite. Eine Rück­kehr zur Drachme hätte aus Sicht des Zentral­bank­chefs kata­stro­phale Folgen. Die kommenden 3 Monate bezeichnet Minis­terprä­sident Papa­demos als entschei­dend für die Zukunft Grie­chen­lands. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 02.01.2012
[HTML] Kampf gegen die Schuldenkrise: Griechenland klagt hochrangigen Finanzbeamten an. Das südeu­ropä­ische Land geht gegen einen Mitar­beiter des Finanz­minis­teriums vor. Er muss sich vor Gericht veran­tworten, weil Geld­bußen nicht einge­trieben wurden. Der Beamte macht die Technik verant­wort­lich. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 03.01.2012
[HTML] rtr: Schuldenkrise: Forscher fordern Garantien für Staatsanleihen.[!] Wirt­schafts­forscher fordern deutli­chere Vertrau­enssig­nale der Politik in die Zahlungs­fähig­keit der Euro­länder. Dafür solle es Garan­tien für die Staats­anleihen aller Euro­länder geben, rät das IMK.  Handelsblatt , 03.01.2012. • Forscher des IMK-Insti­tuts: die Finanz­märkte erwarten Vertrauen-schaf­fende Signale • „Die Zeit drängt, da immer mehr Länder von der Krise erfasst werden, für die der Rettungs­schirm nicht groß genug ist” • die EZB müsse sich stärker beim Kauf von Staats­anleihen auf den Sekundär­märkten enga­gieren • Politik und EZB müssen deut­lich machen, dass sie selbst keine Zweifel an der Zahlungs­fähig­keit aller Euro­­länder haben • dazu müssen sie „in irgend­einer Form eine Garantie für die ausste­henden Staats­anleihen geben.” • das könnte durch Euro­bonds geschehen, oder durch den von den Wirt­schafts­weisen vorgeschlagenen Schildentigungsfonds, der alle Staatsschulden oberhalb von 60 der Wirtschaftskraft gemeinschaftlich garantiert und einzelstaatlich abgetragen wird • den Euroländern mit hohen Leis­tungs­bilanz­über­schüssen — die Nieder­lande, Finn­land, Öster­reich und Deutsch­land — empfiehlt das IMK, nicht gleich­zeitig mit den Krisen­staaten zu sparen, sondern entge­genge­setzt die Konjunktur mit mehr Investitionen zu stabilisieren • das IMK schlägt auch die Grün­dung eines Europä­ischen Währungs­fonds vor • der ESM könne Kern einer solchen Insti­tution sein • ohne eine sank­tions­bewehrte Kontrolle der Leis­tungs­bilanzen gebe es nur 2 Alter­nativen: eine Transfer­union — oder die Währungs­gemein­schaft zerbricht • sie erwarten für Deutsch­land 2012 einen Rück­gang der Wirt­schafts­kraft um 0,1% und für die Euro-Zone eine Rezes­sion mit -0,6%
[HTML] mik/Reuters: Schuldenkrise: Ökonom Horn fordert reiche Euro-Staaten zum Verzicht auf.[wichtig!] Deutsch­land stehen harte Zeiten bevor: Die Schulden­krise schlägt laut einer Prognose des IMK-Insti­tuts 2012 auf die Konjunktur durch, zudem belastet das mise­rable Mana­gement in der Euro-Krise. Die Forscher warnen: Die Währung kann nur noch durch ein Umdenken der export­starken Länder gerettet werden. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 03.01.2012. • Gustav Horn (Direktor des Insti­tuts für Makroöko­nomie und Konjunk­turfor­schung, IMK) zum Jahr 2012: „Ein Durch­wursch­teln, wie es die Politik bislang betrieben hat, wird es nicht geben” • ohne klare Signale für die Märkte würden die Risi­kozu­schläge für neue Kredite auch im Prinzip starke Volks­wirt­schaften wie Italien in den Ruin treiben • wichtig sei es auch, jene Struk­turen zu ändern, die erst zu der Schief­lage geführt hätten • die Über­schul­dung Grie­chen­lands sei nur Auslöser gewesen • „Die Krise, die wir jetzt haben, ist im Ursprung eine Leis­tungs­bilanz­krise inner­halb des Euro-Raums” • Mitglieder wie Grie­chen­land hätten sich privat wie öffent­lich über Jahre hinweg bei ihren Partnern verschuldetDeutsch­lands Über­schüsse basierten auf den Schulden dieser Länder • die Politik dagegen habe die Gefahr der wirt­schaft­lichen Ungleich­gewichte im Währungs­gebiet lange igno­riert • Staaten wie Deutsch­land müssten ihre Leis­tungs­bilanz­über­schüsse redu­zieren • Horn zum jüng­sten EU-Gipfel: „Das Verhand­lungser­gebnis, das man da jetzt als Erfolg verkauft, ist aus meiner Sicht ein intel­lektu­eller Bank­rott” • statt dass alle Länder sparten, müsse es für die wirt­schaft­lich starken Staaten des Euro-Raums einen Kurs des kontrol­lierten Schulden­machens geben: • z.B. in Deutsch­land sollten Bund, Länder und Gemeinden schon in diesem Jahr die Inves­titi­onen in Bildung, Forschung, Kinderbe­treuung sowie Infra­struktur ausweiten • die verfas­sungs­recht­lich veran­kerte Schulden­bremse lasse dafür noch Spiel­raum • um die Leis­tungsbi­lanzen der Euro-Länder in Zukunft näher beiein­ander zu halten, schlägt Horn die Grün­dung eines Europä­ischen Währungs­fonds (EWF) vor, dessen Kern der dauer­hafte Rettungs­schirm ESM sein könne • unab­hängig von weiteren Verhand­lungs­ergeb­nissen werden die Folgen der Krise auf die Konjunktur durch­schlagen • Deutsch­land gehe „schwie­rigen Zeiten entge­gen” • die Prognose des IMK für das BIP bleibt bei einer Schrump­fung um 0,1% • nach einem Risi­kosze­nario des IMK könnte das Wachstum in Deutsch­land ohne Stabi­lisie­rung des Euro sogar -1,5% betragen • „An der Euro-Stabi­lisie­rung entscheidet sich alles
[HTML] P. Faigle: Schuldenkrise: Absturz jederzeit möglich. Auch wenn die Schulden­krise im Moment aus den Schlag­zeilen verschwunden ist: Europas Probleme sind noch lange nicht gelöst. ZEIT ONLINE, 04.01.2012.
[HTML] Wie flüssig ist Europa? Wall Street mit gebremster Kraft. Die US-Börsen präsen­tieren sich leichter. Händler führen die Kursab­schläge unter anderem auf Gewinn­mitnahmen nach dem guten Jahres­auftakt zurück. Zudem rückt die europä­ische Schulden­krise wieder in den Fokus der Anleger. n-tv, 04.01.2012
[HTML] B. Losse, M. Fischer, K. Handschuch, A. Kunz: Streitgespräch mit Prof. P. Bofinger, Prof. H.-J. Voth, S. Schilbe, M. Hüther: Rückkehr zur D-Mark? "Au weia".[wichtig!] Im Kampf um den Euro lässt die Sparpo­litik der Staaten das Wachstum sinken und eine neue Banken­krise bedroht die Real­wirt­schaft. Vier renom­mierte Ökonomen im Disput über Konjunktur, Krisen­inter­vention und Europa. wiwo.de, 05.01.2012.
Werden es Europas Staats- und Regierungschefs schaffen, den Euro zu retten? • Schilbe: die Richtung stimmt zwar, aber ich bezweifle, dass die geplanten Sanktionsmechanismen ohne politische Tricksereien umgesetzt werden, und ich erwarte, dass die Anleiherenditen vorerst auf hohem Niveau bleiben und es weiter Herabstufungen gibt • Bofinger: wir müssen 1. die Finanzmärkte stabilisieren und 2. eine konjunkturelle Abwärtsspirale verhindern — für beides nutzt das Maßnahmenpaket der Politik nichts, weil es erst langfristig wirkt • Hüther: die Brüsseler Beschlüsse sind ein starkes Signal, aber die Haushalts­konsolidierung und die Restrukturierung ganzer Volkswirtschaften brauchen Zeit • Voth: es war eine Todsünde der Politik zu glauben, man könne einen juristisch-formalen Prozess an die Stelle einer politischen Union setzen • Schilbe: wie will denn die Politik ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangen? — es dürfte auch jetzt mannigfaltige Schlupflöcher geben, Sanktionen zu umgehen • Voth: mich stört die politische Fokussierung aufs Sparen: so werden wir sehen, wie massive Ausgabenkürzungen die Volkswirtschaften schrumpfen lassen
sanktioniert nicht der Markt unsolide Haushaltspolitik mit höheren Risikoprämien? • Bofinger: das ist Theorie — in der Realität wird in einem Jahr bei einer Defizitprognose von 3,1% ein Risikozuschlag von 1,5% verlangt, im anderen Jahr bei einer Defizitprognose von 1,6% das Dreifache • Hüther: aber Sparen ist doch nichts Unanständiges • Bofinger: mit Sparorgien treiben wir die Konjunktur nur in einen Abwärtsstrudel — während eines schweren Abschwungs darf man kein Sparprogramm auflegen, das ist kontraproduktiv, was Italien da macht • Hüther: die Finanzmärkte haben heute eine schuldenintolerantere Sichtweise auf staatliche Finanzpolitik • Schilbe: nur eine Institution kann die Finanzmärkte beeindrucken und das Zinsniveau für Staatsanleihen dauerhaft senken: die EZB — sie müsste zeitlich begrenzt eine Art Ankaufgarantie für Staatsanleihen geben • Bofinger: ich schlage vor, die EZB legt für die Langfristzinsen Italiens und Spaniens eine Obergrenze von 4% bis 5% fest, dann dürften viele Banken ihre Staatspapiere lieber behalten
wenn die EZB Staatsschulden monetisiert, sinkt nicht der Anreiz für solide Haushaltspolitik und steigt nicht die Inflationsgefahr? • Bofinger: fliegt uns die Währungsunion um die Ohren, ist das für den Steuerzahler die teuerste Lösung — während das größte Interesse des Steuerzahlers eine wirtschaftlich stabile Euro-Zone sein sollte • Voth: langfristig wird die Inflation steigen, weil die Staaten so ihre Schulden über negative Realzinsen entwerten können (wie jetzt schon in Großbritannien) • Hüther: ich glaube, dass die EZB das Inflationsproblem beherrschen kann, aber die Lage wird sich nur entspannen, wenn die Märkte auf die Standfestigkeit der Politik vertrauen können • Voth: eine Zwangskapitalisierung aller systemrelevanten Banken durch den Staat würde signalisieren: die Banken fallen nicht — dadurch versiegte auch der Kreditfluss nicht • Schilbe: auch gesunde Banken unter staatliche Kuratel zu zwingen, wäre eine elementare Marktverzerrung • Voth: mit den verschärften Eigenkapitalvorschriften ab 2012 werden wir in Europa die Lage der Banken noch aktiv verschlechtern — ein gigantisches ökonomisches Eigentor!
sollte die Bundesregierung bei ihrer Ablehnung von Euro-Bonds bleiben? • Hüther: wenn es Euro-Bonds erst einmal gibt, kriegen Sie die nie wieder weg — Sie schaffen damit einen dauerhaften Fehlanreiz • Bofinger: ohne die Einführung von Euro-Bonds ist es für die EZB sehr schwierig, wieder aus dem Ankauf von Staatsanleihen auszusteigen — mit Euro-Bonds verschwindet das Risiko der individuellen Insolvenz einzelner Länder, es sollten aber gleichzeitig wirksame Fiskalregeln in der Euro-Zone etabliert werden • Schilbe: Deutschland muss dann für schwachbrüstige Staaten mithaften und dafür deutlich höhere Zinsen zahlen • Bofinger: die jetzigen Zinsen sind eine Enteignung der deutschen Sparer — wenn der Zins deutscher Staatsanleihen wieder auf ein normales Niveau steigt, profitieren davon die Anleger
können die Krisenstaaten die Wende nicht auch allein durch politische Reformen schaffen? • Schilbe: das war ein zentraler Baustein der Iren, die ihre Lohnstückkosten substanziell gesenkt haben und nun hohe Leistungsbilanzüberschüsse vorweisen können • Voth: das Modell der Iren wird in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland nicht funktionieren, das hieße in Spanien: Löhne und Preise um 20% zu senken — undenkbar • Hüther: man könnte die Zuwachsraten der Lohnstückkosten stabil halten und diese über höhere Produktivität senken • Voth: das dauert zu lange
heißt das, dass wir 2012 erste Austritte aus der Währungsunion erleben? • Hüther: nein — wer austritt, bekommt eine Schwachwährung und einen heftigen Inflationsimpuls, und außerdem zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte, dass Abwertungen relativ schnell durch steigende Löhne kompensiert werden • Bofinger: ich teile nicht die Meinung vieler Euro-Kritiker, eine Kernunion der Starken könnte die Probleme lösen • Hüther: ein Austritt der Griechen ist auch aus Sicht der deutschen Wirtschaft nicht wünschenswert, da er die Exportunternehmen belasten würde, Kollateralschäden für die Realwirtschaft hinzu kämen und in Spanien oder Portugal Dominoeffekte entstünden
oder sollte umgekehrt nicht Deutschland austreten? • Bofinger: eine neue D-Mark würde sofort um 30% bis 40% aufwerten und die Exporte abstürzen lassen — wir bekämen Deflation • Schilbe: wir bekämen auch einen Schock auf dem Arbeitsmarkt
gerät das deutsche Wachstumsmodell — mithilfe unterdurchschnittlich steigender Lohnstückkosten Exportüberschüsse zu generieren — angesichts der Krise unter Druck? • Voth: mit dem deutschen Dauerüberschuss im Export schicken wir ständig hochwertige Waren in die Welt und kriegen dafür wertloses Papier • Hüther: unsere industriebasierten Exporterfolge haben den Jobboom im Inland doch erst möglich gemacht • Bofinger: unsere Üerschüsse sind durch die Schulden der anderen finanziert worden, weil wir im Inland zu wenig investieren und konsumieren • Schilbe: die EZB wird in den nächsten Jahren aufgrund deflationärer Tendenzen in den Peripheriestaaten einen zu niedrigen Zins für Deutschland festlegen, sodass es mittelfristig zu höheren Inflationsraten in Deutschland und somit zu sinkender Wettbewerbsfähigkeit kommt
bleibt die deutsche Wirtschaft auch 2012 unbeeindruckt von der Krise des Euro-Systems? • Hüther: 2012 wird kein erfreuliches Jahr, aber eine Kreditklemme sehe ich in Deutschland auch nicht • Schilbe: auf europäischer Ebene zeigen die gängigen Indikatoren für das 3. Quartal eine deutliche Verschärfung an — Finanzierungsprobleme in anderen Ländern haben auch negative Folgen für deutsche Exporteure
gibt es den Euro in 5 Jahren noch? • Bofinger: bleibt die Bundesregierung bei ihrer Strategie, hat der Euro keine Zukunft • Hüther: ich gehe davon aus, dass die neuen Regierungen in Griechenland, Portugal, Italien und Spanien ihre Hausaufgaben machen — aber wir brauchen eine Parallelstrategie zur Wachstumsförderung • Voth: die Währungsunion wird es in 5 Jahren noch geben — aber nicht mehr mit allen jetzigen Mitgliedern — und nur Wachstum kann den Euro retten • Schilbe: wenn wir das nächste Jahr gut überstehen, dürften die Finanzmärkte wieder Ruhe geben
[HTML] Die Welt: Wirtschaft wächst noch mindestens zwei Jahre lang. DIW: Nur im ersten Halb­jahr 2012 droht eine Delle. Euro-Krise könnte positive Prognose zu Maku­latur machen. Der deut­sche Export leidet derzeit unter der schwä­cheren globalen Konjunktur und unter der Lage in der Euro-Zone. WELT ONLINE, 05.01.2012
[HTML] Griechenland: Schuldenkrise: Papademos warnt vor unkontrollierter Staatspleite. Grie­chen­lands Regie­rungs­chef Lucas Papa­demos hat vor einer „unkon­trol­lierten Zahlungs­unfähig­keit” seines Landes im März gewarnt — und große Anstren­gungen ange­kündigt. >Augsburger Allgemeine, 05.01.2012
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Unicredit zieht Euro-Untergang ins Kalkül. Die italie­nische Bank führt in einer Liste von Zukunfts­risiken auch den Zerfall der Währungs­union auf. Und das in dem Prospekt, in dem sie für ihre Kapital­erhö­hung wirbt. Die schlechten Kondi­tionen für das Vorhaben schicken Finanz­titel in ganz Europa auf Talfahrt. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 05.01.2012. • Aus dem Pros­pekt der italie­nischen Bank Unicredit zu ihrer Kapital­erhö­hung: die Schulden­krise „könnte zur Wieder­einfüh­rung natio­naler Währungen in einem oder mehreren Euro-Staaten oder im schlimmsten Fall zur Abschaf­fung des Euro führen” • „Der Austritt eines oder mehrerer Staaten aus der Euro-Zone und/oder die Abschaffung des Euro könnte sehr nega­tive Folgen für die beste­henden Vertrags­bezie­hungen und die Erfül­lung von Verpflich­tungen der Unicredit haben.” • obwohl der Handel mit den Papieren mehr­fach unter­brochen wurde, fiel der Aktien­kurs der Bank am Donnerstag um 17% • für die gesamte Branche gilt: zahl­reiche Kredit­insti­tute müssen ihr Kapital erhöhen, um die neuen Eigen­kapi­talvor­schriften der Europä­ischen Banken­aufsicht EBA zu erfüllen • Unicredit ist die erste Groß­bank, die seit dem EBA-Stress­test versucht, sich frisches Kapital am Markt zu beschaffen • offenbar fürchten Unicredit und die mit der Kapital­erhö­hung beauf­tragten Konsor­tial­banken (die Bank of America und die italie­nische Medio­banca), die Papiere zu einem höheren Preis als 1,94 € pro Anteils­schein nicht loszu­werden • die EBA hatte der Deut­schen Bank einen Kapi­talbe­darf von 3,2 Mrd. Euro attes­tiert, aber diese will auf die Ausgabe neuer Aktien verzichten und die Lücke statt­dessen durch einen Verkauf großer Teile ihrer Vermö­gens­verwal­tung sowie durch Gewinn­rück­lagen schließen • die Über­nacht­einlagen der Geld­häuser bei der EZB haben ein neues Rekord­hoch von 453 Mrd. € erreicht • das gilt als Zeichen, dass die Banken einander nicht mehr über den Weg trauen • Torsten Gellert ( Devi­senhan­dels­haus FXCM): „Würden die Insti­tute sich unter­einander Geld leihen, könnten sie weit mehr als die 0,25 Prozent Zins erzielen, die die EZB zurzeit zahlt”
[HTML] rtr/dpa: Angst vor Crash der Euro-Zone: EZB-Banker warnt vor Euro-Rauswurf Griechenlands.[!] Das große Zittern um die Zukunft Grie­chen­lands schürt die Angst, dass am Ende die Euro-Zone zerbre­chen könnte. Inner­halb der EZB hält man daher Überle­gungen eines Euro-Aus­schlusses für höchst gefähr­lich.  Handelsblatt , 6.1.2012. • Klaas Knot (EZB-Rats­mitglied, nieder­ländi­scher Noten­bank­chef): der Zwangs­aus­schluss eines Staates der Euro-Zone ließe die Euro-Zone zusammen­brechen • der daraus erwach­sende Vertrau­ensver­lust würde einer Einla­dung an Speku­lanten gleich­kommen • die Währung selbst würde aber den Zusam­men­bruch über­stehen, denn aufgrund der Verzah­nung der Volks­wirt­schaften in den vergan­genen Jahren sei es nicht mehr möglich, den Euro abzu­schaffen • das japani­sche Finanz­minis­terium warnte, dass die Talfahrt des Euro gegen­über dem Yen eine Gefahr für die Wirt­schaft des Landes sei • Finanz­minister Jun Azumi will mit seinem US-Amtskol­legen Timothy Geithner darüber beraten, wie die beiden Länder gemeinsam mit China Europa unter­stützen können • in der Vergan­genheit hat sich Japan jedoch bei seinen Eingriffen am Devisen­markt fast ausschließ­lich auf den Wechsel­kurs zwischen Yen und Dollar konzen­triert • nach Einschät­zung von Star-Investor George Soros (US-Milli­ardär und Hedge-Fonds-Manager, siebt­reich­ster Mann der Welt) hätte ein Schei­tern des Euro und ein Unter­gang der Europä­ischen Union schreck­liche Folgen und wäre nicht nur für „Europa katas­trophal, sondern auch für das welt­weite Finanz­system” • diese Krise sei „ernst­hafter und gefähr­licher als der Zusammen­bruch von 2008” • die neue Angst­debatte entstand durch die Warnung von Grie­chen­lands Minis­terprä­sident Lucas Papa­demos vor einer „unkon­trol­lier­baren Staats­pleite”wenn die Arbeit­nehmer nicht weitere Lohnkür­zungen hinnähmen, um die Spar­ziele zu erfüllen, „laufen wir Gefahr, bald nichts mehr zu haben” • seine Regie­rung will auch neue Rege­lungen einführen, um Steuern einzu­treiben • „Die näch­sten 3 Monate sind kritisch für den Kurs der griechi­schen Finanzen” • Mitte Januar kommen die inter­natio­nalen Finanz­kontrol­leure erneut nach Grie­chen­land, um über die Spar­fort­schritte zu befinden — als Voraus­setzung für weitere Kredit­hilfen • die EU-Kommis­sion ist zuver­sicht­lich, dass Grie­chen­land im März die nächste Kredit­tranche inter­natio­naler Geld­geber von 5 Mrd. € erhält • eine Verzö­gerung sei aber möglich, falls die Spar­vor­gaben nicht einge­halten werden • es handelt es sich zunächst um 110 Milli­arden aus dem alten Hilfs­pro­gramm, das aber nicht ausreicht • Athen benö­tigt zusätz­lich ein bereits grund­sätz­lich beschlos­senes neues Hilfs­programm von 100 Mrd. € • entscheiden wird der geplante Schulden­schnitt, über den mit den Gläu­biger-Banken verhan­delt wird • Papa­demos: „Wenn diese Verhand­lungen erfolg­reich abge­schlossen sind, dann fällt eine große Last von unseren Schul­tern” • säumige Steuer­schuldner sollen bald hart verfolgt werden • willige Steuer­schuldner sollen die Möglich­keit erhalten, ihre Schulden in 60 Monats­raten (also inner­halb von 5 Jahren) an den Staat abzube­zahlen • die Steuer­fahn­dung soll effizi­enter werden, auch unter Einbe­ziehung von Rechts­anwälten • die Gewerk­schaften wollen ihren Wider­stand gegen weitere Sparmaß­nahmen fort­setzen • Giannis Panago­poulos (Präsi­dent des Gewerk­schafts­verbandes des privaten Sektors, GSEE) lehnte Lohnkür­zungen erneut ab • er sprach sich auch gegen die Abschaf­fung des Weih­nachts­geldes sowie der 13. und 14. Monats­gehälter im privaten Sektor aus • „Wenn der Mindest­lohn von 750 € abge­schafft wird, dann können wir gleich zur Drachme zurück­kehren” • die erste Forde­rung der Mitte Januar in Athen erwar­teten „Troika” wird sein, dass es Lohnkür­zungen auch im privaten Sektor geben soll • alles in allem werden bis Mitte März Finanz­hilfen in Höhe von 89 Mrd. € für Athen benö­tigt • enthalten sind darin auch die Folgen des Schulden­schnitts (30 Mrd. €) sowie die Rettung griechi­scher Banken und Renten­kassen (39 Mrd. €), Mitte März auslau­fende griechi­sche Staats­anleihen über 14,4 Mrd. € und weitere Gelder (knapp 6 Mrd.) für den griechi­schen Staat
[HTML] Skeptische Vermögensverwalter: Das Börsenjahr wird „außerordentlich schwierig”. Die Schulden­krise hinter­lässt ihre Spuren: Deut­sche Vermö­gensver­walter scheuen vor Invest­ments in der Euro­zone zurück — und legen lieber in den USA an. Am wichtig­sten aber ist: flexibel bleiben.  Handelsblatt , 06.01.2012. • Das Ergebnis einer Umfrage unter 100 unabhän­gigen Vermö­gens­verwal­tern des Daten­anbie­ters FinComm: 55 der Befragten richten sich auf ein turbu­lentes Börsen­jahr ein • 7 sehen sogar „existen­zielle Gefahren”, während nur 26 mit Zuver­sicht ins neue Jahr gehen • nur 4 der Befragten erwarten, dass der Euro schei­tern wird • Michael Reuss (Huber, Reuss & Kollegen aus München): wichtig sei es in dieser Zeit, flexibel zu bleiben, um auf „die sich rasend schnell verän­dernden politi­schen Bedin­gungen” reagieren zu können • Jörg Zeuner (VP Bank): „Wenn europä­ische Aktien, dann mit Fokus auf Deutsch­land” — aber am besten US-Aktien • sehr viele der Vermö­gensver­walter setzen auf die USA • während der Dax 2011 rund 15% verlor, lag der Dow Jones am Ende des Jahres sogar 4,5% im Plus — und für Euro-Anleger hätte es sich wegen der Euro-Entwick­lung sogar doppelt gelohnt • Carsten Mumm (Leiter Asset Manage­ment bei Donner & Reuschel): „Kunden mit Lebens­mittel­punkt in Euro­land raten wir nach wie vor dazu, einen Groß­teil Ihres Vermö­gens in Euro anzu­legen, da auch ihre Verbind­lich­keiten und Zahlungs­verpflich­tungen in dieser Währung anfallen” • nur einen klei­neren Anteil sollten Anleger in Aktien oder Anleihen aus anderen Währungen inves­tieren, zuneh­mend auch von aufstre­benden Staaten aus den Schwel­lenlän­dern • von Anlagen in den vermeint­lichen klassi­schen „sicheren Häfen” wie Schweizer Franken oder Norwe­gische Krone rät Mumm dagegen ab — diese hätten bereits sehr hohe Kursge­winne verzeichnet • was die Schwellen­länder angeht, ein typi­scher Ratschlag: Posi­tionen nur langsam aufbauen, also nichts über­stürzen • beim Thema Gold wird eine typi­sche Beimi­schung von 5% bis 10% im Depot empfohlen • Hendrik Leber (Chef von Acatis Invest­ment) ist dagegen nach der Stra­tegie von Milli­ardär Warren Buffett immer auf der Suche nach unter­bewer­teten Anlagen, die sonst keiner haben will: „Wir sind gerne in Europa und den USA unter­wegs, mögen auch Russ­land sowie Südeu­ropa und halten uns raus aus China und Indien” • bei Anleihen hält er sich von Staats­anleihen fern und nimmt lieber Unter­nehmens­anleihen, Bankan­leihen und Pfand­briefe
[HTML] C. Brönstrup: Gemeinschaftswährung: Schwacher Euro-Kurs muss kein Nachteil sein. Der Euro-Wechsel­kurs fällt und fällt. Das gibt der export­lastigen deut­schen Wirt­schaft Rücken­wind. Ange­sichts der unge­lösten Finanz­probleme ist eine erneute Zins­senkung der EZB möglich. DER TAGESSPIEGEL, 07.01.2012
[HTML] dpa: Anleger sehen Immobilien positiv. Ange­sichts der Euro-Schulden­krise steigt laut einer Umfrage von TNS Infra­test die Verun­siche­rung darüber, wo das eigene Vermögen möglichst verlust­frei ange­legt werden kann. sueddeutsche.de, 07.01.2012. • In Deutsch­land wächst die Furcht vor einer massiven Geld­entwer­tung • eine Umfrage unter 2277 Menschen ab 18 Jahren („Haus­haltsent­scheider”) des Meinungs­forschungs­insti­tuts TNS Infra­test im Auftrag der Allianz Bank ergab, dass 33% der Befragten kein oder kaum mehr Vertrauen in die Stabi­lität des Euro haben • die meisten Deut­schen sind aber mit ihrer Vermö­gens­situ­ation zufrieden • 46% haben Angst, dass ihr Vermögen seinen Wert verliert • 45% waren nicht sicher, wo ihr Geld am besten aufge­hoben ist • Aktien oder Fonds verloren an Beliebt­heit, während der Zuspruch für Immo­bilien wuchs • ganz vorne liegen Klas­siker wie Spar­buch oder Spar­brief
[HTML] dpa: Immobilien: Flucht in die Sachwerte. Verbrau­cher inves­tieren verstärkt in Immo­bilien. Finanz­branche vermutet baldiges Ende der Talfahrt bei Hypo­theken­zinsen. sueddeutsche.de, 07.01.2012. • Nach Einschät­zung von Experten wird der Markt davon profi­tieren, dass Immo­bilien von Anle­gern als vergleichs­weise sicheres Invest­ment ange­sehen werden • der Trend zu stei­genden Immo­bilien­preisen dürfte sich dabei fort­setzen • duch die derzeit extrem nied­rigen Zinsen sind Darlehen vergleichs­weise günstig zu haben • nach Berech­nungen des Verbands deut­scher Pfand­brief­banken war selbst genutztes Wohnei­gentum in Deutsch­land zuletzt so billig wie nie seit 2003 • im Vergleich zum Vorjahres­quartal stiegen die Preise um 2,7% • Eigen­tumswoh­nungen verteu­erten sich 2011 um 5,2% • auch die deut­schen Fertig­haus-Hersteller berichten, Verbraucher inves­tierten verstärkt in Eigentum • Carsten Brzeski (ING-Diba-Experte): „Noch nie war die Finan­zierung der eigenen 4 Wände so günstig wie in den vergan­genen Monaten” • FMH-Finanz­bera­tung: der Effek­tivzins für Hypo­theken mit 10 Jahren Lauf­zeit lag Anfang Dezember bei 3,28% • 1 Jahr zuvor habe er bei 3,59% gelegen, vor 3 Jahren bei 4,65% • Brzeski: vermut­lich sei die Talfahrt der Hypo­theken­zinsen schon bald vorbei • der deut­sche Immo­bilien­markt habe zuletzt auch von der robusten deut­schen Konjunktur und der Flucht in Sach­werte profi­tiert • der Verband deut­scher Pfand­brief­banken sieht zudem demo­grafi­sche Gründe für die stei­gende Nach­frage nach Immo­bilien • wie der Immo­bili­enver­band Deut­schland (IVD) betonte, bleiben selbst genutzte Wohn­immo­bilien erschwing­lich • Jürgen Michael Schick (IVD-Vize­präsi­dent): „Aufgrund der Euro­krise wird das Zins­niveau voraus­sicht­lich weiterhin niedrig bleiben. Somit sollte die Belas­tung der Haus­halte durch die Rück­zahlung eines Immo­bili­enkre­dites eben­falls konstant bleiben.”
[HTML] R. Haselsteiner: Schuldenkrise und Baugeld: Zinslandschaft kontra ökonomische Fundamentaldaten. Im abgelau­fenen Jahr haben Baugeld­kunden in Deutsch­land massiv von der Schulden­krise in Euro­land profi­tiert und Vorteile aus der Tatsache ziehen können, dass deut­sche Bundes­anleihen von inter­natio­nalen Inves­toren als letzter Hort der Sicher­heit inner­halb des Euro­raumes gesehen werden. wallstreet:online, 07.01.2012. • Die Flucht aus den Staats­anleihen der Krisen­länder Grie­c­henland, Portugal und Spanien ebenso wie Verkäufe von itali­enischen und fran­zösi­schen Staats­titeln haben die Zinsen in diesen Ländern auf die höch­sten Niveaus seit 1994 steigen lassen • die wirt­schaft­liche Stärke Deutsch­lands und seine vermeint­liche Haus­halts­diszi­plin lassen dagegen deut­sche Bundes­anleihen als letztes gutes Risiko erscheinen • die hohe Nach­frage hat die Renditen 10-jäh­riger Bundes­anleihen unter 2% und die Verzin­sung 1-jäh­riger Staats­titel auf nahe 0% fallen lassen • da gleich­zeitig die Infla­tions­rate rund 2,5% beträgt, kann dieses irrati­onale Verhalten nur von Angst und Panik über die Zukunft des Euro­raumes getrieben sein • Inves­toren akzep­tieren bewusst eine nega­tive Real­verzin­sung, um mögliche Kapi­talver­luste in schwä­cheren Ländern zu vermeiden • es bestehen auch Befürch­tungen, dass bei einem Ausein­ander­brechen der Währungs­union die dann entste­henden neuen Währungen der Krisen­länder signi­fikant an Wert verlieren würden • da die Markt­teil­nehmer die Lösungs­versuche der europä­ischen Poli­tiker für unzurei­chend halten, wird die Zins­land­schaft den eigent­lichen ökono­mischen Funda­mental­daten in den Mitglieds­ländern nicht entspre­chen • das derzeit starke Deutsch­land hat viel zu tiefe Kapital­markt­zinsen und die mit Rezes­sion kämp­fenden Südländer und Frank­reich sehen sich aus ihrer Sicht viel zu hohen Kapital­markt­zinsen gegen­über • der Politik muss es in 2012 drin­gend gelingen, den Glauben an die Fähig­keit aller Mitglieds­länder wieder­herzu­stellen, ihre Schulden bedienen zu können • unter diesen Umständen ist es völlig ausge­schlossen, dass die Krisen­länder den Spagat zwischen Budget­konso­lidie­rung und Wirt­schafts­wachstum schaffen können • es ist auch klar, dass sich Deutsch­land viel­leicht 1 Grie­chen­land, aber nicht 5 davon leisten kann • der EZB kommt 2012 eine Schlüssel­rolle zu: sie muss das System am Laufen halten, um den Kollaps zu vermeiden • über die Zwischen­finan­zierung der Staaten wird sie die Leit­zinsen tief halten und mehr und mehr Staats­anleihen schwa­cher Länder aufkaufen müssen • Experten der Interhyp AG gehen davon aus, dass die EZB die Schleusen öffnen wird: damit sollte es zu fallenden Zinsen in den Krisen­ländern führen • die Zinsen für längere Bundes­anleihen könnten vorerst deut­lich steigen, da viele Inves­toren ihre spekula­tiven Posi­tionen schließen würden • mit den Belas­tungen für Deutsch­land könnte es auch zu einem deut­lichen Anstieg der Baugeld­kondi­tionen in Deutsch­land im Laufe des 1. Halb­jahres 2012 kommen • im späteren Jahres­verlauf wird die EZB alles daran setzen, die lang­fris­tigen Kapital­markt­zinsen in der Euro­zone so tief wie möglich zu halten (mit dem Effekt der kontrol­lierten Infla­tionie­rung) • diese Vorge­hens­weise wurde schon von der ameri­kani­schen und briti­schen Zentral­bank prakti­ziert • damit die Immo­bilien­inves­titi­onen mit Kalku­lations­sicher­heit versehen werden, gilt es vor allem, die aktu­ellen histo­risch tiefen Zinsen möglichst lang­fristig festzu­schreiben
[HTML] Schuldenkrise: IWF glaubt nicht mehr an Griechenlands Reformfähigkeit.[!] Kurz vor der näch­sten Troika-Mission bekommt Grie­chen­land schlechte Nach­richten aus Washington. Nach SPIEGEL-Infor­mati­onen verliert der Inter­natio­nale Währungs­fonds den Glauben an die Sanie­rungs­fähig­keit des Landes. Athen braucht aber drin­gend weitere Milli­arden­hilfen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 07.01.2012. Der IWF, der neben der EZB und der EU-Kommis­sion zur soge­nannten Troika gehört, glaubt nicht, dass Grie­chen­land auf Basis der bishe­rigen Sanie­rungs­pläne seine Schulden dauer­haft tragen kann • im Zuge der näch­sten Troika-Mission ab Mitte Januar wollen die IWF-Experten wich­tige Eckwerte des Rettungs­pakets an die verschlech­terte Wirt­schafts­situ­ation anpassen • es heißt, entweder solle a) Grie­chen­land einen höheren Konso­lidie­rungs­beitrag leisten, oder b) die privaten Gläu­biger auf einen höheren Anteil ihrer Forde­rungen verzichten, oder c) die Euro-Staaten sich mit einem höheren Beitrag betei­ligen • der IWF kriti­siert scharf die schlep­penden Reformen: beim Eintreiben von Steuern und den Erlösen aus Priva­tisie­rungen sei mehr erwartet worden • mit dem Rettungs­paket vom Oktober sollte eigent­lich erreicht werden, dass die griechi­sche Staatsver­schuldung 2020 nur noch 120% des BIP ausmacht • jetzt ist sogar frag­lich, ob damit die Trag­fähig­keit der Schulden gewähr­leistet wäre • Henning Klodt (Kieler Institut für Welt­wirt­schaft): selbst bei deut­lich niedri­geren Zinsen und einer wirt­schaft­lichen Erho­lung müssten die laufenden Einnahmen im griechi­schen Staats­haus­halt die Ausgaben um deut­lich mehr als 10% des BIP über­steigen • Klodt: „Das hat in den vergan­genen Jahr­zehnten kein Indus­trie­land je erreicht” • bei den Verhand­lungen über ein neues Hilfs­paket stehen noch die Gespräche mit Geld­gebern sowie mit privaten Gläubi­gern aus, die dem Land Schulden in Höhe von 100 Mrd. € erlassen sollen • Grie­chen­land braucht bis zum 20. März von IWF und den Euro-Län­dern frisches Geld für die Fällig­keit alter Anleihen im Wert von 14,5 Mrd. € • bis Mitte März sollen nach entspre­chendem Verhand­lungser­gebnis 89 Mrd. € fließen • andern­falls droht Griechen­land der Bank­rott, eine „unkon­trol­lier­bare kata­stro­phale Zahlungs­unfä­higkeit” • auch die Folgen eines Euro-Aus­tritts werden disku­tiert — Note­nbank-Chef Georgios Provo­poulos: das Land würde in einem solchen Fall wirt­schaft­lich ins Jahr 1950 zurückf­allen
[HTML] T. Schmidt: Schuldenkrise: Euro im dritten Krisenjahr — das Endspiel beginnt. Die ange­drohte Herab­stufung Frank­reichs und anderer Euro-Länder ist (bislang) ausge­blieben. Die Zinsen für Staats­anleihen sind (noch) nicht weiter geklet­tert. Doch die kurze Atem­pause für den Euro geht zu Ende — das wissen auch Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, die sich am Montag in Berlin treffen.  manager magazin , 08.01.2012. • Mit dem Treffen von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am Montag in Berlin wird die Verschnauf­pause durch den Jahres­wechsel zu Ende gehen • Guntram Wolff (Schulden­experte vom Brüs­seler Think­tank Bruegel): wenn nicht weitere Maßnahmen getroffen werden, „fliegt uns der Euro 2012 um die Ohren” • Grie­chen­lands Minister­präsi­dent Lukas Papa­demos warnte vor einem nahenden Staats­bank­rott, und selbst der Verbleib der Hellenen in der Euro­zone wurde schon infrage gestellt • der im Oktober ausge­handelte Schulden­schnitt für Grie­chen­land wackelt: die Verhand­lungen der Grie­chen mit den Banken und Versiche­rungen kommen nur zäh voran • die Hoff­nung auf den Befrei­ungs­schlag ist geschwunden, wenn kommende Woche die Troika-Experten von EU-Kommission, EZB und IWF wieder nach Athen reisen • die Wirt­schaft in Spanien und den meisten anderen Problem­ländern kommt nicht voran • wegen der drohenden Rezes­sion werden auch die Rufe nach Konjunk­turmaß­nahmen immer lauter • EU-Rats­chef Herman Van Rompuy will, dass Maßnahmen zur Wirt­schafts­bele­bung und zum Abbau der Arbeits­losig­keit auf den Weg gebracht werden • doch wie die Euro­zone den Teufels­kreis von Schulden, Sparen und Wirt­schafts­einbruch durch­brechen will, bleibt unklar • der Druck auf Deutsch­land steigt, durch eine deut­liche Steige­rung der Binnen­nach­frage den Konkur­renz­druck gegen­über den Euro-Part­nern zu lockern • auch das Reiz­thema Euro-Bonds wird schon in dieser Woche wieder auf den Tisch kommen, und ein 1. Schritt in Rich­tung eines europä­ischen Anleihen­marktes wird erwartet • wenn Merkel auf dem EU-Gipfel im März die Unter­schriften der Euro­länder für ihren Fiskal-Pakt erhält, wird sie sich der Wunder­waffe Euro-Bonds kaum länger verwei­gern können • die EU-Kommis­sion will im Februar einen lange erwar­teten Gesetz­entwurf vorlegen, der Regeln für geord­nete Banken­pleiten vorgibt
[HTML] K. Strittmatter: Schuldenkrise Der griechische Albtraum. Die Wirt­schaft schrumpft. Die Arbeits­losig­keit steigt. Die Reformen sind stecken­geblieben. Die Malaise in Grie­chen­land nimmt kein Ende, die Regie­rung braucht schon wieder neue Hilfspro­gramme. Erneut steht der Staat vor entschei­denden Tagen. sueddeutsche.de, 08.01.2012. • In Grie­chen­lands Kampf gegen den Bank­rott sind sämt­liche Rettungs­pläne schnell Maku­latur • die Experten der Troika werden erwartet, um die griechi­schen Fort­schritte zu bewerten und über die Auszah­lung neuer Notkre­dite zu entscheiden • Grie­chen­land wird die Defizit­ziele für 2011 wohl nicht errei­chen • die letzten Sanie­rungs­pläne des IWF sind offenbar schon wieder obsolet • in Verhand­lungen mit dem privaten Sektor über eine Betei­ligung an dem Schulden­schnitt versucht Athen die Gläu­biger davon zu über­zeugen, dass sie im Inter­esse einer erfolg­reichen Sanie­rung Grie­chen­lands lieber auf ½ ihrer Schulden verzichten sollten als alles zu verlieren • es gibt Zweifel daran, ob es bei der Sanie­rung mit dem nötigen Tempo voran­geht • die Regie­rung wird ihr zuletzt genanntes Ziel eines Haus­halts­defi­zits von 9% des BIP für 2011 verfehlen • die Wirt­schaft ist im vorigen Jahr um bis zu 6,5% geschrumpft — statt wie vorher­gesagt nur um 5,5% • die strengen Sparmaß­nahmen erstickten den Konsum und trieben die Arbeits­losig­keit auf ein Rekord­hoch von 17,5% • Lukas Papa­demos ist zwar ein reform­williger Über­gangs­premier, der aber mit den alten Politi­kern und dem alten Staats­apparat arbeiten muss, den die OECD im Dezember erst als prak­tisch reform­unfähig beschrieben hat • kriti­siert wird der kata­stro­phale Zustand der Finanz­behörde, die das Eintreiben von Steuern eher verhin­dert als beför­dert • das Priva­tisie­rungs­programm sollte 50 Mrd. € bis 2015 erlösen — das gilt jetzt als utopisch • die Drohung von Papa­demos gegen wider­spens­tige Minister, das Land müsse notfalls aus der Euro-Zone aussteigen, wirkt aber noch immer • auch 80% der Grie­chen sagen, die Rück­kehr zur Drachme müsse „unter allen Umständen” vermieden werden
[HTML] A. Kunz: Schuldenkrise: Europas Sparern droht eine kalte Enteignung.[wichtig!] Die Verbind­lich­keiten der USA und Europas haben ein Ausmaß ange­nommen, das durch Sparen und Wachstum nicht mehr zu beherr­schen ist. Was bleibt, ist der Zugriff auf die Konten der Sparer durch Regulie­rung, nied­rige Zinsen und Infla­tion. wiwo.de, 09.01.2012. • Paul Krugman (US-Star­ökonom und Nobel­preis­träger, 58 Jahre alt) redet sich die Vergan­genheit schön: „Das Amerika der Nach­kriegs­zeit war enorm erfolg­reich. Warum denken wir so schlecht darüber?” • von 1946 bis 1973 wuchs die Wirt­schaft der USA um durch­schnitt­lich 3,8% jähr­lich • stei­gende Einkommen ermög­lichten Eigen­heime und Autos, Farb­fern­seher und elektri­sche Küchen­geräte • doch auch die US-Staats­verschul­dung wuchs nach dem 2. Welt­krieg auf 116% des BIP • Jahre des starken Wachs­tums haben Amerika dabei geholfen, diesen gigan­tischen Schulden­berg abzu­tragen • Carmen Rein­hart (Peterson Insti­tute for Inter­nati­onal Econo­mics) und Belen Sbrancia (Univer­sity of Mary­land) haben eine andere Erklä­rung für die wunder­same Gesun­dung der Staats­finanzen gefunden: die syste­mati­sche Enteig­nung der Sparer durch den Staat • wenn die Zinsen, zu denen sich der Staat von seinen Bürgern Geld leiht, nied­riger sind als die Infla­tion, spre­chen wir von einem nega­tiven Real­zins • finan­zielle Repres­sion: den glück­lichen Ameri­kanern der Nach­kriegs­zeit fiel es gar nicht auf, dass ihr gespartes Vermögen real an Wert verlor • tatsäch­lich redu­zierte die finan­zielle Repres­sion den Schulden­stand in den USA — ebenso wie zur gleichen Zeit in Groß­britan­nien — um 3% bis 4% des BIPs pro Jahr • die Schulden vieler Indus­trie­staaten haben erneut eine Dimen­sion wie zu Kriegs­zeiten erreicht: sie wuchsen seit 1991 fast 3-mal so schnell (183%) wie die Wirt­schafts­leis­tung (65%) • auch in Deutsch­land ist die Staats­schuld auf 80,1% des BIP gestiegen — 2012 kommen etwa 35 Mrd. € neu dazu (fast doppelt so viel wie 2011) • die Rettung Europas ist teuer • Kenneth Rogoff (Ökonom) hat gemeinsam mit Rein­hart festge­stellt, dass ab einem Staats­schulden­stand von 90% der Wirt­schafts­leis­tung das Wachstum des Landes so sehr gedrückt wird, dass die Refi­nanzie­rung proble­matisch wird • die Entschul­dung muss anfangen bei den USA, die mit 15 Bio. $ oder 101% vom BIP in der Kreide steht • Stefan Homburg (Finanz­wissen­schaftler von der Univer­sität Hannover): „Lang­fristig läuft alles auf Einbußen in den Realver­mögen der Steuer­zahler hinaus” • das sei für Poli­tiker leichter durch­setzbar als strikte Spar­pläne • Alexander Krüger (Chef­volks­wirt beim Bank­haus Lampe): „(hellip;) eine Entschul­dung (hellip;) kann sanft über nied­rige Zinsen und eine höhere Infla­tions­rate geschehen” • vieles spricht dafür, dass sich die Staaten in den näch­sten Jahren durch eine Kombi­nation aus finan­zieller Repres­sion und Infla­tion entschulden • Homburg: „Der Effekt ist der gleiche wie bei einem Schulden­schnitt, nur dass es keine Panik auf den Märkten gibt” — über mehrere Dekaden schmilzt das Vermögen unbe­merkt dahin • die US-Ökono­minnen Rein­hart und Sbrancia fanden in ihrer Analyse heraus, dass der Real­zins in den Indus­trielän­dern in der Hälfte der Jahre zwischen 1945 und 1980 negativ war (im Schnitt -1,6%) • die den Staat entlas­tende Wirkung der Zins­mani­pula­tion nimmt noch zu, wenn man sie mit etwas Infla­tion hebelt • da die Anleger einen Ausgleich für die Geldentwertung fordern, steigt der Nominalzins i.Allg. mit der Inflation und der Realzins bleibt so konstant • so lag 1981 in den USA die Infla­tion bei 8,9%, der regu­lierte Spar­zins dagegen nur bei 5% und der regu­lierte Sicht­einla­genzins sogar bei 0% • heute agiert der Staat diskreter als früher • Gesetze zwingen heute die Pensions­fonds und Versiche­rungen dazu, bestimmte Teile ihrer Anleger­gelder in Staats­papiere zu inves­tieren • auch die Zentral­banken sind betei­ligt: in der Krise hat die EZB seit Mai 2010 für 211 Mrd. € Anleihen gekauft und damit für Länder wie Italien, Spanien und Portugal die Zinsen deut­lich gedrückt • kritisch gesehen werden auch die Basel-II-Vor­schriften, nach denen die Banken für Staats­anleihen kein Eigen­kapital vorhalten müssen • dieses Refi­nanzie­rungs­privileg des Staates wird durch die neuen Liquidi­tätsvor­schriften in Basel III sogar noch ausge­weitet • Ökonomen erwarten, dass die Teue­rung im Euro-Raum aufgrund der Geld­flut der EZB im näch­sten Aufschwung deut­lich steigen wird • in Deutsch­land liegt die Verzin­sung 10-jäh­riger Staats­papiere unter 2%, die Infla­tions­rate zuletzt mit 2,3% deut­lich darüber — der Real­zins im Schnitt bei etwa -0,25% • Andreas Rees (Chef­volks­wirt bei der UniCredit) rechnet exklusiv für die Wirt­schafts­Woche vor: ange­nommen die Zinsen liegen durch­schnitt­lich bei 2,5% bis 3,0% und die deut­sche Wirt­schaft wächst um 1,5% — dann würde bei einer Infla­tions­rate von 1,5% der deut­sche Staat (mit der Schulden­bremse) 40 Jahre brau­chen, um den aktu­ellen Schulden­stand auf 31% zu senken • da das deut­lich zu lange dauert, ist die Enteig­nung des deut­schen Steuer­zahlers unver­meidbar
[HTML] Schuldenkrise: Merkel: Finanzmarktsteuer zur Not auch nur im Euroraum . Kanz­lerin Merkel ist bereit, eine Finanz­markt-Trans­aktions­steuer notfalls auch ausschließ­lich im Euro­raum einzu­führen. Das sicherte sie dem wahl­kämp­fenden fran­zösi­schen Präsi­denten Sarkozy zu. In der FDP dürfte sie sich damit keine Freunde machen. FAZ.NET, 09.01.2012
[HTML] dpa: Schuldenkrise: Schäuble will Schuldenbremse umgehen.[!] Finanz­minister Wolf­gang Schäuble trifft offenbar Vorberei­tungen, um im Zuge von Finanz­krise und Banken­rettungen auch die Schulden­bremse umgehen zu können. Das könnte zu einer Blase führen. wiwo.de, 10.01.2012. • Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble soll an einer Umge­hung der Schulden­bremse tüfteln: in einem Entwurf zur Ände­rung des Finanz­markt­stabi­lisie­rungs­fondsge­setzes soll der Bundestag einem Tilgungs­plan zustimmen können, wenn mit einer Kredit­aufnahme "die nach der Schulden­regel zuläs­sige Kredit­aufnahme über­schritten worden ist.” • Norbert Brack­mann (CDU-Haus­halts­poli­tiker) warnt: „Hier­durch könnten künftig mehr Schulden gemacht werden, als es die Schulden­bremse zulässt. Dann produ­zieren wir eine neue Blase, die uns schon einmal zum Verhängnis geworden ist. Das geht nicht.”
[HTML] Schuldenkrise: Hedge-Fonds behindern Hellas-Hilfsgespräche. Die Finanz­branche soll einen Beitrag zum 2. Rettungs­paket für Grie­chen­land leisten. Doch einigen privaten Gläu­bigern käme eine Staats­pleite angeb­lich gerade recht. Sie sperren sich deshalb offenbar gegen einen Schulden­erlass. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 10.01.2012. • Die Finanz­branche wird zum 2. Hilfs­paket für Grie­chen­land nicht die vollen 100 Mrd. € beisteuern, da sich viele Hedge-Fonds nicht betei­ligen wollen • sie hätten ihre Forde­rungen an Grie­chen­land mit Kredit­ausfall­deri­vaten (CDS) abge­sichert, die nur ausge­zahlt werden, wenn der inter­natio­nale Deriva­tever­band ISDA einen Zahlungs­ausfall konsta­tiert — d.h. eine Staats­pleite • schon im Sommer nahmen Banken und Versiche­rungen erste Abschrei­bungen auf ihre griechi­schen Staats­anleihen vor, und im Oktober sagten sie Verhand­lungen über einen Schulden­erlass von 50% zu • Analysten der Bank of America/Merrill Lynch: aber die Hälfte aller von privaten Gläubi­gern gehal­tenen Hellas-Anleihen liegt in den Händen anderer Inves­toren — u.a. Hedge-Fonds • da diese Gruppe nicht mehr bei Verhand­lungen vertreten ist, werden die Fonds­gesell­schaften eine Verein­barung zwischen IIF und griechi­scher Regie­rung am Ende wohl nicht mittragen • wenn also kaum mehr als 50% der Gläu­biger mitziehen werden, fiele die Entlas­tung für Grie­chen­land deut­lich geringer als erhofft aus • dann würde Athen wohl höhere Notkre­dite der Euro-Partner und des IWF benö­tigen • Bedin­gung für die Auszah­lung des 2. Rettungs­pakets sei aber, dass auch die Finanz­branche einen Beitrag leiste, bekräf­tigte Bundes­kanz­lerin Angela Merkel • dies Geld braucht Grie­chen­land drin­gend • um den Umtausch für die Gläu­biger attraktiv zu machen, sollen die neuen Anleihen gegen einen Zahlungs­ausfall abge­sichert werden • für die Finan­zierung dieser Sicher­heiten haben die Euro-Staaten einen Kredit über 30 Mrd. € zuge­sagt
[HTML] M. Zamorano: Schuldenkrise: Ein mageres Plädoyer für den Euro.[!] Mitten in der bisher schwer­sten Krise des Euros liest sich eine Studie der Unter­nehmens­bera­tung McKinsey wie eine leiden­schaft­liche Hymne für die Gemein­schafts­währung: Alle Mitglieds­länder haben von ihr profi­tiert. Doch stimmt das? Zweifel sind erlaubt. wiwo.de, 11.01.2012. • Was hat der Euro in seinem 11. Lebens­jahr konti­nuier­lich an Prügel einste­cken müssen! • von Deut­schen, die sich die alte Mark wieder wünschten, bis zu den Südeu­ropäern, die ihm das an den europä­ischen Durch­schnitt ange­hobene Preis­niveau verü­belten • seit Beginn der Staats­schulden­krise sehen briti­sche und ameri­kani­sche Zeitungen die Gemein­schafts­währung kurz vor dem Aus • sie zählen die EU-Länder, die ihre Beitritts­absichten nun revi­dieren oder gar einstellen • eine Studie der Unter­nehmens­bera­tung McKinsey hat nun heraus­gefunden: alle Euro-Länder haben (in unter­schied­lichem Maß) von der gemein­samen Währung profi­tiert • der Wohl­stand der Euro­region sei 2010 insge­samt um 332 Mrd. € gewachsen (etwa 3,6% des BIP) • der größte Vorteil entstand durch den Wegfall der nomi­nalen Wechsel­kurse: dadurch seien die Trans­aktions­kosten für Güter und Kapital verschwunden, und das habe auch den Warenaus­tausch und den Handel geför­dert — weil es ein gemein­sames Zahlungs­system und keine Unsi­cher­heit durch schwan­kende Wechsel­kurse gibt • die Unter­nehmen in allen Euro-Ländern haben sich einem gestie­genen Konkur­renz­druck stellen müssen und seien so wett­bewerbs­fähiger geworden • auch hätten die nied­rigen Zinsen das Wachstum und den Konsum ange­regt • direkter Vorteil für Deutsch­land: 2010 unge­fähr 165 Mrd. € (=6,6% des deut­schen BIP in dem Jahr) • relativ haben andere Länder noch mehr vom Euro profi­tiert: Öster­reich 7,8%, Finn­land 6,7%, dagegen Italien nur 3,1% und Frank­reich 0,7% • der Profit für Grie­chen­land: Fall der für griechi­sche Staats­anleihen zu zahlenden Zinsen von vorher 25% auf das nied­rige europä­ische Niveau, aber anderer­seits auch ein Immo­bilien­boom und eine über­mäßige Verschul­dung • die Illu­sion des billigen Geldes und des rasanten Konsums beein­träch­tigte die Anpas­sungs­fähig­keit dieser südli­chen Euro-Mit­glieder, was sie jetzt schmerz­haft nach­holen müssen • ein Ausein­ander­fallen der Euro-Zone hätte für die Länder unter­schied­liche Folgen • die Aufwer­tung einer neuen D-Mark könnte die Exporte verteuern, doch sie verbil­ligt auch die Importe
[HTML] Schuldenkrise: Monti warnt Merkozy vor Überheblichkeit. Italiens Minister­präsi­dent verlangt seinem Land viel ab — und sieht Deutsch­land und Frank­reich als Anker Europas. Doch sollten sich Merkel und Sarkozy in Sachen Haus­halts­diszi­plin „nicht allzu sehr erheben”. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 11.01.2012. • Monti befürchtet wegen der Schulden­krise anti-europä­ische Proteste in seinem Land, „wenn es für die Italiener in abseh­barer Zeit nicht greif­bare Erfolge ihrer Spar- und Reform­bereit­schaft gibt” • Proteste „auch gegen Deutsch­land, das als Anführer der EU-Intole­ranz gilt, und gegen die Europä­ische Zentral­bank” • Deutsch­land und Frank­reich sollten sich in punkto Haus­halts­diszi­plin „nicht allzu sehr erheben” • das Haus­halts­defizit Italiens sank 2011 von 7,7% im 1. Quartal über 3,2% im 2. Quartal auf 2,7% im 3. Quartal • Monti forderte „von den Itali­enern schwere Opfer — diese kann ich ihnen aber nur abver­langen, wenn sich dafür konkrete Vorteile abzeichnen” • das ginge aber nur, wenn sich die Politik der EU ändert • er verlangte eine wich­tigere politi­sche Rolle Italiens in der EU: „Die gute Koope­ration des franzö­sisch-deut­schen Tandems (…) reicht nicht, schon gar nicht in einem Europa der 27.” • Kanz­lerin Merkel und Frank­reichs Präsi­dent Nicolas Sarkozy „würden einen schweren Fehler machen, wenn sie glaubten, sie alleine könnten die EU meis­tern” • „Wir sind ein starkes, ein stolzes Land, und wir haben eine im Prinzip effek­tive Wirt­schaft.” • er habe aber auch „immer für ein Italien gear­beitet, das so weit als möglich Deutsch­land ähneln soll” • „(…) Vor allem wegen seiner größten Errungen­schaft, der sozi­alen Markt­wirt­schaft.” • Thomas Mayer (Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank) forderte Italien zu tief­grei­fenden Wirt­schafts­reformen auf: das Euro-Krisen­land brauche Struk­turre­formen, um seine Wachstums­kräfte zu stärken • „Das bedeutet eine Flexibi­lisie­rung des Arbeits­marktes, eine Öffnung der viel­fältigen Kartelle im Dienst­leis­tungs­sektor.” • Martin Schulz (SPD, desig­nierter Präsi­dent des Europa­parla­ments) forderte Merkel (CDU) vor ihrem Treffen mit Monti auf, ihren Wider­stand gegen die Einfüh­rung soge­nannter Euro­bonds aufzu­geben • nur mit „gemein­samen Staats­anleihen der Euro-Länder, wo die Starken für die Schulden der Schwachen haften”, lasse sich die Schulden­krise entschärfen • Schulz, der am 17. Januar zum neuen Parla­ments­präsi­denten gewählt werden soll, warf Merkel vor, den Deut­schen in der Euro-Krise nicht die volle Wahr­heit zu sagen • es sei unum­gäng­lich, dass die EZB über den Stabi­litäts­fonds ESM die europä­ischen Krisen­staaten massiv stütze • „Die Staats- und Regie­rungs­chefs treffen sich perma­nent, verspre­chen eine Lösung, aber die Lösung kommt nicht” • IWF-Chefin Christine Lagarde hatte am Dienstag ein Treffen mit Finanz­minister Wolf­gang Schäuble (CDU) und am Abend mit der Kanz­lerin • es soll vor allem um die Lage in Grie­chen­land und Ungarn gegangen sein • auch der Euro-Rettungs­schirm ESM sowie der „Fiskal­pakt” sollten ange­spro­chen werden
[HTML] rtr: Schuldenkrise: Chefvolkswirt: Griechische Banken im Soll. Thomas Mayer, Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank, sieht die privaten Gläu­biger beim griechi­schen Schulden­schnitt im Soll. Auf Regie­rungs­seiten vermisst er aller­dings die nötige Konse­quenz beim Forde­rungs­verzicht.  Handelsblatt , 11.01.2012
[HTML] Schuldendebatte: Sarrazin schreibt neues Buch über die Euro-Krise. Während sein Integra­tions­buch „Deutsch­land schafft sich ab” die Nation noch immer spaltet, widmet sich Thilo Sarrazin bereits dem näch­sten Mega­thema. WELT ONLINE, 11.01.2012
[HTML] ssu/dapd/dpa/Reuters: Schuldenkrise: Ifo-Institut prophezeit Winterrezession in der Euro-Zone.[!] Miese Aussichten für Europa: Nach Einschät­zung des Ifo-Insti­tuts wird die Euro-Zone in die Rezes­sion rutschen. Ein halbes Jahr lang werde die Wirt­schaft schrumpfen — danach stag­nieren. Der Abschwung belastet auch Deutsch­land. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 11.01.2012. • Prognose des Münchner Ifo-Insti­tuts: eine kurze Rezes­sion in der Euro-Zone • das BIP der 17 Staaten werde im 1. Quartal 2012 schrumpfen (-0,2%) wie im 4. Quartal 2011 (-0,3%) • danach werde die Wirt­schafts­leis­tung stag­nieren • durch das eiserne Sparen vieler Staaten, um ihre Defi­zite in den Griff zu bekommen, werde das Wachstum abge­würgt, und auch der Konsum bleibe schwach • das belaste auch Deutsch­land, obwohl dort der Abschwung abgemil­dert werde • Prognose der Deut­schen Bank: die deut­sche Wirt­schaft wird in den beiden ersten Quar­talen 2012 schrumpfen • wenn Europa die Schulden­krisen nicht in den Griff bekommt, könnte es sogar noch schlimmer kommen • in Grie­chen­land wird das Haus­halts­defizit 2011 nach Angaben des griechi­schen Entwick­lungs­minis­ters Michalis Chryso­choidis vermut­lich bei -9,6% liegen — ½ Prozent­punkt schlechter als erwartet • die Schulden stiegen 2011 trotz der Sparpro­gramme auf 160% des BIP an • ob das im Oktober beschlos­sene 2. Rettungs­paket für Grie­chen­land ausrei­chen wird, wird nun bezwei­felt • die Abma­chung über die Betei­ligung der privaten Gläu­biger an der Rettung drohtzu platzen: nicht alle Privat­gläu­biger dürften mitziehen • jetzt prüften die EU-Regie­rungen, wie sie diese Lücke von bis zu 15 Mrd. € stopfen könnten • Hiobsbot­schaften aus Spanien: das Loch im Staats­haus­halt ist wohl erheb­lich größer als erwartet • voraus­sicht­lich 37 bis 40 Mrd. € müssten 2012 einge­spart werden — doppelt so viel wie geplant • die Neuver­schuldung 2011 liege bei mehr als 8% des BIP (zuge­sagt waren 6%) • durch die Sparmaß­nahmen und den Nach­frage-Rück­gang ist die Indus­trie­produk­tion im November um 7% einge­brochen • gerade verab­schiedet wurde ein Spar­paket mit 15 Mrd. € Haus­halts­entlas­tung — davon sollen 9 Mrd. € durch die Senkung von Kosten und 6 Mrd. € durch Steuer­erhö­hungen aufge­bracht werden • das geplagte Portugal meldete die höchste Infla­tion seit 10 Jahren (3,7%) • die Mehr­wert­steuer war mehr­fach ange­hoben worden, um das Schulden­problem in den Griff zu bekommen • nach eisernem Sparen droht dem Land genau deshalb eine tiefe Rezes­sion • das Brutto­inlands­produkt sei 2011 um 1,6% geschrumpft — f&uum,;r 2012 wird mit einem Minus von 3,1% gerechnet • gemäß der Rating-Agentur Fitch wird die Brutto-Neuver­schul­dung in der Euro-Zone 2012 um 6,5% sinken — auf immer noch fast 1,5 Billi­onen € • den größten Finanz­bedarf hat demnach Frank­reich mit 359 Mrd. €, dann Italien mit 357 Mrd. und Deutsch­land mit 244 Mrd. • über einen neuen Vertrag der EU-Staaten zu mehr Haus­halts­diszi­plin gab es Streit: statt einer früheren weichere Formu­lierung soll nun ein Abweichen der Staaten von ihrem mittel­fris­tigen Haus­halts­ziel nur dann erlaubt sein, wenn ein „unge­wöhn­liches Ereignis außer­halb der Kontrolle des Unter­zeichner­staates” eintrete • Abge­ordnete des Europa-Parla­ments lehnten den Entwurf als inakzep­tabel ab: er sei nicht mit beste­henden EU-Ver­trägen vereinbar • EU-Ratsprä­sident Herman Van Rompuy strebt bis Ende Januar eine Einigung an
[HTML] Ist das das Ende der Euro-Krise? Investoren pumpen Milliarden nach Spanien und Italien Dax schießt nach oben. Deutsch­land jubelt über weniger Schulden. Bild.de, 12.01.2012
[HTML] Bonds gesucht - Forint stark: Draghi hilft Euro über 1,28. Mit der Hilfe von EZB-Präsi­dent Draghi schafft der Euro die Rück­kehr über eine psycho­logisch wichtige Marke. Eine helfende Hand liefern auch die überaus positiv verlau­fenen Auktio­nen spani­scher und italie­nischer Staats­anleihen. Entwar­nung gibt es auch beim Thema Ungarn. n-tv, 12.01.2012. • Italien nahm insge­samt 12 Mrd. € durch Papiere mit einer Lauf­zeit von ½ und 1 Jahr auf • Spanien sammelte bei der Verstei­gerung neuer spani­scher Staats­anleihen doppelt so viel Kapital (knapp 10 Mrd. €) ein wie anvi­siert • die Situ­ation bei den Einlagen der Banken bei der EZB (die „Angst­kasse” ging von von 485,9 Mrd. € auf rund 470,6 Mrd. € zurück) entspannte sich etwas • ungar­ische Staats­anleihen waren wieder gefragt, der Euro rutschte auf ein Zwei­wochen­tief von 305,70 Forint • ein Renten­händler: „Der Markt ist sich fast völlig sicher, dass Ungarn mit dem IWF und der EU zu einer finan­ziellen Eini­gung kommt”
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Draghi liest Politik die Leviten. Der EZB-Chef fordert von den Regie­rungen einen strikten Spar­kurs und Struk­turre­formen. Mit ihren bishe­rigen Entschei­dungen geht er hart ins Gericht. Mehr Einsatz im Kampf gegen die Schulden­krise will sich Mario Draghi nicht vorschreiben lassen — schon gar nicht von der Politik. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.01.2012. • EZB-Präsi­dent Mario Draghi hat auf Forde­rungen nach mehr Einsatz seiner Insti­tution geant­wortet: die EZB habe mit der groß­zügigen Geld­versor­gung der Banken die Lage auf den Märkten entspannt • es sei nun an den Regie­rungen, „die Finanz­stabi­lität zu verbes­sern, indem sie ihre über­mäßigen Defi­zite abbauen” • es gebe viele Anzei­chen, dass der Drei­jahres­tender vom Dezember „effektiv” war: Rück­gang der Refi­nanzie­rungs­kosten Spaniens und Italiens, erfolg­reiche Anleihe­emissi­onen einzelner Banken zu Jahres­beginn • „Wir freuen uns immer zu hören, dass die EZB die einzig funkti­onie­rende Insti­tution der Euro-Zone ist.” • zu den Regeln des „Fiskal­pakts”: „Solche Regeln müssen unzwei­deutig formu­liert sein, damit sie wirken.” • die Regie­rung in Athen stößt bei ihren Verhand­lungen mit ihren privaten Gläu­bigern über einen Forde­rungs­verzicht auf Wider­stand • der griechi­sche Finanz­staats­sekretär Filippos Sachi­nidis warnte, die Entlas­tung könnte hinter den erwar­teten 100 Mrd. € zurück­bleiben • Draghi und sein Vize­präsi­dent Vítor Constâncio lehnten eine Betei­ligung entschieden ab • die Privat­gläubi­gerbe­teili­gung sei qua Defini­tion nicht die Ange­legen­heit der EZB • Draghi: die EZB hatte von Anfang an vor dem von Bundes­kanz­lerin Angela Merkel durchge­setzten Schulden­schnitt gewarnt: „sie hatte mehrere schwer­wiegende Neben­folgen, die wir jetzt alle miter­leben.” • seither sind die Refi­nanzie­rungs­kosten Italiens und Spaniens kräftig gestiegen, weil die Inves­toren befürchten, letzt­lich auch diesen beiden Ländern einen Teil ihrer Schulden erlassen zu müssen • Draghi machte deut­lich, dass die EZB auf eine groß­zügige Geld­versor­gung der Kredit­wirt­schaft setzen will
[HTML] J. Dams: Schuldenkrise: Der griechische Albtraum, den die Kanzlerin fürchtet.[wichtig!] Neue Hilfs­gelder oder ein Forde­rungs­verzicht. Oder von beidem etwas? Ein letzter Ausweg wäre die Pleite Athens. "Welt Online" hat 4 Szena­rien zusam­menge­stellt. WELT ONLINE, 13.01.2012.
1) Neue Hilfe der EU-Partner: • Mit dem 2. Hilfspaket für Griechenland beschlossen Europas Regierungschefs mit dem IWF und der Finanzbranche im vergangenen Jahr Hilfen in einem gigantischen Ausmaß: das Land sollte 100 Mrd. € an direkten Hilfskrediten und weitere 30 Mrd. € für die Absicherung seiner Banken und noch einmal 100 Mrd. € durch Forderungsverzicht der internationalen Finanzwirtschaft erhalten • nun stellt sich heraus, dass mehr gebraucht wird und dass der IWF sich nicht an der Absicherung der griechischen Banken beteiligen wird • Angela Merkel müsste also vom Deutschen Bundestag noch einmal neue Milliarden für die Griechen erbitten • in der Bevölkerung aber dürfte das kaum Zustimmung finden
2) Forderungsverzicht: • als einer der größten Erfolge von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble galt lange Zeit, dass sie die Banken zur Teilnahme am freiwilligen Schuldenschnitt gebracht haben, was 100 Mrd. € erbringen sollte • freiwillig deshalb, damit nicht jene Kreditausfallversicherungen fällig werden, die in ihrer Höhe das gesamte Finanzsystem erschüttern könnten • jetzt heißt es aber, dass die neuen Griechen-Bonds, die im Tausch gegen die alten beim Schuldenverzicht ausgegeben werden, einen niedrigeren Zins kriegen könnten und nach britischem (nicht nach griechischem Recht) ausgegeben werden • danach wäre ein späterer 2. Schuldenschnitt praktisch ausgeschlossen und die Banken könnten sogar griechisches Eigentum pfänden lassen
3) Steuerzahler und Banken helfen gemeinsam: • auch wenn über ein größeres Rettungspaket verhandelt würde, könnten die Europäer wohl nicht allein die höheren Kosten übernehmen, und die Kreditinstitute auch nicht freiwillig die klaffende Lücke füllen • daher halten viele Banker eine Pleite des Landes für unausweichlich • vielleicht will die Politik aber noch einmal Zeit gewinnen, um die Brandmauer um die restlichen europäischen Staaten noch schnell höher zu ziehen • dazu müssten die heimischen Steuerzahler und die Banken noch etwas geben zur Stabilisierung Griechenlands, bis der Rest der Euro-Zone als gerettet gilt
4) Athen rutscht in die Pleite : • das ist der Albtraum, den die Bundeskanzlerin fürchtet • weil der IWF bei aussichtsloser Lage Griechenlands weitere Kredite verweigert, könnte eine enttäuschte EU Griechenland bewusst in die Insolvenz schicken • das kann dann innerhalb weniger Wochen seine Schulden nicht mehr bezahlen, die Anleihen sind auf einen Schlag nichts mehr wert, den griechischen Banken droht das sofortige Aus • Griechenland kann dann mit seinen Gläubigern verhandeln, welchen Teil seiner Schulden es jemals zurückzahlen will — und Athen ist raus aus dem Euro
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Banken brechen Gespräche über Hellas-Hilfe ab. Die Verhand­lungen über einen Schulden­erlass für Athen sind vorerst geschei­tert. Damit rückt die Gefahr einer Staats­pleite näher: Ein Beitrag der privaten Gläu­biger ist Voraus­setzung für das 2. Rettungs­paket. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 13.01.2012. • Der inter­natio­nale Banken­verband IIF hat die Schulden­erlass-Verhand­lungen für Grie­chen­land suspen­diert, weil er offenbar grund­sätz­lich am Sinn eines Schulden­erlasses auf frei­williger Basis zwei­felt: „Die Gespräche mit Grie­chen­land und dem offizi­ellen Sektor werden unter­brochen, um über den Nutzen eines frei­willigen Ansatzes nachzu­denken” • falls sich nicht genug private Gläu­biger an dem geplanten Schulden­erlass betei­ligen, müsste Grie­chen­land die Finan­zierungs­lücke durch mehr Hilfen seiner Euro-Partner schließen oder Banken, Versi­che­rungen und Fonds­gesell­schaften einen Schulden­schnitt aufzwingen (dies scheint der IIF mit seinen Zwei­feln an einer frei­willigen Lösung zu suggerieren) • in letz­terem Fall müsste die Regie­rung aller­dings ihren Gläu­bigern mitteilen, dass sie ihre Schulden schlicht­weg nicht voll bedienen kann (=Staats­pleite) • davor schreckten die Regie­rungen der Euro-Zone bislang zurück, weil ein Staats­bank­rott die Zahlung von Kredit­ausfall­deri­vaten (CDS) in Milli­arden­höhe auslösen würde — was einzelne Anbieter dieser Deri­vate (zumeist Banken) über­fordern könnte • Clea­ring­haus DTCC: Grie­chen-CDS im Wert von umge­rechnet 70 Mrd. Dollar sind im Umlauf, die meisten aber durch Gegenge­schäfte abgesi­chert — netto würden bei einer Pleite laut DTCC 3 Mrd. Dollar tatsäch­lich fällig • die Politik scheute dieses Risiko bislang, da unklar ist, welche Partei in dem kompli­zierten Netz­werk gegen­seitiger Absiche­rungsge­schäfte ausfallen könnte • einige CDS-Käufer sollen hingegen eine Auszah­lung der Versiche­rungs­leis­tungen wünschen — daher wäre ihnen ein erzwun­gener Schulden­erlass lieber (vor allem den Hedge-Fonds) • Nach­richten­agentur Bloom­berg: einige Hedge-Fonds setzen bislang darauf, dass der Beitrag der Finanz­branche zur Rettung Grie­chen­lands allein von Banken und Versiche­rungen getragen werde (also die unbetei­ligten Hedge-Fonds fein heraus kämen)
[HTML] A. Kühnlenz: Schuldenkrise: Der Euro-Zone läuft die Zeit davon. Die Markt­reak­tion auf die Boni­täts­herab­stufung von Euro-Ländern durch S&P zeigt: Die Staaten müssen noch schneller eng zusam­menrü­cken. Erst wenn sie echte Bereit­schaft zu einer Stabi­litäts­union zeigen, wird auch die EZB zur Hilfe bereit sein. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 14.01.2012. • Kaum meldeten die Nach­richten­agen­turen die Herab­stufung von Frank­reich und Öster­reich, brachen die Aktien­kurse ein, der Euro verlor heftig und die EZB musste Staats­papiere aus Italien und Spanien aufkaufen, damit deren Zinsen nicht explo­dieren • dabei wurden Staats­anleihen aus Frank­reich auch für den Rettungs­fonds EFSF schon seit Wochen nicht mehr wie Papiere gehan­delt, die eine Topnote aufweisen • das zeigte: auch mit einem „AA”-Rating kann die EFSF noch genü­gend Geld für die Rettung Irlands und Portu­gals einsam­meln, bis der endgül­tige Mecha­nismus einge­führt ist • aber noch immer liegen die lang­fristigen Zinsen Italiens und Spaniens auf einem Niveau, dass die Länder auf Sicht mehrerer Jahre nicht verkraften können • es wird deut­lich: alle bisher unter­nommenen Schritte der Euro-Regie­rungen hin zu einer Fiskal­union reichen noch lange nicht aus, um den Euro-Raum dauer­haft zu stabili­sieren • S&P kriti­siert daher den auf dem Dezember-Gipfel verab­redeten Fiskal­pakt: „Wir glauben, dass die Eini­gung nicht den Durch­bruch gebracht hat, um (…) voll­ständig die Finanz­probleme der Euro-Zone zu adres­sieren” • Europa braucht eine Lösung, die einer­seits den Inter­esse an konse­quenter Haus­halts­diszi­plin gerecht wird und anderer­seits die schwä­cheren Länder nicht in Spar­diktat und Rezes­sion ersticken lässt • die S&P-Ana­lysten: der Gipfel habe zu einseitig auf verschärftes Sparen gesetzt und dabei das Wachs­tums­poten­zial der Euro-Zone unbe­achtet gelassen • dies habe das Risiko eines Konjunk­turein­bruchs heraufbe­schworen • die Euro-Zone hat keine Minute mehr zu verlieren: jede weitere Anlei­heauk­tion der Krisen­staaten kann die Krise heftig verschärfen • ein Risiko geht auch von jedem neu aufkom­menden Streit zwischen den Spitzen­poli­tikern aus • die Noten­banker sind die einzigen, die die Märkte vorerst beru­higen können, indem sie aufkom­mende Paniken mit Anleihe­käufen beenden • sonst drohe ein Euro-Zusammen­bruch, der in einem welt­weiten Finanz-Tsunami enden könnte
[HTML] M. Fischer: Schuldenkrise: Zeit für die Euro-Wende. Frank­reich und Öster­reich verlieren ihre Top-Bo­nität, die Verhand­lungen zur Umschul­dung zwischen Grie­chen­land und den Banken stehen vor dem Schei­tern, die Euro-Krise verschärft sich drama­tisch. Ist die Währungs­union noch zu retten? wiwo.de, 14.01.2012. • Jetzt kam es für die Rettungs­poli­tiker knüp­peldick: erst platzten die Umschul­dungs­verhand­lungen Grie­chen­lands mit den privaten Gläu­bigern, dann stufte die Rating-Agentur Stan­dard & Poor´s die Kredit­würdig­keit von 9 Euro­ländern herab • S&P verwies auf die unzurei­chende Reak­tion der Regie­rungen auf die Euro-Krise, die der Schwere der Probleme nicht Rech­nung trage • an den Märkten flüch­teten die Anleger in deut­sche Staats­anleihen — die Renditen für 10-jäh­rige Bundes­anleihen rutschten unter 1,8% • die Zinsen klet­terten für die herabge­stuften Länder dagegen nach oben — aller­dings moderat • wollen die Regie­rungen das AAA-Rating des Euro-Rettungs­fonds EFSF erhalten, müssen sie entweder sein Kredit­volumen redu­zieren oder — vor allem von Deutsch­land als wichtig­stem Bürgen — höhere Garan­tien einfor­dern • schon jetzt reicht das Kredit­volumen des Fonds nicht aus, um im Krisen­fall den Finanz­bedarf Italiens und Spaniens zu decken • zusätz­liche Garan­tien von Deutsch­land würden dessen Bonität und damit den gesamten Rettungs­schirm gefährden • versuchen die Regie­rungen mit immer aber­witzi­geren Summen, den maroden Krisen­ländern den Verbleib in der Euro-Zone zu sichern, wird dies die Bonität der verblie­benen AAA-Länder und damit die Kredit­würdig­keit des EFSF unter­graben — es drohe der kollek­tive Staats­bank­rott • der IWF fordert die Euro­länder auf, ihre Rettungs­hilfen für Grie­chen­land aufzu­stocken, falls der Forde­rungs­verzicht der privaten Gläu­biger hinter dem Ziel­wert von 50% zurück­bleibt • statt Speku­lati­onen der Banken und Hedge-Fonds zu belohnen, sollten die Poli­tiker lieber an den Steuer­zahler denken und Grie­chen­land durch Zudrehen des Geld­hahns in den offenen Staats­bank­rott und zum Austritt aus der Währungs­union zu zwingen • das mag eine Stange Geld für die Reka­pita­lisie­rung der griechi­schen Banken kosten, doch lang­fristig ist es die beste Lösung
Eingefügter Kasten: Die Fehler bei der Euro-Rettung. • Rettungsfonds EFSF: Eine kleine Krücke • Haircut mit Nebenwir­kungen • Tabu­bruch Raus­wurf • Chaoti­sche Kommu­nika­tion • Zu hohe Erwar­tungen • Spar­pakete setzen zu stark auf Steuer­erhö­hungen • Die Wirt­schaft miss­achtet (Harvard-Ökonom Alberto Alesina: die meisten Industrieländer in den vergangenen 40 Jahren sind mit ihren Konsolidierungsstrategien gescheitert — nur 20% waren erfolgreich: sie setzten auf eine Kombination von harten Ausgabenkürzungen und moderaten Steuersenkungen)
[HTML] Schuldenkrise: Erster Chef eines Dax-Konzerns spricht vom Euro-Austritt. Die Gemein­schafts­währung darf nicht um jeden Preis gerettet werden — so sieht es Linde-Vorstand Wolf­gang Reitzle. Ein Austritt könne sogar Vorteile für Deutsch­land bringen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 15.01.2012. • Wolf­gang Reitzle (Linde-Vorstand) glaubt zwar, dass die Rettung des Euro gelingen könne, aber er sei „nicht der Meinung, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden muss.” • notfalls müsse Deutsch­land austreten • nach der Herab­stufung von 9 Euro-Län­dern gibt es aus Grie­chen­land auch noch Signale, dass zusätz­liche Milli­arden­hilfen nötig sind, um den Staats­bank­rott zu verhin­dern • Ökonomen warnen, dass Deutsch­lands Wirt­schaft im Falle eines Endes des Euros massiv an Wettbe­werbs­fähig­keit einbüßen würde • das sieht zwar auch Reitzle so, aber ein Austritt würde auch zu einer Aufwer­tung „der D-Mark, des Euro-Nord, oder welche Währung wir dann auch hätten, führen” • in den ersten Jahren nähme durch einen einbre­chenden Export die Arbeits­losig­keit zu, aber dann stiege der Druck, wettbe­werbsfä­higer zu werden • „Schon 5 Jahre später könnte Deutsch­land im Vergleich zu den asia­tischen Wettbe­werbern noch stärker dastehen” • für Grie­chen­land aber sieht er keine Chancen mehr, in der Währungs­union zu bleiben. Die Märkte hätten das Thema „längst abge­hakt” • Athens Schulden müssten zu 100% abge­schrieben werden
[HTML] M. Gatzke: Schuldenkrise: Europa braucht Wachstum.[!] Sparen allein reicht nicht, urteilt die Rating-Agentur Stan­dard & Poor's. Richtig, kommen­tiert Marcus Gatzke. Nur muss das auch Deutsch­land endlich verstehen. ZEIT ONLINE, 16.01.2012. • Wie die Rating-Agentur Stan­dard & Poor's zu ihrer Herab­stufung von 9 Euro-Staaten richtig fest­stellt, sind schlechte Wachs­tumsaus­sichten durch eine schwache Konjunktur zum großen Problem in der Schulden­krise geworden • alle Sparan­stren­gungen dort bringen nichts, wenn in jenen Ländern die Steuerein­nahmen sinken und die Arbeits­losig­keit steigt • ein formi­dables Jahr in Deutsch­lands Wirt­schaft verleitet leicht zu dem einsei­tigen Grund­satz: wer hart genug spart, gewinnt das Vertrauen der Gläu­biger zurück und sorgt so am Ende für mehr Wachstum und Stabi­lität • zwar ist die Konso­lidie­rung der Haus­halte wichtig, aber Sparen im Hauruck­verfahren ist jeden­falls kontra­produktiv • kontra­produktiv waren auch die Betei­ligung der Banken am griechi­schen Schulden­schnitt und die schnelle Anhe­bung ihres Kernka­pitals • Stan­dard & Poor's warnt zu Recht vor den nega­tiven Folgen einer Kredit­klemme in einigen Euro-Staaten • jetzt erst wollen Frank­reich und Deutsch­land der EU-Kommis­sion Vorschläge für mehr Wachstum und Beschäf­tigung in Europa unter­breiten • die Krisen-Länder Europas müssen wettbe­werbs­fähiger werden, ohne in eine Defla­tion abzu­rutschen: Struktur­reformen ja, aber auch kurz­fris­tige Wachs­tumsim­pulse • umge­kehrt müssen wir dann aufhören, unsere Wettbe­werbs­fähig­keit auf Kosten Südeu­ropas zu stei­gern • wir müssen mehr für die Binnen­nach­frage und damit gegen zu starke Ungleich­gewichte in Europa tun • das will Angela Merkel immer noch nicht einsehen
[HTML] Schuldenkrise: Banken bunkern halbe Billion Euro in der EZB. So prall gefüllt wie jetzt war die „Angst­kasse” EZB noch nie. Die anhal­tende Schulden­krise und das Rating-Urteil der vergan­genen Tage lässt Banken auf Nummer sicher gehen. Sie parkten nun etwas mehr als ½ Billion € bei der Europä­ischen Zentral­bank. RP ONLINE, 17.01.2012
[HTML] W. Proissl: Schuldenkrise: EZB erwägt Alternative zu Staatsanleihekauf.[!] Die Zentral­bank sucht Wege, ihr umstrit­tenes Krisen­programm zu beenden. Eine Option wäre, sich die ameri­kani­sche Noten­bank Federal Reserve zum Vorbild zu nehmen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 17.01.2012
[HTML] C. Hulverscheidt: Euro: Wie Deutschland von der Schuldenkrise profitiert. Deutsch­land soll mehr für die Euro-Rettung zahlen, sagen die anderen Länder — denn die deut­sche Wirt­schaft ist der Gewinner in Europa. Tatsäch­lich kommt der hiesigen Indus­trie der Euro zugute, und auch der Staat profi­tiert: Die Zins­last des Bundes hat sich deut­lich verrin­gert. sueddeutsche.de, 18.01.2012. • Was Italiens neuer Regie­rungs­chef Mario Monti in Berlin Angela Merkel nicht persön­lich zu sagen wagte, teilte er schließ­lich den Medien mit: dass Deutsch­land den Itali­enern gleich aus 3 Gründen zur Hilfe eilen muss: • 1. habe die Bundes­repu­blik die finanz­politi­sche Grund­satzde­batte in Europa für sich entschieden und ihre Vision einer „Kultur der Stabi­lität” erfolg­reich auf die ganze Euro-Zone über­tragen • 2. müsse dieser Menta­litäts­wechsel der anderen Länder auch gewür­digt werden, sonst komme es zu anti­deut­schen Protesten • 3. niemand profi­tiere mehr vom Euro als die Bundes­bürger • dieser letzte Punkt, geht in der inner­deut­schen Debatte leicht unter • es gehen nämlich fast ⅔ der deut­schen Exporte in die Europä­ische Union, über­wiegend in die Euro-Länder • da es kein Wechsel­kurs­risiko gibt, müssen die hiesigen Unter­nehmen keine teuren Absiche­rungsge­schäfte tätigen • bräche die Euro-Zone ausein­ander, würde die wieder einge­führte Deutsche Mark massiv aufge­wertet — deut­sche Waren würden damit im Ausland zu teuer • Deutsch­land profi­tiert aber nicht nur vom Euro, sondern auch von der Euro-Krise • die Zinszah­lungen des Bundes im vergan­genen Jahr waren mit 32,8 Mrd. € so niedrig wie seit 1993 nicht mehr: die Anleger betrachten deut­sche Staats­anleihen als soge­nannten sicheren Hafen • die Inves­toren kaufen Schuld­verschrei­bungen der Bundes­regie­rung auch dann, wenn die ange­botene Verzin­sung immer winziger wird • die Spreads (das Gefälle an Rendi­teab­ständen zwischen Anleihen verschie­dener Länder), die jahre­lang weniger als 1 Prozent­punkt ausmachten, errei­chen mittler­weile Werte von 4, 5 oder gar 10 Punkten • während die Rendite deut­scher Staats­papiere mit 10-jä­hriger Lauf­zeit bei knapp 1,8% liegt, muss Frank­reich mit einem Risi­koauf­schlag von 3,1%, Belgien schon mit 4,2%, Spanien mit 5,3% und Italien gar mit 6,7% leben • die Umlauf­rendite (der Durch­schnitts­ertrag aller deut­schen Spitzen­anleihen) hat mit 1,42% den niedrig­sten Stand der Geschichte erreicht • Finanz­minister Wolf­gang Schäuble konnte die Milliar­dener­sparnis an seiner Kasse erkennen: er hätte sonst allein zwischen Oktober 2009 und Oktober 2011 fast 1,3 Mrd. € mehr Zinsen zahlen müssen • da will Monti mit Hilfe von Euro-Bonds wenig­stens ein Stück von der deut­schen Spit­zenbo­nität abknapsen
[HTML] P. Welter: Kampf gegen die Schuldenkrise: Der IWF will mehr Geld. Die Forde­rung von zusätz­lichen 500 Mrd. $ verdeut­licht, mit welch großer Sorge der Inter­natio­nale Währungs­fonds die Schulden­krise in Europa sieht. FAZ.NET, 18.01.2012
[HTML] W. Proissl, P. Ehrlich: Schuldenkrise: Schwellenländer lassen Europäer zappeln. Der Inter­natio­nale Währungs­fonds will im Kampf gegen die Euro-Krise zusätz­liche 600 Mio. Euro einsam­meln. Das Geld müsste auch aus Ländern wie China oder Indien kommen — dort aber will man nicht ohne Weiteres zahlen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 18.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: Italien verlangt den Billionen-Rettungsfonds. Der italie­nische Minis­terprä­sident Mario Monti drängt die Bundes­regie­rung angeb­lich dazu, einer Verdopp­lung des Euro-Rettungs­fonds ESM auf 1 Billion € zuzu­stimmen. Unterstüt­zung bekommt er dabei offenbar von einem anderen Itali­ener: EZB-Präsi­dent Mario Draghi. FAZ.NET, 22.01.2012
[HTML] J.E. Stiglitz: Top-Ökonomen: Joseph Stiglitz — 2012 könnte es noch schlimmer kommen.[!] Im vergan­genen Jahr sind zahl­reiche Hoff­nungen enttäuscht worden. Wenn sich die Politik weiterhin von über­holten Ideo­logien und Lobby­isten leiten lässt, verschärft sich die Lage noch. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 22.01.2012. • Zeit­weise glaubten Milli­onen Ameri­kaner, sie hätten eine echte Chance, den ameri­kani­schen Traum zu verwirk­lichen • nun schwinden die Träume: die Erspar­nisse derer, die 2008 oder 2009 ihre Arbeit verloren hatten, waren bis 2011 aufge­zehrt; die Firmen stellen nicht schnell genug wieder ein, um Schritt zu halten mit der Zahl derje­nigen, die auf den Arbeits­markt drängen wollten; Menschen im mitt­leren Alter, die hofften, nur für einige Monate ohne Arbeit sein, wurden zwangs­weise in Rente geschickt; junge Menschen, die frisch von der Univer­sität kommen und Zehntau­sende Dollar Schulden für ihre Ausbil­dung ange­häuft haben, finden keine Arbeit; Menschen, die bei Freunden oder Verwandten einge­zogen waren, sind obdachlos geworden; Häuser, die während des Immo­bilien­booms gekauft worden waren, sind noch immer auf dem Markt oder wurden mit Verlust verkauft; über 7 Milli­onen ameri­kani­sche Fami­lien haben ihr Heim verloren • in Europa haben die Unent­schlos­senheit wich­tiger Regie­rungen im Fall Grie­chen­land und die Vorliebe für Spar­pläne einen hohen Tribut gefor­dert • Italien wurde infi­ziert und Spaniens Arbeits­losen­quote stieg noch höher • es ist möglich, dass die USA 2012 ihre politi­schen Probleme lösen und die Arbeits­losig­keit mithilfe von Konjunk­turmaß­nahmen auf 6% oder 7% drücken • aber das ist ebenso unwahr­schein­lich wie eine Einsicht Europas, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird • im Gegen­teil: Spar­samkeit kühlt die Wirt­schaft nur noch ab, und das ausblei­bende Wachstum wird die Schulden­krise nur verschlim­mern • die seit dem Platzen der Immo­bilien­blase 2007 schwe­lende Krise und die nachfol­gende Rezes­sion werden fort­dauern • aus den Schwel­lenlän­dern droht die Gefahr, dass sie mit den neuen Problemen nicht so gut umgehen können • so ist Brasi­liens Wachstum schon ins Stocken geraten • lang­fris­tige Probleme wie der Klima­wandel und andere Umwelt­gefahren sowie die stei­gende Ungleich­heit in den meisten Ländern sind nicht verschwunden • hohe Arbeits­losig­keit hat die Löhne gedrückt und die Armut gestei­gert • dabei würde eine Lösung der lang­fris­tigen Probleme auch bei den kurz­fris­tigen Problemen helfen • höhere Ausgaben würden die wirt­schaft­liche Akti­vität ebenso stimu­lieren wie das Wachstum und den Arbeits­markt • eine progres­sivere Besteu­erung würde gleich­zeitig Ungerech­tigkeiten abbauen, die Gesamt­nach­frage erhöhen und die Beschäf­tigung verbes­sern • die Fixie­rung einer ange­bots­orien­tierten Politik auf Vermei­dung des Defi­zits wird zu weniger Sozi­alaus­gaben führen und damit die Unge­rechtig­keit verschärfen • die prag­mati­sche Konzen­tration auf Wachstum in Asien und anderen Schwel­lenlän­dern steht im Kontrast zur Ideo­logie- und Inter­essen-gelei­teten Politik des Westens • die Neuaus­rich­tung der Welt­wirt­schaft wird sich vermut­lich beschleu­nigen und zu politi­schen Span­nungen füren • wir können von Glück sagen, wenn sich die Belas­tungen nicht inner­halb der näch­sten 12 Monate abzu­zeichnen beginnen
[HTML] M. Bergermann, C. Schütte; T. Bartz, T. Bayer, P. Ehrlich: Staatsschulden: Operation Flutwelle. Gut 800 Mrd. € müssen Europas Regie­rungen 2012 am Kapital­markt beschaffen. Damit das gelingt, über­schwemmt die EZB die Banken mit Liqui­dität. Doch die Insti­tute zieren sich, von dem Geld Staats­anleihen zu kaufen. Capital  Politik, 24.01.2012
[HTML] Schuldenkrise in Europa: Merkel warnt vor einer Überforderung Deutschlands. Auch Deutsch­land muss aufpassen, „dass uns am Ende nicht die Kraft ausgeht”, sagt Angela Merkel. Die Kanz­lerin ermahnt die Euro-Länder zu mehr Eigen­verant­wortung. WELT ONLINE, 24.01.2012
[HTML] W. Proissl: Schuldenkrise: IWF warnt Deutschland vor zu viel Sparsamkeit. Der IWF wendet sich gegen die Politik von Kanz­lerin Merkel. Der Währungs­fonds fordert von starken Ländern Mäßi­gung beim Sparen — und senkt die Wachs­tumsaus­sichten für Deutsch­land und Europa. stern.de, 24.01.2012
[HTML] G. Schick (finanzpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion): Bankenrettung: Undemokratisch, ungerecht, unsichtbar.wichtig! Europas Schulden­krise ist längst eine Banken­krise. Deshalb holt Deutsch­land den Banken­rettungs­fonds wieder hervor. Doch die Finanz­insti­tute werden auf europä­ischer Ebene gerettet — ohne Trans­parenz. Was die Regie­rungs­chefs der EU und die Europä­ische Zentral­bank im Moment machen, dient vor allem den Inter­essen der Bank­aktio­näre. sueddeutsche.de, 26.01.2012. • Während der immer noch unge­lösten Finanz­krise in der Euro­zone wird der deut­sche Banken­rettungs­fonds SoFFin reakti­viert — mit 400 Mrd. € an Garantie- und 80 Mrd. € an mögli­chen Kapital­hilfen ausge­stattet • schon wieder müssen die Steuer­zahler­innen und Steuer­zahler in Deutsch­land damit den Finanz­sektor stabi­lisieren • werden jetzt die Fehler von 2008 wieder­holt? • wieder werden nur auf Antrag der betrof­fenen Insti­tute Garan­tien oder Kapital­hilfen zur Verfü­gung gestellt — und es wurde auf Druck der FDP wurde darauf verzichtet, künftig direkt zwangs­weise eine Reka­pita­lisie­rung von Banken zu ermög­lichen • Teilver­staatli­chungen sind nur auf großen Umwegen möglich, und die fiska­lischen Kosten von Banken­rettungen in Deutsch­land fallen damit auch künftig teurer als erfor­derlich aus • in den USA dagegen sorgten die breit ange­legten Zwangs­reka­pita­lisie­rungen für die dortigen vergleichs­weise nied­rigen Rettungs­kosteneine Betei­ligung des Bundes­tags bei Entschei­dungen zu den Banken­rettungen ist immer noch nicht vorge­sehen, für die sich doch u.A. der Bundes­rech­nungshof stark gemacht hatte • die dem Finanz­markt­stabi­lisie­rungs­fonds bisher entstan­denen Verluste sind nicht trans­parent, so dass der Fonds einen Schatten­haus­halt darstellt • ange­sichts der Höhe der vom Bundestag bereitge­stellten Gelder ist die Form der parla­menta­rischen Kontrolle unzurei­chend • die Selbst­bedie­nung der Banken­mitar­beiter durch Boni etc. ist immer noch unzurei­chend gere­gelt • die eigent­liche 2. Welle der Banken­rettung erfolgt durch die EZB, die mit ihren Beschlüssen vom 8. Dezember 2011 die Schleuse für einen Geld­segen weit geöffnet hat (489 Mrd. € zu 1% für 3 Jahre) • gleich­zeitig garan­tierten die Krisen­staaten offenbar für etwa 209 Mrd. € Bankan­leihen ihrer jewei­ligen Banken • nach einer Studie von Morgan Stanley haben italie­nische Banken in Höhe von etwa 50 Mrd. € davon Gebrauch gemacht • das Risiko dafür trägt der Steuer­zahler, weil die vom italie­nischen Staat garan­tierten Anleihen italie­nischer Banken ausfallen können, wie auch der italie­nische Staat selbst • so werden zum 2. Mal nach 2008 in großem Volumen am Finanz­markt Risiken sozia­lisiert und Gewinne priva­tisiert — und das ohne öffent­liche Trans­parenz • und zudem gibt es keinerlei Gehalts­decke­lung • die durch die Hilfe der Europä­ischen Steuer­zahler ermög­lichten Gewinne können wie bisher in hohe Boni oder Gehälter bzw. als Divi­denden ausge­schüttet werden • unter der Perspek­tive der Vertei­lungs­gerech­tigkeit wie des Demo­kratie­prinzips ist so die Banken­rettung 2012 noch schlimmer als die von 2008 • die ruhig blei­bende Öffent­lich­keit kann offenbar kaum nach­voll­ziehen, was hier geschieht • die Risiken, die die EZB bei dieser Gesamt­rettung des südeuro­päi­schen Banken­sektors und indi­rekt damit auch bei der Über­windung der Schulden­krise über­nimmt, tragen die Steuer­zahler der Währungs­union gemeinsamstatt­dessen könnte der europä­ische Banken­sektor so wie 2008 in den USA mit staat­lichem Geld zwangs­weise kapi­tali­siert werden • dann würden die Bank­aktio­näre an den Kosten der Rettung betei­ligt, weil ihre Anteile an Wert verlieren würden, und die Steuer­zahler erhielten im Gegenzug zu den über­nommen Risiken Anteile an den geret­teten Banken • diese Posi­tion ist zuletzt auch von Michael Hüther vom Institut der deut­schen Wirt­schaft vertreten worden • doch die europä­ischen Staats- und Regie­rungs­chefs wie auch die EZB verfolgen einen Weg, der den Inter­essen der Bank­aktio­näre dient und nicht der „Real­wirt­schaft”
[HTML] U. Poschardt: EU-Schuldenkrise: Das neue Deutschland — der böse Bulle Europas. Die immense Verant­wortung in der Euro-Krise, nach der sich die Deut­schen nie gedrängt haben, macht das Land zu den USA Europas: wichtig, aber unpo­pulär. WELT ONLINE, 29.01.2012
[HTML] Ratlosigkeit im Kampf gegen die Schuldenkrise. Nachdem vor einem Jahr die Wirt­schafts­elite am Welt­wirt­schafts­forum (WEF) wegen der Konjunk­turer­holung mit geschwellter Brust den Politi­kern den Marsch geblasen hatte, domi­nierte dieses Jahr die Ratlo­sigkeit. Die Schützen­gräben im Kampf gegen die Schulden­krise zogen sich auch durchs WEF. Ein gemein­sames Vorgehen beim alles dominie­renden Thema war am 42. Jahres­treffen in Davos nicht erkennbar. Deutsch­land stand dabei aller­dings immer einsamer da. Am WEF schossen sich alle auf Berlin ein, den Wider­stand gegen eine Aufsto­ckung des perma­nenten Rettungs­schirms ESM aufzu­geben. moneycab, 29.01.2012. • Ein gemein­sames Vorgehen beim diesjäh­rigen Jahres­treffen in Davos war nicht erkennbar: um Deutsch­land wurde es immer einsamer, alle schossen sich auf Berlin ein für eine Aufsto­ckung des perma­nenten Rettungs­schirms ESM • der fran­zösi­sche Finanz­minister Fran&ccedi;ois Baroin sprach sich für eine höhere Brand­mauer aus, ebenso wie der briti­sche Premier­minister David Cameron, die IWF-Chefin Christine Lagarde, US-Finanz­minister Timothy Geithner und der kana­dische Zentral­bank­chef und Chef des Finan­cial Stabi­lity Boards: Mark Carney • die Rettungs­schirme EFSF mit den verblei­benden 250 Mrd. € und ESM mit 500 Mrd. € seien unge­nügend ausge­stattet • zwar waren sich alle einig, dass es zusätz­lich Struk­turre­formen brauche, aber der zwischen­staat­liche Vertrag für eine bessere Haus­halts­diszi­plin alleine reiche nicht • Welt­bank-Chef Robert Zoellick: das Durch­wursteln müsse ein Ende haben • unge­duldiger zeigten sich die Asiaten am WEF: sie riefen zu schnellem und entschlos­senem Handeln gegen die Schulden­krise auf — Hong­kongs Regie­rungs­chef Donald Tsang: nur dadurch entstehe Vertrauen • es gab auch den Ruf nach „Kami­kaze-Regie­rungen”, die, weil sie keine Rück­sicht auf Wieder­wahlen nehmen müssten, radi­kale Reformen durch­setzen und den Augias-Stall ausmisten könnten • neue Modelle waren nicht in Sicht — über die künftige Ausge­stal­tung des Kapita­lismus prallten die alten Fronten aufein­ander
[HTML] stk/Reuters/dpa-AFX: Schuldenkrise: Euro-Schutzwall könnte auf 1,5 Billionen anwachsen. Wie viel Geld braucht man, um die ange­schla­genen Euro-Länder abzusi­chern? Laut einem Presse­bericht gibt es Überle­gungen von Regie­rungen und IWF, mehrere Rettungs­fonds zu kombi­nieren — insge­samt käme so eine Summe von 1,5 Billi­onen € zusammen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 31.01.2012
[HTML] P. Ehrlich: Schuldenkrise: Banken sollen für Griechenland nachlegen. Die Euro-Staaten fordern größere Verluste für private Gläu­biger. Aus Troika-Kreisen heißt es, man wolle das Angebot des Banken­verbands weiter drücken. Die Verhand­lungen sollen bis Ende der Woche abge­schlossen sein. FTD Mobil, 31.01.2012
[GIF-Statistik] Der Euro-Stabilitätsmechanismus (ESM).[!] dpa / Hamburger Abendblatt, 01.02.2012
[HTML] ppl: Schuldenkrise: Bundesbank zweifelt an Fiskalpakt. Der neue europä­ische Fiskal­pakt ist nach Ansicht von Bundes­bank-Präsi­dent Jens Weid­mann kein großer Wurf. Die Stoßrich­tung sei zwar grund­sätz­lich richtig, der Pakt sei aber in den Verhand­lungen aufge­weicht worden. FAZ.NET Wirtschaft, 01.02.2012
[HTML] Schuldenkrise: Hedge-Fonds schmieden fürs Euro-Ende Plan A, B, C, D, E, F .... Die Vermö­gensver­walter spielen Extrem­szena­rien durch, um sich für den "Worst Case" zu rüsten. Problem: Die Folgen eines Zusammen­bruchs der Euro-Zone sind unkalku­lierbar. Das macht es schwierig, die rich­tige Stra­tegie zu finden. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 03.02.2012
[HTML] F. Eder: Schuldenkrise: Mario Monti ist der neue Widersacher Angela Merkels. Italiens Minis­terprä­sident nennt Merkels Fiskal­pakt „einen hübschen Sing­vogel” — und setzt sich an die Spitze einer Allianz, die glaubt, genug gespart zu haben. WELT ONLINE, 04.02.2012. • • ;  [JPEG-Grafik] Euro-Rettung: Akteure und Instrumente[!]
[HTML] krk/dapd: Schuldenkrise: Ackermann und Steinbrück warnen vor Kollaps der Euro-Zone. Auf der Münchner Sicher­heits­konfe­renz haben Noch-Deutsch­banker Josef Acker­mann und Ex-Finanz­minister Per Stein­brück vor einem Zusammen­bruch des europä­ischen Währungs­raums gewarnt. Starin­vestor George Soros forderte indes EU-weite Konjunk­turpro­gramme, um Wachstum zu fördern.  manager magazin , 05.02.2012
[HTML] K.-D. Frankenberger: EU-Schuldenkrise: Mehr Europa - weniger Demokratie? Bei der Rettung des Euro dürfe „die Demo­kratie keinen Schaden nehmen”, warnt Andreas Voßkuhle, der Präsi­dent des Bundes­verfas­sungsge­richts. Parla­ments­präsi­dent Lammert sieht das gelas­sener. FAZ.NET, 07.02.2012
[HTML] W. Münchau: Euro-Krise: Vier tickende Geldbomben bedrohen Europa.[wichtig!] Wieder einmal stehen die Schulden­verhand­lungen mit Grie­chen­land auf der Kippe. Doch die größten Gefahren für den Euro lauern nicht in Athen — sondern in Spanien und in den Bilanzen des Europä­ischen Zentral­bank­systems. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 08.02.2012. • Es gibt 4 existen­tielle Bedro­hungen für den Euro, von denen die 1. mögli­cher­weise besei­tigt ist (die am einfach­sten zugäng­liche) • von der 2. Bombe wissen wir zwar, wo sie ist, aber nicht, wie sie funkti­oniert • von der 3. und 4. weiß man nur, dass sie exis­tieren • die 1. Bombe: die akute Liqui­ditätskrise der Banken und eine Kredit­klemme, die im 4. Quartal 2011 in großen Teilen des Euro-Raums einge­setzt hat • die EZB hat das Problem der Kredit­klemme effektiv gelöst, indem sie den Banken Zugang zu einer unbe­grenzten Menge an Geld verschaffte • die Banken haben nun genug Geld, um Staats­schulden zu kaufen, die sie dann als Sicher­heit bei der EZB hinter­legen können, um noch mehr Geld zu erhalten • die 2. Bombe tickt bei der bevorste­henden Entschul­dung Grie­chen­lands: statt auf geplante 120% vom BIP im Jahr 2020 müssten die Schulden auf ein Niveau von höch­stens 80% seiner Wirt­schafts­leis­tung redu­ziert werden • das bedeutet einen Quasi-Total­verlust für alle auslän­dischen Gläu­biger, die EZB und den Rettungs­schirm • offen ist nur noch, wann sie knallt — und ob andere Länder wie Portugal mitge­rissen werden • wer wie jetzt auf unrea­listi­sche Zwischen­lösungen setzt, schiebt das Problem vor sich her — mit umso größerer Deto­nation später • die 3. Bombe: Spanien droht eine Bilanz­rezes­sion, deren Modell der japani­sche Ökonom Richard Koo in seinen Untersu­chungen über die japani­sche Depres­sion der 90er Jahre entwi­ckelt hat • die seltenen Bilanz­rezes­sionen entstehen dadurch, dass der Privat­sektor nach einer geplatzten Speku­lations­blase über Jahre hinweg nicht mehr seine Profite maxi­miert — wie es die ökono­mischen Denk­schulen voraus­setzen — sondern unab­hängig vom Zins­niveau seine Schulden abbaut: Sicher­heit vor Gewinn­streben • steuert der Staat dann nicht massiv mit höheren Staats­ausgaben gegen, fällt das Land in eine drama­tische Schulden­falle • ohne solche Maßnahmen hätte Japan mit einer restrik­tiven Haus­halts­politik 60% seiner Wirt­schafts­leis­tung einge­büßt • Spanien macht jetzt genau den Fehler, vor dem Koo gewarnt hat: Privat­sektor und Staat entschulden sich gleich­zeitig • wenn man Spanien nicht aus den Zwängen des Stabi­litäts­pakts entlässt, dann wird es dort schlimmer als bei uns während der Großen Depres­sion — die Vorgabe der europä­ischen Haus­halts­politik führt Spanien direkt in diese Kata­strophe • in Spanien findet also ein Falsi­fika­tions­test zu Koos Thesen statt: wenn Koo Recht hat, wird Spanien seine Mitglied­schaft im Euro nicht aufrecht­erhalten können • die 4. Bombe ist die gefähr­lichste: die drama­tisch unter­schied­liche wirt­schaft­liche Leis­tungs­fähig­keit der Euro-Staaten • die natio­nalen Zentral­banken lösen die Geschäfts­banken bei der Finan­zierung der Ungleich­gewichte ab • das löst wiederum Ungleich­gewichte im inner­europä­ischen Zahlungs­verkehr aus (dem Target-2-System) • die exzel­lente Analyse von Hans-Werner Sinn und Timo Wollmers­häuser ( Target-Kredite, Leis­tungs­bilanz­salden und Kapi­talver­kehr: Der Rettungs­schirm der EZB. ifo, Juni 2011) zeigt uns, mit welcher Dynamik sich struk­turelle Ungleich­gewichte in einer Währungs­union manifes­tieren: das System selbst verhin­dert einen Abbau der Ungleich­gewichte • diese 4. Bombe könnte nur eine politi­sche Union entschärfen, die mit Euro-Bonds und Trans­ferzah­lungen die Ungleich­gewichte über­brückt und so die struk­turelle Anpas­sung erzwingt • eine echte politi­sche Union könnte sogar alle 4 Bomben gleich­zeitig entschärfen;  [HTML] Leser-Kommentare. • Ist für den Handel/Unter­nehmen/Banken die "Geld­menge" absolut irrele­vant? • die Meta­ebene aller Finanz- und Schulden­probleme: das auf Zins und Zinses­zins sowie freier Geld­schöp­fung durch Banken basie­rende Geld­system • ein hoch verschul­deter Staat bleibt in der Zins­falle • fast alle Staaten dieser Welt sind mehr oder weniger hoch verschuldet • diesem gigan­tischen globalen Schulden­berg steht ein entspre­chender Kapital­berg gegen­über • die Kapital­akku­mula­tion bei einer Mino­rität schreitet in dem Maße voran, wie die Verschul­dung der Majo­rität zumimmt • weil das enorme Kapital zuneh­mend Schwierig­keiten hat, gewinn­brin­gende Anla­gemög­lich­keiten zu finden, weil den Schuld­nern die Luft ausgeht, wird nun verstärkt Kapital in Sach­werte verwan­delt • vor dem unver­meid­lichen Zusam­menbruch des zinsba­sierten Geldsy­stems eignen sich die Geldty­coons so viel an Sach­werten an wie möglich • das FIAT-Geld (von den Banken geschaf­fenes Geld) gibt es erst seit 1944, ebenso wie Kredite, die nur auf Geld basieren;  [HTML] Aus WikipediA: Wolfgang Münchau. • Diplom-Mathe­matiker, Diplom-Betriebs­wirt, M.A. in Inter­natio­nalem Journa­lismus • Mitgründer der Finan­cial Times Deutsch­land, wo er von September 2001 bis August 2003 Chef­redak­teur war • wöchent­liche Kolumne in der FTD • In seinem 2006 veröf­fent­lichten Buch Das Ende der Sozi­alen Markt­wirt­schaft fordert er eine Über­windung des Systems der Sozi­alen Markt­wirt­schaft und die Schaf­fung einer „Markt­wirt­schaft ohne Adjek­tive” • er kriti­siert das deut­sche Konzept der Ordnungs­politik und des Ordo­libera­lismus, das im Kern nicht auf wissen­schaft­lichen ökono­mischen Theorien basiere, sondern auf juris­tischem Denken sowie philo­sophi­schen und theo­logi­schen Konzepten • eine Entflech­tung des Rheini­schen Kapita­lismus sei notwendig • seine Stand­punkte zur welt­weiten Wirt­schafts- und Finanz­krise fanden Eingang in sein 2009 erschie­nenes Buch The Melt­down Years (→Kern­schmelze im Finanz­system) • dort beschreibt er wie welt­weite Eigen­kapi­talvor­schriften für Banken einge­führt wurden, die Anreize für ein prozyk­lisches Kredit­verga­bever­halten geschaffen und dadurch die krisen­hafte Entwick­lung mitver­ursacht hätten • er iden­tifi­ziert die meisten der bisher vermu­teten Ursachen der Welt­finanz­krise ledig­lich als Auslöser, nicht aber als Erklä­rung • so habe die US-Zentral­bank mit ihrer expan­siven Geldpo­litik als vermu­teter Krisen­ursache nur deshalb zu Beginn der 2000er Jahre ihre Zinsen auf ein histo­risches Tief gesenkt, weil güns­tige Importe aus China die Infla­tions­raten niedrig hielten • es seien vielmehr Fehl­konstruk­tionen im globalen Wirt­schafts- und Währungs­system für die Finanz­krise verant­wort­lich;  [PDF] Vorwort zu Wolfgang Münchau: Kernschmelze im Finanzsystem. Carl Hanser Verlag, 2008

Stresstests, Eigenkapital und Garantiesummen  

[HTML] WikipediA: Bank: ein Kredit­institut, das entgelt­liche Dienst­leis­tungen für den Zahlungs-, Kredit- und Kapi­talver­kehr anbietet. de.wikipedia.org, 2011. Geschäfts­bank: Verwal­tung von Sparein­lagen und Kredit­vergabe • Invest­ment­bank: Handel mit und Verwah­rung von Wertpa­pieren • beides unter einem Dach: Univer­salbank • Geschäfts­banken wurden in einer arbeits­teiligen Volks­wirt­schaft als Vermit­tler der Geld­ströme nötig, da die Leis­tungen der Wirt­schafts­subjekte unter Zwischen­schal­tung von Geld ausge­tauscht wurden • Banken sorgen auch für den Ausgleich zwischen Geld­anla­gewün­schen und Kredit­bedarf • die Entgegen­nahme von Sparein­lagen und anderen Vermö­gens­werten zur sicheren Verwah­rung und die Kredit­vergabe bilden die klassi­sche Geschäfts­grund­lage einer Bank • Kredit­insti­tute unter­liegen der behörd­lichen Banken­aufsicht • früher galt die Fris­tenkon­gruenz: Rück­zahlungs­datum/Verfü­gungs­dauer des Kapitals sollte sich mit dem Rück­fluss­zeit­punkt decken • Goldene Bank­regel: kurz­fristige Einlagen dürfen demnach nur kurz­fristig ausge­liehen werden, während lang­fristige Einlagen kurz-, mittel- und lang­fristig ausge­liehen werden können • heute erzielen Banken sogar Erträge durch bewussten Verstoß gegen diese Goldene Bank­regel: indem sie einen Teil der niedrig­verzins­lichen, kurz­fris­tigen Einlagen lang­fristig und damit zu höheren Zinsen ausleihen (Fristen­trans­forma­tion, s.u.) • es wird nur für eine ausrei­chende Zahlungs­bereit­schaft Vorsorge getroffen • die Goldene Bank­regel ist auch in der Volks­wirt­schafts­lehre umstritten: Liqui­dität sei nur dann gegeben, wenn in einem Zeit­raum die Summe der vom Kredit­institut nicht beein­fluss­baren Auszah­lungen die Summe der entspre­chenden Einzah­lungen nicht über­schreitet • die Banken erfüllen 3 wichtige volks­wirt­schaft­liche Funk­tionen: • 1) Losgrößen­trans­forma­tion (Ballungs­funk­tion, Bünde­lungs­funk­tion): Banken schaffen einen Ausgleich zwischen dem Angebot vieler relativ kleiner Einlagen und der Nach­frage nach großen Krediten • 2) Fristen­trans­forma­tion (Fristver­länge­rungs­funk­tion), Ausleihen mit einer anderen Frist als Festle­gungs­frist der Einlagen, hat folgende Aspekte zu beachten: Liqui­ditäts­probleme, Ertrags­probleme, Zins­ände­rungs­risiko, Gefahr eines Bank Run • 3) Risiko­trans­forma­tion (Vertrauens­funktion): der Einleger vertraut darauf, dass bei der Kredit­vergabe auch auf eine gute Risiko­streuung geachtet wird (durch Portfo­liobil­dung, Überwa­chung der Kredite, entspre­chende Vertrags­gestal­tung und Haftung durch Eigen­kapital • Banken betreiben mit ihrer Kreditvergabe auch Geldschöpfung, indem sie durch Kredite der Zentralbank der Wirtschaft Geld zuführen, das nur zu einem Teil durch Einlagen gedeckt ist • durch Veran­lagung von Kapital bei der Zentral­bank können sie dem Wirt­schafts­kreis­lauf Geld entziehen
[HTML] WikipediA: Einlagensicherung. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Haftendes Eigenkapital: Kernka­pital und Ergän­zungs­kapital.. de.wikipedia.org, 2011. • Bei Spar­kassen wird das haftende Eigen­kapital Sicher­heits­rück­lage genannt • das haftende Eigen­kapital ist ein Maß für die Risi­kotrag­fähig­keit bei Kredit­insti­tuten • die risi­kotra­genden Aktiva dürfen das 12,5-fache des haftenden Eigen­kapi­tals nicht über­schreiten (§ 2 Abs. 6 SolvV, „Solvabi­litäts­verord­nung”) — also muss das haftende Eigen­kapital mindes­tens 8% der Risi­koak­tiva errei­chen • für Groß­kredite, Organ­kredite und qualifi­zierte Beteili­gungen sind spezi­elle Bindungen vorge­schrieben
[HTML] WikipediA: Basel I (auch: Basler Akkord): Regelungen des Basler Ausschusses zur ersten Basler Eigenkapitalvereinbarung von 1988. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Basel II: Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren vorgeschlagen wurden. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Basel III: ein Reformpaket des Basler Ausschusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für Basel II. de.wikipedia.org, 2011
[Folien / Dias] B. Rudolph: Regulative Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Kreditinstitute: Fallstricke und neue Herausforderungen (Folien). Finanzstabilität und Eigenkapital der Banken. Funktionen und Regulierung der Eigenmittel von Finanzinstituten. LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN, MUNICH SCHOOL OF MANAGEMENT. 33. Symposium des Instituts für bankhistorische Forschung e.V. auf Einladung der UniCredit Bank AG, München, 25.5.2011
[HTML] dpa: Banken: Hintergrund: Was ist eine Kernkapitalquote? Abendzeitung, 22.10.2011. • Man berechnet diese Kenn­zahl, indem man das Kernka­pital (das unmit­telbar haftende Eigen­kapital) durch die Summe der Risiko­posten (etwa Kredite und Wertpa­piere) teilt • sie sagt aus, inwie­weit die Risi­kopo­siti­onen durch eigene Mittel gedeckt sind („Dicke des Risiko­puffers”) • die Kern­kapital­quote gilt als wichtige Zahl, um Stabi­lität und Stärke einer Bank zu beur­teilen • beim neuen Stress­test waren engere Eigen­kapital­regeln nach den neuen Banken­regeln ("Basel III") ange­legt, die erst von 2013 an gelten • harte Kern­kapital­quote ("Core Tier 1"): diese umfasst gezeich­netes Kapital und Rück­lagen, nicht aber die Stillen Einlagen und auch kein soge­nanntes hybrides Kapital (Zwischen­formen von Schulden und Eigen­kapital)
[HTML] Konsequenz aus der Krise: Privatbanken wollen Garantien für Sparer senken. FTD Mobil, 23.9.2011
[HTML] K. Seibel: Einlagensicherung: Banken wollen bei Kunden-Garantie Abstriche machen. WELT-ONLINE, 24.9.2011
[HTML] B. Schäder: Dünne Sicherheitspolster: EU-Aufsicht rechnet Kapitalbedarf der Banken nach. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 6.10.2011. • Die Europä­ische Aufsichts­behörde EBA über­prüft die Kapi­talaus­stat­tung der Geld­häuser • sie prüft diesmal auch die Folgen mögli­cher Staats­pleiten in der Euro-Zone • in den Bankbi­lanzen werden bisher nur wenige Anleihen zum Markt­preis bilan­ziert • Staats­anleihen werden normaler­weise zum Nenn­wert bilan­ziert • die Euro-Staaten fordern von den Banken mittler­weile einen höheren Schulden­erlass für Grie­chen­land als den im Juli verein­barten freiwil­ligen Schulden­schnitt von 21% • mit den Außen­ständen Irlands, Portu­gals, Italiens, Spaniens und Belgiens schätzt der Inter­natio­nale Währungs­fonds (IWF) das Abschrei­bungs­risiko der Banken auf 200 Mrd. € • rechne man die Schulden der Banken in diesen Ländern bei anderen Kredit­insti­tuten in Europa hinzu, steigt das Verlust­risiko laut IWF auf 300 Mrd. € • nach Angaben aus EU-Kreisen hat Schweden vorge­schlagen, dass die Europä­ische Inves­titions­bank (EIB) die Kapital­erhö­hungen finan­ziert
[HTML] Finanzkrise: Die Wahrheit über den Zustand der Banken. Die Schulden­krise macht die Kanz­lerin weiter nervös: Angela Merkel hat erneut verspro­chen, die Banken notfalls mit Steuer­geld zu retten wie 2008. Wie sicher sind Europas Geld­häuser noch? Die Bankauf­seher zittern bereits. Die Schwächen der Stress­tests. Regie­rungen müssen erneut einschreiten.  Handelsblatt , 7.10.2011. • Angela Merkel: die G20 brauche ein gemein­sames Verständnis im Umgang mit Kapital­strömen • aus Angst vor einer Krise leihen viele Geld­häuser anderen Banken kein Geld mehr und beschwören damit die Krise erst recht herauf • die Paral­lelen zum gerade erst über­stan­denen ersten Teil der Finanz­krise sind erschre­ckend • „Finan­cial Times”: die Finanz­minister haben die Aufsichts­behörde Euro­pean Banking Autho­rity (EBA) darum gebeten, bei den Banken eine neue Runde Stress­tests durchzu­führen • z.Zt. offenbar nur unzurei­chende Infor­mati­onen, was die Stabi­lität der großen Banken betrifft • Bank Morgan Stanley: „Die Banken in der Kern­zone Europas müssen gegen eine Rezes­sion geschützt und die Banken in der Peri­pherie müssen gegen eine Depres­sion geschützt werden.” • es brauche ein Notpro­gramm über 140 Mrd. €
[HTML] Eigenkapital-Check: Europas Banken im Blitz-Stresstest. Barroso prescht mit eigenem Banken­plan vor. Banken wehren sich gegen Hilfen nach Gießkannen-Prinzip.  Handelsblatt , 11.10.2011
[HTML] mmq/Reuters/dpa: Deutsche Bank: Ackermann zweifelt an Kompetenz der Euro-Retter. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 13.10.2011. • Acker­mann kriti­siert den Plan, die Banken zu einem höheren Kapital­puffer zu verdonnern, und fordert von der Politik eine andere Lösung • der Markt werde die Mittel für die vorge­schla­genen Kapital­spritzen nicht bereit­stellen und der Plan gehe deshalb an den aktu­ellen Problemen vorbei • am Ende müsste für eine zwang­hafte Erhö­hung der Kapital­quote der Steuer­zahler aufkommen • nicht die Finan­zierung der Banken sei das Problem, sondern die Tatsache, dass Staats­anleihen nicht mehr risi­kolos seien • mit einem Seiten­hieb zog er die Krisen­kompe­tenz der EU-Spit­zenpo­litiker in Zweifel • „Die Markt­teil­nehmer fragen sich in diesem Zusam­menhang nicht nur, ob die Verant­wort­lichen den nötigen politi­schen Willen aufbringen, um die Krise zu bewäl­tigen, sondern zuneh­mend auch, ob ihnen dazu über­haupt noch genug Zeit bleibt und ob sie über die dafür notwen­digen Mittel verfügen.” • „Die Deut­sche Bank wird alles tun, dass sie auch diesmal kein Staats­geld braucht.” • jedoch die Agentur Reuters meldete unter Beru­fung auf Insider, das größte deut­sche Geld­haus würde den derzeit disku­tierten Blitz-Stress­test der Europä­ischen Banken­aufsicht EBA nicht bestehen • um eine harte Kern­kapital­quote von 9% unter verschärften Krisen­bedin­gungen zu errei­chen, bräuchte das Institut rund 9 Mrd. € • nur bei einer Schwelle von 7% käme die Deut­sche Bank durch den Test
[HTML] Ifo-Präsident Sinn: "Banken-Stresstests zu lax". Frankfurter Rundschau, 14.10.2011
[HTML] T. Knuf: Schuldenkrise: Banken sollen sich frisches Geld holen. Frankfurter Rundschau, 14.10.2011
[HTML] Schuldenkrise: Ackermann wettert gegen Zwangskapitalisierung. Frankfurter Rundschau, 14.10.2011
[HTML] suc/Reuters/dapd: Deutsche-Bank-Chef in der Kritik: Alle gegen Ackermann.[!] SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 16.10.2011. • Hinter­grund: Pläne der Politik, die Eigen­kapi­talaus­stat­tung der Banken deut­lich zu erhöhen — notfalls durch Zwang • Acker­mann hatte einer entspre­chenden Forde­rung von EU-Kommis­sions­präsi­dent José Manuel Barroso nach einer Banken-Reka­pita­lisie­rung jüngst (s. SPIEGEL 13.10.) wider­sprochen • die Finan­zierung der Banken sei nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass Staats­anleihen nicht mehr risi­kolos seien • die Regie­rungen müssten das Vertrauen in die Stabi­lität der Staats­finanzen wieder herstellen • Gerda Hassel­feldt (Vorsit­zende CSU-Landes­gruppe im Bundestag): als Träger großer wirt­schaft­licher, aber auch gesell­schaft­licher Verant­wortung müsse Acker­mann auch den Blick auf die Inter­essen der Allge­mein­heit richten • Alexander Dobrindt (CSU-Gene­ralse­kretär): Acker­mann gehöre zu denje­nigen, die immer noch Erträge vorwie­gend in Boni und Divi­denden stecken • Cem Özdemir (Grünen-Chef): „Ich frage mich, ob Herr Acker­mann über­haupt an einer dauer­haften Lösung der Krise interes­siert ist. Denn eine solche Lösung bestünde aus meiner Sicht auch darin, dass es gar keine system­rele­vanten Banken mehr gibt” • Carsten Schneider (haus­halts­politi­scher Sprecher SPD-Bundes­tags­frak­tion): „Etwas Demut stünde Herrn Acker­mann gut zu Gesicht.” • die Finanz­minister und Noten­bank­chefs der 20 führenden Indus­trie- und Schwellen­länder haben sich unter­dessen hinter Vorschläge für einen Extra-Kapi­talzu­schlag für große, grenz­uuml;ber­schrei­tende und system­rele­vante Banken gestellt • diese Vorschläge von inter­natio­nalen Experten sehen vor, dass auf mitt­lere Sicht zusätz­liche Kapi­talzu­schläge von bis zu 2,5% abge­fordert werden (je nach Risiko­gehalt) • die verschärften Kapi­talan­forde­rungen sollen ab 2016 sukzes­sive einge­führt werden • eine Rege­lung für die großen Banken soll auf dem G-20-Gipfel Anfang November formell beschlossen werden • ähnliches soll bald für die großen Versi­cherer folgen
[HTML] J. Hildebrand: Schuldenprobleme: Fünf-Punkte-Plan gegen die Euro-Krise. Hamburger Abendblatt, 17.10.2011;  [GIF-Bild] Karte der Länder-Ratings. stepmap.de, Oktober 2011
[HTML] Banken-Protest: Morddrohung gegen Occupy-Anführer. Frankfurter Rundschau, 17.10.2011
[HTML] Banken Rekapitalisierung: Santander-Chef fordert Testament für Banken. Der Chef der zweit­größten spani­schen Bank spricht sich für eine geord­nete Insol­venz von Banken aus. Hierzu hat er klare Vorstel­lungen.  Handelsblatt , 19.10.2011. • Emilio Botín (Santander) spricht sich gegen einen Bestands­schutz für Banken aus • „Ist eine Bank nicht lebens­fähig, muss sie aus dem Markt ausscheiden können, ohne ein Risiko für das gesamte System zu verur­sachen und ohne staat­liche Hilfen in Anspruch zu nehmen.” • ein „Banken-Testa­ment” solle im Mittel­punkt des nächsten G20-Gipfels stehen • Botín lehnt die zwangs­weise Reka­pita­lisie­rung europä­ischer Banken ab • er fordert eine Regulie­rungs-Pause • die europä­ische Aufsicht sei schwach: „Sie ist nicht intensiv, proaktiv, voraus­schauend genug.” • wir müssten die politi­sche und wirt­schaft­liche Integra­tion der Euro­zone vertiefen • jetzt sei die Zeit, den insti­tutio­nellen Aufbau der Währungs­union zu verstärken
[HTML] H. Mussler, M. Frühauf, W. Mussler: Banken-Stresstest: Deutsche Banken hoffen auf gute Ergebnisse. Anschei­nend weisen die 13 getes­teten deut­schen Banken eine Kapital­lücke von nur 5 Mrd. € auf. Die genauen Ergeb­nisse will die Europä­ische Banken­aufsicht EBA am Wochen­ende auf dem EU-Gipfel vorstellen. FAZ.NET, 20.10.2011. Deut­sche Bankauf­seher sind zuver­sicht­lich, dass eine Kapital­lücke von ledig­lich 5 Mrd. € festge­stellt wird • dann wären wohl fast alle deut­schen Banken in der Lage, bis zur Jahres­mitte 2012 diese Lücke zu schließen • zuvor hatten amerika­nische Banken den Kapital­bedarf der 13 von der EBA getes­teten deut­schen Banken auf 30 Mrd. € geschätzt • bei der EBA heißt es, der Kapi­talbe­darf der 87 getes­teten europä­ischen Banken laufe auf 70 bis 100 Mrd. € hinaus • es bleibt unklar, ob die Banken­aufsicht die stillen Einlagen, wie von deut­schen Aufse­hern gewünscht, als Kernka­pital akzep­tiertanderen­falls gäbe es einen für deut­sche Banken einen ungüns­tigen Ausgang • weiter müssen die Banken eine harte Kern­kapital­quote von 9% zum Ende des ersten Halb­jahrs 2012 erreichen • Banker sind unsicher, ob sie den Test bestanden haben • Abfrage der EBA, wie stark sich das Kernka­pital der Banken verrin­gert, wenn sie ihre Staats­anleihen zum Markt­wert bewerten • die 13 getes­teten deut­schen Banken halten demnach relativ viele Bundes­anleihen • die im Wert gestie­genen deut­schen, skandi­navi­schen und briti­schen Staats­anleihen können mit Kursver­lusten bei finanz­schwa­chen Euro­ländern verrechnet werden • in deut­schen Banken ist die Diffe­renz zwischen Buch- und Markt­wert in der Regel nur noch gering
[HTML] A. Rexer: Die Welt: Deutsche Banken hoffen auf Gnade. Die Europä­ische Banken­aufsicht erwägt, den Kapi­talbe­darf nied­riger zu berechnen — zum Vorteil der deut­schen Finanz­indus­trie. WELT ONLINE, 21.10.2011. Auch Kursge­winne bei Staats­anleihen sollen für den Kapi­talbe­darf gegen­gerechnet werden • dann brau­chen die Commerz­bank und die Deut­sche Bank voraus­sicht­lich kein zusätz­liches Geld vom Staat • die Commerz­bank profi­tiert dabei beson­ders stark — sie hält ein Port­folio von 44 Mrd. € an deut­schen Staats­anleihen • auch skan­dina­vische und briti­sche Insti­tute bräuchten dann wohl keine Staats­hilfe • die EBA hatte von den Geld­häusern aktu­ali­sierte Daten zu ihrem Stress­test vom Sommer verlangt und dabei gefor­dert, alle Staats­anleihen mit Markt­werten zu bewerten • im Gespräch ist die Aufsto­ckung auf eine harte Kern­kapital­quote von 9% der risi­koge­wich­teten Bilanz­summe • beim EU-Gipfel am Sonntag soll endgültig ein Plan zur Reka­pita­lisie­rung der Banken verab­schiedet werden • Thomas Stoegner (Macquarie): „Ich bin skep­tisch, ob diese Art der Berech­nung die Inves­toren beru­higen kann. Schließ­lich handelt es sich um unreali­sierte Gewinne” • eine Reka­pita­lisie­rungs­summe unter 100 Mrd. € werde keine Ruhe ins System bringen • die größten Probleme bestehen nach Exper­tenmei­nung bei kleinen spani­schen, portu­giesi­schen und italie­nischen Banken • auch die italie­nische Groß­bank Unicredit, die durch ihre Münchner Tochter Hypo Vereins­bank 18 Mrd. € in deut­schen Staats­anleihen hält, würde viel Kapital brauchen
[HTML] rtr: Banken: Insider: Deutsche Banken brauchen kein neues Geld vom Staat. Hamburger Abendblatt, 21.10.2011. • Insider: den deut­schen Insti­tuten fehle nach dem Ergebnis des jüngsten „Blitz-Stress­tests” der europä­ischen Banken­aufsicht EBA insge­samt nur ein mitt­lerer einstel­liger Milli­arden­betrag • sie werden mindes­tens bis Mitte nächsten Jahres Zeit bekommen, um die EBA-Anforde­rungen zu erfüllen • danach ist der Kapital­bedarf in Deutsch­land weit geringer als befürchtet, und die Banken könnten ihn aus eigener Kraft aufbringen • da die deut­schen Banken viele Bundes­anleihen im Port­folio haben, könnten sie einen Teil der Wert­berich­tigungen wett­machen
[HTML] S. Clausen: Standort Deutschland: Rettet die gesunden Geldhäuser! Kommentar: Die Energie­wende ist versem­melt, bei den Banken droht Ähnli­ches. Der Indus­trie­standort ist in Gefahr. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.10.2011
[HTML] Kritik an Merkel und Sarkozy: Juncker nennt Kredithebel-Streit "desaströs". Das Chaos um den Euro-Gipfel geht weiter: Kurz vor den entschei­denden EU-Bera­tungen zur Euro-Krise deutet die deut­sche Kanz­lerin einen höheren Schulden­erlass für Grie­chen­land an. Und Jean-Claude Juncker übt harsche Kritik am Krisen­manage­ment von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. Berliner Morgenpost, 21.10.2011
[HTML] dpa: EU-Finanzminister beraten Kapitalvorgaben für Banken. Die Finanz­minister der Europä­ischen Union (EU) beraten heute in Brüssel über schär­fere Kapi­talvor­gaben für europä­ische Banken. Mit einem größeren Finanz­puffer sollen Groß­banken in der Euro-Schulden­krise gestärkt werden. stern.de +++NACHRICHTEN-TICKER+++, 22.10.2011. • Der Kapi­talbe­darf in deut­schen Insti­tuten wurde zuletzt auf 4,5 bis 5,5 Mrd. € geschätzt • das könnten die Insti­tute dem Vernehmen nach auch aus eigener Kraft stemmen • am späten Freitag­abend wurde die nächste Hilfs­tranche für Grie­chen­land von 8 Mrd. € freige­geben • das Land benö­tigt aber noch mehr Geld • strittig ist unter den Euro-Län­dern die Nutzung des erwei­terten Euro-Rettungs­schirms EFSF • disku­tiert wird eine Art Teil­kasko­versiche­rungs-Modell • andere Variante: bei EFSF-Hilfen auch den IWF einzu­beziehen • am Sonntag wird über ein Lösungs­paket gegen die Euro-Schulden­krise beraten • eine Entschei­dung wird erst am Mitt­woch erwartet
[HTML] S. Berger: Hellgrünes Licht für Kredittranche an Athen — Banken & Co. sollen tiefen Einschnitt hinnehmen. Die Euro-Finanz­minister haben die nächste Kredit­tranche für Athen freige­geben, der Sanktus des IWF steht noch aus. Das Geld löst die Probleme frei­lich nicht: Um die griechi­sche Schulden­last zu senken, sollen private Gläu­biger einen hohen Abschlag hinnehmen. Wirtschafts Blatt, 22.10.2011. • Noch keine Entschei­dung über eine „Effi­zienz­stei­gerung” der EFSF — wegen unvollen­deter tech­nischer Vorar­beiten • wichtige Beschlüsse rund um die EFSF und die Zukunft Griechenlands werden auf Mittwoch Abend vertagt • Jean-Claude Juncker: „Die Außen­wirkung ist desa­strös” • mit der Frei­gabe der nächsten Kredit­tranche würdigen die Finanz­minister auch die Spar­bemü­hungen Grie­chen­lands • bei der Tranche geht es um 5,8 Mrd. € von den Euro-Part­nern und 2,2 Mrd. € vom IWF, zahlbar Mitte November • der IWF hat aber klarge­macht, dass er nur dann zustimmen kann, wenn eine Art Trag­fähig­keit der griechi­schen Schul­denlast gegeben ist • erst müssten die Euro-Staaten wohl das 2. Paket für Grie­chen­land beschließen • AFP: die Finanz­minister der Euro­zone einigten sich Freitag­abend darauf, von privaten Gläubi­gern wie Banken und Versiche­rungen einen Abschlag von mindes­tens 50% zu verlangen • Grie­chen­lands Schulden­quote (über 160% des BIP) könnte in einem 1. Schritt bis 2020 auf das Niveau Italiens gedrückt werden (rund 120% des BIP) • statt einer Bank­lizenz für den EFSF wäre für Deutsch­land indes eine Versiche­rungs­lösung annehmbar, bei der die EFSF im Rahmen von Neuemis­sionen trudelnder Euro-Staaten 20 bis 30% des Verlust­risikos absichert • aber Nicolas Sarkozy hat wenige Tage vor dem EU-Gipfel seine Sympa­thie für die Banken­lizenz wieder­entdeckt und damit weiteren Sand ins Getriebe gestreut • es ist schwer vorstellbar, dass allein tech­nische Fragen den Ausschlag für die Verschie­bung der Entschei­dung von Sonntag auf Mitt­woch gegeben haben • es ist auch möglich, dass es am Mitt­woch keinen finalen Beschluss zur Hebe­lung gibt • es könnte darauf hinaus­laufen, dass Länder mit hohen Reserven à la China und Russ­land der Euro­zone zu Hilfe eilen, indem sie z.B. durch eine eigene Fazi­lität beim IWF Geld bereit­stellen • EU-Wirt­schafts­kommissar Olli Rehn: „Das hätte aller­dings sehr weitrei­chende politi­sche Konse­quenzen.”
[HTML] AFP/dapd/cat: Finanzminister-Einigung: Griechen-Rettung wird für Banken deutlich teurer. Hinter verschlos­senen Türen ringen die EU-Finanz­minister um die Euro-Rettung. Sie wollen die Banken zu größeren Beiträgen verpflichten. WELT ONLINE, 22.10.2011. • Jean-Claude Juncker: die Euro-Zone habe sich auf eine erheb­liche Anhe­bung des Banken­beitrags geeinigt • Bericht der Troika: wenn der griechi­sche Schulden­stand bis 2020 auf 110% der Jahres­wirt­schafts­leis­tung gedrückt werden sollte, wäre ein Forde­rungs­verzicht von 60% notwendig • Anders Borg (schwe­discher Finanz­minister): „Es ist offen­sicht­lich, dass ein substan­zieller Schulden­schnitt notwendig ist.” • Vittorio Grilli, Vorsit­zender des Wirt­schafts- und Finanzaus­schusses der EU, wird in Verhand­lungen mit den Banken geschickt • scharfe Kritik kam von außerhalb der Euro-Zone • George Osborne (briti­scher Finanz­minister): „Die Krise in der Euro-Zone bewirkt große Schäden in vielen europä­ischen Volks­wirt­schaften … Wir haben genug von kurz­fris­tigen Maßnah­men” • Europa müsse die tiefen Gründe für die Krise angehen und eine umfas­sende und dauer­hafte Lösung finden, damit das Wachstum in Europa wieder anspringen könne • Jens Weid­mann (Präsi­dent der Bundes­bank) warnte vor einer Auswei­tung des EFSF: „Die Krise wird nicht durch eine ständige Vergrö­szlig;erung der Rettungs­schirme gelöst werden.” • mit der disku­tierten Versiche­rungs­lösung seien höhere Risiken für den deut­schen Steuer­zahler verbunden • grund­sätz­lich warnte er vor einer Unter­ordnung der Noten­bank unter die Finanz­politik • die Bundes­regie­rung will den Rettungs­fonds wie eine Versi­cherung für Inves­toren beim Kauf von Staats­anleihen einsetzen • Andreas Schmitz (Präsi­dent des Bundes­verbandes deut­scher Banken) forderte für Grie­chen­land einen Schulden­schnitt von mindes­tens 50% • gleich­zeitig müsse die Eigen­kapital­basis der Banken gestärkt werden, wobei Banken, die dadurch viel Geld verlieren und dann zu wenig Kapital haben, frisches Geld bekommen müssen • Martin Schulz (SPD, Vorsit­zender der sozia­listi­schen Frak­tion im EU-Par­lament) will die soge­nannte Troika durch einen EU-Finanz­minister ersetzen • ausdrück­lich begrüßten die Finanz­minister, dass das griechi­sche Parla­ment unge­achtet von Massen­protesten weitere Sparmaß­nahmen verab­schiedete • damit Grie­chen­land das Geld bekommt, muss noch der IWF zustimmen, der 2,2 Mrd. € beisteuert • im Troika-Bericht zur Trag­fähig­keit der griechi­schen Schulden wird Athen laut „Bild”-Zeitung voraus­gesagt, dass es von den Finanz­märkten voraus­sicht­lich nicht vor 2021 wieder Gelder erhalten wird • 2020 würden die Schulden ange­sichts herun­terge­setzter Wachs­tumsaus­sichten noch immer 152% des BIP ausmachen • führende deut­sche Wirt­schafts­verbände warnten die Politik vor einem Schei­tern des EU-Doppel­gipfels • Anton Börner (Präsi­dent des Außen­handels­verbands BGA): „Je länger die Feil­scherei um weniger gute und schlechte Lösungen andauert, umso größer die Gefahr einer welt­weiten Rezes­sion oder gar Depres­sion mit unge­ahnten Konse­quenzen für unseren Wohl­stand und unsere Zukunft” • Ralph Wiechers (Chef­volks­wirt des Maschi­nenbau-Ver­bands VDMA): die Politik könne „die Märkte nicht noch länger zappeln lassen”
[HTML] Insider: EU-Minister einig über neue Bank-Eigenkapitalquote. REUTERS DEUTSCHLAND, 23.10.2011. • Die EU-Finanz­minister haben sich darauf geeinigt: bis zum 30. Juni 2012 müsse eine Quote (Core Tier-1) von 9% erreicht werden • den Insti­tuten sollen Einschrän­kungen bei Boni und Divi­denden aufer­legt werden, bis dieses Ziel erreicht worden sei • die Finanz­minister werden keine Gesamt­summe für den Kapi­talbe­darf nennen • Andrea Enria (Chef der EBA): bei dieser Quote würden den Banken in der EU 100 bis 110 Mrd. € fehlen • davon entfielen 38% auf Banken in Grie­chen­land, Portugal und Irland
[HTML] R. Obertreis: „Weitsichtiger als die Politik”.[!] Deut­sche Banken können mit dem Schulden­schnitt für Grie­chen­land und den neuen Kapi­talvor­gaben leben. DER TAGESSPIEGEL, 24.10.2011. • Insge­samt müssen sich die deut­schen Banken für die verord­nete Reka­pita­lisie­rung wohl nur 5 bis 5½ Mrd. € beschaffen • Chris­tian Brand (Präsi­dent des Verbandes öffent­licher Banken): „Das zeigt auch sehr deut­lich, dass die deut­schen Banken aus der Krise gelernt und ihre Krisen­resis­tenz deut­lich verbes­sert haben” • Dieter Hein (Banken­analyst von Fair­research) verweist darauf, dass bei deut­schen Insti­tuten eigent­lich starke Kursge­winne aus dem Bestand an Bundesan­leihen gegenge­rechnet werden müssten • die deut­schen Insti­tute haben zudem ihre Bestände an griechi­schen Staatsan­leihen wohl bereits um 50% abge­schrieben • so haben sie den jetzt ange­dachten Schulden­schnitt für Grie­chen­land bereits vorweg­genommen • den Banken sei wohl schon im Juli klar gewesen, dass es noch drama­tischer werde • Rubertus Rothen­häuser (Analyst Macquairie Bank): „Die Banken haben ihre Hausauf­gaben schon gemacht, sie sind weit­sich­tiger als die Poli­tik.” • bis Mitte 2012 soll die harte Kern­kapital­quote von derzeit 6 auf 9% steigen, was im Zuge des Basel-III-Abkom­mens schritt­weise erst ab 2013 umge­setzt werden sollte • die Deut­sche Bank liegt schon 10% darüber • die erhöhten Kapi­talan­forde­rungen könnten vor allem die Landes­banken treffen • unklar ist noch, wie die Euro-Regie­rungen und auch die europä­ische Banken­aufsicht EBA das Eigen­kapital im Detail defi­nieren, ob n&aum;lich stille Einlagen aner­kannt werden • offenbar soll die Defini­tion aus den Stress­tests gelten • US-Banken hatten den Kapi­talbe­darf ihrer europä­ischen Konkur­renten z.T. auf mehr als 200 Mrd. € geschätzt — tatsäch­lich geht es nun um rund 110 Mrd. € • nach Ansicht von VÖB-Präsi­dent Brand kann die relativ kurze Frist bis Mitte 2012 dazu führen, dass die Banken die Quote dadurch erhöhen, dass sie Risiken und damit Geschäft abbauen • dies führe „unwei­gerlich zu einer Vermin­derung der Kredit­vergabe­fähig­keit einer Bank” • bei der Verab­schie­dung der Basel-III-Regeln im letzten Jahr hatten die privaten Banken den Kapi­talbe­darf für die 10 größten deut­schen Insti­tute auf bis zu 105 Mrd. € geschätzt — und den mögli­chen Abbau von Krediten auf bis zu 1000 Mrd. €
[HTML] Bankenkrise: Fonds wollen Sicherheiten: Banken in der Kreditklemme. Immer mehr Inves­toren wolle hand­feste Sicher­heiten für ihre Invest­ments in notlei­dende europä­ische Banken. Nun stellt sich heraus: Viele Banken haben keine attrak­tiven Sicher­heiten mehr. Damit könnten für einige auch kurz­fris­tige Hilfs­kredite von der EZB gefährdet sein. Deutsche Mittel­stands­Nach­richten, 24.10.2011
[HTML] Das große Zittern.[!] wiwo.de, 2011.
Wieviel zusätz­liches Kapital europä­ische Banken nach Analysten- und Wirt­schafts­woche-Schät­zungen benö­tigen, um einen möglichen Ausfall von Staats­anleihen Grie­chen­lands, Portu­gals, Spaniens, Italiens und Irlands zu verkraften.
BankLand Kapitalbe-
darf Mrd. €
Kapitalbedarf
% Börsenwert
Bilanz­summeEigen­kapital PIIGS-­Anleihendavon Grie-
chenland
von¹bis² von¹bis²
Royal Bank of Scotland GB 1,714,77%47% 1601,184,41,20,0
Barclays GB 3,84,117%63% 1653,168,68,40,0
Sparkassen insgesamt D 1084,0107,3
NORD/LB D 1,61,6 218,07,73,50,2
HSH NORDBANK D 0,70,7 132,06,41,40,2
WestLB D 1,11,1 160,04,92,40,1
Helaba D 0,40,4 158,05,90,90,1
Bayern LB D 0,30,3 297,013,80,60,1
LB≡BW D 3,73,7 355,014,28,00,4
DZ BANK D 3,33,3 338,411,47,00,8
Deutsche Bank D 3,99,716%48% 1850,051,73,71,2
Commerzbank D 5,112,864%141% 683,726,414,72,2
ERSTE Sparkasse D 0,71,511%21% 214,217,51,20,2
BNP PARIBAS F 3,04,211%12% 1926,186,729,23,6
Société Générale F 4,86,031%51% 1158,052,15,41,5
Banco Popular E 0,20,94%18% 130,18,510,10,0
BBVA E 0,01,10%4% 568,737,621,10,1
UniCredit I 4,77,931%63% 918,868,137,90,7
INTESA SANPAOLO I 0,02,50%16% 644,760,053,50,4
¹) Szenario Nomura (Abschrei­bung der PIIGS-An­leihen auf Markt­wert)
²) Szenario J.P. Morgan (Abschrei­bung 60% bei Grie­chen­land, 40% bei Portugal und Irland, 20% bei Spanien und Italien)
[HTML] Unternehmensfinanzierung: Wirtschaft warnt Banken vor einer Kreditverknappung. Deutsch­lands Banken sollen ihr Kapital aufsto­cken, um künftig besser gegen Krisen gewappnet zu sein. Doch an der Kredit­vergabe dürfe nicht gespart werden, warnen Wirt­schafts­verbände.  Handelsblatt , 30.10.2011
[HTML] Griechenland-Krise: Dramatischer Gewinneinbruch bei BNP. news ORF.at, 15.10.2011. Bei der größten franzö­sischen Bank BNP Paribas ist der Gewinn nach Steuern um 71% einge­brochen • Haupt­grund waren Abschrei­bungen auf griechi­sche Staats­anleihen • von den beson­ders vielen Bonds des Euro-Krisen­landes Italien konnte die Bank im 3. Quartal über 8 Mrd. € abstoßen (d.h. fast die Hälfte)
[HTML] Hilfen für Griechenland eingefroren: Euroländer für griechischen Austritt „gewappnet“. Deutsch­land und Frank­reich haben den Druck auf Grie­chen­land vor einem mögli­chen Euro-Refe­rendum Anfang Dezember massiv erhöht. Auch auf einen Austritt Athens aus der Währungs­union sei die EU vorbe­reitet. „Wir sind gewapp­net”, sagte Bundes­kanz­lerin Merkel. FAZ.NET, 3.11.2011
[HTML] dpa: Griechenland-Krise trifft die Commerzbank mit Wucht. Das Grie­chen­land-Desaster drückt die Commerz­bank tief in die roten Zahlen. Wegen neuer hoher Abschrei­bungen auf Staats­anleihen aus Athen rutschte das zweit­größte deut­sche Geld­haus im dritten Quartal sogar tiefer ins Minus als erwartet. schwäbische.de, 4.11.2011
[HTML] Leipziger Volkszeitung: LVZ: Bankenrettungsfonds und Steuerzahler müssen mit neuen Milliarden-Lasten durch Griechenland-Staatsanleihen rechnen / Schäuble räumt Zusatzlasten ein. FinanzNachrichten.de, 8.11.2011. • Für den Fall einer Grie­chen­land-Pleite oder eines größeren Schulden­schnitts kommen auf den SoFFin neue noch nicht im Bundes­haus­halt einge­rech­nete Milli­arden­zah­lungen zu, wie das Bundes­finanz­minis­terium berichtet • beson­ders die Bad Bank der HRE benö­tigt dann zusätz­liche Milli­arden zur Abschrei­bung griechi­scher Staats­anleihen, steht in einem Schreiben an den SPD-Haus­haltsex­perten Carsten Schneider • die FMS Wert­manage­ment (die Bad Bank der HRE) verzeichnet griechi­sche Staats­anleihen und Kredite inklu­sive Staats­garan­tien zu einem Buch­wert von 10,1 Mrd. € • bei der Ermitt­lung des Kapita­lisie­rungs­bedarfs für die Bad Banks, so das Finanz­minis­terium, sei bisher die volle Wirkung der voraus­gegan­genen Rettungs­maßnahmen unter­stellt worden • im Falle eines Ausfalls von Enga­gements gegen­uuml;ber europä­ischen Staaten wäre eine zusätz­liche Verlust­ausgleichs­pflicht des SoFFin gegen­uuml;ber der FMS-WM anzu­setzen
[HTML] Pressemitteilung: Banken: Eigenkapitalquote wie in der Realwirtschaft sinnvoll. DIW BERLIN, 17.11.2011. • Doro­thea Schäfer (Finanz­marktex­pertin des DIW): Politik und Banken­aufsicht sollten für die Banken zu einer Eigen­kapital­quote zurück­kehren, wie sie übli­cher­weise auch in der Real­wirt­schaft verwendet wird — eine risi­koun­abhän­gige Eigen­kapital­quote in Höhe von mindes­tens 5% der gesamten Bilan­zsumme • dies würde auch die Diskri­minie­rung von Unter­nehmens­krediten gegen­uuml;ber Staats­anleihen aufheben und einen wirk­samen Beitrag zur Eindäm­mung des Bilanz­wachs­tums der Groß­banken leisten • 2 Größen spielen bei der Banken­regulie­rung eine wichtige Rolle: die risiko­ange­passte Equity Ratio und die risiko­unab­hängige Leverage Ratio • Basel II und Basel III setzen alle auf die Equity Ratio und damit auf die Risi­koge­wich­tung als zentrale Stell­schraube • die Leverage Ratio gilt in Basel III faktisch erst ab 2018 • sie spielt im Aufsichtskalkül bislang keinerlei Rolle • die Risi­koge­wich­tung bei der Equity Ratio ist anfällig gegen Bilanz­kosmetik • statt­dessen nur auf externe Ermitt­lung der Risi­koge­wichte via Rating­agen­turen zu setzen stärkt wiederum das Oligopol der Rating­agen­turen
[HTML] M. Detering: Jahrestagung: Schäuble will Ansteckung der Banken und Versicherer verhindern. Der Finanz­minister macht sich Sorgen um die Folgen der Schulden­krise für die Finanz­insti­tute. Die Versi­cherer sehen sich vergleichs­weise gut gegen die Krise gerüstet.  Handelsblatt , 17.11.2011. • Schäuble: es gebe Anzei­chen, dass die Schulden­krise nicht nur die Banken, sondern auch die Versi­cherer treffen könne • bis zu 55% der Kapi­talan­lage der Versi­cherer seien bei den Banken inves­tiert • Rolf-Peter Hoenen (Präsi­dent des Versiche­rerver­bandes GDV) sieht die Versi­cherer vergleichs­weise gut aufge­stellt • Michel Barnier (EU-Kom­missar): es werde künftig im Aufsichts­recht Ände­rungen bei der Bewer­tung von Staats­anleihen geben • da Staats­anleihen bisher als risiko­frei galten, mussten die Finanz­konzerne für Staats­anleihen kein Kapital vorhalten • wichtig sei, dass man Lösungen auf inter­natio­naler Ebene über die EU hinaus finde
[HTML] Euro-Schuldenkrise: Refinanzierung der Banken gefährdet.[wichtig!] In Europas Banken geht die Angst um — denn lang­fristige Refi­nanzie­rung ist mangels interes­sierter Inves­toren fast unmög­lich. Deut­sche Bank-Chef Acker­mann sagt, ohne die EZB wäre die Lage noch schlimmer. Frankfurter Rundschau, 18.11.2011. • Josef Acker­mann (Deut­sche-Bank-Chef): ­ „Die Bereit­schaft von Inves­toren, sich länger­fristig in Banken zu enga­gieren, ist nicht sehr ausge­prägt.” • die EZB unter­stützt die Insti­tute unter anderem bei der Beschaf­fung von Dollars für ihre US-Ge­schäfte (da zahl­reiche US-Fonds wegen der Schulden­krise kein Geld mehr in europä­ische Insti­tute stecken wollen) — sonst sähe die Lage noch drama­tischer aus • Banken, Pensions­fonds und Versiche­rungen gehören zu den größten Geld­gebern der Finanz­branche, aber sie miss­trauen europä­ischen Insti­tuten, die auch lieber ihr Geld für nied­rige Zinsen bei der EZB parken • Acker­mann: die Unsi­cher­heit an den Märkten sei die „neue Norma­lität” • der Chef einer anderen deut­schen Groß­bank: „heute ist der Markt für kurz­fris­tige Banken-Refi­nanzie­rungen von bis zu zwei Jahren de facto tot.” • EZB-Präsi­dent Mario Draghi forderte die europä­ischen Staaten dazu auf, Reformen voranzu­treiben und nicht bei der Lösung der Schulden­krise die Glaub­würdig­keit zu verspielen • führende Noten­banker der Euro-Zone: zwischen den Beschlüssen von Maßnahmen gegen die Krise und deren Umset­zung vergehe zu viel Zeit • Mario Draghi: „Seitdem bei einem EU-Gipfel die Instal­lierung des EFSF (...) beschlossen wurde, sind einein­halb Jahre vergangen, seit dem Beschluss, das volle Garan­tievo­lumen des EFSF verfügbar zu machen, sind vier Monate vergangen, und seit dem Beschluss, den EFSF (...) zu hebeln, sind vier Wochen vergangen.” • Jens Weid­mann (Bundes­bank-Präsi­dent) erteilte denen eine Absage, die die EZB stärker als bislang zur Lösung der Krise einspannen wollen • die hohen ökono­mischen Kosten einer Staats­finan­zierung durch die Noten­presse der EZB würden deren kurz­fris­tige Vorteile weit über­steigen • EZB-Direk­toriums­mitglied José Manuel Gonzalez-Paramo pflich­tete Weid­mann bei • im Streit über die Rolle der EZB in der Krise will Frank­reich, dass die EZB mehr Staats­anleihen kauft und Problem­ländern so unter die Arme greift • die Bundes­regie­rung befürchtet, dass der Reform­druck auf Krisen­länder nach­lassen und die EZB in die Rolle eines Staats­finan­zierers gedrängt würde • bislang hat die EZB für gut 180 Mrd. € Staats­anleihen aufge­nommen • Draghi bekräf­tigt, dass die Anleihen­käufe limi­tiert sind und ausschließ­lich geld­politi­schen Zwecken dienen • die EZB darf keine Staats­anleihen von den Mitglieds­ländern direkt kaufen, sondern ledig­lich am Sekundär­markt • immer mehr Volks­wirte glauben, dass auch die EZB eines Tages unter dem Druck der Krise ihren Wider­stand gegen eine Geldpo­litik wie die Federal Reserve in den USA oder die Bank von England aufgeben muss • da die Angst vor einem Über­greifen der Schulden­krise auf starke Euro­länder massiv gestiegen ist, stellt sich die Frage, ob die EZB die Euro­zone retten soll • Jörg Rahn ( Vermö­gensver­walter von Marcard, Stein & Co.): „es geht inzwi­schen nicht mehr um die Mittel des EFSF” • der EFSF wird am Markt wegen seiner unge­klärten Ausge­stal­tung schon lange äußerst skep­tisch gesehen • Rahn: „Die Zentral­bank ist letzten Endes die einzige Instanz mit genügend Macht und Power, um das Ruder noch herumzu­reißen.” • die Risi­koauf­schläge auf Schul­denpa­piere starker Euro­länder zogen in den letzten Tagen schon an • der Dax hat im Wochen­verlauf 4% verloren, der EuroStoxx50 3,5% • die Aussichten für den Aktien­markt stehen also unter keinem guten Stern
[HTML] ROUNDUP: Kapitalspritzen für Banken — Brüssel lässt Milde walten. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 1.12.2011. • Joaquín Almunia (EU-Wett­bewerbs­kommis­sar): Die EU-Kommis­sion werde bei der Geneh­migung staat­licher Kapital­spritzen den Insti­tuten keine allzu strikten Auflagen für den Umbau machen — jeden­falls wenn der Kapi­talbe­darf aus der Vertrau­enskrise in Euro-Staats­anleihen resul­tierte und die Bank keine exzes­siven Risiken dabei einge­gangen sei • Experten: einige Geld­häuser werden schon bald wieder staat­liches Geld benö­tigen • Anfang kommender Woche will die Europä­ische Banken­aufsicht den Finanz­bedarf großer europä­ischer Banken bekannt­geben • die Geld­häuser müssen bis nächstes Jahr ihr Eigen­kapital aufsto­cken, um sich gegen Schock­wellen der Schulden­krise zu wappnen • die Locke­rung wegen der Verschär­fung der Lage gelte zunächst auf unbe­stimmte Zeit • die EU-Kommis­sion muss sicher­stellen, dass Banken lang­fristig ohne den Staat auskommen • zur Euro-Schulden­krise meinte der Spanier: „Ich hoffe, dass im Ansatz schnell eine Lösung gefunden wird, um die Span­nungen bei der Staats­finan­zierung zu lockern.” • bei der Banken­rettung muss der Staat grund­sät­zlich einen Restruk­turie­rungs­plan vorlegen, dem Brüssel zustimmt • wenn Staaten Anleihen von Banken garan­tieren, sollen die Insti­tute künftig Gebühren dafür zahlen — in Deutschland mehr, in kriselnden Ländern (wie Grie­chen­land) weniger • es soll für die Banken nur natio­nale Garan­tien geben, keine europä­ischen • Almunia: die EU-Kommis­sion prüfe den Fall der belgisch-franzö­sischen Groß­bank Dexia Banque, die Mitte Oktober zerschlagen und teil­weise verstaat­licht wurde • die betei­ligten Länder Belgien, Frank­reich und Luxem­burg sollen sich inzwi­schen auf Garan­tien für die Bank in Höhe von 45 Mrd. € geeinigt haben
[HTML] Stresstest: Kapital-Lücke deutscher Banken wächst nicht weiter. Die milli­arden­schwere Kapital­lücke deut­scher Banken wird nicht noch größer — immerhin. Die EU-Banken­aufsicht will den Stress­test nicht weiter verschärfen. Die Banken atmen auf. Frankfurter Rundschau, 3.12.2011. • Mit dem Beschluss der EU-Ban­kenauf­sicht EBA, an die Kapital­decke der Insti­tute nicht noch höhere Maßstäbe anzu­legen als geplant, müssen die 5 betrof­fenen deut­schen Banken zusammen voraus­sicht­lich 9,6 Mrd. € aufbringen • nach dem „Blitz-Stress­test” im Oktober hatte es geheißen, die Lücke der deut­schen Insti­tute betrage nur knapp 5,2 Mrd. € • allein die Commerz­bank soll 5 Mrd. € brau­chen • in ihrem Auf­sichts­rat denkt man an ein Paket: Rück­kauf von Hybrid­anleihen, die Ausgabe von Zwangs­wandel­anleihen („CoCo-Bonds”) und eine Härtung der 750 Mio. € schweren Stillen Einlage der Allianz • bis Mitte 2012 könnte die Kapital­decke aus der erwar­teten 1 Mrd. € Gewinn aufge­stockt werden • durch Abbau von Bilanz­risiken kämen rund 30 Mrd. € hinzu, die dann nicht mehr mit 3 Mrd. € Eigen­kapital unter­legt werden müssten • dazu will die Bank Kunden in strate­gisch weniger wich­tigen Märkten anbieten, Kredite vorzeitig zurück­zuzahlen • ein Commerz­bank-Manager: „Das ist zwar betriebs­wirt­schaft­lich Wahn­sinn, aber die Kapital­quote ist im Moment leider wich­tiger.” • der Streit unter den Aufsehern drehte sich um die unter­schied­liche Berech­nung des Eigen­kapitals in europä­ischen Ländern • bis Mittwoch soll klar sein, in welchem Ausmaß Banken „CoCo-Bonds” (Contin­gent Conver­tible Bonds: im Wesent­lichen Obli­gati­onen, die, wenn die Eigen­kapital­quote unter einen gewissen Wert fallen, auto­matisch in Aktien des Emit­tenten gewan­delt werden) zur Deckung der Lücke verwenden dürfen, die sich erst in der Krise in Eigen­kapital verwan­deln • der Deut­schen Bank sollen rund 2,8 Mrd. € fehlen, die sie mit erwar­teten Gewinnen und einer leichten Reduzie­rung der Bilanz­risiken ohne Kapital­erhö­hung aufbringen können • die DZ Bank wäre bisher von einer Aufsto­ckung verschont worden — jetzt muss sie aber etwa 350 Mio. € aufbringen
[HTML] dapd/dpa: Sparkassenpräsident: Haasis kritisiert Bankenaufsicht und Stresstest. Wenige Tage vor der Veröf­fent­lichung der neuen Banken-Stress­tests gehen die deut­schen Spar­kassen mit der zustän­digen europä­ischen Banken­aufsicht hart ins Gericht. Er habe Zweifel, ob die bisherige Arbeit der European Banking Authority (EBA) „dem Ziel eines stabi­leren Finanz­sektors” diene, sagte der schei­dende Präsi­dent des Deut­schen Spar­kassen- und Girover­bands (DSGV), Heinrich Haasis, in der „Wirt­schafts­woche”. Haasis hielt der Londoner Behörde Willkür und Verun­siche­rung der Märkte vor.  Handelsblatt , 3.12.2011
[HTML] EBA/dpa-info.com GmbH: Commerzbank-Verstaatlichung denkbar. Berliner Morgenpost, 4.12.2011. • Die Bundes­regie­rung lehnt es ab, ledig­lich die ange­schla­gene Commerz­bank-Tochter Euro­hypo zu über­nehmen, und schließt eine Verstaat­lichung der Commerz­bank nicht aus • wenn es das zweit­größte deut­sche Kredit­institut nicht bis zum Sommer schaffe, sich genug Kapital zu beschaffen, werde der Banken­rettungs­fonds Soffin reakti­viert • man gehe davon aus, dass dem Bund bei einer Kapital­erhö­hung die Mehr­heit der Anteile zufallen würde • in den kommenden Tagen will die Euro­pean Banking Autho­rity (EBA) offen­legen, wie viel Kapital sich die Kredit­insti­tute noch beschaffen müssen • harte Kritik an der EBA kam vom schei­denden Präsi­denten des Deut­schen Spar­kassen- und Girover­bands, Hein­rich Haasis • allge­mein dürfte der Kapi­talbe­darf nach dem neuen Stresstest im Vergleich zur 1. Schät­zung dras­tisch gestiegen sein, nachdem die EBA ihre Krite­rien verschärft hatte
[HTML] Schuldenkrise: Europas Banken fehlen 115 Mrd. Euro. Die Staats­schulden­krise bedroht die Kredit­insti­tute. Um sich für mögliche Verluste zu rüsten, müssen die Häuser ihre Sicher­heits­polster aufsto­cken. Auch sechs deut­sche Banken sind betroffen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 8.12.2011. • Die großen europä­ischen Banken weisen nach dem Stress­test der EBA eine Kapital­lücke von zusammen 114,7 Mrd. € auf • der Mehr­bedarf der deut­schen Banken beläuft sich auf 13,1 Mrd. €, mit dem Groß­teil auf Commerz­bank und Deut­sche Bank, daneben noch Nord/LB, Landes­bank Hessen-Thüringen und DZ Bank • die 70 unter­suchten Insti­tute müssen Mitte 2012 eine Kern­kapital­quote von 9% aufweisen • anstatt ihr Kern­kapital zu erhöhen, können die Banken auch versuchen, ihre Bilanzen durch Verkäufe zu verklei­nern
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Banken saugen Gratis-Milliarden der EZB gierig auf. Fast 500 Mrd. Euro leihen sich die Insti­tute für drei Jahre zu Niedrig­zinsen. Doch die Euphorie verpufft. Denn die Frage bleibt: Wie schlimm ist es um die Geld­häuser bestellt, wenn sie so viel Bares brauchen? FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.12.2011. • Beim ersten Drei­jahres­tender der EZB haben die Kredit­insti­tute kräftig zuge­langt: 523 Banken liehen sich insge­samt 489 Mrd. € • wegen der Befürch­tung, die Geschäfts­banken würden aufgrund ihrer eigenen Refi­nanzie­rungs­probleme die Vergabe von Darlehen an Unter­nehmen und Verbrau­cher einschränken, will die Noten­bank nun mit der Vergabe des 36-Monats-Darle­hens einer Kredit­klemme vorbeugen • beson­ders in den hoch verschul­deten Ländern Südeu­ropas haben die dortigen Banken Milli­arden an Staats­anleihen ihrer ange­schla­genen Sitz­länder in ihren Bilanzen, und andere Kredit­insti­tute trauen ihnen nicht mehr über den Weg • sie sind deshalb für den Zugang zu frischem Geld auf die EZB ange­wiesen • wegen der im kommenden Jahr auf die Geschäfts­banken in der Euro-Zone zu rollenden Refi­nanzie­rungs­welle vergibt die EZB Ende Februar einen weiteren Drei­jahres­kredit • der Euro klet­terte nach Bekannt­gabe der EZB-Zahlen auf ein Tages­hoch von 1,3197 $, fiel wenig später aber um 1 US-¢ • es kamen wohl Bedenken auf, die Lage der Geld­häuser wäre noch schlechter als bislang ange­nommen • das Angebot der EZB war für die Banken aber auch ausge­spro­chen attraktiv: die Verzin­sung des Darle­hens richtet sich nach dem durch­schnitt­lichen Leit­zins (der z.Zt. auf einem Rekord­tief liegt) über die Gesamt­lauf­zeit von 36 Monaten • ange­sichts der drohenden Rezes­sion in Teilen Europas ist eine baldige Erhö­hung unwahr­schein­lich • die Banken können den Kredit auch bereits nach 1 Jahr zurück­zahlen • Jens-Oliver Niklasch (Stra­tege bei der Landes­bank Baden-Württem­berg): „Im Grunde ist das kosten­loses Geld. Die Kondi­tionen sind unschlagbar.” • Analysten der fran­zösi­schen Bank Société Géné­rale weisen aller­dings darauf hin, dass die Liqui­ditäts­spritze nach Abzug älterer, auslau­fender EZB-Kredite auf netto 200 Mrd. € schrumpft
[HTML] B. Schäder: Schuldenkrise: Italien druckt Geld für seine Banken. Die Europä­ische Zentral­bank fordert für die Vergabe von Krediten an Geschäfts­banken ein Pfand. Dafür reichen auch Schuld­titel der Geld­häuser selbst — wenn der Staat dafür haftet. Auch, wenn dieser Staat selbst in Finan­zierungs­nöten steckt. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 21.12.2011. • Die itali­enischen Banken haben sich die Sicher­heiten für die neuen 3-Jahres­kredite der EZB selbst gebas­telt: 14 Geld­häuser hatten am Dienstag Anleihen im Volumen von fast 40 Mrd. € nur zu dem Zweck aufge­legt, die Papiere als Pfand bei der EZB zu hinter­legen • sie wurden mit einer staat­lichen Bürg­schaft versehen, da die EZB normaler­weise keine unbesi­cherten Anleihen als Pfand annimmt • wenn das Schule macht, könnten die Euro-Krisen­staaten ihren Banken prak­tisch Zugang zu unbe­grenzten EZB-Kre­diten verschaffen • die Insti­tute erhalten derzeit zum Zins­satz von 1% von der EZB so viel Geld, wie sie benö­tigen — wenn sie Sicher­heiten mit entspre­chendem Wert hinter­legen • nun könnten sie diese Sicher­heiten mit staat­licher Unter­stüt­zung selbst produ­zieren • in Mailand hätten 14 Banken bis Diens­tag­abend staat­lich garan­tierte Bonds im Volumen von 38,4 Mrd. € ausge­geben • die italie­nische Regie­rung hatte am 4. Dezember ein Gesetz erlassen, nach dem Banken in Refi­nanzie­rungs­nöten Staats­garan­tien für ihre Verbind­lich­keiten bean­tragen können — wie schon nach der Lehman-Pleite • die EU-Kommis­sion will solche Garan­tiepro­gramme unter bestimmten Bedin­gungen erneut zulassen
[HTML] S. Dzajic: Basel III wird Kreditvergabe durch Schuldenkrise verschärfen.[!] Durch Basel III steigen die Anforde­rungen an die Kredit­vergabe. Vor dem Hinter­grund der aktu­ellen Schulden­krise dürfte sich dies noch weiter verschärfen. Presseschleuder, 31.12.2011. Basel III als Reform der beste­henden Rege­lungen zur Banken­regu­lierung nach Basel II ist die Konse­quenz aus den in der Finanz­krise offen­barten Schwä­chen der bishe­rigen Banken­regu­lierung • dazu gehört insbe­sondere die Notwen­digkeit, Kredit mit mehr Eigen­kapital zu hinter­legen • die maßgeb­lichen Kenn­zahlen von Basel III stellen i.d.R. das notwen­dige Eigen­kapital in Rela­tion zu der Bilanz­summe der Kredit­insti­tute • in der aktu­ellen Staats­schulden­krise hat Basel III aller­dings einen verstär­kenden Effekt: das Eigen­kapital wird durch notwen­dige Wert­berichti­gungen auf Staats­anleihen gemin­dert • mit dem Zwang zur Vermin­derung des Eigen­kapitals (Zähler) und bei einem nur gering­fügig niedri­geren Bilanz­summe (Nenner) schrumpft nun die Eigen­kapital­quote • die Kredit­insti­tute haben eigent­lich nur 2 Möglich­keiten: sie können zum einen das Eigen­kapital durch Gewinne oder durch Kapital­erhö­hungen erhöhen oder die Bilanz­summe durch Ausglie­derung von Vermö­gens­werten oder Reduzie­rung der Kredit­vergabe redu­zieren • somit besteht die Gefahr, dass Basel III zu einer Kredit­klemme führt

Rating und Rating-Agenturen  

[HTML] WikipediA: Rating ist im Finanzwesen eine Einschät­zung der Bonität eines Schuld­ners. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Insolvenzprognoseverfahren soll die Wahr­schein­lich­keiten bestimmen, mit denen Unter­nehmen, Privat­personen, Staaten oder sons­tige Insti­tuti­onen inner­halb eines spezifi­zierten Zeit­hori­zonts insolvent werden. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Ratingagentur ist ein privates, gewinn­orien­tiertes Unter­nehmen, das gewerbs­mäßig die Bonität von Unter­nehmen und Staaten bewertet. de.wikipedia.org, 5.10.2011
[HTML] WikipediA: Standard & Poor’s mit Welt­karte der Ratings und Vergleichs­tabelle der Rating­stufen der wichtigs­ten Rating­agen­turen. de.wikipedia.org, 21.9.2011
[HTML] WikipediA: Moody's mit Europa­karte der Ratings. de.wikipedia.org, 12.10.2011
[HTML] M. Grandt: Banken wollen keine deutschen Staatsanleihen mehr.  KOPP ONLINE, 14.10.2011
[HTML] Fitch droht Banken mit Herabstufung. Frankfurter Rundschau, 14.10.2011
[HTML] A. Rexer: Düstere Aussichten für Banken. S&P stuft BNP Paribas ab. Fitch droht mehreren Insti­tuten. WELT ONLINE, 14.10.2011
[HTML] aar/dpa/Reuters: Fitch droht Deutscher Bank mit Herabstufung. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 14.10.2011
[HTML] abenbdlatt.de/Reuters/dpa: Schuldenkrise: Rating-Schock: Moody's droht Frank­reich mit Abwer­tung. Moody's will die Bewer­tung des Landes in den nächsten Monaten prüfen. Ökonomen warnen vor den Folgen einer Abwer­tung. Auch für Deutsch­land. Hamburger Abendblatt, 19.10.2011. • Die Rating­agentur Moody’s kündigte an, die bishe­rige Bewer­tung Frank­reichs auf den Prüf­stand zu stellen • die fran­zösi­sche Regie­rung müsse mit Reformen die Kredit­würdigkeit des Landes nach den Belas­tungen durch die Finanz­krise sichern • Finanz­minister François Baroin betont, dass er die Spitzen­bonität seines Landes nicht für gefährdet hält • die Wachs­tums­prognose für das kommende Jahr dürfte aller­dings mit 1,75% zu hoch gegriffen sein • die Prog­nose werde ange­passt
[HTML] Ratingagentur: Spanische Banken und Regionen verlieren Bonität. Die Rating­agentur Moody's hat nun auch die Noten für spani­sche Regi­onen und Banken gesenkt. Die Anleihen einer Regional­regie­rung liegen damit auf Ramsch­niveau. Groß­banken waren weniger stark betroffen.  Handelsblatt , 20.10.2011. • Moody's stufte die Bonität von 10 der 17 Regi­onen Spaniens herab, im Fall von Kasti­lien-La Mancha sogar bis auf Ba2 (Ramsch-Status) • die wirt­schafts­starken Mittel­meer-Regi­onen Katalo­nien und Valencia wurden auf Baa2 herab­gesetzt • Moody's stufte die Groß­banken Santander, BBVA und Caixa­Bank nur um eine Stufe auf Aa3 zurück — das ist eine Note besser als der spani­sche Staat
[HTML] Vorschlag der EU: Macht euch unabhängig von Ratingagenturen! FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 23.9.2011. • Die EU-Kommis­sion plant, der neuen Finanz­aufsicht ESMA die Möglich­keit zu geben, die Veröf­fentli­chung von Länder­ratings zu verbieten, zumindest dann, wenn das betrof­fene Land schon darüber verhan­delt, unter den Euro-Rettungs­schirm zu schlüpfen • es besteht aber die Gefahr, dass die Unterdrü­ckung eines Ratings genauso schäd­liche Folgen hat wie ein nega­tives Rating selbst, weil eine Bewer­tung wohl nur unter­bunden wird, wenn sie beson­ders schlecht ausfällt • dennoch: das Beispiel Spanien bestä­tigt, dass die Agen­turen prozyk­lisch nachein­ander schlechte Ratings verteilen und nicht nur bewerten, sondern mitbe­stimmen • die Politik sollte lieber aufhören, Rating­agen­turen wie quasi­amt­liche Insti­tuti­onen zu behan­deln und Ratings nicht länger automa­tisch zur Grund­lage ihrer Entschei­dungen machen
[HTML] A. Moses: Corporate Bond Risk Falls in Europe, Credit-Default Swaps Show. Bloomberg, 21.10.2011. • Traders: the cost of insuring against default on European corporate debt fell • the Markit iTraxx SovX Western Europe Index of swaps on 15 govern­ments rose 3 basis points to 336 (an increase signals deterio­rating perceptions of credit quality) • a basis point on a credit-default swap protec­ting 10 million € ($13.7 million) of debt from default for 5 years is equivalent to 1000 € a year
[HTML] EU-Gipfel: Fonds-Experte erwartet Verlust des Triple-A für Deutschland.[!] Der US-Fonds­experte Mark Grant hält eine Banken­rettung durch die europä­ischen Staaten für nicht machbar. Als Folge geht er auch von einer Herab­stufung Deutsch­lands aus. Deutsche Mittel­stands­Nach­richten, 23.10.2011
[HTML] WikipediA: Europäischer Stabilitätsmechanismus („Euro-Rettungs­schirm”, ESM) ist eine geplante Unter­stüt­zungs­rege­lung der Mitglied­staaten der Euro­zone zur Abwen­dung von „Staats­plei­ten” und deren nega­tiven Folgen für die Gemein­schafts­währung. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] Ratingagenturen bescheinigen EFSF-Fonds Spitzenbonität. AFP / Google. 30.10.2011. • Die US-Rating­agen­turen Stan­dard & Poor's, Moody's sowie Fitch bestä­tigen ihre Bewer­tung des Euro-Ret­tungs­fonds EFSF mit dem Urteil „AAA” • dabei ist die Erhö­hung der EFSF-Ausleih­kapa­zität auf 440 Mrd. € berück­sich­tigt, zusammen mit den Garan­tien in Höhe von 780 Mrd. € • Stan­dard & Poor's: es sei „so gut wie sicher, dass die Mitglied­staaten den Fonds im Bedarfs­fall mit zusätz­lichen Mitteln in ausrei­chendem Umfang ausstat­ten” • in Brüssel war beschlossen worden, die Schlag­kraft des Euro-Ret­tungs­fonds mit Hilfe eines soge­nannten Hebels auf 1 Billion € zu erhöhen • Wolf­gang Schäuble (CDU, Bundes­finanz­minister) sagte, der Gipfel werde „nicht das letzte Treffen zu diesem Thema gewesen sein” • Jean-Claude Trichet (Präsi­dent der EZB): es war ein „schwerer Fehler”, dass der Stabi­litäts- und Wachs­tums­pakt in der Vergan­genheit nicht von allen Euro­ländern einge­halten worden sei • Charles Dallara (Geschäfts­führer der inter­natio­nalen Banken­verei­nigung IIF) ist über­zeugt, dass sich viele Banken an dem freiwil­ligen 50-prozen­tigen Schulden­schnitt für Grie­chen­land betei­ligen werden
[HTML] Griechenland-Krise: Zypern bei Moody's nur noch knapp über Ramsch. Die Rating­agentur hat nachge­zogen und ihre Boni­täts­bewer­tung für die Sonnen­insel gesenkt — gleich um zwei Stufen. Grund sind Sorgen um die Banken im Land, die stark im Geschäft mit den Grie­chen enga­giert sind. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 5.11.2011
[HTML] Ag.: Scharfer Sparkurs: Frankreich kämpft um "AAA"-Rating. Konsu­menten und Konzerne müssen mehr Steuern zahlen, Minis­terge­hälter werden einge­froren. 65 Milli­arden Euro will Frank­reich so bis 2016 aufbringen.  Die Presse.com , 7.11.2011. • Die franzö­sische Regie­rung weitet ihren Spar­kurs dras­tisch aus • François Fillon (Regie­rungs­chef): bis 2016 sollen zusätz­lich 65 Mrd. € aufge­bracht werden • Moody's hatte die Fran­zosen gewarnt, dass ihre Best­note "AAA" in Gefahr sei • Sparmaß­nahmen: • 1) der ermäßigte Mehr­wert­steuer­satz wird von 5,5% auf 7% erhöht • 2) auf die Steuer für große Unter­nehmen kommt vorüber­gehend ein Aufschlag von 5% • 3) der Staat soll in den nächsten Jahren zusätz­lich 500 Mio. € sparen • 4) das Renten­eintritts­alter wird bereits 2017 (statt 2018) auf 62 Jahre erhöht • die Neuver­schul­dung soll 2012 auf 4,5% des BIP sinken
[HTML] Ratingagentur: Fitch sieht Commerzbank-Zukunft kritisch. Die Commerz­bank muss womög­lich noch­mals Geld vom Staat bean­tragen. Nach Meinung der Analysten sei es frag­lich, ob das zweit­größte deut­sche Geld­haus die verschärften Eigen­kapital-Vorschriften erfüllen könne.  Handelsblatt , 7.11.2011. • Fitch sieht die Bemü­hungen der Commerz­bank kritisch, die verschärften Eigen­kapital-Vorschriften bis Mitte 2012 aus eigener Kraft mit Hilfe von Sparmaß­nahmen zu erfüllen • eine Eintrü­bung der Konjunktur könnte ihr einen Strich durch die Rechn­ung machen • die Bank hatte ange­kündigt, Neuge­schäfte ohne einen Bezug zu Deutsch­land und Polen vorüber­gehend einzu­stellen, um Bilanz­risiken abzu­bauen und damit Kapital freizu­setzen • der Immo­bilien­finan­zierer Euro­hypo soll keine neuen Kredite mehr vergeben • die Chance, einen Teil der benö­tigten 2,9 Mrd. € zusätz­lichen Kapitals aufzu­bringen, schätzt Fitch als gering ein • dann müsse jegli­cher zusätz­licher Kapi­talbe­darf zum größten Teil durch den Staat gedeckt werden • der Staat hält aber immer noch 25% an Deutsch­lands zweit­größter Bank, nachdem sie 2009 insge­samt 18 Mrd. € an frischem Kapital vom Banken­rettungs­fonds SoFFin erhalten hatte (von denen sie mehr als 90% zurück­gezahlt hat)
[HTML] Wegen Unicredit: Moody‘s prüft Bank Austria-Rating auf Abstufung. Die Rating­agentur Moody's prüft das A2-Lang­frist- und Prime-1-Kurz­frist-Rating für Einlagen und Verbind­lich­keiten der Bank Austria. Tiroler Tageszeitung, 16.11.2011
[HTML] US-Ratingagentur: Moody's stuft Landesbanken herab. Gleich mehrere deut­sche Landes­banken sind von der US-Rating­agentur Moody's herab­gestuft worden. Bei sechs Banken wurde das Rating um drei Stufen gesenkt. Die Über­prüfung der WestLB wurde verlän­gert.  Handelsblatt , 17.11.2011
[HTML] Schuldenkrise in Europa: „Der Euro ist ein darwinistisches System”. Schrille Töne in der Debatte um die Euro-Rettung: Der finni­sche Minister Stubb fordert, die Euro-Zone nach darwi­nisti­schen Prinzi­pien zu führen — und für die wirt­schaft­lich gesunden Länder mehr Einfluss­möglich­keiten. Diskus­sionen über einen politi­schen Kern Europas weist er als „heiße Luft” zurück. sueddeutsche.de, 17.11.2011
[HTML] dpa/Reuters: Schuldenkrise: Sorge um Frankreich drückt Märkte ins Minus. Die Rating-Agentur Moody's droht Frank­reich mit dem Verlust der Best­note AAA. Allein die Speku­lation darüber lässt die Aktien­märkte europa­weit ins Minus fallen. ZEIT ONLINE, 21.11.2011. • Die Rating-Agentur Moody's droht: Frank­reich könnte sein Top-Rating AAA verlieren, falls es dauer­haft so hohe Zinsen für seine Staats­anleihen zahlen müsse und damit der Abbau der Schulden verlang­samt würde • Alexander Kocker­beck (Moody's-Analyst): ein Risi­koauf­schlag in Höhe von 1 Prozent­punkt kostet einen Staat rund 3 Mrd. € pro JahrFrank­reich zahle wegen seines hohen Staats­defi­zits für lang­fris­tige Finanzie­rungen Anle­gern mittlerweile fast das Doppelte wie Deutschland • Frank­reich hat zuge­sagt, das Defizit von jetzt 7% bis 2013 auf 3% des BIP zu drücken • sollte Frank­reich die Best­note verlieren, wäre auch das Top-Rating des Euro-Ret­tungs­schirms EFSF gefährdet • Rainer Sartorius (HSBC-Volkswirt): „Dass Frank­reich substan­ziell etwas gegen die Haus­halts­probleme getan hat, ist bisher nicht zu erken­nen.” • Olli Rehn (EU-Wäh­rungskom­missar): „Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone” • in Spanien konnte der klare Wahl­sieg der konser­vativen Opposi­tion die Finanz­märkte nicht beru­higen (er ist ja an den Märkten seit Wochen einge­preist gewesen): die Zinsen für spani­sche Staats­anleihen zogen erneut an • Wahl­sieger Mariano Rajoy räumte ein, dass „keine Wunder” im Kampf gegen die Krise zu erwarten seien • in Grie­chen­land verwei­gert der Partei­chef der Neuen Demo­kratie, Antonis Samaras, bisher die gefor­derte schrift­liche Verpflich­tung zu den von den Euro-Staaten gefor­derten Reform- und Sparzu­sagen • Lukas Papa­demos (Chef der Über­gangs­regie­rung): „Es gibt keinen Zweifel daran, dass die neue Regie­rung diese schrift­liche Zusage liefern wird.”
[HTML] Moody's warnt vor Verlust der Triple-A-Bonität: Frankreich droht Herabstufung durch Ratingagentur. Sollten die erhöhten Finan­zierungs­kosten für längere Zeit anhalten, würden die Haus­halts­schwierig­keiten steigen und nega­tive Auswir­kungen auf die Kredit­würdig­keit haben. Zudem habe sich der Konjunktur­ausblick einge­trübt. Wiener · Zeitung.at, 21.11.2011
[HTML] APA: Schuldenbremse: Moody's erwartet Zustimmung der Opposition. Rating­agentur: Schulden­bremse würde Kredit­würdig­keit verbes­sern — Sparen­tipps gibt es für die Bereiche Pensi­onen und Förde­rungen. derStandard.at, 21.11.2011
[HTML] heb/dpa/dpad/AFP: Haushaltsdebatte im Bundestag: Gabriel wirft Merkel Politik auf Pump vor. Verhee­rend findet SPD-Chef Gabriel die Neuver­schul­dung der schwarz-gelben Regie­rung. Kanz­lerin Merkel igno­riere die Schulden­bremse völlig, warf er ihr in der Gene­ralde­batte des Bundes­tags vor. In Zeiten spru­delnder Einnahmen müsse der Staat sparen. SPIEGELONLINE POLITIK, 23.11.2011
[HTML] stk/dpa/Reuters: Euro-Krise: Rating-Riese stuft Portugal auf Ramschniveau. Es ist ein neuer Schock für die Euro-Zone: Während Frank­reich und Deutsch­land um die Einfüh­rung von Euro-Bonds ringen, stuft die Rating-Agentur Fitch die Kredit­würdig­keit des Krisen­lands Portugal herunter. Dessen Anleihen gelten nun als spekula­tive Anlage. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 24.11.2011. • Die Rating-Agentur Fitch senkt die Kredit­würdig­keit Portu­gals von "BBB-" auf "BB+" (sogen. Ramsch­niveau) • dies signa­lisiert Inves­toren, dass die entspre­chende Anlage speku­lativ ist • die Rating-Agentur Moody's hatte die Bonität Portu­gals bereits im Sommer auf Ramsch­status gesenkt • nur Stan­dard & Poor's hat die portu­giesi­schen Staats­anleihen noch nicht als speku­lative Anlage bewertet • wie Fitch mitteilte, ist eine weitere Herab­stufung in abseh­barer Zeit möglich • Fitch: die Staats­verschul­dung Portugals dürfte bis Ende 2011 auf rund 110% der Wirt­schafts­leis­tung steigen, die Wirt­schaft um 3% schrumpfen • Reformen werden sich erst lang­fristig auswirken • Portugal hat sich (wie Irland) schon vor einiger Zeit unter den europä­ischen Rettungs­schirm EFSF begeben • da das Land so Hilfs­gelder erhält, ist es zurzeit nicht auf Geld vom Kapital­markt ange­wiesen
[HTML] Staatsschulden außer Kontrolle: Moody's senkt Ungarns Bonität auf Schrottniveau. Trotz Hilfe­rufs an den IWF kann Ungarns Premier Viktor Orbán die Rating­agen­turen nicht mehr besänf­tigen: Moody's wertet Staats­anleihen des Landes nur noch als Ramsch, weil die Politik Defizit und Schulden nicht ausrei­chend redu­ziert habe. Die Landes­währung verliert rapide an Wert. Orbán fühlt sich als Opfer von „Finanzan­griffen”. sueddeutsche.de, 25.11.2011. • Herab­stufung Ungarns von Baa3 auf Ba1 • Begrün­dung: zuneh­mende Unsi­cher­heit, ob Ungarn ange­sichts einge­schränkter Wachs­tumsaus­sichten mittel­fristig seinen Staats­haus­halt konsoli­dieren und die öffent­lichen Schulden senken könne • mit der Ramsch-Note wird es quasi unmög­lich, für die Tilgung alter Kredite nicht noch weitere Schulden anzu­häufen • Ungarns vorhe­riges Rating Baa3 ist die nied­rigste Rating­stufe, auf der ein Staats­papier noch als invest­ment grade gilt (akzep­tabel für eine Inves­tition), während es von Ba1 abwärts als möglich gilt, dass Inves­toren ihr Geld nicht mehr wieder­bekommen • dazu Ungarns Regie­rung: der Schritt sei fach­lich nicht zu begründen, er sei ein Teil der „Finanz­angriffe gegen Ungarn” • die Herab­stufung war bereits von den Rating-Agen­turen angedroht worden, nachdem die Staats­verschul­dung vom 2. zum 3. Quartal dieses Jahres von 75% auf 82% des BIP gestiegen war • János Lázár (Frak­tion­schef der regie­renden Fidesz-Partei): das Land wolle sich weiter selbst Geld am Markt beschaffen • Speku­lanten hätten in jüngster Zeit gegen den Forint speku­liert • „Die makro­ouml;kono­mischen Daten geben keinerlei Anlass, gegen den Forint zu wetten.” — die Wirt­schaft sei robust
[HTML] Wird Ungarn das erste osteuropäische Opfer der Schuldenkrise? Boni­täts-Herabstu­fungen europä­ischer Staaten durch ameri­kani­sche Rating-Agen­turen sind mittler­weile fast schon an der Tages­ordnung. Dieses Mal hat es Ungarn erwischt und es kann nicht ausge­schlossen werden, dass dies nicht die letzte Abstufung war. finanzennet, 4.11.2011. • Trotz der Herab­stufung von zuvor Baa3 auf jetzt nur noch Ba1, also auf Ramsch­niveau, belässt Moody's den Ausblick auch noch bei negativ • Ungarn habe eine für osteu­ropäi­sche Verhält­nisse recht hohe Staats­verschul­dung, die vom 2. bis zum 3. Quartal dieses Jahres von 75% auf 82% des BIP gestiegen war • die Experten hegen Zweifel, dass Ungarn ange­sichts der sich abzeich­nenden konjunk­turellen Schwäche­phase seine mittel­fris­tigen Ziele zur Konso­lidie­rung der Finanzen und der Redu­zierung der öffent­lichen Schulden errei­chen kann • Ungarn muss nun künftig mehr Zinsen für seine Staats­anleihen bieten • die konser­vative Regie­rung von Minister­präsi­dent Viktor Orbán äußerte Unver­ständnis, da die Staats­verschul­dung 2010 von 81% auf 73% der Wirt­schafts­leis­tung gesenkt werden konnte • aller­dings liegt man aktuell bereits wieder bei 82%
[HTML] R. Bruckner: Moody's sieht Ramschstatus: "Ungarn hat ein Glaubwür­digkeits­problem". Interview mit Sandor Richter. Das Land werde nicht „ange­griffen”, laut Ökonom Sandor Richter mangelt es einfach an struktu­rellen Reformen. derStandard.at, 25.11.2011. • Der Ökonom Sandor Richter vom Wiener Institut für Inter­natio­nale Wirt­schaftsver­gleiche sieht die Herab­stufung Ungarns auf Ramsch­status als logi­sche Folge auf die struktu­rellen Schwä­chen in der Wirt­schafts­politik • die Funda­mental­daten der ungari­schen Wirt­schaft sind eigent­lich nicht so schlecht, aber die Regie­rung steckt in einer Glaub­würdig­keits­krise • dabei hat Ungarn 2012 ein Budeget­defizit unter 3%, einen Leis­tungs­bilanz­uuml;ber­schuss, und eine Staats­verschul­dung von 81% des BIP (etwa europä­ischer Durch­schnitt) • mittel­fristig aber hat Ungarn keine über­zeugende Stra­tegie gegen die Defi­zitpro­bleme • 2011 wird Ungarn noch einen Über­schuss von 1% bis 2% des BIP im Staats­haus­halt haben — wegen der Verstaat­lichung der Privat­pensions­gelder • außerdem hat es für Telekom, Energie und große Handels­ketten Sondersteuern einge­führt, die auslaufen • es hat auch eine beispiellos ho­he Sonder­steuer für den Banken­sektor einge­führt, die mittel­fristig nicht haltbar sein werden • der ungari­schen Wirt­schaft fehlt das struktu­relle Gleich­gewicht • die Regie­rung Viktor Orbán ist quasi eine Einmann-Show, die von seinen Leuten in den Behörden unter­stützt wird
[HTML] O. Dürr: Bonität Portugal, Ungarn und Deutschland in neuer Euro-Form. Ein Doppel-Schlag gegen zwei europä­ische Länder durch die US-Rating­agen­turen Fitch und Moody's. Mit Portugal wurde ein Mitglied der Euro-Zone deut­lich in die "Ramsch-Zone" geschickt und Ungarn erhielt zum Schulden­berg das Miss­trauen ausge­sprochen. TarifOMeter24.com, 25.11.2011. Herab­stufung Ungarns zwar nur von Stufe "Baa3" auf "Ba1", aber klares Signal für Mißtrauen an die finan­ziellen Möglich­keiten des Landes • Moody's sieht das Fehlen von klar erkenn­baren Hinweisen, den Staats­haus­halt in Ordnung bringen zu können • Unver­ständnis bei der ungari­schen Regie­rung: die Gesamt­verschul­dung des Landes sei im letzten Jahr von 81% auf 73% des Brutto­inlands­produkts gesenkt worden • Minis­terprä­sident Viktor Orbän versprach weiter, die geplante Neuver­schul­dung auf unter 3% der Wirt­schafts­leis­tung redu­zieren zu wollen • Ungarn ist zwar ein EU-Mit­glied, gehört aber nicht zur Euro-Zone • die ungari­sche Regie­rung vermutet, dass gegen die Währung Forint auf dem Finanz­markt diverse Wetten laufen • eine Untersu­chung ist einge­leitet worden • Portugal hat die Herab­stufung von "BBB" auf "BB+" schwer getroffen • Prognose der EU-Kommis­sion: Wirt­schafts­schrump­fung um mindes­tens 3% im kommenden Jahr • Portu­gals Plan, das Defizit bis zum Jahr 2013 auf 3% des BIP senken zu können, wird ange­zweifelt • inzwi­schen gibt es auch für die deut­schen Anleihen ein deut­liches Alarm­signal: stei­gende Zinsen für 10-jährige Anleihen sind Zeichen einer „Anste­ckung” aus den krisen­geschüt­telten EU-Län­dern • gestern sind die Zinsen für die deut­schen Anleihen auf 2,25% gestiegen • Staats­anleihen für Frank­reich, Spanien und Italien erhielten wider Erwar­tungen sogar Zins-Abstriche
[HTML] Teure Auktion: Italien muss Rekordzinsen für kurzfristiges Geldleihen zahlen. Italien leiht sich 10 Milli­arden Euro und muss für zwei­jährige Anleihen eine durch­schnitt­liche Verzin­sung von 7,8% bieten. Soviel wie noch nie, seitdem es den Euro gibt. FAZ.NET, 25.11.2011. • Auch mit dem neuen Minis­terpräsi­denten Mario Monti kommt Italien nicht zur Ruhe: es muss Rekord­zinsen (6,5% für Schatz­wechsel 6-mona­tiger Lauf­zeit) zahlen, um sich kurz­fristig Geld leihen zu können • wie Monti erging es bereits dem neuen spani­schen Minis­terpräsi­denten Mariano Rajoy: Spanien musste für die Plazie­rung neuer Schatz­wechsel mit 3 Monaten Lauf­zeit eine durch­schnitt­liche Verzin­sung von mehr als 5% zahlen • unge­fähr auf demsel­ben Niveau wie neuer­dings Deutsch­land rentieren briti­sche Anleihen, obwohl es wirt­schaft­lich und finan­ziell wesent­lich schlechter dasteht als Deutsch­land • die Bank of England hat sich hier klar als „Gläu­biger der letzten Instanz” etabliert • dass die kurz­fris­tigen über den lang­fris­tigen Zinsen liegen, deutet auf die ange­spannte Lage am Markt hin • 10-jährige Anleihen anderer Länder: Spanien 6,6%, Frank­reich 3,6%, Belgien 5,6%, Portugal 11,7% • die EZB versuchte offenbar unmit­telbar vor der italie­nischen Auktion, durch den Kauf italie­nischer Staats­anleihen am Markt die Zinsen zu drücken • aktu­elle Staats­verschul­dung Italiens: rund 120% des BIP
[HTML] mmq/Reuters/dpa: Mieser Ausblick: Rating-Agentur stuft Belgien herab. Die schlechten Nach­richten für die Euro-Staaten kommen Schlag auf Schlag: Dieses Mal hat es Belgien erwischt. Die Rating-Agentur Stan­dard & Poor's hat die Kredit­würdig­keit des Landes herab­gestuft. Sie traut der Regie­rung nicht zu, den Schul­denberg abzu­tragen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 25.11.2011. • Die Rating-Note werde von bisher AA+ auf AA redu­ziert, teilte S&P mit • Gründe: der wach­sende Druck der Finanz­märkte, das schwä­chere Wirt­schafts­wachstum und die politi­sche Insta­bilität • die Entschei­dung kommt nicht völlig über­raschend • mehr Unter­stüt­zung für die Finanz­insti­tute durch den belgi­schen Staat könnte den bereits hohen Schulden­stand von rund 97% des Brutto­inlands­produkts im Jahr 2011 über die Marke von 100% treiben • der Stabi­litäts­pakt erlaubt ledig­lich 60% • auch das schwächer werdende Wachstum dürfte den belgi­schen Staats­haus­halt belasten
[HTML] OECD schlägt wegen Schuldenkrise Alarm.[!] AFP / Google. 28.11.2011. • Die Orga­nisa­tion für wirt­schaft­liche Zusam­menar­beit und Entwi­cklung (OECD) fordert stär­keres Eingreifen der EZB gegen ein Ausweiten der Schulden­krise • da schon 1 „größeres nega­tives Ereig­nis” in der Euro-Zone „verhee­rende” Auswir­kungen für die Wirt­schaft welt­weit haben könnte, sollten sich die Verant­wort­lichen auf „das Schlimm­ste” vorbe­reiten, und die EZB notfalls eingreifen • die gesamte Euro-Zone erwarte eine „milde Rezes­sion” • die OECD geht für 2012 von einem Wachstum von nur noch 0,2% für die Euro-Zone aus (nach 2% im Mai) • für Deutsch­land rechnet die OECD 2012 mit einem Plus des BIP von nur 0,5% • die franzö­sische Wirt­schaft werde 2012 nur um 0,3% wachsen • daher haben mehrere Rating­agen­turen Frankreich gewarnt, dass die Best­note AAA für die Kredit­würdig­keit in Gefahr sein könnte • die OECD forderte für 2012 auch zusätz­liche Sparmaß­nahmen von 0,4% des BIP • der europä­ischen Rettungs­fonds EFSF könnte durch ein Über­schwappen der Schulden­krise auf Fran­kreich ins Wanken geraten
[HTML] APA/dpa-AFX: Moody's warnt vor weiteren Staatspleiten.[wichtig!] Die Rating­agentur Moody's hat vor weiteren Staats­pleiten im Euro­raum und letzt­lich dem Zerfall der Währungs­gemein­schaft gewarnt. Wirtschafts Blatt, 28.11.2011. • Moody's geht zwar in ihrem Haupt­szenario nach wie vor von einem Fort­bestand der Euro­zone aus, doch sei die Gefahr nega­tiver Entwick­lungen gestiegen • Gründe sind u.a. politi­sche Unsi­cher­heiten in Grie­chen­land und Italien sowie die trüben Wachs­tumsaus­sichten im Euro­raum • es gebe die reale Wahr­schein­lich­keit, dass neben Grie­chen­land andere Euro-Länder Zahlungs­probleme bekommen könnten • würden gleich mehrere Länder in Schwierig­keiten geraten, seien auch Austritte aus dem Euro­raum denkbar • eine solche Eska­lation der Krise würde sich nega­tiv auf alle Länder in der Euro-Zone und in der EU auswirken • Moody's werde über­dies die Gesamt­situ­ation im Währungs­raum einer neuen Bewer­tung unter­ziehen • sollte die Politik nicht zeitnah weitere Schritte zur Stabi­lisie­rung der Lage ergreifen, könnten auch alle Ratings im Euro­raum und mögli­cher­weise auch in der EU unter Druck geraten • die Neube­wertung soll bis zum 1. Quartal 2012 abgeschlossen sein
[HTML] C. Filker: Wie bewerten Ratingagenturen?[!] GeVestor, 29.11.2011. • Die Herabstufungen durch die Ratingagenturen wurden jüngst fast immer unter dem Gesichtspunkt des hohen Schuldenstandes vorgenommen • bei Politikern stehen die Ratingagenturen immer stärker in der Kritik, denn eine Herabstufung kann schwerwiegende Probleme mit sich bringen: höhere Zinsen für die Refinanzierung der Haushalte, also noch mehr Probleme gerade für die Problemstaaten • auch wenn die genauen Bewertungsmodelle geheim gehalten werden, sind doch die wesentlichen Faktoren der Bewertung bekannt: das Bruttoinlandsprodukt, der Schuldenstand, die Sozialausgaben und das Rentensystem • steht beispielsweise eine Herabstufung an, wird dies im Vorfeld einer neuen Beurteilung angekündigt • die Ratings spielen im Kreditwesen eine sehr große Rolle: institutionelle Investoren (Rentenkassen oder Versicherungen) dürfen per Gesetz und eigene Unternehmenssatzung nur in Anleihen investieren, die ein Investmentgrade (Ratingnote höher als BB+) vorweisen • den Ratinggesellschaften, die ja für ihre Bonitätseinstufung Geld bekommen, werden starke Interessenkonflikte nachgesagt, insbesondere da die 3 Branchenriesen in New York ansässig sind • fraglich bleibt, ob bei einer europäischen Ratingagentur die Interessenkonflikte geringer sein werden
[HTML] fdi/dapd/Reuters: Kapitalbedarf: Commerzbank könnte Eurohypo an den Bund abgeben. Die Commerzbank braucht dringend Geld, um sich gegen die Schuldenkrise in Europa zu wappnen. Nun erwägt das Kreditinstitut laut einem Zeitungsbericht, seine Tochter Eurohypo zu verkaufen — an den Staat. Bei dem Deal müsste das Geldhaus einen empfindlichen Verlust hinnehmen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 29.11.2011
[HTML] Fitch: Weitere Schocks gefährden Großbritanniens Top-Rating. Die Rating­agentur Fitch erhöht den Druck auf Groß­britan­nien. Die Fähig­keit des König­reichs, weitere wirt­schaft­liche Schocks zu verkraften und dabei sein Top-Rating AAA zu vertei­digen, sei weit­gehend erschöpft, teilte Fitch am Dienstag mit. Einziger Ausweg seien weitere Maßnahmen zur Senkung der Schulden. derStandard.at, 29.11.2011
[HTML] Standard & Poor's: Rating-Riese droht Deutscher Bank mit Abstufung.[!] Stan­dard & Poor's holt zum Rundum­schlag aus: Die Rating-Agentur hat die Kredi­twürdig­keit von 15 Groß­banken herab­gestuft, vor allem in den USA. Die Kredit­insti­tute in der Bundes­repu­blik behalten vorerst ihre Boni­täts­noten. Doch den Ausblick für die Deut­sche Bank senkte S&P. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 30.11.2011. • Stan­dard & Poor's hat die Bonität der größten ameri­kani­schen Kredit­insti­tute 1 Note tiefer einge­stuft • Grund: es wurde nun stär­keres Gewicht auf die Krisen­festig­keit der Banken gelegt • inter­nati­onal erhalten nun insge­samt 20 von 37 Groß­banken eine niedri­gere Bonität • in den USA traf es alle großen Namen: Citi­group, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan Chase, jeweils um 1 Stufe tiefer • zwar blieb die Deut­sche Bank vorerst verschont, aber S&P senkte den Zukunfts-Ausblick auf 'negativ' • damit droht in der Zukunft der Entzug der bislang guten A+-Note • die Commerz­bank hatte bereits einen nega­tiven Ausblick — die Bewer­tung blieb jetzt aber stabil • dagegen mussten die schwei­zeri­sche UBS und die briti­schen HSBC, Royal Bank of Scot­land und Barc­lays eine Herab­stufung hinnehmen • die unter Beob­achtung stehenden fran­zösi­schen Banken Société Géné­rale und BNP Paribas konnten sich dagegen behaupten • die 37 inter­natio­nalen Groß­banken wurden von S&P mit den neuen Krite­rien unter die Lupe genommen • in den kommenden Wochen will S&P für mehr als 750 Banken aktuali­sierte Ratings veröf­fent­lichen • die neuen Bewer­tungs­krite­rien zielen stärker auf die Fähig­keit der Geld­häuser ab, Krisen zu über­stehen • auch die ameri­kani­sche Zentral­bank verfügte, dass bei den jähr­lich anste­henden Stress­tests der US-Groß­banken das Szenario einer verschärften europä­ischen Schulden­krise durchge­spielt werden muss
[HTML] G. Höhler: Finanzhilfen: Der nächste Krisenstaat heißt Zypern.  Handelsblatt , 2.12.2011. • Im jüng­sten IWF-Bericht heißt es, Zypern stehe „vor beängsti­genden wirt­schaft­lichen Heraus­forde­rungen.” • die Schwierig­keiten resul­tieren vor allem aus der engen Verflech­tung der Wirt­schaft mit dem benach­barten Krisen­staat Grie­chen­land • der Banken­sektor Zyperns, dessen Bilanz­summe das 8-fache des BIP ausmacht, galt früher als Stärke der zypri­schen Wirt­schaft — jetzt als Achilles­ferse • sie haben nicht nur rund ¼ ihrer ausge­reichten Kredite in Grie­chen­land vergeben; sie halten auch griechi­sche Staats­anleihen im Nenn­wert von rund 5 Mrd. Euro; • das sind fast 30% des zypri­schen BIP • eine Banken­rettung würde also die finan­ziellen Möglich­keiten des Staates weit über­steigen • Zypern hat ohnehin große Struktur­probleme ähnlich denen Grie­chen­lands — vor allem einen aufge­blähten öffent­lichen Dienst: Zyperns Staats­diener verdienen mit durch­schnitt­lich 46.726 € im Jahr fast doppelt so viel wie die Beschäf­tigten in der Privat­wirt­schaft • seit der Euro-Einfüh­rung 2008 sind die Personal­kosten im Staats­sektor um 25% gestiegen • die Wirt­schafts­leis­tung wird laut IWF dieses Jahr stag­nieren und 2012 leicht schrumpfen • dieses Jahr haben die Rating­agen­turen Zyperns Kredit­würdig­keit und die Bonität seiner Banken bereits mehr­fach herab­gestuft • damit sind Staat und Kredit­insti­tute prak­tisch von den Finanz­märkten ausge­schlossen • Kikis Kaza­mias (Finanz­minister, ein in der früheren DDR geschulter Kommu­nist) sicherte im Herbst seinem Land mit einem russi­schen Hilfs­kredit von 2,5 Mrd. € eine kleine Atem­pause • Analysten: das jetzige Spar­paket der Regie­rung komme zu spät und sei zu halb­herzig • vor einer Kraft­probe mit den Gewerk­schaften schreckt Staats­präsi­dent Dimitris Christo­fias (eben­falls Kommu­nist) aber zurück
[HTML] Euro-Krise: Standard & Poor's senkt Rating-Ausblick für Deutschland, Frankreich und andere Euro-Staaten auf negativ. Die ameri­kani­sche Rating­agentur Stan­dard & Poor's hat am Montag den Ausblick für 15 Euro-Staaten, darunter auch Deutsch­land, auf negativ gesenkt. finanzennet, 5.12.2011. • Durch den nega­tiven Ausblick kann das Rating inner­halb von 90 Tagen gesenkt werden • Grund: die stei­gende syste­mische Belas­tung und die Uneinig­keit in der Politik • eine Rating­senkung um 1 Stufe für Belgien, Deutsch­land, Finn­land, Öster­reich, Nieder­lande und Luxem­burg wird für möglich gehalten • eine Rating­senkung um 2 Stufen für 9 andere Euro-Staaten, auch Frank­reich, wird für möglich gehalten • der Ausblick der Euro-Staaten Zypern und Grie­chen­land war bereits negativ
[HTML] dapd/dpa-AFX/t-online.de-mmr: Rating-Riese droht Deutschland mit Herabstufung. Stan­dard & Poor's stellt den Groß­teil der Euro­zone unter verschärfte Beob­achtung. Die Rating­agentur kündigte am späten Montag­abend eine Über­prüfung der Kredit­würdig­keit von Deutsch­land und Frank­reich sowie weiterer 13 Staaten der Währungs­union an. Der Ausblick wurde auf „negativ” gesenkt. Als Grund nannte die Agentur am Abend nach Börsen­schluss in New York die Verschär­fung der Krise der europä­ischen Gemein­schafts­währung. Im Falle einer Neube­wertung könnte den betrof­fenen Ländern damit eine Herab­stufung drohen. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 6.12.2011. • Das entschei­dende soge­nannte Lang­zeit-Rating der Euro­länder ist in Gefahr • je schlechter die Bonität eines Schuld­ners, desto höher die Zinsen für die Aufnahme neuer Schulden • so wird die Beschaf­fung des Geldes immer schwie­riger und teurer, das zur laufenden Finan­zierung des Sozial­staats benö­tigt wird • bereits jetzt müsse eine stei­gende Zahl von Mitglie­dern der Euro­zone trotz guter Kredit­würdig­keit tiefer in die Tasche greifen • werden die Euro-Staaten tatsäch­lich herab­gestuft, werden Inves­toren für den Kauf von Staats­anleihen höhere Zinsen verlangen • der dadurch ausge­löste allge­meine Zinsan­stieg wird dann auch zu Lasten von Unter­nehmen und Verbrau­chern gehen, die am Markt Kredite aufnehmen • damit bleibt ihnen weniger für Investi­tionen und den Konsum — das Wirt­schafts­wachstum wird gedämpft • zuvor hatten Merkel und Sarkozy erklärt, Deutsch­land und Frank­reich seien entschlossen, gemeinsam mit ihren europä­ischen Part­nern und den europä­ischen Insti­tuti­onen alle notwen­digen Maßnahmen zu treffen, um die Stabi­lität der Euro­zone zu gewähr­leisten • das hat die Analysten von S&P aber wohl nicht über­zeugt, dass die Verspre­chen einge­löst werden • sie beklagten auch, dass sich die europä­ischen Poli­tiker weiterhin uneins seien, wie sie mit der Krise umgehen sollten • S&P beschränkte sich nicht darauf, den Ausblick auf „negativ” zu senken, sondern wählte die schär­fere Form des „Credit­Watch with nega­tive impli­cations”, was eine höhere Dring­lich­keit der Über­prüfung bedeutet: S&P hat nun maximal 90 Tage Zeit, eine Entschei­dung zu treffen • nunmehr sind auch Länder mit einer Topbonität von „AAA” bedroht: Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg • Jean-Claude Juncker (Chef der Euro­gruppe) kriti­sierte, nahezu alle Euro­staaten mit einem nega­tiven Ausblick zu versehen sei eine „unfaire” und „komplett exzes­sive” Entschei­dung • die Kurse an den Börsen reagierten nervös • die Analysten bemän­gelten, dass noch immer keine Pläne vorlägen, wie weiteres Wirt­schafts­wachstum in der Euro­zone gene­riert werden könne und wie die öffent­lichen Ausgaben auf lange Sicht redu­ziert werden sollen • Simon Tilford (Chefökonom des Londoner Forschungs­instituts Centre for Euro­pean Reform): „Wenn das alles ist, sind das wirk­lich schlechte Nach­richten für die Zukunft des Euro.” • es wurde auch die Fähig­keit der Euro­zone bezwei­felt, eine laxe Ausga­benpo­litik ihre Mitglieder künftig zu unter­binden • Guy LeBas (Finanz­dienst­leister Janney Mont­gomery Scott): „Wenn du es nur entschieden und häufig genug sagst, glauben es die Leute viel­leicht. Im Moment aber glauben die Märkte 'Merkozy' nach meiner Einschät­zung noch nicht.”
[HTML] bes: Standard & Poor’s: Auch EFSF droht Herabstufung. Falls einem oder mehreren Staaten der Eurozone die Bestnote „AAA” entzogen würde, will Standard & Poor’s auch den Euro-Rettungsfonds EFSF herabstufen. Die Kanzlerin zeigt sich unbeeindruckt. FAZ.NET, 6.12.2011. • Diese Ankün­digung ist Folge der Drohung, im Ernst­fall das Rating aller Mitglieds­länder der Währungs­union (mit Ausnahme Grie­chen­lands) herabzu­setzen, wenn die Entschei­dungen der Regie­rungs­chefs am Donnerstag und Freitag nicht glaub­würdig wirken sollten • im schlimmsten Fall würde die Herab­stufung bedeuten, dass die Boni­täts­bewer­tung des Stabi­lisie­rungs­fonds EFSF um 2 Stufen zurück­genommen werden müsste • die Anlei­heren­diten reagierten mit höheren, aber nicht drama­tisch höheren Risiko­prämien • noch kann sich der EFSF am Kapital­markt mit der Best­note „AAA” und damit sehr nied­rigen Zinsen refinan­zieren • ein Spre­cher des Fonds: ein schlech­teres Rating bedeutet für den EFSF nicht, dass er keine Anleihen mehr begeben könne • es müsse nicht einmal bedeuten, dass die Finan­zierungs­kosten des Fonds stark steigen müssten • nach dem Urteil der Rating­agentur sei mitent­schei­dend, die Fähig­keit von Regie­rungen zu beob­achten, Entschei­dungen zu fällen • hier hapere es und hier setzt der Haupt­kritik­punkt der Agentur an • Stan­dard & Poor’s pflich­tete Mario Draghi (Präsi­dent der EZB) bei, der vergan­gene Woche bereits signa­lisiert hatte, die Regie­rungs­chefs sollten eine schär­fere fiskal­politi­sche Kontrolle beschließen, bevor die EZB helfen könne • die Agentur meint auch, es müsse mehr für die Wachs­tumspo­litik der Schuldner­staaten getan werden, nicht nur für die Sparan­stren­gungen;  [JPEG-Grafik] Karte: Staaten mit bester Bewertung
[HTML] Schuldenkrise: S&P weitet Euro-Misstrauen auf die Banken aus. Die Rating­agentur zieht die Konse­quenz aus ihrer Entschei­dung, 15 Euro-Staaten mit Herab­stufung zu bedrohen. Die Märkte dürfte es kalt lassen. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 7.12.2011
[HTML] dpa: Moody's senkt Kreditwürdigkeit französischer Großbanken. Die Rating­agentur Moody's hat ange­sichts der unge­lösten Euro-Schulden­krise die Kredit­würdig­keit der fran­zösi­schen Groß­banken erneut gesenkt. Die Analysten verwiesen auf die sich deut­lich verschlech­ternden Konjunk­turaus­sichten sowie die zuneh­menden Finanz­engpässe der Insti­tute. MünsterscheZeitung.de, 9.12.2011
[HTML] dpa/AFX: Rating: S&P stellt 15 europäische Versicherer unter Beobachtung. Der Schritt sei eine Folge ähnli­cher Maßnahmen bei 15 der 17 Staaten der Euro­zone. Zu den betrof­fenen Unter­nehmen gehören Allianz , Axa und Gene­rali. wallstreet:online, 9.12.2011
[HTML] dpa: Ruf nach „Entmythologisierung” der Ratingagenturen.[!] Der Poli­tikbe­rater Werner Weiden­feld hat ange­sichts der Euro-Krise zu einer „Entmy­tholo­gisie­rung der Rating­agen­turen” aufge­rufen. „Da kommen keine Blitze aus einem umwölkten Himmel der Weis­heit”. MünsterscheZeitung.de, 10.12.2011. • Bei Rating­agen­turen handele es sich um Unter­nehmen, die die Politik und ihre Mitbe­werber beobach­teten und dann handelten und dabei auch Politik machten • wenn wir von „den Märkten” reden, anonymi­sieren wir ein Segment von großem Einfluss, statt die Schlüs­selfi­guren der Speku­lation beim Namen zu nennen • Weiden­feld ist Direktor des Centrums für ange­wandte Poli­tikfor­schung (CAP) in München
[HTML] Schuldenkrise: Moody's kritisiert Euro-Rettungsgipfel. Die Beschlüsse des Krisen­treffens lassen die Rating­agentur kalt. Ebenso wie Konkur­rent S&P will Moody's die Bonität der Euro-Länder neu berechnen. Finanz­minister Schäuble hofft unter­dessen, dass Groß­britan­nien die Verträge doch noch abnickt. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.12.2011
[HTML] Bonität bei Fitch: Deutsche Bank verliert an Kreditwürdigkeit. Wieder trifft es die Banken: Die Rating­agen­turen sehen die Kredit­würdig­keit vieler Geld­insti­tute derzeit mit skepti­schem Blick. Nun ereilt weitere sechs Banken eine Herab­stufung — darunter die Deutsche Bank. wiwo.de, 16.12.2011. • Im Rahmen einer grund­sätz­lichen Neube­wertung der Banken­branche welt­weit senkt Fitch den Daumen über der Deut­schen Bank, Bank of America, Goldman Sachs, Barclays, Creédit Suisse und BNP Paribas
[HTML] Schuldenkrise: Fitch droht Euro-Ländern. Die Rating­agentur glaubt nicht an ein schnelles Ende der Euro-Krise. Die Folge: Sechs Staaten müssen um ihre Bonitäts­note bangen. Auch Frank­reich gerät ins Visier. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 16.12.2011. • Frank­reichs Präsi­dent Nicolas Sarkozy hatte die Beschlüsse des letzten EU-Gipfels gelobt und sprach von einem „histo­rischen Gipfel” • Fitch hält sie dagegen für nicht ausrei­chend, um die Schulden­krise umfas­send zu lösen • nun stehen die Bewer­tungen von Belgien, Spanien, Slowe­nien, Italien, Irland und Zypern auf der Kippe • sollte die Über­prüfung zu einem nega­tiven Ergebnis kommen, droht den Staaten eine Herab­stufung um 1 bis 2 Noten • Frank­reich droht erst länger­fristig eine Herab­stufung • Fitch: eine umfas­sende Lösung der Krise in der Euro­zone sei tech­nisch und poli­tisch „außer Reich­weite” • zur Vermei­dung der Liqui­ditäts­krise sei ein stär­kerer Einsatz der EZB notwendig • es handele sich um eine syste­mische Krise, welche die wirt­schaft­liche und finan­zielle Stabi­lität der Euro­zone gefährde • im Unter­schied zu Stan­dard & Poor's Ankün­digung seien Deutsch­land, Finn­land, Öster­reich, Luxem­burg und die Nieder­lande nicht bedroht
[HTML] Schuldenkrise: Fitch droht und Moody's knöpft sich Belgien vor. Die Rating­agen­turen glauben nicht an ein schnelles Ende der Euro-Krise. Die Folgen: Belgiens Boni­täts­note wird schlechter und fünf weitere Staaten müssen bangen. Auch Frank­reich gerät ins Visier. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 17.12.2011. • Die Rating­agentur Fitch hält die Schulden­krise nicht für umfas­send gelöst und droht 6 europä­ischen Staaten mit der Senkung ihrer Boni­täts­note • Frank­­reich behält zwar vorerst die Bestnote „AAA”, aber den Ausblick setzte die Agentur von „stabil” auf „negativ” • in der vergan­genen Woche schon hatte die Konkur­renz­agentur Stan­dard & Poor's gedroht, die Ratings fast aller Euro­zonen-Mitglieder zu senken, auch Deutsch­lands und Frank­reichs • für Belgien senkte Moody's jetzt ihre Boni­täts­einstu­fung von „Aa1” auf „Aa3” und beur­teilte den Ausblick als „negativ” • Begrün­dung: es habe eine relativ hohe Verschul­dung — und die Unsi­cher­heit an den Märkten dürfte weiter anhalten • die Gefahren für die mittel­fris­tigen Wachs­tumsaus­sichten Belgiens seien größer geworden • auch die Lage bei der Großbank Dexia (sie wird als 1. große europä­ische Bank nach der Finanz­krise von 2008 vom Staat über­nommen) berge erheb­liche Risiken • Fitch begrün­dete sein Urteil damit, dass eine umfas­sende Lösung der Krise tech­nisch und poli­tisch „außer Reich­weite” sei • ein stär­kerer Einsatz der EZB sei notwendig • Frank­reich sei unter den „AAA”-Ländern der Euro­zone beson­ders durch die Schulden­krise betroffen: der Schulden­stand dürfte trotz der ergrif­fenen Spar­maß­nahmen bis zum Jahr 2014 auf 92% des BIP steigen • von den Ländern mit Bestbo­nität hätten nur die USA und Groß­britan­nien höhere Schulden;  [HTML] Interaktive Grafik/Tabelle: Die Bonität von Euroland und den USA.[!] 17.12.2011.
Staatsschulden Haushalts- Länder-Rating    
Staat in % des BIPTrend
2010►2011
SaldoTrend
2009►2010
Moody's   S & P      Fitch   
Estland 6,6  % +0,1% ++ A1  A* A
Luxemburg 18,4  % -1,7% –– Aaa  AAA* AAA
Slowenien 38,0  % -5,6% + Aa2  AA* AA
Slowakei 41,0  % -7,9% + A1  A+* A+
Spanien 60,1  % -9,2% ++ Aa2  AA* AA+
Zypern 60,8  % -5,3% +  Baa1  A* BBB
Niederlande 62,7  % -5,4% + Aaa  AAA* AAA
Malta 68,0  % -3,6% + A1  A* A+
Österreich 72,3  % -4,6% Aaa  AAA* AAA
Frankreich 81,7  % -7,0% + Aaa  AAA* AAA
Deutschland 83,2  % -3,3% Aaa  AAA* AAA
Finnland 84,4  % -2,5% + Aaa AAA AAA
Portugal 93,0  % -9,1% ++ Ba2   BBB-* BB+
Irland 96,2  % -32,4% ––– Ba1    BBB+*   BBB+
Belgien 96,8  % -4,5% ++ Aa3 AA+ AA+
Italien 119,0  % -4,6% ++ A2  A* AA- 
Griechenland 142,8  % -10,5% +++ Ca CC CCC
USA 92,97% -8,9% Aaa AA+ AAA
 Quelle: Bloomberg, Reuters, Eurostat  Stand: 17.12.2011  *) auf Beobachtungsliste

[HTML] B. Schulz, C. Schubert: Frankreich verärgert: Zweifel an Lösung der Schuldenkrise. Die Rating­agentur Fitch gibt einen nega­tiven Ausblick für Frank­reich. Die Fran­zosen fühlen sich unge­recht behan­delt und verweisen auf die Briten. FAZ.NET, 18.12.2011. • Die Rating­agentur Fitch bestä­tigte am Wochen­ende zwar Frank­reichs Spitzen­bonitäts­note „AAA”, setzte aber den Ausblick der Bewer­tung auf „negativ” • Christian Noyer (Gouver­neur der fran­zösi­schen Zentral­bank) hatte zuvor gesagt, dass eine Abstu­fung Frank­reichs nicht gerecht­fertigt wäre und eher Groß­britan­nien abge­stuft werden müsste • die Staats­schulden­quoten im Jahr 2010 waren gemäß Euro­stat: Groß­britan­nien 79,9% und Frank­reich 82,3% • den Rating­agen­turen geht es dabei auch um die mangel­hafte Fähig­keit der Poli­tiker, die Schulden­krise zu lösen: „Seit dem Gipfel­treffen ist Fitch der Meinung, dass eine umfang­reiche Lösung der Schulden­krise in der Währungs­union tech­nisch und poli­tisch nicht erreicht werden kann” • die politi­schen Entschei­dungen in Brüssel und das Verhalten der EZB reichten nicht aus, um die schwä­cheren Länder der Währungs­union glaub­haft vor der Abwärts­spirale aus Liqui­ditäts- und Solvenz­krise zu bewahren • Fitch: „Obwohl die EZB die Banken mit außer­gewöhn­lichen Liquidi­tätsmaß­nahmen unter­stützt, unter­miniert die Weige­rung der EZB, eine solche Unter­stüt­zung auch den Mitglied­staaten der Währungs­union zukommen zu lassen, die Anstren­gungen dieser Länder, sich vor dem Teufels­kreis von Liqui­ditäts- und Solvenz­krisen zu schüt­zen.” • die Bundes­bank lehnt es strikt ab, dass die EZB mehr tut, um illi­quiden, aber solventen Euro-Staaten zu helfen • Fitch: unter den AAA-Ländern ist „Fran­kreich die Nation, die am meisten unter einer weiteren Eskala­tion der Schulden­krise leiden würde” durch sein hohes struktu­relles Haus­halts­defizit und seine höhere Schulden­quote • anders als Groß­britan­nien sei Frank­reich auch durch Verbind­lich­keiten aus dem EFSF und dem ESM bedroht • die Agentur Moody’s stufte derweil die Kredit­würdig­keit von Belgien um 2 Stufen herab • der schei­dende EZB-Chef­volks­wirt Jürgen Stark forderte, dass die Beschlüsse des Euro-Gipfels rasch umge­setzt werden, um die Refi­nanzie­rung von Italien im kommenden Jahr stemmen zu können • Mario Monti (Premier­minister Italiens) riskierte einen Seiten­hieb auf Deutsch­land, indem er äußerte, Europa müsse eine lang­fris­tige Lösung finden und nicht nur den „Hunger einiger Länder nach kurz­fris­tiger fiskal­politi­scher Diszi­plin” besänf­tigen • man dürfe die Gemein­schaft nicht in einen „tugend­haften Norden” und einen „laster­haften Süden” spalten
[HTML] Schuldenkrise: Frankreich wartet auf ein Rating-Wunder. Der Chef der Pariser Börsen­aufsicht räumt ein: Das „AAA”-Land kann sich die Spitzen­bonitäts­note wohl abschminken. Aber noch gibt er die Hoff­nung nicht auf. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 20.12.2011. • Jean-Pierre Jouyet (Chef der Aufsichts­behörde AMF) zum drohenden Verlust des Spit­zenra­tings „AAA” für Frankreich: „Sein Erhalt wäre ein Wunder, aber ich will daran glauben.” • S&P hatte zu Monats­beginn gedroht, die Bonitäts­note Frank­reichs um bis zu 2 Stufen herabzu­setzen • Fitch bestä­tigte dagegen am Freitag die Note „AAA”, aber mit einem nega­tiven Ausblick • eine Herab­stufung Frank­reichs würde auch das Spit­zenra­ting des Euro-Rettungs­fonds EFSF gefährden • S&P über­prüft derzeit auch die Kredit­würdig­keit Deutsch­lands • Alain Juppé (Außenmi­nister) spielte die Bedeu­tung herunter: eine Herab­stufung wäre „keine Kata­strophe”
[HTML] dpa: Top-Rating in Gefahr: Großbritannien erhält Warnschuss. Obwohl Groß­britan­nien den Euro nicht einge­führt hat, ist das Land auch von der Schulden­krise betroffen. Die Rating­agentur Moody's lässt durch­blicken, dass die Bonität des Verei­nigten König­reichs herun­terge­stuft werden könnte. Die briti­sche Regie­rung hat ein drasti­sches Sparpro­gramm aufge­setzt. n-tv, 21.12.2011
[HTML] Ratingagentur stuft Staatspapiere auf BB+ herunter: Standard & Poor's erklärt Ungarns Anleihen zu Ramsch. Die „Berechen­barkeit und Glaub­würdig­keit” der ungari­schen Politik lasse weiter nach — mit dieser Begrün­dung hat die Rating­agentur S&P das Land auf die soge­nannte Ramsch­note BB+ herab­gestuft. Auch die Aussichten für Ungarn beur­teilte die Agentur negativ. sueddeutsche.de, 21.12.2011. • Stan­dard & Poor's stuften Ungarn am Mitt­woch­abend um eine Stufe auf BB+ herunter • mit diesem Rating (und abwärts) gelten Invest­ments in Staats­anleihen eines Landes als speku­lativ, also Ramsch • die Agentur setzte auch den Ausblick auf negativ • diese Abwer­tung macht es Ungarn noch schwerer, sich Geld auf den inter­natio­nalen Finanz­märkten zu leihen • S&P: die „Berechen­barkeit und Glaub­würdig­keit” der ungari­schen Politik lasse immer weiter nach, und die wirt­schaft­lichen Bedin­gungen hätten sich sowohl global wie auch im Land selbst verschlech­tert • besorgt äußerte sich die Agentur auch über die Unab­hängig­keit der Zentral­bank • die Regie­rung in Buda­pest will die Kompe­tenzen des Noten­bank-Gouver­neurs Andras Simor beschneiden und einen weiteren Stellver­treter einsetzen • die Regie­rungs­partei Fidesz versucht auf vielen Gebieten, den Staat umzu­bauen und — wie Oppo­sition und Intel­lektu­elle meinen — die Demo­kratie des Landes zu unter­graben • Ende November hatte bereits die Rating­agentur Moody's die Kredit­würdig­keit des Landes herab­gestuft • die USA wurden am Mitt­woch von der Rating­agentur Fitch zu einem zügi­geren Schulden­abbau gedrängt, denn der stei­gende Grad der Verschul­dung stehe nicht im Einklang mit dem AAA-Rating • ohne eine Stra­tegie der Regie­rung zur Redu­zierung des Haus­haltsde­fizits und einer Stabi­lisie­rung der Last müsse bis Ende 2013 mit einer Herab­stufung gerechnet werden • bei Fitch halten die USA noch ihr AAA-Rating • Stan­dard & Poor's hatte dem Land schon im August wegen ihrer der Rekord-Verschul­dung von inzwi­schen 15 Billi­onen $ und wegen mangelnder Aussichten auf einen Abbau das Top-Rating entzogen und eine weitere Herab­stufung nicht ausge­schlossen
[HTML] M. Sebõk: Ungarn: Kapitalismus ohne Ehrgeiz. Die Diskus­sionen um die Unab­hängig­keit der Zentral­bank haben zum Abbruch der Verhand­lungen mit IWF und EU geführt. Das macht deut­lich, dass Viktor Orbáns Regie­rung ihre „natio­nale Revolu­tion” auch im Bereich der Wirt­schaft durch­setzen will. Aller­dings sind die dieser Politik zugrunde liegenden Prämissen falsch, betont ein Wirt­schafts­experte. presseurop, 22.12.2011. • Das Ziel der 2. Orbán-Regie­rung (die 1. war 1988–2002) folgendes: Die Wieder­herstel­lung der souve­ränen Herr­schaft, also einen ungari­schen Kapita­lismus zu schaffen • seine Wirt­schafts­politik will das Netz­werk zerstören, das die Zügel der Wirt­schaft noch immer fest im Griff hat • er versucht jetzt das Kapital aufzutreiben, um die geplante Invasion ausländischer Banken einzuleiten • dazu verfügt der Staat über zahlreiche Möglichkeiten, mit denen er „lokale” Akteure bei Ausschreibungen und öffentlichen Aufträgen begünstigen, steuerliche Regelungen vorteilhaft auslegen und Kreditnehmer massenhaft in die Arme ungarischer Banken treiben kann • derzeit verfügen die ungarischen Banken noch nicht über die notwendige Liquidität, um Forint-Kredite zu erschwinglichen Konditionen anbieten zu können • sie werden dennoch niemals in der Lage sein, ihre internationalen Konkurrenten im Bereich der Unternehmenskredite auszustechen • die jüngste Bewertung der Bonität des Landes zeigt nicht gerade, dass sich die Dinge zum Guten wenden werden • folgen weitere Herabstufungen, könnten die Versteigerungen von Staatsanleihen für längere Zeit ausgesetzt werden müssen • seit 20 Jahren haben die postkommunistischen und neoliberalen Eliten nichts anderes getan, als sich für die internationalen Kapitalflüsse zu verbiegen • Orbán schlägt mit seinem Projekt eine Zukunftsvision vor, die wesentlich besser zur Stimmung der Ungarn passt • egal ob Orbáns Projekt erfolgreich sein oder scheitern wird — in jedem Fall wird es tragische Auswirkungen haben
[HTML] dapd: Moody's stuft Slowenien herab. Moody's hat die Kredit­würdig­keit Slowe­niens herab­gestuft. Die Rating­agentur befürchtet, dass die Regie­rung den Banken im Land finan­ziell unter die Arme greifen muss. Doch das ist nur ein Teil der Begrün­dung. HNA.DE, 23.12.2011
[HTML] dpa: Regierung: Spanien fällt in Rezession zurück. WELT ONLINE, 26.12.2011. • Luis de Guindos (spani­scher Wirt­schafts­minister) sagte, die Wirt­schafts­kraft des Landes werde sowohl im 4. Quartal 2011 (-0,2% oder -0,3%) als auch in den ersten 3 Monaten 2012 schrumpfen • von einer Rezes­sion spricht man, wenn die wirt­schaft­liche Leis­tung in 2 aufein­ander­folgenden Quar­talen zurück­geht
[HTML] APA: Neue Regierung: Spanien will vier Milliarden Euro einsparen. Regie­rungsbe­schluss wird am Freitag erwartet. derStandard.at, 27.12.2011. • Die neue spani­sche Regie­rung Rajoy will noch in diesem Jahr ihr erstes Spar­paket verab­schieden: 4 Mrd. € laut Wirt­schafts­minister Luis de Guindos • vorläufig sollen den Regie­rungs­abtei­lungen die Möglich­keiten zur Aufnahme von Krediten einge­schränkt werden • die endgül­tigen Sparvor­haben sollen mit dem Haushalt 2012 beschlossen werden • für 2012 hatte Rajoy Einspa­rungen von insge­samt 16,5 Mrd. € ange­kündigt • die Regie­rung wird außerdem eine verspro­chene Renten­anhe­bung beschließen
[HTML] F. Bremser: Schuldenkrise: Italien punktet am Anleihemarkt. Zwischen den Feier­tagen plat­ziert das schul­denge­plagte Land fast 20 Mrd. Euro. Und es geht gut, die Renditen sinken deut­lich. Das spricht aber nicht für mehr Mut bei den Banken. Die Angst­kasse bei der EZB schwillt auf einen neuen Rekord an. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 28.12.2011
[HTML] rtr/dpa: Schuldenkrise: Investoren flüchten aus Ungarn. Ausfall­versiche­rungen für ungari­sche Staats­anleihen schießen hoch, und die Währung stürzt ab. Ohne Hilfe von Europä­ischer Union und Inter­natio­nalem Währungs­fonds droht dem Land die Zahlungs­unfähig­keit.  Handelsblatt , 04.01.2012. • Wegen umstrit­tener Verfas­sungs­ände­rungen in Ungarn wollen derzeit weder die EU noch der IWF die Verhand­lungen über Hilfs­kredite wieder aufnehmen • die EU erwägt sogar die Einlei­tung eines Vertrags­verlet­zungsver­fahrens • immerhin wird IWF-Chefin Christine Lagarde am 11. Januar einen Abge­sandten der Regie­rung zu „infor­mellen Sondie­rungen” empfangen • zur Stüt­zung der eigenen Finanz­märkte benö­tigt Ungarn drin­gend frisches Geld • viele derje­nigen Ungarn, die in den letzten Jahren Fremd­währungs­kredite aufge­nommen haben, sind wegen des rapiden Kursver­falls über­schuldet • die Absi­cherung ungari­scher Staats­anleihen per Credit Default Swap (CDS) stiegen auf ein Rekord­hoch, und die Risiko-Aufschläge für die auf Dollar lautenden Staats­papiere stiegen eben­falls auf einen Höchst­stand • die ungari­sche Währung sank auf einen histo­rischen Tiefst­stand gegen­über dem Euro • Insider-Kreise vermuten, dass die Regie­rung Orbán in Wirk­lich­keit gar keinen IWF-Kredit mehr anstrebe, sondern die Staats­schulden über den Zugriff auf die Devi­senre­serven der Natio­nalbank finan­zieren möchte
[HTML] Unicredit bietet neue Aktien zum Discount an. Neues Warn­signal in der Schulden­krise: Die italie­nische Groß­bank Unicredit bietet ihre neuen Aktien im Rahmen der geplanten Mega-Kapi­taler­höhung mit hohem Abschlag an. Anteils­eigner können für je 1 gehal­tene Aktie 2 neue zum Preis von 1,94 € kaufen, teilte die Bank in Mailand mit. Dies ist ein Abschlag von 43% gemessen an dem um das Bezugs­recht berei­nigten letzten Kurs und deut­lich höher als von Analysten erwartet. Offen­sicht­lich glaubt der Konzern also, dass sie nur zu diesem Schleuder­preis gekauft wird — dies wiederum spricht nicht für die Stabi­lität der Bank, die im vergan­genen Jahr sowieso schon unter Druck geraten war. Die Unicredit-Aktie tauchte umge­hend ab und zog an der Börse den gesamten europä­ischen Banken­sektor mit sich. ⋅⋅T⋅⋅ Online, 04.01.2012.
[HTML] Sloweniens Rentensystem vor dem Zusammenbruch. Nachdem die Slowenen im vergan­genen Sommer eine Reform des Renten­systems (Verlän­gerung der Lebens­arbeits­zeit und Anhe­bung des Renten­einstiegs­alters) per Volks­abstim­mung rundweg ablehnten, steigen die Zinsen für Staats­anleihen ins Uner­mess­liche und Rating­agen­turen stufen die Kredit­würdig­keit herab. euronews, 05.01.2012
[HTML] M. Ohanian, S. Förstl: Schuldenkrise: Musterknabe Irland vor Absturz. Die irische Wirt­schaft schien das Unmög­liche vereinen zu können: harten Spar­kurs mit Wirt­schafts­wachstum. Doch jetzt zeigt sich, dass der Jubel verfrüht war. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 06.01.2012. • Dank ihren Exporten konnte die kleine, offene Ökonomie im vergan­genen Jahr ein wenig wachsen • diese letzte Stütze dürfte nun wegbre­chen, wenn wich­tige Handels­partner in die Rezes­sion rutschen • damit rücken wohl auch die Haus­halts­ziele in weite Ferne • die Stra­tegie Dublins schien lange aufzu­gehen: zwar brach die Binnen­wirt­schaft wegen der harten Einschnitte weg, doch stei­gende Ausfuhren kompen­sierten diesen Einbruch
[HTML] Schuldenkrise: Fitch stuft Ungarns Bonität auf Ramsch-Niveau herab. Nun hat auch die dritte Rating­agentur die ungari­sche Regie­rung abge­straft. Das Land ist auf Hilfen von IWF und EU ange­wiesen. Doch auch damit gibt es Probleme. WELT ONLINE, 06.01.2012. • Die US-Rating­agentur Fitch hat die Kredit­würdig­keit Ungarns von „BBB-” auf „BB+” (Ramsch­niveau) gesenkt • zuvor hatten bereits Stan­dard & Poor's und Moody's Ungarns Bonität auf Ramsch­niveau herab­gestuft • eine Über­arbei­tung des strit­tigen neuen ungari­schen Noten­bankge­setzes hatte Regie­rungs­chef Viktor Orbán abge­lehnt • es gebe „einen Meinungs­unter­schied” zwischen Ungarn und anderer­seits EU und IWF • EU und IWF hatten Ende des Jahres Verhand­lungen über die Vergabe von Krediten im Umfang von bis zu 20 Mrd. € abge­brochen • derzeit prüfen Juristen, ob die ungari­schen Gesetze den EU-Richt­linien entspre­chen • jetzt will Orbán eine möglichst schnelle Eini­gung • auf Wunsch von Noten­bank-Chef Andras Simor war es zu einem Krisen­gespräch zwischen ihm, Viktor Orbán, Tamas Fellegi (ressort­freier Minister), György Matolcsy (Wirt­schafts­minister), Mihaly Varga (Kanzler­amts­leiter) und weiteren Minis­tern gekommen • Orbán: das Wirt­schafts­minis­terium und die Nati­onal­bank würden künftig „täglich” mitein­ander beraten, „um das Vertrauen in den Forint wieder­herzu­stellen” • die natio­nale Währung Forint verlor seit dem Sommer 20% des Wertes • selbst kurz­fristig kann sich das Nicht-Euro-Mitglied Ungarn auf dem Geld­markt nur für Zinsen von fast 10% neues Kapital leihen • bei den Vorge­sprä­chen des IWF mit Ungarn in Washington soll sondiert werden, ob Buda­pest bereit sei, die Bean­stan­dungen der poten­ziellen Kredit­geber zu berück­sich­tigen und entspre­chend zu handeln
[HTML] Französische Großbank: Dexia vor Verstaatlichung. Frank­reich will Medienbe­richten zufolge Teile der ange­schla­genen Dexia verstaat­lichen. Die Groß­bank war in den Strudel der Schulden­krise geraten und im Herbst zerschlagen worden. Es gehe vor allem um den Zweig von Dexia, der in Frank­reich die Kommunen über Kredite finan­ziert, schreibt Les Echos. Dexia ist der größte Geld­geber der Städte und Gemeinden in Frank­reich — und kommen­tierte den Bericht nicht. derStandard.at, 06.01.2012. • Nach der im Oktober beschlos­senen Zerschla­gung der Bank über­nahm der belgi­sche Staat den belgi­schen Teil, der luxem­burgi­sche Zweig ging zu 90% an eine Inves­toren­gruppe aus Katar, und in Frank­reich über­nahmen die Staats­banken Caisse des dépôts (CDC) und Banque Postale das Kredit­geschäft mit den fran­zösi­schen Gemeinden • für CDC ergaben sich Schwierig­keiten infolge der Schulden­krise auch bei den staat­lichen Garan­tien für Dexia, die in Höhe von 45 Mrd. € nur vorläufig geneh­migt worden waren • Dexia war durch die Fusion der Crédit Communal de Belgique und Crédit Local de France entstanden • sie hat 8 Mio. Kunden in Belgien, Luxem­burg, Frank­reich und der Türkei — wo auch die Tochter Deniz-Bank aktiv ist • diese hatte 2010 in Öster­reich Einlagen von 758 Mio. € von 100.000 Kunden • bei der Notver­staat­lichung der öster­reichi­schen Kommunal­kredit musste Dexia den Osteu­ropa-Teil der Bank über­nehmen — gegen den Verkauf von Geschäft­steilen und eine Reduzie­rung der Bilanz­summe
[HTML] Schuldenkrise: Italienische Banken hängen am Tropf der EZB. Mehr als 200 Mrd. Euro schulden die Insti­tute der Noten­bank. Am Markt bekommen sie kaum noch Kredite. Das Miss­trauen gegen­über Italien trifft auch seine Banken. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 09.01.2012
[HTML] Bonität: Fitch hält an Top-Rating für Frankreich fest. Der für die Länder­ratings in Europa zustän­dige Fitch-Manager hält eine Herab­stufung der AAA-Bonität Frank­reichs im laufenden Jahr für unwahr­schein­lich. Andere Länder könnten jedoch runter­gestuft werden.  Handelsblatt , 10.10.2011
[HTML] B. Jennen: Schuldenkrise: Spanien droht Griechenlands Schicksal. Die Regie­rung in Madrid verab­schiedet ein neues Spar­paket. Warum dem Land deshalb eine Verschär­fung der Rezes­sion droht. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 11.01.2012
[HTML] dapd: Fitch erwartet geringere Brutto-Verschuldung der Eurozone. Grie­chen­land, Zypern und Öster­reich ausge­nommen. Freie Presse, 11.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: Griechisches Defizit schon wieder höher als geplant. Grie­chen­land bleibt erneut hinter seinen Defizit-Erwar­tungen zurück. Die Rating­agentur Fitch warnt, das Land könne Europa in eine Krise stürzen. WELT ONLINE, 11.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: Ungarn drückt BayernLB in die roten Zahlen. Die Probleme der Banken beschränken sich nicht mehr nur auf Südeu­ropa: Eine ungari­sche Tochter­gesell­schaft zieht die Baye­rische Landes­bank in Mitleiden­schaft — und verha­gelt ihr die Bilanz. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.01.2012
[HTML] M. Seiser: Schuldenkrise: Ungarn ist kein zweites Griechenland. Die Zahlungs­unfä­higkeit des osteu­ropäi­schen Landes ist kein Tabu­thema mehr. Dennoch hinkt ein Vergleich mit Grie­chen­land: Ungarns Wirt­schaft ist wett­bewerbs­fähig. FAZ.NET, 13.01.2012. • Die Verhand­lungen Ungarns mit IWF und EU über Geld, das Ungarn drin­gend braucht, sind ins Stocken geraten • damit besteht ein Rest­risiko einer Zahlungs­unfä­higkeit des Landes • aber ein Vergleich mit dem Krisen­land Grie­chen­land ist unange­messen: es hat aufgrund kräftiger auslän­discher Direkt­inves­titi­onen (65% des BIP — in Grie­chen­land sind es nur 13% des BIP) seine Wirt­schaft wettbe­werbs­fähig gemacht • die Staats­verschul­dung liegt mit 4 Fünfteln des BIP bei etwa ½ der Schulden Grie­chen­lands, und ebenso ist die Neuver­schul­dung zuletzt geringer gewesen • dennoch ist die Lage Ungarns verfahren: Fach­leute rechnen mit einem Kapi­talbe­darf von 10 bis 20 Mrd. €, weil Ungarn den Anle­gern enorme Zinsen für seine Staats­papiere gewähren muss • die Renditen bei der letzten Auktion von Anleihen für Papiere mit Lauf­zeiten von 3, 5 und 10 Jahren lagen im Durch­schnitt bei 9,4% (vorher noch mehr) — auf Dauer untragbar für ein Schwel­lenland • die Krise könnte auch auf Öster­reich über­schwappen: das würde dort die Zinsen für Anleihen und Kosten für Kredit­aus­fall-Ver­siche­rungen steigen lassen • Öster­reichs Insti­tute sollen mehr als 41 Mrd. $ in Ungarn verliehen haben — fast ⅓ aller Forde­rungen auslän­discher Banken gegen­über Ungarn • auch Italien (23,39 Mrd. $) und Deutsch­land (21,38 Mrd. $, unge­fähr wie in Grie­chen­land) gehören zu den wichti­geren Geld­gebern • Öster­reich hat insge­samt in Osteu­ropa fast in Höhe seiner jähr­lichen Wirt­schafts­leis­tung Kredite vergeben • platzen die Kredite, wäre die Spit­zenbo­nität des Staates in Gefahr — dann müsste er deut­lich höhere Zinsen zahlen • das macht sich jetzt schon bemerkbar
[HTML] Ratingagentur Standard &Poors: Neun Euro-Länder herabgestuft. FAZ.NET, 13.01.2012. • Bei der Rating­agentur Stan­dard & Poor’s verlieren Frank­reich und Öster­reich ihre Top-Bonität „AAA” und werden jetzt mit „AA+” bewertet • um 2 Stufen abge­wertet wurden Italien, Spanien, Portugal und Zypern • Malta, die Slowakei und Slowe­nien büßten je 1 Stufe ein • Deutsch­land hingegen behält vorerst seine Top-Bo­nität mit stabilem Ausblick • durch die schlech­tere Bonitäts­note verteuern sich die Finanzie­rungs­kosten der betrof­fenen Staaten • auch die Rating­agentur Moody’s prüft derzeit eine Senkung der franzö­sischen Note • dagegen hatte die Rating­agentur Fitch mitge­teilt, sie werde in diesem Jahr keine Ände­rung des fran­zösi­schen Ratings vornehmen, sollte sich die Euro-Schulden­krise nicht verschärfen • zu den Verhand­lungen über einen Schulden­schnitt für Grie­chen­land teilte der Finanz­verband IIF, der die Banken und Versi­cherer vertritt, mit, dass die Gespräche ergeb­nislos unter­brochen wurden • sollten die Verhand­lungen schei­tern, könnte eine Insol­venz Grie­chen­lands staat­liche Kapital­hilfen notwendig machen und den Haus­halt zusätz­lich belasten • die Herabstu­fungen insbe­sondere Frank­reichs gefährden auch die AAA-Note des Euro-Krisen­fonds EFSF • Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble (CDU): „… wir sollten die Rating-Agen­turen auch nicht über­schätzen in ihren Beurtei­lungen” • Valérie Pécresse (fran­zösi­sche Budget­minis­terin): „Frank­reich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurück­zahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwi­ckelt als erwartet” • Inves­toren flüch­teten sich in die als sicher geltenden deut­schen Staats­anleihen • nun bleiben neben Deutsch­land nur noch die klei­neren Euro-Staaten Nieder­lande, Finn­land und Luxem­burg mit einem „AAA”-Rating übrig • die fran­zösi­sche Regie­rung musste inner­halb weniger Monate 2 Sparpro­gramme ankün­digen, um die Ziele beim Schulden­abbau einhalten zu können • die Herab­stufung dürfte Frank­reich Mehr­kosten von 2 Mrd. € pro Jahr bescheren • S&P: es gibt keine syste­mati­sche Korre­lation zwischen dem Rating eines Landes und den Zinsen, die es an den Finanz­märkten zahlen müsse • die Verei­nigten Staaten z.B. müssen heute trotz des Verlusts ihrer eigenen Topbo­nität im Sommer eher gerin­gere Zinsen berappen
[HTML] mh/reuters: Schuldenkrise: China keilt gegen S&P. Peking hat die Rating­agen­turen vor einer Verschär­fung der Schulden­krise gewarnt. Sie sollten vermeiden, zu einem „unheil­vollen Verstärker” der Schulden­krise zu werden. Vor allem der Zeit­punkt der Herab­stufung von 9 Euro-Ländern durch S&P steht in der Kritik.  manager magazin , 14.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: CDU will Macht der Ratingagenturen begrenzen. Die S&P-He­rabstu­fungen sollen in Deutsch­land nicht ohne Folgen bleiben. Mit einer gesetz­lichen Ände­rung will die Union die Auswir­kungen auf das Anla­gever­halten von Versi­cherern verrin­gern. Kanz­lerin Merkel begrüßt die Idee. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 14.01.2012
[HTML] C. Ponzel, P. Heinz: Schuldenkrise: Muss Deutschland nach Rating-Urteil mehr zahlen? mz-web.de Mitteldeutsche Zeitung, 14./15.01.2012. • Nach den Herabstu­fungen anderer Euro-Staaten durch Stan­dard & Poor's könnte Deutsch­land für den Rettungs­fonds EFSF ein höherer Beitrag abver­langt werden • Mark Rutte (nieder­ländi­scher Minister­präsi­dent): mit dem Verlust des Spit­zenra­tings für Frank­reich stelle sich für Nieder­länder wie Deut­sche die Frage, was sie nun für den vorläu­figen Rettungs­schirm tun müssten • John Chambers (S&P): „Entweder muss man die Hilfen der verblei­benden 4 AAA-Bürgen erhöhen oder man muss zusätz­liche Geld­puffer aufbringen” • Bundes­kanz­lerin Angela Merkel wies neue Forde­rungen an Deutsch­land zurück • Frank Schaeffler (FDP-Finanz­experte): der deut­sche Beitrag zum Triple-A-Rating des Fonds steige von rund 40% auf fast 75% — daher werde der deut­sche Garantie­rahmen von 211 Mrd. € nicht ausrei­chen • Thomas Opper­mann (parla­menta­rischer Geschäfts­führer der SPD-Bundes­tags­frak­tion): „Damit drohen Deutsch­land zusätz­liche Belas­tungen im Rahmen der europä­ischen Rettungs­schirme” • allein durch die Herab­stufung Frank­reichs redu­ziert sich die Stärke des EFSF um ca. 20% • das durch den EFSF vom Markt aufzu­nehmende Kapital ist am billig­sten zu haben, wenn das Finanz­polster des Fonds und die Garan­tien der Geld­geber die beste Bonität haben • neben Deutsch­land haben nun nur noch die Nieder­lande, Finnland und Luxemburg die Spitzen­note • sollten die beiden anderen Agen­turen Fitch und Moody's den Schritt der US-Konkurrentin nach­voll­ziehen, würde sich der Druck noch erhöhen • Frank­reichs Minister­präsi­dent François Fillon: nun habe Frank­reich dieselbe Bonität wie die USA und gehöre damit weiter zu den am besten bewer­teten Ländern • Präsi­dent Nicolas Sarkozy will bis Ende des Monats weitere Reformen vorschlagen • er hat Gespräche mit Gewerk­schafts­vertre­tern und Arbeit­gebern ange­setzt • Merkel will statt eines höheren Beitrags zum EFSF eher eine schlech­tere Note für den Fonds in Kauf nehmen, weil dadurch die finan­zielle Schlag­kraft erhalten werden könnte — sie habe ohnehin nie verstanden, wieso der Euro-Rettungs­schirm unbe­dingt ein AAA-Rating haben müsse • Thomas Mayer (Deut­sche-Bank-Chef­volks­wirt) geht auch davon aus, dass es darauf hinaus­laufen wird — aber nicht ohne Risiko: „Mit einem nur noch zweit­rangigen Rating wird es für den EFSF schwierig, neue Inves­toren zu finden.” • Merkel: wie brau­chen drin­gend eine zügige Umset­zung des lang­fris­tigen Rettungs­schirms ESM, der den EFSF ablösen soll, und rasche Beschlüsse für eine größere Haus­halts­diszi­plin in Europa zur Umset­zung des Fiskal­pakts • Merkel erwägt auch Locke­rungen für Vorschriften zur Vermö­gens­verwal­tung, um den Einfluss der Bonitäts­noten im Anla­gege­schäft zu brechen • Außen­minister Guido Wester­welle kündigte EU-Gespräche über die Grün­dung einer europä­ischen Rating­agentur an, denn „US-Rating­agen­turen, das zeigt sich immer wieder, verfolgen sehr eigene Zwecke” • Michael Fuchs (Unions-Frak­tions­vize) fragte: „Wieso kümmert sich die Agentur nicht um die hoch verschul­deten USA oder das hoch verschul­dete Groß­britan­nien?” • Elmar Brok (CDU-Euro­paab­geord­neter): die Herab­stufung komme „fast einem Währungs­krieg” gleich
[HTML] Hintergrund: Das Bewertungssystem der Ratingagentur Standard & Poor's. mz-web.de Mitteldeutsche Zeitung, 15.01.2012.
Note Stan­dard & Poor's Bewertung
AAAHöchste Bewer­tung. Extrem hohe Kapa­zität zur Erfül­lung der finan­ziellen Verpflich­tungen.
AASehr hohe Kapa­zität zur Erfül­lung der finan­ziellen Verpflich­tungen.
AHohe Kapa­zität zur Erfül­lung der finan­ziellen Verpflich­tungen. Jedoch gewisse Anfäl­ligkeit bei ungün­stigen wirt­schaft­lichen Bedin­gungen und Verände­rungen im Geschäfts­umfeld.
BBBAngemes­sene Kapa­zität zur Erfül­lung der finan­ziellen Verpflich­tungen. Anfällig bei ungün­stigen wirt­schaft­lichen Bedin­gungen.
 BBB-Gilt als nied­rigste vertret­bare Bewer­tung für Markt­teil­nehmer im Inves­titions­bereich.
 BB+Gilt als höchste vertret­bare Bewer­tung für Markt­teil­nehmer im Speku­lations­bereich.
BBLeichte Unsicher­heit im kurz­fris­tigen Bereich. Erhöhte Unsicher­heit bei ungüns­tigen wirt­schaft­lichen Bedin­gungen.
BAktuell noch zur Erfül­lung der finan­ziellen Verpflich­tungen in der Lage, aber stär­kere Unsicher­heit bei ungüns­tigen wirt­schaft­lichen Bedin­gungen.
CCCAktuell unsi­cher und abhängig von gün­stigen wirt­schaft­lichen Bedin­gungen, um finan­zielle Verpflich­tungen zu erfüllen.
CCAktuell sehr unsi­cher.
CAktuell sehr unsi­cher und weitere defi­nierte Begleit­umstände.
DZahlungs­ausfall.
[HTML] Schuldenkrise: Schäuble-Berater schließt Verlust von Topbonität nicht aus. Die Retter stoßen selbst an ihre Grenzen: Regie­rungs­berater Fuest hält eine Abstu­fung von Deutschlands AAA-Rating für möglich. Das wäre aber kein „fürch­terli­ches Drama”. ZEIT ONLINE, 15.01.2012
[HTML] Ungarn vor Strafverfahren: Orban geht im Streit mit der EU volles Risiko. Viktor Orban spielt den Unbeein­druckten und reagiert auf neuer­liche Drohungen aus Brüssel mit Kopf­schütteln. Der Konflikt zwischen Ungarn und der EU erreicht damit einen neuen Höhe­punkt — und wird zum Risiko für Europa.  Handelsblatt , 15.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: Luxemburg wegen versteckter Schulden gefährdet . Eine neue Facette der Verschul­dung in Europa ergibt sich, wenn man auch die verdeckten Schulden einbe­zieht. Demnach steht Luxem­burg wegen des groß­zügigen Renten­systems so schlecht da wie kaum ein anderes Land der Euro-Zone. Nur Grie­chen­land liegt noch hinter Luxem­burg. Deut­sche Mittel­stands­Nach­richten, 15.01.2012. • Der Think Tank „Stif­tung Markt­wirt­schaft” veröf­fent­lichte ein soge­nanntes Nach­haltig­keits­ranking der 12 Euro-Gründer­staaten • bei den impli­ziten Schulden­quoten über­schreiten die Staaten ihre jeweils natio­nale Wirt­schafts­leis­tung natür­lich um ein Viel­faches, denn unter verdeckten Schulden versteht der Think Tank rechts­wirk­same Verpflich­tungen, die der Staat jähr­lich eingeht: z.B. Renten-, Gesund­heits- und Pflege­ausgaben • so lastet auf Luxem­burg bei einer aktu­ellen Schulden­quote von 19% des BIP ein impli­ziter Schul­denberg von 1.100% des BIP • nach dieser Berech­nung plat­zieren sich Italien, Deutsch­land und Finn­land an der Spitze — Irland, Luxem­burg und Grie­chen­land sind die Schluss­lichter • Bernd Raffel­hüschen (Vorstand der Stif­tung): Staaten, die bereits im Hinblick auf die demo­grafi­sche Entwick­lung ihr Renten­system refor­miert haben, werden weniger Probleme haben • da in allen Euro-Staaten die Bevöl­kerung altert und der Anteil der Erwerbs­tätigen sinkt, bestehe großer Konso­lidie­rungs­bedarf — z.B. müsse Deutsch­land seine Staats­ausgaben dauer­haft um 4,0% des BIP verrin­gern, Luxem­burg um 12% des BIP • Björn Hacker (Fried­rich-Ebert-Stif­tung) hält die scheinbar „ehrlich gerech­neten Schulden” für „finanz­mathe­mati­sche Alchemie” • künf­tige Leis­tungs­verspre­chen würden nicht allein auf dem demo­grafi­schen Wandel beruhen, sondern hängen primär von der Entwick­lung des Arbeits­marktes, des Wirt­schafts­wachs­tums und der Produk­tivität einer Volks­wirt­schaft ab
[HTML] Börse: Investoren ziehen sich aus Ungarn zurück. Ausfall­versiche­rungen für unga­rische Staats­anleihen schießen hoch, und die Währung stürzt ab. Ohne Hilfe von Europä­ischer Union und Inter­natio­nalem Währungs­fonds droht dem Land die Zahlungs­unfä­higkeit. wiwo.de, 16.01.2012. • •
[HTML] DJG/smh: S&P senkt EFSF-Rating auf AA+. FinanzNachrichten.de, 16.01.2012. • Nun hat Stan­dard & Poor's auch das Rating der Europä­ischen Finanz­stabi­lisie­rungs­fazi­lität (EFSF) wegen des Verlusts des Triple-A-Ratings für Frank­reich und Öster­reich von AAA auf AA+ gesenkt • dadurch seien die vom EFSF ausge­gebenen Anleihen nicht mehr ausrei­chend durch mit AAA einge­stufte Staaten garan­tiert • das Kurz­frist­rating A-1+ wurde dagegen bestä­tigt • EFSF: das Finan­zierungs­volumen von 440 Mrd. € wird durch die Entschei­dung von S&P nicht beein­träch­tigt, da es sich nur um 1 Rating­agentur handele • Klaus Regling (EFSF-Vorsit­zender): der Fonds verfügt über ausrei­chend Mittel, um seinen Verpflich­tungen jetzt und nach Einfüh­rung des ESM im Juli 2012 nachzu­kommen • die Bundes­regie­rung sieht keine Auswir­kungen, denn es gebe keine Notwen­digkeit zu Ände­rungen
[HTML] Schuldenkrise: Italienische Zentralbank erwartet Konjunktureinbruch. Die Hoff­nungen auf eine schnelle Erho­lung des hoch verschul­deten Landes schwinden. Die Währungs­hüter sagen für 2012 ein Minus von 1,5% voraus. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 17.01.2012
[HTML] M. Hock: Schuldenkrise: Europäische Rating-Agentur würde nur wenig ändern.[!] Nach jeder Rating-Ände­rung für ein Euro-Land wird der Ruf nach einer europä­ischen Rating-Agentur laut. Grund­sätz­lich eine gute Idee, doch für die Schulden­krise kommt sie zu spät. FAZ.NET, 17.01.2012. • Reflex­artig wird in Europa nach jeder Abstu­fung die Forde­rung nach einer europä­ischen Rating-Agentur erhoben (diesmal von Bundes­außen­minister Guido Wester­welle) • Wester­welle: als Vorbild die Stif­tung Waren­test • ein Rating ist eine Experten-Einschät­zung zur rela­tiven Ausfall­wahr­schein­lich­keit eines oder mehrerer Kredit­titel • in das Experten-Urteil gehen wirt­schaft­liche, politi­sche und fiska­lischen Umstände ein • es macht keinen Unter­schied, aus welchem Land ein Experte stammt • die japani­sche Agentur R&I bewertet Irland mit „BBB+” (wie S&P und Fitch), die Slowakei mit „A” (1 Stufe schlechter als Moody’s und Fitch) • die chinesi­sche Agentur Dagong stuft Öster­reich schon länger mit „AA+” ein (wie jetzt S&P) • sie vergibt für Frank­reich seit Dezember nur ein „A+” • eine „gefärbte” Bewert­ung nach Inland und Ausland wäre auch von einer europä­ischen Agentur zu erwarten: die zypri­sche Agentur Capital Intelli­gence bewertet Zypern mit „A+” um 6 Stufen besser als S&P und 5 Stufen besser als Moody’s • bei der Bewer­tung von Staats­anleihen gibt es keinen prin­zipi­ellen Unter­schied zwischen privaten oder unabhän­gigen Stif­tungen (Staaten zahlen nicht für ihre Ratings) • eine von europä­ischen Insti­tuti­onen gegrün­dete Rating-Agentur würde immer dem Verdacht ausge­setzt, dass sie poli­tisch moti­vierte Bonitäts­noten vergibt • auch eine Stif­tung Waren­test musste sich den guten Ruf erst über Jahre erar­beiten • die Neugrün­dung einer Rating-Agentur wäre eigent­lich gar nicht notwendig, wenn den Urteilen nicht so viel Gewicht beige­messen würde • in Europa gibt es bereits viele etablierte Rating-Agen­turen, z.B. Credit­reform Rating, die itali­enische Agentur Lince, die zyprische Capital Intel­ligence • eine größere Meinungs­plura­lität ließe sich durch eine entspre­chende von den Analysen unab­hängige Förde­rung güns­tiger und schneller errei­chen
[HTML] GKI: GKI-Einschätzung der gegenwärtigen Liquiditätskrise. Es gibt einen Ausweg aus der Sackgasse. Anfang 2012 sieht sich Ungarn bereits zum 3. Mal inner­halb von 6 Jahren mit einer Finan­zierungs­krise konfron­tiert. Wieder hat der Forint einen drama­tischen Wert­verlust erlitten, wieder sind die Zinsen gestiegen und wieder konnten Staats­anleihen nur um den Preis horrender Renditen verkauft werden. Budapester Zeitung, 21.01.2012
[HTML] rtr: Massives Defizit: Britische Staatsschulden übertreffen Billionen-Grenze. Auch außer­halb der Euro-Zone hat Europa mit hohen Staats­schulden zu kämpfen. Die Verbind­lich­keiten Groß­britan­niens haben nun erst­mals die Billi­onen-£ Marke über­schritten.  Handelsblatt , 24.01.2012
[HTML] P. Ehrlich: Schuldenkrise: Griechen brauchen noch mehr Euros. Die Grie­chen­land­krise ist noch nicht ausge­standen. Währungs­kommissar Rehn erwartet einen höheren Deckungs­beitrag der Euro­päer als zunächst geplant. Die Euro-Staaten erwägen einen Sonder­gipfel. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 26.01.2012. • EU-Währungs­kommissar Olli Rehn sagte in Davos, für das geplante 2. Hilfs­paket werde wohl ein etwas höherer Beitrag des öffent­lichen Sektors nötig sein — wie auch mögli­cher­weise ein teil­weiser Schulden­erlass durch die EZB und Kredit­geber wie Deutsch­land • während viele EU-Poli­tiker ange­sichts leicht verbes­serter Wirt­schafts­daten und niedri­gerer Zinsen für Staats­anleihen Opti­mismus verbreitet hatten, wird jetzt der Blick wieder darauf gelenkt, dass die Euro-Krise noch nicht durchge­standen ist • nun wachsen auch die Sorgen um Portugal, dessen Renditen für 5- und 10-jäh­rige Papiere auf den höchsten Stand seit Einfüh­rung des Euro stiegen • Ökonom André Sapir (Think­tank Bruegel): „Für Portugal wird die Lage nach der Zins-Eska­lation der letzten Tage gefährlich” • Analysten: Portugal könnte auch ein 2. Hilfs­paket brauchen • EU-Kreise: der Banken­verband IIF ist jetzt bereit, die Forde­rung der Euro-Finanz­minister nach einem Durch­schnitts­zins­satz von unter 4% für Anleihen, die Kredit­geber nach dem geplanten Schulden­schnitt für Grie­chen­land erhalten sollen, zu erfüllen • in griechi­schen Medien war von 3,75% die Rede • Rehn sagte, es könnten um 12 bis 15 Mrd. € mehr benötigt werden • wenn sich die EZB am Schulden­schnitt betei­ligt, könnte es mögli­cher­weise auch ohne zusätz­lichen Aufwand gehen • wenn sie dafür Anleihen verwendet, die sie zur Unter­stüt­zung des Landes seit 2010 am Markt gekauft hat, käme es erst­mals zu einem echten Verlust von Steuer­geldern • würde die Verein­barung mit den Banken über einen freiwil­ligen Schulden­schnitt nicht von genug Anleihe­besit­zern mitge­tragen, könnte sich Grie­chen­land doch noch für zahlungs­unfähig erklären müssen • Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker: „Es gibt keine Pleite ohne Anste­ckung” • Brüs­seler Kreise: „Ohne den öffent­lichen Sektor wird es nicht gehen” • die Euro-Länder könnten auch Kredite aus dem 1. Hilfs­paket abschreiben oder die Zinsen senken
[HTML] Schuldenkrise: Ratingagentur Fitch stuft fünf Euro-Länder herab. Fitch senkt erneut den Daumen: Die US-Rating­agentur stuft die Bonität von 5 Euro-Ländern herab. Zu den betrof­fenen Staaten zählen mit Italien und Spanien auch die dritt- bzw. viert­größte Volks­wirt­schaft der Euro­zone . sueddeutsche.de, 27.01.2012.
Staat altes Rating Änderung neues Rating Aussicht
Italien A+ -- A- -
Spanien AA- -- -
Slowenien AA- -- -
Belgien AA+ - AA  -
Zypern BBB  - BBB- -
Irland BBB+ ± BBB+ -
• für die betrof­fenen Länder kann sich die schlech­tere Bewer­tung in höheren Zinsen nieder­schlagen, muss es aber nicht zwangs­läufig
[HTML] J. Caceres, H. Freiberger: Schuldenkrise in Europa: Portugal, das nächste Griechenland? Jetzt ist Portugal dran: das Land wird von den Finanz­märkten in die Enge getrieben, schon ist von einem Schulden­schnitt die Rede. Dabei ist das Land gar nicht so extrem verschuldet — es hat nur außer Tourismus wenig zu bieten. sueddeutsche.de, 27.01.2012
[HTML] Schuldenkrise: Steinbrück zieht Griechen-Rettung in Zweifel. Ange­sichts des stetig wach­senden Finanz­bedarfs und einer nur schlep­penden Umset­zung von Reformen zwei­felt der Ex-Finanz­minister an der Sanie­rungs­fähig­keit des Euro-Landes. Stein­brück fordert einen Plan B. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 30.01.2012
[HTML] H. Ersen: US-Schuldenkrise paradox: Kollaps droht bei Aufschwung. Die US-Schulden­quote liegt bei etwa 100% des BIP und das Haus­halts­defizit bei rund 10%. Derzeit kein Problem: Der Anlei­hemarkt liefert genug Kapital. Springt aber die Konjunktur an, könnte sich das Blatt überra­schend wenden. Es droht der finan­zielle Super-GAU. n-tv, 31.01.2012. • Das Para­doxe: sobald die US-Konjunktur an Fahrt gewinnt, könnten die USA Probleme beim Aufnehmen frischen Geldes über den Anleihe-Markt bekommen — dann könnten Unter­nehmens­anleihen den Treasuries, die momentan eine Art Monopol­stel­lung genießen, den Rang als Invest­ment der Wahl ablaufen • Russ Koeste­rich (Chef-Invest­ment­stra­tege der Black­Rock-Sparte iShares): „Die Unter­nehmen wollen sich kein Geld leihen und die Verbrau­cher können es sich nicht leisten, Geld zu leihen. Daher gibt es keinen Verdrän­gungs­wettbe­werb” • außerdem würden US-Staats­anleihen ähnlich wie Gold oder der Schweizer Franken als „sicherer Anlage­hafen” betrachtet •
[HTML] C. Gammelin: Schuldenkrise: Wie Griechenland noch gerettet werden kann.[!] Grie­chen­land ist kein schlecht geführtes Unter­nehmen. Das Konzept, die Regie­rung faktisch zu entmün­digen, dann zu ratio­nali­sieren, auszu­lagern und die verblei­benden Beschäf­tigten so niedrig zu entlohnen, dass sie kaum noch davon leben können, ist auf ganzer Linie geschei­tert. Für dieses Desaster trägt die deut­sche Regie­rung eine beson­dere Verant­wortung. Jetzt braucht es ganz andere Lösungen — und eine davon lautet: Klotzen, nicht kleckern. sueddeutsche.de, 02.02.2012
[HTML] K. Dämon: Schuldenkrise: Troika ruiniert Griechenland-Wirtschaft. Grie­chen­land braucht weitere 15 Mrd. $. Das sei die Schuld der Troika, sagt Wirt­schafts­weiser Peter Bofinger. wiwo.de, 03.02.2012. • Troika: Grie­chen­land braucht weitere 15 Mrd. €, um seine Schulden in den nächsten 8 Jahren auf 120% des BIP (vorher: 160% des BIP) zu drücken • Deutsch­land will nicht mitma­chen bei einem staat­lichen Forde­rungs­verzicht • Finanz­minister Wolf­gang Schäuble: Grie­chen­land braucht eine Reduzie­rung der privaten Forde­rungen um 50% • EU-Kommis­sion dagegen: der öffent­liche Sektor müsse verzichten, um Grie­chen­land zu retten • die Troika fordert nun von Grie­chen­land auch Lohn- und Renten­kürzungen • genau das sei der Fehler, sagt Bofinger • Bofinger: das Programm der Troika „war von Anfang an falsch angelegt” • Bofinger: „Durch die Sparmaß­nahmen wurde die Wirt­schaft abge­würgt, dies ließ die Defi­zite steigen, woraufhin die Troika noch schär­fere Sparan­stren­gungen forderte” • „Die Troika hat grund­legende Gesetze der ökono­mischen Schwer­kraft miss­achtet.”
[HTML] Schuldenkrise: Griechen horten zig Milliarden Bargeld daheim. In Hellas geht nicht nur die Angst um vor der Staats­pleite. Die Bevöl­kerung hat auch Bammel vor einer Rück­kehr zur Drachme. Sie heben deshalb gewal­tige Summen von ihren Konten ab — und bunkern das Geld teils an nicht wirk­lich sicheren Orten. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 03.02.2012
[HTML] Schuldenkrise: Juncker droht Athen mit Ende der EU-Hilfen. Schwie­rige Verhand­lungen: Eine Telefon­konfe­renz der Euro-Finanz­minister bringt keinen Durch­bruch. Die Reformen der Hellenen stocken. Der Chef der Euro-Gruppe verliert die Geduld. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 05.02.2012
[HTML] M. Martens: Griechenland: Und täglich droht der Staatsbankrott . Seit etwa 2 Jahren schon reiht sich in Grie­chen­land ein entschei­dender Moment an den nächsten. Nun wird es aber­mals eng für Athen. Die Regie­rung soll noch mehr sparen. FAZ.NET, 05.02.2012. • Finanz­minister Evan­gelos Veni­zelos: Grie­chen­land steht vor einem „sehr entschei­denden Moment” • am Sonntag wurde in Athen um die Bedin­gungen der Troika für das 2. Hilfs­paket gefeilscht • es sollte ursprüng­lich 130 Mrd. € umfassen — es werden wohl mindes­tens noch einmal 15 Mrd. € zusätz­lich • dafür verlangt die Troika zusätz­liche Sparmaß­nahmen, vor allem aber die Erfül­lung längst einge­gangener Verpflich­tungen • dazu gehört die Senkung des gesetz­lichen Mindest­lohns von derzeit 751 auf etwa 600 € und die Strei­chung (oder zumin­dest zeit­weise Ausset­zung) des 13. und/oder 14. Monats­gehalts in der Privat­wirt­schaft • damit sollen auch die Gewerk­schaften in die Pflicht genommen werden, bei denen aber Verhand­lungen unüb­lich sind • bleibt eine Eini­gung auf diesem Wege aus, soll die Regie­rung Papa­demos die Abschaf­fung der Zusatz­gehälter sowie die Kürzung von Zusatz­renten (um etwa ⅓) gesetz­lich verfügen • eine Diskus­sion gibt es über eine Entlas­sung von 150.000 Staats­ange­stellten in den kommenden 5 Jahren • Papa­demos und Veni­zelos sollen die neuen Bedin­gungen der Troika akzep­tiert haben, stoßen aber auf Wider­stand bei den 3 Regie­rungs­parteien • ihre Abgeord­neten wollen weitere Kürzungen nicht mittragen • ange­sichts des Sturz­flugs der Pasok muss ein Groß­teil ihrer derzei­tigen Abgeord­neten damit rechnen, bei der womög­lich schon im April anste­henden vorge­zogenen Parla­ments­wahl nicht wieder­gewählt zu werden • Veni­zelos warnt: im Vergleich mit dem, was dem Land im Fall eines ungeord­neten Bank­rotts drohe, würden sich die Grie­chen eines Tages gern an die jetzige Zeit erin­nern • vor allem Antonis Samaras von der Nea Dimo­kratia sperrt sich gegen neue „Rezes­sions­maßnahmen”, die — wie die Rezes­sion in Grie­chen­land beweist — von Anfang an falsch waren • mehrere Athener Poli­tiker sprachen jetzt von „roten Linien”, die man nicht über­schreiten dürfe — daher versuchten Papa­demos und Veni­zelos den Führern der Regie­rungs­parteien deut­lich zu machen, dass auch Grie­chen­lands Geld­geber ihre roten Linien haben • Motto ihrer Warnungen: nächste Ausfahrt Staats­bank­rott
[HTML] S. Mihai: Schuldenkrise: Ungarns Staatsbankrott rückt immer näher. Nach dem Aus der staat­lichen Flug­linie Malév droht eine Ketten­reak­tion. Da auch die Verhand­lungen mit der IWF über Notkre­dite nicht voran­kommen, sieht es für Ungarn immer düsterer aus. wiwo.de, 06.02.2012. • Ungarns staat­liche Flug­gesell­schaft Malév hat Insol­venz bean­tragt • mehr als 2.500 Arbeit­nehmer verlieren ihre Stellen • die EU-Kommis­sion hatte Ende Januar Ungarns öffent­liche Unter­stützung von Malév als Verstoß gegen das Wettbe­werbs­recht erklärt • danach verloren die Geschäfts­partner der Gesell­schaft ihr Vertrauen und verlangten Vorkasse • noch eine schlechte Nachricht: auch der Buda­pester Verkehrs­betrieb BKV steht kurz vor dem Aus • die EU und der IWF haben sich mit klaren Worten gegen eine weitere Subven­tionie­rung der BKV ausge­sprochen • eine staat­liche Rettungs­aktion würde das Haus­halts­defizit des Landes enorm erhöhen • das könnte ein endgül­tiges Schei­tern der momentan blockierten Verhand­lungen über einen 20-Milli­arden-Euro-Notkredit bewirken • Ungarn kann sich kaum auf dem freien Markt finan­zieren, seitdem alle 3 US-Rating­agen­turen seine Staats­anleihen auf Ramsch­niveau herab­gestuft haben • die EU-Kommission verlangt ein Ende der „unortho­doxen” Maßnahmen der ungari­schen Regie­rung — vor allem die Wieder­herstel­lung der Unab­hängig­keit der Noten­bank, nachdem die Abgeord­neten der Regie­rungs­partei Fidesz die Kompe­tenzen des ihnen unliebsam gewor­denen Noten­bank-Gouver­neurs András Simor gekürzt hatten, um zukünftig die Geldpo­litik kontrol­lieren und die Reserven der Noten­bank anzapfen zu können • parallel hat die Kommis­sion ein Defi­zitver­fahren gegen Ungarn einge­leitet • Problem: auch im Falle einer ordent­lichen Insol­venz und Auflö­sung der beiden Gesell­schaften Malév und BKV müsste der ungari­sche Staat tief in die Tasche greifen
[HTML] Schuldenkrise: Griechenland klagt hochrangigen Finanzbeamten an. Das südeu­ropä­ische Land geht gegen einen Mitar­beiter des Finanz­minis­teriums vor. Er muss sich vor Gericht veran­tworten, weil Geld­bußen nicht einge­trieben wurden. Der Beamte macht die Technik verant­wort­lich. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 06.02.2012
[HTML] J. Faust; U. Volz: Schuldenkrise: Griechenlands Glaubwürdigkeitsproblem.[!] Das Staats­system Grie­chen­lands ist korrupt. Zur Bewäl­tigung dieser Misere kann von der Entwick­lungs­politik gelernt werden, schreiben J. Faust und U. Volz im Gast­beitrag. Blog ZEIT ONLINE, 06.02.2012. • Ein Ausstieg aus der Währungs­union würde keines der 3 grundle­genden Probleme der griechi­schen Wirt­schaft lösen: das völlig dysfunk­tionale Steuer­system, der über­große, intrans­parente und ineffi­ziente öffent­liche Sektor sowie die endemi­sche Korrup­tion • keines dieser Probleme hat etwas mit Grie­chen­lands Mitglied­schaft in der EU zu tun — ein Austritt würde sie daher auch nicht beenden • Grie­chen­lands wirt­schaft­liche Misere ist im Kontext der grundle­genden Gover­nance-Probleme des Landes zu sehen • die Mitglied­schaft im Euro-Club als Zeichen der Glaub­würdig­keit gab dem Land güns­tigen Zugang zu den inter­natio­nalen Kapital­märkten und die Chance, riesige Mengen von Schulden aufzu­türmen • die politi­sche und wirt­schaft­liche Elite Grie­chen­lands hat leider das Vertrauen nicht erfüllt • der Welt­bank-Gover­nance-Indi­kator für Korrup­tion sieht Grie­chen­land in der Umge­bung von Kuba, Jorda­nien und Italien • Berichte auch von Trans­parency Inter­national listen zahl­reiche Fälle von Korrup­tion, Kliente­lismus und politi­scher Vettern­wirt­schaft auf • Mancur Olson: Korrup­tion und mangelnde Rechts­sicher­heit haben einen starken nega­tiven Einfluss auf die lang­fris­tige techno­logi­sche Dynamik und Wettbe­werbs­fähig­keit einer Volks­wirt­schaft • Grie­chen­land muss daher dringend sein Gover­nance-Problem angehen, sonst werden alle Versuche einer Haus­halts­konso­lidie­rung vergeb­lich sein • Grie­chen­land braucht Reformen für gute Regie­rungs­führung und nicht nur einen Pakt für Haus­halts­diszi­plin • es zählt nicht nur die Höhe der Staats­ausgaben, sondern mehr wofür sie verwandt werden • Einschnitte bei den Sozi­alaus­gaben tragen wenig zur Sanie­rung der Staats­ausgaben bei — sie werden statt­dessen den kurz­fris­tigen Abwärts­trend der griechi­schen Wirt­schaft weiter verstärken und zudem die politi­sche Akzep­tanz von Struk­turre­formen in der Bevöl­kerung schmä­lern • es müssen Fragen der Trans­parenz, Effi­zienz und Verant­wort­lich­keit des Staats­appa­rates ange­sprochen werden • in der Entwick­lungs­zusam­menar­beit wird seit einigen Jahren relativ erfolg­reich mit der soge­nannten Budget­hilfe gear­beitet: die finan­zielle Unter­stüt­zung einher gehend mit einem beson­deren Fokus auf die Verwal­tung der öffent­lichen Finanzen, d.h. Verbes­serung der steuer­lichen Trans­parenz sowie eine Stär­kung der unabhän­gigen Aufsichts­organe (wie etwa einen Rech­nungshof) sowie die verbes­serte Rechen­schafts­pflicht der Exeku­tive • dies sollte die Entwick­lung einer funkti­onalen und effi­zienten öffent­lichen Verwal­tung unter­stützen • dazu muss Grie­chen­land in der Euro-Zone bleiben • damit auch die griechi­sche Gesell­schaft die Reformen mitträgt, braucht es eine Wachs­tums­perspek­tive, also Finan­zierung nachhal­tiger Inves­titi­onen in Grie­chen­land durch Europä­ische Inves­titions­bank, die Europä­ische Bank für Wieder­aufbau und Entwick­lung, und die Welt­bank
[HTML] dpa/woz: Die Griechen streiken — das nächste Ultimatum läuft. Am Nach­mittag will die Regie­rung in Athen weitere Sparmaß­nahmen beschließen, um Hilfs­gelder zu bekommen. Die Gewerk­schaften rufen zum Streik auf. WELT ONLINE, 07.02.2012
[HTML] R. Hermann, M. Schäfers, H. Kafsack: Schuldenkrise: Griechenland will von Sonderkonto nichts wissen. Der deutsch-fran­zösi­sche Vorstoß zum Schulden­abbau ist in Athen verhallt. In Brüssel wird mittler­weile offen darüber geredet, dass Grie­chen­land aus dem Euro­raum austreten könnte. FAZ.NET, 07.02.2012
[HTML] F. Hassel: Schuldenkrise: Sabotage der Beamten gibt Griechenland den Rest. Statt verein­barte Kürzungen zu voll­ziehen hinter­treibt der Beam­tenap­parat die Reformen, wo er nur kann. Staats­diener verschlingen mehr als die Hälfte des Haus­halts. WELT ONLINE, 07.02.2012. • Die am Dienstag fertigge­stellte Spar­liste sollte am Abend eigent­lich von den Vorsit­zenden der regie­rungs­stüt­zenden Parteien bei einem Spitzen­treffen mit Minis­terprä­sident Lucas Papa­demos gebil­ligt werden — das Treffen wurde jedoch auf Mitt­woch verschoben • die Partei­chefs hätten bislang noch keinen von der Regie­rung und den auslän­dischen Kredit­gebern verfassten schrift­lichen Entwurf für eine Eini­gung erhalten • nach Spar­forde­rungen der Troika will Grie­chen­land bis Jahres­ende 15.000 Beamte entlassen • Dimi­tris Reppas (Minister für admi­nistra­tive Reform): das sei der 1. Schritt zum Abbau von 150.000 Staats­dienern bis Ende 2015 • diese Ankün­digung ist eine Mogel­packung, denn schon im Mai 2010 sagte Athen seinen Kredit­gebern zu, den mit rund 750.000 Beamten und noch­mals gut 600.000 Ange­stellten von Staats­unter­nehmen überbe­setzten Apparat bis Ende 2015 um 150.000 Mann abzu­bauen • im Herbst 2011, vor der Auszah­lung der letzten Kredit­raten, sagte die Regie­rung in Athen zu, bis Ende 2011 rund 30.000 Beamte in Vorruhe­stand oder Umschu­lungspro­gramme zu schicken, um sie bis Ende 2012 zu entlassen • aus beidem wurde nichts — die meisten Minis­terien und Behörden weigerten sich schlicht, die notwen­digen Infor­mati­onen und Namens­listen zu schicken (einige Minis­terien schickten gar Listen über zusätz­lichen Perso­nalbe­darf) • Anfang 2012 wurde das Vorhaben still­schwei­gend ganz einkas­siert • eigent­lich müsste Grie­chen­land seinen Staats­apparat, der weit mehr als die Hälfte aller Staats­ausgaben kostet, um etliche Hundert­tausend Beschäf­tigte verrin­gern, wenn es tatsäch­lich sparen will • dabei haben durch die Rezes­sion bereits weit über eine halbe Million Grie­chen ihren Job verloren • Einlagen von Unter­nehmen und Privat­leuten bei den Banken sanken von Dezember 2010 bis Dezember 2011 um knapp 17% • die Troika verlangt nun andere Sparmaß­nahmen: der Mindest­lohn wird um ein Fünftel auf rund 600 € verrin­gert; eine Kürzung des Arbeits­losen­geldes und auch der Renten soll folgen • im inef­fizi­enten Gesund­heits­sektor sollen Ausgaben redu­ziert werden, der Vertei­digungs­etat sogar um 300 Mio. € gekürzt werden • diese Sparmaß­nahmen werden nicht reichen: sie machen mit zusammen 3,3 Mrd. € ledig­lich 1,5% der Wirt­schafts­leis­tung aus — bei einem Haus­halts­defizit von über 9%
[HTML] jar/DPA: Schuldenkrise: Griechische Parteienchefs verschieben Sparpaket-Billigung. Grie­chen­land-Verhand­lungen im Finale? Neue Finanz­hilfen sind greifbar nahe. Aber das hat natür­lich seinen Preis und der heißt: Spart noch härter. stern.de, 08.02.2012
[HTML] B. Seewald: Schuldenkrise: Griechenlands Beamte machten den Staat zur Beute. Die Staats­diener und ihre Kosten sind eine Hauptur­sache der griechi­schen Misere. Dass sie ihre Posten als Pfründe verstehen, hat histo­rische Gründe. WELT ONLINE, 09.02.2012
[HTML] Schuldenkrise: Griechenland legt Streit über Sparplan bei. Das politi­sche Geschacher in Athen hat ein Ende. Die grie­chi­schen Regie­rungs­parteien akzep­tieren die Bedin­gungen von EU und IWF. Damit ist der Weg für die Gewäh­rung neuer Finanz­spritzen sehr wahr­schein­lich frei. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 09.02.2012
[HTML] Schuldenkrise: Standard & Poor's stuft 34 italienische Banken herab. Die Rating-Agentur Stan­dard & Poor's hat 34 italie­nischen Banken eine schlech­tere Einstu­fung gegeben. Nur 3 Insti­tute konnten ihre Wertung halten. ZEIT ONLINE, 11.02.2012

Reform durch Trennbankensystem  

[HTML] WikipediA: Bankensystem (Bankwesen). de.wikipedia.org, 2011. • Banken können nach ihrer Tätig­keit in Geschäfts­banken und Invest­ment­banken unter­schieden werden • Universal­banken verei­nigen beide Bereiche unter einem Dach • sind beide Bereiche organi­sato­risch getrennt, so handelt es sich um ein Trenn­banken­system • in angel­sächsi­schen Ländern herrscht das Trenn­banken­system vor • Argum­ente pro und contra Trenn­banken­system
[HTML] WikipediA: Glass-Steagall Act. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Gramm–Leach–Bliley Act. en.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Restrukturierungsgesetz vom 9.12.2010 gilt ab 2011 und hat den Zweck, dass Finanz­insti­tute hohe Risiken mini­mieren und die Kosten künf­tiger Banken­krisen selbst tragen. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] T.O. Brandi: Paradigmenwechsel bei der Sanierung von Kreditinstituten.  Handelsblatt Rechtsboard , 19.1.2011. • Regelungen zum neuen Restrukturierungsfonds, zur Bankenabgabe, zum Sanierungs- und Reorganisationsverfahren für Kreditinstitute • erweiterte aufsichtsrechtliche Restrukturierungsbefugnisse der BaFin • als sinnvoller Paradigmenwechsel geeignet, negative Anreizwirkungen für Geschäftsleitung, Anteilseigner und Gläubiger hybrider Finanzierungsinstrumente von systemrelevanten Kreditinstituten zu verringern • sie können nicht mehr davon ausgehen, dass der Staat das Institut als „too big too fail” ansehen und durch staatliche Stützungsmaßnahmen auffangen würde • der Restrukturierungsfonds wird zukünftig von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) verwaltet • die FMSA kann sogenannte „Brückeninstitute” gründen, auf die Geschäftsbereiche von systemrelevanten bestandsgefährdeten Kreditinstituten übertragen werden können
[HTML] M. Helios: Neue Herausforderungen in Folge des Restrukturierungsgesetzes.  Handelsblatt Steuerboard , 5.4.2011. • Es wird ein zweistu­figes Sanie­rungs- und Reor­ganisa­tionsver­fahren einge­führt • im Rahmen des Reor­ganisa­tionsver­fahrens kann fest­gelegt werden, dass ein Kredit­institut sein Vermögen ganz oder in Teilen ausglie­dert und auf einen beste­henden oder zu grün­denden Rechts­träger gegen Gewäh­rung von Anteilen über­trägt • die BaFin kann Vermögen oder Teile des Vermö­gens einer system­rele­vanten Bank vorüber­gehend auf eine staat­liche oder private Brücken­bank über­tragen • Fehlen expli­ziter gesetz­licher Rege­lungen zur steuer­lichen Behand­lung von Ausglie­derungen
[HTML] Maßnahmen zur Regulierung der Finanzmärkte . Wirtschaft im Kontext, 14.7.2011
[HTML] B. Schäder: Bankenreform: Briten eifern der Schweiz nach. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 12.9.2011
[HTML] T. Kaiser: Großbritannien: Banken sollen sich von Investmentbanking trennen.[wichtig!] WELT-ONLINE, 12.9.2011
[HTML] T. Kaiser: Großbritannien plant teure Bankenreform. WELT-ONLINE, 13.9.2011
[HTML] wid: Blocher will Investmentbanking verbieten. Tages-Anzeiger, 18.9.2011
[HTML] Banken: CS will Investment Banking nicht abspalten. Blick.ch, 22.9.2011
[HTML] Finanzbranche in der Kritik: SPD-Chef Gabriel will Banken zerschlagen.[wichtig!] SPIEGELONLINE POLITIK, 15.10.2011. • SPD-Chef Sigmar Gabriel verlangt im SPIEGEL die Tren­nung von Invest­ment­banking und Geschäfts­banken • Geschäfts­feld des Invest­mentban­kings mit der Aufschrift 'Hier endet die Staats­haftung' • der Partei­vorsit­zende sprach vom „Ende einer Epoche” • nun müsse man „den Kapita­lismus ein zweites Mal bändigen” • „Auch in Deutsch­land ist es gut, wenn möglichst viele Menschen an Initi­ativen und fried­lichen Demon­stra­tionen gegen die Herr­schaft der Finanz­märkte teil­nehmen” • Gabriel räumte ein, dass auch die SPD in der Vergan­genheit die Libera­lisie­rung der Finanz­märkte betrieben habe • SPD, Linke, Grüne und Gewerk­schaften haben die Protest­akti­onen gegen die Auswüchse des Kapita­lismus begrüßt • SPD-General­sekre­tärin Andrea Nahles sagte, ihre Partei unter­stütze die welt­weiten fried­lichen Proteste gegen die Macht der Banken und Finanz­märkte • die SPD kämpfe für eine stär­kere Kontrolle der Finanz­wirt­schaft • Forde­rung einer privaten Gläu­biger­betei­ligung bei der Bewäl­tigung der europä­ischen Schulden­krise, und nach einer Finanz­trans­aktions­steuer
[HTML] Finanzen: SPD-Chef Gabriel will Banken zerschlagen. (Umfangreiche Kommentare) DERWESTEN, 15.10.2011
[GIF-Bild] O. Fuhlrott: Grafik zur Banken-Trennung. 16.10.2011
[HTML] Trennbankensystem: Bundesregierung offen für Banken-Aufspal­tung.[!] In die Debatte um die Bewäl­tigung der Euro-Schulden­krise kommt Bewe­gung. Nachdem SPD und Linke eine Neuord­nung des Banken­systems gefordert hatten, kommt Schäuble aus der Deckung — mit einem dras­tischen Vorschlag.  Handelsblatt , 17.10.2011. • Wie ein Sprecher von Bundes­finanz­minister Wolf­gang Schäuble sagte, steht die Bundes­regie­rung einer inter­natio­nalen Debatte über ein Trenn­banken­system offen gegen­uuml;ber • es gebe bereits einen interes­santen Vorschlag aus Groß­britan­nien • Gabriel: eine Banken-Aufspal­tung könne verhindern, dass nach Fehl­speku­lati­onen gleich die Spar­konten dran glauben müssten oder Geschäfts­banken kein Geld mehr für Kredite hätten • Oskar Lafon­taine fordert, das Banken­system müsse durch­grei­fend öffent­lich-recht­lich organi­siert werden: „Wir brau­chen Spar­kassen statt Zocker­buden.” • Lafon­taine: Angela Merkel versteht die Wirkungs­weise der Finanz­märkte schlicht und einfach nicht • der schei­dende EZB-Präsi­dent Jean-Claude Trichet hatte jüngst erst vor radi­kalen Lösungen wie der Zerschla­gung von Banken gewarnt • es gelte, die Finanz­märkte zu stabili­sieren und sie wieder festen Regeln zu unter­werfen • die Bundes­regie­rung werde zum EU-Gipfel keine „endgül­tige Lösung” zur Schulden­krise präsen­tieren, sagte Schäuble • 5 Elemente seien zur Beile­gung ange­strebt: 1) eine Lösung zu Grie­chen­land mit einer Reduzie­rung der Schulden, 2) die Stabi­lisie­rung des Banken­sektors (evtl. durch Reka­pita­lisie­rung), 3) möglichst effek­tiver Einsatz des Euro-Ret­tungs­schirms EFSF, 4) engere Zusam­menar­beit der EU-Länder in der Finanz- und Wirt­schafts­politik sowie 5) natio­nale Anstren­gungen zur Stär­kung der Wettbe­werbs­fähig­keit • Seibert: bei der Banken­reka­pita­lisie­rung bevor­zugt Deutsch­land ein 2-stu­figes Verfahren: 1. Versuche der Banken, sich selbst Kapital zu besorgen, und 2. könnten sie sich danach an den Staat wenden • der erhielte notfalls gegen Auflagen Geld beim EFSF • Schäuble: system­rele­vante Banken müssen ein Mindestmaß an Kapital haben — vermut­lich 9% • CSU-Chef Horst Seehofer sieht eine mögliche Zwangs­kapita­lisie­rung von Banken kritisch • Seehofer bekräf­tigte die Möglich­keit eines „Ausklin­kens” Grie­chen­lands aus der Euro-Zone
[HTML] Investment- und Geschäftsbanken: Bundesregierung offen für Trennbankensystem. Mehr in Kürze. RP ONLINE, 17.10.2011
[HTML] Trennbankensystem: Neuer Zuschnitt für die Banken?[!] BAYERISCHES FERNSEHEN, 17.10.2011 Die Diskus­sion um die Zukunft des Banken­systems nimmt Fahrt auf • da viele Banken in Bedrängnis geraten, fordern Poli­tiker jetzt neue Regeln für den Banken­sektor • SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte eine Tren­nung von Invest­ment­banking und Geschäfts­banken • die Banken müssten wieder „zu Dienern der Real­wirt­schaft” werden • jeder Mittel­ständler, der einen Kredit brauche, werde morgen in Schwierig­keiten kommen, wenn eine Bank pleite­zugehen droht, weil sie sich im Invest­ment­banking verzockt hat • nach anfäng­licher Kritik an Gabriels Vorschlägen zeigt sich die Bundes­regie­rung jetzt offen für eine stärkere Tren­nung • ein Sprecher des Bundes­finanz­minis­teriums sagte, es gebe vergleich­bare Vorschläge von der unabhän­gigen Banken­kommis­sion in Groß­britan­nien • die Anre­gungen sollten auch auf inter­natio­naler Ebene intensiv disku­tiert werden • Koali­tions­poli­tiker hatten Gabriels Vorstoß zuvor zurück­gewiesen • Klaus-Peter Flos­bach (finanz­politi­scher Sprecher der CDU/CSU-Bundes­tags­frak­tion): „Wir brauchen keine Holz­hammer­vor­schläge, sondern eine bessere Regulie­rung” • Sabine Lauten­schläger (Vize­präsi­dentin der Bundes­bank) sprach sich für eine Reka­pita­lisie­rung europä­ischer Banken aus, um das Vertrauen der Akteure im Inter­banken­markt wieder­herzu­stellen • die Kapi­talan­forde­rungen müssten einer­seits so hoch sein, dass die Märkte den europä­ischen Banken wieder vertrauten, anderer­seits müsse die Funk­tions­fähig­keit des europä­ischen Kredit­gewerbes sicher­gestellt sein • Andreas Schmitz (Präsi­dent des Bundes­verbandes deut­scher Banken) räumte Fehler der Branche ein • aber die Banken hätten die Schulden­krise der Staaten nicht verur­sacht • hundert­tausende Menschen waren auf die Straße gegangen und protes­tierten gegen eine mögliche staat­liche Unter­stüt­zung für Banken, die infolge der Schulden­krise in Grie­chen­land ins Trudeln geraten könnten
[HTML] C. Mai: Reaktion auf Finanzkrise: Deutschland offen für Zerschlagung der Großbanken.[wichtig!] FTD Mobil, 17.10.2011, 15:50. • Die Bundes­regie­rung ist offen für eine Debatte über die Abtren­nung des Invest­ment­ban­kings vom klassi­schen Filial- und Kredit­geschäft • sie reagiert damit auf einen Vorstoß von Sigmar Gabriel, der solches im SPIEGEL gefor­dert hatte • „Jeder Mittel­ständler, der einen Kredit braucht, wird morgen in Schwierig­keiten kommen, wenn eine Bank pleite­zugehen droht, weil sie sich im Invest­ment­banking verzockt hat” • der finanz­politi­sche Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus-Peter Flos­bach, nannte Gabriels Idee dagegen einen „Holz­hammer­vor­schlag” • die Debatte greift eine nach dem Kollaps von Lehman Brothers aufge­kommene Idee auf • histo­risches Vorbild ist der ameri­kani­sche Glass-Stea­gall-Act von 1933 • 1999 war die Rege­lung unter Bill Clinton wieder abge­schafft worden • seit der Finanz­krise sind die Argu­mente wieder aktuell • eine Aufspal­tung soll verhin­dern, dass Kunden­einlagen durch riskante Geschäfte bedroht werden • da die Banken gerettet werden müssten, stützt der Steuer­zahler letzt­lich risiko­reiche Aktivi­täten der Geld­häuser mit • Gegen­theorie: durch die Diversi­fizie­rung können die Insti­tute schlechte Phasen besser über­stehen • außerdem hätte ein Trenn­banken­system die Zusammen­brüche von Häusern wie Bear Stearns oder Lehman Brothers nicht verhin­dert • andere Wege: in den USA etwa werden die Geschäfte der Banken auf eigene Rech­nung stark einge­schränkt, sie dürfen beispiels­weise nur noch in sehr abge­specktem Umfang in Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds inves­tieren • Details der Rege­lung, die Teil der großen Finanz­markt­reform ist, werden noch erar­beitet • in Groß­britan­nien hat eine Kommis­sion vorge­schlagen, die Sparten der großen Insti­tute künftig mit Eigen­kapital zu unter­legen, damit etwa das Privat­kundenge­schäft besser geschützt ist und ein Bank Run verhin­dert wird • die OECD macht sich eben­falls für eine Zerschla­gung der Großbanken stark • sie erhofft sich davon, die Risiken auf den inter­natio­nalen Finanz­märkten zu mini­mieren, die Kredit­vergabe zwischen den Geld­häusern zu fördern und das Problem der markt­beherr­schenden (als system­rele­vant geltenden) Banken zu lösen
[HTML] E. Quadbeck: Gregor Gysi im Interview zur Bankenkrise: "Besser zur Sparkasse gehen". Der Frak­tions­chef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, rät im Inter­view mit unserer Redak­tion den Deut­schen in Zeiten der Finanz- und Banken­krise ihr Geld nicht länger den Groß­banken zu über­lassen. RP ONLINE, 18.10.2011. • „Nach der ersten Banken­rettung … haben die Banken mit der Zockerei einfach weiter­gemacht.” • „Die Bürge­rinnen und Bürger und die Real­wirt­schaft können … deut­lich machen, dass sie … vernünf­tige Kredit­insti­tute wollen.” • man sollte sein Geld gerade heute von Spar­kassen und Genos­sen­schafts­banken verwalten lassen • „Das wäre dann der Beginn eines Trenn­banken­systems von unten.”
[HTML] dapd: Stimmen gegen Zerschlagung von Banken mehren sich.  YAHOO!Nachrichten , 20.10.2011. • Nach der Deut­schen Schutz­verei­nigung für Wert­papier­besitz (DSW) hat sich nun auch die CDU/CSU-Frak­tion im Bundestag gegen die Aufspal­tung von Banken ausge­sprochen • Michael Meister (stell­vertre­tender Vorsit­zender der Unions­fraktion): die Lehmann-Pleite 2008 habe „klar gezeigt, dass eine Aufspal­tung nicht” das Problem löse • das deut­sche Banken­system mit seinen 3 Säulen aus Spar­kassen, Volks­banken und Privat­banken habe sich in der Banken­krise als robust bewährt • die Politik müsse die Rahmen­bedin­gungen neu gestalten, damit die Geld­insti­tute wieder als Dienst­leister für die Volks­wirt­schaft dienten • dazu gehöre auch eine höhere Eigen­kapital-Unter­legung • Ulrich Hocker (DSW-Haupt­geschäfts­führer): eine Banken­spal­tung wäre „nicht nur ein unzuläs­siger Eingriff in das Eigen­tums­recht der Aktio­näre, sondern würde zudem keines der aktu­ellen Probleme lösen.” • das deut­sche Univer­salban­kensystem habe die Privat­banken vor einem tieferen Absturz bewahrt • SPD-Chef Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer hatten ange­regt, über eine Tren­nung von Invest­ment­banken und klassi­schen Geschäfts­banken nachzu­denken
[HTML] U. Herrmann: Euro-Krise: "Mehr Kontrolle der Banken". Allein kann Grie­chen­land sein Defizit nicht abtragen, die Banken sollen helfen. Thierry Philipponat von "Finance Watch" reicht das nicht: Banken müssen ihr Spekula­tions­geschäft abstoßen, fordert er. taz.de, 24.10.2011. • Thierry Philip­ponat (Gene­ralse­kretär von Finance Watch): Ja, ein drasti­scher Schulden­schnitt ist unaus­weich­lich • die Banken müssen ihr Eigen­kapital deut­lich erhöhen • Eigen­kapital ist auch nicht teurer als Fremd­kapital • die Banken könnten jedoch, statt neue Aktien auszu­geben, einfach weniger Darlehen an die Wirt­schaft vergeben • dann ist eine große Gefahr, dass die kleinen und mitt­leren Firmen keinen Kredit mehr erhalten • schon jetzt machen Firmen­kredite nur einen kleinen Teil des Geschäfts der Banken aus: statt­dessen handeln die Insti­tute vor allem mit Wertpa­pieren und Deri­vaten • dieses speku­lative Handels­geschäft müssen die Banken abstoßen • die Schatten­banken — zu denen das Handels­geschäft mit Wertpa­pieren und Deri­vaten dann abwan­dern könnte — würde es gar nicht geben, wenn sie nicht von den großen Banken finan­ziert würden • z.B. ist die Deut­sche Bank einer der wich­tigsten "prime broker" für die Hedge­fonds • und JP Morgan Chase besitzt mit "High­bridge" gleich selbst einen der welt­weit größten Hedge­fonds • mit einer weiteren Auswei­tung des Rettungs­schirms wird nur Zeit gekauft, aber nicht die Euro­krise einge­dämmt
[HTML] A. Hennersdorf, S. Wettach, C. Ramthun, Y. Esterházy: Banken-Regulierung: Die Politik macht den Banken Druck.[wichtig!] wiwo.de, 24.10.2011. • James Chanos (Hedge­fonds­manager) kann die Empö­rung der Protestler nach­voll­ziehen: „Das ist kein Rezept für ein stabiles Wirt­schafts­wachstum, wenn die Reichen immer reicher werden und alle anderen bleiben außen vor.” • eine wach­sende Gruppe an Protest­lern hat mit ihrer Kritik am Finanz­system wohl nicht ganz Unrecht • Mario Draghi (künf­tiger Chef der EZB) bekun­dete den Demon­stranten seine Sympa­thie • Angela Merkel attes­tierte ihnen ein „berech­tigtes Gerech­tigkeits­verlangen” • die EU-Mit­glied­staaten und Europa­abgeord­neten einigten sich vergan­gene Woche auf ein Verbot von Leerver­käufen von Kredit­ausfall­versi­che­rungen (eine zentrale Forde­rung von Schäuble) und eine Untersu­chung von Banken wegen angeb­licher uner­laubter Zinsab­sprachen • den Häusern drohen Strafen von bis zu 10% ihrer Bilanz­summe • Die OECD ist für ein Trenn­banken­system mit dem Argu­ment, dass sich die stark gestie­genen Risiken an den Finanz­märkten durch eine Zwangs­aufspal­tung in Invest­ment­sparte und Fili­alge­schäft abbauen ließen • Staaten müssten nicht mehr immer einspringen, um system­rele­vante Banken auf Kosten des Steuer­zahlers zu retten • dabei verwies die OECD ausdrück­lich auf Groß­britan­nien, wo eine Exper­tenkom­mission unter Vorsitz von Ex-Noten­banker Sir John Vickers zwar keine Spal­tung, aber eine interne Abschot­tung von Invest­ment­banking und Fili­alge­schäft vorge­schlagen hatte • unter dem Dach einer Holding sollen diese beiden Bereiche künftig als unab­hängige Einheiten neben­einander bestehen, jeweils mit eigenem Manage­ment, wobei der Teil mit dem Kredit- und Einla­genge­schäft mit mindes­tens 10% hartem Kernka­pital ausge­stattet werden soll • bei einer Schief­lage des Invest­ment­banking-Ge­schäfts wäre nicht länger das Funkti­onieren des Bankge­schäfts gefährdet, das für die Real­wirt­schaft wichtig ist • Vickers selbst empfiehlt, mit der Umset­zung bis 2019 (nach den nächsten Wahlen in Groß­britan­nien) zu warten • auf inter­natio­naler Ebene hat Chris­tine Lagarde (IWF) sich eben­falls für eine Tren­nung der beiden Geschäfts­felder ausge­spro­chen: „Man muss jede Art von Anste­ckung zwischen den beiden Berei­chen vermei­den.” • Thierry Philip­ponnat (Gene­ralse­kretär der frisch gegrün­deten NGO Finance Watch) geht in dieselbe Rich­tung: „Die Risiken, die sich aus dem Handel ergeben, sollten nicht vom Steuer­zahler bezu­schusst werden” • aber auch Banken mit Trenn­system wurden Opfer oder Problem­fall der Finanz­krise: Lehman Brothers, Northern Rock, Royal Bank of Scot­land • in den USA hatte der 1933 einge­führte Glass-Steagall-Act über 60 Jahre lang für eine strikte Sepa­ration der beiden Bereiche gesorgt • aber dort wird ein Trenn­banken­system nicht als Patent­lösung gesehen • Mark Cala­bria (Finanz­markt-Regulie­rungs­experte Cato Institute): „Ein getrenntes Geschäft der beiden Bereiche hätte die Finanz­krise nicht verhin­dert.” • Charles Geisst (Finanz­experte Manhattan College): es falle jedoch auf, dass es in der Zeit von 1933 bis zum Ende des Glass-Steagall-Acts 1999 keine einzige ernst­hafte Finanz­krise gab • US-Banken-Lobby: ohne die künst­liche Tren­nung könnten Verluste aus dem einen Geschäft durch das andere ausge­glichen werden • doch genau diese Quer­subven­tionie­rung ist frag­würdig, solange der Staat die Einlagen der Sparer sichert • ein hoher Mitar­beiter des Bundes­finanz­minis­teriums: „Entspre­chende Überle­gungen in den USA und Groß­britan­nien werden von uns unter­stützt.” • Birgit Reine­mund (FDP, Vorsit­zende des Bundes­tags-Finanzaus­schusses) empfiehlt das deut­sche Restruk­turie­rungs­gesetz von 2011 als „Vorbild für eine ähnliche europä­ische Lösung” • dieses sieht in Krisen­fällen die Abspal­tung system­rele­vanter Teile von Banken und deren Restruk­turie­rung vor
[HTML] dpa/dapd/tat: Sabine Lautenschläger: Bundesbank wehrt sich gegen Banken-Zerschlagung. Die Vize-Präsi­dentin der Bundes­bank kriti­siert die Aufspal­tung von Invest­ment- und Geschäfts­banken. Gefahren für das Finanz­system seien nicht gebannt. WELT ONLINE, 16.11.2011. • Sabine Lauten­schläger (Bundes­bank-Vize­präsi­dentin): eine Aufspal­tung in Invest­ment- und Geschäfts­banken würde das Risiko für das Finanz­system nicht verrin­gern • für klassi­sche Banken würde das zwar einige Gefahren redu­zieren, gleich­zeitig aber andere Risiken erhöhen • daher könne der Staat auch danach noch gezwungen sein, Banken durch Milli­arden­hilfen zu retten • „Nicht nur große Unter­nehmen, sondern der deut­sche Mittel­stand benö­tigt eine Viel­falt unter­schied­licher Dienst­leis­tungen, auch solche, die dem Invest­ment­banking zuge­rechnet werden.” • in der Praxis sei zudem die Tren­nung mit größten Schwierig­keiten verbunden • Banken den Eigen­handel zu unter­sagen sei noch einfach • schwie­rige Frage, was der Bank im Kunden­geschäft erlaubt sein soll • die Deut­sche Bundes­bank will Schatten­banken stärker unter Kontrolle bringen • Andreas Dombret (Bundes­bank-Vorstands­mitglied): es soll ihnen nicht mehr erlaubt sein, wie Invest­ment­banken aber unregu­liert an den Märkten zu handeln • Schatten­banken hätten einen Markt­anteil von 25% bis 30% und stellten ein syste­misches Risiko dar • gemeint sind vor allem Geld­markt­fonds, Verbrie­fungen, Wert­papier­leihen und Hedge-Fonds • Sigmar Gabriel hatte die Tren­nung von Geschäfts- und Invest­ment­banken vorge­schlagen

Tobin- und Finanztransaktionssteuer und andere Regulierungen  

[HTML] WikipediA: Schattenbank: entweder 1) ein Geldge­schäfte betrei­bendes Unter­nehmen ohne Erlaubnis, oder 2) ein erlaubte Finanz­geschäfte betrei­bendes Unter­nehmen, das kein Kredit­institut ist (Hedge­fonds, finan­zielle Zweck­gesell­schaften). de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: Tobin-Steuer. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] Die Tobin-Steuer SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 2.9.2001
[HTML] B. Eligmann: Tobin-Steuer. INSM LEXIKON, 2005?
[HTML] Transaktionssteuer. STEUER GEGEN ARMUT, 2011
[HTML] H. Wernitznig: Banken & Finanzen: Finanztransaktionssteuer spaltet Experten. EU-INFOTHEK, 14.10.2011
[HTML] kle/wot/karo: Fremdwährungskredite: Regierung in Budapest will ungarische Schuldner mit amtlichen Fixkursen entlasten: Neuer Schlag für Banken in Ungarn. Austro-Instituten drohen Verluste von einer Milliarde Euro. Wien: Ungarns Pläne EU-rechtlich nicht haltbar. Wiener · Zeitung.at. 12.9.2011
[HTML] Schäuble will bei Börsensteuer notfalls vorangehen. REUTERS DEUTSCHLAND, 13.10.2011
[HTML] dpa: Merkel rügt Widerstand gegen Finanz­transaktions­steuer. WELT ONLINE Newsticker, 14.10.2011
[HTML] Gröhe: Euro-Gruppe bei Finanztransaktions­steuer Vorreiter. Ziel laut CDU-Gene­ralse­kretär aber welt­weite Einfüh­rung. Freie Presse, 15.10.2011
[HTML] Vor G20-Gipfel: USA sehen Transaktionssteuer skeptisch. Kurz vor dem Gipfel der 20 wichtigsten Wirt­schafts­mächte in Cannes beginnt der Streit um die Belas­tung der Banken. Die USA kriti­sieren das europä­ische Modell. Eine Gebühr sei die bessere Vari­ante.  Handelsblatt , 31.10.2011
[HTML] Nachrichten / dapd: Sparkassen wollen Regulierung der Schattenbanken. DERWESTEN, 4.11.2011. • Hein­rich Haasis (Präsi­dent des Deut­schen Spar­kassen- und Girover­bandes): der Welt­wirt­schafts­gipfel in Cannes sei „hinter den Erwar­tungen zurück­geblieben” • zur Regulie­rung bei den Schatten­banken sei nichts geschehen • das selbst formu­lierte Ziel der G-20, „dass kein Markt, kein Markt­teil­nehmer und kein Produkt unregu­liert bleiben soll”, bliebe uner­füllt • es gäbe nur Prüfauf­träge • mit Schatten­banken gemeint sind vor allem Geld­markt­fonds, Verbrie­fungen, Wert­papier­leihen und Hedge-Fonds • es sei Eile geboten: „Sonst droht die Gefahr, dass immer mehr Bankge­schäfte in diesen undurch­sich­tigen Markt abdrif­ten.” • Haasis bedau­erte auch, dass die kleinen Kredit­insti­tute, die sich beson­ders als Stabi­lisa­toren erwiesen hätten, nicht von den verschärften Eigen­kapi­talvor­schriften (Basel-III) befreit wurden
[HTML] dapd/afp: Finanzkrise: Schäuble beruhigt in der Euro-Krise — Experten halten dagegen. Bundes­finanz­minister Schäuble blickt positiv in die Zukunft und rät bei der Finanz­krise zu mehr Gelas­senheit. Die Finanz­märkte würden sich 2012 wieder beru­higen. Das sehen Wirt­schafts­experten anders. Die Krise sei lange nicht über­standen und könnte weiter eska­lieren. DERWESTEN, 25.12.2011. • Der Finanz­minister zeigte sich entschlossen, eine Steuer auf Finanz­trans­akti­onen einzu­führen, welche die „aberwit­zigen Entwick­lungen” an den Finanz­märkten zumin­dest abbremsen könnte • Schäuble: „derzeit beschäf­tigen sich die Märkte viel zu stark mit sich selbst, statt die Real­wirt­schaft zu unter­stützen.” • die Politik müsse das Tempo der Trans­akti­onen entschleu­nigen • in der Schulden­krise warnen führende Wirt­schafts­forschungs­insti­tute vor weiterer Eska­lation • während der RWI-Präsi­dent und „Wirt­schafts­weise”, Christoph M. Schmidt, behauptet, die Mehr­heit der Ökonomen sei gegen Euro-Bonds, mahnte der Direktor des HWWI, Thomas Straub­haar, man sollte „in Deutsch­land Euro-Bonds nicht aus ideo­logi­schen Gründen verteu­feln” • da „schon die bishe­rigen Sparan­stren­gungen einige Länder in die Rezes­sion geführt” haben, seien nun „überzeu­gende Konso­lidie­rungs­strate­gien” notwendig, um das Vertrauen in die Problem­lösungs­fähig­keit der Politik wieder herzu­stellen • Gert Wagner (Vorstands­vorsit­zender des DIW) erwartet nach einem „leichten Rück­gang der Wirt­schafts­leis­tung” zu Beginn des Jahres eine Beru­higung der Lage • auf den Finanz­märkten aber sei „nach wie vor sehr viel Irra­tiona­lität und Hysterie im Spiel”
[HTML] WikipediA: TARGET (Bankwesen) (Trans-Euro­pean Auto­mated Real-time Gross Settle­ment Express Transfer System) war ein Inter­bank-Über­weisungs­system, das im November 2007 von TARGET2 abge­löst wurde. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] WikipediA: TARGET2 ist seit 19. November 2007 das gemein­same Echt­zeit-Brutto-Clearing­system des Euro­systems. Brutto-Clearing­systeme dienen dem tägli­chen Transfer von Geldern (jede einzelne Zahlung aus Zentral­bankgut­haben der auftrag­gebenden Bank) zwischen ange­schlos­senen Banken. de.wikipedia.org, 2011
[HTML] H. Walter: Walter direkt: Das verschwiegene Rettungspaket. Mit 450 Mrd. € finan­ziert die Bundes­bank die hochver­schul­deten Euro-Staaten. Es ist ein Skandal, dass kein Poli­tiker und kein europä­ischer Währungs­hüter über dieses Thema öffent­lich spre­chen will.  Handelsblatt , 20.12.2011. • Kein normaler Mensch versteht mehr, wie der Euro gerettet werden soll • die Bundes­bank protes­tiert, dass sie über einen bilate­ralen 45-Mrd-Kredit an den Inter­natio­nalen Währungs­fonds direkt in die Finan­zierung von europäischen Schuldner­staaten einge­spannt wird • Bundes­bank­präsi­dent Jens Weid­mann durfte seine Bedenken gegen eine solche Kredit­vergabe den Mitglie­dern des Bundes­tags-Haus­haltsaus­schusses nicht mal erläu­tern • dabei müsse die Bundes­bank jetzt schon über ein gigan­tisches „Rettungs­paket” mit Namen „Target” die europä­ischen Schuldner­staaten finan­zieren — die mit Sicher­heit am meisten verschwie­gene Rettungs­maßnahme in der aktu­ellen Krise • unter „Target” muss man sich einen Konto­korrent­kredit einer Noten­bank des Euro-Systems für eine andere Noten­bank des Euro-Systems vorstellen • weil Noten­banken den jewei­ligen Staaten gehören, finan­ziert so die Bundes­bank die kredit­nehmenden Staaten über deren Noten­banken — auch wenn die Kredite offi­ziell über die EZB laufen • fantas­tische Kondi­tionen gelten für diesen Kredit: unbe­grenzt, ohne Limit und zu konkur­renzlos güns­tigen Zinsen von aktuell 1% im Jahr • in 4 Jahren haben sich bei der Bundes­bank Target-Forde­rungen von rund 450 Mrd. € aufgetürmt (das 10-fache dessen, was die Bundes­bank dem IWF geben soll) — geschuldet ausschließ­lich von PIIGS-Staaten • die Schuldner­länder nutzen dieses Geld für den Einkauf von Waren, Vermö­gens­werten, Immobi­lien oder Unter­nehmen in Deutsch­land (bisher für 450 Mrd. €)) • es wird nicht darüber geredet, laufe munter weiter und werde sich nicht ändern
[HTML] H. Walter: Walter direkt: Im Ernstfall auf Kosten der Bundesbank. In solchen Krisen­zeiten fährt man auf allzu kurze Sicht. Aber dabei darf man eines nicht vergessen: Nach der Schulden­krise muss das Target-System der Europä­ischen Zentral­bank nach­haltig refor­miert werden.  Handelsblatt , 27.12.2011. • • die weicheren EZB-Regeln bleiben zur Aufrecht­erhal­tung der Finanzie­rungs­ströme nur akzep­tabel, solange Ländern und Banken der Euro­zone der Zugang zum Geld- und Kapital­markt verschlossen oder zumin­dest sehr teuer ist • auf Dauer gingen im Ernst­fall die Target-Finanzie­rungen als für die Schuldner­staaten attrak­tiver Ersatz zu Lasten der Deut­schen Bundes­bank und auf Kosten einer wirk­samen Stabi­litäts­politik
[HTML] DPA: Nachrichten-Ticker: FDP legt Konzept zur Bankenbeteiligung an Schuldenkrise vor. FDP-Frak­tions­chef Rainer Brüderle will mit einem 3-Stufen-Konzept eine Alter­native zur Einfüh­rung einer Finanz­trans­aktions­steuer in den Euro-Län­dern aufzeigen. stern.de +++NACHRICHTEN-TICKER+++, 22.01.2012

Rolle der Banken in der Geld- und Währungspolitik  

[HTML] WikipediA: Geldtheorie ist eine Diszi­plin der Volks­wirt­schafts­lehre, in der Wesen und Funk­tionen, Wert sowie Wirkungen des Geldes unter­sucht werden. de.wikipedia.org, 2011. • Funk­tionen des Geldes: Tausch­funktion, Wertauf­bewah­rungs­funk­tion, Wertver­gleichs­funk­tion, Antriebs­funk­tion • vormo­derne Geldtheorie: wer setzt den Wert des Geldes fest (Herr­scher oder Allge­mein­heit)? • klassische Geldt­heorie: Geld nur für Tausch von Gütern und Dienst­leis­tungen; unab­hängig vom Real­sektor • keynesianische Geldt­heorie: Liqui­ditäts­präfe­renz­theorie offen­bart die 2. Funk­tion des Geldes: die Wertauf­bewah­rungs­funktion mit Möglich­keiten der Geld- und Fiskal­politik • mone­taris­tische Geldt­heorie: Geld- und Fiskal­politik hat nur kurz­fris­tige Effekte auf Produk­tion und Beschäf­tigung, erhöht aber mittel- bis lang­fristig nur die Infla­tions­rate • neuklas­sische Geldt­heorie: ratio­nale Erwar­tungs­bildung hat zur Folge, dass syste­mati­sche wirt­schafts­poli­tische Maßnahmen keine Wirkungen auf die reale gesamt­wirt­schaft­liche Entwick­lung haben; Mikro­fundie­rung der Makro­ouml;konomik • neukey­nesia­nische Geldt­heorie: verbindet die Methodik der Neuklassik mit der Analyse der in der Reali­tät zu beobach­tenden Unvoll­kommen­heiten auf diversen Märkten (rigide Preise, unvoll­kommener Wett­bewerb auf Güter­märkten und asym­metri­sche Infor­mation auf Finanz­märkten) und eine Erklä­rung des geld­poli­tischen Trans­missions­prozesses
[HTML] WikipediA: Geldmenge[!]: Bestand an Geld in einer Volkswirtschaft, der sich bei Nichtbanken befindet. de.wikipedia.org, 2011. • Monetäre Basis M0: Bargeld­umlauf + Zentral­bank­geldbe­stand der Kredit­insti­tute (Über­schuss­reserven + Mindest­reserven) • M1: zusätz­lich Sicht­einlagen der Nicht­banken • M2: zusätz­lich Einlagen mit verein­barter Lauf­zeit bis zu 2 Jahren und Einlagen mit gesetz­licher Kündi­gungs­frist bis zu 3 Monaten • M3: zusätz­lich Anteile an Geld­markt­fonds, Repo­verbind­lich­keiten, Geld­marktpa­pieren und Bank­schuld­verschrei­bungen mit einer Lauf­zeit bis zu 2 Jahren • Zusam­menhang: Geld­menge M · Umlauf­geschwin­digkeit V = Summe aller verkauften Produkte X¡, jeweils multipli­ziert mit ihren Preisen P¡ • reale Geld­menge = preis­berei­nigte nomi­nale Geld­menge (Quotient von Geld­menge und Preis­niveau) • ist zu wenig Liqui­dität vorhanden, redu­ziert sich das Wirt­schafts­wachstum • ist durch starkes Geld­mengen­wachstum zu viel Liqui­dität im Markt, besteht die Gefahr von Infla­tion • M1 als guter Konjunk­turin­dikator • M3 als geeig­neter Infla­tions­indi­kator
[HTML] WikipediA: Geldschöpfung[!] geschieht über die Kredit­gewäh­rung durch Geschäfts­banken (aktive Geld­schöp­fung) oder über Umwand­lung von Bankein­lagen durch Nicht­banken (passive Geld­schöp­fung). de.wikipedia.org, 2011. • der Zentral­bank obliegt die Versor­gung des Banken­systems mit Zentral­bank- und Bargeld • die Menge an Zentral­bank­geld (M0) ist nur ein Bruch­teil des insge­samt umlau­fenden Geldes • in der EU gilt ein Mindest­reserve­satz von 2%, d.h. Geschäfts­banken können das 50fache ihrer Zentral­bank­geld­guthaben als Kredite in Form von Buch­geld vergeben • im derzei­tigen Rahmen kann nur eine verschul­dete Gesell­schaft über werthal­tiges Geld verfügen • meist ist in der gängigen Sicht­weise der Banken alles Geld von vorn­herein mit Zins belastet: das Zahlen von Zinsen an die Geld erzeu­genden Banken ist Voraus­setzung für das Vorhan­densein von Geld • Banken erzeugen bei der Kredit­vergabe stets zusätz­liches Geld (Buch­geld), das vorher nicht vorhanden war • dieses Geld wird mit Rück­zahlung des Kredits wieder vernichtet
[PDF] Geld und Geldpolitik. DEUTSCHE BUNDESBANK, Herbst 2010
[PDF] Kapitel 4: Das Banken- und Finanzsystem. DEUTSCHE BUNDESBANK, Herbst 2010
[HTML] WikipediA: Islamisches Bankwesen führt Bank­geschäfte nach dem Prinzip: „kein Gewinn ohne gleich­wertige Sach­werte” (bzw. nach den Ethik-Vorstel­lungen des Islam). de.wikipedia.org, 2011. • Grund­regeln: allge­meines Zins­verbot, Verbot der Speku­lation und Verbot des Glücks­spiels • gene­rell darf nicht mit Geld Geld verdient werden • Praxis: statt dem Käufer einen Kredit zu gewähren, kauft die Bank die Ware direkt beim Verkäufer und verkauft sie zu einem höheren Preis an den Käufer, der seinen Kauf­preis in Raten abbe­zahlt • 2 Ansichten dazu möglich: entweder Betrach­tung als „Rechts­kniff” oder die Bank als eine Art Händler, der kauft und wieder­verkauft, wobei der Kauf­betrag sich im Vergleich zum Zinsge­schäft nicht vermehrt, sondern konstant bleibt (Diffe­renz als bloße Gewinn­marge) • Verbot von Risi­koge­schäften (Gharar): aber Kauf und späterer Verkauf von Aktien erlaubt, wenn die gesamte Wirt­schaft dadurch gewinnt • nicht erlaubt sind kurz­fris­tiges Ausnutzen von Kurs­schwan­kungen und Leerver­käufe • gene­rell verboten sind Trans­akti­onen, bei denen einer gewinnt und einer verliert • so sind reine Währungs­speku­lati­onen verboten, nicht aber Fremd­währungs­geschäfte zum Ausschluss des Wechsel­kursri­sikos • bei einem Mudharabah-Konto tritt die Bank als Vermö­gensver­walter für das ange­legte Kapital auf und kann frei entscheiden, wie es ange­legt wird — Bank und Anleger verein­baren eine Auftei­lung des Gewinns • dabei sind der Bank Grenzen aufer­legt, inner­halb der sie inves­tieren darf • Kredit­karten sind i.allg. nicht Islam-konform; Debit-Karten (Bezahl­karten auf Guthaben­basis) dagegen sehr wohl • es gibt auch Schari'a-konforme Invest­ment­fonds zur Betei­ligung an Unter­nehmen, die nur in Grenzen verschuldet sein dürfen (Moody's: derzeit 250 islami­sche Fonds mit einem Gesamt­kapital von 300 Mrd. $)
[HTML] Islamische Ethik: Geschäftliche Beziehungen unter Gleichen. Islami­sche Finanz­produkte sind in Luxem­burg und in der Türkei ein Nischen­produkt. Beide Länder wollen es weiter­entwi­ckeln. In der Türkei hat man, im Gegen­satz zu Luxem­burg, bereits die gesetz­lichen Rahmen­bedin­gungen geschaffen. Tageblattlu 12.10.2011. • Luxem­burg hat jetzt die islami­sche Finanz­welt entdeckt, ein Nischen­produkt, vermarktet als Bankge­schäfte nach den strengen Regeln der Scharia • die Luxem­burger Zentral­bank ist ein vollwer­tiges Mitglied des „Islamic Finance Board” • die islami­sche Finanz­kultur wirt­schaftet nach religi­ösen Regeln: sie darf weder Zinsen nehmen noch Zinsen zahlen noch Geld in Alkohol oder Glücks­spiele inves­tieren • Victor Vivaldi (Geschäfts­führer der Yapi Kredit Bank, 50-prozen­tige Tochter der UniCredit): islami­sche Finanz­produkte seien auch in der Türkei ein Nischen­produkt • „Das Geschäfts­modell einer solchen Bank unter­scheidet sich grund­legend von dem einer klassi­schen Bank.” • „Eigen­kapital, wie es die klassi­sche Buch­haltung kennt, gibt es nicht. Statt­dessen gibt es Gewinn- und Verlust-Betei­ligungs­konten. Islami­sche Banken werden deshalb auch Betei­ligungs­banken genannt. Wer sein Geld auf ein solches Konto legt, der erhält keine Divi­denden. Viel­mehr teilen sich die Bank und der Geld­geber den Gewinn — in der Regel 20 zu 80.” • die Ableh­nung des Einge­hens von Risiken (wegen des Glücks­spiel­verbots) durch islami­sche Banken bedeutet für den Investor, dass er seinen Gewinn sehr gut abschätzen kann • auf der Schuldner­seite sieht es so aus: ein Kredit ist (wegen des Zins­verbots) unmöglich, daher kauft die Bank das gewünschte Objekt und verkauft es mit einem Aufpreis in Raten an den Kunden weiter • der Aufschlag macht diese Finanz­produkte in Zeiten stei­gender Zinsen attraktiv, denn er bleibt über die komplette Lauf­zeit konstant • in Zeiten sinkender Zinsen ist diese Eigen­schaft für Bank­kunden eher abschre­ckend • dieses Geschäfts­modell bedarf einer beson­deren Infrastruktur, wie sie in der Türkei im Gesetz veran­kert ist • Jean-Jacque Rommes (Geschäfts­führer der Luxem­burger Bankers’ Association): die islami­sche Finanz­welt vertrete Werte, die der klassi­schen Finanz­welt abhanden gekommen sind • solches Geschäft mit dem Geld anderer betont Werte wie Ehre und Vertrauen • nach islami­schen Regeln ist ein Vertrag eine Abma­chung zwischen 2 gleich­wertigen Part­nernein Geschäft mit unbe­stimmtem Ausgang, bei dem also der Zufall bestimmt, ob eine Partei nachher als Verlierer oder Gewinner dasteht, würde gegen das Glücks­spiel­verbot verstoßen
[HTML] B. Schäder: Ultralockere Geldpolitik: Bank of England pfeift auf die Inflation. FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 6.10.2011
[HTML] A. Framke: Geldpolitik: Notenbanken überschwemmen Geldmarkt mit Dollar. Das Vertrauen der Banken, sich gegen­seitig Geld zu leihen, nimmt ab. Damit die Märkte weiter funktio­nieren, springen EZB, Fed und 3 weitere Noten­banken ein. WELT ONLINE, 15.9.2011
[HTML] H. Zschäpitz: Geldpolitik: Währungshüter hauen Europas Banken raus. Die Zentral­banken statten welt­weit Geld­insti­tute mit Extra-Dollars aus. Die Geld­schwemme entfacht ein Kurs­feuer­werk an den Börsen. WELT ONLINE, 15.9.2011
[HTML] Neuer EZB-Chef Draghi sorgt für Kursfeuerwerk. FinanzNachrichten.de, 3.11.2011. • Begrün­dung der Zins­senkung: „Es gibt verstärkte Abwärts­risiken für das Wirt­schafts­wachstum in der Euro­zone” • die EZB hat ihre Posi­tion zur Staats­schulden­krise und den damit zusam­menhän­genden Staats­anleihe­käufen jedoch nicht geän­dert • die Zins­senkung löste an den Aktien­märkten ein vorüber­gehendes Kurs­feuer­werk aus • die Zins­entschei­dung fiel einstimmig • der DAX baute unmit­telbar nach Bekannt­gabe des Entscheids sein Plus auf über 3% aus und erreichte bei 6.193 Punkten sein Tages­hoch
[HTML] M. Schieritz: Herdentrieb. So funktio­niert Kapita­lismus. Blog ZEIT ONLINE, blog.zeit.de, 26.10.–4.11.2011. • M. Schie­ritz: Was will uns Hans-Werner Sinn sagen? • M. Schie­ritz: Was darf das Volk? • D. Wermuth: Wir brau­chen eine andere EZB • M. Schie­ritz: Bana­nenre­publik Europa (oder wie wir uns an die Chinesen verkaufen) • M. Schie­ritz: So nicht, Sigmar Gabriel! • M. Schie­ritz: Sind wir jetzt 55 Milli­arden reicher? • M. Schie­ritz: Warum ich dem Gipfel­fest fern­bleibe • F. Lindner: Das Risiko des EFSF wird jetzt verviel­facht! • M. Schie­ritz: Grie­chen­land­rettung: kostet kaum ein Lächeln • M. Schie­ritz: Staaten oder Banken
[HTML] J. Gärtner: Finanzinstitute legen nach Leitzinssenkung massenweise Geld bei EZB an. Finanz.de, 6.11.2011. • Die nach der Senkung des Leit­zinses von 1,5% auf 1,25% erwar­tete starke Nach­frage nach Geld blieb aus — statt­dessen legten die europä­ischen Finanz­insti­tute ihr Geld massen­haft bei der EZB an: rund 275,23 Mrd. € • die Finanz­insti­tute haben wohl das gegen­seitige Vertrauen verloren, denn die Zinsen würden bei einem anderen Finanz­institut weit höher ausfallen als bei der EZB, die ledig­lich 0,5% Zinsen in Aussicht stellt • der neue EZB-Chef Draghi wollte mit einem niedri­geren Leit­zins Unter­nehmen und Verbraucher dazu anregen, Kredite aufzu­nehmen, um die sich in Europa anbah­nende Rezes­sion im Keim zu ersti­cken • er will auch einen leichten Anstieg der Infla­tion in Kauf nehmen, solange die Konjunktur ange­kurbelt wird • die Infla­tion werde ohnehin schon bald auf 2% sinken • nun läft statt­dessen die Tendenz in die entge­genge­setzte Rich­tung: die Infla­tion beruhigt sich schon • viele Experten zeigen sich besorgt und schlagen Alarm • Yves Mersch (Ratsmit­glied und luxem­burgi­scher Noten­bank­chef): die Wirt­schaft in der Euro-Zone sei im freien Fall • die Wahr­schein­lich­keit für eine Rezes­sion liege im Euro-Raum bei momentan 50%, die noch vor wenigen Monaten nur zu 10% wahr­schein­lich war
[HTML] Schuldenkrise: Alle wollen die EZB melken — Wirtschaftsweiser warnt. Die Europä­ische Zentral­bank soll es richten und Anleihen der Schulden­staaten aufkaufen. Das wünschen sich jetzt auch die Fran­zosen für ihr eigenes Land. Doch der deut­sche Wirt­schafts­weise Franz warnt genau davor.  Handelsblatt , 16.11.2011. • Die EZB hat erneut Anleihen von Italien und Spanien aufge­kauft • die fran­zösi­sche Regie­rung vertraut darauf, dass die EZB alle für die Finanz­stabi­lität der Euro-Zone nötigen Maßnahmen ergreifen werde • vor dem Aufkaufen von Staats­anleihen durch die EZB warnt aber der Wirt­schafts­weise Wolf­gang Franz: die „Moneta­risie­rung von Staats­schul­den” gehöre zu den „Tod­sünden einer Zentral­bank” • er fürchtet, die EZB könne ihre Unab­hängig­keit verlieren, wenn sie als „Geld­geber der letzten Instanz” für über­schul­dete Staaten einspringe • der Sachver­ständi­genrat zur Begut­achtung der gesamt­wirt­schaft­lichen Entwick­lung hatte vorge­schlagen, einen Teil der europä­ischen Schulden in einen gemein­schaft­lichen Topf mit gemein­samer Haftung zu legen • der franzö­sische Finanz­minister François Baroin dagegen: "Wir begrüßen die Anstren­gungen aller europä­ischen Insti­tuti­onen, einschließ­lich der EZB, die besten Antworten auf diese Krise zu geben” • dazu Schäuble: das „Über­maß an Staats­verschul­dung” könne viel­leicht in den USA mit dem Einsatz der Fed über­brückt werden, aber „In Europa wird das nicht funkti­onieren” • Angela Merkel hatte es abge­lehnt, dass sich die EZB beim Ankauf von Staats­anleihen ange­schla­gener Euro­staaten stärker enga­giert, weil dies nach den beste­henden Verträgen nicht möglich sei • statt einer Politik des lockeren Geldes müsse man endlich die Struktur­probleme angehen • die irische Regie­rungs­chefin Kenny: die EZB müsse sehr wohl als letzte Hilfe einspringen • das hoch verschul­dete Italien versucht unter Mario Monti einen politi­schen Neuan­fang • die Experten der Groß­bank RBS sehen nur noch ein Mittel: eine Fiskal-Union und die Aufgabe des Wider­stands der nord­europä­ischen Staaten gegen Eingriffs­möglich­keiten der EZB • die EZB hatte ihre Ankäufe vorige Woche zurück­geschraubt und mit 4,4 Mrd. € nicht einmal ½ des Volu­mens der Vorwoche erreicht • seit Mai 2010 hat sie Bonds im Gesamt­wert von 187 Mrd. € aufge­kauft • Kritiker des Programms sehen damit die Grenze zwischen Geld- und Fiskal­politik verwischt • im Oktober stieg die EZB-Ausleih­summe an italienische Banken auf gewal­tige 111,3 Mrd. € • der Bank UniCredit droht derweil nach dem riesigen Verlust von 10,6 Mrd. € im 3. Quartal eine Herab­stufung der Bonität
[HTML] W. Münchau: Debatte über Europäische Zentralbank: Deutschlands heuchlerische Monetaristen. Sie stemmen sich gegen Zinssen­kungen und lehnen Ankäufe von Staats­anleihen ab: Deutsch­lands Währungs­hüter gerieren sich als aufrechte Moneta­risten — sind es aber nicht. Milton Friedman würde sich im Grab umdrehen, wüsste er, wie die deut­schen Banker seine Theo­rien heute auslegen. SPIEGELONLINE WIRTSCHAFT, 21.12.2011. • Deut­sche Ideo­logen in den Zentral­banken: Jürgen Stark (EZB-Chef­volks­wirt, zurück­getreten), Axel Weber (Bundes­bank­chef, zurück­getreten), Jens Weid­mann (neuer Bundes­bank­chef), alle von der Sekte der Moneta­risten, die der Geld­menge eine beson­dere Rolle zuweisen • aber: echte Moneta­risten würden sich in dieser Krise völlig anders verhalten als ihre deut­schen Jünger • Moneta­risten glauben an eine einseitig gerich­tete Wirkung von der im Umlauf befind­lichen Geld­menge zur zukünf­tigen Infla­tion, wissen­schaft­lich begründet durch Milton Friedman • was in den 70er Jahren zur herr­schenden Lehre in den Zentral­banken gehört hatte, verlor in den 90er Jahren seine statis­tische Recht­ferti­gung und damit einen Teil seiner Anhän­gerschaft • Stark, Weid­mann und Weber sind höch­stens asym­metri­sche Moneta­risten, denn sie wenden die Lehre nur an, um die Zinsen zu erhöhen • ein echter Mone­tarist würde ange­sichts der Kredit­klemme im Euro-Raum die Zinsen auf null senken und sogar für einen Aufkauf von Staats­anleihen plädieren, auf keinen Fall aber den Zusam­menbruch des Geld­handels zwischen den Banken in Kauf nehmen • alle Indika­toren der Moneta­risten — Geld­menge, Kredite, Liqui­dität­ströme und Zins­spannen— zeigen z.Zt. auf Rot • Milton Friedman würde jetzt Gas geben • die Ansicht, Aufkäufe von Staats­anleihen seien inflati­onär und daher abzu­lehnen, ist falsch: • um eine Infla­tions­rate auf einem bestimmten Niveau zu halten, ist eine Politik der Anleihen­käufe genau dann gerecht­fertigt, wenn das Ziel später nicht mehr erreicht werden kann • Anleihen­käufe, die der geld­politi­schen Stabi­lisie­rung dienen, sind ein legi­timer Teil des Arse­nals • im europä­ischen Recht ist das auch so vorge­sehen • nach Kalku­lati­onen ehema­liger Noten­banker der EZB und der Bank of England muss man mindes­tens 2 oder 3 Billi­onen € an Anleihen kaufen, bis über­haupt Infla­tion entsteht • wenn man bei einer fast 10 Billi­onen € schweren Volks­wirt­schaft nur die makro­ökono­misch läppi­sche Summe von 210 Mrd. € einsetzt, macht das wenig Sinn • seit jener Zeit, als die Infla­tion welt­weit anstieg und Noten­banken die Zinsen erhöhten, gilt Moneta­rismus als ein Synonym für eine harte Geldpo­litik • Fried­mans Moneta­rismus basierte auf einer berühmten Studie, die er mit der Wirt­schafts­histori­kerin Anna Schwartz im Jahre 1963 veröf­fent­lichte: eine durch die Noten­bank verur­sachte Verknap­pung der Geld­menge hatte die Große Depres­sion verur­sacht • die Signale sind eindeutig: die Geld­menge stag­niert seit Jahren, die Kredit­wirt­schaft steckt in einer Rezes­sion, die Banken vergeben weniger Kredite, die Kondi­tionen verschlech­tern sich • die EZB warnt vor einer akuten Gefahr für das Finanz­system, der IWF vor dem Risiko einer neuen Großen Depres­sion • ein echter Mone­tarist würde ein stetiges Geld­mengen­wachstum annehmen und Abwei­chungen nur in einem bestimmten Rahmen tole­rieren

Sonstiges  

[HTML] R. Hönighaus: Ignoriert die Finanzlobby! FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND, 22.6.2010
[HTML] O. Fuhlrott: Wessen Krise: Staaten, Banken oder Euro? Ein Versuch, die Ursachen der Schulden­krise zu ergründen. Dezember 2011
[Web-Link] P. Bofinger, C. Kopper, T. Straubhaar, U. Thielemann, H. Vöpel: Wie lässt sich die Dominanz der Finanzmärkte über die Politik lösen?[wichtig!] Der Krisen­verlauf und die Bemü­hungen der Politik gegenzu­steuern lassen den Eindruck entstehen, dass die Finanz­märkte die Politik vor sich hertreiben. Die Politik hat offenbar durch ein Regulie­rungs­versagen die Markt­kräfte nicht genügend gebän­digt. Wirtschaftsdienst Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 91. Jahrgang, Heft 12, Dezember 2011
[PDF] D.J. Snower, J. Burmeister, M. Seidel: Regelgebundene Fiskalpolitik und Schuldenkommissionen.[!] Ein Reform­vorschlag zum Umgang mit der Euro-Schulden­krise.  Die Staats­schulden­krise im Euro­raum kann kurz­fristig nicht gelöst werden: Die finan­zielle Unter­stüt­zung für die Schuldner­staaten reicht nicht aus, deren Austeri­tätspro­gramme wirken zu restriktiv und die Mitglieds­länder sind nicht bereit, auf Fiskal­kompe­tenz zu verzichten. Die Autoren stellen hier ein Konzept vor, das zu höheren Wachs­tums­raten und niedri­geren Schulden­quoten in den betrof­fenen Ländern führt. Wirtschaftsdienst 2011|11, November 2011. • 4-fache Heraus­forde­rung der Euro­zone: • 1) fiska­lische Unter­stüt­zung • 2) fiska­lische Verant­wortung • 3) Fiskal­auto­nomie • 4) anti­zykli­sche Fiskal­politik • einfache Ursachen der Krise: die PIG-Länder gerieten unter schweren Druck der Finanzmärkte, was zu hohen Zinsen bei den Staatsanleihen führte und es schwierig machte, die Staatsschulden zu finanzieren • die fiskalische Unterstützung aus den Euro-Staaten ist zu halbherzig (Herausforderung 1) • die Geberländer sind zu zurückhaltend, weil sie nicht sicher sind, dass zurückgezahlt wird (Herausforderung 2), und aus innenpolitischen (wahltaktischen) Gründen • wenn es eine bindende Finanzaufsicht über die EU-Länder gäbe, würde sich die Aussicht erhöhen, dass Schulden zwischen den Euroländern zurückgezahlt werden — diese Möglichkeit wird jedoch angezweifelt (Herausforderung 3) • die Verpflichtung der zu rettenden Länder, ihre Staatsausgaben drastisch zu senken, verschärft die Rezession und verhindert, dass sie eine antizyklische Finanzpolitik anwenden (Herausforderung 4) • zur Lösung der Krise sind also eine verlässliche Durchsetzung fiskalischer Verantwortung, eine angemessene fiskalische Unterstützung, die Möglichkeit zu antizyklischer Fiskalpolitik und Erhalt der staatlichen Fiskalautonomie notwendig • • • • • • • • • •
[PDF] J. Hinze: Euro-Schuldenkrise bremst deutsche Konjunktur. Wirtschaftsdienst 2011|11, Dezember 2011
[PDF] M. Bräuninger: Konjunkturschlaglicht: Schuldenkrise dämpft Weltwirtschaftswachstum.[!] Wirtschaftsdienst 2011|11, Dezember 2011. • Ausgangs­punkt der Krisen der letzten Jahre war die Immobi­lien-Preis­blase in den USA • das Platzen dieser Blase hat privates Vermögen vernichtet und die Haus­halte verschuldet • zudem wurde eine globale Banken- und Finanz­krise ausge­löst • die Real­wirt­schaft war erst nach der Insol­venz von Lehman Brothers (September 2008) drama­tisch betroffen • die entstan­dene Verunsi­cherung bremste die Welt­wirt­schaft — es wurden Aufträge stor­niert und Inves­titions­pläne verschoben • die folgende Rezes­sion ließ die Welt­produk­tion 2009 um 3,8% sinken • war zunächst ein Jahr­zehnt ohne Wachstum befürchtet worden, so erholte sich die Welt­wirt­schaft aufgrund welt­weiter Fiskal- und Geldpo­litik erstaun­lich schnell — bei gleich­zeitigem massivem Anstieg der Staats­schulden • das Wachstum der Welt­wirt­schaft (2010: 4%) hat sich abge­schwächt und dürfte 2011 bei 3,8% liegen, wobei sich der Euro-Raum schon in einer Rezes­sion befindet • die Konjunktur wird gelähmt durch eine Verun­siche­rung ange­sichts der Staats­schulden und der staat­lichen Konso­lidie­rungspro­gramme sowie die hohe Arbeits­losig­keit und stagnie­rende Bauwirt­schaft • der Infla­tions­druck in den Schwel­lenlän­dern ist zurück­gegangen • insge­samt dürfte die Welt­wirt­schaft 2012 nur noch um 3% wachsen • die Im- und Exporte haben noch nicht wieder ihr Vorkri­sen­niveau erreicht, während der Welt­handel im August 2011 auf sein bisher höch­stes Volumen kam • es besteht die starke Gefahr, dass die Welt­wirt­schaft in eine Abwärts­spirale gerät, verur­sacht vor allem aus der Schulden­krise in Europa

Erweitertes Autoren- mit Personen-Verzeichnis

1–9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R Sa Sch S+ T U V W X Y Z
Ackermann, J.: (Spi11c) (Hac11) (FR11a) (Spi11d) (Fru11) (BaB11) (FrR11) (FR11f) (FTD11d) (DWe11a) (Hbl11p) (mm12)
Afhüppe, S.: RiA11
Alesina, A.: (Fis12)
Almunia, J.: (TOn11a)
Ansip, A.: (Fri11)
Amato, G.: (Sch11n)
Asselborn, J.: (DaE11)
Attali, J.: (Ulr11) (TA11b)
Azumi, J.: (Hbl12b)
Balz, C.: (mm11c)
Bar-Yam, Y.: (BaS11)
Barnier, M.: (Det11)
Baroin, F.: (HA11) (Hbl11m) (mc12)
Barroso, J.M.: (Hbl11a) (Spi11d) (Wel11a) (DGZ11) (Kna11) (FTD11f) (Hac11a) (FTD11g) (DaE11) (Wet11)
Bartsch, B.: Bar11
Basescu, T.: (DBu11)
Bäte, O.: (FrR11)
Batzoglou, F.: DiB11 Bat11
Baumann, D.: BaS11
Beck, U.: (Spi11t)
Beise, M.: Bei11 BeE11
Benders, R.: Ben11 Ben11b
Bentzien, H.: Ben11a
Berger, S.: Ber11
Berlusconi, S.: (EPS11) (Spi11g) (Hbl11m)
Bernardino, G.: (ScD11)
Berschens, R.: Ber11a
Bibow, J.: (Str11)
Birnbaum, R.: BFT11
Biskamp, S.: Bis11
Bläske, G.: Bla11
Blessing, M.: (Blo11) (DaH11) (Koe11)
Bliley, T.J.: (wiki2)
Blome, N.: Blo11
Bloss, M.: BEH08
Blum, U.: (nt11a)
Bode, K.: KGB11
Bofinger, P.: BoH09 (LHF11) WD11 (LFH12)
(Dae12)
Borg, A.: (Wel11) (Ede11)
Börner, A.: (Wel11)
Botín, E.: (Hbl11d)
Bourlanges, J.-L.: (Sch11l)
Brackmann, N.: (wiw12)
Brandi, T.O.: Bra11a
Braunberger, G.: Bra11 BrH11
Bräuninger, M.: Bra11b
Bremser, F.: BrS11 Bre12
Brezinschek, P.: (AkC11)
Brok, E.: (DaE11) (Ber11a) (PoH12)
Brokelmann, V.: (BrH11)
Brönstrup, C.: (Bro12)
Brost, L.: BrR11
Brüchle, L.: KGB11
Bruckner, R.: Bru11
Brüderle, R.: (ste12)
Bruni, F.: (FaG11)
Brzeski, C.: (sue12a)
Bsirske, F.: nt11
Buffet, W.: (Hbl12c)
Burghof, H.-P.: (Koe11)
Burmeister, J.: SBS11
Busch-Steinfort, A.: PKP11
Caceres, J.: CaF12
Calabria, M.: (HWR11)
Cameron, D.: (Br11) (sue11e) (BFT11) (DBu11) (TWG11) (PA11) (ZO11b) (mc12)
Carney, M.: (mc12)
Carney, J.: (Spi11n)
Chambers, J.: (PoH12)
Chanos, J.: (HWR11)
Christo­fias, D.: (Hoe11)
Chrysochoidis, M.: (Spi12b)
Clausen, S.: Cla11 Cla11a
Clegg, N.: (TWG11)
Cliffe, M.: (TA11b
Coene, L.: (BM11b
Constâncio, V.: (FTD11n (Sch12b)
Csizi, V.: Csi09
Dallara, C.: AFP11
Dämon, K.: Dae11a Dae12
Daokui, L.: (ErP11)
Darvas, Z.: Dar11
da Silva, L.I.: (ErP11)
Daskalopoulos, D.: (Bat11)
de Guindos, L.: (WO11h) (dSt11d)
Dellas, H.: (Sch11g)
de Silguy, Y.-T.: (ce11)
de Swardt, C.: (TT11a)
Detering, M.: ScD11 Det11
Diehl, J.: Die11 DiB11
Di Rupo, E.: (DBu11)
Dobrindt, A.: (Spi11d) (GaV11)
Döbler, M.: Doe11
Dombret, A.: (WO11)
Dombrovskis, V.: (Fri11)
Draghi, M.: (HWR11) (FN11) (Gae11) (FR11f) (Sch11i) (FTD11d) (GaV11) (NZZ11c) (FAZ11k) (Ehr11a) (FTD11n) (Sch12b) (FAZ12a)
Dupont-Aignan, N.: (Ulr11)
Dulles, J.F.: (Boe11)
Durden, T.: Dur11
Dürr, O.: Due11
Dzajic, S.: Dza11
Eder, F.: DaE11 Ede11 Ede12
Eichel, H.: (HA11b)
Eichengreen, B.: (Loe11)
Eil, N.: BEH08
Einecke, H.: BeE11
Enria, A.: (Reu11d)
Erling, J.: ErP11
Ernst, D.: BEH08
Esterházy, Y.: HWR11
Faber, J.: (Ben11)
Faigle, P.: FaG11 Fai12
Faust, J.: FaV12
Fekter, M.: (mm11a)
Fellegi, T.: (Kah11) (WO12a)
Ferber, M.: (DaE11)
Filker, C.: Fil11
Fillon, F.: (dPr11) (PoH12)
Fischer, J.: (Hbl11j)
Fitoussi , J.-P.: (Fra11a)
Flassbeck, H.: Fla11 (Str11)
Flosbach, J.: (Mai11) (BR11)
Flueckiger, P.: BFT11
Förstl, S.: OhF12
Frachon, A.: Fra11a
Framke, A.: Fra11
Frankenberger, K.-D.: Fra12
Franz, W.: (Hbl11m) (BP11a)
Freiberger, H.: CaF12
Fricker, T.: Fri11
Friedman, M.: (Mue11a)
Fromme, H.: Fro11
Frühauf, M.: MFM11 Fru11 FrR11
Fuchs, M.: (PoH12)
Fuest, C.: (BrR11) (ZO12)
Fuhlrott, O.: OF11 OF11a
Gabriel, S.: (Spi11b) (DWe11) (Hbl11b) (BR11) (Mai11) (Yah11a) (WO11) (Spi11k) (HA11b)
Galbraith, J.: (Zac11) (Str11)
Gammelin, C.: Gam12
Gärtner, J.: Gae11
Gärtner, M.: Gae11a
Gatzke, M.: Gat12
Gaugele, J.: GaV11
Gave, C.: (ce11)
Geisst, C.: (HWR11)
Geithner, T.: (Hbl11r) (Hbl12b) (mc12)
Gellert, T.: (Sch12)
Gerken, L.: Ger11
Ghelli, F.: FaG11
Glass, C.: (wiki1)
Glattfelder, J.B.: (BaS11)
Gomez, I.: KGB11
Gonzalez-Paramo, J.M.: (Spi11g) (FR11f)
Gow, D.: TWG11
Gramm, P.: (wiki2)
Grandt, M.: Gra11
Grant, M.: (DMN11a)
Grass, D.: GSS11
Greive, M.: DGZ11 Gre11
Grilli, V.: (Wel11)
Gross, B.: (WB11g)
Grüner, H.-P.: (TOn11b)
Guntermann, R.: (KGB11)
Gurria, A.: (FN11a)
Guttenberg, K.-T. zu: (sue11b)
Gysi, G.: (Qua11)
Haasis, H.: (DWe11c) (Hbl11s) (BMp11)
Hachfeld, R.: Hac11a
Hacker, B.: (DMN12)
Häcker, J.: BEH08
Hackhausen, J.: Hac11
Hahn, F.: (WB11e)
Halver, R.: (Rex11a)
Handschuch, K.: LHF11 LFH11 LFH12
Hankel, W.: Han11
Haselsteiner, R.: Has12
Hassel, F.: Has12a
Hasselfeldt, G.: (HiV11) (Spi11d)
Heinz, P.: PoH12
Helios, M.: Hel11
Hellmeyer, F.: (BrH11)
Hennersdorf, A.: HWR11
Herrmann, R.: HSK12
Herrmann, U.: Her11
Heuser, J.U.: Heu11
Hildebrand, J.: Hil11 HiV11 DaH11 DaH11a DaH11b
Hinze, J.: Hin11
Hishow, O.N..: His11
Hock, M.: BrH11 Hoc11 Hoc12
Hocker, U.: (Yah11a)
Homburg, S.: (Kun12)
Hoenen, R.-P.: (Det11)
Hönighaus, R.: Hoe10
Horn, G.: BoH09 Hor11 (TOn11b) (FN11b)
Hulverscheidt, C.: Hul12
Hüther, M.: (Koe11) (FAZ11e) (LFH11) (LFH12) (Sch12d)
Issing, O.: (Koe11)
Ivaschenko, I.: (Kah11)
Jackson, G.: (BaS11)
Jiwei, L.: (WB11f)
Jouyet, J.-P.: (FTD11o)
Juncker, J.-C.: (BM11) (Ber11) (Wel11) (mm11a) (Spi11h) (GaV11) (FAZ11e) (Vol11) (Ede11) (TOn11) (Ehr11b) (HA11b) (Ehr12) (FTD12k)
Juppé, A.: (FTD11o)
Kaczmarek, M.: Kac11
Kade, C.: KaP11
Kaelble, M.: Kae11
Kafsack, H.: HSK12
Kahlweit, C.: Kah11
Kaiser, T.: Kai10 Kai11 Kai11a Kai11b
Kapoor, S.: (ScT10)
Katainen, J.: (Wet11)
Kaufmann, S.: Kau11 Kau11a
Kaza­mias, K.: (Hoe11)
Kees de Jager, J.: (DaE11) (Vol11)
Kemmer, M.: (Yah11) (dr11)
Kenny, E.: (Hbl11m)
Keynes, J.M..: (wiki27)
Kißler, A.: PKP11
Kleis, D.: (Kle11)
Klimm, L.: RoK11
Klodt, H.: (Spi12a)
Knappmann, L.: Kna11
Knot, K.: (Hbl12b)
Knuf, T.: Knu11
Kockerbeck, A.: (Zei11)
Koeste­rich, R.: (Ers12)
Kohl, H.: (Hbl11j)
König, F.: Koe11
Koo, R.: (Wer09) (Kai10) (Bar11)
Koopmann, J: Koop
Kopper, C: WD11
Kopper, H.: (mm11)
Kornelius, S.: Kor11a
Kranz, B.: KrP11
Kraushaar, A.M.: Kra11
Krautzberger, M.: (Hoc11)
Kreutzfeld, M.: Kre11
Krüger, A.: (Kun12)
Krugman, P.: (Nar11) (Fra11a) (Kun12)
Kühnlenz, A.: KGB11 Kue11 Kue12 Kue12a
Kupilas, B.: Kup11
Ladleif, F.: EPS11
Lafontaine, O.: (Hbl11b) (HA11b)
Lagarde, C.: (Sch11c) (Wel11a) (HWR11) (WO11c) (ntv11) (ZO11e) (WO11g) (Wis11) (WB11h) (Hbl12a) (FTD12c) (mc12)
Lammert, N.: (Fra12)
Langen, W.: (DaE11)
Lanta, J.: Lan11
Lautenschläger, S.: (WO11)
Lázár, J.: (sue11c)
Leach, J.: (wiki2)
Leaviss, J.: (Hoc11)
LeBas, G.: (TOn11)
Leber, H.: (Hbl12c)
Lebert, F.: Leb11
Le Maire, B.: (Ulr11)
Leonetti, R.: (MoS11)
Lin, J.Y.: (Sch11j)
Lindner, C.: (WB11d)
Losse, B.: LHF11 LFH11 LFH12
Löpfe, P.: Loe11
Loynes, J.: (FAZ11i)
Mai, C.: Mai11
Mallien, J.: Mal11
Mantega, G.: (Bis11) (ntv11)
Martens, M.: Mar12
Mascher, D.: Mas11
Matolcsy, G. (WO11c) (WO12a)
Mayer, T.: FTD11p (WB11h) (FTD12c) (Hbl12d) (PoH12)
Meister, M.: (Yah11a) (DaH11)
Mersch, Y.: (Gae11) (ZO11e)
Mihai, S.: Mih12
Minde, R.: Min11
Monti, M.: (Hbl11m) (FAZ11f) (DaE11) (TA11b (Kor11 (ScS11) (FTD12c) (FAZ12a)
Morcinek, M.: Mor11
Mortsiefer, H.: MoS11
Moscovic, P.: (Sch11l)
Mühlmann, S.: ErP11
Mukherjee, M.: (ErP11)
Müller, D.: Hac11 (dr11)
Münchau, W.: Mue11 Mue11a Mue12
Mumm, C.: (Hbl12c)
Mussler, H.: MFM11
Mussler, W.: MFM11 Mus11
Myard, J.: (Sch11l)
Nagel, J.: (Gre11)
Narat, I.: Nar11
Nerbrand, F.: (WO11e)
Neumann, M.: (Wel11c)
Niebel, D.: (Pre11a)
Nielsen, G.: (Bis11)
Niklasch, J.-O.: (Sch11q)
Noonan, M.: (BZ11)
Noyer, C.: (eom11) (ScS11)
Nußbaum, U.: (BrR11)
Obama, B.: (Spi11n)
Obertreis, R.: Obe11
Ohanian, M.: OhF12
Olson, M.: (FaV12)
Orbán, V.: (Kah11) (sue11c) (Due11) (Bru11) (fin11d) (Seb11) (Hbl12a) (WO12a) (Hbl12f)
Osborne, G.: (Wel11) (mm11a) (YP11)
Oppermann, T.: (PoH12)
Pache, T.: KaP11
Panagopoulos, G.: (Hbl12b)
Papademos, L.: (Fis11) (Zei11) (Bre12) (AuA12) (Hbl12b) (Sch12a) (Str12) (Mar12) (Has12a)
Papandreou, G.: (Wel11a) (Hbl11h) (ste11c) (FAZ11) (NZZ11a) (Die11) (Hbl11k) (Wel11c) (DiB11) (fin11b)
Paris, C.: PKP11
Pécresse, V.: (FAZ12b)
Philipponat, T.: (Her11) (HWR11)
Polleit, T.: (TOn11b)
Ponzel, C.: PoH12
Poschardt, U.: Pos12
Poß, J.: SPD11
Preißler, S.: KrP11
Preuschoff, B.: PKP11
Proissl, W.: EPS11 Pro12 PrE12a Pro12a
Provopoulos, H.: (Spi12a)
Putsch, C.: ErP11
Quadbeck, E.: Qua11
Raffelhüschen, B.: (DMN12)
Rahn, J.: (FR11f)
(mm11c)
Rajoy, M.: (Zei11) (FAZ11f) (WB11) (ZO11c) (dSt11d)
Ralph, J.: (Ben11)
Ramthun, C.: HWR11
Rechberger, H.: (AkC11)
Reding, V.: (BM11b)
Rees, A.: (Kun12)
Regling, K.: (Wet11) (WB11d) (Vol11) (Vol11) (FN12)
Rehn, O.: (FAZ11e) (Zei11) (Hac11a) (FTD11g) (BM11b (Mas11 (Loe11) (Ehr12)
Reimann, A.: ReS11 Rei11
Reinemund, B.: (HWR11)
Reinhart, C.: (Kun12)
Reitzle, W.: (FTD12f)
Reppas, D.: (Has12a)
Reuss, M.: (Hbl12c)
Rexer, A.: Rex11 Rex11a Rex11b
Richter, S.: (Bru11)
Riedel, D.: RiA11
Robinson, F.: PKP11
Röbisch, K.: RoK11
Rogoff, K.: (Fra11a) (Kun12)
Rommes, J.-J.: (Tbl11)
Rösler, P.: (Kna11) (Spi11r)
Rostowski, J.: (FR11g) (WB11d) (mm11d)
Rothenhäuser, R.: (Obe11)
Rudloff, H.-J.: (Doe11)
Rudolph, B.: Rud11
Rudzio, K.: BrR11
Ruhkamp, S.: FrR11 Ruh11
Rutte, M.: (DBu11) (PoH12)
Sachinidis, F.: (Sch12b)
Sachs, J.: (Fra11a)
Samaras, A.: (fin11b) (Zei11) (Mar12)
Sapir, A.: (Ehr12)
Sarrazin, T.: (BrR11) (WO12b)
Sartorius, R.: (Zei11)
(Sch11n)
Schaaf, S.: GSS11
Schaeffler, F.: (PoH12)
Schäfers, M.: Sch11k HSK12
Schick, G.: Sch12d
Schick, J.M.: (sue12a)
Schieritz, M.: Sch11f Sch11p
Schilbe, S.: (LFH12)
Schlandt, J.: BaS11
Schlegel, M.: MoS11
Schmidt, C.M.: (nt11a) (FTD11p) (DWe11e)
Schmidt, H.: (Hbl11p) (Kup11)
Schmidt, S.: (ScT10)
Schmidt, T.: Sch12a
Schmieding, H.: (Ruh11)
Schmitt, T.: ScD11
Schmitz, A.: (Wel11)
Schmoll, T.: Sch11i
Schneider, C.: (Fin11c)
Schnyder, S.: Sch11g
Scholz, O.: (Hbl11p)
Schreyer, M.: Sch09
Schröder, G.: (Hbl11j) (Hbl11k) (dSt11)
Schröder, T.: GSS11
Schrörs, M.: EPS11
Schubert, C.: Sch11c Sch11l ScS11
Schultz, S.: Sch11d Sch11e
Schulz, B.: ScS11
Schulz, C.: (Sch11n)
>
Schulz, M.: (Wel11) (Hbl11q) (YP11) (FTD12c)
Schumacher, W.: (FrR11)
Schumann, H.: ScT10 Sch11j Sch11o
Schwarze, U.: (BrR11)
Schwerdtfeger, H.: ReS11
Sbrancia, B.: (Kun12)
Sebõk, M.: Seb11
Seehofer, H.: (HiV11) (Hbl11b) (Yah11a) (FiK11) (AZ11b)
Seibel, K.: Sei11
Seibert, S.: (WB11d)
Seidel, M.: SBS11
Seiser, M.: Sei12
Siedenbiedel, C.: Sie11
Sikorski, R.: (mm11d) (Spi11n) (BFT11)
Silberhorn, T.: (HiV11)
Simon, P.: (Kra11)
Simor, A.: (sue11f) (WO12a) (Mih12)
Singh , L.: (ErP11)
Sinn, H.-W.: (FR11c) (Wel11c) (FAZ11e) (WO11i) (SiW11) (Mue12)
Skandalidis, K.: (ZO11a)
Smaghi, L.B.: (Sch11p) (Spi11u)
Smith, A.: (PA11)
Snower, D.J.: Sno11 SBS11
Solms, H.O.: (KaP11) (HiV11)
Sorensen, J.P.: (Hoc11)
Soros, G.: (Hbl12b) (mm12)
Spinelli, B.: Spi11t
Stannard, I.: (Hoc11)
Stark, H.: (Ulr11)
Stark, J.: Sie11 (Ben11b) (ScS11) (Mue11a) (BP11a)
(BP11a)
• der neue Bundesbank-Chef „Jens Weidmann müsste Vorschläge für einen Plan B machen” (BP11a)
• Franz kritisierte, dass Axel Weber und Jürgen Stark ihre Posten in der EZB aufgegeben haben
Steagall, H.B.: (wiki1)
Steinbrück, P.: (DWe11a) (FTD12h) (mm12)
Steiner, E.: ErP11
Steiner-Gashi, I.: StG11
Steinmeier, F.-W.: (FAZ11j) (Hbl11q)
Steltzner, H.: Ste11d
Stevis, M.: PKP11
Stiglitz, J.E..: Sti12
Stoegner, T.: (Rex11b)
Stoltenberg, J.: (WO11f)
Strassburg, R.: Str11
Straubhaar, T.: (dSt11) (nt11a) (FTD11p) (DWe11e) WD11
Strittmatter, K.: Str12
Stubb, A.: (ste11c) (sue11a) (YP11)
Sturm, J.-E.: (SF11)
Sundermann, J.: (BaS11)
Thibaut, M.: BFT11
Thielemann, U: WD11
Thomma, N.: ScT10
Tilford, S.: (Dur11) (TOn11)
Tobin, J.: (wiki7)
Traynor, I.: TWG11
Trichet, J.-C.: (Wel11a) (AFP11)
Tsang, D.: (mc12)
Tusk, D.: (DBu11)
Tyson, L.: (Hbl11u)
Ulfkotte, U.: Ulf11
Ulrich, B.: Ulr11a
Ulrich, S.: Ulr11
Umlauf, R.: (Hoc11)
Urpilainen, J.: (DaE11)
Van Rompuy, H.: (Wel11a) (EPS11) (dSt11c) (sue11e) (BFT11) (mm11e) (Sch12a) (Spi12b)
van Steenis, H.: (DWe11d)
Varga, M.: (WO12a)
Varou­fakis, Y.: (Str11)
Venizelos, E.: (ste11c) (ZO11a) (FAZ11) (fin11) (NZZ11a) (Die11) (WO11a) (Mar12)
Vickers, Sir J.: (HWR11)
Visco, I.: (FTD11p)
Vitzthum, T.: HiV11 GaV11
Vivaldi, V.: (Tbl11)
Volkery, C.: Vol11
Volz, U.: FaV12
von Böhm-Bawerk, E.: (wiki27)
von Hayek, F.A.: (BEH08)
von Heusinger, R.: vHe09
von Mises, L.: (wiki27)
Vöpel, H.:WD11
Voßkuhle, A.: (NWZ11) (Fra12)
Voth, H.-J.: (FiK11) (LFH12)
Wagner, G.: (DWe11e)
Waigel, T.: (BP11)
Walter, H.: Wal11 Wal11a
Watt, N.: TWG11
Weber, A.: (Mue11a) (BP11a)
Weder di Mauro, B.: (Kna11) (WO11j)
Weiden­feld, W.: (MZ11)
Weidmann, J.: (Wel11) (Wel11a) (FR11f) (FTD11d) (dSt11) (FR11g) (BM11b (DaE11) (DWe11d) (Mue11a) (BP11a) (Wal11) (FAZ12c)
Weiss, S.: ErP11
Welter, P.: Wel12
Wenzel, R.: (Fro11)
Wermuth, D.: Wer09
Westerwelle, G.: (PoH12)
wid: wid11
Wiechers, R.: (Wel11)
Wintour, P.: TWG11
Wissmann, M.: Wis11
Wolff, G.: (Sch12a)
Wollmershäuser, T.: (SiW11) (Mue12)
Woo, D.: (WO11e)
Wurzel, E.: Wur11
Wynne, J.: (WO11d)
Zacharakis, Z.: Zac11
Zamorano, M.: Zam12
Zangana, A.: (DWe11d)
Zapatero, J.L.R.: (fin11a)
Zeuner, J.: (Hbl12c)
Zhijie, D.: (ErP11)
Zoellick, R.: (mc12)
Zschäpitz, H.: Zsc11 DGZ11
Zuma, J.: (ErP11)
1–9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R Sa Sch S+ T U V W X Y Z
Copyright© 2011–2012, Oskar Fuhlrott, Hamburg